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Dieses Thema hat 65 Antworten
und wurde 4.380 mal aufgerufen
 Kurzgeschichten-Wettbewerb
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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.252

02.02.2011 17:50
Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Willkommen zum Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb 2011







Auch im 3. Jahr können wir mit Stolz 6 Neue Geschichten frei nach Edgar Wallace Präsentiren!

Wie in den Jahren zuvor freut sich natürlich wieder jeder Autor über euer Feedback – deshalb meine Bitte an Alle Mitglieder dieses Forums:
Wenn ihr die Geschichten gelesen habt, gebt bitte einen kurzen Kommentar, eine Wertung ab.
(Wertungsregeln sind ganz einfach – mehr weiter unten).

Danke!

Im Anschluss an den Wettbewerb, besteht auch dieses Mal die Chance, genauer auf einzelne Fragen
bezüglich der Geschichten einzugehen… Bitte keine ausführliche Diskussion hier im Wertungsbereich







Nun aber zum Wichtigsten – Den Storys !



Marc Freund: DER TEUFEL IM NACHTEXPRESS

Eigentlich will der Kriminalschriftsteller Lucas P. Fulton nur seine
Nichte Ann Saunders auf ihrer Zugfahrt in ein Internat nach Schottland
begleiten. Doch die Reise an Bord des „Schattenjägers“ entpuppt sich schon
bald als ein lebensgefährliches Unterfangen. Ein skrupelloser Mörder
treibt sein Unwesen. Und er scheint in der Wahl seiner Opfer keinem
bestimmten Schema zu folgen. Fulton erkennt, dass es an der Zeit ist, die
Initiative zu ergreifen. Doch kommt diese Erkenntnis rechtzeitig, um ein
weiteres Verbrechen zu verhindern?





Thorsten Beckmann: DER SCHLEICHER

London, 1926. Für Stafford Lane, einen jungen Angestellten in der
angesehenen Rechtsanwaltskanzlei Holbrook, gibt es dieser Tage nur drei
große Mysterien. Warum muss der Sohn des verstorbenen Lord Dunnington erst
das dreißigste Lebensjahr vollenden, um in den Genuss seines Erbteils zu
kommen? Was ist in den geheimnisvollen Umschlägen, die der jüdischstämmige
Hiram Metzger regelmäßig in der Kanzlei deponieren lässt? Und wie schafft
es Metzgers Sekretärin nur, so außergewöhnlich liebreizend zu sein?
Während das dritte Rätsel wohl auf ewig ungelöst bleiben wird, findet Lane
sich nach einem Einbruch in die Kanzlei hingegen schon bald in einem
riskanten Ränkespiel wieder, in dem die anderen beiden Fragen von großer
Bedeutung zu sein scheinen. Nach kurzer Zeit wird aus dem Spiel jedoch
blutiger Ernst und als man schließlich in Metzgers Haus einen frischen
Leichnam findet, ist es fast schon zu spät...





Henry Beckmann: DIE SCHUHE DES MR. FERRER

Mr. Reeder braucht Erholung. Und weil ein Seebad für den Londoner Detektiv
kaum in Frage kommt, gibt er sich im leicht hinterwäldlerischen Westbury
die Ehre. Selbst verschlafene britische Rechtschaffenheit währt nur eine
gewisse Dauer und kurz vor der Abreise erreicht Reeder die Nachricht eines
Selbstmordfalles am Eisenbahndamm. Doch alle Signale auf Halt! War es
wirklich Selbstmord? Die Schuhe des Toten erzählen jedenfalls eine andere
Geschichte...





Peter Käuflin: DEN GEGNER UNTERSCHÄTZT

Seltsame Dinge geschehen in Ann Carringtons Umfeld. Zuerst stirbt der
Onkel ihres Verlobten und ihre Schwester Mary gesteht, ihn ermordet zu
haben, dann taucht ein unheimlicher Fremder auf. Dieser scheint sich
besonders für den Fall zu interessieren. Doch auch auf Seiten der Polizei
hat man den Mord noch nicht zu den Akten gelegt. Der Einsatz für alle
Beteiligten ist hoch und wer seinen Gegner unterschätzt, wird das Spiel
verlieren...





Thorsten Wirth: Inspektor Elk ermittelt: DER LETZTE FROSCH

Am alten Steinbruch bei Horsham wird die Leiche des Ganoven Paul Wimmers
gefunden. Als ob nicht schon der Fundort Anlass zu Spekulationen böte,
weist auch die nicht vollständig entfernte Tätowierung eines Frosches am
Arm des Toten den Weg zu eben jener Bande, deren Schicksal Chefinspektor
Elk mit dem Tod des „Froschs mit der Maske“ besiegelt glaubte. Es scheint
etwas dran zu sein an der Legende, dass es einem Frosch, der
geheimnisvollen „Nummer Drei“, gelungen sei, unerkannt unterzutauchen.
Mehr als ein eigenartiger Zufall scheint es auch zu sein, dass in diesem
Moment der frühere Kompagnon und spätere Widersacher Harry Lymes, Saul
Morris alias Josua Broad, auftaucht, um in die angeschlagene Firma
Vereinigte Maitlands zu investieren. Welche Rolle spielt der
Finanzvorstand Vincent Wilcox? Was verheimlicht Rechtsanwalt Mark
Richfield? Und was führt Saul Morris wirklich im Schilde? Elk und der
getreue Sergeant Baxter nehmen die Spur des letzten Frosches auf. Die
Entlarvung des Täters ist allerdings nicht nur für den erfahrenen
Ermittler eine große Überraschung.





Alexander Ohm: DIE SCHMUGGLERBANDE VON LONDON

Der Angestellte eines Geschäfts, Mr. Parker, wird mitten in der Nacht
Opfer eines Überfalls und brutal ermordet. Doch was hat ein altes Schloss
auf einer englischen Halbinsel mit den Vorfällen zutun? Die Antwort und
viel mehr bekommen Sie ab sofort in meiner Kurzgeschichte geliefert.



Außerdem findet ihr alle Links auch auf der Edgar-Wallace-Web Startseite
http://www.edgarwallaceweb.de/wallace/





Regeln zur Teilnahme als Werter

- Jedes Mitglied dieses Forums ist zur Bewertung der Kurzgeschichten eingeladen.

- Jeder Werter verteilt für jede Geschichte 0,5 bis 5 Punkte , wobei 0,5 Punkte
„besonders schlecht“ und 5 Punkte „besonders gelungen“ bedeuten.
Das Schema, nach dem die Punktzahl bestimmt wird, ist auch in diesem Jahr jedem frei überlassen.

- Jeder Werter muss jede Geschichte bis zum Ende der Bewertungsfrist bewerten, ansonsten verfallen seine anderen Wertungen.

- Das Endergebnis berechnet sich aus der Summe aller für die jeweilige Story abgegebenen Punkte.

- Aus Gründen der Gleichberechtigung sind Selbstbewertungen der Autoren unerlässlich

-Die Geschichte mit der höchsten Endpunktzahl gewinnt den Wettbewerb.

- Zusätzlich besteht die Möglichkeit, per PM-Funktion an Gubanov die persönliche Lieblingsgeschichte zu küren und mit einer zusätzlichen „geheimen“ Stimme zu versehen. Am Ende wird den drei Geschichten, mit den meisten Stimmen 3, 2 bzw. 1 Punkt zugeschossen.
Zur Abgabe einer Zusatzstimme ist nur derjenige aufgerufen, der seine Meinung zu den Kurzgeschichten auch hier im Thread in Form von Bewertungen vertritt.






Die Wertungsphase ist hiermit eröffnet – Das Ende ist abhängig vom Interesse der Werter






Danke an alle Autoren, die sich die Mühe gemacht habe eine Story zu schreiben und die Betreiber des Forums für die Unterstützung und die Möglichkeit diese Aktion erneut durchzuführen!



Viel Spass!

Peter Käuflin

Don't think twice, it's all right ...

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Happiness IS the road ! (Marillion)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

02.02.2011 17:56
#2 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Nicht mit sieben Beiträgen wie sonst, aber immerhin mit sechs knackigen neuen Kurzgeschichten starten wir also in die dritte Runde des Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerbs. Dieses Mal besteht das Feld aus fünf erfahrenen Teilnehmern und einem Neuling, wallace-fan, der für die gebührende Abwechslung sorgen wird.
Wie jedes Jahr vorab die Warnung: Meine Bewertungen können Spoiler der jeweiligen Geschichten enthalten. Bitte erst nach Lektüre der jeweiligen Story lesen!

Marc Freund: Der Teufel im Nachtexpress

Modul A: Inhaltsbewertung
Ein Zug, der nachts in einem Unwetter auf weiter Flur zum Stehen kommt, bietet sich als Kulisse für spannende Ereignisse geradezu an. Durch den Schauplatz wird eine Synthese aus nostalgischem Flair und kompromisslos expliziter Verbrechen ermöglicht, die aber gleichsam den Eindruck erweckt, als wüsste sie nicht, in welche Stilrichtung sie eigentlich tendiert. Die zwei Verbrechen treiben die Handlung rasch und effektiv voran, sodass trotz des extrem großen Umfangs die Lektüre zügig von der Hand geht. Längen gibt es nicht und die Frage nach dem Ausgang der Geschichte animiert dazu, Kapitel für Kapitel weiter an den Lippen des Erzählers zu hängen. Leider übzeugt mich die Auflösung nicht wirklich, fällt sie doch etwas ungeordnet aus. Woher Fulton überdies von einigen Fakten wissen konnte, die er im Showdown enthüllt, ist ebenso fraglich wie ein paar zusätzliche notwendige Charaktereigenschaften, die von ihm wie einst die Hühnereier von Voltic quasi aus dem Hut gezaubert werden. Ebenfalls schade: Die Abfahrt des Zuges und / oder dessen Ankunft in Schottland erlebt man nicht live mit. 4 von 5 Punkten.

Modul B: Formbewertung
(B1) angemessener Aufbau: Trotz der Länge gestaltet sich die Erzählung spannend. Sie ist in sinnvolle Kapitel mit passenden Überschriften eingeteilt, wobei die kleinen Cliffhanger am Ende der Kapitel der beste Garant fürs Weiterlesen sind. Das Verhältnis aus actionreichen Sequenzen und Gesprächen fällt sehr zu gunsten ersterer aus, was vielleicht nicht unbedingt dem Geist einer Kriminalkurzgeschichte entspricht. 4 von 5 BE.
(B2) sprachliche Gestaltung: Sehr ausgefeilt und auf erstklassigem, veröffentlichungsreifem Niveau. Marc war technisch in meinen Augen von Anfang an der begabteste Teilnehmer. 5 von 5 BE.
(B3) Rechtschreibung: Einige kleine Flüchtigkeitsfehler haben sich unterwegs eingeschlichen, doch im Verhältnis zum Gesamttext fallen sie nicht so sehr ins Gewicht, dass sie einen Punktabzug rechtfertigen würden. 5 von 5 BE.
(B4) Charaktere: Wo immer mehrere Personen auf relativ engem Raum miteinander eingesperrt sind, ist das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere ein Schlüsselmerkmal für die Schilderung der sich ereignenden Vorfälle. Mit professioneller Hand streut Marc gerade so viel Charakterisierung ein, um die Geschichte nicht zu überfrachten, aber die Figuren dennoch plastisch zu gestalten. Sehr gut gefallen hat mir vor allem die Beschreibung von Inspektor Bishop. Das einzige Problem, das ich in diesem Unterpunkt erkenne, ist, dass das Mordmotiv relativ schlecht zu greifen ist, weil man zu wenig von der tatsächlichen Angst der Stayntons und dem Hass der Grisbanes spürt. 4 von 5 BE.
(B5) Wallace-Faktor: Hier tue ich mich schwer: Ist Marc auch technisch ein brillanter Autor, so habe ich bei mehreren seiner Geschichten – wie auch in diesem Fall – das Gefühl, dass wir die Wallace-Elemente sehr unterschiedlich begreifen. Für mich weist „Der Teufel im Nachtexpress“ kaum Elemente auf, die an die Werke des King of Crime erinnern. Beim Setting mit dem schneeumpeitschten Zug kommt mir dann doch eher Agatha Christie in den Sinn, bei schwarzgewandeten Männern mit osteuropäischen Namen fühle ich mich in Horrorfilme versetzt und bei den Mordmethoden sowie der Leichenschändung sehe ich ebenfalls keine nennenswerten Parallelen zu Wallace, sondern eher zu Edgar Allan Poe und Sir Arthur Conan Doyle. Darüber hinaus entspricht die grundlegende Genreorientierung (Abenteuerthriller würde ich sie hier nennen) nicht derjenigen, die ich von einer Wallace-Kurzgeschichte erwarte. 2 von 5 BE.
Gesamt Modul B: 20 von 25 BE. Macht: 4 von 5 Punkten.

Modul A und Modul B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 4 von 5 Punkten. Schlusswort: „Der Teufel im Nachtexpress“ ist ein tolles, spannendes Lesevergnügen, das auf jeder Seite von der Handfertigkeit des Autors zeugt, doch eine Geschichte im Stil von Wallace sehe ich in ihr nicht. Auch von der Auflösung hätte ich mehr erwartet.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.782

02.02.2011 20:37
#3 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Ich habe mich dazu entschieden, bei diesem Wettbewerb – anders als im letzten Jahr – lediglich eine Einzelwertung zu vergeben anstatt ein Bewertungssystem zu benutzen. Mein System aus dem letzten Jahr diente mir bei der Bewertung der Geschichten allerdings dennoch als Stütze. Und abschließend nun noch die Warnung: Die Bewertungen enthalten Spoiler.




Der Teufel im Nachtexpress

Mit dieser Geschichte begibt sich der Autor zurück auf die auch schon im ersten Wettbewerb sehr erfolgreich gewesenen Spur der Spannungsliteratur und bedient sich dabei des dank einer berühmten Verfilmung klassischsten Themas aus dem Schaffen von Agatha Christie (abgesehen vom 10-kleine-Negerlein-Prinzip), nämlich dem Mord im eingeschneiten Zug. Dieses Setting, das allein schon für eine wohlige und wohlbekannte Krimi-Atmosphäre sorgt, ist gleichermaßen Vorteil wie auch Feind der Geschichte. Der Autor erweitert dieses Thema sehr gekonnt auf seine eigene Weise und verbindet es auch mit der Schauerliteratur, indem er einen Fluch ins Spiel bringt und die Todesfälle auch entsprechend inszeniert und beschreibt. Einzig Wallace ist es, der dabei ins Hintertreffen gerät. Ich möchte nicht sagen, dass überhaupt keine Wallace-Stimmung vorhanden wäre, doch viel mehr als eine Spur macht sie in diesem Fall nicht aus. Aber auch hier ist es mal wieder der überaus fesselnde Schreibstil, der einen über die Unebenheiten der Geschichte hinweg sehen lässt. Man fragt sich, ob auch eine simpel gestrickte Person so leicht zum Selbstmord gebracht werden kann oder wo und wie sich der blinde Passagier während der Durchsuchung des Zuges versteckt halten konnte. Auch der Protagonist bleibt trotz Nichten-Sidekick vergleichsweise auswechselbar. Dieser Figur fehlt noch das gewisse Etwas, besonders wenn sie zur Serienfigur werden soll. Über den mysteriösen Komplizen erfährt man sogar rein gar nichts außer, dass es ihn gegeben haben muss. Doch wie auch immer, diese Geschichte ist für mich – als erklärtem Agatha-Christie-Fan- die beste im diesjährigen Wettbewerb. Da dies aber ein Wallace- und kein allgemeiner Klassischer-Krimi-Wettbewerb ist, muss es hingegen folgerichtig wegen Verfehlung des Themas einen Abzug von einem Punkt geben.

4 Punkte




Der Schleicher

Es ist mir zwar außerordentlich peinlich, aber ich kann dieses Mal nicht anders, als mir selbst die maximale und auch die höchste Punktzahl meiner diesjährigen Bewertung zu geben. Ich habe ganz bewusst prägnante Archetypen aus dem Werk des Altmeisters genommen und um sie herum ein Beziehungsgeflecht mit klassischen Konstellationen aufgebaut. Zwischen all dem habe ich natürlich auch versucht, dem Ganzen meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Ich stehe voll und ganz hinter dem Ergebnis und habe auch weiterhin das Gefühl, dass ich nie näher an Wallace heran war, als jetzt mit dieser Geschichte.

5 Punkte




Die Schuhe des Mr. Ferrer

Mit diesem Beitrag erleben wir zum einen die Rückkehr von Gubanov in die Reihe der Wettbewerbs-Autoren und zum anderen erleben wir ein Wiedersehen mit J. G. Reeder, einem Originalcharakter von Wallace. Die Geschichte baut vor allem auf die geniale Deduktionsgabe ihres Protagonisten, der sehr akkurat dargestellt wird. Aber auch hier ist der große Vorteil zugleich die Crux. Deduktionen auf dem Lande lassen mich immer gleich an Sherlock Holmes denken, was auch hier die Wallace-Stimmung ein wenig trübt. Oder hat sich gar Wallace selbst bei der Erschaffung von Mr. Reeder von Conan Doyles bekanntem Meisterdetektiv inspirieren lassen? Wer weiß … Etwas enttäuscht war ich hingegen von dem für die Verhältnisse des Autors hohen Fehlerquotienten (fehlendes Wort, überflüssige Buchstaben (bzw. falsche grammatikalische Fälle), der Sergeant wird zwischendurch zum Inspektor, …) und auch das Markenzeichen des ein oder anderen längeren Schachtelsatzes ist Gubanov erhalten geblieben, auch wenn es teilweise den Lesefluss arg bremst. Die Schreibweise an sich ist allerdings gewohnt stilvoll. Sollte ich noch einen zweiten Kritikpunkt nennen, so würde ich sagen, dass der Hintergrund des Geschehens sich für solch ein beiläufiges Gedankenexperiment, als dass sich dieser Fall für den Protagonisten darstellt, vielleicht etwas zu pompös oder fantasievoll ausnimmt. Da habe ich ein bisschen die trockene Sachlichkeit von Gubanovs erstem Reeder-Fall vermisst. Im Großen und Ganzen ist allerdings an dieser Geschichte so gut wie nichts auszusetzen und ich könnte sie mir gut in einer Kurzgeschichtensammlung mit mehreren solch kleiner Fälle vorstellen.

4 ½ Punkte




Den Gegner unterschätzt

Bewegen sich die bisherigen Beiträge eher in Richtung der Romane, bzw. tummeln sich gar in benachbarten Krimigebieten, so ist diese Geschichte die erste, die ich mir sehr gut als Verfilmung im Zuge der (späteren) Rialto-Serie vorstellen kann. Sie ist klug konstruiert und durch den steten Wechsel der handelnden Person geschickt aufgebaut. Der Einstieg ist sehr atmosphärisch. Einige Details sind mir hingegen nicht ganz klar geworden (z.B. Hat Flint Jim am Ende wegen der Erbschaft umgebracht? Wie kommt diese am Ende zu Ann in den Briefumschlag?). Die Namensgebung der Charaktere ist an sich gut, aber zu gleichförmig (Flint, Fletcher, Flack; Alice, Ann; Jack, Jim), was es bisweilen schwer macht, die Charaktere auseinander zu halten. Was die Rechtschreibung betrifft, merkt man, dass der Autor seit dem letzten Wettbewerb dazugelernt hat. Dennoch fallen viele fehlende Kommas, fehlende Satzzeichen am Ende von wörtlicher Rede und der Gebrauch von „wider“ statt „wieder“ negativ ins Gewicht. Alles in allem eine mehr als solide Geschichte, die ich gerne als Film gesehen hätte.

4 Punkte




Der letzte Frosch

Für den Titel müsste ja eigentlich ein halber Punkt an Mr. Wooler gehen, aber davon sehen wir mal. Eigentlich gibt es über diese Geschichte nicht viel zu sagen. Es ist wie immer bei Billyboy. Er hat einen unterhaltsamen, einnehmenden Schreibstil und weiß die Atmosphäre von Buch und Film kongenial zu vereinen. Was mir hier ein bisschen fehlt, ist der kriminalistische Clou und der missglückte Spannungsaufbau. Der Täter war für mich ziemlich schnell klar und das Geheimhalten der Entdeckungen der Beamten vor dem Leser fand ich eher ärgerlich als spannungsfördernd. Das breite Auslegen des Köders am Ende verpufft wirkungslos, da sowohl Wilcox als auch Morris vom Alter und Typus her nicht auf den Sohn Lymes passen, und die Verhaftung des Täters geht zu reibungslos vonstatten. Nach der Enthüllungsszene zwischen Elk und Sir John ist die künstlich aufgestaute Luft fast vollständig heraus. Auch frage ich mich, ob Lola Bassano zu Zeiten der Froschbande überhaupt schon alt genug war für einen fast erwachsenen Sohn. Über diese Unzulänglichkeiten wird man allerdings gekonnt durch eine Vielzahl an vertrauten Gesichtern und einigen interessanten neuen Typen hinweg getröstet, so dass das Lesen dieser Geschichte zu einem nostalgischen Vergnügen wird. Übrigens, nur ein Monokel kann aus dem Auge gleiten, ein Kneifer sitzt auf der Nase.

4 ½ Punkte




Die Schmugglerbande von London

Und zum Schluss der Neuzugang in unserer Runde der Autoren. Leider – so muss ich sagen – merkt man ihm das „neu“ nur allzu überdeutlich an. Das benutzte Präsens ist gewöhnungsbedürftig und auch vom gesamten Stil her hat mich die Geschichte eher an einen Schulaufsatz erinnert als an eine kriminalistische Erzählung. Die Actionszenen gleichen zudem mehr Regieanweisungen („und an dieser Stelle setzt ihr bitte eine spannende Wasserverfolgungsjagd um“) als wirklichen Beschreibungen. Handwerklich gibt es da also noch einiges zu lernen. Positiv ist zu vermerken, dass der Autor ein gutes Gefühl dafür hat, was Wallace ausmacht, und dieses auch in einem entsprechenden Plot-Entwurf, Handlungsgerüst und teilweise auch schon in szenischer Aufbereitung umzusetzen vermag. Leider kommt die ganze Geschichte aber aus dem Status eines Konzepts oder Erstentwurfs nicht hinaus. Die Idee jedoch und auch der Mut, sie hier unter bereits erfahrenen Autoren zu präsentieren, gehören gelobt.

1 ½ Punkte

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

06.02.2011 00:49
#4 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Thorsten Beckmann: Der Schleicher

Modul A: Inhaltsbewertung
Die Story des „Schleichers“ dreht sich um Liebe, um Einbrüche, um Erpressung und um Mord. Diese Zutaten stehen in bester Tradition von Edgar Wallace und wurden von Thorsten gekonnt eingesetzt, obwohl ich als Leser von Zeit zu Zeit das Gefühl hatte, dass gerade die junge Romanze ein wenig zu Lasten von Spannung und Plotentwicklung geht. Der Mord spielt nur ganz am Rande eine Rolle und leider wird dem Leser nicht erlaubt, näher an den Einbrüchen teilzuhaben. Entschädigung dafür gibt die Verfolgung Hiram Metzgers in den finalen Kapiteln der Erzählung. Ebenfalls gelobt werden muss Thorstens Bestreben, sich nach mehreren Versuchen in Wallace-Filmzeit im Wettbewerb auch an die Goldenen Zwanziger heranzuwagen, die der Geschichte einen noch wesentlich stilvolleren und authentischeren Touch verleihen. 4,5 von 5 Punkten.

Modul B: Formbewertung
(B1) angemessener Aufbau: Ich bin der Auffassung, „Der Schleicher“ hätte auch 10 Seiten kürzer ausfallen können. In diesem Szenario hätte er noch besser unter das Label des Kurzgeschichtenwettbewerbs gepasst. Dennoch ist er nicht der längste Beitrag und die liebevolle Annäherung an diverse Vorlagen (siehe Wallace-Faktor) lässt eventuell auftauchende Längen um die „Frau zwischen zwei Männern“ und die nicht immer ganz authentischen Anbändelungsversuche verzeihen. Auf der anderen Seite wäre mir eine stärkere Fokussierung auf den Mord innerhalb der Geschichte lieb gewesen. Schon im gleichen Kapitel, in dem er entdeckt wird, findet der Gerichtsmediziner die Todesursache im Mordfall Edric Dunnington. 4 von 5 BE.
(B2) sprachliche Gestaltung: Der Schreibstil von Thorsten hat sich kontinuierlich am bemerkenswertesten entwickelt. Seine aktuelle Wettbewerbsgeschichte ist auf ähnlich hohem Niveau anzusiedeln wie „Die schwarze Soutane“. Einige Beschreibungen könnten von Wallace selbst stammen („Es dauerte zwei Zigarettenlängen...“), so bestechend sind sie. 5 von 5 BE.
(B3) Rechtschreibung: Hin und wieder fehlen Kommata bei ungewöhnlichen Verbindungen von Haupt- und Nebensätzen, z.B. der gerade eben zitierten Stelle von Seite 31. Ansonsten macht aber auch diese Geschichte einen wirklich guten Eindruck, was Rechtschreibung und Orthografie angeht. 5 von 5 BE.
(B4) Charaktere: Da sich die meisten zentralen Figuren direkt auf Pendants aus Wallace-Romanen beziehen, sind tiefgehenden Charakterisierungen derselben im „Schleicher“ kaum Grenzen gesetzt. Dies wirkt sich dahingehend aus, dass man sich mit den Figuren stärker identifiziert, als dies bei völlig frei erfundenen Kurzgeschichtencharakteren für gewöhnlich der Fall ist. Die Namensgebung gefällt mir gut. Einzig hätte ich mir dringlich gewünscht, dass Hiram Metzger noch mehr Profil erhält. Er ist als Erpresser, Titel- und Arbeitgeber des Mörders Dreh- und Angelpunkt der Story, wirkt aber leider zu blass und nicht bedrohlich genug für einen gerissenen Gentleman-Erpresser im Stile eines „Charles Augustus Milverton“, was sich auch in relativ geringem Mitfiebern um die entführte Blossom Cope niederschlägt. 4 von 5 BE.
(B5) Wallace-Faktor: Der Wallace-Faktor bricht durch die Decke. So einfach könnte man das Gemisch aus „Die blaue Hand“ und „Das indische Tuch“ beschreiben. Ganze Szenenfolgen vom merkwürdigen Testament über das Anstellungsverhältnis von Lane und sein zweites Verhältnis bis hin zum Muttermalplot orientieren sich an den Vorbildern aus dem Wallace-Kanon, Phrasen und Schauplätze wie das gepolsterte Zimmer fallen sofort ins Auge. 5 von 5 BE.
Gesamt Modul B: 23 von 25 BE. Macht: 4,6 von 5 Punkten.

Modul A und Modul B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 4,55 Punkten. Entsprechend den Regeln für Bewertungen vergebe ich deshalb 4,5 von 5 Punkten. Schlusswort: Nie näher an Wallace? Diesem Statement des Autors ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.252

07.02.2011 13:46
#5 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Rollen wir das Feld von hinten auf... Aufgrund der Momentan laufenden Fasnachtsveranstaltungen ist meine Zeit
eher Beschränkt - Deshalb habe ich mich mit den kürzeren Geschichten zuerst beschäftigt.

Ich behalte mein Bewertungssystem vom Letzten Jahr bei.

Auch meine Bewertungen können Spoiler enthalten.



Alexander Ohm : Die Schmugglerband von London



Kriminalfall:
Schwierig, schwierig - einen Schlüssigen "Fall" konnte ich eigentlcih kaum ausmachen... Die Story hat viele Wallace-Typische Elemente und einige gute Ideen, ergibt aber kein in sich stimmiges Ganzes
Das Vorgehen der einzelnen Charaktäre steht des öfteren im Widerspruch zu ihrer Motivation. Auch die Taktik von Scotland Yard ist gelegentlich nicht besonders effektiv. Wenn ich jemanden überraschen will, schalte ich auch immer die Sirenen ein... 2 Punkte


Charaktere / Authentizität / Namensgebung:
Namensgebung ist eigentlich OK, Tiefe bekommt allerdings keine der Personen – konnten sie auch nicht, da wie oben bereits angesprochen, ihr vorgehen rätselhaft bleibt. Auch die Passagen mit wörtlicher Rede helfen der Sache nicht weiter. Unrealistische und unpassende Dialoge … 1,5Punkte


Lesefluss / angemessener Sprachstil / Formulierung:
Eine Krimi-Kurzgeschichte im Präsens hatte ich bisher noch nie gelesen – ich denke auch, ich weiß warum…
Das ganze kann praktisch nur dann funktionieren, wenn man sich auf einen Charakter fixiert und den Leser die Story durch seine Augen erleben lässt… Wechselt man allerdings, wie hier, die Perspektive, wirk das ganze schnell sehr unbeholfen und unpassend.

Auch sprachlich und grammatekalisch sind einige eigenwillige Passagen in diesem Text.
Da hören Leute das Licht ausgehen, werden Ohnmächtig „gemacht“ oder müssen Inspektoren „Eingearbeitet“ werden…
Die Fall-Analyse bei Sir John ist dann endgültig zu viel…
0,5Punkte


Stringenz / Eloquenz / dramatische Wichtigkeit:
Eigentlich interessante Passagen werden sehr kurz im Berichtsstiel präsentiert.
Alles wirkt nicht fertig ausgearbeitet – wie nach dem Storyentwurf abgebrochen…
Nur gelegentlich sind ein paar – meist eher Nebensächlich Passagen – die Tatsächlich so funktionieren, wie der Autor sich das Ursprünglich gedacht hatte…
Wenn Count Villain von Regieanweisung spicht, kann ich ihm nur recht geben…
0,5Punkte



Wallace-Faktor:
Man merkt es, wir haben es mit einem Wallace Fan zu tun – Vieles das eine Wallace Story ausmacht schafft, es irgendwie ein bisschen in die Geschichte einzusickern. Nur die zu beschützende Heldin fehlt noch…
Richtige Wallace Stimmung will bei mir allerdings trotzdem nicht aufkommen… Die Gründe hierfür stehen bereits weiter oben im Text…
3 Punkte


Es fehlt wohl wirklich noch die Übung und Zeitdruck ist beim schreiben meist auch eher hinderlich … Als Krimikurzgeschichte leider noch nicht gelungen.

Aber ich weiß aus eigener Erfahrung - Beim nächsten Mal klapp es schon viel besser!


Gesamtwertung: 1,5 Punkte

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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.252

12.02.2011 11:21
#6 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Thorsten Wirth : Der letzte Frosch


Kriminalfall:
Ich will hier gar nicht zu viel schreiben – Der Fall ist DIE perfekte Fortführung des Froschs mit der Maske!
Absolut logisch Entwickelt mit vielen Bekannten Charakteren Punkte 5 Punkte


Charaktere / Authentizität / Namensgebung:
Namengebung sehr gelungen, eine optimale Mischung aus altbekannten Personen und „Eigenkreationen“. Dabei bekommt jede Person genau den Spielraum der ihr zuseht, nicht ist überflüssig nichts fehlt. 5Punkte


Lesefluss / angemessener Sprachstil / Formulierung:
Der Text ist absolut spannend geschrieben, hat dabei immer Zeit für die kleinen Detail am Rande, die das ganze gerade für Fans so schön nostalgisch machen.
Alles wirkt sehr Professionell. 5Punkte


Stringenz / Eloquenz / dramatische Wichtigkeit:

Auch hier passt wie bereits oben Angedeutet die Mischung – Durch die Sehr spannende Geschichte und den sehr ausgereiften Schreibstiel waren die Grundvoraussetzungen da.
Und auch was die Balance von Handlung Dialog und Action anbelangt merkt man hier die Erfahrung des Autors – Das Passt einfach.
5Punkte



Wallace-Faktor:

Für mich die Story mit dem Höchsten Wallace Faktor – Die Fortsetzung eines gelungen Romans auf dem gleichen hohen Niveau
5 Punkte

Ich bin ja eigentlich kein Fan von Höchstbewertungen, hier konnte ich allerdings nicht anders – Ich wüsste nicht, was man daran noch besser machen könnte… Und es gibt auch keinen Punktabzug weil Marc an der Idee beteilig war.

Gesamtwertung : 5 von 5 Punkten

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Billyboy03 Offline




Beiträge: 687

13.02.2011 22:30
#7 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Hallo, ich möchte gern meine erste Bewertung posten.

Es handelt sich Gubanows Geschichte "Die Schuhe des Mr. Ferrer"

Kriminalfall
Der Fall ist vielschichtig und weist zahlreiche Wallace-Stilmittel auf. Ein Mord in der Gegenwart, der zurückreicht in die Vergangenheit und ein anderes Verbrechen vertuschen soll. Eine Spur führt kurzzeitig nach Indien. Mr. Reeder, erneut Protagonist der Handlung, agiert gewohnt deduktiv. Mir ist nicht klar, ob EW hier tatsächlich bei Poes Dupin abgeschaut hat, denn diese Figur erscheint mir mehr noch als Sherlock Holmes der geistige Vater des Mr. Reeder zu sein (zumindest bei Henry). 4 von 5 Punkten

Charaktere / Authentizität / Namensgebung
Reeder ist klar eingeführt, der Sergeant ein typischer Vertreter des britischen Landpolizisten und Sir Harold Malloy als alter Militär auch eine klassisch gezeichnete Type. Die verwendeten Namen scheinen stimmig´. Einzig die gemeinsame Kindheit von Ferrer und Malloy erscheint mir etwas hergeholt: Malloy ist Angehöriger eines höheren Standes und wird nicht mit einem Jungen aus einfachen Verhältnissen, der es später zum Kofferträger bei der Bahn bringt, gemeinsam dieselbe Schule besucht haben? Und daß sich Malloys Frau, die ihren Mann ja gegen alle Widerstände ihrer Familie geliebt hat und ihm nach England folgt, innerhalb weniger Tage oder Wochen in den Kofferträger Ferrer verliebt hat (sonst wäre ja andersherum die jahrelange Trauer Ferrers und sein Entschluß, den Frevel Malloys aufzudecken, kaum erklärbar), erscheint unglaubwürdig. 4 von 5 Punkten

Lesefluß / Sprache
Wie immer bei Gubanow gibt es hier fast nichts auszusetzen. Einige wenige Schachtelsätze passen zu dem Stil des Mr. Reeder, also unterstreicht dies eher die Stimmigkeit der Geschichte als daß es störend empfunden wird. Allerdings ist derjenige, bei dem man Schulden hat, ein Gläubiger und kein Schuldner (S. 10). 4,5 von 5 Punkten

Handlung / Stringenz
Hier liegt bei den vielen Vorzügen der Geschichte das einzige wirkliche Manko: es ist eigentlich alles bereits geschehen und Mr. Reeder löst quasi im Vorbeigehen (am letzten Tag seines Erholungsurlaubs) einen bereits dreißig Jahre zurück reichenden Kriminalfall. Schade ist natürlich, daß bei dieser Art der (Re-)Konstruktion eines Falles dem geübten Leser (anders als dem etwas schwerfälligen Landpolizisten) der Täter bereits von Anfang an bekannt ist. Lediglich die Geschichte mit der Eisenbahntrasse durch den Park stellte für mich das Rätsel dar. 4 von 5 Punkten

Wallace-Faktor
Wenn man die Geschichten um J.G. Reeder mag und kennt, ist der Faktor recht hoch. Gemessen am Gesamtwerk von EW und gemessen an den klassischen Geschichten oder Filmen jedoch ist in Gubanows Geschichte das eher nicht so typische wiedergegeben. Das soll nicht die Qualität der Leistung des Autors schmälern, der hier eine clever konstruierte Kriminalgeschichte abgeliefert hat, die ich mit Spannung und Spaß gelesen habe. 3,5 von 5 Punkten

Wertung: glatte 4 von 5 Punkten

BillyBoy03

"Liberal ist nur ein Fremdwort für haltungs- und charakterlos" Alfred Dorfer, Kabarettist

Count Villain Offline



Beiträge: 3.782

13.02.2011 23:43
#8 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Zitat von Billyboy03
Mir ist nicht klar, ob EW hier tatsächlich bei Poes Dupin abgeschaut hat, denn diese Figur erscheint mir mehr noch als Sherlock Holmes der geistige Vater des Mr. Reeder zu sein (zumindest bei Henry).



Das ist gut möglich. Da ich Dupin nicht kenne, war mein erster Gedanke eben Holmes.

Billyboy03 Offline




Beiträge: 687

14.02.2011 18:53
#9 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Count Villain

Der Schleicher

-SPOILER-


Kriminalfall
Die Geschichte bietet fast alles, was eine Wallace-typische Handlung ausmacht: Ein junges Mädchen im Zentrum unheimlichen Geschehens, ein junger Held, ein dunkles Geheimnis um eine alte Adelsfamilie, Todesfälle, Erpressung und mehr. Der Autor versteht es sehr gut, die Spannung aufzubauen und zu steigern, nur die Auflösung kam für mich ein klein wenig enttäuschend daher, weil sich der Urheber der Verbrechen beinahe als Nebenfigur entpuppt, auch wenn Fellowes in dieser überarbeiteten Fassung schon mehr Gewicht bekommen hat als in einer ersten Version, die ich bereits lesen durfte. 4 von 5 Punkten

Charaktere / Authentizität / Namensgebung
Hier ist Count wirklich etwas gelungen, was ich fast genial nennen möchte! Die Namen lassen den Leser förmlich eintauchen in die Welt von EW, die Figuren triefen vor Wallace´schem Gestus und Habitus, agieren so, wie man von ihren Vorbildern her erwartet. Nur einmal stockte ich beim Lesen: Als Edric der geschockten Blossom anbietet, sich neben ihm als Ehemann einen Geliebten zuzulegen. Das hätte es bei EW nicht gegeben! trotzdem 5 von 5 Punkten

Lesefluß / Sprache
Count hat sich beachtlich weiterentwickelt und liefert mit dem Schleicher auch seine bisher beste Geschichte ab, was sich gerade im Bereich Lesefluß und Sprache dokumentiert. Es gelingt ihm mühelos, fast immer den typischen Duktus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu treffen, auch im Bereich Ausdruck oder Rechtschreibung sind nur wenige Unebenheiten oder Fehler auszumachen. 4,5 von 5 Punkten

Handlung / Stringenz
Wenn ich einen kleinen Punktabzug sehe, dann hier. Die Idee ist wirklich gut. Die Geschichte bietet einige sehr gute Ansätze und ist auch verwinkelt genug, eben jene düstere und unheimliche Atmosphäre zu entfalten, die uns bei EW so gefällt. Allerdings sind ein paar Dinge für mich sehr unwahrscheinlich: Holbrook entpuppt sich als Vater von Blossom, weil er vor Jahren eine Affäre mit Lady Agathas Schwester hatte (es wird ja nirgendwo ein Hinweis eingestreut, dass es da einen unbekannten Vater o.ä. gibt, so wirkt das „wie aus dem Hut gezaubert“, Metzger selber kommt zu blass und gar nicht so furchteinflössend rüber, wie er sein müsste, damit ist auch ein wenig unklar, warum sich Fellowes plötzlich vom willfährigen Lakaien zum egoistischen Killer mausert. 4 von 5 Punkten

Wallace-Faktor
Hier trifft die Selbsteinschätzung des Autors zu: nie war der Wallace-Faktor (in Counts Geschichten!) höher als in dieser. Man spürt quasi die nebligen Londoner Straßen, den morbiden Charme des Anwesens der Dunningtons. Diese Geschichte gehört zweifellos zu den besten in diesem Durchgang!!! Also 5 von 5 Punkten

Wertung: 4,5 von 5 Punkten

BillyBoy03

"Liberal ist nur ein Fremdwort für haltungs- und charakterlos" Alfred Dorfer, Kabarettist

Billyboy03 Offline




Beiträge: 687

14.02.2011 18:55
#10 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Zitat von Count Villain

Zitat von Billyboy03
Mir ist nicht klar, ob EW hier tatsächlich bei Poes Dupin abgeschaut hat, denn diese Figur erscheint mir mehr noch als Sherlock Holmes der geistige Vater des Mr. Reeder zu sein (zumindest bei Henry).



Das ist gut möglich. Da ich Dupin nicht kenne, war mein erster Gedanke eben Holmes.




empfehle dir wirklich Poes "Der Doppelmord in der Rue Morgue". Es ist vermutlich die erste wirkliche Kriminalgeschichte der modernen Literatur überhaupt und auch der direkte Vorläufer für die Figur des Sherlock Holmes!

BillyBoy03

"Liberal ist nur ein Fremdwort für haltungs- und charakterlos" Alfred Dorfer, Kabarettist

Gubanov Offline




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18.02.2011 20:36
#11 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Peter Kaeuflin: Den Gegner unterschätzt

Modul A: Inhaltsbewertung
In Peters letzten beiden Kurzgeschichten vermisste ich jeweils die klassische kriminalistische Schlagseite, den entsprechenden Aufbau und das archetypische Handeln der Charaktere. Umso mehr freut es mich, dass er mit „Den Gegner unterschätzt“ nun eine ansprechende Story in einem konventionelleren Stil verfasst hat. Die Ausgangssituation, in der die Schwester im Gefängnis sitzt für einen Mord, den sie nicht begangen hat, erinnert mich persönlich ein wenig an ihre Leidensgefährtin Caroline Crayle in Agatha Christies „Das unvollendete Bildnis“. Von da an begegnen dem Leser Anschuldigungen, Verdächtigungen und Einschüchterungen zuhauf und sorgen für das lang ersehnte Wallace-Feeling, die beiden Clubs darüber hinaus für einen interessanten Hintergrund. Inhaltliche Unebenheiten mögen gegeben sein, doch ich tue mich schwer darin, sie im Detail aufzuspüren und würde von daher auf Count Villains Bewertung verweisen. – Die Überführung wird so showmäßig abgezogen, dass sie wohl eher dazu geeignet wäre, tatsächlich in Bildern als auf PDF-Seiten gezeigt zu werden. 4 von 5 Punkten.

Modul B: Formbewertung
(B1) angemessener Aufbau: Trotz 27-seitigen Umfangs gehört „Den Gegner unterschätzt“ zu den kürzeren Geschichten im Wettbewerb. Durch die acht Kapitel, in die sich die Story gliedert, wird das Lesen auch in kurzen Abschnitten gut ermöglicht. Dass es innerhalb der Kapitel erneut zu Szenensprüngen kommt, wirkt sich manchmal etwas verwirrend für den Leser aus. Ich musste mich vor allem in den anfänglichen Passagen an diesen Stellen noch ein zweites Mal nachlesen, um auch bei der großen Anzahl von Charakteren immer mitzukommen. 4 von 5 BE.
(B2) sprachliche Gestaltung: Peters Ausdruck und Rechtschreibung haben sich merklich verbessert, was ich, auch wenn es sich um das Resultat geschickter Fremdkontrollen handelt, ausdrücklich loben möchte. Die „neue Klarheit“ ermöglicht es, die Geschichte flüssiger und mit mehr Freude am Inhalt zu lesen als in den bisherigen Entwürfen. 4 von 5 BE.
(B3) Rechtschreibung: Gut gemacht. Es sind nur noch wenige Fehler enthalten. Auf einen besonders bösartigen möchte ich explizit hinweisen, weil er mir bei Peter schon häufiger aufgefallen ist: Es heißt „Rätsel“, nicht „Rätzel“. 4 von 5 BE.
(B4) Charaktere: Zu Beginn der Geschichte fühlte ich mich von der Menge der Charaktere ein wenig überfordert, doch dank der guten Erzählstruktur fand ich mich relativ schnell zurecht. Es ist auch schön, zu lesen, dass so gut wie jede der handelnden Figuren eine Rolle im Vorder- und Hintergrund des Minidramas spielt. Was mir nach wie vor für ein angestrebtes „Wallace-Imitat“ ein wenig zu stark vertreten ist, sind Gedankenschilderungen in Problemsituationen. Mir ist bewusst, dass du Konflikte gern aus der Sicht der einzelnen Protagonisten schilderst, doch bei Wallace geht es meist um die Frage „Was passiert?“ und nicht „Was wird gedacht?“. Ein weiterer Kritikpunkt: Der gute Sergeant müsste Cramer heißen und nicht Craimer. 3 von 5 BE.
(B5) Wallace-Faktor: Definitiv stärker als in den vergangen Geschichten des Autoren und einer der großen Pluspunkte der Geschichte. Mir hat in dieser Hinsicht der allgegenwärtige Verfolger gefallen, der eine gute Portion Spannung ins Geschehen bringt und es vor Lethargie bewahrt. Inspektor Flint spielt nicht nur ein doppeltes Spiel, sondern auch eine recht schillernde Rolle. Ich kann mir in seinem Part durchaus Werner Peters oder Siegfried Lowitz vorstellen. 4 von 5 BE.
Gesamt Modul B: 19 von 25 BE. Macht: 3,8 von 5 Punkten.

Modul A und Modul B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 3,9 Punkten. Entsprechend den Regeln für Bewertungen vergebe ich deshalb 4 von 5 Punkten. Schlusswort: Peters „Den Gegner unterschätzt“ zeigt nach meinen zwei strengen Bewertungen in den vorherigen Wettbewerben die größte Verbesserung, was inhaltliche Konzentration auf die geforderte „Aufgabenstellung“ als auch stilistische Sauberkeit angeht.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

20.02.2011 20:39
#12 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

BEWERTET: "Die Schuhe des Mr. Ferrer" von Henry Beckmann

Titelgebung: Mr. John Gray Reeder ist eine der wichtigsten Figuren aus dem Werk von Edgar Wallace. Joachim Kramp schreibt in seinem Lexikon, dass sich Reeder "auf höchst eigenwillige Methoden und seine grauen Zellen verläßt." Henry Beckmann als Anhänger des reinen, urbritischen Kriminalermittlers wählte einen klassischen und dennoch auf neugierig machende Art typischen Titel des Genres, der an G.K. Chesterton erinnert. (5 Punkte)

Kriminalfall: "Im breiten Wortschatz von Mr. Reeder fehlte ein Wort wie Ferien. [...]Allein die Vorstellung, Zeit zu vergeuden, war Mr. Reeder zuwider." (aus: "Die Marmordiebin", enthalten in "Krimiklassiker", dtv zweisprachig, 3. Auflage 2008)
Durch die Wahl der Ausgangssituation zeigt der Autor seine Vorliebe für das Werk Agatha Christies, die für ihren Detektiv Hercule Poirot ähnliche Konstellationen geschaffen hat. Der Tod des Bahnbeamten wird ohne viel Aufsehen inszeniert und bietet für den Denker ein willkommenes Gedankenspiel. Dadurch, dass die Polizei zunächst von einem Selbstmord ausgeht, entfallen polizeitechnische Untersuchungen und Mr. Reeder gewinnt Zeit für die konzentrierte Befragung weniger Zeugen. Ein Konsiliarius wird allerdings ebensowenig in Anspruch genommen wie eine Phalanx an Augenzeugen. Der wichtigste Ansprechpartner bleibt der örtliche Sergeant, der durch seine Ortskenntnisse und die Schlussfolgerungen des gewöhnlichen Mannes dem Besucher aus London die Tür zu Osier Hill öffnet, dem Tudor-Anwesen, das von Beginn an als Geheimnisträger fungiert. Der Fall konzentriert sich auf das Gemeindegebiet von Westbury, wobei der Schwerpunkt in Osier Park liegt. Ein ruhiger Fall, der keine körperliche Betätigung der Beteiligten erfordert. (5 Punkte)

Charaktere/Authentizität/Namensgebung: Die Orte Westbury, Trowbridge und Chippenham liegen in Wiltshire und sind an die Eisenbahnlinie angebunden. Die Namen der Personen (Sir Harold Malloy, Mr. Alfred Ferrer) entstammen britischer Tradition, wobei durch die indische Ehefrau des Gutsbesitzers exotisches Flair hinzugefügt wird. Der ordnungsliebende Bahnbeamte liegt dem Leser besonders am Herzen. (5 Punkte)

Lesefluss/angemessener Sprachstil/Formulierung: Dadurch, dass der Text vor dem Abgeben vom Autor nicht noch einmal korrektur gelesen wurde, sind vier Fehler vorhanden, die ihn schmerzen, da seine Schreibweise sonst immer tadellos ist. Die Wortwahl lehnt sich an den Stil von Edgar Wallace an und die distinguierte Art, Sätze zu formulieren und Beobachtungen des Detektivs festzuhalten, steht für die Distanz, die man in England zu den Personen wahrt. (4,5 Punkte)

Stringenz/Eloquenz/dramatische Wichtigkeit: Die Tatsache, dass Alfred Ferrer ein Verhältnis mit der frischgebackenen Ehefrau seines Freundes Harold Malloy hatte, überrascht und man fragt sich, wie der Detektiv dies so schnell herausfinden konnte. Zudem verstehe ich nicht, weshalb Malloy glauben konnte, dass die Legung einer Eisenbahntrasse auf seinem Grundstück das Grab seiner Gattin für immer verbergen würde. Das Umgraben des Grundstücks hätte doch erst recht Gebeine zutage gefördert.
Die Kombinationen, die Reeder anstellt, überzeugen, da er Widersprüche in den Aussagen des Dieners und seines Herrn aufdeckt und mit dem Kriminalfall aus der Vergangenheit in Zusammenhang bringt. Man beachte die Hinweise, die früh gegeben werden: Reeder kennt den Militaristen aus den Akten der Staatsanwaltschaft London; Reeder spricht von der "seligen" Dame des Hauses, obwohl allgemein angenommen wird, dass sie nach Indien zurückgebracht wurde. (4,5 Punkte)

Wallace-Faktor: Das gepflegte Umfeld des Protagonisten J.G. Reeder entspricht dem literarischen Vorbild. (5 Punkte)

Höchstpunktezahl: 29 von 30 Punkten = knappe 5 Punkte

INA Offline



Beiträge: 24

23.02.2011 19:55
#13 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Hallo, ich war wieder gespannt auf die neuen Kurzgeschichten. Nun habe ich sie gelesen und möchte meine Meinung dazu äußern. Bis auf eine Ausnahme (die Schmugglerbande) finde ich bei allen Ausdruck und Schreibstil, die Beschreibung von Personen und Natur und die Dialoge sehr gelungen, es wird auch Spannung aufgebaut, so dass man unbedingt bis zum Ende weiterlesen muss. Den Wallace-Faktor kann ich nicht beurteilen, dazu fehlt mir die Kompetenz. Leider bleibt manchmal die Logik auf der Strecke, das stört mich bei Krimigeschichten und hat Einfluss auf meine Bewertung.

DIE SCHUHE DES MR. FERRER: Die Schlussfolgerungen von Mr. Reeder am Ende der Geschichte sind für mich total unlogisch. Ein Mörder wird doch alles tun, um zu verhindern, dass auf seinem Grundstück gebuddelt wird, wenn er dort eine Leiche vergraben hat.
3,5 Punkte

DEN GEGNER UNTERSCHÄTZT: Am Anfang gut zu lesen, habe dann aber ständig die Personen verwechselt, Manson heißt mal Mason, Manning heißt manchmal Mannings. Die Sache mit der Erbschaft ist mir auch nicht klar geworden.
3 Punkte

DER SCHLEICHER: Gut und spannend geschrieben. Störend ist für mich die plötzliche Vaterschaft des Anwalts und warum muss das Mädchen mit dem schönen Namen Blossom auch bis zum 30. Lebensjahr auf die Erbschaft warten?
4,5 Punkte

DER LETZTE FROSCH: Diese Geschichte hat mir am Besten gefallen, rundum gelungen.
5 Punkte

TEUFEL IM NACHTEXPRESS: Sehr gut formuliert, aber dann häuften sich die für mich unlogischen Begebenheiten, zum Beispiel: - wie kann man eine übers das Dach eines Zuges laufende brennende Person sehen, wenn man sich selbst in diesem Zug befindet? Wie soll es gelingen, eine bewusstlose Person auf ein Zugdach zu ziehen? Für mich beides nicht vorstellbar.
4 Punkte

DIE SCHMUGGLERBANDE: zuviel „Action“ in diese wenigen Seiten gepackt, kann dadurch nicht richtig fesseln.
2 Punkte


So, das wärs von mir.
INA

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

26.02.2011 21:52
#14 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

Thorsten Wirth: Inspektor Elk ermittelt: Der letzte Frosch

Modul A: Inhaltsbewertung
Die Herangehensweise von Thorsten an seinen „letzten Frosch“ gleicht offensichtlich der seines Namenspatens im Vorjahreswettbewerb. Wie „Die letzte Wette“ schreibt auch dieser Beitrag die Geschichte eines Wallace-Falls und seiner Charaktere fort. Durch die direkten inhaltlichen Bezüge sowie die Großzahl der wiederverwendeten Personen und Schauplätze nehmen sich die Ähnlichkeiten noch verblüffender aus. Trotz des Zurückgreifens auf bereits Bekanntes kann man der Story professionelle Originalität nicht absprechen, was sich vor allem in der spannenden Prologszene niederschlägt. Da diese die Stimmung definiert und die Latte ziemlich hochlegt, hat die Geschichte, die im Kommenden vor allem auf teils doch ziemlich lange Dialogszenen setzt, Probleme, die Aufmerksamkeit des Lesers bis zum Ende gefesselt zu halten. Die Doppelidentität des Haupttäters ist eine schöne Idee, die ich gern weiter ausgebaut gesehen hätte als in ein paar Erzählungen vom undurchsichtigen Verlobten; dies hätte auch der Plastizität des Haupttäters genutzt. 4 von 5 Punkten.

Modul B: Formbewertung
(B1) angemessener Aufbau: Die größte Schwäche der Geschichte liegt für mich in ihrem Umfang. Wenngleich sie nur der drittlängste Beitrag im Wettbewerb ist, so handelt es sich hier doch um die einzige, die ich nicht in einer Sitzung durchlesen konnte (wollte), sondern sie mehrfach unterbrach. Kürzungen sind in meinen Augen deshalb wünschenswert, vor allem was die Geschäftsinterna der Neuen Maitland und weitere, eher trockene Stellen wie die Festivität bei Gordons oder den Black-and-White-Club angeht. Die Geschichte wirkt unterm Strich merklich weniger dynamisch als die Beiträge von Count Villain und Mr. Wooler. Was ich allerdings positiv hervorheben möchte, ist der Versuch, echte Wallace’sche „Schnitttechnik“ beim Zusammenstoß vor der Kneipe zu integrieren. Wie das Geschehene aus mehreren Perspektiven geschildert wird, bildet die große Kunst des King of Crime ab, hätte gern aber auch für eine bedeutendere Stelle aufgespart werden können. 3 von 5 BE.
(B2) sprachliche Gestaltung: Der Routine des Autoren sind grundlegend saubere Formulierungen und schöne Spitzen in Richtung der Originalerzählungen zu verdanken. Was mir schon in den anderen Geschichten von Thorsten aufgefallen ist, ist die sehr wortreiche, überdefinierte Ausdrucksweise. Vor allem die zahlreichen Adjektive stören besonders in Spannungsszenen den Lesefluss und das schnelle Aufeinanderfolgen einzelner Geschehnisse, auch die Größe der Nase Goddards muss nicht ständig wiederholt werden. Der Autor sollte sich klar darüber werden, was für seine Geschichte unbedingt nötig ist und was nicht. 4 von 5 BE.
(B3) Rechtschreibung: Die Rechtschreibung ist absolut in Ordnung, allerdings fallen einige typografische Ungenauigkeiten auf, an denen Thorsten noch arbeiten könnte: Leerzeichen vor „...“ sollten ebenso vermieden werden wie die falsche Verwendung von Gedankenstrichen, Abkürzungen (ca.) im Lauftext und die Inkonsistenz bei der Verwendung von „Äh“ und „Eh“. Als Letzter des „professionellen Trios“ würde es ihm ebenfalls noch gut zu Gesicht stehen, auf französische Anführungszeichen umzusteigen. 4 von 5 BE.
(B4) Charaktere: Der Autor führt die Charaktere entsprechend ihrer Vorbilder aus dem „Frosch mit der Maske“ glaubhaft fort und verleiht ihnen und seinen eigenen Kreationen durch die Gründlichkeit und Ausführlichkeit seiner Schilderungen erfolgreich Tiefe. 5 von 5 BE.
(B5) Wallace-Faktor: Das Verlassen auf den oben genannten Roman verschafft dem „letzten Frosch“ natürlich auch die Bestnote in der Kategorie „Wallace-Faktor“. Schön ist es, zu sehen, dass sich der Autor tatsächlich am Buch-Wallace und nicht an seiner Filmverkörperung orientiert. Die Anzahl der Buch- und Filmnachahmungen in diesem Wettbewerb hält sich damit endlich die Waage, was mich persönlich sehr erfreut. Da fällt es eigentlich kaum ins Gewicht, dass man sich bei so konsequenter Orientierung am Roman (Gordons jugendliches Gesicht, sein Job bei der Staatsanwaltschaft; Name Lola Bassano statt Lolita...) plötzlich in einem Gespräch zwischen Elk und dem Film-Sir-John wiederfindet. 5 von 5 BE.
Gesamt Modul B: 21 von 25 BE. Macht: 4,2 von 5 Punkten.

Modul A und Modul B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 4,1 Punkten. Leider hat die Geschichte das Pech, von einem Autor verfasst worden zu sein, für den Höflichkeit und Respekt im Umgang mit seinen Gesprächspartnern Fremdworte zu sein scheinen, wenn es darum geht, eigenen Ansichten in Form beleidigend verallgemeinernder Behauptungen entgegen persönlicher Bitten wieder und wieder Ausdruck zu verleihen. Dieser Affront hat mich die oben objektiv bewertete Geschichte subjektiv mit einem ganz, ganz flauen Gefühl lesen lassen, dem ich mit einer Halbierung der Punktzahl Ausdruck verleihe. Entsprechend den Regeln für Bewertungen vergebe ich deshalb 2 von 5 Punkten. Schlusswort: „Der letzte Frosch“ ist so durchdacht und ausgefeilt, wie man es von Thorsten erwarten kann, stellt aber im Vergleich mit dem wirklich guten „Flüsterer“ einen Rückschritt dar. Das nächste Mal darf’s gern etwas knackiger und würziger sein.

Billyboy03 Offline




Beiträge: 687

26.02.2011 23:16
#15 RE: Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb - Bewertungsthread Zitat · antworten

[quote="Gubanov Modul A und Modul B ergeben zusammengezogen eine Gesamtwertung von 4,1 Punkten. Leider hat die Geschichte das Pech, von einem Autor verfasst worden zu sein, für den Höflichkeit und Respekt im Umgang mit seinen Gesprächspartnern Fremdworte zu sein scheinen, wenn es darum geht, eigenen Ansichten in Form beleidigend verallgemeinernder Behauptungen entgegen persönlicher Bitten wieder und wieder Ausdruck zu verleihen. Dieser Affront hat mich die oben objektiv bewertete Geschichte subjektiv mit einem ganz, ganz flauen Gefühl lesen lassen, dem ich mit einer Halbierung der Punktzahl Ausdruck verleihe. Entsprechend den Regeln für Bewertungen vergebe ich deshalb 2 von 5 Punkten. .[/quote]

Ich bin entsetzt von einem solchen Vorgehen und ziehe meinen Beitrag zurück, wenn diese Ungeheuerlichkeit Bestand hat!

Ich gebe hier einen PM-Wechsel zwischen Gubanow und mir wieder, den ich durch Gubanows Entgleisung in der Bewertung verursacht, hier veröffentliche:

Gubanow schrieb am 01.02. 21.54 Uhr:

Hallo Thorsten,

bei allem Respekt vor politischer Meinungsfreiheit muss ich dich doch einmal zu deiner aktuellen Signatur anschreiben, die ich nicht nur für unwahr, sondern für persönlich angreifend und beleidigend halte. Ich möchte dich bitten, davon abzusehen, sie immer und immer wieder an allen Stellen im Forum zu verbreiten.

Gruß,
Henry


meine Antwort

01.02. 23.11 Uhr

Hallo Henry,

ich kann verstehen, daß dieses Zitat nicht jedem gefällt. Ich nehme allerdings mein verfassungsmäßiges Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch. Aus gutem Grund habe ich es auch als Zitat eines Kabarettisten gekennzeichnet.
Wir können darüber gern diskutieren oder auch politisch streiten. Ich beleidige m.M. nach auch keine Personen (auch dich nicht), sondern kritisiere allenfalls eine Haltung.
Dass die Signatur immer wieder auftaucht, liegt in ihrer Natur. Ich verbreite sie nicht immer wieder an allen Stellen des Forums, sie ist ein -in meinen Augen legitimer- Bestandteil meiner "Unterschrift". Ich bitte dich, dieses zu respektieren, auch wenn du gänzlich anderer Meinung bist.

Gubanows Antwort:

01.02. 23.15 Uhr

Es geht nicht um eine politische Diskussion und um ein Verbieten von Meinungen, sondern um eine Frage des Stils und der Höflichkeit. Ich bin sehr enttäuscht, dass du dich nicht in der Lage siehst, eine Aussage weiter zu verbreiten, die mich persönlich angreift und beleidigt.


meine Antwort

01.02. 23.48 Uhr

nochmal. es liegt mir fern, dich oder irgend jemanden sonst zu beleidigen!
Es handelt sich um ein Zitat eines Kabarettisten. Es bewertet, überspitzt und satirisch, eine Haltung, keine Personen. Satire darf alles!, wußte schon Kurt Tucholsky.
Wenn du dich dadurch persönlich beleidigt fühlst, ist dies auch subjektiv und tut mir Leid.
Sicher kannst dur dir vorstellen, was ich als überzeugter Sozialdemokrat mir oft laut und leise anhören muss. Im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung aktzeptiere ich dies allerdings auch ..., solange ich nicht persönlich beschimpft oder beleidigt werde. Ich bitte dich, diese Meinungsäußerung nicht als persönliche Beleidigung aufzufassen, mehr kann ich nicht tun.

Ende des Mailverkehrs.

Es kann sich jeder selber ein Bild von der Sache machen. Ich behaupte auch nicht, ich allein habe recht. Allerdings hat dieser politische Disput nicht, rein gar nichts (!!!) mit der eingereichten Geschichte und deren Bewertung zu tun. Ich hatte gehofft, daß Gubanow nicht soweit gehen würde, so etwas Tolles wie den KGW in eine rein persönliche politische Auseinandersetzung zwischen zwei Forumsmitgliedern hineinzuziehen. Schade, daß ich mich getäuscht habe.

Meine Bitte an Daniel: bitte rede Du mit Gubanow und kläre als Betreiber des Forums diesen Sachverhalt, andernfalls sehe ich mich gezwungen, meinen Wettbewerbsbeitrag aus Gründen einer unfairen Behandlung zurückzuziehen und auch künftig an derartigen Veranstaltungen nicht mehr teilnehmen zu können, solange ein solches Vorgehen möglich ist. Mir erschließt sich auch nicht, nach welchen Bewertungsregeln eine Halbierung der vergebenen Punkte möglich ist?

BillyBoy03







"Liberal ist nur ein Fremdwort für haltungs- und charakterlos" Alfred Dorfer, Kabarettist

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