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Dieses Thema hat 77 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

30.09.2009 20:27
Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

Zwischen 1967 und 1973 entstanden 17 TV-Kriminalfilme, die das Publikum vor dem Fernseher ganz besonders zum Mitraten animierten. Die Serie „Dem Täter auf der Spur“, für die „Stahlnetz“-Legende Jürgen Roland verantwortlich zeichnete, entstand nach Motiven französischer Autoren – schließlich war die Reihe bereits in Frankreich erfolgreich gelaufen. Ein Verbrechen – darauffolgende Ermittlungen – und dann wendet sich Commissaire Bernard plötzlich direkt zur Kamera und sagt: „Für mich ist der Fall klar. Und für Sie?“
Doch nicht nur die Fernsehzuschauer sollten rätseln: Roland selbst bat auch jedes Mal im Fernsehstudio eine kleine Gruppe Prominenter, sich ebenfalls auf die Spur des Täters zu begeben und einen Tipp abzugeben, wer denn die geheime Kraft hinter all den gezeigten Scheußlichkeiten war.

Mit diesem Konzept wurde die Serie schnell beliebt. Neben der speziellen Weise der Inszenierung, natürlich wie immer stilsicher von Roland, trug indes auch ein weiterer Faktor zur Popularität der Serie bei: die Besetzung. In den 17 Episoden sah man, teilweise in mehreren Auftritten, eine Unmenge an Stars und bekannten Krimischauspielern, zu denen neben Günther Neutze, Günther Stoll und Karl Lieffen in den Hauptrollen unter anderem Rudolf Schündler, Friedrich Joloff, Helmuth Schneider, Jürgen Janza, Stanislav Ledinek, Klaus Löwitsch, Ruth-Maria Kubitschek, Herbert Fux, Gerhard Frickhöffer, Margot Trooger, Alexander Golling, Karl-Heinz Gerdesmann, Anita Höfer, Ralf Wolter, Ulrich Beiger, Hela Gruel, Georg Lehn, Werner Peters, Peter Weck, Hannelore Elsner, Rosemarie Fendel, Mady Rahl, Hilde Sessak, Ruth Scheerbarth, Karl Schönböck, Barbara Rütting, Hans Korte, Jan Hendriks, Horst Beck, Dieter Borsche, Heidelinde Weis, Uwe Friedrichsen, Gerd Baltus, Carl Lange, Günther Ungeheuer, Ernst Stankovski, Ursula Herking, Wolfgang Lukschy, Hubert von Meyerinck, Hubert Suschka, Horst Frank, Cordula Trantow, Hansjörg Felmy, Karl-Heinz Hess, Reinhard Kolldehoff, Monika Peitsch, Ingmar Zeisberg, Wolfgang Kieling, Walter Kohut, Dirk Dautzenberg, Panos Papadopulos, Werner Pochath, Beate Hasenau, Heinz Schubert, Helmut Schmid, Ivan Desny, Christiane Maybach, Claus Wilcke, Walter Ladengast, Hanne Wieder, Balduin Baas, Armas Sten Fühler und Evelyn Opela gehörten. Zu den Ratekandidaten zählten zum Beispiel auch Hansjörg Felmy, Edith Hancke und Joachim Fuchsberger. Welch eine Liste!

Dieser Thread soll eine Möglichkeit schaffen, sich detaillierter über die einzelnen Episoden der Reihe auszutauschen. Ich wünsche uns allen viel Spaß, wenn wir wieder einmal „dem Täter auf der Spur“ sind!




Mit: Günther Neutze, Günther Stoll. Als Gaststars: Rudolf Schündler, Astrid Frank, Friedrich Joloff, Ingeborg Lapsien, Herbert Fleischmann, Helmuth Schneider, Horst Schweimler, Jürgen Janza u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Henry Grangé, André Maheux. Erstsendung: 15.07.1967.
Mord im Zirkus! Ein Clown wurde mit einem Gürtel erdrosselt. – Verbrechen im Zirkusmilieu gehören seit jeher zu meinen ganz speziellen Vorlieben. Wie das Ambiente eines Zuges einem Mordfall einen eleganten und klaustrophobischen Rahmen verleiht, so versprüht das des Zirkus, der Aristen und der Manege, ein gänzlich umgekehrtes, aber nicht minder reizvolles Bild. Ein buntes Durcheinander, geschäftiges Treiben, Unordnung und perfekte Organisation, skurrile Menschen, Glanz vor und Einfachheit hinter dem Vorhang. Diese Atmosphäre beherrscht auch die vielen authentisch ausgestatteten Aufnahmen in der ersten „Dem Täter auf der Spur“-Folge „Am Rande der Manege“. Die Episode gibt das konservative Whodunit-Schema in seiner pursten Form vor, wie es auch später durch die Dreiteilung der Folgen in „Hauptfilm“, „Raterunde“ und „Auflösung“ beibehalten wurde. Das Mitraten erfreut, wie es bereits die Rückseite der DVD-Verpackung ausdrückt, alle „leidenschaftlichen Amateurdetektive“ unter uns Zuschauern, zumal die Verdächtigen trotz ihrer exotischen Namen über je ein besonders markant ausgearbeitetes Profil verfügen. Dafür ist die stilsichere Darstellerauswahl verantwortlich, die neben einem sehr präsenten Rudolf Schündler als Mordopfer, Clown Bock, Helmuth Schneider als aufgebrachten Dompteur, Friedrich Joloff als geldgierigen Baron und Herbert Fleischmann als dubiosen Zirkusdirektor umfasst.
Ein Merkmal, das die Folge ebenfalls stark kennzeichnet, ist der Gebrauch von Rückblenden. Da die Ermittler – angenehm zurückhaltend – zu jeder Zeit während der Ermittlungen genau den gleichen Informationsstand haben wie der Zuschauer, wird sich diese Methode der Informationsbeschaffung (Verhöre und die darin erzählten Begebenheiten als Rückblenden gestaltet) sicher auch in den kommenden Teilen als visuell wirksames Stilmittel etablieren. Überhaupt ist die Folge von hohen optischen Werten, weil die Ausstattung von erstklassiger Qualität ist. Nichtsdestotrotz muss kritisch angemerkt werden, dass der Film nicht über eine einzige Außenaufnahme verfügt, was ihn ein wenig stickig und veraltet wirken lässt.


... richtig.
Allerdings war es wirklich nur gut getippt. Ich war mir zwar, wie auch später dann die Studiogäste, ziemlich sicher, dass jemand anderes als der Ermordete im Clownskostüm auftreten würde, um den Zeitpunkt des Todes zu verschleiern. Aber dass es ausgerechnet der Direktor sein müsste, habe ich nur vermutet. Für ihn sprach allerdings, dass er der einzige war, der wirklich etwas von Bock zu befürchten hatte – nämlich eine peinliche Enttarnung. Der Dompteur hatte diese schon hinter sich – für ihn wäre lediglich Rache, ein mir in diesem Falle zu schwaches – und zu offensichtliches – Mordmotiv, in Frage gekommen.
Erwähnt werden sollte allerdings, dass im Laufe des „Hauptfilms“, in dem die Szene mit dem gedoubelten Clown gezeigt wird, dieser tatsächlich von Rudolf Schündler gespielt, zumindest gesprochen, wird – nicht von Fleischmann, der eigentlich zu sehen sein müsste! Hier müsste man, wenn man sich ganz scharf an die Grundregeln des Gebrauchs von Rückblenden hält, Kritik an der Unehrlichkeit des Gezeigten üben. Allerdings ist dies in diesem Fall nur bedingt anwendbar: Die Rückblende wird von den Gebrüdern Heraklios erzählt. Und diese nehmen besten Wissens und Gewissens an, dass es sich tatsächlich um den echten Bock handelt. Also ist das, was sie in ihrer Unwissenheit vermuten, einfach Wort für Wort verbildlicht worden. Eine Lüge ist das nicht, zeigt aber, dass bei diesem Konzept für Rückblenden Ausnahmeregeln eingesetzt werden müssen. Und um es mit Sherlock Holmes zu sagen: „An exception disproves the rule.“

Solide 4 von 5 Punkten mit dem Vermögen, mich auf weitere Episoden gespannt zu machen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

03.10.2009 19:49
#2 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

Der große Pluspunkt der Reihe ist zweifellos Günther Neutze, der in seiner nonchalanten Art gelassen die Ermittlungen leitet und dabei nach den ersten beiden Folgen mit Günther Stoll, dem stets ein wenig traurig wirkenden Mimen, von Karl Lieffen unterstützt wird, dem der "Fröschl"-Part zufällt. (Für alle Nichtkenner der Serie "Die seltsamen Methoden des F.J. Wanninger": Toni Fröschl ist ein Kriminalassistent, der stets gutgelaunt ist und jeder hübschen Frau nachsieht.)
Da die Handlung in Paris und Umgebung spielt, setzte der Regisseur Jürgen Roland auf Schauspieler, die leicht als Franzosen durchgehen könnten.
So eben auch der Kriminalkommissar Bernard, den Neutze mit einer Mischung aus höflicher Zurückhaltung und hartnäckiger Präsenz spielt.

In der ersten Folge ("Am Rande der Manege") gibt es ein Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern, die man bereits aus "Stahlnetz" und anderen Kriminalproduktionen kennt. Man merkt, dass Regisseur Roland gern mit dem gleichen Team arbeitete; Leute, die er schätzte, denen er vertraute und bei denen er wusste, was er erwarten konnte.
Rudolf Schündler in der Rolle des Mordopfers bekommt dabei mehr Raum als mancher Verdächtiger. Er liegt zwar zu Beginn tot in seiner Garderobe, doch seine Anwesenheit wird durch Rückblenden in den Erzählungen der Zeugen immer wieder heraufbeschworen. Es gelingt hier besonders gut, die Motive der einzelnen Personen glaubhaft zu machen und die Emotionen des Zusehers zu berühren. Der Clown Bock läßt keinen kalt. Er polarisiert und man versteht sowohl seine, als auch die Beweggründe seiner Gegner. Das Zirkusmilieu bietet den passenden Rahmen, ohne zu aufdringlich oder grell dargestellt zu werden. Einzig der Zwerg Alexandre bekommt ein wenig zuviel Spielraum, was jedoch in der Auflösung begründet liegt. Spuren werden ausgewertet und erläutert. So bekommt der Zuschauer Gelegenheit, der Dritte im Bunde zu sein und aufgrund der gleichen Informationen, die der Polizei vorliegen, den Fall selbst zu lösen.
Die DVD-Edition bietet mit der Verbrecherkartei und der Möglichkeit, die Raterunde komplett auszublenden, ein zeitloses Krimivergnügen, das in den s/w-Folgen noch keine plakative Siebziger-Jahre-Atmosphäre verströmt.


... richtig. Bereits während des ersten Verhörs kristallisierte sich heraus, dass es für einen der Männer sehr leicht möglich war, in das Clownskostüm zu schlüpfen, um Bock bei seinem zweiten Auftritt darzustellen. Besonders verdächtig machte sich der Direktor durch sein ungläubiges Staunen, als der Kommissar den Zeitfaktor erläuterte. Der Zwerg sprach dann das aus, was ich mir schon gedacht hatte: Bock sei heute so anders, er müsse noch mit dem Direktor reden etc. Die Tatsache, dass Alexandre nach dem Mord plötzlich Geld hatte, ohne den Ring des Opfers verkauft zu haben, deutete auf Erpressung hin. Der Direktor wurde durch Bocks Enthüllungen am schwersten belastet; Menschenleben waren durch seinen Leichtsinn zerstört worden. Zudem trug er das Risiko. Der Dompteur war nur ein Angestellter.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

04.10.2009 12:00
#3 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten


Mit: Günther Neutze, Günther Stoll. Als Gaststars: Stanislav Ledinek, Klaus Löwitsch, Ruth-Maria Kubitschek, Herbert Weissbach, Christiane Thorn, Herbert Fux, Gerhard Frickhöffer, Gerhard Hartig u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Henry Grangé, André Maheux, Louis C. Thomas. Erstsendung: 09.12.1967.


Habe ich bei der Pilotfolge noch die fehlenden Außenaufnahmen als Kritikpunkt angekreidet, so startet „Zehn Kisten Whisky“ direkt mit mehreren Pariser Impressionen und einer Parkszene. Doch es ist ein Kreuz mit mir – nie kann man es mir recht machen. Denn auch hier muss ich herumkriteln: Zusammenstellung und Schnitt dieser anfänglichen Minuten stellen sich für gediegene Roland-Verhältnisse merkwürdig abrupt und holprig dar. Irgendwie wollen die ersten Eindrücke nicht wirklich überzeugen. Doch der Regisseur bessert sich schnell: Mit der Ankunft in den Weinkellern steigen nicht nur Spannung und Atmosphäre, sondern auch das Niveau der Inszenierung. Zeitgemäße Handkameras werden im Laufe des Films entweder immer weniger oder immer unauffälliger eingesetzt und die Story, die sich da vor dem Zuschauer entfaltet, regt nicht nur zum Mitkombinieren an wie die in „Am Rande der Manege“, sondern hinterlässt auch noch bleibende Eindrücke. Mehr noch als die standardisierten Mordmotive von Geld bis hin zu Geheimnissen, die bald keine mehr sein werden, kommen hier zutage: auch allerlei persönliche Beweggründe, die nur in dieser speziellen Personenkonstellation funktionieren und sie deshalb so eng aneinanderschweißen.
Da kann man von Glück sagen, dass Roland eine Besetzung zusammengestellt hat, die dies entsprechend tragen kann. Klaus Löwitsch als Mordoper hat im Vergleich zu Rudolf Schündler in Folge 1 nur verhältnismäßig wenig Rückblendenzeit, doch diese nutzt er optimal aus, um als windiger und aufbrausender, aber dennoch irgendwie sympathischer oder zumindest bemitleidenswerter Charakter nachzuwirken. Stanislav Ledinek als sein etwas zurückgebliebener Mitarbeiter, der sich sein Leben lang für Löwitsch eingesetzt hat, spielt eine richtiggehend traurige Rolle. Ruth-Maria Kubitschek und Gangsterbruder Herbert Fux brillieren ebenso in der Zusammensetzung wie auch Herbert Weissbach in einem Biedermannpart. Nur Christiane Thorn macht mir ein paar Probleme: Sie ist optisch perfekt für die Rolle des leicht durchgedrehten Flittchens, aber mit ihrem schauspielerischen Talent scheint es nicht besonders weit her zu sein. Als Ausgleich dafür gibt es aber prominent besetzte und sehr professionell gespielte Mini-Parts für Gerhard Hartig, Gerhard Frickhöffer und Horst Beck.


... richtig.
Der Fall stellte mich zunächst vor ein Rätsel, weil ich – ebenso wie die Rategäste im Studio – nach einer viel zu komplizierten Antwort suchte. Tatsächlich war die Lösung indes ganz einfach (könnte man eventuell sogar sagen: zu einfach?) und hing wirklich nur an ein paar Uhrzeiten. So war mein Tipp auf Gaston Luriecq – allein durch den Fakt begründet, dass man von ihm als einzigen wusste, dass er in etwa zur Tatzeit in der Nähe der Leiche war, – dann doch ein Erfolg. Dennoch schließe ich mich Ulli Wickert an, der gern eine Erklärung für den Verbleib der zehn verschwundenen Whiskykisten geboten bekommen hätte. Gerade durch die Tatsache, dass ein düsteres Lokal mit geheimem Spielcasino in dieser Episode eine große Rolle spielt, wäre eine Auflösung dieser – sicherlich nicht unbedingt relevanten, aber liebenswerten – Nebenhandlung doch nicht allzu schwer gewesen.
Dennoch ist das nur eine Kleinigkeit. Wichtig ist das schöne Verdächtigenkonstrukt, die – schon wesentlich französischere – Stimmung der Folge, die tollen Darsteller und der Spaß am Mitmachen, der hier noch mehr zur Geltung kam und sich in der wiederum sehr amüsanten und eloquenten Raterunde (welche man keinesfalls „komplett ausblenden“ sollte!) wie in einem Spiegel vor dem Zuschauer ausbreitete.

Ja, die Serie stellt es klug an. Mit guten 4 Punkten starten und sie dann noch steigern. Für jede verhökerte Kiste Whisky gibt’s von mir einen halben Punkt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

06.10.2009 13:25
#4 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten


Mit: Günther Neutze, Karl Lieffen. Als Gaststars: Margot Trooger, Viktoria Brahms, Monika Zinnenberg, Alexander Golling, Rudolf Schündler, Bernd Herzsprung, Horst Michael Neutze, Gernot Endemann u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Henry Grangé, André Maheux. Erstsendung: 08.06.1968.


Nach zwei Auftritten als Inspecteur Mireux nahm Günther Stoll seinen Hut und überließ ab Episode 3 Karl Lieffen als Inspecteur Janot seinen Posten. Wer meine Äußerungen zu einigen von Stolls Auftritten kennt, der wird denken, dass dies für mich ein Grund zur Freude sei. Doch dem ist nur in beschränktem Maße so. Neben dem burschikosen Günther Neutze – nicht nur von Berufs wegen weit von der ihm von Percy Lister zugesprochenen Nonchalance oder höflicher Zurückhaltung entfernt – wirkte Stoll wie ein angenehmer, leicht ironischer Ruhepol und blieb keineswegs blass, aber durch und durch unverbindlich. Das Duo Stoll-Neutze hatte etwas von „guter Bulle, böser Bulle“. Mit dem Wechsel zu Karl Lieffen veränderte sich dies zu einer „böser Bulle und böser Bulle haben Spaß“-Situation, die zwar für den Zuschauer auch sehr unterhaltsam sein kann, aber das Ermittlerduo charakteristisch ungleich enger festlegt. Ob das durchgängig für alle folgenden Episoden gut sein kann, wird sich herausstellen. Positiv anzumerken ist auf jeden Fall, dass man eine Begründung für das Ausscheiden von Mireux gab, was ja in der damaligen Zeit auch bei so regulären Serien nicht selbstverständlich war. (Die Entschuldigung wirkt jedoch „nur“ wie eine kurzzeitige Umbesetzung, es darf also angenommen werden, dass zum Drehzeitpunkt von Folge 3 vermutet wurde, Stoll später wieder zurückgewinnen zu können.)
Zu Drehbuch und Darstellern brauche ich nicht viel zu sagen, denn diese befinden sich auf einem ähnlichen Stand wie in den beiden vorigen Episoden. Nicht ganz so befriedigend ist die Stringenz des Geschehens und die Tatsache, dass die zentrale Figur des Jerry Adams kaum zu sehen war. Dennoch gibt es wieder viele entzückende Gastauftritte, vor allem von tollen Mimen wie Margot Trooger, Alexander Golling und Karl-Heinz Gerdesmann. Es ist mir aufgrund der schauspielerischen Qualität von Golling sogar ein Rätsel, ob ich die vom Script doch arg auf die Spitze getriebene Aggression als überzeugend oder als störend bezeichnen soll.
Besonders amüsant – auch nach Rolands anfänglicher Anmerkung, er wolle Maschinengewehrsalven und quietschende Autoreifen den Amerikanern überlassen – ist die Szene vor dem Interview mit der Stripperin, in der Roland und seine Filmcrew dem Interessierten mit einem Cameoauftritt ein besonderes Bonbon servieren. Man hat aber das Gefühl, dies sei als Entschuldigung dafür notwendig, dass Roland hier als Allzweckwaffe für Szenenwechsel abrupte und wenig akkurate Zooms einsetzt. Damit wird der Episode ein weiteres Stück an Wirkung entzogen, zumal sie ja sowieso im Vergleich zu den ersten beiden Episoden optisch eher schwach auf der Brust ist (abgesehen von den Margot-Trooger-Fotos in der Bar, versteht sich).


... falsch.
Dass Durtols Tod nicht mit der Juwelengeschichte zusammenhing, dachte ich mir bereits. In diesem Fall wäre schließlich das Feld der Verdächtigen sehr eng zusammengeschrumpft und neben dem – sowieso auszuschließenden – Mechaniker nur noch Patricia Keller übrig geblieben. Ich legte mich bei meinem Tipp also darauf fest, dass es sich bei dem Mord um eine Eifersuchtsgeschichte handelt und lag damit soweit korrekt. Leider jedoch tippte ich bei der sich daraus ergebenden Auswahl aus Margot Trooger und Viktoria Brahms genau daneben. Dabei hätte man auf die korrekte Täterin in Anbetracht der sehr üblen Szene, in der sich Trooger von Herzsprung anbrüllen lässt, eigentlich wirklich kommen können.
Abgesehen davon ist zu sagen, dass es mir persönlich sehr gefallen hat, dass in dieser Aufklärung einmal nicht nur mit Aussagen von Zeugen gearbeitet wird, sondern auch mit unterschwellig eingebauten Indizienbeweisen (die Scheibenwischer). Fies nur, dass dies im Hauptfilm nicht einmal kommentiert wird und Neutze sogar kurz darauf sagt, die Szene sei eigentlich irrelevant.

Ein guter Kriminalfall, der sich stückweise ein wenig in die Länge zieht und mit humorvollen Elementen, aber teils unsauberer technischer Handgriffe umgesetzt wurde. Die tollen Schauspieler trotzen dem. 3,5 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

11.10.2009 12:40
#5 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

"Zehn Kisten Whisky"

Die zweite Folge der Serie führt den Zuseher in die Weinkeller von Paris, was der Atmosphäre einen leicht melancholischen Anstrich verleiht, der durch das großartige Spiel von Stanislav Ledinek, den man sonst vor allem in Schurkenrollen sieht, vertieft wird. Seine Rolle ist breit angelegt und wohl die prägendste der Episode. Psychologisch interessant, erzählt der Film die Geschichte einer Familie und eines Betriebes. Wie so oft, ist beides auf sandigem Grund gebaut und die ersten Risse haben sich schon vor Jahren abgezeichnet. So verwundert die Auflösung nicht wirklich, sondern bedeutet für das Publikum eine Erleichterung, da nun alle Karten aufgedeckt sind und der schöne Schein nicht länger gewahrt wird. Lobenswerterweise kombiniert Kommissar Bernard auch diesmal wieder anhand von Indizien (Regenschirm, Uhrzeiten), sodass es dem aufmerksamen Zuseher möglich ist, den Täter zu entlarven.


... richtig. Der Familienpatriach war der einzige Mensch, der zur fraglichen Zeit den Weinkeller betrat. Zudem ließ er dabei seinen Schirm zurück, der in den Überlegungen der Polizei eine wichtige Rolle spielte. Der Alte handelte aus moralischen Motiven und solche Mörder sind unbarmherzig. Die Festnahme des Täters erfolgt in stimmigen Bildern, wobei die letzten Momente (der Kommissar geht nach getaner Arbeit im Schein der Straßenlaternen nach Hause) besonders schön eingefangen werden.



Ich bin geneigt, die dritte Folge als das zu bezeichnen, was sie im Titel trägt: "Schrott". Obwohl sie von der Laufzeit her ein wenig kürzer ist als Folge 2, scheint es mir, als ob sich die Verhöre und Gefühlsausbrüche ewig hinziehen. Erstmals ist Karl Lieffen als Inspektor Janot zu sehen, der hier seinen Witz jedoch noch nicht richtig ausspielen kann. Er läuft erst in der nächsten Folge ("Das Fenster zum Garten") zur Höchstform auf. Die Episode verfügt durchaus über schöne Momente, z.B. alle Szenen mit Viktoria Brahms, die durch ihr konzentriertes Spiel überzeugt. Leider nimmt man Margot Trooger die Liaison mit dem gerupften Bernd Herzsprung nicht ab. Eine Dame wie sie würde sich wohl kaum einem Lümmel mit groben Manieren verschreiben. Ich hätte ihr einen charmanteren Liebhaber gewünscht. Der Vater des Mordopfers zeigt seine Erschütterung nicht nur zu Beginn, sondern sein Grollen zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Episode. Esprit und Witz kann man der kurzen Szene bescheinigen, in der Roland sich selbst aufs Korn nimmt, indem er die Filmarbeiten parodiert.


... gar nicht. In erster Linie war ich erleichtert, die schwer verdauliche Episode hinter mich gebracht zu haben, weswegen mir jeder Mörder (Hauptsache, der Lackaffe war tot!) recht gewesen wäre. Enttäuschenderweise hörte man die Stimme der Täterin nur aus dem Off und Erklärungen gab es auch keine. Nicht einmal die Auflösung hat man richtig hinbekommen.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

11.10.2009 20:03
#6 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten


Als Gaststars: Hans Putz, Lale Andersen, Karin Hardt, Jürgen Draeger, Anita Höfer, Ulrich Beiger, Harald Eggers, Georg Lehn, Inge Herbrecht, Carsta Löck u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Hansjörg Martin, Jürgen Roland. Erstsendung: 28.12.1968.


„Einer fehlt beim Kurkonzert“ ist wahrhaftig keine waschechte „Dem Täter auf der Spur“-Folge. Aber immerhin steckt sie mit in der DVD-Box zur Serie. Also soll sie auch hier, aufgeführt als „freie Episode“, mit besprochen werden können.

„Einer fehlt beim Kurkonzert“ kontrastiert umso stärker mit den (anderen) Episoden der Serie, als diese ihrer demonstrativen Machart zum Trotz eher den realistischen Verlauf polizeilicher Ermittlungen schildern. Da ist die vorliegende Folge ganz anders: Kein harter Realkrimi mag sie sein, sondern eine luftige Persiflage auf alles, was nicht bei drei auf Edgar Wallace’ Schoß ist. Selbst Jürgen Rolands belustigende Einführung zu Beginn des Geschehens ist nicht nur auf inszenatorischer, sondern auch auf inhaltlicher Ebene voller Augenzwinkern. „Ungewöhnlich“ soll das Präsentierte sein, weil die Kulisse so „gewöhnlich“ sei. Dabei ist schon dies der reinste Scherz. Ist es nicht gerade so, dass der klassische Krimi – und niemand, der diese Folge sieht, kann ernstlich bestreiten wollen, dass es sich im Kern um einen solchen handelt – die als völlig „gewöhnlich“ angenommene Präsentation überspitzter „Ungewöhnlichkeiten“ darstellt? Dass man sich eben nicht wundert, wenn ganz zufällig fünf Personen Gelegenheit und Motiv haben, einen ungeliebten Menschen ins Jenseits zu befördern? Dass man sich eben keine Gedanken darüber macht, warum der Täter keinen einfacheren Weg geht, sondern sich ausgerechnet freiwillig in ein Netz komplizierter Alibizeiten und Mordarten verwebt? Ist es also vielmehr so, dass man die ganze Folge „Einer fehlt beim Kurkonzert“ als eine Scherzzeichnung des Krimigenres ansehen muss? Genauso ist es, denn vor diesem Hintergrund ergibt jeder Kommentar Rolands Sinn und ergibt überdies jede Wendung in der ereignisreichen, aber einem insgeheim doch sehr vertraut vorkommenden Handlung Sinn.
Unter dieser Prämisse macht die freie Episode unglaublichen Spaß. Man lernt zu schätzen, dass die ausladenden Gespräche des getarnten Inspektors mit den verschiedensten Frauen sowie der Frauen untereinander Seitenhiebe am laufenden Band auf die skurrilen Figuren von Kriminalgeschichten sind. Da ist die fremdgehende Power-Blondine, die natürlich alles Unheil auf sich zieht, da sind die merkwürdigen Dienstmädchen und die alten Jungfern, da sind die tratschenden Damen, da ist die „exotische Geliebte“ (letztere hier ganz besonders genial aufs Korn genommen, weil man sich unter diesem Punkt doch wohl keine Osteuropäerin vorstellt). Sie alle gehören fast immer irgendwie dazu und erhalten hier endlich einmal besonders prominenten Spielraum.
Auch vor den männlichen Rollen macht diese Betrachtung nicht halt. Der Inspektor ist ein reifer Sonnyboy der allerbesten Art und vermittelt einem die seinem Rollenklischee stets immanente Sympathie, Cleverness und Entschlossenheit zu gleichen Teilen. Dazu kommen – auch dem Zeitgeist entsprechend – der unterdrückte Playboy, der aufgebrachte Ehemann, der amüsante Doktor, der überforderte Dorfpolizist, die rohe Schlägertype und der schwule Fotograf. Figuren, die wir aus vielen Produktionen kennen, aber denen wir, wenn wir ehrlich sind, auf der Straße in dieser Konzentration wohl eher selten begegnen. Diese Quintessenz des Krimis wird von einer Besetzungsliste gespielt, die mit einer ganzen Stange an anerkannten „Promis“ gespickt ist: Jürgen Draeger („Stahlnetz“), Anita Höfer („Mörderspiel“), Ulrich Beiger, Georg Lehn und Hela Gruel („Edgar Wallace“), Horst Hesslein („4 Schlüssel“), Ralf Wolter („Karl May“) und Lale Andersen (1961 für Deutschland beim „Grand Prix Eurovision“) gesellen sich zu einem gut aufgelegten Liebespaar aus Hans Putz – mir bisher völlig unbekannt, aber sofort in die Riege meiner Lieblingsschauspieler aufgestiegen! – und Jana Novakova.

Nicht nur die ironische Geschichte und die erstklassige Besetzung machen „Einer fehlt beim Kurkonzert“ so sehenswert. Es ist auch und vor allem die Inszenierung von Jürgen Roland, der neben seinem bierernsten „Stahlnetz“ und den bisher eher mittelmäßigen Humorversuchen in „Dem Täter auf der Spur“ hier endlich einmal sein Talent für das Exzentrische und die Vergnügtheit unter Beweis stellen darf. Er bedient sich dafür zahlreicher perfekt ineinander verzahnter Schnitte, in denen Fragen, Ausrufe und Thesen unterschiedlicher Charaktere zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten miteinander verbunden werden, als hätte der Sprechende gerade noch die Worte seines Vorgängers im Ohr. Doch nicht nur aus intelligenten Dialogen und Dialogwitzen bezieht die Handlung ihren Kraftstoff. Auch die effektvoll eingesetzten Spannungsmomente bringen sie über den puren Actioneffekt hinaus weiter: Die Szene in der nächtlichen Pension, in der alle möglichen Gäste durchs Treppenhaus schleichen, die Verfolgungsjagd über die Dünen und der Selbstmordversuch des fälschlich Gestehenden passen wie die Faust aufs Auge in diesen Muster-Krimi.
Schließlich bleibt es noch, zu würdigen, wie neben dem Denken und dem Sich-unterhalten-Fühlen auch die anderen Sinne noch mit befriedigt werden. Da wäre zunächst einmal das Optische: Geschickt, aber nie selbstzweckhaft wird es mit dem Sinngehalt verbunden. Die Geschichte spielt nicht allein des schönen Hintergrunds wegen auf der fiktiven Nordseeinsel Langeney, sondern weil dies einesteils einen inhaltlichen Sinn erfüllt und demgegenüber die Anspielung auf die von Autoren wie Agatha Christie so gern und oft verwendeten räumlich eng eingegrenzten Geschichten, in denen sich die Protagonisten „selbst zu helfen wissen müssen“, vollkommen macht. Dennoch muss auch auf die pure Attraktivität der Episode hingewiesen werden: Strände, Kurhallen und Tanzorchester, eine „idyllische“ Pension und einige Stationen dörflichen Lebens lassen abwechslungsreiche visuelle Eindrücke entstehen.
Und da wäre auch noch die Musik, die für mich zu dem schönsten zählt, was ich in letzter Zeit auf DVD zu Ohren bekommen habe. (Man bemerke auch die „Stahlnetz“-Anspielung zu Beginn der Episode.)


... richtig.
Eine Persiflage auf einen klassischen Krimi muss selbst in der Form eines Whodunit abgefasst sein. Dies ist die Episode „Einer fehlt beim Kurkonzert“ und diesen Anspruch erfüllt sie perfekt. Hinweise auf den richtigen Täter werden dezent, solche auf den falschen Täter ein Quäntchen plumper eingestreut. Wer dann der feinsten Spur folgt, hat gute Karten. So will es der Whodunit von uns und so exerziert es diese Folge in Reinform vor.

„Verballhornungen“ sind prinzipiell Geschmackssache und finden selten meine uneingeschränkte Zustimmung. „Einer fehlt beim Kurkonzert“ ist aber keine Verballhornung, sondern eine zarte und liebevolle Entlarvung strapazierter kriminalistischer Phrasen und Personen auf hohem handwerklichen Standard. Ich bin so begeistert, dass ich mir direkt die gleichnamige Buchvorlage von Hansjörg Martin bestellt habe. 5 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.773

12.10.2009 21:53
#7 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

... köstlich unterhaltsam ist auch Ralf Wolter als Arzt in diesem Film. Hans Putz ist auch zweifellos ein hervorragender Darsteller und für die Rolle des Oberkommissars prädestiniert. Er war ja später dann nochmal bei DERRICK und PERCY STUART und vorher schon bei POLIZEIFUNK RUFT mit dabei, eigentlich aber wohl mehr am Theater beschäftigt (Mitte der 70er spielte er allerdings die Hauptrolle in der 26teiligen Studio-Hamburg-Serie "Die Melchiors"). Im Großen und Ganzen kann ich Deiner Beurteilung zu stimmen, Gubanov, ich habe gerade eben angeregt durch Deine Kritik den Film seit mindestens 10 Jahren wieder mal gesehen und war positiv überrascht. (Hatte ihn schwächer in Erinnerung).
Schleierhaft bleibt mir allerdings immernoch, was EINER FEHLT ... auf der TÄTER/SPUR-DVD-Edition verloren hat. Na, immerhin ist er so auf DVD verewigt worden...

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

12.10.2009 23:06
#8 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

Zitat von Georg
bei DERRICK und PERCY STUART und vorher schon bei POLIZEIFUNK RUFT


Leider in allen drei Serien nur in je einer einzigen Folge. Unterm Strich ist er leider nur in sehr wenigen kriminalistisch interessanten Produktionen mit von der Partie gewesen. Das ist ein gewichtiger Punkt, warum Film- und Fernseharbeit der im Theater vorzuziehen ist: Der Schauspieler bleibt mit seinem Können der Nachwelt erhalten. Bei Hans Putz wie gesagt zu wenig der Fall.

Zitat von Georg
Schleierhaft bleibt mir allerdings immernoch, was EINER FEHLT ... auf der TÄTER/SPUR-DVD-Edition verloren hat. Na, immerhin ist er so auf DVD verewigt worden...


Genau das denke ich mir auch. Es wäre eine Schande, wenn dieser TV-Film unentdeckt in den Archiven vor sich hin schlummern würde. Man kann schon froh über die abstruse offizielle Zuordnung zu der Serie sein.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

13.10.2009 17:52
#9 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten


Mit: Günther Neutze, Karl Lieffen. Als Gaststars: Margot Trooger, Werner Peters, Petra Schröder, Peter Weck, Hannelore Elsner, Renate Larsen, Dieter Wilken, Heiner Schmidt u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: André Maheux, Henry Grangé. Erstsendung: 31.05.1969.


Es ist schwer zu sagen, was das vorherrschende Element dieser Folge ist. Sie macht zwar vieles richtig, aber irgendwie nichts vollständig. Hier und da sieht man Winteraufnahmen – eigentlich ein Plus für eine abwechslungsreiche Serie –, hier und da taucht ein Filmteam auf, hier und da ein paar kleine Starallüren, Weibergeschichten, Erpressungen, hier und da soziale Abgründe, Ehekrach und Verzweiflung verschiedener Art. Alles für sich ist durchaus gelungen. Doch man hat nicht das Gefühl, eine verbindliche Konsistenz in dieser Folge zu spüren. Deshalb bleibt einem nur das Aufzählen von Einzelaspekten, die gefallen konnten. Dazu zählt mit Sicherheit das Ehepaar Morestel, verkörpert von Margot Trooger und Werner Peters, sowie „Madame Morestels Bruder“ Peter Weck. Auch die kleine Sequenz, in der es um Wortspiele, nämlich das Vertauschen von Buchstaben innerhalb von Wörtern, geht, lässt kurzzeitig richtig rätselhafte Stimmung aufkommen. Und Rosemarie Fendels Rolle stellt sich ebenfalls bemerkenswert dar. Nur scheint dies alles sehr kurz abgewickelt, um sämtliche Elemente in der Laufzeit unterzubringen. Mit diesen Ideen und Darstellungen hätte man locker zwei Episoden vollbekommen.
So kommt im Hauptfilm aber wenigstens keine Langeweile auf. Dies kann man hier aber von der Raterunde nicht behaupten: Zum ersten Mal muss ich eine solche als eher dröge und uninteressant bezeichnen. Gleich zwei Kandidaten ohne Showtalent und ein sich immer und immer wiederholender Jürgen Roland sind keine Garanten für amüsantes Tippen.


... richtig.
Die Auflösung, die dem Zuschauer in dieser Episode präsentiert wurde, stellte sich für mich persönlich als die bisher mit Abstand einfachste heraus. Seit das erste Mal das Foto gezeigt wurde, das der Mörder mit einer so fadenscheinigen Ausrede nachreichte, wusste ich, dass das Geheimnis gelöst war. Dass der untere Blumentopf fehlte und das Foto deshalb später von dem Italiener gemacht worden war, war einfach herauszufinden.
Anzumerken ist jedoch, dass dies noch kein eindeutiger Beweis für die Schuld des Täters ist: Hier hat Commissaire Bernard großes Glück, dass der Täter – ein heißblütiger und gleichsam verzweifelter Mann – ganz von selbst gesteht.

Eine hübsche Folge, die aber recht überladen wirkt und am Ende durch eine schwache Raterunde und eine durchsichtige Auflösung ein wenig abfällt. 4 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



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18.10.2009 14:59
#10 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

"Einer fehlt beim Kurkonzert" - Bonus in der Box

Jürgen Roland persönlich klärt zu Beginn des Films auf, dass er sich sozusagen eine Auszeit von seinem ernsten Metier -den semidokumentarischen Kriminaldarstellungen- genommen hat. Er sitzt gemütlich an der Bar, was dem Zuseher bereits signalisieren sollte: Herr Roland braucht auch einmal Urlaub. "Urlaub" bedeutet für den Vielarbeiter Roland jedoch nicht etwa Nichtstun, sondern eine Inszenierung mit leichter Hand, sprich: eine Persiflage. Der Krimiliebhaber ernster Prägung schaltet demnach zunächst ab, wie ich es tat. Doch wenn einem dann von Gubanov, der doch auch mehr im klassischen Detektiv-Genre zuhause ist, vorgeschwärmt wird, dieser Film biete einen Hauch "Strandkorb 421" (Stahlnetz), so wagt man doch einen zweiten Versuch und wird - enttäuscht. Dafür, dass alles nicht ernst gemeint sein soll, enthält der Film zu viele Elemente, die einfach nur ungeschickt wirken, nicht jedoch gewollt komödiantisch. Es gibt sehr viele Personen, die den Nerv des Publikums strapazieren. An vorderster Front die Damenriege, die aus untreuer Ehefrau, Sächsin auf Erholung, osteuropäischem Kindermädchen und quengelndem Hotelpersonal besteht. Selbst das seltsame Verhalten von Hans Putz, der den Ermittler spielt, gibt zu denken. Er verhält sich zu Beginn recht eigenartig und übertreibt in seinem Liebeswerben ebenso wie das "verbotene" Paar. Man freut sich, Ulrich Beiger wiederzusehen, der jedoch in komödiantischer Abweichung von der Realität nach dem Mord sofort wieder in die Arme seiner drallen Ehefrau zurückkehrt, wohlwissend, dass sie ihn bei passender Gelegenheit erneut betrügen wird. Wenigstens erhält er gegen Ende eine starke Szene als Selbstmörder. Natürlich weist der Film auch einige Momente auf, die durchaus fesseln, so z.B. die Einleitung zum Mord, die Flucht von Gesine über die Sanddünen und die Überführung des Täters am Ende. Wenn man dafür jedoch den Klamauk ertragen muss, zieht sich die Handlung doch sehr in die Länge.


falsch. Aufgrund des resoluten Temperaments der älteren Schwester, enttarnte ich zwar das Mordmotiv (Geld) richtig, wählte jedoch Lale Anderson als Giftmischerin aus, obwohl doch bereits alle Alarmglocken schrillen sollten, als erwähnt wurde, Karin Hardt sei Apothekerin gewesen.
Auch die Tatsache, dass Jürgen Draeger auf das heftige Klopfen nicht reagierte, sollte bereits darauf hindeuten, dass er schon vor dem Messerangriff tot war. Und wer legte ihm jeden Abend ein "Betthupferl" aufs Kissen? Genau: Die beiden lieben Tanten.

INA Offline



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22.10.2009 20:07
#11 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

Hallo, Gubanov, Deine Idee der Beschreibung und Bewertung der einzelnen Folgen von "Dem Täter auf der Spur" finde ich ganz prima. Ich habe damals bei der Erstausstrahlung keine Folge verpasst, lag aber mit meinen Tätervermutungen meistens daneben. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass ich sehr enttäuscht war, dass Günther Stoll plötzlich nicht mehr dabei war, ich glaube es hiess er sei auf Kommissarlehrgang. Aber Karl Lieffen hat mir dann doch auch ganz gut gefallen mit seine eher humorvollen Art. Ich freue mich schon auf die Bewertungen der nächsten Folgen. Da werden Erinnerungen wach.
Ina

Percy Lister Offline



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24.10.2009 21:09
#12 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

Wie ein "Film im Film" wirkt der Beginn von "Das Fenster zum Garten", das den Zuseher glauben lassen soll, er spiele in der Welt des Films, dabei geht es nur um die Inszenierung eines Fotoromans für ein Frauenmagazin. Dass jedoch mehr hinter der hübschen Fassade steckt, merkt man bald. Die Episode wartet mit einem starken Ensemble auf, das uns ein Ehepaar Trooger/Peters zeigt, das einen klassischen Machtkampf ausficht, der so viele Ehen an den Rande der Scheidung, oder in diesem Fall: an die Schwelle des Todes, führt. Günther Neutze zeigt, wie man Ermittlungen leitet und präsentiert fein säuberlich alle Indizien, die für die Aufklärung essentiell sind.
Durch geschickt plazierte Rückblenden werden die Schicksale der Tatverdächtigen aufgerollt, bis nur mehr ein Schuldiger übrig bleibt.
Ein besonderer Pluspunkt ist die Ansiedlung der Geschichte inmitten einer Schneelandschaft, die zudem ihren Zweck erfüllt, indem sie willkommene Spuren bietet. Ein weiterer interessanter Schauplatz sind die Geleise der Pariser Metro, die als Bühne für den zweiten Mord(versuch) dienen.


richtig. Der Italiener hatte sich durch sein nervöses, fahriges Auftreten bald verdächtig gemacht. So blieb nach dem Foto-Indiz nur mehr eine Spur, die zum Täter führte. Da half es auch nichts, Wortspiele und Zwistigkeiten als Ablenkungsmanöver einzubauen. Zu auffallend war das "Umtopfen" der Zierpflanzen durch Inspektor Janot und das Hausmädchen. Eine saubere Lösung, die Kommissar Bernard lehrbuchmäßig vor seinen aufmerksamen Zuschauern aufschlüsselt.

Percy Lister Offline



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24.10.2009 21:16
#13 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

"Familienärger"

Eine gelungene Mischung aus Familiendrama und Betriebsspionage bietet die vorliegende Episode, die sehr prominent besetzt ist und mit stimmungsvollen Paris-Aufnahmen punkten kann. Das Ensemble besteht aus Mady Rahl, die hier zwischen Dominanz und Tragik pendelt und durch ihre mysteriöse Präsenz für allerlei Spekulationen sorgt. Bei ihr weiß man nicht, ob sie lügt oder die Wahrheit sagt; ob sie blufft oder ein Geheimnis enthüllt. Leider sieht sie sehr mitgenommen aus. Wie bereits Margot Trooger in der Folge "Schrott", wirkt auch Rahl hier schlecht ausgeleuchtet und gestylt. Karl Schönböck darf als passionierter Jäger einen Deerstalker tragen und wirkt damit wie ein Angehöriger einer untergegangenen Dynastie, die er als Österreicher mit der ihm eigenen Arroganz und Noblesse verkörpert. Der Eiskunstläufer Bäumler überzeugt als aufmüpfiger Tänzer, der nach oben kommen möchte, und dies nicht nur auf der Karriereleiter, sondern auch auf den Stufen der Gesellschaft. So tritt das Mordmotiv relativ schnell aus den Reihen der Eifersucht und des Standesdünkel hervor.


richtig. Der Kniff mit der Tür konnte schnell entschlüsselt werden, wenn man Rudolf Schündler aufmerksam zugehört hatte. Natürlich wollte er verhindern, dass der junge Schnösel mit den Forschungsergebnissen von Jahren einfach in die Staaten reiste, um somit fremde Lorbeeren (sprich: Geld) einzuheimsen. Kommissar Bernard zeigt Verständnis für den Täter, der sein Eigentum verteidigen wollte und im Nahkampf vom Tänzer mit einer Waffe bedroht wurde, die sich dann jedoch gegen seinen Besitzer richtete. Das Urteil des Gerichts wird vermutlich auf Unfall mit Todesfolge oder Totschlag lauten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

25.10.2009 11:39
#14 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten

Zitat von INA
Hallo, Gubanov, Deine Idee der Beschreibung und Bewertung der einzelnen Folgen von "Dem Täter auf der Spur" finde ich ganz prima. Ich habe damals bei der Erstausstrahlung keine Folge verpasst, lag aber mit meinen Tätervermutungen meistens daneben. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass ich sehr enttäuscht war, dass Günther Stoll plötzlich nicht mehr dabei war, ich glaube es hiess er sei auf Kommissarlehrgang. Aber Karl Lieffen hat mir dann doch auch ganz gut gefallen mit seine eher humorvollen Art. Ich freue mich schon auf die Bewertungen der nächsten Folgen. Da werden Erinnerungen wach.


Vielen Dank, Ina, für dieses Lob, das natürlich auch Percy Lister zusteht. Es ist sehr interessant, dass du die Folgen noch von den Erstausstrahlungen her kennst. Da auf den DVDs bei bisher allen Folgen „nur“ Raterunden aus den 1990er Jahren enthalten waren, wäre es spannend, zu erfahren, wer da bei den ersten Sendungen in den 1960er Jahren mit Roland im Studio saß.


Mit: Günther Neutze, Karl Lieffen. Als Gaststars: Walter Jokisch, Mady Rahl, Rudolf Schündler, Gaby Gasser, Hans-Jürgen Bäumler, Hilde Sessak, Francisca Tu, Ruth Scheerbarth u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: André Maheux, Henry Grangé. Erstsendung: 04.10.1969.


Die Episode „Familienärger“ beschert uns einen Blick in die – erwartungsgemäß – eher ungewöhnliche und teilweise auch undurchsichtige Familienstruktur eines Forscherklans. Es ist inzwischen zwei oder drei Tage her, dass ich die Episode gesehen habe, aber wenn man mich heute fragen würde, in welcher Beziehung welche Figuren zueinander standen, so müsste ich mich ziemlich geschlagen geben. Gut, Walter Jokisch und Mady Rahl waren wohl verheiratet und Rudolf Schündler Mady Rahls Bruder. Aber dann... – ach du meine Güte! Entsprechend reden sich gewisse Familienmitglieder in der Höflichkeitsform an und agieren so, als hätten sie sich noch nie in ihrem Leben gesehen. Und wie war das überhaupt mit der geplanten Heirat? Waren das nicht Cousin und Cousine? Und sprach Ratekandidat Wiebgen nicht Schündler als „Mann von Mady Rahl“ aus?
Was aus dieser ganzen Verwirrung ersichtlich wird, ist immerhin, dass entweder das Drehbuch für die Spielzeit zu umfangreich gestaltet oder dass Jürgen Roland selbst aus irgendwelchen Gründen ins Straucheln gekommen war und seinen klaren, geradlinigen Regiestil hier einmal zugunsten zahlreicher ungewöhnlicher Wendungen und Szenen, deren Umfang er wohl selbst nur zum Teil überblickte, zurücksteckte. So ist schon die Opferfrage in diesem Film beispielsweise keineswegs so klar wie in anderen Produktionen der Reihe. Zunächst glaubt man fest, der in seinem Labor überfallene Louis Robiac würde der Polizei eine gut genährte Leiche stellen. Doch schließlich ist es – schon zu weit fortgeschrittener Spielzeit – Serge Nuschkin, der ins Gras beißen muss. Und am Ende stellt sich schließlich auch noch die Frage, ob nicht vielmehr der Täter als das Opfer der ganzen Geschichte aufgeführt werden muss.
Auch bei den Darstellern macht sich ein Zwiespalt bemerkbar. So gibt es auf der einen Seite diejenigen, die glaubhaft und makellos wie immer agieren. Zu dieser Gruppe zählt eindeutig Mady Rahl, wenngleich sie – wie Percy Lister bereits ausführte – äußerlich hier keineswegs makellos und damit in bester Serientradition von Margot Trooger auftritt. Auch an den vortrefflich besetzten Altstars Hilde Sessak und Karl Schönböck ist nichts auszusetzen. Und selbst neue Typen wie Eiskunstläufer-mit-TV-Ambitionen Hans-Jürgen Bäumler oder das charismatische Sommersprossengesicht Gaby Gasser überraschen mit lobenswerten Leistungen. Anders dagegen die zweite Hälfte der Besetzung, eindeutig angeführt von einer die Augen zum verzweifelten Rollen animierenden Francisca Tu, deren „Schauspiel“ so gekünstelt und übertrieben wie nur irgend möglich ausfällt. Walter Jokisch enttäuscht mit seiner gänzlich unwandelbaren, von Haus aus viel zu bodenständigen Art der Interpretation seiner Rolle des Finanzverantwortlichen (!) im Institut noch stärker als in „Tim Frazer“ und wirkt eher wie ein einfältiges, gutmütiges Landei als wie ein Mitglied der Pariser Verstandesgesellschaft. Bliebe noch Rudolf Schündler, mit dessen Rolle ich persönliche Schwierigkeiten habe. Ihn als Leidtragenden der ganzen Angelegenheit ansehen zu müssen, fällt mir schwer, da sich sein darstellerischer Schwerpunkt ja ansonsten eher auf Fieslinge, Verbrecher oder bösartige Lateinlehrer konzentriert.


... falsch.
In dieser Episode saß ich wieder einmal dem „Schrott“-Faktor auf. Allerdings eine Runde zu spät, denn Jürgen Roland war so klug, ihn in dieser Episode nicht schon wieder anzuwenden. Nicht Eifersucht war das Motiv, sondern tatsächlich das ominöse Heft mit den medizinischen Forschungsergebnissen, das ich – ebenso wie Ratekandidatin Heidrun von Goessel – lediglich für schmückendes Beiwerk gehalten hatte. Mein Tipp ging also an die undurchsichtige Mady Rahl, die nach der eindringlichen Szene in Hans-Jürgen Bäumlers Garderobe ein hervorragendes Motiv gehabt hätte, ihn, der sie abgelehnt und sie verspottet hatte, zu töten.

Eine ungewöhnliche Episode, deren Komplexität sowohl vom Regisseur als auch von einigen Darstellern offenbar unterschätzt, vom Drehbuch dagegen überbewertet wurde. Dafür präsentiert man uns einige herausragende Szenen, schöne Musik und eine von der logischen Warte aus sehr überzeugende Auflösung. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.783

26.10.2009 00:31
#15 RE: Bewertet: "Dem Täter auf der Spur" (TV, 1967-73) Zitat · antworten


Mit: Günther Neutze, Karl Lieffen. Als Gaststars: Werner Peters, Barbara Rütting, Francisca Tu, Carl Schell, Dieter Wilken, Gottfried Lackmann, Stella Mooney, Karl-Heinz Gerdesmann u.v.a. Regie: Jürgen Roland. Drehbuch: Henry Grangé, André Maheux. Erstsendung: 28.03.1970.


Im Gegensatz zur ersten Winterepisode der Serie erweckt „Frau gesucht...“ viel stärker den Eindruck einer in sich geschlossenen, stimmig zusammengesetzten Einheit. Die kompakte und auf wenige Hauptpersonen beschränkte Figurenkonstellation wird ergänzt durch zum ersten Mal seit „Einer fehlt beim Kurkonzert“ wirklich attraktive Außenaufnahmen und einige amüsante Regieeinfälle. Die Handlung, die dieses Mal von der Südost- bis zur Südwestgrenze und außerdem noch im mittleren Norden Frankreichs spielt, fesselt den Zuschauer durch den ungewöhnlichen Aufbau (es ist nicht das Auffinden der Leiche, das das Geschehen auslöst, sondern auf das es sich zuspitzt) und das angenehme Erzähltempo. Jürgen Roland und sein Team müssen in guter Stimmung gewesen sein, als sie dem schweizer Polizeibeamten ein schlüpfriges Magazin auf den Schreibtisch gelegt oder Commissaire Bernards Ehefrau in den Urlaub geschickt haben. Roland durfte überdies sein durch die Schwenks und die Wackelkamera der Serie ausgedrücktes Verlangen nach mehr Aktion mit einer überraschenden Prügelszene ausleben, die ebenso wie ein kurzes Motorradrennen dafür sorgt, dass es dem Zuschauer nicht langweilig wird. Dafür garantieren natürlich auch die Schauspieler, an deren Spitze Werner Peters und Barbara Rütting hier ein noch wesentlich beeindruckenderes „Paar“ geben als Peters und Trooger in „Das Fenster zum Garten“. Peters durfte, ein Jahr bevor er zum Fleischermeister William Baxter wurde, schon einmal grobe Zerlegearbeit kennenlernen im Beruf des Holzhändlers, der ihm bravourös zu Gesicht steht. Die Folge deckt überdies auf, dass die schreckliche Topffrisur, die Barbara Rütting in „Der Todesrächer von Soho“ aufträgt, keine schlechte Perücke war, sondern ihr tatsächlicher Haarschnitt. Hier verleiht er ihr indes ein markantes Profil und sorgt für einen guten Lacher, als die polizeiliche Demonstrationspuppe im Finale mit genau der gleichen eigenwilligen „Haarpracht“ ausgestattet ist.


... falsch.
Die Auflösung dieser Folge enttäuscht nach dem 5-Punkte-Hauptteil doch ziemlich maßlos. Überlegt man sich nämlich gründlich, wer ein Motiv gehabt hätte, Edith Buffett umzubringen, so wird man erkennen, dass dies eigentlich nur und ausschließlich ihr Ehemann war:
1. Dem Gigolo Roland Cesar werden zwei halbe Beweggründe zugeschrieben, die beide nicht ziehen und sich überdies gegenseitig ausschließen: Einerseits will er sie nicht auf dem Hals haben. Schön und gut, aber das ist doch wohl kein Grund, jemanden umzubringen. Zumal die Rütting sowieso von seiner Affäre erfahren hatte (damit wäre sie von selbst weggewesen, was ja überhaupt erst die zweite Hälfte seines Motivs liefert) und er zu allem Überfluss im Gegenteil selbst am Schluss (vielleicht nur zu seiner Verteidigung?) behaupetete, er habe sie tatsächlich geliebt. Das kann man also getrost streichen. Sein zweites „Motivchen“ soll offenbar gewesen sein, dass er verhindern wollte, dass sie ihn aus dem Schmuggelgeschäft hinauswarf. Ja, und? Wenn er sie deshalb umbrachte, so wäre es ihm selbst auch nicht besser möglich gewesen, das Geld aus der Schweiz zu bringen. Hätte er selbst fahren wollen oder können? Bei seinen Liebschaften und seinem Beruf? Das ist doch wohl eher nicht anzunehmen! Das Geschäft wäre also so oder so vorbei gewesen. Wozu dann ein überflüssiger Mord?
2. Der Schmugglerboss Kaminsky hatte null Grund, seine Mitarbeiterin umzubringen.
3. Und ihre Tochter? Die hasste ihre Mutter. Aber so, wie das in der Rückblende zwischen den beiden ausgespielt wird, ist es ein purer Hass der Verachtung. Kein Motiv für einen Mord, sondern lediglich Triebkraft, eine Scheidung ihrer Mutter von ihrem Vater herbeizuführen.
Verständlich also, wenn ich auf Werner Peters tippte, der mit Rüttings Mitwisserschaft an seiner Fahrerflucht sowie den Tatsachen, dass sie keine verschwiegene und vertrauenswürdige Person und dass die Liebe zwischen den beiden aus war bzw. nie existierte, als einzige Person in diesem Stück zwar kein vortreffliches, aber immerhin überhaupt irgendein Motiv für einen Mord hatte. Dass er dann nicht der präsentierte Mörder war, enttäuscht mich nicht aufgrund meines Scheiterns an sich, sondern aufgrund der Tatsache, dass die vorgezeigte Aufklärung inhaltlich nicht gerechtfertigt ist.
Es muss darüber hinaus kritisiert werden, dass durch die Stelle, an der das Unwetter ins Spiel gebracht wird, der Eindruck entsteht, es habe lange nach Auffindung des Wagens in Paris stattgefunden. Wer hier nicht alle Daten exakt mitschreibt, kann so durch die Nachlässigkeit des Schnitts gar nicht auf die korrekte Lösung kommen.
Abschließend ist einmal mehr die Raterunde zu kritisieren. Warum Jürgen Roland zwei Personen einlädt, die beide steif und fest behaupten, nie Krimis gemocht zu haben (und darauf noch stolz zu sein scheinen), und beide dann auch noch mitten in ihren Kombinationen mit Blick auf die Uhr unterbricht, nur um nach der Auflösung noch lange über ihr bisheriges Leben zu plaudern, bleibt sein Geheimnis. Interessant ist es aber wahrlich nicht.

Es ist unglaublich schade, dass die exzellenten Eindrücke des Hauptfilms durch eine unlogische und zweifelhafte Lösung sowie durch eine lahme Raterunde verwässert wurden. Gern hätte ich die volle Punktzahl verteilt, so bleiben aber mit gutem Willen nur noch 4 von 5 Bewertungseinheiten.

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