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Dieses Thema hat 55 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Peter Ross Offline



Beiträge: 1.383

27.10.2014 19:39
#46 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #45
Interessanterweise fällt erst bei einer chronologischen Betrachtung der Fuchsberger-Rollen auf, dass seine drei „zweifelhaftesten“ Auftritte in den Wallace- und stilverwandten Krimis direkt aufeinander folgen: als Zwangsgemahl in „Der Fluch der gelben Schlange“, als Ex-Sträfling in „Die weiße Spinne“ und als vertuschender Mann unter der Kutte in „Der schwarze Abt“.

SPOILER
Falls du mit "zweifelhaft" das Wort "zwielicht" meinst, dann zählen für mich aber insbesondere die Auftritte in "Schreie in der Nacht" und "Hotel Royal" zu besonders zwielichten Auftritten. Allerdings ist auch hier relativ, wie weit dieser Film und Fernsehfilm als stilverwandt zu definieren ist.
Eine tatsächliche Boshaftigkeit (wenn auch nur in Ansätzen) verbirgt sich ja allenfalls in der Auflösung von "Schreie in der Nacht".

Gubanov Offline




Beiträge: 16.129

16.11.2014 20:55
#47 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 6/8)


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Zimmer 13 (als Johnny Gray)

Auf den ersten Blick scheint Joachim Fuchsbergers Part in „Zimmer 13“ den üblichen Anforderungen an einen zupackenden Kinohelden zu entsprechen. Vielleicht gerät er sogar für seine Verhältnisse etwas überschwänglich, wenn er während der Annahme eines neuen Falles mit einer namenlosen Blondine auf dem Klappbett schmust, bei seinem ersten Besuch im Hause Marney mit der Pistole ähnlich locker umgeht wie einer jener frisch gebackenen Karl-May-Typen oder sich im Nachtclub Joe Legges sichtlich (zu) wohl fühlt. Im Laufe des Films wird jedoch klar, dass Johnny Gray kein reiner Filou ist, sondern durchaus über Stolz und Hartnäckigkeit verfügt und sich das Abwimmeln durch Sir Robert Marney nicht widerspruchslos gefallen lässt. Am Ende muss er sogar eine besonders bittere Pille schlucken, die ihn unter den Wallace-Hauptdarstellern beinah wie einen falsch verstandenen Märtyrer wirken lässt, der sich mit den von seinem Gerechtigkeitssinn getriebenen Untersuchungen zwar nicht das eigene Grab buddelt, aber doch zumindest eine handfeste Enttäuschung einhandelt.

Nachdem man bei der Rialto dazu übergegangen war, die Edgar-Wallace-Stoffe eher als grobe Inspirationen denn als konkrete Richtlinien für Handlungen und Charaktere zu verwenden, fügt sich auch die Herkunft des Johnny Gray in das Bild eines freieren Umgangs mit Wallace’ Vorlage ein. Der Name des Ermittlers ist der einzige Hinweis, den der Zuschauer auf seine Herkunft erhält: Johnny Gray ist eigentlich John G. (Gray) Reeder, einer der von Wallace am häufigsten eingesetzten Seriendetektive (diverse Kurzgeschichten, Zimmer 13, John Flack, Red Aces u.a.), der jedoch in seiner ursprünglichen Charakterisierung mit dem leichtfüßigen Blacky im Abendanzug wenig gemein hat:

Zitat von Edgar Wallace: Der sechste Sinn des Mr. Reeder. Augsburg: Weltbild, 2000/2001, S. 8
Mr. John G. Reeder schien von einer gewissen Hilflosigkeit zu sein, die vielen Leuten Mitleid einflößte und die sogar dem Staatsanwalt so manche unruhigen Augenblicke verursachte [...]. Mr. Reeder war etwas über fünfzig, mit länglichem Gesicht, sandgrauen Haaren und einem Anflug von Backenbart, der barmherzigerweise die Aufmerksamkeit von den großen, abstehenden Ohren ablenkte. Mr. Reeder trug auf der Nasenspitze einen Stahlkneifer, durch den ihn noch niemals jemand hatte blicken sehen – wenn er las, nahm er ihn unweigerlich ab. [...] Am ordentlichsten sah der Regenschirm aus, den Mr. Reeder so eng zusammengerollt hatte, dass man ihn beinahe für einen frivolen Spazierstock halten konnte. Ob Regen oder Sonnenschein, der Schirm hing stets an seinem Arm, und seit Menschengedenken war er niemals aufgespannt worden.


Auch wenn einige der Schilderungen im Vergleich zum dynamischen Fuchsberger direkt amüsant wirken, so ist kaum verwunderlich, dass die originale Rolle des Mr. Reeder in den 1960er Jahren nicht mehr als zeitgemäß für die tragende Hauptrolle in einem Kinokrimi aufgefasst wurde. Tatsächlich wurde Reeder sogar bereits in der 1938er Verfilmung „Mr. Reeder in Room 13“ in seiner Darstellung durch Peter Murray-Hill merklich verjüngt und ebenfalls mit einem Love Interest ausgestattet.

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Der Hexer (als Inspektor Higgins)

Die Strategie von Wendlandt und Philipsen, sich mit dem „Hexer“ eine Trumpfkarte in der Hinterhand zu bewahren, die man erst dann ausspielt, wenn der Erfolg der Wallace-Reihe ins Wanken gerät, zahlte sich nach dem Misserfolg von „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ aus und sorgte gleichzeitig dafür, dass sich die Rialto mit ihrer Hausmarke bereits so sehr etabliert hatte, dass sie für den berühmtesten Roman des Autors eine selbst für ihre Verhältnisse nochmal besonders prominente Besetzung verpflichten konnte. Kernstück dieses Casts ist zweifellos die Doppelspitze aus Joachim Fuchsberger und Heinz Drache. Die beiden Darsteller stehen wie keine anderen für die Ermittlerrollen in den Wallace-Krimis, bedienten dabei aber immer zwei fein säuberlich voneinander getrennte Imageklassen. Während Fuchsberger meist als verträglicher Held mit Damenbegleitung vom Platze ging, schreckte Drache das feinfühligere Geschlecht häufig mit Coolness und Sarkasmus ab, die ihn – wenn auch sicher nicht optisch – eher in die Typenrichtung eines Humphrey Bogart tendieren ließen.

Die Kontrastierung der zwei Rollen mag Drache in „Der Hexer“ als überlegeneren Denker vom Platze gehen und Fuchsberger etwas hausbackener erscheinen lassen, auf die lange Sicht hin bewegte sich Blacky damit aber in zeitgenössisch realistischerem und damit auch erfolgreicherem Fahrwasser. Das belegt auch der Umstand, dass es für seinen hier eingeführten Inspektor Higgins noch zu zwei weiteren Einsätzen kam und er sich damit gewissermaßen den Status eines Serienermittlers unabhängig von der Geschichte um den Hexer verschaffte, während James Wesby lediglich noch einmal pflichtschuldig im Fortsetzungsfilm auftrat und Drache im Rahmen der Reihe generell auf deutlich weniger Auftritte und angelockte Kinozuschauer kommt als Fuchsberger.

So ist es eigentlich kein Wunder, dass das Hamburger Abendblatt seinen Nachruf auf Joachim Fuchsberger nach dessen Tod am 11. September 2014 mit der Titelzeile „Der Mann, der den Hexer jagte“ überschrieb, als hätte es in diesem Film und im Allgemeinen nie eine Konkurrenz für den Schauspieler gegeben. Darin kurz und treffend das Urteil: „Er erwies sich [in den 60er-Jahren] als Idealbesetzung für unerschrockene Verbrecherjäger und vertrauenswürdiger Beschützer verfolgter Frauen.“

Havi17 Offline




Beiträge: 3.168

16.11.2014 22:56
#48 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger hat versucht uns seine Lebensweisheiten zu hinterlassen,
welche als Nachruf nach seinem Tode in Interviews ausgestrahlt wurden. Wer
sich diese zu eigen macht wird dafür sorgen, daß er in uns weiterlebt und
das würde ihn sicher freuen!

Gruss
Havi17

Giacco Offline



Beiträge: 1.842

25.11.2014 16:15
#49 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Himmelfahrtskommando El Alamein (Italien/Deutschland 1968) - Regie: Armando Crispino - Deutsche Erstaufführung: 8.8.1969
Darsteller: Lee van Cleef, Jack Kelly, Joachim Fuchsberger, Pier Paolo Capponi, Helmut Schmid, Götz George, Heinz Reincke, Marino Masé, Marilu Tolo, Otto Stern, Gianni Brezza



Oktober 1942. Ein amerikanisches Sonderkommando überfällt in geheimer Mission eine von italienischen Soldaten besetzte Oase in Nordafrika. Für diesen riskanten Einsatz wurden Italo-Amerikaner, die fließend italienisch sprechen, ausgewählt, denn in der Nähe befindet sich eine deutsche Panzerdivision, die ihre Wasserversorgung aus dem Brunnen der Oase bezieht, wodurch ein Aufeinandertreffen unvermeidlich ist. Aus dieser Situation heraus entsteht ein nervenzermürbendes Katz- und Maus-Spiel, da die Deutschen keinen Verdacht schöpfen dürfen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass sich beim Überfall des Sonderkommandos vier deutsche Mechaniker vor Ort befanden, von denen drei getötet wurden. Dem Vierten, von dem die Amerikaner nichts wissen, gelang es, sich schwer verletzt zu verstecken. Außerdem werden eine Handvoll überlebender Italiener im Keller gefangen gehalten und bereiten einen Fluchtversuch vor.

"Die Episode aus dem Afrikafeldzug des Zweiten Weltkriegs lieferte der Regie den Stoff für ein blutiges Stück Spannungskino fern jeder dokumentarischen Absicht." (Lexikon des internationalen Films

Als Joachim Fuchsberger 1968 für diesen deutsch-italienischen Kriegsfilm engagiert wird, gehört er längst zu jenen deutschen Stars, die auch außerhalb der Landesgrenzen bekannt sind. Dafür sorgten nicht nur die Wallace-Krimis, sondern auch internationale Filme und Co-Produktionen wie "Der letzte Mohikaner", "Ich - Dr. Fu Man Chu" oder "Feuer frei auf Frankie".



Abgesehen von den beiden Amerikanern Lee van Cleef und Jack Kelly sind alle anderen Schauspieler mehr oder weniger nur Nebendarsteller. Fuchsberger spielt als Oberleutnant Heitzel einen zum Afrika-Korps eingezogenen Professor der Entomologie (Insektenforschung). Einen Naturwissenschaftler also, der über Bildung und Intelligenz verfügt und dem Kriegsorden und Draufgängertum eher suspekt erscheinen. Wohl auch deshalb ist sein Umgangston mit dem ehrgeizigen Oberleutnant Rudi (Götz George) gelegentlich etwas sarkastisch:" Das Schicksal eines Professors, der Soldat spielen muß, ist leider, solche Helden wie Sie zu ertragen."
Heitzel schafft es, in kritischen Situationen ruhig und kontrolliert zu bleiben. Unerwartete Heldenhaftigkeit zeigt er, als das Täuschungsmanöver der Amerikaner auffliegt und es zu einem mörderischen Massaker kommt. Obwohl er angeschossen wurde, beteiligt er sich mutig und zu allem entschlossen am finalen Kampfgetümmel, behält dabei die Übersicht und gibt seinen Leuten die nötigen Anweisungen. Doch als sich ihm die Gelegenheit bietet, den amerikanischen Befehlshaber, mit dem er sich (ohne dessen wahre Identität zu kennen) ein wenig angefreundet hatte, hinterrücks zu erschießen, bringt er es nicht fertig.

*Produzent von deutscher Seite aus war Artur Brauner (C.C.C.-Film)
*Der Regisseur Armando Crispino drehte insgesamt nur wenige Filme, darunter "Das Geheimnis des gelben Grabes" (1972)
*Auf VHS (Toppic) erschien der Film unter dem Titel "Mit Eichenlaub und Schwertern"

Gubanov Offline




Beiträge: 16.129

14.12.2014 22:30
#50 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 7/8)


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Hotel der toten Gäste (als Barney Blair)

Eine Leiche hat Fuchsbergers Barney Blair zwar nicht im Keller, aber immerhin im Büro liegen, sodass er sich zunächst als Verdächtiger bei Polizeiinspektor Epskamp auf dem Revier verantworten muss. Symptomatisch steht dieser Filmanfang um Blair, dem geheime Informationen zugespielt werden sollen und der dementsprechend ein gewisses kontrapolizeiliches Eigeninteresse am Fall „Hotel Atlanta“ hat, für die schnodderige Leichtigkeit, die Fuchsberger von den geradezu verbissenen Darstellungen seiner offiziellen Ermittlerkollegen unterscheidet. Als Mitglied der schreibenden Zunft ist er nicht an strikte Dienstanweisungen gebunden, sondern setzt unkonventionelle Methoden und viel Charme bei den im Hotel weilenden Damen ein.

Als letzte „kriminelle“ Zusammenarbeit mit Karin Dor nimmt das „Hotel“, wahrscheinlich ohne dass es einer der Darsteller zum Drehzeitpunkt überhaupt wusste, seine Verantwortung für einen würdigen Schwanengesang voll und ganz wahr. Das besonders prickelnde Zusammenspiel zwischen Blacky und seiner vertrautesten Filmpartnerin gewinnt vor allem dadurch neue Züge, dass die Emanzipation mittlerweile auch bei Miss Krimi angekommen ist und sie nicht mehr wie in früheren Filmen einen scheuen Rühr-mich-nicht-an, sondern gekonnt mit Reizen, aber auch mit Eigenverantwortung und gleichberechtigt mit Gefahren des Mordfalls Ruth Cornell spielt.

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Der Mönch mit der Peitsche (als Inspektor Higgins)

Ausgerechnet nach seiner bisher längsten Wallace-Pause ganz ohne Auftritte in den Kinojahren 65 und 66 und nach drastischer Veränderung seines Aussehens durch die frühzeitige Ergrauung seiner Haare meldete sich Fuchsberger in „Der Mönch mit der Peitsche“ in der gleichen Rolle wie im „Hexer“ zurück, wobei von seiner damaligen Flamme Elise Penton nicht mehr die Rede ist. Gleiches wird sich in „Im Banne des Unheimlichen“ wiederholen, wobei dort wenigstens zugute gehalten werden kann, dass die hier im „Mönch“ anbahnende Sympathie zwischen Blacky und der jungen Uschi Glas optisch eher wie eine Vater-Tochter-Beziehung aussieht und auch keineswegs so ernst wird, dass man eine Heirat ernstlich in Betracht ziehen würde.

Auch wenn man Higgins also einen gewissen Hang zur Polygamie unterstellen möchte, so geht er immerhin nicht so offensiv an die Mädchen im Internat von Harriet Foster heran wie der „gutmeinende Grandpa“ Sir John. Ebenso wie früher in der Reihe zwischen Fuchsberger und Arent hatte sich in den Auftritten ab 1962 eine besondere darstellerische Chemie zwischen Fuchsberger und Schürenberg entwickelt, die zu besonders erheiternden Schlagabtauschen und herrlicher Situationskomik führte. Es zeigte sich auf diese Weise abermals, dass Fuchsberger über großes humoristisches Potenzial verfügte.

Dass sein Auftritt im „Mönch mit der Peitsche“ zu den leichteren und vielleicht auch farbloseren der Reihe zählte, liegt daran, dass der Film mit einer Unzahl an Figuren herumjongliert und darüber die sorgfältige Charakterisierung in jedwede Richtung vernachlässigt. Gerade in den Farbfilmen der deutschen Spätphase machte das Phänomen Oberflächlichkeit auch vor den Hauptrollen keinen Halt mehr.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.129

01.01.2015 14:19
#51 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Joachim Fuchsberger in ... (Teil 8/8)


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Im Banne des Unheimlichen (als Inspektor Higgins)

In der Phase, in der Alfred Vohrer die alleinige Herrschaft über die Wallace-Filme an sich gerissen hatte und ein Film im Prinzip wie der andere aussah, wurden neue Gesichter wichtig, um eine Produktion überhaupt noch von der vorherigen unterscheiden zu können. In Joachim Kramps „Hallo“-Buch wird „Im Banne des Unheimlichen“ folglich als ein Film der Gastdarsteller beschrieben, in dem besonders viele Einmal-Täter (Wolfgang Kieling, Siw Mattson, Claude Farell und diverse Kleinrollen) zu sehen waren. Doch mit Joachim Fuchsberger konnte Vohrer auf eine bewährte Größe zurückgreifen, nachdem die meisten Regulären ohnehin schon ausgeschieden waren. Blacky hatte sie kommen und gehen sehen: Eddi Arent, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg ... Und auch er machte sich Gedanken über das Ende seiner Wallace-Laufbahn. Die diesbezüglichen Auftritte hatten sich seit „Der Hexer“ ohnehin arg dezimiert – vielleicht verleitete dieser Unterschied zwischen der früheren Fließbandproduktion und nun nur noch vereinzelten Wiedersehen ihn dazu, zu schlussfolgern:

Zitat von Interview mit Joachim Fuchsberger, Universum-Film-Veröffentlichung „Der Fluch der gelben Schlange“
Ich war eigentlich froh, dass ich zu einer Zeit aufgehört habe, als die Wallace-Filme ihren wirklichen Höhepunkt hatten.


Auch drückte Fuchsberger in der Rückschau häufiger aus, dass Wallace-Filme für ihn schwarzweiß zu sein hatten. Nicht nur käme so die Atmosphäre der Krimis besser zur Geltung, auch ist ein überwiegender Anteil seiner Verpflichtungen im schwarzweißen Teil der Reihe zu verorten. Man behält ihn in Klassikern wie „Frosch“, „Augen“ oder „Gasthaus“ eher in Erinnerung als in „Peitsche“ oder „Banne“. Und obwohl Blacky optisch sichtlich gereift war, schrieb das Drehbuch noch immer eine Flirtszene nach der anderen für ihn. Vom heutigen Standpunkt aus könnte man ihn in „Im Banne des Unheimlichen“ als einen deutschen George Clooney bezeichnen, der ’mal eben neben seinen Vergnügungen mit Mabel Finley und Peggy Ward einen Mordfall aufklärt. Da sollte seine kommende und letzte Wallace-Rolle doch einiges mehr an Substanz bieten.

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Das Geheimnis der grünen Stecknadel (als Inspektor Barth)

Glaubt man seinen Aussagen und der langen Pause zwischen den letzten zwei Auftritten für Wendlandts Wallace-Werke, hatte Fuchsberger mit seiner Standardbesetzung als englischer Ermittler innerlich bereits abgeschlossen. Dass er schließlich doch noch einmal für einen ungewöhnlichen Wallace zurück vor die Kamera trat, kommt als Überraschung, verdeutlicht aber die große Toleranz, die Fuchsberger für die verschiedenen Ausprägungen der Serie aufbrachte. Auf die Frage, warum er sich noch einmal verpflichtet habe, antwortete er:

Zitat von Interview mit Joachim Fuchsberger
Weil dies keiner der üblichen Wallace-Krimis ist! Der Inspektor, der diesmal nicht Higgins, sondern Barth heißt, arbeitet mit völlig anderen Mitteln als seine Vorgänger. Als ich das Drehbuch las, fiel mir auf, dass dieser Inspektor ein Mann der Gewaltlosigkeit ist, für die die ungeschriebene Dienstvorschrift zu gelten scheint: schießen, prügeln – streng verboten. „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ ist ein psychischer Krimi. Und zwar einer, der den Kino-Besuchern eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken laufen lässt. Das ist gut, ich bin mit meiner Rolle und meinen Partnern Karin Baal, Fabio Testi und Claudia Butenuth zufrieden. Außerdem halte ich eine Menge von Regisseur Massimo Dallamano, dessen Film „Venus im Pelz“ ich gesehen habe. Warum hätte ich das Angebot nicht annehmen sollen?


Tatsächlich hat Inspektor Barth nur wenig mit den zuvor beschriebenen Charakteren gemein. Er ist kein idealistischer Strahlemann, der das Verbrechen als Abenteuer und die Mörder als Gegner in einem Spiel betrachtet, mit denen er sich zu seinem eigenen Vergnügen misst. Er ist ernüchtert vom grausamen Gesicht der Realität, von den schlechten Botschaften, die er Hinterbliebenen überbringen muss, von sensationslüsterner Presse, halsstarrigen Zeugen und dem Dienstalltag in kargen Büros. Dennoch zeigt Fuchsberger Barth nicht als einen Antihelden oder Depressiven, sondern verleiht ihm die Kraft, den besonders brutalen Verbrechen dieses Films eine feste Größe entgegenzustellen.

Mit der Darstellung des Inspektor Barth sicherte sich Fuchsberger einen Rekord: Nachdem die Drehtermine für die „Stecknadel“ sogar später lagen als die für den „Halbmond“, beanspruchte er für sich, als einziger Darsteller sowohl am ersten als auch am letzten Rialto-Wallace mitgewirkt zu haben und damit – logisch – der Serie am längsten erhalten geblieben zu sein. Warum? Weil eine Type wie Fuchsberger – verlässlich, loyal und tapfer, aber auch jung, dynamisch und zupackend, stets charismatisch und optimistisch – für jeden Krimi ein echter Hauptgewinn ist. In den Wallace-Filmen spielte er zwar meist Rollen, die funktional ähnliche Aufgaben im Gefüge einer Krimihandlung erfüllten, die aber vielfältiger und aufwändiger ausgestaltet waren, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Dieser Überblick hat hoffentlich verdeutlicht, dass bei aller Ermittlerei und Flirterei hinter Fuchsbergers Auftritten mehr steckte und steckt als „nur noch eine Inspektorenrolle“.

Ray Offline



Beiträge: 1.323

28.05.2016 22:34
#52 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Zu viele Köche (BRD 1961)

Regie: Kurt Wilhelm
Darsteller: Heinz Klevenow, Joachim Fuchsberger, Horst Tappert, Robert Graf, Lukas Ammann, Rosl Schäfer, Gerlinde Locker u.a.


Ein Mehrteiler, der letzten Endes die Erwartungen nicht erfüllt. Die Exposition fällt überlang aus, die weitere Krimihandlung ist sicherlich nicht uninteressant, allerdings "passiert" schlichtweg zu wenig. Bei einem Mehrteiler von fast vier Stunden darf der Zuschauer mehr Argumente erwarten, die einem zum Weitersehen geliefert werden. Hiervon gibt es nicht genug, namentlich der zweite Mord kommt zu spät. Anderweitiges "Futter", das man von Durbridge in Form von MacGuffins oder o.ä. gewohnt ist, sucht man ebenfalls weitgehend vergebens. Die Auflösung ist trotz ihrer Länge gelungen.

Auf Seiten der Darsteller besteht für meine Begriffe eine große Diskrepanz zwischen "gut" und "böse" hinsichtlich der Bekanntheit der Darsteller. Unter den potentiellen Verdächtigen befinden sich kaum bekannte Gesichter, was die Spannung und die Freude am Miträtseln merklich trübt. Was die "Guten" betrifft, so ist Heinz Klevenow nicht die ideale Wahl für eine Hauptrolle. Geradezu unverzeihlich ist es jedoch, einem Sympathieträger wie Fuchsberger derartige verbale Entgleisungen gegenüber ethnischen Minderheiten in den Mund zu legen. Man muss sich doch sehr wundern, was sich der Sender dabei gedacht hat. In jedem Falle sehr irritierend. Horst Tappert kommt sehr dynamisch rüber, ihn hätte man noch stärker einbinden sollen. Gleiches gilt für Robert Graf, welcher die nicht ganz einfache Rolle des Staatsanwalts, der einerseits für die Liebesgeschichte verantwortlich ist, andererseits in der Krimihandlung einige Sympathiepunkte verspielt, vortrefflich meistert.

"Zu viele Köche" leidet an einer überlangen Exposition, einem Ungleichgewicht auf der Besetzungsliste sowie an einer für reichlich Irritation sorgenden Figur Joachim Fuchsbergers. Trotz starker Auflösung nur 2,5/5 Punkten.

Editiert von Gubanov am 28.05.2016, 22:45 Uhr - Beitrag in bestehendes Thema integriert

Gubanov Offline




Beiträge: 16.129

28.05.2016 22:52
#53 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

@Ray: Ich habe deinen Beitrag in den Fuchsberger-Film-Thread verschoben, weil ich hier vor mittlerweile schon ziemlich langer Zeit ebenfalls eine Rezension gepostet hatte. Mir hatte "Zu viele Köche" deutlich besser gefallen als dir. Der Mehrteiler scheint zu polarisieren. Einerseits ist mir eine ähnlich vehemente Gegenstimme von @Percy Lister bekannt, andererseits schnitt "Zu viele Köche" im Mehrteiler-Grandprix von 2012 mit einem respektablen Platz 7 von 24 (ausschließlich hinter Hochkarätern von Durbridge, Reinecker und Gentlemen) ab.

Ray Offline



Beiträge: 1.323

28.05.2016 23:47
#54 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Besten Dank, auch für die weiterführenden Links. Bei "Das Messer" war es genau umgekehrt. Immer wieder spannend, wie die Meinungen doch auseinandergehen können.

Wo ich nun schon im passenden Thread bin. Das Interview mit Joachim Fuchsberger auf der DVD von "Zu viele Köche" hat mir einmal mehr vor Augen geführt, welch großartige Persönlichkeit er war. Schade, dass er nicht mehr unter uns weilt. Wenn er erzählt, wie er sich über "Triple WixXx" freuen würde, muss man schon schlucken. Sein Anteil am Erfolg des deutschen Kriminalfilms ist enorm. Zum Glück ist sein filmischer Nachlass groß und bereitet nach wie vor viel Freude.

Möge er in Frieden ruhen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 480

04.06.2016 10:01
#55 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

Ich sehe Joachim Fuchsberger etwas emotionsloser als viele hier. Liegt auch etwas daran, dass mich das "Sunnyboy" Gehabe in vielen (Wallace-)Rollen mit der Zeit etwas "ermüdet" hat. Wo ich mir aber nicht sicher bin, ob er das selber wirklich immer so wollte? In (fast) jedem Film das Beschützer- / Locker-flockig-Element zu bedienen? Kommt mir schon etwas "fremdbestimmt" vor. Auch die Nachthemd-Aktion war mir immer etwas zu "bemüht", um als Revolution im TV-Bereich durchzugehen ...

Aber (bevor der große Aufschrei kommt... ): Auch für mich gehört Joachim Fuchsberger zu den unvergesslichen Wallace-Stars und er hat meine Vorliebe für diese Art Filme maßgeblich geprägt. Bei den "Köchen" z.B. finde ich seine Art absolut Spitze und passend. Im Gegensatz zum "Nachthemd" finde ich es wirklich mutig von ihm, dass er in einem Kriegsfilm einen "normalen" Deutschen gespielt hat (bis heute bekommen Deutsche normalerweise nur Oskars für Naziverbrecher-Rollen in Kriegsfilmen). Und in meiner Autogrammkartensammlung hat seine "Kolibri-Fotokarte Nr. 2202, Der Hexer" einen Ehrenplatz.

Giacco Offline



Beiträge: 1.842

13.12.2019 12:22
#56 RE: Joachim Fuchsberger - Seine Filme - Eine Würdigung Zitat · Antworten

EIN KÄFER GIBT VOLLGAS
BRD/Schweiz (1972) - R: Rudolf Zehetgruber - DE: 21.12.1972 - FSK 6 - V: Constantin
Prod.: Barbara Film GMBH, München / Coordinator AG, Zürich
Darsteller: Joachim Fuchsberger, Robert Mark (= Rudolf Zehetgruber), Heidi Hansen, Karl Otto Alberty, Kathrin Orginski, Hansi Waldherr, Heinz Reincke, Kurt Jaggberg, Sergio Testori



Jimmy Bondi und sein Wunderauto Dudu sind wieder unterwegs, diesmal an der Algarve-Küste in Portugal. Dort treffen sie auf eine Gangsterbande, die hinter dem Ex-Sträfling Plato her ist. Dieser ist nämlich im Besitz eines Briefes, der Auskunft darüber gibt, wo sich eine dringend benötigte Druckplatte für Falschgeld befindet.



In den 1970er Jahren wirkte Joachim Fuchsberger nur in 4 Kinofilmen mit (wenn man von seinem Auftritt in "Gefundenes Fressen" absieht). Nach "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" spielte er in "Ein Käfer gibt Vollgas" einen Undercover-Agenten, der in die Rolle des Ex-Häftlings Plato schlüpft, um einer Bande von Geldfälschern das Handwerk zu legen.
Es war der zweite von fünf Filmen um das Wunderauto Dudu. Rudolf Zehetgruber war nicht nur der Erfinder, Drehbuchschreiber, Produzent und Regisseur dieser Reihe, er spielte auch jedesmal die Hauptrolle. Dafür legte er sich Künstlernamen wie Richard Lynn bzw. Robert Mark zu. Vorbild für den gelben Volkswagen Dudu war "Herbie" aus dem Disney-Kinoerfolg "Ein toller Käfer".
In den Credits wird Joachim Fuchsberger, der hier neben Zehetgruber eine gleichwertige Rolle spielt, an erster Stelle genannt. Der Film bietet nicht viel mehr als harmlosen Lustspiel-Klamauk, der auch für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Es gibt etliche Prügeleien im Spencer/Hill-Stil, bei denen Blacky kräftig mitmischt. Seine Partnerin ist die blonde Heidi Hansen, damals gerade mal 20 Jahre alt. Zum Glück verzichtete man auf eine Love-Story zwischen den Beiden. Er nennt sie stets "Kleines" und als sie ihn auffordert, sie zu küssen, antwortet er:"Das lassen wir lieber. Ich könnte vergessen, dass ich Dein Vater sein könnte." Insgesamt ist der Film typisch für die Zeit, in der er entstand. Immerhin gibt es viele schöne Landschaftsaufnahmen, die - ebenso wie die Mitwirkung von Joachim Fuchsberger - das Ganze ein wenig aufwerten.

"Das Wunderauto "Dudu" und ein Agent besiegen eine Falschgeld-Bande. Einfältige und alberne Fortsetzung der Volkswagen-Serie"(Filmdienst)

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