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Dieses Thema hat 54 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.120

12.09.2014 19:30
#31 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 1/8)


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Der Frosch mit der Maske (als Richard Gordon)

Als sich der dänische Produzent Preben Philipsen und der Münchner Constantin-Film-Chef Waldfried Barthel 1958 zu einer eigenständigen Edgar-Wallace-Verfilmung entschließen, fällt mit der Wahl des Regisseurs Dr. Harald Reinl gleichsam die Entscheidung für Joachim Fuchsberger als Darsteller des jugendlichen Helden. In dieser Rolle war der smarte Akteur, der über Umwege beim Rundfunk ins Filmgeschäft einstieg, bereits in drei Filmen des Erfolgsregisseurs zu sehen gewesen. Fuchsberger hat die perfekten Voraussetzungen für den Part des dynamischen Schnüfflers: Das Publikum assoziiert mit seiner Figur den Liebhaber, aber auch das neugierige und gerechte Idealbild eines jungen, noch nicht ganz ausgereiften Bundesbürgers, der für wiedererstarktes Selbstvertrauen und das Anpacken im Wirtschaftswunder steht, ohne abgehoben zu wirken. Im Gegensatz zu einigen anderen Hauptdarstellern kann Blacky Fuchsberger dem Automechaniker und dem Millionenerben ein glaubwürdiges Gesicht verleihen.

Sein Richard Gordon avanciert im Vergleich zum Buch vom Hilfsdirektor der Staatsanwaltschaft zum Neffen von Sir Archibald persönlich. Vielleicht ist hierfür die Skepsis einer altmodischen Beamten- und Führungskräftegeneration verantwortlich, die einem so jungen Menschen wie Fuchsberger einen so verantwortungsvollen Posten anno 1959 noch nicht zutraut. Ähnliches spiegelt sich in dem Umstand wider, dass man zunächst einen Roman zur Adaption wählte, in dem der Held aus der jungen Generation mit Sergeant Elk (im Film Inspektor) einen väterlichen Unterstützer zugesprochen bekommt, der nicht nur eine Sondernennung im Vorspann erhält, sondern auch beamtisch-verbissener an den Untersuchungen festhält als der das Leben genießende und mit unkonventionellen Methoden arbeitende Richard Gordon.

Ein Charakteristikum lässt sich hingegen von Edgar Wallace’ Roman-Gordon auf Fuchsbergers Film-Gordon übertragen: Als dreißig Jahre alt beschreibt der Erfolgsautor seinen Helden im ersten Kapitel des Romans „The Fellowship of the Frog“, betont aber, dass dieser „mit seinem glatten Knabengesicht wie achtzehn aussah“. Wenngleich der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 32-Jährige sicher nicht mehr für einen Minderjährigen gehalten werden könnte, so hat sich seine Filmfigur doch eindeutig ihre kindlichen Vergnügungen bewahrt: Schnelle Autos zu fahren, im piekfeinen Salon Judo zu üben und die Ermittlungen in einem Mordfall mehr als Privatvergnügen und Partnerbörse aufzufassen, lässt sowohl Dick Gordon als auch Joachim Fuchsberger im moralisch und inszenatorisch in der Adenauer-Zeit verwurzelten „Frosch mit der Maske“ im besten Sinne charakterlich ungefestigt und damit sympathisch un-deutsch wirken.

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Die Bande des Schreckens (als Chefinspektor Long)

In gewisser Weise gilt für Arnold Long Ähnliches. Er macht vor allem durch seine offen zur Schau gestellte Wettleidenschaft von sich Reden, die ihm den Spitznamen „Wetter Long“ eingebracht hat. Ob es um die Verhaftung eines Kriminellen oder dessen tödlichen Racheschwur geht – süffisant zerstreut der unbekümmerte Chefinspektor mit einem „Ich wette dagegen“ alle Befürchtungen. In dieser scheinbar verspielten Zeile kommt viel zum Ausdruck: Fuchsbergers Figuren sind so unzweifelhaft und integer, weil sie in jeder noch so ausweglosen Situation auf den Sieg der Gerechtigkeit vertrauen. Sie unterfüttern damit zwar ein Klischeebild des traditionellen Krimis, bringen aber gleichsam zum Ausdruck, was Millionen von Lesern und Zuschauern an Edgar-Wallace-Stoffen so bewundern.

Mit großen Vorbildern wie Sherlock Holmes oder Kommissar Maigret verbindet Blackys Chefinspektor Long die Pfeife, die aus dem „Sturm und Drang“-Burschen einen kultivierten Mann formt. Doch auch im Smoking kann sich der erneut hochwohlgeborene Ermittler sehen lassen, wenngleich der Schauspieler hinter der Rolle sich in solchem Aufputz eher verkleidet fühlte. Und noch ein Kleidungsstück wurde symptomatisch für einen ordentlichen Yard-Beamten:

Zitat von Georg Seeßlen: Edgar Wallace – Made in Germany. Frankfurt / Main: epd Film, 6/1986
[Edgar-Wallace-]Helden waren ein klein wenig moderner als die gewohnten Helden des deutschen Films, nicht allein, weil sie statt Lodenmänteln Trenchcoats trugen, mit Pistolen umgehen und ein Taxi rufen konnten. Es waren Stadtmenschen, ganz einwandfrei als solche zu erkennen, und es waren obendrein erfolgreiche (aber nicht unbescheidene) und sogar souveräne Stadtmenschen. Die rechten Helden für eine Gesellschaft, die sich aus den Trümmern über kurze Träume agrarischer Idyllen und Koexistenzen zu einem Beamtenstaat entwickelte. Sie hatten es geschafft, in der großen Welt, in die sie gesandt waren, ebenso wie in der Unterwelt mit ihren gelegentlich sogar erotischen, vor allem aber finanziellen und männerbündischen Versuchungen, immer ideale Schwiegersöhne zu bleiben. Sie demonstrierten, wie weltläufig Provinzialität sein konnte, hatte sie nur einmal die richtige Aufgabe gefunden.

Tarzan Online



Beiträge: 941

13.09.2014 19:02
#32 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Bald bei Pidax auf DVD erhältlich ... AUF WIEDERSEHEN (DREI GEGEN AMERIKA).

Zu "Blacky" hieß es damals in der zeitgenössischen Werbung:

"Joachim Fuchsberger agiert in einer etwas verträumten Charakterrolle, wirkt aber auch überzeugend als falscher US-Soldat und Cowboy."

Also eine Mischung von BLACKY aus MR. DYNAMIT und WER KENNT JONNY R.? -)

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

14.09.2014 13:45
#33 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten


♦ BEN TAYLOR in SCHREIE IN DER NACHT ♦






Denkt man an Joachim Fuchsbergers Filmschaffen, bringt man primär seine Rollen in Kriminalfilmen und seine Inspektoren-Figuren mit ihm in Verbindung. Eine Tatsache die überaus logisch erscheint, war er doch in seinem Stil und in seiner Ausstrahlung konkurrenzlos. Jedoch gibt es in seiner Filmografie auch einige alternativ angelegte Rollen, die überaus konträr zum bestehendem Image und möglicherweise auch zum geforderten Rollenbild stehen. Ben Taylor, in dem 1969 entstandenen Spielfilm "Schreie in der Nacht", ist so ein Beispiel. Zunächst scheint das Schauspiel von Joachim Fuchsberger identisch mit seiner üblichen Arbeitsauffassung zu sein. Er wirkt trotz Allem sympathisch und souverän, es scheint außerdem, als erfinde er selbst innerhalb begrenzter Möglichkeiten, hinsichtlich der Anlegungen seiner Rollen, immer wieder neue Kniffe, neue Finessen um den Zuschauer nicht nur zu überzeugen, sondern ihn vor allem auch zu überraschen. Egal wie man zu Antonio Margheritis Beitrag schlussendlich auch stehen mag, aber gerade im Rahmen der darstellerischen Leistungen sind außergewöhnlich gute und überzeugende Momente zu finden. Joachim Fuchsbergers Ben Taylor ist Teil davon geworden und die angewandte, vorsichtige Progressivität bleibt in nachhaltiger Erinnerung. Vorsichtig allerdings deswegen, weil das Konzept des Films trotz diffuser Giallo- und Horror-Elemente immer noch offenkundig den Krimi-Sektor bedient und Joachim Fuchsberger dem Empfinden nach somit auf gewohntem Terrain präsentiert. Die Überzeugung entsteht dieses Mal in den Personen-Konstellationen, also im bestechenden Zusammenspiel der Akteure, das wie ein Puzzlespiel aufgebaut ist.

Bei Ben Taylor kommen mehrere Komponenten zusammen, die einen gebrochenen Charakter andeuten. Mittlerweile ist er nur noch eine Art Lakai seines Partners Archibald Barrett, so dass er auf verlorene Jahre des Arbeitens ohne Erfolg zurückschauen muss. Verschwendete Kapazitäten und Fähigkeiten übertragen sich in seine Ehe und er hat den Blick für wichtige Dinge verloren. Seine Frau Vivian liebt er daher auf seine Weise, die sich längst mit anderen Begierden herumquält. Dunkle Geheimnisse verbinden diese Menschen, die einmal gelebt haben und mittlerweile nur noch vor sich hin vegetieren. Joachim Fuchsberger nutzt seine Fähigkeiten optimal aus, diesem Charakter Tiefe einzuhauchen, wenngleich es mehr Möglichkeiten von Seiten der Geschichte hätte geben dürfen. Ein Blick in sein Gesicht genügt, um Gewissheit zu bekommen. Er ist desillusioniert, befindet sich im ausweglosen Würgegriff eines ehemaligen Freundes und von Vivian ist er Lichtjahre entfernt. So pflegt er diverse Liebschaften, sucht aber auch noch die Nähe zu seiner Frau, die allerdings nur noch mechanisch wirkt. Im Verlauf des Films stattet Joachim Fuchsberger die Rolle mit etlichen Facetten aus. Zunächst empfindet man eine eigenartige Ruhe und Lethargie, in seinen Rückblenden spürt man Leben und Ambitionen, zum Ende hin sieht man eindringliche Vehemenz und forderndes Befragen, was vielleicht etwas mehr an seine Inspektoren-Figuren angelehnt erscheint. Insgesamt sieht man eine von Joachim Fuchsbergers ungewöhnlichsten Arbeiten und der Reiz entsteht nicht zuletzt aus einem offensiv zur Schau gestellten Konglomerat aus Oberflächlichkeit, Ambivalenz und moralischer Schwäche. Ein interessanter Charakter zwischen Geständnis und Anklage.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.120

14.09.2014 14:25
#34 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 2/8)


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Die toten Augen von London (als Larry Holt)

Bereits 1955 bestanden bei der Constantin-Film Pläne, „Die toten Augen von London“ als Kriminalfilm auf deutsche Leinwände zu bringen. Auch wenn der Traum von früheren Wallace-Filmen sehr reizvoll ist, so wäre es doch fraglich gewesen, ob Joachim Fuchsberger in einer solchen Reihe – sofern das Projekt überhaupt zu einer Reihe angewachsen wäre – einen vergleichbaren Stellenwert eingenommen hätte. Man mag den Startzeitpunkt 1958/59 deshalb als günstiger für die Akzeptanz der Krimi-Stoffe in der eher seichten Kinolandschaft und auch für Fuchsbergers großen Durchbruch jenseits der Heimatfilm-Branche bezeichnen.

Für Joachim Fuchsberger selbst war die Verpflichtung bei Edgar Wallace nach eigenem Bekunden „eine Erlösung aus einem Schubladenfach des jugendlichen Liebhabers“. Zwar galt es für Blacky auch auf dem neuen Parkett in jedem Film, ein Mädchenherz zu erobern. So verlangten es schließlich sowohl die Buchvorlagen als auch der noch immer nach Romantik sehnende Zeitgeschmack. Und vielleicht steckt in diesem Besetzungsideal ja auch durchaus ein Kompliment gegenüber dem Mann hinter der Rolle. Doch als Wallace-Ermittler war er eben viel mehr als „nur“ ein Liebhaber. Gerade in seinem Auftritt in „Die toten Augen von London“ – dem ersten nicht unter Harald Reinl, sondern unter Alfred Vohrer – wird zum Beispiel seine humoristische Begabung endlich einmal voll ausgekostet. Im Zusammenspiel mit Eddi Arent, für dessen Rolle im „Frosch“ Fuchsberger zunächst Harald Juhnke vorgeschlagen hatte, kommt eine ideale Chemie und eine sich anbahnende Männerfreundschaft zwischen zwei der größten Namen der Filmreihe zum Vorschein.

Trotz belustigender und amouröser Tendenzen des Larry-Holt-Charakters zeigt sich an ihm doch auch, wie leidensfähig und voller Selbstvertrauen ein Yard-Inspektor bei Wallace sein muss. Blacky strahlt dieses Durchsetzungsvermögen mit natürlicher Autorität, ohne herablassend zu wirken, sowohl im Umgang mit harmlosen Gangstertypen wie Flimmer-Fred oder Edgar Strauss als auch angebunden und in Lebensgefahr im Keller des Blindenheims aus. Waren es in seinen früheren Filmen noch Missverständnisse und Identitätsschwindel, die das Zusammenkommen zweier Liebenden verhinderten, so stellten sich dem privaten Glück nunmehr wildgewordene Mörder mit Flammenwerfern in den Weg.

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Das Geheimnis der gelben Narzissen (als Jack Tarling)

Mit seinem Auftritt in „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ manifestiert Joachim Fuchsberger seinen Führungsanspruch in den deutschen Wallace-Adaptionen. Waren anfänglich stets er und Klausjürgen Wussow im Wechsel als Hauptdarsteller verpflichtet worden (und stets stimmte das Publikum mit den Füßen ab und strömte bevorzugt in die Blacky-Krimis), so tritt der „Held aus Zuffenhausen“ nun erstmals in zwei Krimis in Folge als Hauptdarsteller auf. Dieser Rekord sollte ihm bis 1968/69 allein gebühren, als Horst Tappert, der spätere „Derrick“, zweimal den Inspektor Perkins gab – vorher wiederholte Fuchsberger das Kunststück der Folgebesetzung als Publikumsmagnet noch einmal mit dem Doppel „Das Gasthaus an der Themse“ und „Der Fluch der gelben Schlange“.

Selbstverständlich spricht auch die Praxis der Herstellung von „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ Bände: Dem Koproduzenten extra einen Doppeldreh aller Szenen mit den Hauptdarstellern abzuverlangen und damit den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Produktion in die Höhe zu treiben, verdeutlicht, als wie essenziell Fuchsberger als Leading Man erachtet wurde. Ein Wallace-Krimi ohne deutsches Zugpferd sollte erst 1964 mit „Das Verrätertor“ in die Kinos kommen und dort – wen wundert’s – floppen.

Mit Blacky überträgt sich ein gutes Stück deutscher Rechtschaffenheit auf britischen Grund und Boden. Dennoch wirkt er auf internationalem Parkett keineswegs deplatziert: Nonchalant scherzt er mit der internationalen Berühmtheit Christopher Lee, auch wenn das Publikum sich im Klaren darüber ist, dass Jack Tarling nicht im Traume ahnt, welche kruden Praktiken der Chinese Ling-Chu in seinen Verhören anwendet, um Menschen zum Sprechen zu bringen. Alle von Fuchsberger dargestellten Charaktere präsentieren sich zwar handfest, selbst um die eine oder andere kreative Auslegung der Gesetze nicht verlegen und nutzen die Gelegenheit, „sich in die Fresse zu hauen, ’rumzuschimpfen und sich ’rumzuprügeln“. Doch sie gestalten sich dabei stets als Sympathiefiguren, die fair blieben und die Wahl ihrer Mittel von Köpfchen bis Fäuste wohl abwägen.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.431

15.09.2014 22:46
#35 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Gibt es eigentlich Filme in denen Joachim Fuchsberger gestorben ist?
Der einzige der mir einfällt ist

Antonio Margheriti`s SCHREIE IN DER NACHT

guenter19650 Offline



Beiträge: 29

15.09.2014 23:59
#36 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Mir fällt auf Anhieb

"Die grünen Teufel von Monte Cassino"
und
"Himmelfahrtskommando El Alamein"
ein. In beiden Fällen wird er erschossen.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.120

21.09.2014 14:10
#37 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 3/8)


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Die seltsame Gräfin (als Mike Dorn)

Unmittelbar von Filmbeginn an sieht sich Margaret Reedle durch einen Wahnsinnigen bedroht. In dieser angespannten Situation springt ihr Mike Dorn zur Hilfe, der mehr persönlicher Beschützer und Bodyguard als cleverer Ermittler sein muss und somit schneller reagiert, als seinen Gegnern lieb sein könnte. Zum ersten Mal steht nicht der Geist, sondern allein die Physis des Ermittlers so stark im Mittelpunkt eines Films. Deshalb ist es kein Wunder, dass der Zuschauer erst später erfährt, dass Mike Dorn Polizist ist – ebenso wie sich die Handlung generell einen Spaß daraus macht, die Zugehörigkeit ihrer Protagonisten zur Polizei fürs Erste geheimzuhalten. Dass sich Blacky Fuchsberger in seiner Rolle so eifrig als andauernder Lebensretter betätigt, bringt ihm nach und nach die Sympathie seines Schützlings ein, auch wenn Miss Reedle (im Roman Lois Reddle) anfangs gar nicht gut auf ihn zu sprechen ist:

Zitat von Edgar Wallace: Die seltsame Gräfin. Augsburg: Weltbild, 2000/2001, S. 241
Lois errötete. „Wenn du doch nicht immer von diesem schrecklichen Menschen sprechen wolltest, als ob er ein junger Gott wäre!“ erwiderte sie kurz. Lizzy Smith ließ sich aber nicht im Mindesten aus der Fassung bringen. [...] „Hör mal, das ist kein gewöhnlicher Mensch! [...] Ich bitte dich, der ist doch Klasse.“


Klasse meisterte Fuchsberger in „Die seltsame Gräfin“ auch den Zweikampf der vor der Kamera in den Tempelhofer Filmstudios versammelten Schauspielergenerationen. In diesem deutlich von alten UFA-Semestern dominierten Film steht der Sympathieträger als Aushängeschild der „jungen Leute“ im Mittelpunkt des Interesses. Da ist es vielleicht nicht einmal ein großer Zufall, dass mit der „Gräfin“ der letzte altmodische Film der Reihe entstand, der eng an das Zwanzigerjahre-Flair der Wallace-Bücher anknüpfte, während im Kommenden immer stärker Zeitgeist und Swinging-Sixties-Moderne Einzug in die Rialto-Produktionen hielten. Dass Preben Philipsen und Horst Wendlandt nicht länger auf die Stars von vorgestern bauen konnten, wird besonders in den Gesprächen Mike Dorns mit der Gräfin Moron deutlich, in denen Fuchsbergers realistische und pragmatische Natur auf die weit ausholenden Stummfilmgesten der Diva Dagover trifft. Dennoch hebt Fuchsberger hervor, wie wichtig das Zusammenspiel mit erfahrenen Mimen für die Beteiligten seiner Altersklasse war. Anlässlich eines Interviews zu „Neues vom Wixxer“ blickt der nunmehr selbst gealterte Darsteller auf die Eminenzen der Wallace-Filme zurück: „Für uns junge Schauspieler war es vor 40 Jahren eine Offenbarung, mit den Großen des deutschen Films zusammenzuarbeiten. Wir haben nur geschaut, wie ein René Deltgen oder eine Lil Dagover im Studio gearbeitet haben und haben von ihnen gelernt“.

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Der Teppich des Grauens (als Harry Raffold)

Nachdem Artur Brauners CCC-Filmkunst mit dem Bryan-Edgar-Wallace-Film „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“ eine ganz unverhohlen nicht nur stilverwandte, sondern klar auf die Erfolgswelle des Namens Wallace abzielende Epigone in die deutschen Kinos gebracht hatte, schwanden auch bei anderen Produzenten die Bedenken, offensiv an der Edgar-Wallace-Stimmung zu partizipieren. Die International Germania Film mit Sitz in der Bundeshauptstadt Bonn grub dafür die Romane von Louis Weinert-Wilton aus, der bis 1945 als deutschsprachiger Schriftsteller in Prag lebte, aber Bücher verfasste, die genauso gut aus der Feder von Edgar Wallace hätten stammen können. In seinem Essay „Die vergessenen Morde des Louis Weinert-Wilton“ schildert Dr. Norbert Menzel die Parallelen: „Er schildert dasselbe Milieu und dieselben Personenkreise wie Wallace, er baut auch dasselbe Handlungsschema auf: Detektiv (stets ein Außenseiter, meist ein Amateur) rettet bedrohte Schöne vor dem Erzbösewicht“.

Wenn sich Weinert-Wilton durch das klassische Dreigestirn Held – Frau in Gefahr – Verbrecher auszeichnet, lag es nah, die bereits bei Wallace erprobte und beliebte Paarung Joachim Fuchsberger und Karin Dor als Hauptdarsteller zu verpflichten. Dieser Kniff stellt die große Genialität des „Teppich“-Produzenten dar, weil allein durch die vertraute Konstellation ein Gefühl der Zugehörigkeit zu den Wallace-Filmen erweckt wird, das vergessen macht, dass fast die gesamte übrige Besetzung sowie ein Großteil der Crew Spanier waren.

Spanisch mag einem heutigen Betrachter weniger Harry Raffolds gewiefte Spürnase als vielmehr sein schwarzer Diener vorkommen. Dieser steht in der Tradition treu-dummer Untermenschen, wie sie vielleicht zum Zeitpunkt der Romanentstehung noch gängig war, aber bereits aus der Zeit fiel, als der „Teppich“ 1962 an den Kinostart ging. Die Leistung Fuchsbergers, der sich im Gegensatz zu Karin Dor in der deutschen Tonfassung selbst spricht, schmälert das allerdings keineswegs.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.338

22.09.2014 11:53
#38 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #37
Die International Germania Film mit Sitz in der Bundeshauptstadt Bonn grub dafür die Romane von Louis Weinert-Wilton aus, der bis 1945 als deutschsprachiger Schriftsteller in Prag lebte, aber Bücher verfasste, die genauso gut aus der Feder von Edgar Wallace hätten stammen können.

Hast Du schon einmal einen Weinert-Wilton-Roman gelesen? Bis auf DER SCHWARZE MEILENSTEIN sind diese m.E. sehr schwer lesbar und ziemlich langweilig. Nicht mal die schwächsten Wallace-Romane sind so langweilig und uninteressant. Sogar die Bücher von Bryan Edgar und Penelope finde ich besser.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.120

22.09.2014 12:42
#39 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Es ging mir in dieser Anmerkung nicht unbedingt um die Qualität, sondern vielmehr um die Machart der Romane. Menzel hebt über das kurze Zitat hinaus auf weitere Gemeinsamkeiten ab und unterfüttert diese mit Auszügen aus "Die chinesische Nelke", "Die weiße Spinne" und "Der Teppich des Grauens". Zwei oder drei LWW-Bücher habe ich auch noch in Görlitz im Regal stehen - wenn ich schon eins davon gelesen habe, ist es recht lang her. Kann ja bei Gelegenheit wieder einen Blick riskieren. Wenn sich ein Autor aber dauerhaft so sehr an einen anderen angleicht, weil dieser in Mode ist, mag man fast vermuten, dass es um die handwerklichen Ambitionen nicht allzu gut bestellt ist.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.338

22.09.2014 13:12
#40 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Dann wünsch ich Dir ein gutes Durhchaltevermögen und einen langen Atem..

Mr. Krimi Offline




Beiträge: 297

28.09.2014 11:41
#41 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Ich habe mal wieder "tief" in meinem Archiv gekramt...und bin auf Aufzeichnungen mit Blacky gestoßen.


Erinnerungen - an 10 Filme und an eines, wie ich finde, der schönsten Leinwandpaare...













Für mich war das "Dream-Team" des deutschen Kintopps der 50er/60er Jahre Karin Dor & Joachim Fuchsberger jedesmal ein Genuß.

Egal in welchem Film, egal in welchem Genre, das Zusammenspiel der beiden steigerte sich von Film zu Film und von Rolle zu Rolle.

Karin Dor war für mich die Partnerin, die am besten zu Fuchsberger gepasst hatte, und Blacky war der ideale Partner der Dor.

Schade, das nach fast 10 Jahren und 10 gemeinsamen Filmen, Ende 1965 Schluß mit dem Paar Dor/Fuchsberger war.

Zu gerne, hätte ich die beiden nochmal in Altersrollen gemeinsam im Fernsehen oder im Kino gesehen...

Nur um mal zu schauen, ob dieses "Knistern" zwischen der Karin und Blacky noch vorhanden wäre...

Ich denke ja.

Meine 3 Lieblingsfilme mit dem Duo sind;

*Die weiße Spinne - Blacky der geheimnisvolle Sträfling, bis über beide Ohren in Karin verliebt, rettet die dunkelhaarige Schönheit (mal wieder) vor dem Bösen.

*Hotel der toten Gäste - Karin und Blacky als journalistische Berufskollegen - in diesem Kammerspiel agieren beide perfekt aufeinander abgestimmt.

*Der letzte Mohikaner - diesmal nicht als Liebespaar, die Dialoge zwischen beiden, Dor als selbstbewußte und vorlaute Farmerstochter, die dem stllen Fuchsberger die letzten Nerven raubt, sind einfach nur großartig und fast schon "screwball"- mäßig. Auch als (vermeintliche) Gegenpole überzeugen mich beide vollends. Toll gespielt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

28.09.2014 15:30
#42 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten


♦ DER SCHRIFTSTELLER in ICH HABE SIE GUT GEKANNT ♦






»Du schreibst viel, he?«, wird der Schriftsteller von seiner jungen Freundin gefragt und er antwortet kurz angebunden und verbittert lediglich mit: »Wie alle die nichts zu sagen haben«. Stefania Sandrelli und Joachim Fuchsberger spielen in einem der vielen kurzen Fragmente in "Ich habe sie gut gekannt" zusammen und es entwickelt sich eine beinahe erstaunliche Eigendynamik, die aber ohnehin oberstes Gebot dieses Films sein wird. Joachim Fuchsberger kommt gerade aus dem Bad als Adriana aufgewacht ist. Diese Szene ist zwar für den Zuschauer neu, doch man bemerkt schnell, dass sie sich genau so schon dutzendfach abgespielt haben muss. Adriana löchert ihren wesentlich älteren Liebhaber mit Fragen, der Intellektuelle wird mit den impulsiven Gedanken seines Spielzeugs, seines Zeitvertreibes behelligt und dementsprechend wird sie mit paraphrasierenden Predigten konfrontiert, die allerdings an ihr vorüber gehen. Der Dialog wird von Joachim Fuchsberger zu einem Monolog gestaltet: »Was kann man mit einem Mädchen anfangen das mit allem zufrieden ist? Sie sucht nichts, sie ist nicht zu überraschen, sie spürt keine Niederlagen. Und deshalb ist sie wirklich ein armes Geschöpf. Jeden Tag mit einem anderen zu schlafen, ohne zu wissen was man will. Sie frisst alles in sich hinein, ohne dass sie irgend etwas in sich aufnehmen würde, ihre Ambitionen sind gleich null. Moral - Fehlanzeige. Auch das Geld interessiert sie nicht weil sie nicht einmal eine echte Dirne ist.« Zur Antwort hört man von der sich glücklich im Bett räkelnden Adriana lediglich: »Wie schön du reden kannst!«

Zwar sind diese Sätze allgemein gehalten und man philosophiert über ein Mädchen, das einen anderen Namen trägt, doch gemeint ist Adriana, die die versteckte Kritik spät begreift und dies allerdings auf einer vollkommen anderen Ebene. Diese interessante Figur des Schriftstellers wird von Joachim Fuchsberger in diesen paar kurzen Momenten außergewöhnlich dicht gestaltet und strukturiert, es wirkt aufgrund der Anlegung der Figur wie eine kleine Ausnahmeerscheinung innerhalb seines filmischen Schaffens. Der Mann der mehr will kritisiert diese Konstellation in all ihrer Oberflächlichkeit, doch das Vergnügen an sich und die vielen Annehmlichkeiten die daraus resultieren, rechtfertigen sein eigenes Verhalten immer wieder aufs Neue. Aus seinen Worten hört man heraus, dass er genau diesen Körper, diese schöne Hülle mit mehr Geist oder Intellekt ausgestattet haben wollte, aber nicht mit weniger Leben und Dienstbarkeit. Am Ende der Szene wirkt Adriana gekränkt und es wird klar, dass sie sich durch seine Worte wie eine Hure fühlt. Um die Situation zu entschärfen, wirkt der Schriftsteller plötzlich liebevoll und zärtlich, aber lediglich deswegen, weil er auf kommende intime und vollkommen ausgelassene, aber möglicherweise auch enervierende Momente nicht verzichten möchte. Ein hochinteressanter Charakter der, alleine auf Joachim Fuchsberger bezogen, überaus konträr zu seinen sonstigen Leistungen wirkt.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.431

29.09.2014 07:51
#43 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Ich schaue mit meinen Freunden einmal in der Woche einen Film an. Das machen wir schon über 10 Jahre und in diesem Zuge hatten wir auch viele Wallace Filme und dergleichen angesehen. Nun hatten wir aufgrund von Urlaub 3 Wochen Pause. Zum Tode von Fuchsberger möchte ich mit ihnen nun einen Film von ihm ansehen. Wahrscheinlich wähle ich DAS MÄDCHEN VON HONGKONG aus, weil der Film im Bezug auf Fuchsberger etwas sehr persönliches hat. Ich mag seine Erzählerstimme am Ende und eine gewisse Wehmut die da mitkommt. Der Film ist natürlich ein absolutes B Movie aber irgendwie kommt der Schauspieler Fuchsberger da besonders rüber.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.120

05.10.2014 23:30
#44 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 4/8)


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Das Gasthaus an der Themse (als Inspektor Wade)

Wer Fuchsbergers Inspektoren lediglich als brave Gesetzeshüter verbucht, sollte einen genaueren Blick auf „Das Gasthaus an der Themse“ werfen. John Wade von der Flusspolizei stellt nicht nur insofern eine Ausnahme dar, als er statt im ehrwürdigen Scotland Yard in einem bescheidenen Büro direkt an der (Hamburger) Themse residiert. Auch treibt er sich des Nachts in einer Spelunke wie dem MEKKA herum, ohne dass auf Anhieb klar wird, ob sein Interesse eher dem geschmuggelten Whiskey oder eher der ansehnlichen Pflegetochter Lila gilt. Zwar avanciert er im Laufe des Films zu deren mustergültigem Beschützer, aber er schreckt auch nicht davor zurück, das Mädchen hart anzupacken, wenn es der Lösung der Akte „Hai – Räuber der Themse“ dient.

Mit „Das Gasthaus an der Themse“ feierten die Rialto-Film und Joachim Fuchsberger gleichermaßen ihren größten Wallace-Erfolg mit 3,6 Millionen Zuschauern. Es verwundert nicht, dass das breiteste Interesse ausgerechnet auf einen Fuchsberger-Film entfällt, denn aus den veröffentlichten Besucherzahlen lässt sich klar der Beleg für die Zugkraft des bekanntesten Wallace-Gesichts ablesen: 2,56 Millionen Menschen strömten im Durchschnitt für einen Krimi mit Blacky in die Kinos, während auf die Non-Blackys nur je 1,69 Millionen entfallen. Mit dem charismatischen Ermittler konnten sich die Wallace-Filme eines personifizierten Wiedererkennungswertes und Erfolgsgaranten sicher sein.

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Der Fluch der gelben Schlange (als Clifford Lynn)

Beim „Fluch“ war alles anders: Blacky stand zum ersten und einzigen Mal unter dem Wallace-Banner nicht für die Rialto, sondern die CCC vor der Kamera. Und die ihm zugedachte Rolle wandelte sich mit dem Wechsel von Wendlandt zu Brauner auch gleich: Einen richtiggehenden Antihelden – unrasiert, mit lockerer Zunge und zur Heirat nur des Geldes wegen auserkoren – gibt der sonst so charmante Schauspieler als Clifford Lynn aus Hongkong. Vom Schwiegermutterliebling zum Schwiegermutter-Alptraum – eine lange Strecke, die Fuchsberger etwa zwischen Gordon und Lynn zurücklegt.

Was Fuchsberger wieder rehabilitiert, ist der direkte Vergleich zu seinem teuflischen Bruder Fing-Su, der von Pinkas Braun verkörpert wird. In einer gleichnisartigen Gegenüberstellung lässt man die beiden sich unähnlichen Verwandten als Gegenspieler um die Geschicke der Welt kämpfen, wobei die herbeigeredete Bedrohung wenig greifbar wirkt und Blacky deshalb genug Platz für ein reichliches Maß an Schäkereien, z.B. mit Arent, erhält.

Passend zur ebenfalls unattraktiv geschminkten Brigitte Grothum zeigt das seit der „Gräfin“ zu einer Art zweitem Traumpaar aufgestiegene Duo eine Liebesgeschichte, die nicht so stilisiert und unerreichbar romantisch ausgestaltet ist wie in denjenigen Wallace-Krimis, in denen es um Tugend und ein Millionenerbe geht. Das mag erfrischend erscheinen, ist aber vielleicht auch ein Sargnagel für den ohnehin schon ungewöhnlichen „Fluch“, in dem Zuschauer eine klare Linie und somit auch eine starke Hauptfigur vermissen. Brauners Drang, sich von der Hausmarke der Rialto abzuheben, schadet ihm einerseits, wirkt aber andererseits gerade durch die Verpflichtung der bekannten Gesichter auch inkonsequent.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.120

19.10.2014 14:02
#45 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 5/8)


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Die weiße Spinne (als Ralph Hubbard)

Interessanterweise fällt erst bei einer chronologischen Betrachtung der Fuchsberger-Rollen auf, dass seine drei „zweifelhaftesten“ Auftritte in den Wallace- und stilverwandten Krimis direkt aufeinander folgen: als Zwangsgemahl in „Der Fluch der gelben Schlange“, als Ex-Sträfling in „Die weiße Spinne“ und als vertuschender Mann unter der Kutte in „Der schwarze Abt“. War hier versucht worden, dem verlässlichsten Helden des deutschen Kinos einen Imagewechsel angedeihen zu lassen? Oder bestand die Absicht darin, den Zuschauer auf eine negative Rolle Fuchsbergers einzuheizen, nur um ihn dann immer wieder mit einer Rück-Wandlung zum gewohnten Freund und Helfer zu „überraschen“? Denn letztlich passen auch diese drei Darstellungen trotz ihrer Schattenseiten nahtlos in das Konzept des guten Mannes.

Ähnlich wie beim „Fluch“ relativierte man die anrüchigen Aspekte der Figur des Ralph Hubbard mit einem noch deutlich abgeschmackteren Exemplar der Gattung Schurke, das diesmal Horst Frank übernahm. Gleich von Anfang an wird deutlich, dass nicht jeder der „Gestrauchelten“ für immer verurteilt werden muss, wenn Fuchsberger eine brenzlige Situation entschärft und damit auch sofort den ersten Schritt auf dem Weg zur Traumpaarung mit Karin Dor vorangeht.

Ich stimme Mr. Krimi ganz eindeutig zu, wenn er schreibt, dass in der „weißen Spinne“ das schönste Spiel zwischen Fuchsberger und Dor zu beobachten ist. Hierbei profitiert das Pärchen nicht nur von der gemeinsamen Chemie, die ja immer da war, sondern auch von einem klassischen Script aus der Feder des Wallace-Gründervaters Egon Eis, das der Liebe auf Umwegen viel Spielraum lässt und durch die ständige und von 1000 Gesichtern herrührende Bedrohung der Mrs. Erwin einen Beschützer noch wichtiger und unentbehrlicher macht als sonst.

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Der schwarze Abt (als Dick Alford)

Eine Kampfsequenz mit dem Haupttäter, dieser zieht nach dem Faustkampf die Kapuze vom Kopf und darunter steckt ... Joachim Fuchsberger. Schreck lass nach! Als Gutsverwalter mit eigenen Interessen statt als Inspektor oder sonstiger Gerechtigkeitsvertreter tritt der Darsteller im „schwarzen Abt“ auf. Eine Prise der alten Weisheit „Der Zweck heiligt die Mittel“ ist im Doppelspiel seiner Rolle ohne Weiteres auszumachen.

Worauf Blacky stets großen Wert legte, war, dass er die anfallenden Stunts selbst bewältigte und ihm dabei sogar ein professionelles Mitspracherecht eingeräumt wurde. Nur für zwei Szenen ist belegbar, dass er in Action gedoubelt wurde, beide Szenen stehen in unmittelbarer Beziehung zum „schwarzen Abt“ und beide gingen ziemlich in die Hose: Beim Dreh der „weißen Spinne“ ersetzte ein angeblicher Stuntman – in Wahrheit Taxifahrer – Fuchsberger in einer Szene des Kampfes mit der „alten Frau“ im Künstlerarchiv, woraufhin sich der Taxifahrer beim Sturz auf eine Tischplatte einen doppelten Beckenbruch zuzog. Hätte der Star selbst vor der Kamera gestanden, hätte er im „schwarzen Abt“ umbesetzt werden müssen, wozu es glücklicherweise nicht kam. – Zweitens steckte auf Arents Wunsch in der oben beschriebenen Kampfszene mit dem „Abt“ in Wahrheit nicht Fuchsberger, sondern der Regisseur Franz Josef Gottlieb unter der Maskierung – der Arent mit einem zu harten Schlag sogleich K.O. setzte ...

Eine andere „Gefahr“ bewältigte Fuchsberger auf seine Weise. In einem Interview äußerte er sich zu seinem Umgang mit Klaus Kinski, der sich im „Abt“ quasi die Kapuze mit Blacky teilte:

Zitat von Interview mit Joachim Fuchsberger, Universum-Film-Veröffentlichung „Der Fluch der gelben Schlange“
Alle haben sich gewundert, dass ich mich mit ihm so gut vertrage und dass wir fast befreundet waren – so gut man das mit Kinski sein konnte. Kinski war ein unglaubliches Kind, ein Mensch, der nie erwachsen werden wollte oder gar nicht konnte. Er war eine Mischung zwischen Genialität und Intelligenz – er wusste genau, wann er ausflippen musste [...]. Er provozierte ständig.

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