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Dieses Thema hat 45 Antworten
und wurde 5.181 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Georg Offline




Beiträge: 2.751

30.12.2007 14:32
Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Ich nehme die Ausstrahlung von MELISSA im November mal zum Anlass, um den Film hier zu bewerten.

Vorausschickend kann man sagen, dass MELISSA der am häufigsten verfilmte und wohl auch bekannteste Durbridge-Stoff ist. Allein die Briten verfilmten die Geschichte insgesamt 3 Mal (einmal in den 60ern, einmal 1974 und dann nochmal 1997). 1965 enstand in Deutschland die bekannte Fassung mit Günther Stoll, 1970 drehten die Italiener ihre eigene Version.
Weil mir insgesamt vier Verfilmungen vorliegen, nutze ich die Gelegenheit, die Filme auch untereinander zu vergleichen. Auffallend ist zum Beispiel, dass die Typen Guy Foster und Melissa Foster zwischen ganz jung und relativ alt besetzt wurden (so bei der BBC 1974, wo Guy Mitte 50 ist).

MELISSA (GB 1974): dabei handelt es sich um ein Remake aus den 60ern, es ist die 1:1 Umsetzung des Durbridge-Drehbuchs und zu 95% identisch mit der deutschen Fassung. Anders als die deutsche Version hat der Film keine Längen
(d.h. keine Szenen, in denen herumgegangen usw.). Teilweise recht schneller Schnitt, kommt gut rüber. Schöne Studioatmosphäre, exzellentes Szenenbild und sehr gute Darsteller. Würde diese Fassung empfehlen, sie ist bei
Amazon.co.uk zu als DVD zu bestellen. 5 von 5 Punkten. (Übrigens gibt´s davon auch eine deutsche Fassung: im Fernsehen der DDR wurde dieser Film Anfang der 80er ausgestrahlt. Die Fassung scheint aber leider niemand zu haben).

MELISSA (Italien 1970): wie bei den anderen mir vorliegenden italienischen Fassungen handelt es sich dabei um einen s/w-Sechsteiler, der teilweise etwas unnötig zu sechs 60 Min.-Folgen aufgeblasen wurde. Um die Handlung zu
strecken wurden vom Regisseur/ Drehbuchautor Daniele D'Anza mehrere Szenen dazu erfunden, man sieht schon mal Don Page auf der Rennstecke oder erfährt mehr aus dem Privatleben der Hepburns. Wie auch die anderen ital. Fassungen,
die ich gesehen habe (Come un uragano/ Wie ein Blitz, Un certo Harry Brent/ Mann namens H.B., Lungo il fiume e sull'acqua/ Der Andere, Giocando una mattina a golf/ Die Kette), hat auch dieser Film einen sehr schönen
Soundtrack und ein Titellied (ähnlich wie bei den James-Bond-Filmen), bei MELISSA heißt der Titelsong "Regent's Park". Wie alle ital. Durbridge-Filme wurde sehr viel an Originalschauplätzen in England gedreht, wodurch
teilweise eine britischere Atmosphäre aufkommt als in der deutschen Fassung. Die Rollen sind durchgehend sehr gut besetzt, Guy Foster ist um die 50. Durch die Längen etwas lahm, aber trotzdem "very british": 4 von 5 Punkten.

MELISSA (GB 1997): Wer mit Modernisierung von Geschichten nichts anfangen kann, dem wird dieser 5Teiler nicht gefallen. Drehbuchautor Alan Bleasdale, der den Film als Hommage an Durbridge schrieb, erzählt die Vorgeschichte zu MELISSA. In Teil 1-3 wird erzählt, wie Guy als Reporter Melissa kennen lernt und die beiden von Südafrika nach London ziehen. Dabei geschehen u.a. schon zwei Morde: einer in Südafrika, der andere an Bord des Schiffes. Guy und Melissa sind beide Ende 20, Anfang 30. Don Page ist ein drogensüchtiger, depressiver Rennfahrer. Die Hepburns sind unsympathisch. Teil 4-5 erzählt die bekannte Melissa-Geschichte, allerdings sehr sehr modernisiert, viele Dinge wurden ausgelassen oder nur angedeutet. Teil 4 beginnt mit der Ermordung Melissas. Das Ende ist sicherlich übertrieben: außer Guy sterben alle Verdächtigen durch einen selbst provozierten Autounfall, Selbstmord oder in einem brennenden Flugzeug. Ein I-Tüpfelchen, dass der Drehbuchautor dem ganzen noch unnötigerweise aufsetzte ist die Tatsache, dass Paula Hepburn am Ende die Mutter von Melissa Foster ist. Bleasdale zeigt jedoch, dass die Geschichte auch in Zeiten von Handys und Computer funktionieren kann - allerdings auf Kosten des schönen britischen Krimigefühls. Der Film ähnelt eher einem Inspektor Lynley-Fall als einem typischen Durbridge-Stoff. Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will: der Film ist bei amazon zu bestellen. Als Extra gibt´s ein Interview mit dem Drehbuchautor.

MELISSA (BRD 1965): Diese Fassung wird den meisten hier bekannt sein. MELISSA ist der typische Albtraum des unschuldig Verdächtigten. Durbridge treibt dies bis zum Exzess. Obwohl im Nachspann "Bearbeitung Paul May" zu lesen ist, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, was der Regisseur am Drehbuch geändert hat, wenn man die anderen Versionen und das Buch kennt. In den anderen Versionen entfällt einzig die Szene, in der Carol Stewart vor dem Mörder den Text mit Melissas Stimme spricht und der Inspektor heißt nicht Cameron sondern Carter. Sonst kann man vor allem die BBC 1974-Version 1:1 zur deutschen schauen. Paul May gelingt es allerdings großartig die Spannung fein zu dosieren und den Nervenkitzel aufzubauen, was in den beiden Cliffhangern (Teil 1: Peter Antrobus/Teil 2: George Antrobus) hervorragend zum Höhepunkt kommt. Mit Günter Stoll hat man zweifellos die beste Besetzung für Guy Foster gefunden, Hubert Schuschka als Felix Hepburn hätte man allerdings mit einem sympathischeren Schauspieler besetzen können. Siegfried Wischnewski gibt den Inspektor m.E. auch sehr gut (und innerhalb der Durbridge-Serie nun nach DER FALL SALINGER schon zum 2. Mal) und hätte sicherlich auch in einem Wallace-Film bestens als solcher gepasst. Die Musik von Peter Thomas ist auch erstklassig, wenngleich sie etwas zu spärlich zum Einsatz kommt. Ein kleines Meisterstück spielt Albert Bessler als Dr. Swanson (in den anderen Versionen Dr. Swanley), allerdings ist das Szenenbild seiner Ordination wohl das schlechteste, das jemals in einem Durbridge-Film vorkam. Als Titelmusik hätte man ruhig die Melissa-Melodie nehmen können und nicht die von DIE SCHLÜSSEL. Obwohl der Film keinen Meter in England gedreht wurde, passen die Außenaufnahmen. Den Film kann man immer und immer wieder sehen. 5 von 5 Punkten.

Habe zum Vergleich anbei noch einige Screenshots der Darsteller aus den verschiedenen Filmen beigefügt:

Die Eröffnungsszene: Melissa Foster, Felix Hepburn, Paula Hepburn



Die unterschiedlichen Gesichter des Guy Foster



Melissa



Inspektor Cameron/ Carter



Dr. Swanson



Don Page

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

30.12.2007 14:43
#2 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht, Georg. Ich hatte mich ja einmal für die GB-Version von 1997 interessiert, aber nach Deinen Erläuterungen bleibe ich doch lieber bei der BRD-Fassung. Sehr oft liebt man eine Variante einer filmischen Umsetzung und verdirbt sich die Erinnerung daran durch das Entdecken weiterer, meist weniger guter Neuinterpretationen.

teddy Offline



Beiträge: 1.001

30.12.2007 14:49
#3 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich als langjähriger Durbridge-Fan
die Verfilmung von 1997 nicht gesehen habe.

Vielleicht liegt es auch eher daran, daß ich davon ausgehe, daß eine Neuverfilmung nicht besser sein
kann, als das Altbekannte.

Für mich zählt Melissa mit zu den besten Durbridge-Verfilmungen.

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

02.01.2008 21:37
#4 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Melissa BRD 1966

"Melissa" ist eine sehr gute TV-Verfilmung mit einem überzeugenden Günther Stoll (Mattanza-Ein Liebestraum),der in der Rolle des verzweifelten Ehemannes total überzeugt.

Auch die anderen Darsteller wie Siegfried Wischnewski,Hanne Wieder,Ulrich Beiger,Hubert Suschka usw. spielen mit Bravour!

Die Musik von Peter Thomas ist auch gut.

Insgesamt ein sehr sehenswerter TV-Krimi,der natürlich auch für Stoll-Fans interessant ist,da er "leider" nur wenig Hauptrollen hatte.

rainbow Offline




Beiträge: 1.597

03.01.2008 03:30
#5 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Zuerstmal vielen Dank an Georg für die vielen Informationen
Besonders die Photos sind natürlich auch sehr interessant da ich bis jetzt nur die deutsche Version (1965) kenne

Und diese Version gehört definitiv zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Meistens bin ich eher etwas skeptisch bei Filmen mit solcher Überlänge, aber Melissa ist wirklich ein gutes Beispiel dafür das es auch geht ohne das es zu langatmig wird und der Zuschauer sich fragt warum nicht mindestens 1 Stunde herausgeschnitten wurde

Definitiv 5/5 für einen phantastischen Film mit 1A Darstellern

Kleine Offline




Beiträge: 77

03.01.2008 16:37
#6 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Zitat von Mike Pierce
Melissa BRD 1966

"Melissa" ist eine sehr gute TV-Verfilmung mit einem überzeugenden Günther Stoll (Mattanza-Ein Liebestraum),der in der Rolle des verzweifelten Ehemannes total überzeugt.

Auch die anderen Darsteller wie Siegfried Wischnewski,Hanne Wieder,Ulrich Beiger,Hubert Suschka usw. spielen mit Bravour!

Die Musik von Peter Thomas ist auch gut.

Insgesamt ein sehr sehenswerter TV-Krimi,der natürlich auch für Stoll-Fans interessant ist,da er "leider" nur wenig Hauptrollen hatte.




So sehe ich es auch vielen Dank Mike, du hast das geschrieben was ich gedacht habe.

Sei der, der du selbst glaubst zu sein.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

06.01.2008 14:35
#7 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Günther Stoll ist in der Rolle des in die Irre geführten Guy Foster sehr glaubwürdig. Die handelnden Personen dieses Mehrteilers sind ein erfolgreicher Nervenarzt, der sich erpressen läßt und einer Untergebenen hörig ist, ein erfolgreicher Rennfahrer, der labil und alkoholabhängig ist, ein erfolgreicher Geschäftsmann, der kein Geld hat und seine Frau, die nur als erfolgreiche Party-Besucherin von sich reden macht .

Inmitten dieser Gesellschaft wirkt Guy Foster wie ein ruhiger, melancholischer Fremdkörper, der sein Schicksal nicht einfach hinnimmt, sondern gemeinsam mit einem Vertreter der Gerechtigkeit ( Inspektor Cameron ) die dekadenten Geheimnisse seiner Bekannten aufdeckt und einen Mörder zur Strecke bringt.

Jan Offline




Beiträge: 1.181

13.03.2008 12:25
#8 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten
So, ich habe in den vergangenen Tagen/Wochen alle mir bekannten Durbridge-Klassiker mal wieder angesehen, angeregt durch diesen Thread war "Melissa" der erste. Im folgenden meine Bewertung:

Auch wenn man mich ggf. steinigen wird, schicke ich gleich vorweg, dass ich "Melissa" vor allem aufgrund der Auswahl der Schauspieler als schwächsten mir bekannten Durbridge ab 1959 einordne. Günther Stoll ist ein prima Nebendarsteller. Füllt seine sporadischen Auftritte in Kino und TV zumeist sehr sehenswert aus. An einer Hauptrolle scheitert er jedoch sowohl hier bei "Melissa" als auch im Kino bei Wallace. Ist das Zusammenspiel mit Wischnewski (vor allem aufgrund Wischnewskis) noch sehr gut angelegt, erscheint doch der gescheiterte Journalist schwer abnehmbar. Einige Szenen sind so holprig gespielt (betrunkene Autofahrt und was darauf hin folgt), dass ich mir immer wieder einen anderen Hauptdarsteller (z.B. Leipnitz oder auch Götz George hätte mehr oder minder gepasst) wünschte. Viele übrige Auftritte Stolls kennzeichnet vor allem die Gleichgültigkeit. Gefällt mir also insgesamt nicht sonderlich.
Schlimmer als Stoll sind die fehlbesetzten Hubert Suschka und Eric Schumann. Letzterem nimmt man alles ab, jedoch keinen harten Playboy-Rennfahrer mit Fahrerflucht-Hintergrund. Suschka hingegen ist die personifizierte Unfreundlichkeit, mit dem man kaum eine enge Freundschaft eingehen würde. Er hat zudem kaum Szenen mit Guy Foster, die erklären würden, warum diese beiden Knaben nun gut befreundet sind.
So schlecht wie diese ganzen Rollen besetzt sind, so erstklassig ist Siegrfried Wischnewski als Inspektor! Ich habe ihn eigentlich nie besser gesehen und ihm ist es irgendwo zu verdanken, dass "Melissa" nicht völlig gegenüber anderen Durbridge-Klassikern abfällt. Ich würde sein Spiel sogar noch über das von Albert Lieven setzen, der im Vorgänger eine ganz ähnliche Rolle einnimmt!

Die Story ansonsten halte ich für recht banal. Viele Verwirrungen und Fährten, die gelegt und -so sind wir das von Durbridge gewohnt!- penibelst aufgeklärt werden. Das Ende kann kaum überraschen.

Die Schauplätze sind vor allem in dem kleinen Dörfchen gut ausgesucht, da kann wenig gemeckert werden. Alles jedoch, was sich außen in London abspielen soll, kann kaum verleugnen, irgendwo in Deutschland aufgenommen worden zu sein. Eine in jede zweite Szene geschobene rote Telefonzelle kann daran nicht viel ändern.

Fazit: Im Gegensatz zu "Die Schlüssel" hat Paul May mit "Melissa" weniger atmosphärisch gefilmt, musste mit z.T. schlecht ausgesuchten Darstellern zurecht kommen. Die Story ist nicht der Rede wert. Alles in allem kann man sich "Melissa" gut einmal ansehen. Mehr aber auch nicht.

Punkte: 3 von 5
Kleine Offline




Beiträge: 77

24.03.2008 12:09
#9 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Nur mal kurz eine Zwischenfrage, aber der Doc Swandson rechts oben, wer ist das????? Der sieht so aus wie Edgar Bessen. Bitte korigiert mich wenn ich falsch liege.

Sei der, der du selbst glaubst zu sein. Allerdings ist übersinnliches keinswegs unheimlich sondern normal...... Jedenfalls für mich.

Either one hates Günther Stoll, or one loves him. I prefer the second possibility.:-D

Jan Offline




Beiträge: 1.181

17.04.2008 20:51
#10 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten
Zitat von Kleine
Nur mal kurz eine Zwischenfrage, aber der Doc Swandson rechts oben, wer ist das????? Der sieht so aus wie Edgar Bessen. Bitte korigiert mich wenn ich falsch liege.

Völlig falsch. Keine Ahnung, wer das ist aber Edgar Bessen sieht so aus:



Gruß
Jan
Kleine Offline




Beiträge: 77

05.07.2008 20:43
#11 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Danke Jan, ich hätte gedacht das er es ist.

Eine Frage an euch alle, wußtet ihr das Katinka Hoffmann (sie spielt die Joyce Dean) das Contra Kreis Theater in Bonn besitzt bzw. dort Geschäftführerin ist???? Schaut ihr hier: http://www.contra-kreis-theater.de

Sei der, der du selbst glaubst zu sein.
Either one hates Günther Stoll, or one loves him. I prefer the second possibility.:-D

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

25.12.2008 14:36
#12 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten



Francis Durbridge – Melissa (7)
Deutschland 1966, TV. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Mit: Günther Stoll, Ruth Maria Kubitschek, Siegfried Wischnewski, Hubert Suschka, Hanne Wieder, Erik Schumann, Albert Bessler, Katinka Hoffmann, Claudia Gerstäcker, Ulrich Beiger, Franz Schneider, Christian Uhde u.v.a.m.




„Melissa, 1. Teil“

Nachdem man nur kurz Zeit hatte, Melissa Foster kennenzulernen, stellt Durbridge dem Zuschauer die schwere Aufgabe, das Mysterium ihres Todes und ihres sonderbaren Verhaltens auf Wahrheit und Lüge zu überprüfen. Nach Ansehen des ersten Teils ist dies eine noch schier unlösbare Aufgabe. Nur einer Sache kann man sich aufgrund der Erzähl- und Personenstruktur sicher sein: Guy Foster ist unschuldig. So schon einmal mein erster Tipp...

Eben wegen dieser Rolle des Guy Foster, oder besser: wegen seines Darstellers, habe ich diesen Durbridge-Mehrteiler, obwohl ich schon über eine TV-Aufnahme verfügte, lange gemieden. Was ich nun von Günther Stoll hier sehe, ist eine solide Leistung, die mich jedoch in meiner Meinung über ihn als hoffnungslos überschätzt bestätigt, da er zwar der Rolle bis zum Ende des ersten Teils gerecht wird, ihr überdies aber nichts abgewinnen oder mich als Zuschauer besonders begeistern kann. Es ist die pure Lust am Rätseln, die mich bei „Melissa“ gespannt vorm Bildschirm mitfiebern lässt – nicht das Mitleid mit Guy Foster.
Ruth Maria Kubitschek als Verkörperung der Titelrolle passt hervorragend in den Part. Sie, über lange Strecken und in ernsthaften Auseinandersetzungen eher fehlplatziert, wirkt als kurz auftretende, zunächst unbeschwerte und dann tote Melissa Foster erfrischend und geheimnisvoll zugleich.

Die anderen Darsteller haben in den anderen Episoden hoffentlich noch Raum, sich und ihre Rollen weiter zu entfalten.
Unter all den Schauspielern hat es mich gen Ende des ersten Teils besonders gefreut, Ulrich Beiger als einen meiner absoluten Lieblingsschauspieler in einer kleinen, aber charakteristischen Rolle wiederzusehen. Hoffentlich wird ihm ebenfalls die Möglichkeit eingeräumt, in weiteren Teilen aufzutreten.

Die Geschichte bleibt, besonders durch die letzten Entwicklungen der ersten Episode, die dem Ganzen ein wunderbares Flair geben (Stadtaufnahmen und die überraschende Auflösung, wer der Herr mit dem klangvollen Namen Antrobus ist), spannend wie eh und je.
Bisher fährt „Melissa“ für mich also auf einem sicheren Kurs, ein typischer Durbridge-Spannungsfilm zu werden. Ich bin beruhigt, hier entgegen meiner ersten Befürchtungen einen gut besetzten Krimi zu finden, der das „Wie“ der Auflösung gekonnt verschleiert, wenngleich ich bei einigen Personen bereits Vermutungen über das „Wer“ anstelle...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

25.12.2008 14:51
#13 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Die Idee, die titelgebende Person kurz nach Beginn sterben zu lassen, zeigt einmal mehr, wie
raffiniert die Durbridge-Mehrteiler gestrickt sind. Diese Vielschichtigkeit fesselt den Zuseher
für die gesamte Laufzeit an den Stuhl und hinterläßt tiefe Spuren in der Gedankenwelt.
Es geht nicht vordergründig um die Frage WER, sondern vor allem um die Fragen WIE und WARUM.
Folge für Folge wird die Persönlichkeit der Toten aufgedeckt und ein Netz von Lügen und Intrigen
zerschlagen. Guy Foster ist die ahnungslose Beute, die am klebrigen Netz hängt und von einer
heimtückischen Spinne beäugt wird. Stoll ist der perfekte Schauspieler für diese Rolle, da er
kein Actionheld, sondern ein unauffälliger kleiner Mann ist, der am liebsten seine Ruhe hat und
sich im Leben eine gemütliche Insel eingerichtet hat, was ihn in der Umgebung von Paula und
Felix Hepburn fehlplatziert wirken läßt. Sein Ehrgeiz hält sich in Grenzen, was nicht nur Melissa
ärgert, sondern ihn zur leichten Zielscheibe werden läßt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.508

25.12.2008 14:59
#14 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten
Man merkt deutlich, dass es sich bei den Hepburns und dem Rennfahrer Don Page, zu deren Darstellern ich mich nach späteren Folgen noch genauer äußern werde, eher um die Freunde der mondänen Melissa als des ruhigen Guy handelt. Dein letzter Satz bezüglich Guy Foster ist überaus treffend: Man könnte ihn durchaus ebenso beschreiben, wie Sherlock Holmes Dr. Mortimer beschreibt - "unambitious". Als Konsequenz dieses Charakterzugs lässt sich auch die Interpretation des Parts durch Günther Stoll erklären. Er wirkt in sich gekehrt und irgendwie unbeteiligt, wenngleich ihn das nicht davon abhält, sich in bester Krimimanier als Aushilfsdetektiv zu betätigen.

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.375

26.12.2008 12:42
#15 RE: Bewertet: MELISSA Zitat · antworten

Lag Melissa zu Beginn des ersten Teils noch tot auf der Bahre, die in den Polizeiwagen geschoben
wurde und wurde die Glaubwürdigkeit ihres Gatten durch die Aussagen von Dr. Swanson und seiner
Sprechstundenhilfe erschüttert, so sieht sich Guy Foster im zweiten Teil mit einer weitaus
merkwürdigeren Situation konfrontiert : Melissa selbst meldet sich mitten in der Nacht telefonisch
bei ihm. Die nachfolgenden Minuten leben nur von der schaurigen Erwartung, in der sich der Zuseher
befindet. Die waghalsige Autofahrt und das langsame Erkunden des Cottage steigern die Spannung
auf gewohnt dramatische Weise. Man schwankt zwischen der Hoffnung, dass Melissa noch lebt und sich
alles als Irrtum aufklärt und der bösen Vorahnung, dass Guy in eine Falle gelockt werden soll.

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