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Dieses Thema hat 8 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Ray Offline



Beiträge: 1.031

16.01.2018 19:33
Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Nachtzug D 106

Regie: Helmuth Ashley

Darsteller: Martin Benrath, Walter Rilla, Hans Cossy, Anaid Iplicijan, Klaus Schwarzkopf, Margarethe Haagen, Wolfgang Weiser, Barbara Frey, Thomas Alder, Wolfgang Weiser, Georg Hartmann, Jos Hartmann. Berno von Cramm, Helmut Gentsch



Auf den zwischen Westberlin und Westdeutschland verkehrenden Nachtzug D 106 springt ein DDR-Flüchtling auf und bringt die im betreffenden Abteil weilenden Zuggäste in eine (Gewissens-)Konfliktlage: soll dem Mann - unter Inkaufnahme möglicher Konsequenzen für einen selbst - geholfen werden, indem man ihn unbemerkt durch die Grenzkontrolle bringt? Oder überlässt man ihn seinem Schicksal?

Eine höchst anschauliche und ungemein packende Gesellschaftstudie offenbart diese auf einem Theaterstück Herbert Reineckers basierende Fernsehproduktion. Die Handlung spielt sich allein in einem Zugabteil ab. In diesem lässt Regisseur Helmuth Ashley die unterschiedlichsten Typen Mensch in dieser Konfliktlage aufeinanderprallen. Da sind die einen, die sich von vornherein von dem Flüchtling abwenden. Andere möchten dem Mann helfen, wissen nur nicht wie. Wiederum andere machen sich für eine Hilfe stark, sind aber selbst nicht bereit, die helfende Handlung vorzunehmen. Die interessanteste Figur wird wohl von Martin Benrath verkörpert, der die Menschen um sich herum gezielt manipuliert, um Bestätigung für seine Ansichten die Gesellschaft betreffend zu finden. Politische Konflikte, aber auch Generationen-Konflikte deuten sich an. Walter Rilla, der einen aus dem Lager der potentiellen Helfer verkörpert, sieht den Flüchtling als eine Fügung des bzw. seines Schicksals: er ist gekommen, um ihn vor eine Aufgabe zu stellen. Als er Moral- und Werte-Diskussionen ins Spiel bringt, muss er sich von einem jungen Passagier anhören, das alles sei doch durch die Öfen von Auschwitz verdampft.

Ashley belässt es aber nicht bei derlei Diskussionen, sondern führt dem Zuseher regelmäßig den Faktor Zeit vor Augen. So bleibt die Spannung konstant, zumal die Stimmung bzw. die Mehrheiten regelmäßig kippen und zunächst vielversprechende Lösungswege aus unterschiedlichen Gründen scheitern. Schließlich ist es dem Regisseur gelungen, ein stimmiges Ende zu präsentieren.

"Nachtzug D 106" ist zusammen mit dem Spionage-Dreiteiler "Der Illegale" in der Straßenfeger-Box 29 zu finden. Die Bildqualität ist nicht zu beanstanden, dazu gibt es ein Interview mit Regisseur Helmuth Ashley, im Rahmen dessen auch auf den Film eingegangen wird.


Packende Gesellschaftsstudie anhand eines anschaulichen Falles, die Spannungs-Elemente nicht vergisst, ansprechend inszeniert ist und durch starkes Schauspiel begeistert. Ein echter Geheimtipp unter den Fernsehproduktionen der 1960er-Jahre. 5 von 5 Punkten.

Siegfried Lowitz Offline




Beiträge: 34

12.04.2018 10:21
#2 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Gute Beschreibung die den Film genau auf dem Punkt bringt. Sehr empfehlenswerter Film mit einer fantastischen Besetzung.
Ich würde gerne wissen ob es noch mehr solche Psychologischen filme gibt in dieser Richtung und wenn ja welche?

Ray Offline



Beiträge: 1.031

12.04.2018 19:54
#3 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Zunächst mal danke für die Rückmeldung. Ich wundere mich etwas, dass dieser bemerkenswerte Film hier im Forum noch so wenig Beachtung gefunden hat.

Generell kennen sich andere unter uns sicher bedeutend besser aus, aber herausragend und ebenfalls sehr dicht in seiner Inszenierung und mit psychologischem Unterbau ist auch der ebenso von Helmut Ashley verantwortete Kinofilm "Mörderspiel". Ich weiß nicht, inwiefern er dir bekannt ist.

Hier der Link zum Thread, in dem du einige lesenswerte Rezensionen findest: Bewertet: "Mörderspiel" (1961, Stilverwandte)

Jan Offline




Beiträge: 1.319

12.04.2018 22:32
#4 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Beide Produktionen - "Nachtzug D 106" und "Mörderspiel" - würde ich grundsätzlich sehr empfehlen, wobei mir "Mörderspiel" noch erheblich besser gefallen hat, nicht zuletzt auch wegen des grandiosen Harry Meyen. Beide Produktionen sind von Helmuth Ashley, der hier aus meiner Sicht auf dem Höhepunkt seines Schaffens als Regisseur war und danach nur noch selten (beispielsweise bei seinen beiden "Kommissar"-Episoden "Die Cousine" und "Sein letzter Coup") an dieses Format anknüpfen konnte. Ashleys "Derrick"-Episoden sind aus meiner Sicht oftmals von einer gewissen Schwülstigkeit gezeichnet, die gerade bei dem sehr nüchternen Kammerspiel "Nachtzug D 106" noch völlig fehlte.

Spontan fallen mir vergleichsweise wenige Filme aus dieser Epoche ein, die mit "Nachtzug D 106" direkt vergleichbar wären. Vielleicht sind es am ehesten noch der TV-Film "Besuch aus der Zone" von Rainer Wolffhardt und aus dem Kino "Kirmes" von Wolfgang Staudte oder "Schwarzer Kies" von Helmut Käutner. Alle drei Filme gehen aber deutlich in die Richtung Drama und mit Ausnahme von "Besuch aus der Zone" sind es auch weniger echte Kammerspiele, sondern eher gleichermaßen ambitionierte wie erfolglose Versuche, dem Kinopublikum anspruchsvolle aber auch etwas düster geratene Kost vorzusetzen. Zudem bliebe da natürlich noch Günter Gräwerts fabelhaft gelungene Reginald-Rose-Adaption "Die zwölf Geschworenen" von 1963 mit einer wirklich beeindruckenden Besetzung und einem sich im Kern wohl am dichtesten am "Nachtzug" befindlichen Plot.

Gruß
Jan

Siegfried Lowitz Offline




Beiträge: 34

13.04.2018 23:22
#5 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Ich wundere mich ehrlich gesagt auch warum der Film nur so wenig Aufmerksamkeit bekommen hat denn obwohl er eine Fernsehproduktion ist kann er mit denn meisten Kinoproduktionen der 60er Jahre mithalten vor allem wegen der fantastischen Besetzung. Ich finde es nur schade dass in diesen Film kein Siegfried Lowitz dabei war denn er hätte wieder mal glänzen können wie beim Film „Die 12 geschworen“ wo er bewiesen hatte das er solche Psychologischen rollen wirklich meistern kann.

Siegfried Lowitz Offline




Beiträge: 34

13.04.2018 23:24
#6 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Kirmes ist auch ein fantastischer Film in diese Drama Richtung der auch bewiesen hat dass Götz Georg nicht nur für einfachere Helden rollen fähig ist sondern auch für kompliziertere rollen

Siegfried Lowitz Offline




Beiträge: 34

13.04.2018 23:33
#7 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Und danke vielmals für eure tips jetzt habe ich endlich mal neues Film Material für die nächsten tage . Danke vor allem für den tip mit „Besuch aus der Zone „ endlich mal ein Film mit Siegfried Lowitz denn ich noch nicht kannte und wenn Werner Peters dabei ist kann der Film gar nicht schlecht sein.

Georg Offline




Beiträge: 2.938

14.04.2018 08:29
#8 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Zitat von Siegfried Lowitz im Beitrag #5
Ich wundere mich ehrlich gesagt auch warum der Film nur so wenig Aufmerksamkeit bekommen hat denn obwohl er eine Fernsehproduktion ist kann er mit denn meisten Kinoproduktionen der 60er Jahre mithalten vor allem wegen der fantastischen Besetzung.
Das können so viele Fernsehkrimis der 60er und 70er. Siehe meine Seite:
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspiele/index.htm
Rund die Hälfte davon habe ich gesehen und der überwiegende Großteil ist hervorragend.
Ein gewisses Desinteresse an diesen Produktionen habe ich schon mal in einem anderen Thread hinterfragt: Der Blick über den Tellerrand: neue alte Krimis für das Forum?


Zitat von Jan im Beitrag #4
Zudem bliebe da natürlich noch Günter Gräwerts fabelhaft gelungene Reginald-Rose-Adaption "Die zwölf Geschworenen" von 1963 mit einer wirklich beeindruckenden Besetzung und einem sich im Kern wohl am dichtesten am "Nachtzug" befindlichen Plot.

Sämtliche für das deutsche TV inszenierte Reginald-Rose-Verfilmungen sind ausnahmslos zu empfehlen, da alle neben einer (leichten) kriminalistischen Handlung auch immer viel (immer noch aktuelle) Sozial- und Gesellschaftskritik transportieren.

Straße der Gerechten (1959)
mit Siegfried Lowitz, Gisela Trowe, Wolfgang Preiss, Günter Pfitzmann
Regie: Rainer Wolffhardt
Darin geht es um einen Sträfling, der in eine Siedlung zieht . Die ruhigen Bürger organisieren einen Aufstand, der in einer Steinigung gipfelt. Super gespielt und inszeniert!
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...ergerechten.htm

Das Kartenspiel (1961)
mit Leonard Steckel, Werner Hinz, Bernhard Minetti, Richard Häußler
Regie: Edward Rothe
Fünf gelangweilte Herren suchen nach dem Kick im Leben und beschließen, einen Mord zu begehen, damit ihr Leben aufregender wird. Die Frage: "Kann jeder zum Mörder werden?" wird darin hervorragend thematisiert. Einer meiner Lieblinge.
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...kartenspiel.htm

Die Feuertreppe (1962)
mit Benno Sterzenbach, Hermann Lenschau, Konrad Georg, Karl Georg Saebisch, Elmar Wepper und Helmuth Rudolph
Regie: Ludwig Cremer
Wer ist Schuld am Tod eines Schülers? Nach und nach deckt sich auf, dass alle Beteiligten ihren Beitrag dazu geleistet haben. Herausragend.
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...feuertreppe.htm

Der Fall Sacco und Vanzetti (1963)
mit Horst Niendorf, Robert Freitag, Günther Neutze, Stanislav Ledinek
Regie: Edward Rothe
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...undvanzetti.htm
Aufarbeitung einer Unschuldigengeschichte.

Mein absoluter Liebling ist jedoch
Tragödie in einer Wohnwagenstadt (1967)
mit Werner Schumacher, Ruth Maria Kubitschek, Friedrich Georg Beckhaus, Peter Kuiper, Benno Hoffmann
Regie: Günter Gräwert
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...nwagenstadt.htm
Außerordentlich spannend und packend inszenierter Fall von Lynchjustiz

Als letzte Rose-Verfilmung sei noch
Entscheidung (1967)
mit Heinz Drache, Eva Pflug und Thomas Braut erwähnt (Regie: Hagen Mueller-Stahl), den ich jedoch schwächer als die anderen sehe.

Soweit zu den Rose-Verfilmungen, aber auf meiner Homepage findest Du noch dutzende empfehlswerte Fernsehkrimis mehr.

Wenn Dir der Stil von Nachtzug zugesagt hat, dann sei Dir eventuell auch der als Fernseh- und Kinoproduktion gedrehte Film Verspätung in Marienborn (1963), engl. Titel Stop Train 349, empfohlen, der eine ähnliche Thematik wie Reineckers Nachtzug hat.
Es spielen José Ferrer, Sean Flynn und von dt. Seite u.a. Hans-Joachim Schmiedel, Arthur Brauss, Christiane Schmidtmer, Narziss Skoatscheff, Egon Vogel. Regie führt Rolf Hädrich, die Vorlage lieferte Will Tremper ("Aufenthalt in Marienborn"), Peter Thomas war u.a. für die Musik zuständig.
Kenne den Film in seiner dt. Fassung nicht, aber die engl. ist beim größten Onlinevideoportal (**utube) zu finden.

Siegfried Lowitz Offline




Beiträge: 34

14.04.2018 09:21
#9 RE: Nachtzug D 106 (1964, TV) Zitat · antworten

Danke vielmals für deine detaillierte Beschreibung ;)
Ich finde dieses Edgar Wallace Forum ist das beste weil da so viele Menschen dabei sind die ein so großes fach wissen haben für alle guten filme die in 60er Jahren gedreht wurden sind; schade das die heutigen filme nicht mehr so gut sind... und auch schade finde ich es dass ich auf dieses Forum erst so spät Gestosen bin.

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