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Dieses Thema hat 63 Antworten
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 Francis Durbridge
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Georg Offline




Beiträge: 2.959

02.10.2016 17:55
#46 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Zitat von Markus im Beitrag #45
Zitat von Georg im Beitrag #1


[quote=Markus|p7351363]Bei Youtube ist gerade eine italienische Version zu sehen, die auf 1966 datiert ist:
http://www.youtube.com/watch?v=qB7aQiU-mqs


@Georg: Hast du diese Version mal verglichen?
Ja, natürlich, schon lange, und auch alle anderen ausländischen (frz., ital., poln., schwed., engl.) Durbridge-Adaptionen, mir fehlen jetzt nur noch zwei polnische, dann kenne ich alle Versionen in allen Sprachen. Ich mache diesbzgl. aber keine Updates mehr auf der Homepage, weil das alles mal in einem Buch über Durbridge nachzulesen sein wird. :-)

Georg Offline




Beiträge: 2.959

04.08.2017 16:09
#47 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

... ich weiß jetzt gar nicht, ob ich das schon mal irgendwo erwähnt hatte, aber nach dem Rollenangebot für TIM FRAZER war Hansjörg Felmy erneut für einen Durbridge vorgesehen und zwar für Guy Foster in MELISSA. Er sagte jedoch erneut ab, weil er dem Medium TV nicht traute.

Jan Offline




Beiträge: 1.330

04.08.2017 17:23
#48 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Felmy wäre m.E. eine starke Besetzung gewesen für Mark Foster. Als Held zuvor nicht wirklich uferlos angepriesen, oftmals als gebrochener und/oder gescheiterter Charakter überzeugend in Erscheinung getreten wie beispielsweise in den Buddenbrooks oder auch im Henker. Schade, dass es nicht so kam, wenngleich er in Günther Stoll sicher auch einen akzeptablen Ersatz fand. Bedauerlich, dass er dem Medium Fernsehen erst gute acht Jahre später traute.

Gruß
Jan

Giacco Offline



Beiträge: 1.616

04.08.2017 21:42
#49 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #48
Bedauerlich, dass er dem Medium Fernsehen erst gute acht Jahre später traute.



Seine erste Fernsehrolle spielte Felmy ja bereits 1966, als er die Hauptrolle im Mehrteiler "Flucht ohne Ausweg" übernahm, der Anfang 1967 ausgestrahlt wurde. Auschlaggebend war wohl nicht zuletzt, dass sein Freund Franz Peter Wirth Regie führte. Außerdem soll er sich wie folgt geäußert haben:"Diese Geschichte stimmt einfach in allen Details. Deshalb habe ich zugesagt."

schwarzseher Offline



Beiträge: 396

05.08.2017 11:40
#50 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Es freut mich das Felmy hier recht positiv besprochen wird.Er kommt mir meistens sehr unterschätzt ( in den Kritiken )vor ?
Sicher zum Einen weil er nicht unbedingt das Sunnyboy /Strahlemann Image bedient hat. Als ich den Henker zum erstenmal sah war mein erster Gedanke .......endlich mal eine Story ohne den obligatorischen Hand in Hand "Ritt in den Sonnenuntergang" Schluss.( OK.. bei Karl May war es schon klasse )
Was ich sagen will.....ich hätte ihn mir in einigen Rollen gut vorstellen können und den Haferkamp hätte er ruhig noch einige Folgen mehr spielen können.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.496

16.02.2018 18:00
#51 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Auf zu Durbridges wohl faszinierendstem Stoff:



Francis Durbridge: Melissa (Teil 1)

Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Ruth Maria Kubitschek (Melissa Foster), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Erik Schumann (Don Page), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Ulrich Beiger (Mr. Duncan) u.a. Erstsendung: 10. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Melissa (Teil 1)
Eigentlich sollte es ein vergnüglicher Abend für das Ehepaar Foster auf der Geburtstagsfeier des befreundeten Rennfahrers Don Page werden. Doch Guy Foster scheut die Party und schickt seine Frau Melissa allein hin. Sie stirbt noch in dieser Nacht an den Händen eines Würgers. Der Gatte gerät rasch unter Verdacht: Die Handschuhe, die Don geschenkt bekommen sollte und die Melissas Mörder bei der Tat trug, verschwanden quasi unter Guys Augen aus der Foster’schen Wohnung. Ein Nervenarzt behauptet zudem, ihn untersucht zu haben, weil Melissa um seine geistige Gesundheit besorgt gewesen sei. Zu allem Überfluss stellt sich die Tote plötzlich als reiche Frau mit einer geheimnisvollen Liebschaft heraus. Welches Geheimnis hütete Melissa Foster?

Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 14
Über die Böschung herab kamen vorsichtig zwei Männer, mit einer Trage zwischen sich. Auf der Trage lag eine zugedeckte Gestalt. Auf einen Wink des Inspectors blieben die Männer mit der Trage bei uns stehen. Er beugte sich etwas herab und hob behutsam das Ende der Decke, das den Kopf verhüllte. [...] Die Welt schien sich plötzlich in einem langsamen, Übelkeit erregenden Halbkreis um mich zu drehen. Ich nahm nicht mehr wahr, wie sie Melissa in den Ambulanzwagen schoben.


In keinem anderen Durbridge-Mehrteiler bewegt den Zuschauer das Schicksal der Protagonisten so stark wie in „Melissa“: Die titelgebende Frau wird mit geschickten Kunstgriffen zu einem widersprüchlichen Faszinosum ausgebaut. Ihr rascher Tod verkehrt das Bild, das man sich von der anfangs so heiter erscheinenden Melissa Foster machte, in sein Gegenteil. Dem Mann, der zunächst als mürrischer Spielverderber auftritt, geht es derweil so übel an den Kragen, dass man unweigerlich für ihn eingenommen wird. Der Mord an der geliebten Ehefrau wiegt für Guy Foster ebenso schwer wie der plötzliche Kontrollverlust über die eigene Glaubwürdigkeit, Reputation und sogar Gesundheit. Ist der arbeitslose Reporter tatsächlich ein psychisch angeschlagener Mörder? Oder wird ihm nur mit einem weitreichenden Komplott böse mitgespielt? Der Name Durbridge garantiert natürlich geradezu für Letzteres. Ruth Maria Kubitschek und Günther Stoll verkörpern die beiden Hauptrollen im Zwielicht absolut überzeugend. Für Stoll war „Melissa“ der Durchbruch, der ihm bald darauf auch – wie Heinz Drache – zu seiner ersten Rialto-Wallace-Hauptrolle verhalf. Der Schauspieler ist vor allem deshalb eine treffliche Besetzung, weil er die Grauschattierungen, die für einen Charakter wie Guy Foster erforderlich sind, typgerecht umsetzen konnte.

Die allermeisten Szenen werden demnach wie auch im 1967 erschienenen Roman aus Guys Sicht erzählt. Die starke Konzentration auf den Hauptdarsteller bügelt die Mittelpunktslosigkeit des Vorgänger-Krimis „Die Schlüssel“ aus – man hatte aus dem etwas oberflächlichen Dreiteiler also kluge Lehren gezogen. Dies führte dazu, dass „Melissa“ nach mehreren Jahren, in denen die Presse sehr kritisch mit Durbridge umging, endlich wieder an „Halstuch“-Popularität anknüpfen konnte. Die Hindernisse, die Guy Foster in den Weg gelegt werden, halten den Zuschauer zum immer aufmerksameren Sehen an – kontinuierlich steigerten sich die Einschaltquoten von Teil 1 bis 3 von 72 auf 89 Prozent. Zur dichten Atmosphäre und zur Legendenbildung um Melissa trägt nicht unwesentlich die Musik von Peter Thomas bei, der der Titelfigur eine eigene Kennmelodie spendierte. Diese – das markanteste Musikstück des Mehrteilers –, aus deren Tonfolge und Instrumentierung Wehmut und unausgesprochene Geheimnisse sprechen, schaffte es in seiner achtwöchigen Präsenz in den deutschen Charts bis auf Listenplatz 4 und wurde damit zu Thomas’ erfolgreichstem Hit überhaupt. Durbridge beschrieb Melissas Melodie im Roman als „seltsam subtil und allzu vertraut“.

Die Krimihandlung profitiert von den immensen Verdachtsmomenten, die sich gegen Guy Foster auftürmen, ebenso wie von der Unsicherheit, welche sich aus dem Wissen ergibt, dass die Drahtzieher des Mordes jederzeit Zugang zur Foster-Wohnung haben. Auch die Indizien – die Handschuhe, die verschwundene Hutschachtel, der Schuldschein und der (zu) wertvolle Schmuck in Melissas Besitz – verbreiten angenehme Rätselstimmung. Aus den weiteren Rollen sind in Teil 1 vor allem Siegfried Wischnewski als hartnäckiger Inspector Cameron und Albert Bessler als bösartiger Arzt hervorzuheben. May setzte die Szenen in Besslers Büro mit sinistrer Ausleuchtung, geschickten Kameraperspektiven und einer gummigepolsterten Tür ohne Klinke geradezu unheimlich in Szene – ein Unterfangen, das der kauzige Schauspieler natürlich bestens mit seiner maliziösen Präsenz zu stützen verstand. Aber auch seine Sprechstundenhilfe, gespielt von Katinka Hoffmann, hinterlässt den Eindruck berechnender Kaltblütigkeit.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.496

17.02.2018 21:15
#52 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Melissa (Teil 2)

Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Erik Schumann (Don Page), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Christine Uhde (Mary Antrobus), Dietrich Thoms („George Antrobus“) u.a. Erstsendung: 12. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Melissa (Teil 2)
Mittels einer Botschaft ins Dörfchen Elvingdale gelockt, macht Guy Foster dort die verblüffende Bekanntschaft der angeblichen Liebschaft seiner Frau: Es handelt sich um einen zwölfjährigen Jungen! Guy lernt neben Peter Antrobus auch dessen Schwester Mary kennen, die Angst vor ihm hat, weil sie Guy als mutmaßlichen Mörder aus der Zeitung wiedererkennt. Eines Abends glaubt Guy, seinen Ohren nicht zu trauen, denn als das Telefon klingelt, hört er die Stimme der toten Melissa am anderen Ende der Leitung. Er solle unbedingt zum gemeinsamen Cottage fahren. Doch als er am nächsten Morgen dort ankommt, findet Guy nicht Melissa, sondern Mary Antrobus. Sie wurde erwürgt – auf die gleiche Weise wie seine Frau ...

Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 96f
Als ich mich aufrichtete, bemerkte ich, dass die Tür zur Küche offen stand und dass in der Küche die trübe Deckenlampe brannte. Ich ging in die Küche. Einen winzigen Moment später wünschte ich mir, dass ich das nicht getan hätte – wünschte es mir mit all der vergeblichen Intensität, die wir aufbringen, wenn wir verzweifelt um die Gnade beten, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu können. Das Mädchen in dem alten Korbstuhl war tot. Und ich stand da, das entsetzliche Bild anstarrend, anstatt daheim in London friedlich in meinem Bett zu schlummern.


Inspector Cameron begrüßt den Zuschauer zu Beginn des zweiten Teils mit einem Rückblick auf das Geschehen der ersten Folge. Zum ersten Mal waren in „Melissa“ solche erläuternden Zusammenfassungen unmittelbarer Produktionsbestandteil – zuvor waren klärende Worte entweder von den Programmansagerinnen übernommen oder erst bei Ausstrahlungen in späteren Jahrzehnten hinzugefügt worden („Das Halstuch“ und „Die Schlüssel“). Die direkte Ansprache durch eine handelnde Figur verleiht dem „Was bisher geschah“ jedoch eine ganz andere Qualität und sorgt für einen ungemein vergnüglichen Einstieg – zumal Wischnewski seinem Polizisten in der Tradition von Lievens Inspector Hyde eine feine Süffisanz verleiht. Man spürt auch mehr und mehr, dass der kluge Ermittler zu viele Widersprüche in den Spuren gegen Guy Foster entdeckt, um diese für bare Münze zu nehmen und sich völlig auf den gebeutelten Witwer einzuschießen.

Trotz eines überraschenden Anrufs „aus dem Jenseits“ (Melissa lockt Guy am Telefon in das gemeinsame Landhaus) tritt die Präsenz der Kubitschek-Rolle deutlich in den Hintergrund. Es scheint, als sorgten die sich förmlich überschlagenden Ereignisse dafür, dass Melissa Fosters Tod von den Beteiligten schnell akzeptiert wird – weil sie sich schon wieder anderen Neuigkeiten ausgesetzt sehen und sich vor allem der Ehemann bei seinen vergeblichen Bemühungen, sich aus dem Netz der Indizien zu befreien, nur noch weiter darin verheddert. Großen Raum nimmt das Verwirrspiel um die ominöse Familie Antrobus ein. Deren Rolle im Geschehen sorgt beim Zuschauer für völlige Ratlosigkeit und außerdem für den zweiten, abermals außerordentlich wirkungsvollen Leichenfund.

Guys Freunde erweisen sich derweil als hedonistische oder gar verlogene Egoisten: Insbesondere den beiden männlichen Darstellern Erik Schumann und Hubert Suschka gelingt es vorzüglich, Verdacht auf sich zu lenken und sich damit als Täter förmlich anzubieten, während Hanne Wieders Spitzzüngigkeit für manche Momente des hintersinnigen Schmunzelns sorgt. Im kleinen Auftritt von Christine Uhde in der Rolle der verängstigt-desorientierten Mary Antrobus zeigt sch zudem einmal mehr, dass die Durbridge-Reihe auch von den Auftritten sonst eher unbekannter Schauspieler lebt, die in ihren markanten Rollen den Ruhm des Scheinwerferlichts zwar nur kurz genießen durften, den Mehrteilern jedoch jeweils eine ganz besondere Note hinzufügten (vgl. auch Esther Queil in „Der Andere“ und ein Stückweit auch Ingrid Ernest in „Der Fall Salinger“).

Gubanov Offline




Beiträge: 15.496

18.02.2018 20:45
#53 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Melissa (Teil 3)

Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Erik Schumann (Don Page), Claudia Gerstäcker (Carol Stewart), E.O. Fuhrmann (George Antrobus) u.a. Erstsendung: 14. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Melissa (Teil 3)
Bei einer Befragung in Elvingdale stellt sich heraus, dass der Mann, der sich Guy gegenüber als Vater von Mary Antrobus ausgab, ein Betrüger war. Zudem stößt Inspector Cameron auf zwei erhellende Hinweise: auf Marys Rauschgiftsucht und den Umstand, dass Melissa ihr Geld mit einer Reihe von Erpressungen verdient hatte, die sie gemeinsam mit einem gewissen Mr. Smith beging. Mr. Smith ist auch Melissas Mörder – nur wer steckt hinter dem Pseudonym? Erst im letzten Moment und mithilfe eines Tricks, der mit einem kompromittierenden Tonband zusammenhängt, gelingt es Cameron und Guy Foster, den Schuldigen zu entlarven ...

Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 195
Als ich mich vom Fenster abwendete, spürte ich plötzlich, dass noch jemand im dunklen Wohnzimmer sein müsse. Ich konnte nichts sehen und nichts hören, aber ich fühlte die fremde Anwesenheit. Behutsam begann ich, mich der Lampe auf meinem Schreibtisch zu nähern. Die langen Fenstervorhänge neben dem Schreibtisch raschelten an meiner Schulter, als ich mich etwas vornüberbeugte, um die Lampe anzuknipsen. Die Mündung eines Revolvers wurde mir, irgendwie gemildert durch die Vorhänge, auf das Rückgrat gedrückt, und eine wispernde Stimme warnte: „Kein Licht!“


Die Überführung des Mörders findet zwar sowohl in Durbridges Buch als auch im Mehrteiler in Guys und Melissas Wohnung statt, allerdings verzichtete May auf das spannungsfördernde Dunkel und ließ Mr. Smith erst ganz am Ende zu seiner Waffe greifen. So schön sich die Szene im Roman liest, so überzeugend fällt aber auch die etwas bodenständigere Filmvariante aus, die vielmehr ein offenes Duell zwischen Foster und dem Killer zelebriert. Im Vergleich zu Mehrteilern, deren überraschende Twists dermaßen aus dem Ruder laufen, dass eine logische Erklärung nur mehr schwer zu liefern ist, greifen die Puzzlestücke in „Melissa“ ganz natürlich, ja geradezu wie von selbst ineinander; der Fall verfügt nicht nur über eine reizvolle Ausgangslage und kontinuierliche Spannungssteigerung, sondern auch über einen runden Schluss. Zwar wird nicht alles explizit aufgeklärt, die Hinweise zur Art der Beteiligung der einzelnen Charaktere geben jedoch genug Aufschluss, um sich Details denken zu können. Obgleich fast allen Handlungsträgern eine mehr oder minder unrühmliche Rolle zugedacht wird, fabrizierte Durbridge hier kein so ununterscheidbares Gaunergemisch wie etwa in „Die Schlüssel“.

Während sich die Schlinge um den Hals von Mr. Smith mehr und mehr zuzieht, formen Günther Stoll und Siegfried Wischnewski ein unwahrscheinliches und sympathisches Duo. Der Inspector, der sich zunächst bedrohlich an die Fersen des verlegenen Verdächtigen geheftet hatte, ist mittlerweile vollauf von dessen Unschuld überzeugt und geht nach den diversen Prüfungen, die Guy über sich ergehen lassen musste, schon geradezu freundschaftlich mit ihm um. Cameron erhält einen Schlüssel zur Foster’schen Wohnung und macht es sich mit einem Tonbandgerät in der Küche gemütlich, als sei sie sein eigenes Zuhause. Wischnewski verbindet in diesen Szenen einen schnodderigen Charme mit der vertrauenerweckenden Gewissheit, dass sich alles zum Guten wenden wird.

Denkt man am Ende des dritten Teils noch einmal an die erste Szene von „Melissa“ zurück, so wird man erstaunt rekapitulieren, von welchen verborgenen Sünden scheinbar solide Ehen im Krimikosmos von Francis Durbridge zerfressen sein können. Waren die Täter in anderen Mehrteilern zumeist alleinstehende Einzelgänger, so wird hier deutlich, dass verbrecherische Fassaden bis in die privatesten Beziehungen hinein aufrecht erhalten werden müssen. „Melissa“ ist ein Krimimehrteiler mit einer ganz eigenen, morbiden Faszination, der immer wieder zu munteren Kombinationen und damit auch als Aushängeschild der damaligen Straßenfeger-Reihe taugt.

Ruth Maria Kubitscheks Titelfigur ist ein schillerndes Mordopfer, um dessen Ableben Francis Durbridge außerordentlich raffinierte Überraschungen strickte. Dem gehörnten Gatten verleiht Günther Stoll ein glaubwürdiges Gesicht – für ihn war der Auftritt in diesem TV-Großereignis der prägende Karrieremoment. Unterstützt von einer passgenauen Besetzung und einem Regisseur, der nach seiner Fingerübung im Jahr zuvor den Charme von Durbridge-Krimis nun vollends durchschaut hatte, begleitet ein gespanntes Publikum Guy Foster auf seiner Wahrheitssuche im Stile Davids gegen Goliath. 5 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

25.02.2018 20:20
#54 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten



Nachbetrachtungen zu "Melissa"

* Darsteller: GÜNTHER STOLL leiht dem zurückhaltenden Guy Foster sein unprätentiöses Gesicht und interpretiert die Rolle des gebeutelten Witwers einfühlsam und glaubhaft. Nie wieder wird es dem Schauspieler innerhalb seiner Karriere gelingen, für eine seiner dargestellten Figuren so viel Sympathie vom Publikum zu erhalten. SIEGFRIED WISCHNEWSKI obliegt als Ermittler die Aufgabe, zu klären, wer Melissa Foster getötet hat und schlägt sich dabei relativ rasch auf die Seite des Hauptverdächtigen. Sein stark ausgeprägtes Feingefühl nimmt auch Zwischenbemerkungen und Nuancen wahr. Seine große Menschenkenntnis und sein Mut, unkonventionelle Wege zu gehen sind der stärkste Trumpf, den Guy Foster neben seiner Unschuld in der Hand hält. Wie weiland in "Casablanca" sieht man hier zwischen den Männern den Beginn einer großen Freundschaft. RUTH MARIA KUBITSCHEK erfreut sich einer illustren Galarolle, die ihr einen Vorsprung gibt, der bis in den letzten Teil des Kriminalspiels nachhallt. Eleganz, Lebensfreude und eine gute Portion Kaltblütigkeit drängen den schmächtigen Günther Stoll mit Leichtigkeit an die Wand. Ein Glück für ihn, dass sie bald schon von der Bildfläche verschwindet. HANNE WIEDER als Paula bietet sich förmlich an, diese Lücke zu füllen, weiß sie doch, wie man den schüchternen Guy um den Finger wickelt. Sie verkörpert Genuss und Lebenskunst, die sie auf Partys und im kleinen Kreis zelebriert, dabei jedoch nach Handfestem (Essen, Trinken, Schlagfertigkeit) und weniger nach intellektuellem Geist verlangt. Der laute und ordinäre HUBERT SUSCHKA als Ehegespons Felix Hepburn steht für präpotente Selbstüberschätzung und fügt sich glänzend in die oberflächliche Umgebung Melissas ein. ALBERT BESSLER als verkniffener Nervenarzt Dr. Swanson lauert hinter seiner steifen Fassade auf die seelischen Abgründe seiner Patienten, bei denen es sich hauptsächlich um sexuelle oder narkotische Abhängigkeiten handelt. KATINKA HOFFMANN stellt die personifizierte Unnahbarkeit dar; eine Göttin, die von ihrem Arbeitgeber aufs Podest gehoben wurde. ERIK SCHUMANN als Luftikus mit gesellschaftlichen Verpflichtungen genießt als Rennfahrer a.D. den Ru(h)m seiner Vergangenheit, von der er auch in der Gegenwart noch gut leben kann. DIETRICH THOMS marschiert glaubwürdig als polternder George Antrobus durch Guys Wohnzimmer und schöpft dabei aus seinen physischen Vorgaben. Immer schon ein Problem hatte ich mit dem echten Antrobus: E.O. FUHRMANN, der als maliziöser Sekretär Malone ("Pater Brown") in Ordnung geht, an der Zapfsäule der Tankstelle jedoch ebenso abwesend wirkt wie CHRISTINE UHDE. Ihre geheimnisvolle Mary wandert ebenfalls auf dem schmalen Grat zwischen Overacting und Understatement und wirft einen Schatten an die Wand, der das Dorf Elvingdale zu einem Kuriositätenkabinett werden lässt. Der selbstverliebte ULRICH BEIGER schwingt den Friseurkamm mit Verve und verpasst so mancher dumpfen Landpomeranze einen ordentlichen Haarschnitt. WOLFGANG PEAU als kleiner Peter macht einen vielversprechenden Eindruck und verleiht seiner Kinderrolle einen hintergründigen Charme. CLAUDIA GERSTÄCKER beherrscht ihre Emotionen je nach Auftraggeber und sonnt sich in ihrem eigenen Verständnis von Talent. Man mag sie furchtbar finden, doch nach mehrmaliger Sichtung beweist sie ihre Bedeutung als wichtiger Mosaikstein in Guys aus den Fugen geratener Welt. WOLFF LINDNER als Sergeant Gibbs ist der zuverlässige Kriminalassistent und zeichnet einen Beamten, dem joviales und anbiederndes Verhalten ebenso fremd sind wie unangebrachte Späße. Eine Wohltat nach all den zweitrangigen Assistentenfiguren! HANS SCHELLBACH fügt sich angenehm in Inspektor Camerons Arbeitskreis.

* Drehbuch: Francis Durbridge war es sehr wichtig, sein Publikum zu unterhalten. Die Mehrteiler-Struktur der Kriminalspiele ermöglichte es, durch geschickt angebrachte Cliffhanger dramatische Entwicklungen heraufzubeschwören und den Zuschauer immer wieder zu verblüffen. Solche dosierten Schocks gibt es in "Melissa" zuhauf: Verwechslungen, falsche Identitäten, Lügen, Mordanschläge und Morde, sowie eine Auswahl der sieben Todsünden. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass "Melissa" einer jener Straßenfeger ist, in denen alle Rätsel am Ende fast lückenlos aufgeklärt werden. Zwei Fragen bleiben jedoch auch nach wiederholtem Sehen im Raum: Warum überprüft Inspektor Cameron den Wert des Schmuckes, den die tote Melissa Foster trug? Um einen Raubmord ausschließen zu können? Um die finanziellen Vermögensverhältnisse des Ehepaars besser einschätzen zu können? Zudem besitzt Melissa einen Schuldschein von Felix Hepburn. Dieser fordert ihn bald nach dem Mord zurück und wundert sich, "dass einer von euch so viel Geld hat". Er hätte doch wissen müssen, dass Melissa angeblich gespielt hat, wenn bereits Don Page davon zu berichten wusste.

* Musik: Peter Thomas lässt seine Titelmusik aus "Die Schlüssel" zu neuen Ehren kommen und wirft dieses akustische Gewicht in die Waagschale, dass es nur so kracht. Überaus schmeichelhaft schleicht sich "Melissas Melodie" in das Ohr des Publikums und suggeriert die Anwesenheit einer Frau, die man nie richtig kennenlernen durfte.

* Ton: Die Bedeutung des Tons zeigt sich in vielen Szenen, die wortlos ablaufen und nahendes Unheil verheißen. Der alleinstehende Guy benötigt akustische Begleiter, um sein Leben nicht zum Stummfilm verkommen zu lassen und hier setzt "Melissa" perfekt ausbalancierte Akzente.

* Kamera: Die Kamera ist nicht nur der ständige Begleiter von Guy Foster, sie scheint ihn auch zu beschützen und vor der Unbill seiner Umgebung abzuschirmen. Viele Szenen sieht man durch seine Augen und erlebt den Schrecken aus seiner Perspektive. Die Autofahrt zum Cottage und die anfängliche Suche nach der Villa von Walter Voss sind hier Paradebeispiele für ein aktives Miterleben.

* Kostüme: Dela Duhm gelingt es, die Darsteller stilvoll und charakteristisch einzukleiden. Die Kostüme untermalen die Eigenheiten der Personen sehr gelungen und haben einen hohen Wiedererkennungseffekt. Während die Damen Kubitschek und Wieder mit "reiferen" Ensembles eingedeckt werden, zeigt sich im raffiniert geschnittenen Hosenanzug von Hoffmann, dass Duhm auch die Trends der Jugend kennt.

* Szenenbild: Alfons Windau zaubert Wohnnischen, die einladend und aussagekräftig sind. Ob es sich nun um die Wohnung der Fosters, das mondäne Anwesen von Don Page, das Apartment von Joyce Dean oder das verlassene Cottage handelt - alle Interieurs zeugen von geschmackvoller, individueller Ausstattung und hoher Identifikation. Windaus Gespür für Details untermalt die Charaktere der Personen in höchstem Maße.

* Regie: Paul Mays Zeit der Fingerübungen ("Die Schlüssel") ist vorbei: Nun trumpft er auf und sorgt dafür, dass jede Figur auf ihrem Platz das leistet, was zum Gelingen des Dreiteilers nötig ist. Die handelnden Personen halten sich sehr nah an die Vorgaben und man merkt, wie gut eine straffe Regie gerade introvertierten Schauspielern wie Günther Stoll tut. May entlockt ihm Nuancen, die in Stolls späterer Karriere oftmals unter Verschluss bleiben.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.496

25.02.2018 20:43
#55 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Eine großartige Analyse, der man die Begeisterung für "Melissa" anmerkt. Der Kontrast zu "Die Schlüssel", die lediglich gut, aber in keiner Weise besonders sind, wird ganz klar deutlich. Es würde mich sehr freuen, wenn weitere lesenswerte Durbridge-"Nachbetrachtungen" folgen würden.

patrick Offline




Beiträge: 2.936

25.03.2018 13:34
#56 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Melissa (1965)



Regie: Paul May

Produktion: BRD, 1965

Mit: Günther Stoll, Siegfried Wischnewski, Ruth Maria Kubitschek, Hanne Wieder, Hubert Suschka, Erik Schumann, Albert Bessler, Katinka Hoffmann, Christine Uhde, Claudia Gerstäcker,
Franz Schneider, Ulrich Beiger, E. O. Fuhrmann, Dietrich Thoms, Hans Schellbach, Günter Lamprecht


Handlung:

Der erfolgslose Schriftsteller Guy Foster ist mit der lebenslustigen Melissa verheiratet. Als diese eines Abends mit Freunden eine Party besucht, klemmt ihr Gatte ab und zieht es vor, an einem Buch zu arbeiten. Mitten in der Nacht erhält er einen Anruf von Melissa, die ihn eindringlich darum bittet, unbedingt zu einer von ihr angegebenen Adresse zu kommen. Sie habe einen interessanten Verleger kennen gelernt, der für Guy von Nutzen sein könnte. Er macht sich daher auf, kann aber die Adresse nicht finden. Dafür kreuzt sich sein Weg mit einem Polizeieinsatz in Zusammenhang mit einem Mordfall. Die Leiche ist Melissa. Zu allem Überdruss stellen sich sämtliche Indizien gegen ihn, sodass er nun als Hauptverdächtiger dasteht. Damit nicht genug, beteuert ein bekannter Nervenarzt, den Guy nicht einmal kennt, er wäre einer von seinen Patienten...


Anmerkungen:

Nachdem Melissa erst mein zweites Durbridge-Erlebnis ist, komme ich nicht umhin, die Mini-Serie mit dem "Halstuch" zu vergleichen, da vom Aufbau her gewisse Parallelen und Nachahmungstendenzen unverkennbar sind. Diesem Vergleich hält der Dreiteiler leider nicht stand. In erster Linie die Besetzung, aber auch die Handlung selber kommen deutlich bescheidener daher. Günter Stoll wirkt zu Beginn naiv und profillos, versteht es aber, seinen Charakter im Laufe der Geschichte wachsen zu lassen, sodass ich seine Performance unter dem Strich als recht annehmbar, wenn auch nicht wirklich schillernd, akzeptieren kann. Am wenigsten gefiel mir seine völlig emotionslose Reaktion, als er die Leiche seiner Frau erblickt: "Ist Ihnen die Tote bekannt?" - "Das ist meine Frau" - Punkt. Sein langweiliger und apathischer Einstieg lassen böses erahnen. Später findet er sich dann aber mehr und mehr in seiner wenig beneidenswerte Situation zurecht und zeigt eine gewisse Schlauheit und Abgebrühtheit, die Kampfgeist und Wehrhaftigkeit gegenüber jenen stärkt, die ihm übel mitspielen. Dies macht ihn bald wesentlich genießbarer oder - aus Sicht der Intriganten - ungenießbarer. Auch Siegfried Wischnewski beeindruckt als etwas rustikaler aber liebenswerter Ermittler mit Instinkt und Feingefühl, bei dem der aus dem Gleichgewicht geratene Guy Foster erfolgreich Schutz und Zuflucht sucht. Hinter den besonderen Charme und die eleganten Dialoge, durch welche Heinz Drache vier Jahre zuvor wesentlich zum Erfolg des "Halstuchs" beigetragen hat, fällt er allerdings immer noch deutlich zurück. Albert Bessler wirkt als Nervenarzt cool und souverän aber auch sehr glatt, sodass er kaum eine saubere Weste haben kann. Leider hat es sich damit auch schon auf der darstellerischen Haben-Seite, denn der Rest der Besetzungsliste ist keine großartige Erwähnung mehr wert. Die Hepburns sind unsypathisch und nervig besetzt. Die seelische Verfassung des echten George Antrobus wirkt nach dem Verlust seiner Tochter gleichgültig und weggetreten. So hätte die Rolle wohl jeder Laie spielen können. Claudia Gerstäcker ist zwar ein optischer Blickfang, überspannt aber den Bogen zu sehr in Richtung Dämlichkeit. Katinka Hoffman ist als Prototyp der kühlen nordischen Blondine ebenfalls eine Augenweide, agiert aber zu zugeknöpft um besonders zu beeindrucken, was freilich auch am Drehbuch liegt. Ihre lesbischen Tendenzen werden nur sehr versteckt angedeutet.

Die Entlarvung des Täters ist weder im Übermaß überraschend noch eindrucksvoll. Außerdem handelt es sich um eine Person, die als Antipathie-Träger mit fehlender Ausstrahlung kaum mehr zu überbieten ist - Ich hoffe den noch nicht Melissa-Kundigen damit nicht zuviel verraten zu haben. Vermutlich werden mir hier viele meine kritischen Ansichten der Besetzung gegenüber übel nehmen. Die Liste der Schauspieler ist mir zugegebenermaßen mit Ausnahme der Wallace-Darsteller, aber auch Ruth Maria Kubitschek und Erik Schumann (aus Old Surehand), nicht wirklich vertraut. Allerdings erlaubt mir gerade dies ein unvoreingenommenes Auge. Teilweise resultiert meine verhaltene Begeisterung für viele der Protagonisten vielleicht auch aus dem Umstand, dass sie in meiner bevorzugten Kinolandschaft jener Tage nicht in Erscheinung getreten sind. Davon einmal abgesehen nimmt mein Eindruck hier, von den angesprochenen Ausnahmen einmal abgesehen, deutlich weniger schauspielerische Substanz war als beim Halstuch.

Peter Thomas hochgelobte Melissa-Melodie ist absolut nicht mein Fall, auch wenn ich ihr eine gewisse musikalische Qualität bereitwillig einräume.

Fazit:


Zu sehr an das Erfolgsrezept des Halstuchs angelehnter Durbridge-Mehrteiler, der das bekannte Strickmuster deutlich ausreizt. Den mit hinterlistiger krimineller Energie aufgebauten Sündenbock, welcher moralische Unterstützung durch einen unbeirrbaren Ermittler erhält, der über das be-scheuklappte 08/15-Beamtentum weit hinauswächst, hatten wir schon in einer deutlich besseren Verfilmung. Trotzdem bewahrt ein gewisser Unterhaltunswert vor dem Gefühl, seine Zeit vergeudet zu haben und lässt auch in meinen kritischen Augen leicht überdurchschnittliche 3,5 von 5 Punkten als gerechtfertigt erscheinen. Von einer wiederholten Sichtung werde ich aber eher Abstand nehmen.

Jan Offline




Beiträge: 1.330

25.03.2018 23:53
#57 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Ich gehöre ja auch eher zu den Melissa-Kritikern, die nicht wirklich begeistert sind ob der Machart und vor allem auch aufgrund der ausgewählten Darsteller. Den Punkt des Nachahmens indes sehe ich dann etwas anders. Es gehörte zu Durbridges bevorzugten Spielarten, die Hauptperson zu belasten und dann den Ermittler langsam aber sicher hinter die falschen Fährten kommen zu lassen. Mal nahm Durbridge dabei den Zuschauer von Anbeginn an mit, mal ließ er ihn lange im Dunkeln tappen. Letztlich findet sich dieses Strickmuster bereits in Der Andere, dann im Halstuch, in Tim Frazer ein wenig, in Harry Brent recht deutlich. Häufig entschied sich Durbridge dazu, diese Dramaturgie konsequent aus dem Blickwinkel einer der beiden Parteien zu entwickeln - so in Melissa aus der Position Guy Fosters heraus. Bisweilen schwankte er dabei aber auch hin und her, wie beispielsweis in Der Andere. Letztlich würde ich sogar sagen, dass gerade das Zusammenspiel zwischen dem großen Verdächtigen Günther Stoll und dem zunächst zweifelnden und dann unterstützenden Siegfried Wischnewski zu den absoluten Pluspunkten von Melissa zählt und sich diese Entwicklung über drei Teile hinweg auch in der Gesamtschau aller "ARD-Mehrteiler" keineswegs verstecken muss. Im Wesentlichen liegt dies an dem hervorragend getakteten Schauspiel Wischnewskis. Darüber hinaus indes könnte ich dann doch eine ganze Reihe von Punkten aufzählen, die in nahezu allen weiteren Durbridges vor und nach Melissa treffsicherer geglückt sind. Aber das ist ein anderes Thema.

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 2.936

28.03.2018 21:56
#58 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Nun ja, ich bin wie schon erwähnt (noch) alles andere als ein Durbridge-Experte. Mir war bisher nur das Halstuch bekannt und mittlerweile auch die Schlüssel. Bei Melissa wirken die Schauspieler auf mich am relativ schwächsten. Das hat sicher auch einiges mit den recht präsenten Hepburns zu tun, für die ich vom Fleck weg eine Antipathie hegte, aber sicher nicht nur. Richtig starke überzeugende Charaktere gehen mir da, abgesehen von den in meinem Bericht positiv hervorgehobenen, einfach ab. Melissa erinnert mich vom Aufbau her sehr stark an das Halstuch, die Schlüssel dagegen überhaupt nicht. Zu letzteren werde ich mich dann äußern, wenn ich wieder mal Zeit zum Schreiben finde.

@Jan welches sind eigentlich deine Durbridge-Favoriten, wenn ich mal so fragen darf?

Jan Offline




Beiträge: 1.330

28.03.2018 22:40
#59 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #58

Das hat sicher auch einiges mit den recht präsenten Hepburns zu tun, für die ich vom Fleck weg eine Antipathie hegte, aber sicher nicht nur.


Beiden Darstellern - Hanne Wieder und Hubert Suschka - kann ich für sich genommen recht viel abgewinnen, jedoch hätte ich beide hier nie so besetzt. Vor allem Suschka ist zu einschlägig und zu vorbelastet vom Rollenfach her. Das mag seinerzeit etwas weniger dramatisch gewesen sein, weil er kaum so präsent war, wie er heute z.B. für mich ist. Dennoch wäre es angeraten gewesen, hier sensibler vorzugehen. Das alles ist aber nichts gegen den Totalausfall Erik Schumann. Kurzatmig japsend und mit Glitzerjacket turnt er als Partylöwe in einem italienischen Sportwagen durch bundesdeutsche Drehorte mit Jägerzaun und fein drappiertem Vorgarten. Schumann verströmt das Flair eines völligen Trottels, kaum einer Erwähnung wert im Hinblick auf das Rätselraten um den großen Hintermann.


Zitat von patrick im Beitrag #58

@Jan welches sind eigentlich deine Durbridge-Favoriten, wenn ich mal so fragen darf?

Das ist bei mir erheblich volatiler als beispielsweise bei der Wallace-Reihe. Nicht zuletzt liegt es daran, dass alle ARD-Durbridges zwischen 1959 und 1977 ihre Stärken haben; die einen mehr, die anderen etwas weniger. Genau genommen ist auch "Melissa" alles andere als ein Flop - gegenüber besonders starken Beiträgen wie "Das Messer", "Wie ein Blitz", "Ein Mann namens Harry Brent" bzw. den beiden "Frazer"-Mehrteilern aber bei mir eher im Hintertreffen. Am wenigsten kann ich mit "Es ist soweit" und letztlich leider eben auch mit "Melissa" anfangen. Gepresst in das bekannte Punkteschema liegen aber selbst diese bei rund 3 bis 3,5 Punkten. Insofern alles noch im Rahmen. Müsste ich mich ad hoc entscheiden, würde entweder "Das Messer" oder "Wie ein Blitz" das Rennen machen!

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.058

28.03.2018 23:10
#60 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

@patrick: Wenn dir bei Durbridge mitunter die bekannten Gesichter aus dem Kino der 1960er-Jahre fehlen, wären die Straßenfeger von Herbert Reinecker ("Der Tod läuft hinterher", "Babeck" und "11 Uhr 20") vielleicht eine Alternative. Hier tummeln sich Wallace-Darsteller und andere bekannte Akteure aus dem Kino der Zeit. Action und Spannung sind zudem etwas vordergründiger, die Inszenierung "cineastischer". Alle drei Mehrteiler gibt es in einer Box.

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