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Dieses Thema hat 133 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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patrick Offline




Beiträge: 2.912

09.06.2015 21:04
In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Anlässlich der traurigen Nachricht über Pierre Brices Tod habe ich mich spontan entschlossen, im laufe der Zeit die Karl May Filme zu besprechen. Als ich in den 70er- und 80er-Jahren aufwuchs, gehörten diese zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, und ich liebe ihren Flair noch heute. Pierre Brice und Lex Barker haben ihre Rollen darin so wunderbar gespielt und mir unzählige schöne Film-Stunden geschenkt, die zudem auch meine jugendliche Phantasie beflügelt haben. Da ich das Kind im Manne nie ganz gehen ließ, macht es mir Freude, auch dieses Genre nach vielen Jahren wieder einmal hervorzuholen. Schließlich ist es eines der bedeutendsten, die der deutsche Film neben Wallace je hervorgebracht hat und ist mit letzterem zwar nicht stilistisch, doch aber aufgrund der Produktions- und Darstellerriege her eng verwandt.

Leider habe ich nicht die Zeit, hier gleich mit Vollgas loszulegen, da mehr als 2 Filme pro Woche nunmal nicht drin sind, und ich eigentlich mit anderen Threads beschäftigt bin. Den Gedanken an einen Karl May Thread hatte ich zwar schon länger im Hinterkopf, hätte dies aber erst sehr viel später in Angriff genommen. Aus aktuellem Anlass ist aber wohl jetzt der passende Zeitpunkt und ich möchte auf diese Weise eine der wichtigsten Figuren des deutschen Films ehren, wobei ich auch jene Filme hineinnehmen möchte, in denen Pierre Brice nicht mitgespielt hat. Allerdings würde es diese wohl auch kaum geben, hätten er und Lex Barker mit ihrer strahlenden Präsenz das Genre nicht so erfolgreich zum Laufen gebracht. So, und jetzt heißt es mal abwarten und geduldig sein, bis sich die Zeit findet. Aber wie heißt es so schön: "Wo ein Wille, da ein Weg" oder "Gut Ding braucht eben Weile".

Clifton Morris Offline



Beiträge: 111

09.06.2015 23:08
#2 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Ich freue mich auf die Besprechung der Karl-May-Filme! Bei einem Fantreffen in Berlin gab es vor 1 oder 2 Jahren eine Umfrage über ein persönliches Ranking. Natürlich standen "Winnetou I" und "Der Schatz im Silbersee" im Merheitsvotum ganz vorne und "Winnetou und sein Freund Old Firehand" ganz hinten. Aber bei anderen Titeln gibt es doch eine durchaus interessante, unterschiedliche Einordnung. Für mich z.B. sind die 3 Stewart Granger-Western recht weit vorne einzuordnen; insbesondere auch der oft unterschätzte "Old Surehand".

patrick Offline




Beiträge: 2.912

09.06.2015 23:53
#3 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Clifton Morris im Beitrag #2
Ich freue mich auf die Besprechung der Karl-May-Filme! Bei einem Fantreffen in Berlin gab es vor 1 oder 2 Jahren eine Umfrage über ein persönliches Ranking. Natürlich standen "Winnetou I" und "Der Schatz im Silbersee" im Merheitsvotum ganz vorne und "Winnetou und sein Freund Old Firehand" ganz hinten. Aber bei anderen Titeln gibt es doch eine durchaus interessante, unterschiedliche Einordnung. Für mich z.B. sind die 3 Stewart Granger-Western recht weit vorne einzuordnen; insbesondere auch der oft unterschätzte "Old Surehand".


Silbersee und Winnetou 1 werden auch bei mir weit vorne sein, ebenfalls Winnetou 3. Old Firehand mit Sicherheit ganz hinten. Auch Apanatschi finde ich nicht besonders gut. Der Rest ist mehr oder weniger in Ordnung. Die Grangers sind, abgesehen von der etwas seltsamen Eigeninterpretation der Surehand-Rolle, auch Filme, die mir immer gut gefallen haben. "Old Surehand" fand ich, zumindest damals, sogar seinen besten.

Jan Offline




Beiträge: 1.315

12.06.2015 23:18
#4 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Clifton Morris im Beitrag #2
"Winnetou und sein Freund Old Firehand" ganz hinten

Kunststück bei einem Karl-May-Fantreffen. Außer des Vermarktungsgags (ich will es mal so nennen) hat der Film ja mit Karl May nichts am Hut. Ähnlich einiger später Wallace-Produktionen rümpft der Fan da natürlich die Nase ob des nicht mehr vorhandenen Bezuges. Aus Fan-Sicht sicher auch verständlich. Für mich gehört "Old Firehand" zu den temporeichsten Filmen der Serie und er hat einen wie ich finde hervorragenden Sound, der von Martin Böttcher soweit entfernt ist wie der filmische Old Firehand vermutlich von seiner literarischen Vorlage. Hätte der Film einen etwas weniger blassen Hauptakteur und wäre wieder mit Stewart Granger besetzt, wär's vermutlich mein Liebling. So muss er sich doch schlussendlich "Old Surehand" geschlagen geben, dicht gefolgt von Reinls Spätwerk für Artur Brauner.

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 2.912

13.06.2015 15:47
#5 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #4
Für mich gehört "Old Firehand" zu den temporeichsten Filmen der Serie und er hat einen wie ich finde hervorragenden Sound, der von Martin Böttcher soweit entfernt ist wie der filmische Old Firehand vermutlich von seiner literarischen Vorlage. Hätte der Film einen etwas weniger blassen Hauptakteur und wäre wieder mit Stewart Granger besetzt, wär's vermutlich mein Liebling. So muss er sich doch schlussendlich "Old Surehand" geschlagen geben, dicht gefolgt von Reinls Spätwerk für Artur Brauner.

Gruß
Jan



Wie schon an anderer Stelle einmal erwähnt wurde, ist dem Film rein handwerklich nichts vorzuwerfen. Der Sound ist Geschmackssache und der alternde Rod Cameron eine Fehlbesetzung, die weder Charme noch Ausstrahlung vermitteln kann. Die May-Romantik ist völlig verloren gegangen, und der Versuch Winnetou dem Italo-Western anzupassen wirkt auf mich einfach nur peinlich. Potential als "Lieblingsfilm" der Reihe sehe ich da leider keines. Reinls "Im Tal der Toten" hat dann Gott sei Dank einen würdigen Abschluss gebildet.

schwarzseher Offline



Beiträge: 380

14.06.2015 10:52
#6 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Für mich leider auch zwei Fehlbesetzungen ( Cameron/Granger )wie ich auch schon an anderer Stelle erwähnt habe.Mit den Namen Firehand/Shurehand hat man völlig andere Figuren vor Augen .Man hätte wie bei den Italo Wallace einfach den Karl May Bezug weglasen sollen ,dann würde sicher über mehr oder weniger gelungene Western/Krimis gesprochen.So für mich leider jeweils der Tiefpunkt der Serie.
Gerade bei der naja etwas ???? überheblichen ?? Art von St. Granger hat man irgendwann nur noch einen Wunsch : Winnetou ,bitte gib Old Shurehand einfach mal einen Tritt in den A.......

patrick Offline




Beiträge: 2.912

14.06.2015 11:16
#7 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von schwarzseher im Beitrag #6
Für mich leider auch zwei Fehlbesetzungen ( Cameron/Granger )wie ich auch schon an anderer Stelle erwähnt habe.Mit den Namen Firehand/Shurehand hat man völlig andere Figuren vor Augen .Man hätte wie bei den Italo Wallace einfach den Karl May Bezug weglasen sollen ,dann würde sicher über mehr oder weniger gelungene Western/Krimis gesprochen.So für mich leider jeweils der Tiefpunkt der Serie.
Gerade bei der naja etwas ???? überheblichen ?? Art von St. Granger hat man irgendwann nur noch einen Wunsch : Winnetou ,bitte gib Old Shurehand einfach mal einen Tritt in den A.......


Ja, auch mich stört, dass man die Old Surehand-Figur so fern von May's Beschreibung angelegt hat. In Grangers Interpretation der Rolle ist durchaus die Arroganz erkennbar, die der überwiegende Teil seiner, an den Surehand-Filmen beteiligten, Schauspielerkollegen immer wieder dokumentiert. Obwohl die Karl-May-Romantik auch hier schon etwas verloren geht, sind die Filme selbst sehr attraktiv gestaltet, was ich von "Old Firehand" nicht unbedingt behaupten kann. Wie ich selber an anderer Stelle bereits geschrieben habe, hätte ich mir den, zu der Zeit in Europa tätigen, Gordon Scott für die Rolle gewünscht.

Jan Offline




Beiträge: 1.315

14.06.2015 17:43
#8 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von schwarzseher im Beitrag #6

Gerade bei der naja etwas ???? überheblichen ?? Art von St. Granger hat man irgendwann nur noch einen Wunsch : Winnetou ,bitte gib Old Shurehand einfach mal einen Tritt in den A.......


Gerade diese Blasiertheit gefällt mir. Überheblich könnte man das natürlich auch nennen. Aber ich bin auch kein Karl-May-Fan, kann mit den Originalfiguren schon rein deshalb nichts anfangen, weil ich sie gar nicht kenne. Daher ist Granger für mich stets ein kleiner Lichtblick, wenn ich die Filme sehe.

Gestern lief in irgendeinem dritten Programm zu Ehren von Pierre Brice eine Doku über ihn, in der er etwas gleichermaßen Lustiges und Unglaubwürdiges zum Besten gab: Sein "bester Freund" Stewart Granger habe (bei welchem Film auch immer) - quasi über Nacht - ein ganz neues Drehbuch verfasst und alle hätten es spielen müssen. Keiner habe sich getraut, dagegen zu rebellieren.

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 2.912

16.06.2015 14:53
#9 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Der Schatz im Silbersee (1962)



Filmdaten:
Deutscher Titel: Der Schatz im Silbersee
Originaltitel: Der Schatz im Silbersee,
Blago u srebnom jezeru,
Le tresor du lac d’argent
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Jugoslawien, Frankreich
Originalsprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 1962
Länge: 111 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12 / 6
Stab:
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Harald G. Petersson
Produktion: Horst Wendlandt
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Ernst W. Kalinke
Schnitt: Hermann Haller

Besetzung:

Lex Barker: Old Shatterhand, Pierre Brice: Winnetou, Götz George: Fred Engel, Herbert Lom: Colonel Brinkley, Karin Dor: Ellen Patterson, Eddi Arent: Lord Castlepool, Marianne Hoppe: Mrs. Butler, Ralf Wolter: Sam Hawkens, Mirko Boman: Gunstick Uncle, Sima Janićijević, Jan Sid: Patterson, Jozo Kovačević: Großer Wolf, Slobodan Dimitrijević: Rollender Donner, Branko Špoljar: Doc Jefferson Hartley, Ilija Ivezić: Hilton, Vladimir Medar: Saloonwirt, Sime Jagarinec: Osagen-Häuptling, Rolf Mamero: Erzähler in der Einleitung/Off-Sprecher

Plot:

Der junge Fred Engel möchte den Tod seines Vaters rächen, nachdem dieser von dem skrupellosen Colonel Brinkley ermordet wird, da er die Hälfte einer wertvollen Schatzkarte besaß, die zum legendären „Schatz im Silbersee“ führt. Er bekommt dabei Schützenhilfe von Winnetou und Old Shatterhand, die drauf und dran sind Butlers Farm zu schützen, welche das nächste Angriffsziel des Colonels und seiner Tramps ist. Dort befindet sich die zweite Hälfte des Plans. Ein Überfall auf die Farm kann zwar mit Hilfe der Osagen abgewehrt werden, doch zerstören die verbrecherischen Tramps ein Utah-Dorf und ermorden Frauen und Kinder, während die Krieger auf Büffeljagd sind. Nachdem Fred sich bewusst in die Hände der Banditen begibt, um seine geliebte Ellen Patterson zu retten, die sich in deren Gewalt befindet, werden Old Shatterhand und seine Freunde von den Utahs gefangen genommen, wobei die berühmte „Schmetterhand“ in einem Zweikampf deren Häuptling „Großer Wolf“ besiegen kann und dadurch die Freiheit für sich und die anderen gewinnt. Fred, der den Weg zum Schatz auswendig kennt, versucht dem Colonel gegenüber Zeit zu schinden, indem er ihn auf Umwegen Richtung Silbersee führt. Er kann allerdings nicht verhindern, dass die Schurken schließlich den Schatz finden, was für diese aber fatale Folgen haben sollte und auch ihn in äußerste Lebensgefahr bringt. Allerdings können Winnetou und Old Shatterhand in letzter Sekunde eingreifen.

Hauptfiguren:



"Nun sehen wir sie endlich von Angesicht zu Angesicht"…..So lauten die einleitenden Worte zum ersten Winnetou-Film von Rialto. Es werden zwei Strahlemänner präsentiert, in die sich das Publikum von der ersten Sekunde an unsterblich verliebt hat. Dabei wird es wohl kaum jemanden geben, der an der nicht-romangetreuen Gestaltung der Figuren Anstoß nimmt. So liest sich nämlich die Beschreibung des literarischen Old Shatterhand :

Zitat
Er war von nicht sehr hoher und nicht sehr breiter Gestalt. Ein dunkelblonder Vollbart umrahmte sein sonnverbranntes Gesicht. Er trug ausgefranste Leggins und ein ebenso an den Nähten ausgefranstes Jagdhemd, lange Stiefel, welche er bis über die Knie emporgezogen hatte, und einen breitkrämpigen Filzhut, in dessen Schnur rundum die Ohrenspitzen des grauen Bären steckten. In dem breiten, aus einzelnen Riemen geflochtenen Gürtel steckten zwei Revolver und ein Bowiemesser; er schien rundum mit Patronen gefüllt zu sein. An ihm hingen außer mehreren Lederbeuteln zwei Paar Schraubenhufeisen und vier fast kreisrunde, dicke Stroh- oder Schilfgeflechte, welche mit Riemen und Schnallen versehen waren. Von der linken Schulter nach der rechten Hüfte trug er einen aus mehrfachen Riemen geflochtenen Lasso und um den Hals an einer starken Seidenschnur eine mit Kolibribälgen verzierte Friedenspfeife, in deren Kopf indianische Charaktere eingegraben waren. In der Rechten hielt er ein kurzläufiges Gewehr, dessen Schloß von ganz eigenartiger Konstruktion zu sein schien, und in der Linken eine brennende Zigarre, an welcher er soeben einen kräftigen Zug tat, um den Rauch mit sichtlichem Behagen von sich zu blasen.
Der echte Prairiejäger gibt nichts auf Glanz und Sauberkeit. Je mitgenommener er aussieht, desto mehr hat er mitgemacht. Er betrachtet einen jeden, der auf sein Äußeres etwas gibt, mit souveräner Geringschätzung. Der größte Greuel ist ihm ein blankgeputztes Gewehr. Nach seiner festen Überzeugung hat kein Westläufer Zeit, sich mit solchem Schnickschnack zu befassen.



Winnetou wurde wie folgt beschrieben:

Zitat
Er trug, wie auch ich stets, wenn ich mich im Westen befand, einen aus Elkleder gefertigten Jagdanzug von indianischem Schnitt, an den Füßen leichte Mokassins, welche mit Stachelschweinsborsten und selten geformten Nuggets geschmückt waren. Eine Kopfbedeckung gab es bei ihm nicht. Sein reiches, dichtes, bläulich schwarzes Haar war auf dem Kopfe zu einem hohen, helmartigen Schopf geordnet und fiel von da aus, wenn er im Sattel saß, wie eine Mähne oder ein dichter Schleier fast bis auf den Rücken des Pferdes herab. Keine Adlerfeder schmückte diese indianische Frisur.



Man stelle sich mal Pierre Brice (1929-2015) mit einem helmartigen Schopf vor . Der Franzose, den zu dieser Zeit wohl kaum jemand kannte, hat mit seiner Paraderolle im deutschsprachigen Raum Filmgeschichte geschrieben. In seinem Heimatland Frankreich dagegen, blieb er bis heute fast unbekannt.

Gerade Old Shatterhands Erscheinungsbild entspricht im Film so ziemlich genau dem Gegenteil der von Karl May beschriebenen Figur. Als Ex-Tarzan mit jahrelanger Hollywood-Erfahrung war Lex Barker (1919-1973) ein wahrer Hüne von Gestalt, hatte einen Vorzeige-Körper und trug prinzipiell keine Kopfbedeckung. Der beschriebene Filzhut war ausschließlich bei seinem ersten Auftritt zu sehen und dabei lediglich an den Sattel gebunden. Den blonden Vollbart trug er ganz zu Beginn, doch fällt dieser nach ca.23 Minuten dem Rasiermesser zum Opfer. Auch war Old Shatterhand bei May ein großer Redner, ja sogar ein bisschen ein Besserwisser. Von Lex Barker wurde er gänzlich anders gespielt. Er ist hier als moderner Held angelegt, der engagiert handelt und nicht allzu viele Worte verschwendet. Ferner ist er ein sehr bescheidener und zurückhaltender Mann. Horst Wendlands Vorbild für die Gestaltung des Old Shatterhand war Barkers Lederstrumpf-Interpretation von 1957. Er war von vornherein für die Rolle vorgesehen, da er Anfang der 60er-Jahre, unzufrieden mit der Entwicklung seiner Karriere in den USA, in Europa drehte.

Der „rote Cornel“Brinkley ist im Roman von hagerer Gestalt und pöbelt zu Beginn der Geschichte auf dem Raddampfer den Indianer Nitropan-hauey an, womit er dessen Blutrache auf sich zieht und im späteren Verlauf durch diesen seine Ohren verliert. Später stirbt er am Marterpfahl der Utahs.
Im Film wird der Cornel von Herbert Lom (1917-2012) zwar nicht romangetreu, aber trotzdem ganz hervorragend, dargestellt. Lom Spielt den Schurken, mit dem nicht zu spaßen ist, vom Scheitel bis zur Sohle wie ein gelernter Bösewicht. Der gebürtige Tscheche musste nicht synchronisiert werden, da er hervorragend deutsch sprach, wobei sowohl seine besonders betonte Sprechweise als auch seine Mimik das verschlagene, rücksichtslose und unmenschlich-grausame Wesen perfekt unterstreichen. Ich möchte ergänzend noch erwähnen, dass Loms Englisch ebenfalls perfekt klang. Er ist 1939 aus politischen Gründen nach Großbritannien emigriert. Im Film begegnet er Nitropan-hauey, der den Schatz bewacht, erst am Schluss und wird, nachdem er ihn mit seinen Männern niederschlägt, durch einen, mit einer Kette bedienten, Mechanismus mitsamt dem Schatz in einem Sumpf versenkt.

Weitere Figuren:



Der von Ralf Wolter (geb.1926) ganz toll gespielte kauzige Westmann Sam Hawkins ist von der ersten Stunde an dabei und hat sich als besonderes Original verewigt.

Mit dem Präriepoeten Gunstick Uncle hat es ein weiterer, sehr exzentrischer, May-Charakter in den Film geschafft. Er wird von Mirko Boman (1926-2013) gespielt. Sein Name bezieht sich auf seine steife Haltung (als hätte er einen Ladestock im A…., ähem ich meine verschluckt). Außerdem spricht er nur in Reimen.

Den Lord Castlepool darf Eddi Arent zum Besten geben und interpretiert die Rolle dabei in derselben Weise, wie seine Wallace-Auftritte.

Fred Engel und Ellen Patterson sind im Roman Kinder, hier im Film ein Liebespaar, und werden von Götz George (geb.1938) und Reinls schöner Ehefrau Karin Dor (geb.1938) gespielt. Mit letzterer ist ein weiteres, sehr gern gesehenes, Wallace-Gesicht dabei. Götz George machte sich nach eigener Aussage Hoffnungen auf die Hauptrolle, da ursprünglich angeblich im Gespräch war, Winnetou und Old Shatterhand nur als Nebenfiguren anzulegen. Als er dann aber Pierre Brice in seinem Kostüm sah und später Lex Barker, der nochmal 2 Köpfe größer war als er, erkannte er rasch, dass ihm die Felle davon schwammen und aus dem Traum leider nichts wurde.

Die Indianerrollen werden von zahlreichen jugoslawischen Schauspielern und Statisten bekleidet, die dabei ausgesprochen glaubhaft wirken. Erwähnen möchte ich noch den jugoslawischen Darsteller Slobodan Dimitijevic (1941-1999) als "Rollender Donner". Er wirkte auch in "Winnetou 3", "Der Ölprinz" und den Jerry-Cotton-Filmen "Mordnacht in Manhatten" und "Der Mörderclub von Brooklyn" mit. Zwei Jahre vor seinem Tod spielte er 1997 sogar in der US-Produktion "Projekt: Pacemaker" neben George Clooney und Nicole Kidman mit.

Umsetztung.



Da eine kompromisslose Umsetzung der Romanvorlage aufgrund der zahlreichen Charaktere und der dichten Atmosphäre in einem gut 100 Minuten langen Film kaum möglich war, hat man sich bloß sehr lose und frei auf das Buch bezogen, dabei nur ein paar Motive übernommen und den eigentlichen Haupthelden, Old Firehand, wie auch einige andere Charaktere, z.B. Tante Droll, ganz weggelassen. Mit anderen Worten: Film und Roman haben nicht viel gemein, was irgendwie schade ist und irgendwie auch nicht, da die Geschichte von Harald Reinl ungemein professionell und wunderschön in Szene gesetzt wurde. Wer hätte dem Österreicher zugetraut, als erster einen Western in Europa zu drehen und dabei noch ungemeinen Erfolg zu haben. Genauso wie er mit seinem wunderbaren „Frosch mit der Maske“ das Wallace-Genre in’s Rollen brachte, schlug er mit dem „Schatz im Silbersee“ nun auch im Karl May-Genre große Wellen. Reinl war für mich damit der beste deutschsprachige Regisseur seiner Zeit, der sich wohl in nahezu jedem Genre behaupten konnte.

Kritisch vermerken möchte ich das recht infantile Verhalten, dass die Schurken an den Tag legen, als sie den Schatz zu Gesicht bekommen und wie gierige kleine Kinder nicht teilen wollen. Sie kämpfen und wälzen sich am Boden, bis sie vom Colonel erschossen werden. Das beschriebene Verhalten ist weder logisch noch sinnvoll, da ein alleiniges Wegtransportieren des Schatzes wohl außer Frage steht. An dieser Stelle zeigt die Geschichte sehr naive Züge.

Musik:

Die Filmmusik hätte gelungener gar nicht klingen können. Der geniale Martin Böttcher ruft hier erstmals die berühmte „Old-Shatterhand-Melodie“ in’s Leben und verwöhnt das Publikum auch mit der eingängigen Tramp-Melodie tatatata- tatataaaa. Auch die Zwischentöne klingen ausgesprochen passend und attraktiv. Böttcher zeigt ein ungemein gutes Gespür dafür, den richtigen Ton zu treffen. Für mich sind sowohl seine Karl-May-, als auch seine Wallace-Scores die besten der jeweiligen Genres.

Schauplätze:



Die wunderbaren Plitvicer Seen zeigen eine bunte Bilderbuch-Landschaft, in die man sich einfach verlieben muss. Als Silbersee darf der See Kaluderovac herhalten. Weiters wird das Auge mit dem Wasserfall am See Galovac, dem Tal von Grobnik (Butlers Farm) nahe Rijeka und der Paklenica-Schlucht bei Starigrad (Westernstadt Tulsa) verwöhnt.

Ich habe selbst einmal Anfang der 80er-Jahre mit meinen Eltern die Plitvicer-Seen besucht und fest vor, dieses Erlebnis zu wiederholen.

Fazit:

Wunderbarer Bilderbuch-Western, bei dem das Zusammenspiel zwischen Darstellern, Kameraführung, Landschaft und Musik nahezu perfekt gelungen ist und dem man den fehlenden Romanbezug ohne Weiteres verzeihen kann. 5 von 5 für einen sehr richtungsweisenden Reinl-Film.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

21.06.2015 19:27
#10 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Winnetou 1 (1963)



Filmdaten:
Deutscher Titel: Winnetou 1. Teil
Originaltitel: Winnetou 1. Teil / Vinetu I / La révolte des indiens apaches
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Jugoslawien, Frankreich
Originalsprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 1963
Länge: 101 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Stab:
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Harald G. Petersson
Produktion: Horst Wendlandt für Rialto Film Preben-Philipsen, Jadran Film
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Ernst W. Kalinke
Schnitt: Hermann Haller

Besetzung:

Lex Barker: Old Shatterhand, Pierre Brice: Winnetou, Mario Adorf: Frederick Santer, Marie Versini: Nscho-tschi, Ralf Wolter: Sam Hawkens, Walter Barnes: Bill Jones, Mavid Popović: Intschu-tschuna, Antun Nalis: Barmann Hicks, Dunja Rajter: Belle, Chris Howland: Jefferson Tuff-Tuff, Husein Cokic: Will Parker, Demeter Bitenc: Dick Stone, Niksa Stefanini: Bullock, Ilija Ivezić: Joaquin, Branco Špoljar: Alan Bancroft, Tomislav Erak: Tangua, Dusko Dopudj: Schwarzer Adler, Ana Kranjcec: Vollmond, Karl Dall: Saloongast, Hrvoje Svob: Klekih-petra, Curt Ackermann: Off-Sprecher

Handlung:

Der skrupellose Verbrecher Frederick Santer plant, zusammen mit dem Bauunternehmer Bancroft, auf welchen er Druck ausübt, eine Eisenbahnlinie widerrechtlich mitten durch das Gebiet der Apachen zu bauen, anstatt, wie eigentlich geplant, darum herum. Grund dafür ist, dass er das durch die Abkürzung eingesparte Geld einstecken und sich anschließend aus dem Staub machen möchte. Ein deutscher Vermessungsingenieur, der später von Sam Hawkens "Old Shatterhand" genannt wird, da er bei einer Auseinandersetzung mit Santers Männern mehrere von Ihnen mit seiner gewaltigen Faust niederstreckt, durchschaut allerdings die Gaunerei und bietet Santer die Stirn. Er verspricht dem Häuptlingssohn Winnetou und dessen weißen Lehrer Kleki-petra, den Bahnbau durch deren Gebiet abzubrechen. Allerdings wird die Unterredung durch Santer und seine Männer unterbrochen, wobei Kleki-petra von dem Schurken ermordet wird.
Winnetou wird den, mit Santer verbündeten, Kiowas als Gefangener übergeben, allerdings nachts von Old Shatterhand befreit, der unerkannt bleibt. In Roswell findet anschließend eine wilde Schießerei zwischen Old Shatterhands Gruppe und Santers Bande statt, die überwältigt werden kann, nachdem eine Lokomotive in den Saloon umgeleitet wird, in dem sich die Gauner verschanzt haben. Santer kann allerdings durch einen Stollen entkommen.
Plötzlich greifen die, auf Rache sinnenden, Apachen an. Old Shatterhand wird von Winnetou im Kampf lebensgefährlich verletzt, in's Indianderdorf gebracht und von Winnetous Schwester Nscho-tschi gesund gepflegt, die sich in ihn verliebt. Wieder genesen, bekommt er die Gelegenheit, gegen den Häuptling Intschu-tschuna um sein Leben zu kämpfen, wobei er siegt und dadurch die Freiheit für sich und seine Freunde Sam Hawkens, Dick Stone und Will Parker gewinnt.
Nachdem er beweisen kann, dass er es war, der Winnetou aus den Händen der Kiowas befreite, werden die beiden Blutsbrüder. Um eine geplante Ausbildung Nscho-tschis in einer Schule der Weißen finanzieren zu können, begeben sich Winnetou, Intschu-tschuna und Nscho-tschi auf den Nugget-Tsil, wo sich das Gold der Apachen befindet. Santer und seine Männer, die ihnen heimlich gefolgt sind, eröffnen dort das Feuer. Intschu-tschuna und Nscho-tschi werden dabei tödlich getroffen, bevor Old Shatterhand und die, ihn begleitenden, Apachen zur Hilfe eilen und Santer töten können.


Umsetztung:



Nach dem grandiosen Überraschungserfolg von „Der Schatz im Silbersee“ schickten Horst Wendland und Harald Reinl 1963 den ersten Teil der Winnetou-Trilogie in’s Rennen, wo auf die beiden Blutsbrüder wesentlich näher eingegangen wird. Schließlich wird die Geschichte ganz von Anfang an erzählt und geschildert, wie ihre Freundschaft und Blutsbrüderschaft in einer sehr schwierigen Situation gedeiht. Die Handlung hat eine gewisse Nähe zum Roman. Zwar wurde sie stark gestutzt, vereinfacht und abgeändert, die wesentlichen Elemente jedoch beibehalten. So geht es auch hier um den Eisenbahnbau mitten durch das Apachengebiet - die Ermordung von Kleki-petra, Intschu-tschuna und Nscho-tschi - Old Shatterhands lebensgefährliche Verletzung durch Winnetou - seine Genesung durch Nscho-tschis pflegende Hände - das Gottesurteil - Die Blutsbrüderschaft - Santers Bemühungen, an das Apachengold zu gelangen - das tragisch endende Liebesthema zwischen Old Shatterhand und Nscho-tschi, etc.
Damit ist „Winnetou 1“ die wohl romangetreuste aller Winnetou-Verfilmungen, was ihr einen ganz besonderen Charme im May-Oeuvre verleiht. Martin Böttchers Klänge lassen auch diesmal nicht im Stich und fügen das sehr schöne „Liebesthema“ hinzu.
Ganz im Sinne Mays wird wahre Liebe, Romantik und Männerfreundschaft wunderbar inszeniert und durch gewohnt schöne Bilder und Musik kräftig unterstützt.

Charaktere:



Die beiden jugoslawischen Schauspieler Mavid Popovic (1909-1994) und Hrvoje Svob (1909-1991) sind als Intschu-tschuna und Kleki-petra zu sehen, 2 Rollen die zwar nicht sehr groß, aber im Handlungsverlauf bedeutend sind.

Sam Hawkens Freunde Dick Stone und Will Parker wurden von den, ebenfalls jugoslawischen, Darstellern Demeter Bitenc (geb.1922) und Husein Cokic (geb.1931) gespielt, hatten wenig oder gar keinen Text und dienten nur dazu, das Spektrum um 2 weiter kauzige Charaktere zu erweitern, die für May ja so typisch sind.

Eine besondere Abweichung vom Roman ist auch, dass Kleki-petra nicht von einem Schurken namens Rattler, sondern von Santer ermordet wird. Dieser wird von Mario Adorf ausgesprochen finster und skrupellos dargestellt und steht damit Herbert Lom in nichts nach. Rattler kommt im Film nicht vor, sondern verschmilzt dort mit Santer. Dieser wird am Ende des Films von den Apachen grausam gerichtet. Im Roman überlebt er und findet erst im dritten Teil der Trilogie den Tod. Die nur sehr lose zusammenhängenden Teile 2 und 3 wurden aufgrund ihrer schweren Verfilmbarkeit nicht romangetreu umgesetzt. Im Gegensatz zu Herbert Lom, der im "Schatz im Silbersee" in entsprechender Bösewicht-Tradition einen schwarzen Hut trägt, ziert Mario Adorfs Haupt ein weißer Hut.

Winnetou wird in diesem Streifen aus dramaturgischen Gründen wesentlich härter und unerbittlicher dargestellt, als in den anderen Filmen. Pierre Brice gestand einmal, dass er ursprünglich viel lieber die, ihm interessanter erschienene, Rolle des Old Shatterhand gespielt hätte.

Der Kiowa-Häuptling Tangua fungiert im Film lediglich als eine, dem Feuerwasser verfallenen, Nebenfigur. Im Roman spielte er eine wesentlich gewichtigere Rolle.

Ganz besonders populär wurde Marie Versinis (geb.1940) sehr romantische Interpretation der Nscho-Tschi. In der Rolle ihres Lebens gab sie wohl Anlass zu eimerweise Tränen. Ihre jugendliche Frische, gepaart mit dem sympathischen Lächeln, dass auch in der Sterbeszene nicht verblasst, gehört zu den ganz besonders herzerweichenden Highlights der Karl-May-Filme.

In einer Saloon-Szene mit Mario Adorf ist im Hintergrund übrigens der damals 22-jährige Karl Dall als Statist mit einem rot-blau karierten Hemd und Hut zu sehen. Hier ein kleiner Scrreen-Shot von ihm:



Chris Howlands alberne Rolle hätte man sich getrost schenken können. Er wirkt wie ein Fremdkörper im Film. Seine Szenen wurden in einer englischen Version aus verständlichen Gründen geschnitten.

Liebesthema:



Sowohl Winnetou als auch Old Shatterhand sind als untadelige Charaktere mit höheren Idealen für zwischenmenschliche Liebesbeziehungen wenig zugänglich. Trotzdem durften beide zumindest einmal ihr Herz für das weibliche Geschlecht öffnen, was auch in beiden Fällen tragisch, bzw. unglücklich verläuft. Hier wird die Liebe zwischen Old Shatterhand und Nscho-tschi sehr gefühlvoll, aber auch gleichzeitig sehr unschuldig und jugendhaft dargestellt. Berührungen beschränken sich auf Händchenhalten und Küsschen auf die Stirn. Trotz dieser Distanz gelang es, ihre Chemie sehr herzerwärmend darzustellen, weshalb Nscho-tschis Sterbeszene stark auf die Tränendrüse drückt.

Schauplätze:



Der Nugget-Tsil, auf dem Nscho-tschis Sterbeszene gefilmt wurde, befindet sich auf dem Gipfel Tulove Grede im Velebit-Gebirge.

Als Rio Pecos diente der Fluss Zrmanja, wo sich Lex Barker, der eine Wasserratte und begeisterter Sporttaucher war, über und unter Wasser austoben konnte.

Roswell befindet sich in der Nähe des Ortes Zecevo.

Die Szenen mit Old Shatterhand und Nscho-tschi wurden an den wunderschönen Krka-Fällen bei Skradin gedreht.

Nahe Knin entstand die Ermordung des Schwarzen Adlers durch Santer und seine Männer.

Grobnik Polje stand im „Schatz im Silbersee“ bereits für Butlers Farm zur Verfügung und durfte diesmal für den Überfall der Kiowas auf den Planwagentrek herhalten.

Fazit:

Als temporeiche, sehr romantische und gefühlvolle Karl May- Verfilmung, die dazu noch recht nahe am Geist der Vorlage liegt, gehört "Winnetou 1" mit seinen wunderbaren Landschaftsaufnahmen und der gewohnt schönen Musik zu den absoluten Top-Filmen der Reihe. 5 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

25.06.2015 21:53
#11 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Old Shatterhand (1964)




Filmdaten:

Deutscher Titel: Old Shatterhand
Originaltitel: Old Shatterhand / Les cavaliers rouges / La battaglia do fort apache

Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien[1][2]
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 1964
Länge Kurze Fassung: 97 Minuten
Lange Fassung: 122 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12/6

Stab:

Regie: Hugo Fregonese
Drehbuch: Ladislas Fodor
Robert A. Stemmle
Produktion: Artur Brauner
Musik: Riz Ortolani
Kamera: Siegfried Hold
Schnitt: Alfred Srp

Besetzung:

Lex Barker (Gert Günther Hoffmann): Old Shatterhand, Pierre Brice (Christian Wolff): Winnetou, Daliah Lavi (Ruth Maria Kubitschek): Paloma Nakama, Ralf Wolter: Sam Hawkens, Vojkan Pavlovic: Will Parker, Mirko Boman: Dick Stone, Guy Madison (Rainer Brandt): Captain Bradley, Gustavo Rojo (Dietmar Schönherr): Corporal Bush, Bill Ramsey: Timpe, Rik Battaglia: Dixon, Kitty Mattern (Inge Landgut[3]): Rosemarie, Alain Tissier: Tujunga, Mirko Ellis: Joe Burker, Gojko Mitić: (tanzender Apachen-Krieger), Mavid Popović: Lata Nalgut, Guy Madison: Falkenauge

Handlung:


Eine berüchtigte Bande treibt unter der Führung des Armee-Captain Bradley ihr Unwesen und ermordet, zusammen mit den nach Feuerwasser dürstenden Komantschen, ein holländisches Siedler-Ehepaar. Anschließend wird ein Armee-Treck überfallen, wobei jedes mal zwei, vorher getötete, Apachen zurückgelassen werden, um den Eindruck zu erwecken, dass diese den Frieden stören. Die Gauner planen, zusammen mit den Komantschen, einen Krieg gegen die Apachen anzuzetteln und nach deren Vernichtung ihr Land unter sich aufzuteilen. Als Old Shatterhand Paloma Nakama in die Stadt Golden Hill in Sicherheit bringt, lernt er den jungen Tom kennen. Dieser ist der Sohn der ermordeten Holländer und damit der einzige, der die Unschuld der Apachen bezeugen kann. Er wird später allerdings von einem Bandenmitglied hinterrücks erschossen.
Winnetou begibt sich in’s Lager der Komantschen, fordert deren Häuptling zum Zweikampf und tötet ihn. Anschließend rauchen er und Old Shatterhand zusammen mit General Taylor die Friedenspfeife und beteuern die friedlichen Absichten der Apachen. Der General verlässt Fort Grant, um seinen Vorgesetzten zu treffen und überlässt das Kommando vorübergehend Colonel Hunter.
Old Shatterhand stattet dem Bandenmitglied Joe Burker derweil einen Besuch auf dessen Ranch ab, gerät dabei in eine Schießerei und gewinnt mit Sam Hawkens Hilfe die Oberhand. Burker wird in’s Lager der Apachen gebracht und zu einem schriftlichen Geständnis gezwungen. Anschließend wird ihm freies Geleit gewährt, wobei er von dem, ebenfalls zur Bande gehörenden, Corporal Bush für den Verrat erschossen wird. Dieser hat, zusammen mit Captain Bradley, Burkers Ranch niedergebrannt, um auch dies den Apachen in die Schuhe zu schieben. Bei einem geplanten Treffen mit Colonel Hunter im Fort Grant erfahren Winnetou und Old Shatterhand, dass dieser angeblich einem Schlangenbiss zum Opfer fiel und der Bandenführer Captain Bradley nun das Kommando hat. Der Grund für seinen Indianerhass liegt darin begründet, dass einst seine Frau und Kinder von Rothäuten getötet wurden. Er nimmt die Blutsbrüder zwar fest, gibt ihnen aber dann freies Geleit im Austausch gegen Burkers schriftliches Geständnis. Als Winnetous Ziehsohn Tujunga von Soldaten gefangen genommen wird, nachdem er die nackt badende Paloma Nakama vor diesen schützte, begibt sich Old Shatterhand in’s Fort, um ihn zu befreien, wird dabei aber selber festgenommen. Dies veranlasst Winnetou, mit seinen Apachen das Fort zu stürmen und eine wilde Schlacht vom Zaun zu brechen, bei der sogar Kanonen eingesetzt werden. Mit Tujungas Hilfe kann ein Munitionslager gesprengt werden, was zum Sieg der Apachen beiträgt. Old Shatterhand kann befreit werden, und Captain Bradley wird von dem zurückkehrenden General Taylor festgenommen. Tujunga allerdings musste sein Leben lassen.


Artur Brauners CCC-Filmkunst und Karl May:



Nachdem der geschäftstüchtige und risikobereite Horst Wendlandt mit den ersten beiden Winnetou-Filmen ausgesprochen erfolgreich Neuland betrat, wollte der nicht weniger findige Artur Brauner auch am Kuchen teilhaben. Er stand allerdings vor dem Problem, dass der schlaue Wendlandt sich die Verfilmungsrechte aller Wildwestromane von Karl May sicherte. Brauner umging diese Widrigkeit mit dem Kunstgriff, unter dem potenten Titel "Old Shatterhand" einen Film zu drehen, der sich auf keinen Roman von Karl May bezieht. Die Handlung beinhaltet Motive aus mehreren Karl May-Geschichten, ist aber im Grunde von Artur Brauner frei erfunden. Lex Barker war aufgrund eines alten Abkommens verfügbar, Pierre Brice musste allerdings im Rahmen eines Deals für nur einen Film gegen Elke Sommer eingetauscht werden, die in Wendlandts "Unter Geiern" mitwirken durfte. Brauner sollte erst 1968, zum Abschluss des Genres, wieder die Gelegenheit haben, einen Winnetou-Film zu drehen, nachdem Wendlandt wegen der nachlassenden Zuschauerresonanz die Flinte in's Korn warf. Ähnlich wie bei Edgar-Wallace gab der zähe Brauner aber nicht auf, sondern rief eine Nebenlinie mit Karl May-Streifen in's Leben, die aus 3 Orient-Verfilmungen und einem Azteken-Zweiteiler bestand.

Inszenierung:



Artur Brauner ließ sich "Old Shatterhand" einiges kosten, war dies doch der teuerste aller Karl May-Filme. Als Antwort auf Wendlandts Team, dass aus Harald Reinl (Regie), Ernst W.Kalinke (Kamera), Matin Böttcher (Musik), Harald G.Petersson (Drehbuch) bestand holte Brauner Hugo Fregonese (Regie), Ladislas Fodor und Robert A.Stemmle (Drehbuch), Riz Ortolani (Musik) und Siegfried Hold (Kamera) an Bord.
Sowohl am Regisseur als auch an der Besetzungsliste ist unschwer zu erkennen, dass Brauner auf ein Hollywood-erfahrenes Team setzte. Tatsächlich wirkt "Old Shatterhand" wesentlich amerikanischer als Wendlandts Filme. Dies trifft auch auf Riz Ortolanis Musik zu, die zwar recht gut ist, aber nicht an Böttchers Klänge heranreicht. Das Hauptthema ist sogar in einer Szene als "Die Stunde kam" gesungen zu hören. Obwohl der Film handwerklich sauber inszeniert ist, sieht man ihm doch an, dass das Team unter Zeitdruck stand. Da in den Monaten September bis Dezember 1963 gedreht wurde, haben die Farben weniger Strahlkraft als bei den, unter günstigeren Bedingungen, gedrehten Wendlandt-Filmen. Dies hat aber an manchen Stellen auch seine Vorteile, so z.b in der Szene, wo die Holländer ermordet werden, oder bei der Schießerei auf Burkers Ranch. Auch die Indianer sind schlichter und schäbiger, dafür realistischer, gekleidet und nicht so herausgeputzt, wie bei den Vorgängern.
Fregonese hat es nicht geschafft, die von Harald Reinl mit so viel Feingefühl kreierte Karl May-Romantik nachzuahmen. Zwar wurde dies durch das Einbringen von Winnetous Ziehsohn Tujunga durchaus versucht, jedoch mit dessen Verkörperung durch den faden und uncharismatischen Alain Tissier (1943-2001) nicht annähernd erreicht. Als Zuseher wird man mit Tujunga nicht wirklich warm, weshalb auch sein Tod keine allzu großen Gefühle hervorruft. Leider hat der Film, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, auch einige Längen.

Charaktere:



Eine weitere Hauptfigur neben dem bereits erwähnten Tujunga ist die, von der damals bereits zum internationalen Star avancierten, israelischen Schauspielerin Daliah Lavi (geb.1942) gespielte Paloma Nakama, die Taube des schäumenden Wassers. Der Name der Figur wurde zwar einem Karl-May-Roman entnommen, hat mit dieser aber sonst nicht viel gemeinsam. Für damalige Verhältnisse recht gewagt ist ihre Nacktbadeszene, für die allerdings ein Double herhalten musste.

Als uniformiertes Schurken-Doppelpack geben der Amerikaner Guy Madison (1922-1996) als Captain Bradley und der Spanier Gostavo Rojo (geb.1924) als Corporal Bush ihren May-Einstand. Ersterer sollte in "Das Vermächtnis des Inka", letzerer im Kurdistan-Zweiteiler zurückkehren. Beide sind als Schurken sehr glaubhaft, wobei mir Gosavo Rojos Corporal Bush fast noch etwas besser gefällt. Nachdem er erst noch mit Skrupel behaftet scheint, was durch seine Aussage "Ich will nicht noch tiefer sinken" bekräftigt wird, als er zusammen mit Guy Madison Joe Burkers Ranch niederbrennt, fällt ihm das Morden schließlich immer leichter. Von ihm am besten gespielt finde ich jene Szene, in der er Burker von hinten erschießt, nachdem er ihn wegen seines Verrats mit einem bösen Grinsen zur Rede stellt. Wie auch Lex Barker, hatte Gustavo Rojo Tarzan-Film-Erfahrung. Er spielte neben dessen Vorgänger Johnny Weissmüller in "Tarzan in Gefahr"(1948) mit.

Seine erste Nebenrolle in einem Winnetou-Film hatte der spätere DEFA-Indianerstar Gojko Mitic (geb.1940). Er wirkte in Folge noch in "Winnetou 2", "Unter Geiern" und "Winnetou 3" mit.

Auch der später als Schut und Winnetous Mörder Rollins besonders bekannt gewordene Rik Battaglia hat hier als Dixon seinen ersten Auftritt bei Karl May. Er musste jedoch einen frühen Filmtod sterben, da er sich mit einer, vom Produktionsleiter Reuther verabreichten, infizierten Antibiotika-Spritze eine chronische Hepatitis zuzog. Sein angegriffener Gesundheitszustand ist im Film an seinen Augen erkennbar. Auch in weiteren Karl May-Filmen sollte Battaglia immer wieder gesundheitliche Probleme haben.

Sam Hawkens schweigsame Freunde Dick Stone und Will Parker sind wieder mit von der Partie, diesmal aber anders besetzt. Als Dick Stone ist Mirko Boman zu sehen, der sonst eigentlich den Part des Präriepoeten Gunstick Uncle bekleidet. Den Will Parker spielt Vojkan Pavlovic.

Drehorte:




Die Szene, wo Winnetou Old Shatterhand trifft, wurde in Gornji Klezna in Montenegro gedreht. Ebenfalls in Montenegro, nämlich in Ulcinjsko polje bei Ulcinj, wurde das Nachtlager mit den Planwagen gefilmt. In Krute bei Ulcinj wurde der Überfall auf den Treck mit dem Steinschlag inszeniert.

In Bosnien-Herzegowina stand Fort Grant, nämlich in Popovo polje bei Trebinje. Die Stadt Golden Hill wurde im Zupici-Tal bei Trebinje errichtet.

Bei den bereits aus "Winnetou 1" bekannten Krka-Wasserfällen bei Skradin in Kroatien wurde das Lager der Apachen gezeigt. Auch das "Nest der weißen Taube" befindet sich dort. Winnetou und Tujunga begeben sich beim Manojlovac-Fall auf Jagd.

Fazit:

Im großen und ganzen einigermaßen gelungener Winnetou-Film aus Artur Brauners CCC-Werkstatt, der wesentlich amerikanischer ist als Wendlandts Beiträge, dafür aber die Karl-May-Romantik etwas missen lässt und nicht frei von Längen ist. 4 von 5.

Giacco Offline



Beiträge: 1.578

26.06.2015 18:36
#12 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Bei den Kinobesuchern hat Alain Tissier als "Tujunga" damals wohl einen durchaus positiven Eindruck hinterlassen.
In der BRAVO-Ausgabe Nr.26/1964 schreibt "Harry Fix", der für Leseranfragen zuständig war, folgendes:

Überschrift: Der ist ganz toll
"Endlich kann ich die vielen, vielen Briefeschreiber, die ihr Herz an einen jungen Indianer verloren haben, mit Nachrichten versorgen. Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Aber ich mußte erst meine Fährtensucher auf diese sympathische Rothaut ansetzen. Gemeint ist natürlich Tujunga aus "Old Shatterhand", dargestellt von Alain Tissier."
Es folgen Angaben über den bisherigen Werdegang des Darstellers. Der Bericht endet mit dem Satz:
"Und nun wollen wir alle gemeinsam die Daumen drücken, dass bald wieder ein Filmproduzent auf die Idee kommt, den attraktiven und so gut "ankommenden" Alain Tissier für einen deutschen Film zu engagieren"

Count Villain Offline



Beiträge: 3.902

26.06.2015 19:29
#13 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #12
Bei den Kinobesuchern hat Alain Tissier als "Tujunga" damals wohl einen durchaus positiven Eindruck hinterlassen.
In der BRAVO-Ausgabe Nr.26/1964 schreibt "Harry Fix", der für Leseranfragen zuständig war, folgendes: (...)[/i]



Wenn ich bedenke, welche Kinobesucher wahrscheinlich gleichzeitig BRAVO-Leser sind, so ist der positive Eindruck sicher hauptsächlich optischer und weniger darstellerischer Natur.

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Ein Toter im Beichtstuhl und Bibelverse, die weitere Morde androhen ...

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Clifton Morris Offline



Beiträge: 111

26.06.2015 23:58
#14 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Am 27.09.2015 wird im Cineplex Hamm/Westfalen "Winnetou III" gezeigt. Als Stargast ist Marie Versini angekündigt (sie hat ja zumindest im Rahmen der Rückblenden kurze Auftritte auch in diesem Film). In den letzten Jahren lohnte sich ein Besuch dieser sympathischen Veranstaltung sehr. Es soll auch ein Interview mit Marie Versini geben. Hier der Link: http://www.cineplex.de/hamm/aktionen/detail/6053/. Der Eintritt von nur 6,-- EUR kommt der Bosnienhilfe zugute.

Clifton Morris Offline



Beiträge: 111

27.06.2015 00:17
#15 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Ein Drehort-Foto aus Mai 2015 zur Vorschluss-Szene aus "Der Schatz im Silbersee". Die Vegetation hat stark zugenommen. Motiv: Die Reiterkette, angeführt von Old Shatterhand und Häuptling Großer Wolf, reitet dem Abschied entgegen.

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