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Dieses Thema hat 133 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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patrick Offline




Beiträge: 2.912

27.06.2015 01:55
#16 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #12
Bei den Kinobesuchern hat Alain Tissier als "Tujunga" damals wohl einen durchaus positiven Eindruck hinterlassen.
In der BRAVO-Ausgabe Nr.26/1964 schreibt "Harry Fix", der für Leseranfragen zuständig war, folgendes:

Überschrift: Der ist ganz toll
"Endlich kann ich die vielen, vielen Briefeschreiber, die ihr Herz an einen jungen Indianer verloren haben, mit Nachrichten versorgen. Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat. Aber ich mußte erst meine Fährtensucher auf diese sympathische Rothaut ansetzen. Gemeint ist natürlich Tujunga aus "Old Shatterhand", dargestellt von Alain Tissier."
Es folgen Angaben über den bisherigen Werdegang des Darstellers. Der Bericht endet mit dem Satz:
"Und nun wollen wir alle gemeinsam die Daumen drücken, dass bald wieder ein Filmproduzent auf die Idee kommt, den attraktiven und so gut "ankommenden" Alain Tissier für einen deutschen Film zu engagieren"



Dass Alain Tissier bei Erscheinen des Films seine Fangemeinde hatte ist mir bekannt. Aber, wie schon vom Count angedeutet, würde auch ich dies darauf zurückführen, dass er als sehr gutaussehender, gerade mal 20-jähriger Jüngling, sehr viele Teeny-Mädchenherzen erobern konnte. Schauspielerisch wirkt er auf mich hölzern und austauschbar. Wenn ich im Rückblick auf das vollständige Karl May-Oeuvre seinen Auftritt mit den sehr emotionalen Sterbeszenen von Nscho-Tschi und Winnetou vergleiche, lässt mich sowohl die Einführung seines Charakters, als auch sein Tod ziemlich ungerührt. Zur Legende ist er nicht geworden.

@Clifton Morris: Schöne Aufnahme. In der Tat wurden mittlerweile viele damalige Drehorte stark aufgeforstet. Wir haben uns kurz entschlossen im Juli in einem, leider viel zu kurzen, Zeitfenster die Plitvicer-Seen zu besuchen. Freue mich schon darauf. Auch die Krka-Fälle stehen zu einem späteren Zeitpunkt noch auf dem Plan.

Giacco Offline



Beiträge: 1.583

27.06.2015 13:26
#17 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Ich bin jetzt nicht so ein großer Fan der Karl-May-Filme, verfolge Deine Bewertungen aber trotzdem immer mit Interesse. Einige dieser Filme, darunter auch "Old Shatterhand", habe ich zwar gesehen, aber das ist schon länger her und ich habe nur vage Erinnerungen daran.
Zufällig habe ich vor ein paar Tagen die besagte BRAVO-Ausgabe durchgeblättert und als ich dann Deine ziemlich abwertende Meinung zu Alain Tissier als Tujunga las, wollte ich dieses Zitat nur mal - sozusagen als zeitgenössisches "Dokument" - daneben stellen. Nur der Meinungsvielfalt wegen.

Natürlich wird der Film-Tod einer neu eingeführten Nebenfigur den Zuschauer emotional nicht so bewegen, als wenn ein Held wie Winnetou oder dessen Schwester stirbt. Das ist gar nicht zu vergleichen. Auch die Intentionen des Regisseurs bzw. seine Inszenierung spielen dabei eine Rolle. Und natürlich auch die eigene Wahrnehmung eines Darstellers.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

27.06.2015 20:28
#18 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #17

Zufällig habe ich vor ein paar Tagen die besagte BRAVO-Ausgabe durchgeblättert und als ich dann Deine ziemlich abwertende Meinung zu Alain Tissier als Tujunga las, wollte ich dieses Zitat nur mal - sozusagen als zeitgenössisches "Dokument" - daneben stellen. Nur der Meinungsvielfalt wegen.



Ist ja auch o.K so. Dafür sind Foren schließlich da. Ist eine durchaus interessante und erwähnenswerte Information. Natürlich gebe ich auch nur meine eigene persönliche Empfindung zum Besten, wenn ich Lob oder Kritik übe.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

30.06.2015 18:25
#19 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Der Schut (1964)



Filmdaten:
Deutscher Titel: Der Schut
Originaltitel: Der Schut / Au pays des Skipétars / Una carabina per Schut / Sut
Produktionsland: Deutschland, Frankreich, Italien, Jugoslawien
Originalsprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 1964
Länge: 114 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Stab:
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Karl May (Vorlage)
Georg Marischka
Robert Siodmak
Produktion: CCC-Film, Berlin
Artur Brauner
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Siegfried Hold
Aleksandar Sekulovic
Schnitt: Ursula Kahlbaum

Besetzung:

Lex Barker: Kara Ben Nemsi, Ralf Wolter: Hadschi Halef Omar, Marie Versini: Tschita, Rik Battaglia: Kara Nirwan/Der Schut, Dieter Borsche: Sir David Lindsay, Chris Howland: Butler Archie
Friedrich von Ledebur: Mübarek, Marianne Hold: Annette Galingré,


Plot:



Der wohlhabende Teppichhändler Nirwan trifft Lord David Lindsay und dessen Diener Archie auf deren Yacht und erklärt ihnen, dass der Franzose Galingre vom Schut entführt worden ist. Dieser ist ein überall gefürchteter Verbrecher, der mit seiner Bande das ganze Land terrorisiert. Da Galingre ein Freund Kara Ben Nemsis ist, verzichtet dieser darauf, mit Lord Lindsay zur Eröffnung des Suez-Kanals zu fahren und begibt sich mit seinem treuen Begleiter Hadschi Halef Omar auf den Weg durch das Land der Skipetaren, um Galingre zu befreien. Sie reiten zusammen mit Omar Ben Sadek, dessen geliebte Tschita von der Bande entführt wurde, zu Galingres Frau Annette, nachdem sie ein überfallenes Dorf vorfinden und in eine Schießerei mit den Banditen geraten. Kara Ben Nemsi gelingt es, den heiligen Mübarek, der zur Bande des Schut gehört und zeitweise auch als gelähmter Bettler Busra auftritt, als Scharlatan zu entlarven. Annette begleitet die Gruppe auf der Suche nach ihrem Mann, die über mehrere gewaltsame Konfrontationen mit den Männern des Schut zu den beiden Aladschy-Brüdern führt. Diese sind zwei Mordgesellen, dessen Dienste der Schut öfters in Anspruch nimmt. Es gelingt Kara Ben Nemsi jedoch, sie zu überwältigen, wobei sie anschließend von Omar Ben Sadek aus Rache gerichtet werden. Davor trifft Kara nach einem Kampf mit einem wilden Bären Lord Lindsay und Archie, die sich mit einer List aus der Gewalt des Schut befreien konnten und daher wissen, wo Galingre sich befindet. Der Teppichhändler Nirwan ist in Wirklichkeit der Schut. Kara Ben Nemsi und die beiden Engländer werden allerdings von korrupten Beamten, die ebenfalls mit dem Schut unter einer Decke stecken, gefangen genommen und zum Schut gebracht. Dieser bindet Kara Ben Nemsi an eine Kutsche und schleift ihn über den Boden. Er kann allerdings von Tschita befreit werden, der die Flucht gelungen ist. Anschließend verfolgt er auf seinem Pferd den Schut, der bei einem Sprung über eine Felsspalte in den Tod stürzt. Allerdings wird Karas Hengst Rih von der Kugel eines Banditen tödlich getroffen.

Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar:



Nachdem Horst Wendlandt Pierre Brice und Lex Barker als Winnetou und Old Shatterhand unter Exklusivvertrag nahm, ließ Arthur Brauner nicht locker und stürzte sich nach seinem recht erfolgreichen „Old Shatterhand“ auf die Orient-Verfilmungen nach Karl May. „Der Schut“ bildet zwar literarisch den Abschluss des Orient-Zyklusses, wurde aber von der CCC-Filmkunst als erster innerhalb ihrer kleinen Reihe verfilmt. Er bezieht sich auf die drei Romane „In den Schluchten des Balkan“, „Durch das Land der Skipetaren“ und „Der Schut“. Da es wieder einmal unmöglich war, die sich sehr lange streckende Geschichte in einen Film zu packen, wurde diese stark gekürzt und vereinfacht, aber trotzdem zahlreiche wichtige Elemente beibehalten. Beispiele dafür sind:

Die Gefangenname Galingres und Lord Lindsays durch den Schut – Die Gefangenname Halefs und dessen Befreiung durch Kara Ben Nemsi – Die Entlarvung des Mübarek als Scharlatan, dessen Verletzung und Tod, wobei er im Film in der brennenden Hütte um’s Leben kommt, im Roman durch einen Bären – Karas Demonstration seiner angeblichen „Kugelfestigkeit“ - Karas Kampf mit dem Bären – Der Sturz des Schut in eine Felsspalte – Rihs Tod durch eine Schusswunde – Karas Rückkehr in seine Heimat.

Gleich zu Beginn erklärt Hadschi Halef Omar, dass die Indianer jenseits des großen Teiches seinem Sidi den Namen „Old Schmetterhand“ gegeben haben. Die englische Bezeichnung „Old Shatterhand“ wurde sehr wahrscheinlich aus den oben genannten rechtlichen Gründen vermieden. Trotzdem wird dadurch eindeutig geklärt, das „Old Shatterhand“ und „Kara Ben Nemsi“ ganz im Sinne Mays ein und dieselbe Person sind. Auch die beiden Gewehre Henrystutzen und Bärentöter werden plakativ zur Schau gestellt. Somit hat nun auch Arthur Brauner seinen „Old Shatterhand“ und Sam Hawkens- Darsteller Ralf Wolter darf in die Rolle seines Gefährten Hadschi Halef Omar schlüpfen. Er füllt diesen Part dabei sehr passend, unterhaltsam und humorvoll aus. Außerdem ist er keiner von Mays perfekten Helden, sondern hat mit zahlreichen menschlichen Schwächen zu kämpfen. Er ist klein und hager, etwas tolpatschig und neigt zur Prahlerei. An einigen Stellen verhält sich Kara Ben Nemsi seinem Freund gegenüber auffallend unwirsch. Er bedient sich Aussagen wie „Halef, du bist zu blöd“, „ Dein armes Gehirn ist wohl völlig ausgetrocknet“, „Idiot“, „Ach lass mich doch in Ruhe“. Doch wird dies durch den freundschaftlichen Zusammenhalt wieder wettgemacht. Kara Ben Nemsi bedeutet auf deutsch "Karl, Sohn der Deutschen". Andere Deutungen leiten Kara vom türkischen Wort "kara", das "schwarz" bedeutet, ab und nehmen Bezug auf dessen schwarzen Bart, was auf Lex Barker aber wohl keineswegs zutrifft. Der Schut bedeutet "Der Gelbe"

Ursprünglich war geplant, Kara Ben Nemsi, der Beschreibung in den Büchern entsprechend, in orientalischer Kleidung auftreten zu lassen, worauf nach Lex Barkers Protest Gott sei Dank verzichtet wurde. Wie schon als „Old Shatterhand“ präsentiert er sich auch hier moderner und flotter, als in den schriftlichen Werken. Ein Vorgeschmack, wie er als orientalischer Kara Ben Nemsi wohl ausgesehen hätte, bietet die Szene, in der er bei seinem Treffen mit den Aladschys in eben solche Kleider schlüpft, was seiner Ausstrahlung völlig den Glanz raubt. Der eitle Barker wusste wohl, warum er so gern auf Kopfbedeckungen und Mummenschanz verzichtete. Laut Marie Versini sollte Lex bei den Dreharbeiten sehr einsam und traurig gewesen sein. Nachdem er den Tod seiner Frau Irene im Jahre 1962 noch nicht überwunden hatte, sollte er mittlerweile auch Probleme mit seiner neuen Gefährtin Tita Cervera gehabt haben.

Umsetzung:



Wie schon angedeutet, gehört „Der Schut“ neben „Winnetou 1“ zu den mit Abstand werkgetreusten Karl-May-Verfilmungen der 60er-Jahre. Der Geist des Autors ist gerade hier besonders lebendig. Regie führte dabei der deutsche Hollywood-Regisseur Robert Siodmak (1900-1973) der legendäre Streifen wie „Die Wendeltreppe“ und „Der rote Korsar“ auf seinem Konto verbuchen konnte. Siodmak ist es dabei in bemerkenswerter Weise gelungen, den von Harald Reinl geschaffenen Winnetou-Flair in den Orient zu transferieren. Die Karl-May-Romantik ist in Rihs Sterbeszene, die Kara zu Tränen rührt, und in dem wehmütigen Abschied zwischen Kara und Halef deutlich erkennbar. Auch wird die Handlung wieder einmal von Martin Böttchers wunderbarer Musik getragen, die jener aus den Winnetou-Filmen recht ähnlich ist. Das „Schut-Thema“ gehört zu meinen Lieblingsmelodien in den Karl-May-Filmen.

Charaktere:



Von den vorkommenden Figuren ist neben Archie nur jene der Tschita frei erfunden, für die Marie Versini wegen Ihrer Popularität als Nscho-Tschi von Brauner engagiert wurde.

Die hauptsächlich aus Heimatfilmen wie „Die Fischerin vom Bodensee“ bekannte wunderschöne Marianne Hold (1929 oder 1933?- 1994) spielt die Rolle der Annette Galingre. Dies sollte allerdings ihr letzter Filmauftritt bleiben, was sehr schade ist, da sie sicher auch weitere Karl May-Filme angenehm bereichert hätte.

Die beiden bärenstarken und grobschlächtigen Aladschys Bybar und Sandar, welche weder Tod, Teufel noch den Schut, für den sie Aufträge übernehmen, fürchten, wurden von den jugoslawischen Schauspielern Dusan Perkovic (1926-2000) und Zivojin Denic eindrucksvoll dargestellt.

Etwas zu gekünstelt und übertrieben wirkt der recht aufgesetzte Humor, den Dieter Borsche und Chris Howland als Lord Lindsay und Archie zum Besten geben. Rein optisch passen sie allerdings recht gut in ihre Rollen. Sehr humorvoll ist jene Szene, in der Halef und Archie sich ihr Namensduell liefern. Halef protz dabei, wie so oft, mit der vollen Länge seines Namens „Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah“, worauf Archie sich als „Archibald Douglas Jonathan Timothy George Kenneth Clarence Cloudwell of Galway Philmore Parcival Brian Winston Oliver Howard Christopher Marmaduke Mc Finn“ vorstellt, womit der Punkt eindeutig an ihn geht.
Nach seinem, teils krankheitsbedingt, recht kurz ausgefallenen Part als untergeordneter Schurke in „Old Shatterhand“, kann Rik Battaglia als böser Schut so richtig loslegen und damit seine Position als vielbeschäftigter Karl-May- Oberschurke definitiv festigen. Auch Mario Adorf hatte Interesse an der Rolle, doch gab Brauner Battaglia den Vorzug. Ursprünglich wäre Gerd Fröbe als Schut vorgesehen gewesen, hat sich dann aber für „Goldfinger“ entschieden, was sich für ihn bekanntlich nicht als Fehler erwiesen hat.

Die Rolle des Mübarek wurde von Friedrich von Ledebur (1900-1986) gespielt, der zu dieser Zeit auf ein bewegtes Leben als Weltenbummler und Abenteurer, sowie als Darsteller in Hollywood-Produktionen zurückblicken konnte.

Schauplätze:



Der Umstand, dass der Schut genau dort gedreht wurde, wo er auch handelt, verleiht ihm eine ganz besondere Authentizität. Da sich in der Gegend in den letzten 100 Jahren kaum etwas verändert hatte, konnte man die Bauten so übernehmen wie sie sich präsentierten. Auch ein Minarett stand schon dort. Das größte Problem war, weibliche Komparsen zu bekommen, da es sich um ein streng mohammedanisches Land mit patriarchalischer Struktur und entsprechenden Sitten handelte. Aufgrund zeitweiliger Probleme mit dem Wetter erscheint der Himmel oft wolkenverhangen, was eine düstere Atmosphäre schafft, die für das vom Schut unterjochte Land sehr stimmig ist

Das Haus Galingre, der große Saal des Schut, die Szene mit Tschita und der Frau des Schut, das Verlies und die Bärenszene mit Lord Lindsay und Archie wurden in Belgrad gedreht.

Bei der Moraca-Schlucht in Montenegro wurden Kara Ben Nemsis Ritt über die Hängebrücke, der Tod Rihs, der Kampf mit den Aladschys und die Entlarvung des Mübarek inszeniert. Die Flucht Tschitas fand beim Kloster Moraca statt.

Ebenfalls in Montenegro, nämlich bei Petrovac na moru ist Sir Lindsays Jacht zu sehen, die in Wirklichkeit tatsächlich jene von Marshall Tito ist. Karas Schleifszene entstand beim Flughafen Titograd.

Sehr viele Aufnahmen entstanden auch in Pec, im Kosovo. So zum Beispiel Halefs Szene vor der Hufschmiede. Tschitas Verschleppung in die Herberge fand beim Patriarchenkloster Pec statt. Als Anwesen des Schut fungierte das Kloster Decani bei Pec. Die Floßaufnahmen entstanden am Fluss Belim Drim, nahe Pec.

Fazit:

Mit seiner spannenden und temporeichen Handlung, den tollen Schauplätzen, der Top-Besetzung und Böttchers wunderbarer Musik zählt „Der Schut“ zu den besten Karl-May-Verfilmungen überhaupt und steht den Winnetou-Streifen dabei in nichts nach. Klare 5 von 5.

Tarzan Offline



Beiträge: 889

30.06.2015 22:11
#20 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

DER SCHUT - In Memoriam zu Pierre Brice... wo spielt er denn da mit?

patrick Offline




Beiträge: 2.912

01.07.2015 07:22
#21 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Tarzan im Beitrag #20
DER SCHUT - In Memoriam zu Pierre Brice... wo spielt er denn da mit?



Der blieb bei den Orient-Verfilmungen, genauso wie beim Azteken-Zweiteiler, natürlich in seinem Zelt. Wie ich im Vorwort erwähnt habe, ist und bleibt dieser Thread natürlich Pierre Brice gewidmet. Ich nehme ihn aber auch zum Anlaß, alle Karl May-Filme der 60er-Jahre in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu besprechen. Drum hab ich ihn "Die Karl May-Filme" und nicht "Die Winnetou-Filme" getauft. Ich denke, Pierre würde mir die Freiheit dieser etwas weiteren Auslegung durchaus verzeihen. Ohne den herausragenden Erfolg der Winnetou-Verfilmungen hätte es Brauners kleine Nebenlinie wohl auch nie gegeben. Außerdem sind die Filme so aufgeteilt, dass es keine besonders lange Winnetou-freie Phase gibt. Ferner beginnt alles mit Pierre Brice und endet auch wieder mit ihm.

Tarzan Offline



Beiträge: 889

01.07.2015 12:55
#22 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Ah, ok.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

06.07.2015 15:31
#23 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Winnetou 2 (1964)



Filmdaten:
Deutscher Titel: Winnetou 2. Teil
Originaltitel: Winnetou 2. Teil / Vinetu II deo / Le trésor des montagnes bleues / Giorni di fuoco
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Jugoslawien, Frankreich, Italien
Originalsprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 1964
Länge: 94 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Stab:
Regie: Harald Reinl
Drehbuch: Harald G. Petersson
Produktion: Horst Wendlandt
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Ernst W. Kalinke
Schnitt: Hermann Haller

Besetzung:

Lex Barker: Old Shatterhand, Pierre Brice: Winnetou, Anthony Steel: Bud Forrester, Karin Dor: Ribanna, Klaus Kinski: David 'Luke' Lucas, Renato Baldini: Col. J.F. Merril, Mario Girotti (Terence Hill): Lt. Robert Merril, Eddi Arent: Lord Castlepool, Marie Noëlle: Susan Merril, Ilija Ivezić: Red, Velimir Chytil: Carter, Stole Aranđelović: Caesar, George Heston: Capt. Bruce
Mirko Boman: Gunstick Uncle, Rikard Brzeska: Tah-Sha-Tunga, Gojko Mitić: Weißer Rabe, Antun Nalis: Sgt. Wagner, Jozo Kovacevic: Ponca-Häuptling, Sime Jagarinec: Ponca im Dorf, Curt Ackermann: Off-Sprecher


Handlung:



Winnetou rettet Ribanna, der Häuptlingstochter der Assiniboins, das Leben, nachdem diese von einem wilden Bären angegriffen wird, und die beiden verlieben sich ineinander. Später zerstören die Männer des Banditen Bud Forrester ein Ponkadorf und töten den ganzen Stamm, da dieser auf einem Gebiet lebt, das Forrester wegen des Ölvorkommens für sich beansprucht. Lediglich der Häuptling kann entkommen und tritt in Folge immer wieder als Heckenschütze in Erscheinung. Die Banditen werden allerdings von drei Soldaten, darunter Leutnant Merril, zur Rede gestellt, die das Geschehen beobachtet haben. Diese waren schon am Marterpfahl der Assiniboins, wurden aber durch Winnetous Fürsprache freigelassen. Die Banditen lauern ihnen später auf, können aber von Old Shatterhand und Gunstick Uncle getötet, bzw in die Flucht geschlagen werden. Old Shatterhand begibt sich, zusammen mit Lord Castlepool, den er auf dem Weg trifft, zu Forresters Ölstation New Venango, wo beide gefangen genommen werden, aber mit Hilfe mehrerer Arbeiter, mit denen sie sich vebünden, fliehen können. New Venango wird dabei niedergebrannt. Winnetou fungiert, zusammen mit Old Shatterhand, als Vermittler zwischen der Armee und sämtlichen Indianerstämmen und muss dabei seine Liebe zu Ribanna dem Frieden opfern, da Leutnant Merril als Geste der Versöhnung Ribanna zur Frau nimmt, was die Indianerstämme tatsächlich beschwichtigt. Da dies Forresters Plänen gar nicht entgegen kommt, überfällt er einen Siedlertreck und lässt keine Überlebenden zurück, um die Sache den Indianern in die Schuhe zu schieben, indem er seinen Handlanger Luke mit einer erfundenen Geschichte in’s Fort schickt. Winnetou und Old Shatterhand kommen zu spät, um den Treck zu retten, geraten in einen Hinterhalt der Bande und können durch eine List entkommen. Im Fort wird Luke allerdings von Merril gefangen genommen und anschließend den Assiniboins ausgeliefert, denen er entfliehen kann. Dabei gelingt ihm, eine geheime Höhle der Indianer ausfindig zu machen, wo Merril und Ribanna versteckt werden, da ihr Überleben für die Aufrechterhaltung des Friedens wesentlich ist. Die Banditen nehmen das Paar als Geisel, können aber von Winnetou und den Assiniboins, die sich über einen zweiten Eingang durch das Wasser Zutritt zur Höhle verschaffen, überwältigt werden. Forrester ereilt durch die Pfeile der Assiniboins seine gerechte Strafe. Ribanna und Merril bleiben zusammen, und Winnetou reitet mit seinem Blutsbruder neuen Abenteuern entgegen.

Ribanna:



Nachdem Old Shatterhand in "Winnetou 1" auf tragische Weise Nscho-Tschi verloren hat, begegnet in diesem Film Winnetou seiner großen Liebe in Gestalt der hübschen Ribanna. Auch diesmal ist das Liebesthema sehr unschuldig dargestellt, aufgrund Harald Reinls wunderbaren Feingefühls für den Stoff und der überzeugenden Darstellung von Pierre Brice und Karin Dor jedoch sehr romantisch und gefühlvoll inszeniert. Besondere Karl May-Romantik vermittelt die Szene mit Winnetou und Ribanna in der Tropfsteinhöhle, wo die Häuptlingstochter den Apachen fragt, was sein Herz spricht, worauf er mit „Ribanna“ antwortet und von ihr auf seine Rückfrage "Winnetou" als Reaktion erhält. Dieser schönen Szene geht die Winnetou-Melodie voraus, die in diesem Film erstmals zum Einsatz kommt. In einer vorangegangenen Szene sagt Ribanna zu Winnetou: "Frauen, deren Rede plätschert, wie das Wasser der Quelle, rauben einem Mann die Ruhe." Der Häuptling der Apachen erwidert dies mit: "Und die schweigsamen rauben sein Herz." Dies wird direkt von der Winnetou-Meldodie getragen. Im Gegensatz zu Nscho-Tschi verliert Ribanna nicht, wie im Roman, ihr Leben, sondern fügt sich, wie auch Winnetou, der Notwendigkeit, ihr Herz dem Frieden zu opfern. Leutnant Merril ist ein rechtschaffener und anständiger junger Mann, hat aber nicht das Charisma, das Herz der Indianerin zu erobern. Die Verbindung bleibt eine Zweckehe. Karin Dor ist hier mit sehr viel Herz in ihrer wohl schönsten (mir bekannten) Filmrolle zu sehen.

Im Roman wird die Ribanna-Episode lediglich im Rückblick erzählt und handelt eigentlich in der Zeit, bevor Old Shatterhand und Winnetou sich kennenlernten. Auch dort musste Winnetou auf seine große Liebe verzichten, allerdings nicht zu Gunsten des frei erfundenen Leutnant Merril sondern des, im Film nicht vorkommenden, Old Firehand. Damit ist das Thema Liebe für beide Blutsbrüder abgeschlossen und sollte in keinem der folgenden Filme wieder auftauchen. Sie sind von nun an nur noch der Gerechtigkeit zugetane Männer mit höchsten Idealen und damit für zwischenmenschliche Romantik nicht mehr zugänglich.

Umsetzung:



Eine romangetreue Verfilmung kam für Winnetou 2 von vornherein nicht in Frage, da die inhomogene und vielschichtige Gestaltung der Erzählung , die zudem noch in 2 Teile zerfällt, dafür keine Grundlage bot. Daher wurde, wie bereits schon bei Brauners „Old Shatterhand“, eine frei erfundene Geschichte präsentiert, dabei zwar die Ribanna-Episode verwertet, allerdings stark verändert und ausgebaut.

Winnetou-Melodie:

In „Der Schatz im Silbersee“ und „Winnetou 1“ war lediglich die Old Shatterhand-Melodie zu hören, welche eigentlich für Winnetou und Old Shatterhand zusammen gedacht war. In „Winnetou 2“ entschied man sich dann, dem Apachenhäuptling eine eigene Melodie zu widmen, die von Martin Böttcher aus dem gleichen Holz geschnitzt wurde, dem Old Shatterhand-Thema damit sehr ähnlich ist und dieses perfekt ergänzt.

Charaktere:



Als Bud Forrester ist Anthony Steel (1920-2001) zu sehen, dessen Karriere zu dieser Zeit bereits im Sinken begriffen war. Als Karl May-Bösewicht hat er weder die Klasse noch die Ausstrahlung seiner Vorgänger Herbert Lom, Mario Adorf und Rik Battaglia, ist aber dennoch für die Rolle einigermaßen passend besetzt.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann Klaus Kinski für einen Karl May-Film verpflichtet wird. Als Forresters brutaler und absolut skrupelloser Handlanger Luke spielt er auch hier mit Bravour genau das, was man von ihm erwartet. Ausbrüche am Set sind nicht überliefert.

Interessant ist weiters die Mitwirkung eines gewissen Mario Girotti (geb.1939) als Leutnant Merril, der einige Jahre später als Terence Hill in einem ganz anderen Genre Filmgeschichte schreiben sollte. Er stand am Anfang seiner Karriere und war ein schüchterner und bescheidener junger Mann, den alle in's Herz schlossen.

Auch der spätere DEFA-Star Gojko Mitic (geb.1940) ist als mittlerweile gelernter Indianer wieder mit von der Partie.

In einer Nebenrolle ist als Captain Bruce George Heston zu sehen, der eigentlich Dorde Nenadovic (geb.1935) heißt und im Folgejahr im „Kurdistan-Zweiteiler“ den bösen Machredsch von Mossul spielen wird.

Schauplätze:



Der Beginn mit Winnetou am Wasserfall wurde am Kozjak-See, einem der Plitvicer-Seen, gefilmt.

Winnetous Kampf mit dem Bären wurde bei Postojna in Slowenien gedreht, wobei Zirkusdirektor Rudi Althoff im Bärenkostüm als Grizzly zu sehen ist. Es wurden allerdings auch echte abgerichtete Grizzlys verwendet. Die Tropfsteinhöhlen von Postojna (Adelsberger Grotten) dienten als Versteck der Assiniboins und bieten einen besonders reizvollen Schauplatz, der erstmals in Farbe gefilmt wurde. Reinl bezeichnete diesen allerdings als "Rheumakeller".

In Stobrec, südlich von Split, wurde New Venango errichtet. Der Überfall auf den Siedlertreck und der Hinterhalt in den Winnetou und Old Shatterhand geraten, wurde nördlich von Split bei Solin inszeniert.

Die Außenaufnahmen der Assiniboin-Höhle entstanden beim Cetina-Fluss bei Omis, wo ein künstlicher Höhleneingang errichtet wurde.

Fort Niobara stand in der Ebene von Grobnik Polje, die bereits für „Der Schatz im Silbersee“ und „Winnetou 1“ verwertet wurde.

Die Produktion wurde, wie so viele Karl May-Verfilmungen, von der Bora, einem heftigen und kalten, an der Adria häufigen, Fallwind, geplagt.

Fazit:

Obwohl das Ribanna-Thema recht gut gelungen ist, hat Winnetou 2 nicht die Spannung und den Charme von „Der Schatz im Silbersee“ und „Winnetou 1“, sondern fällt doch etwas ab, was dem kommerziellen Erfolg allerdings keinen Abbruch tat. Mit "nur" 4 von 5 ist der Streifen aber trotzdem im eindeutig grünen Bereich.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

15.07.2015 22:46
#24 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Nationalpark Plitvicer Seen (Juli 2015)

Nachdem wir unseren leider viel zu kurzen Urlaub für einen Trip zu den Plitvicer Seen genutzt haben, möchte ich Euch die von mir aufgenommenen Bilder meiner Lieblingsgegend nicht vorenthalten. Da wir uns für die umfangreichste Variante der angebotenen Pfade entschieden haben, sind wir dabei auch fast überall vorbeigekommen.


1.Oben ist der "Veliki Slap" (The Big Waterfall) zu sehen. Links davon beginnt der See Kaluderovac (besser bekannt als Silbersee in "Der Schatz im Silbersee") Das linke Bild stammt aus Winnetou 3 von 1965. Das rechte ist aktuell.



2. Der folgende Wasserfall fließt vom See Milanovac in den See Gavanovac, die in umgekehrter Reihenfolge auf den See Kaluderovac folgen. Das linke Bild zeigt Herbert Lom 1962 in "Der Schatz im Silbersee". Das rechte ist aktuell



3. Auch hier derselbe Wasserfall wie oben aus einer anderen Perspektive. Links 1965 (Winnetou 3), rechts 2015.




4. Links Herbert Lom und seine Schurken 1962 auf dem See Kaluderovac (Silbersee) mit dem Floss Richtung Schatzhöhle. Rechts heute.



5. Der Eingang zur Höhle 1962 und heute. Die Stufen sind zweireihig geworden.



6. Die Höhle 1962 und heute. Auffallend ist der wesentlich üppiger gewordene Bewuchs und natürlich das Geländer .



7. Blick über den See Kaluderovac zur Schatzhöhle 1962 und 2015. Auch hier fällt der reichere Bewuchs auf.




8. Jene Szene, in der Götz George 1962 gehängt werden sollte. Laut Literatur ist diese dem See Galovac zugeordnet, der allerdings keine besonders großen Wasserfälle besitzt. Der von mir hier aufgenommene Wasserfall ist unterhalb des See Galovac und könnte der Schauplatz sein. Ich muss gestehen, dass ich hier mutmaße. Eine eventuelle weitere Übereinstimmung neben der Szenerie ist der krumme Baum auf dem unteren Bild.



]


9. Auch hier kann ich nur mutmaßen. Die Szene zeigt Winnetou 1964 in "Winnetou 2" und ist angeblich am recht großen Kozjak-See entstanden, wo ich aber weit und breit keinen größeren Wasserfall entdecken konnte. Die Wasserfälle beginnen erst bei den "Oberen Seen" oberhalb des Kozjak. Das von mir gemachte Bild rechts ist dort zwischen Kozjak- und Galovac-See entstanden und sieht mir sehr danach aus.



10. Hier wieder ein eindeutiges Kaluderovac-Bild 1962 und 2015.



Fazit: Unendlich viele Punkte für die schönste Gegend, die ich jemals gesehen habe. Nachdem wir Anfang August nochmal eine Woche Urlaub machen, sind dann die Krka-Wasserfälle dran.

Peter Offline




Beiträge: 2.817

17.07.2015 09:04
#25 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Habe die Krka-Wasserfälle im letzten Jahr gesehen. Wunderbar. Aber nach Deinen fantastischen Bildern von den Plitvicer Seen zu urteilen, hast Du das absolute Highlight bereits gesehen. Krka kann, vor allem in Sachen Drehortvergleich, nicht mithalten, weil es zwar viele hübsche - aber nur eine wirklich prägnante Stelle gibt. Und die ist meistens von Badegästen so bevölkert, dass sich Fotos nicht lohnen bzw. Winnetous berühmte Kanufahrt sich nicht gut abbilden lässt – auch wenn die Wasserfälle als solche natürlich immer toll aussehen. Auch am „Ölprinz“-Fluss Cetina oberhalb von Omis ist nicht mehr wirklich viel zu erkennen, der Bewuchs hat dort sehr stark zugenommen. Aber was soll´s, herrliche Naturerlebnisse sind insbesondere im südlicheren Kroatien dennoch reichlich vorhanden…

patrick Offline




Beiträge: 2.912

17.07.2015 17:43
#26 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Peter im Beitrag #25
Habe die Krka-Wasserfälle im letzten Jahr gesehen. Wunderbar. Aber nach Deinen fantastischen Bildern von den Plitvicer Seen zu urteilen, hast Du das absolute Highlight bereits gesehen. Krka kann, vor allem in Sachen Drehortvergleich, nicht mithalten, weil es zwar viele hübsche - aber nur eine wirklich prägnante Stelle gibt. Und die ist meistens von Badegästen so bevölkert, dass sich Fotos nicht lohnen bzw. Winnetous berühmte Kanufahrt sich nicht gut abbilden lässt – auch wenn die Wasserfälle als solche natürlich immer toll aussehen. Auch am „Ölprinz“-Fluss Cetina oberhalb von Omis ist nicht mehr wirklich viel zu erkennen, der Bewuchs hat dort sehr stark zugenommen. Aber was soll´s, herrliche Naturerlebnisse sind insbesondere im südlicheren Kroatien dennoch reichlich vorhanden…



Eine Steigerung zu den Plitvicer-Seen ist wohl kaum mehr möglich. Eine schönere Gegend hab ich noch nie gesehen. Das türkisfarbene Wasser ist so klar, dass man es am liebsten trinken würde. Die insgesamt 16 Seen bieten ein riesiges Territorium märchenhafter Naturschönheit. Ich kann diese Gegend nur jedem empfehlen, der sie noch nicht kennt.

Trotzdem bin ich sehr neugierig auf die Krka-Wasserfälle. Dass man dort Baden kann hat ja durchaus seine Vorteile. In den Plitvicer-Seen ist das ja strengstens verboten, so reizvoll es auch wäre.Wir wären wirklich nur zu gern hinein gesprungen. Allerdings würde die märchenhafte Schönheit der Gewässer sicher unter Badegästen sehr leiden. Auch dort hat der Bewuchs gegenüber den 60er-Jahren, wie auf meinen Bildern ersichtlich ist, stark zugenommen.
Ich werde trotzdem versuchen, einige Krka-Bilder zu machen, mit oder ohne Badegäste. Was denkst du, wie lange ich warten musste, bis ich in der Schatzhöhle niemanden vor der Linse hatte.Hab mir schon überlegt, einen Geldschein runterflattern zu lassen.

Übrigens @Peter kannst du mir einen Tip geben, welchen Eingang in den Krka-Nationalpark wir am besten benutzen, um an den Wasserfall zu gelangen, der in "Old Shatterhand" und "Winnetou 1" zu sehen ist?

patrick Offline




Beiträge: 2.912

17.07.2015 18:12
#27 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Und noch ein paar Bilder von den Plitvicer Seen (Juli 2015)

Peter Offline




Beiträge: 2.817

17.07.2015 20:23
#28 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #26
Übrigens @Peter kannst du mir einen Tip geben, welchen Eingang in den Krka-Nationalpark wir am besten benutzen, um an den Wasserfall zu gelangen, der in "Old Shatterhand" und "Winnetou 1" zu sehen ist?

Zunächst mal Extra-Dank @patrick für die tollen Extra-Bilder.
Der begehbare Teil des Krka-Nationalparks ist viel kleiner als man denkt. Es ist nicht möglich, sich dort zu verlaufen oder den falschen Eingang zu nehmen.
Der Großteil der Seenlandschaft ist nicht bzw. nur mit separaten Bootsausflügen zugänglich. Naturgemäß kommt man damit wiederum nicht zu den Wasserfällen.
Mir ist nur ein Eingang zu den Hauptattraktionen bekannt, weil dort eben alle Busse und Autos parken (müssen). Die Wege sind entsprechend ausgeschildert.
Die kleine Rundstrecke verläuft fast ausschließlich über Stege, da man sich wirklich in einer Landschaft von Seen, Teichen, Sümpfen, Bächen und kleinen bis kleinsten Wasserfällen bewegt. Die Stege sind natürlich etwas überlaufen, sodass man nolens volens durchgeschoben wird und an den Engpässen bisweilen um seine Fotostopps kämpfen muss. Man kann und sollte den Rundweg, der locker in einer halben Stunde zu schaffen ist, mühelos mehrmals hintereinander durchgehen, um die Details genießen zu können.
Der größere Wasser-/Kaskaden-Fall ist DIE Hauptattraktion. Mit Bademöglichkeit unterhalb, zum Glück ein wenig abgesperrt, damit man überhaupt noch gut fotografieren kann; - und fast direkt am Start- und Zielpunkt gelegen, wo man auch ein kleines Freilichtmuseum mit Mühle und Manufakturen besichtigen kann.
Zu viel möchte ich gar nicht vorwegnehmen, habe es aber wohl schon getan...

patrick Offline




Beiträge: 2.912

17.07.2015 21:49
#29 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Zitat von Peter im Beitrag #28
Zitat von patrick im Beitrag #26
Übrigens @Peter kannst du mir einen Tip geben, welchen Eingang in den Krka-Nationalpark wir am besten benutzen, um an den Wasserfall zu gelangen, der in "Old Shatterhand" und "Winnetou 1" zu sehen ist?

Zunächst mal Extra-Dank @patrick für die tollen Extra-Bilder.
Der begehbare Teil des Krka-Nationalparks ist viel kleiner als man denkt. Es ist nicht möglich, sich dort zu verlaufen oder den falschen Eingang zu nehmen.
Der Großteil der Seenlandschaft ist nicht bzw. nur mit separaten Bootsausflügen zugänglich. Naturgemäß kommt man damit wiederum nicht zu den Wasserfällen.
Mir ist nur ein Eingang zu den Hauptattraktionen bekannt, weil dort eben alle Busse und Autos parken (müssen). Die Wege sind entsprechend ausgeschildert.
Die kleine Rundstrecke verläuft fast ausschließlich über Stege, da man sich wirklich in einer Landschaft von Seen, Teichen, Sümpfen, Bächen und kleinen bis kleinsten Wasserfällen bewegt. Die Stege sind natürlich etwas überlaufen, sodass man nolens volens durchgeschoben wird und an den Engpässen bisweilen um seine Fotostopps kämpfen muss. Man kann und sollte den Rundweg, der locker in einer halben Stunde zu schaffen ist, mühelos mehrmals hintereinander durchgehen, um die Details genießen zu können.
Der größere Wasser-/Kaskaden-Fall ist DIE Hauptattraktion. Mit Bademöglichkeit unterhalb, zum Glück ein wenig abgesperrt, damit man überhaupt noch gut fotografieren kann; - und fast direkt am Start- und Zielpunkt gelegen, wo man auch ein kleines Freilichtmuseum mit Mühle und Manufakturen besichtigen kann.
Zu viel möchte ich gar nicht vorwegnehmen, habe es aber wohl schon getan...


Danke @Peter für die Info. Das vermittelt mir mal schon ein wertvolles Vor-Wissen.Wir werden sicher auch die Bootsausflüge in Anspruch nehmen und irgendwie werd ich hoffentlich schon ein Foto von der Hauptattraktion auf die Reihe bringen. Im Notfall müssen wir halt etwas früher dort sein. Über die Bademöglichkeit bin ich auf jeden Fall nicht beleidigt. Vielleicht geht sich sogar auch eine Besichtigung der Adelsberger Grotten aus (Winnetou 2), die oben in Slowenien ja auf dem Weg liegen.

patrick Offline




Beiträge: 2.912

23.07.2015 17:50
#30 RE: In Memoriam Pierre Brice: Die Karl May Filme Zitat · antworten

Unter Geiern (1964)



Filmdaten:
Deutscher Titel: Unter Geiern
Originaltitel: Unter Geiern / Parmi les vautours / La dove scende il sole / Medju jastrebovima
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Jugoslawien
Originalsprache: Deutsch
Erscheinungsjahr: 1964
Länge: 111 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Stab:
Regie: Alfred Vohrer
Drehbuch Eberhard Keindorff
Johanna Sibelius
Produktion: Rialto Film
Jadran Film, Zagreb
Société Nouvelle de Cinématographie, Paris
Musik: Martin Böttcher
Kamera: Karl Löb
Schnitt: Hermann Haller

Besetzung:

Stewart Granger: Old Surehand, Pierre Brice: Winnetou, Götz George: Martin Baumann, Elke Sommer: Annie, Sieghardt Rupp: Preston, Miha Baloh: Weller, Milan Srdoč: Old Wabble, Walter Barnes: Baumann Sr., Renato Baldini: Richter Leader, Mario Girotti (Terence Hill): Baker Jr., Gojko Mitić: Wokadeh, Louis Velle: Gordon, Stole Aranđelović: Milton, Ilija Ivezić: Jackie, Mirko Boman: Davy, Davor Antolić: Rod, Mirko Kraljev: Bill, Boris Dvornik: Fred, Voja Mirić: Stewart, Dunja Rajter: Betsy, Vladimir Medar: Baker Sr., Sime Jagarinec: Schoschone

Plot:



Der Bärenjäger Baumann und sein Sohn Martin sind mit Winnetou auf Bärenjagd, während Mitglieder Der Geier-Bande seine Farm überfallen und seine Frau und die kleine Tochter ermorden. Baumann gibt die Schuld den Schoschonen, da diese die Tat beobachtet und danach die Geier gejagt haben, was Baumann aber nicht weis. Er, Martin und Winnetou haben nur gesehen, wie die Indianer hinter den Weißen her waren. Winnetou ahnt die Wahrheit, kann aber den Bärenjäger in seinem Schmerz nicht überzeugen und reitet mit dem Versprechen, den Schuldigen zu finden, weiter. Kurz darauf klopft der Geier-Bandit Weller alias "Stealing Fox" an‘s Haus der Baumanns und gibt sich als Mormonenprediger Tobias Barton aus, der angeblich gesehen hat, wie die Indianer die Farm überfallen haben. Später treffen Old Surehand, sein Freund Old Wabble und die hübsche Annie bei Baumann ein und können sowohl Stealing Fox, als auch einen falschen Soldaten, überführen. Letzterer wird von Old Surehand erschossen, Stealing Fox aber gelingt die Flucht. Allerdings hat Baumann inzwischen den Zorn des Häuptlingssohnes Wokadeh auf sich gezogen, da er dessen toten Vater im Glauben, die Indianer hätten seine Familie ermordet, angespuckt hat. Tatsächlich wurde der Schoschonenhäuptling von den Geiern getötet, um ihn als Zeuge zu beseitigen. Baumann wird von den Schoschonen gefangengenommen, die ihre Rache einfordern und sollte sterben, kann aber von Old Surehand befreit werden, der sich einem Gottesurteil fügt und dabei durch seine Schießkünste überlebt. Old Surehand erfährt, dass Stealing Fox einen Siedlertreck in einen Hinterhalt der Geier führen sollte. Es gelingt ihm, den Banditen zu zwingen, seine Leute zu überreden, den Treck erst am nächsten Morgen zu überfallen, da dann Winnetou mit den Schoschonen zur Hilfe eilt. Es folgt der Überfall, und die Geier werden in die Flucht geschlagen. Allerdings gelingt ihnen, Martin gefangenzunehmen. Old Surehand eilt zur Hilfe und tötet Preston, den Anführer der Geier, gerät aber in die Gewalt von Stealing Fox, den Winnetou schließlich erschießt.

Ein neues Team, ein neuer Held- Old Surehand stellt sich vor:



Nachdem ab 1964 Karl May in Serie produziert wurde, verpflichtete Horst Wendlandt, sehr zum Missfallen von Harald Reinl, Edgar-Wallace-Spezialist Alfred Vorher als Regisseur von „Unter Geiern“, der auch ein anderes Team mitbrachte. Alfred Vorher nahm dabei seine Arbeit sehr engagiert auf und war im Umgang mit den Schauspielern strenger als Reinl. Als Drehbuchautoren traten Eberhard Kleindorff und seine Frau Johanna Sibelius, anstelle von Harald G.Petersson, in Erscheinung. Für die Kamera war Karl Löb, anstelle von Ernst W.Kalinke, verantwortlich.
Spätestens seit „Old Shatterhand“ und „Winnetou 2“ war klar, dass fehlender Romanbezug dem Publikumserfolg der Karl May-Filme keinen Abbruch tat. In „Unter Geiern“ ist man nun sogar soweit gegangen, wichtige Charakteren nicht nur zu verändern, sondern sogar ganz in ihr Gegenteil zu verkehren. Karl May beschreibt Old Surehand wie folgt:

Zitat
Er ist "ein wahrer Riese von Gestalt. Seine mächtigen Glieder waren ganz in Leder gekleidet, doch so, dass die von der Sonne gebräunte Brust unbedeckt blieb. Sein langes, braunes, seidenweiches Haar lag wie ein Schleier bis auf den Gürtel herab, und selbst im Schlafe ... lag auf seinem Gesichte der Ausdruck jener Energie, ohne welche ein guter Westmann undenkbar ist ... die einzelnen Teile und Glieder seines Körpers (standen in Harmonie) zu einander". (Old Surehand I)
Er zeigt große Ausdauer und Geschicklichkeit, ist meist schweigsam und sagt nur etwas, wenn er wirklich hilfreich sein kann. Old Shatterhand gegenüber ist er allerdings fast schon unterwürfig, will aber dennoch selbst diesem nichts von seinem Schicksal erzählen.



Hier die May’sche Beschreibung des Old Wabble:

Zitat
Man wußte, daß er wirklich existiere, und doch lebte er in den Erzählungen wie eine mythische Gestalt, mit der die Gegenwart nichts mehr zu schaffen hat. Man berichtete hundert und aberhundert Schrullen und Taten von ihm, welche bewiesen, dass er ein Original war, wie es kaum ein zweites geben konnte; man wusste nicht, wo er sich jetzt befand und was er trieb, und wenn er plötzlich einmal hier oder dort auftauchte, so war es nur für eine kurze Zeit, und man hatte wieder eine schnelle, kühne Tat oder eine ganz abnorme Sonderlichkeit von ihm zu erzählen.
In seiner Jugend war er der "König der Cowboys" genannt worden; jetzt hatte er ein Alter erreicht, welches man auf über neunzig Jahre schätzte, doch sollte er noch ebenso rüstig wie ein Junger sein, und nur sein langes, schneeweißes Haar, welches beim Schnellreiten wie eine Mähne hinter ihm wehte, verriet die Länge seines außerordentlich bewegten Lebens.[1]
"[...] Noch sehe ich ihn vor mir stehen, lang und überschmal, die Füße in ganz unbeschreiblichen Schuffles und die Beine in uralten Leggins steckend. Über dem Hemde, dessen Farbe ich lieber gar nicht erwähne, hing eine Jacke, deren einziger Vorzug eine allgemeine Offenherzigkeit war. Brust und Hals blieben unbedeckt; dafür aber trug er unter dem zerknüllten Hute stets ein um die Stirn gewundenes Tuch, dessen Zipfel auf die Schulter niederhingen, im Gürtel das lange Bowiemesser, an den Ohrläppchen schwere Silberringe und in der großen, braunen, knochigen Hand die stets glimmende, unvermeidliche Zigarette – anders hat ihn wohl selten ein Mensch gesehen.
Das Kostbarste war sein altes, wetterhartes, faltenreiches und stets glattrasiertes Gesicht mit starken Niggerlippen, langer, spitzer Nase und scharfen grauen Augen, denen, obgleich die Lider stets halb geschlossen waren, nicht so leicht etwas entgehen konnte. Mochte dieses Gesicht ruhen oder in Bewegung sein, es hatte immer und immer den Ausdruck einer Ueberlegenheit, welche absolut durch nichts aus dem Gleichgewicht zu bringen war. Und diese Superiorität bestand zu vollem Recht, denn Old Wabble war trotz seiner Schlotterigkeit nicht nur ein Meister im Reiten, im Gebrauche der Rifle und des Lariat, sondern es entging ihm auch nicht eine der andern Eigenschaften, welche ein richtiger Westmann besitzen muß. 'Th'is clear,' das war seine ständige Redensart, welche bewies, daß ihm oft das Schwierigste als leicht und ganz selbstverständlich erschien. [...]"[2]
Old Wabble ist ein sehr starker Raucher. Er war früher Cowboy in Texas (daher stammt der Name King of the Cowboys) und wurde danach Viehzüchter.
Wabble ist Rassist, eingefleischter Indianerhasser und Negerverachter



Der von Steward Granger (1913-1993) dargestellte Old Surehand ist extrovertiert, immer gut gelaunt und betont lässig. Außerdem begegnet er selbst den größten Gefahren gewitzt und in dem Bewusstsein, ihm könne sowieso nichts geschehen. Gemessen an der Romanvorlage kann dieser Old Surehand als völlige Fehlbesetzung betrachtet werden. Auch ist er hier nicht der deutschstämmige Leo Bender, sondern durchaus Amerikaner und heißt, wie später in "Old Surehand" geklärt wird, privat Johnny Garden. Allerdings zeugt Steward Grangers Darstellung rein technisch von großer Professionalität und Glaubwürdigkeit. Laut Aussagen der allermeisten seiner Filmpartner bei den 3 Auftritten als Old Surehand, war Granger selbst arrogant, voller Star-Allüren und sehr rechthaberisch. Damit brachte er kein gutes Klima in das Team. Auch sollte er immer wieder die Drehbücher umgeschrieben und auf sich ausgerichtet haben, was vor allem bei „Old Surehand“ überdeutlich wurde. Doch auch in „Unter Geiern“ rückte Winnetou bereits schon etwas in den Hintergrund. Immerhin durfte er Old Surehand am Schluss, wenn auch nicht auf allzu spektakuläre Weise, das Leben retten.
Das Klima zwischen Pierre Brice und Steward Granger war laut Brices eigener Aussage "furchtbar". Granger sollte Brice mangelhafte schauspielerische Fähigkeiten vorgeworfen haben, was Brice mit der Aussage erwiderte: „ Im Gegensatz zu dir habe ich noch Zeit zu lernen“. Auch soll Granger später irgendwo niedergeschrieben haben. "Pierre Brice ist ein netter Kerl. Aber ich mag ihn nicht." Das Verhältnis zwischen Winnetou und Old Surehand hat nichts von der tiefen und innigen Freundschaft zu Old Shatterhand, sondern zeigt sich eher als Kumpelhaftigkeit, wobei der besonnene Winnetou und der redselige Old Surehand wirklich nicht besonders gut zusammenpassen.
„Unter Geiern“ war zwar ein großer Erfolg, dennoch kam Steward Granger langfristig beim jungen Publikum nicht allzu gut an. Seine amerikanische Lässigkeit passt in keiner Weise zu einem Karl May-Charakter. Auch zählte er mit seinen mittlerweile 51 Jahren nach einer bereits 30-jährigen Karriere zu den Kino- Veteranen. Das Gros der Fans hätte sich für die Rolle sicher einen wesentlich jüngeren Helden gewünscht. In mir erweckt Grangers Darstellung gemischte Gefühle. Einerseits muss ich sein souveränes, gewitztes und unterhaltsames Agieren, das ich irgendwie sogar mag, goutieren, andererseits seine völlig von Karl May entfremdete Eigeninterpretation kritisieren. Über den Grund für Grangers Verpflichtung kann ich nur mutmaßen, denke aber, dass er einfach als zugkräftiger Name benutzt wurde.

Der Serbe Paddy Fox, eigentlich Milan Srdoc, (1920-1988) als Old Wabble hat ebenfalls rein gar nichts von seinem literarischen Vorbild und ist hier Old Surehands, in jeder Hinsicht unfähiger, Side-Kick, der nicht einmal bis drei zu zählen vermag. Aus dem hochinteressanten und sehr vielschichtig angelegten, teils guten und teils bösen Charkter wurde ein debiler Narr gemacht. Er steht hier im krassen Gegensatz zu zahlreichen anderen kauzigen May-Charakteren, die trotz ihrer Schrulligkeit immerhin noch fähige Westmänner sind. Im Vergleich etwa mit dem wirklich witzigen, aber nicht unfähigen, Sam Hawkens ist der hier dargestellte Old Wabble völlig platt und uninteressant.

Umsetzung:



Mit der Vorlage hat diese Verfilmung, abgesehen von einigen Charakteren und Motiven, kaum etwas gemeinsam. Allerdings hat auch Vorher längst erfasst, worauf es bei einem Karl May-Film ankam und diese Elemente gekonnt bedient. Neben einer wunderbaren Landschaft und den tollen Bauten von Vladimir Tadej hört man zum ersten mal die schöne "Old Surehand-Melodie", die Martin Böttcher ganz im Stile seiner "Old Shatterhand" und "Winnetou"-Themen komponiert hat. Eigentlich wäre neben Winnetou Old Shatterhand der Hauptheld dieser Geschichte, was bei der Umsetzung ursprünglich auch so geplant war, doch rückte man schließlich davon ab, nachdem Lex Barker Horst Wendland einmal mehr mit Artur Brauner in "Der Schatz der Azteken" fremdging und man Steward Granger für den Film gewinnen konnte. Die Handlung ist flott und spannend inszeniert und unter Vohrer eine Spur härter und weniger sentimental als unter Reinl.

Charaktere:



Sieghard Rupp (geb.1931) liefert als Preston, Anführer der Geier-Bande, einen sehr farblosen und platten Bösewicht ab. Die Qualität seiner Darstellung kommt, trotz seines finsteren Äußeren, nicht einmal in die Nähe von Herbert Lom, Mario Adorf und Rik Battaglia. Auch Guy Madison, Gustavo Rojo und Alan Steel kann er nicht das Wasser reichen. Damit zeigt seine Interpretation den bis dahin schwächsten Oberschurken des Genres.

Elke Sommer wurde hier im Austausch gegen Pierre Brices Auftritt in Brauners "Old Shatterhand" für Wendlandt verpflichtet und steht in der Blüte ihrer Schönheit. Als weiblicher Aufputz ist sie damit in der nicht allzu wichtigen Rolle angenehm anzusehen.

Erfreulicherweise hat der spätere DEFA-Star Gojko Mitic als Wokadeh wohlverdient seine erste größere Rolle und macht sich darin mit seinem durchtrainierten Körper und dem markanten Gesicht ganz hervorragend.

Auch Mario Girotti (Terence Hill) ist wieder zu sehen, allerdings als Siedler in einer wesentlich kleineren Rolle als in "Winnetou 2".

Wie bereits im "Schatz im Silbersee" agiert Götz George sehr agil und vital mit vollem Körpereinsatz und zeigt als Action-Held bemerkenswerte schauspielerische Qualität. Äußerlich wirkt er gegenüber seinem ersten May-Auftritt aufgrund anderer Frisur und Schminke deutlich verändert.

Der Slowene Miha Baloh (geb.1928) fällt als feiger und falscher Mormonenprediger Tobias Barton alias Stealing Fox alias Weller vor allem durch sein schleimiges und heuchlerisches Overacting auf. Sein unterwürfiges Gehabe regt doch sehr dazu an, ihm die Faust in's Gesicht zu strecken.

Der Amerikaner Walter Barnes (1918-1998) als Bärenjäger Baumann hat, ebenso wie Dunja Rajter (geb.1940), seinen zweiten Karl-May-Auftritt nach "Winnetou 1". Letztere bekleidet auch diesmal wieder nur eine kleine Rolle als Banditenbraut.

Schauplätze:




Baumanns Farm wurde im Hochtal von Grobnik Polje errichtet, wo bereits Butlers Farm und Fort Niobara standen. Das Schoschonen-Lager stand an derselben Stelle, wie das Assiniboin-Dorf in "Winnetou 2" an der Straße zum Skigebiet von Platak. Wieder einmal trieb die Bora ihr Unwesen und fegte dieses von dannen.

Die Goldgräbersiedlung befindet sich in der so oft verwendeten Paklenica-Schlucht. Das Nachtlager der Geierbande, sowie die Schlußszene, spielten am Mali Alan, dem Nugget Tsil aus "Winnetou 1" und dem Ort von Winnetous Sterbeszene in "Winnetou 3". Leider ist dieses Gebiet nach dem Krieg der 90er-Jahre noch immer nicht frei von Minen.

Besonders schön sind wieder einmal die Krka-Wasserfälle (Roski-Fälle), wo Old Surehand die auflauernden Indianer bezwingt. Der Kampf der Siedler gegen die Geier fand in Vrlicka statt.

Fazit:

Trotz Lex Barkers Abwesenheit und Steward Grangers fehlendem Karl-May-Bezug sehr schön und unterhaltsam inszenierter Film, der die wesentlichen Elemente des Genres nicht missen lässt. 4,5 von 5.

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