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Dieses Thema hat 52 Antworten
und wurde 5.816 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
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Georg Offline




Beiträge: 2.834

02.10.2016 17:55
#46 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Zitat von Markus im Beitrag #45
Zitat von Georg im Beitrag #1


[quote=Markus|p7351363]Bei Youtube ist gerade eine italienische Version zu sehen, die auf 1966 datiert ist:
http://www.youtube.com/watch?v=qB7aQiU-mqs


@Georg: Hast du diese Version mal verglichen?
Ja, natürlich, schon lange, und auch alle anderen ausländischen (frz., ital., poln., schwed., engl.) Durbridge-Adaptionen, mir fehlen jetzt nur noch zwei polnische, dann kenne ich alle Versionen in allen Sprachen. Ich mache diesbzgl. aber keine Updates mehr auf der Homepage, weil das alles mal in einem Buch über Durbridge nachzulesen sein wird. :-)

Georg Offline




Beiträge: 2.834

04.08.2017 16:09
#47 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

... ich weiß jetzt gar nicht, ob ich das schon mal irgendwo erwähnt hatte, aber nach dem Rollenangebot für TIM FRAZER war Hansjörg Felmy erneut für einen Durbridge vorgesehen und zwar für Guy Foster in MELISSA. Er sagte jedoch erneut ab, weil er dem Medium TV nicht traute.

Jan Offline




Beiträge: 1.248

04.08.2017 17:23
#48 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Felmy wäre m.E. eine starke Besetzung gewesen für Mark Foster. Als Held zuvor nicht wirklich uferlos angepriesen, oftmals als gebrochener und/oder gescheiterter Charakter überzeugend in Erscheinung getreten wie beispielsweise in den Buddenbrooks oder auch im Henker. Schade, dass es nicht so kam, wenngleich er in Günther Stoll sicher auch einen akzeptablen Ersatz fand. Bedauerlich, dass er dem Medium Fernsehen erst gute acht Jahre später traute.

Gruß
Jan

Giacco Offline



Beiträge: 1.497

04.08.2017 21:42
#49 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #48
Bedauerlich, dass er dem Medium Fernsehen erst gute acht Jahre später traute.



Seine erste Fernsehrolle spielte Felmy ja bereits 1966, als er die Hauptrolle im Mehrteiler "Flucht ohne Ausweg" übernahm, der Anfang 1967 ausgestrahlt wurde. Auschlaggebend war wohl nicht zuletzt, dass sein Freund Franz Peter Wirth Regie führte. Außerdem soll er sich wie folgt geäußert haben:"Diese Geschichte stimmt einfach in allen Details. Deshalb habe ich zugesagt."

schwarzseher Offline



Beiträge: 364

05.08.2017 11:40
#50 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Es freut mich das Felmy hier recht positiv besprochen wird.Er kommt mir meistens sehr unterschätzt ( in den Kritiken )vor ?
Sicher zum Einen weil er nicht unbedingt das Sunnyboy /Strahlemann Image bedient hat. Als ich den Henker zum erstenmal sah war mein erster Gedanke .......endlich mal eine Story ohne den obligatorischen Hand in Hand "Ritt in den Sonnenuntergang" Schluss.( OK.. bei Karl May war es schon klasse )
Was ich sagen will.....ich hätte ihn mir in einigen Rollen gut vorstellen können und den Haferkamp hätte er ruhig noch einige Folgen mehr spielen können.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.094

16.02.2018 18:00
#51 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten

Auf zu Durbridges wohl faszinierendstem Stoff:



Francis Durbridge: Melissa (Teil 1)

Teil 1 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Ruth Maria Kubitschek (Melissa Foster), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Erik Schumann (Don Page), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Ulrich Beiger (Mr. Duncan) u.a. Erstsendung: 10. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Melissa (Teil 1)
Eigentlich sollte es ein vergnüglicher Abend für das Ehepaar Foster auf der Geburtstagsfeier des befreundeten Rennfahrers Don Page werden. Doch Guy Foster scheut die Party und schickt seine Frau Melissa allein hin. Sie stirbt noch in dieser Nacht an den Händen eines Würgers. Der Gatte gerät rasch unter Verdacht: Die Handschuhe, die Don geschenkt bekommen sollte und die Melissas Mörder bei der Tat trug, verschwanden quasi unter Guys Augen aus der Foster’schen Wohnung. Ein Nervenarzt behauptet zudem, ihn untersucht zu haben, weil Melissa um seine geistige Gesundheit besorgt gewesen sei. Zu allem Überfluss stellt sich die Tote plötzlich als reiche Frau mit einer geheimnisvollen Liebschaft heraus. Welches Geheimnis hütete Melissa Foster?

Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 14
Über die Böschung herab kamen vorsichtig zwei Männer, mit einer Trage zwischen sich. Auf der Trage lag eine zugedeckte Gestalt. Auf einen Wink des Inspectors blieben die Männer mit der Trage bei uns stehen. Er beugte sich etwas herab und hob behutsam das Ende der Decke, das den Kopf verhüllte. [...] Die Welt schien sich plötzlich in einem langsamen, Übelkeit erregenden Halbkreis um mich zu drehen. Ich nahm nicht mehr wahr, wie sie Melissa in den Ambulanzwagen schoben.


In keinem anderen Durbridge-Mehrteiler bewegt den Zuschauer das Schicksal der Protagonisten so stark wie in „Melissa“: Die titelgebende Frau wird mit geschickten Kunstgriffen zu einem widersprüchlichen Faszinosum ausgebaut. Ihr rascher Tod verkehrt das Bild, das man sich von der anfangs so heiter erscheinenden Melissa Foster machte, in sein Gegenteil. Dem Mann, der zunächst als mürrischer Spielverderber auftritt, geht es derweil so übel an den Kragen, dass man unweigerlich für ihn eingenommen wird. Der Mord an der geliebten Ehefrau wiegt für Guy Foster ebenso schwer wie der plötzliche Kontrollverlust über die eigene Glaubwürdigkeit, Reputation und sogar Gesundheit. Ist der arbeitslose Reporter tatsächlich ein psychisch angeschlagener Mörder? Oder wird ihm nur mit einem weitreichenden Komplott böse mitgespielt? Der Name Durbridge garantiert natürlich geradezu für Letzteres. Ruth Maria Kubitschek und Günther Stoll verkörpern die beiden Hauptrollen im Zwielicht absolut überzeugend. Für Stoll war „Melissa“ der Durchbruch, der ihm bald darauf auch – wie Heinz Drache – zu seiner ersten Rialto-Wallace-Hauptrolle verhalf. Der Schauspieler ist vor allem deshalb eine treffliche Besetzung, weil er die Grauschattierungen, die für einen Charakter wie Guy Foster erforderlich sind, typgerecht umsetzen konnte.

Die allermeisten Szenen werden demnach wie auch im 1967 erschienenen Roman aus Guys Sicht erzählt. Die starke Konzentration auf den Hauptdarsteller bügelt die Mittelpunktslosigkeit des Vorgänger-Krimis „Die Schlüssel“ aus – man hatte aus dem etwas oberflächlichen Dreiteiler also kluge Lehren gezogen. Dies führte dazu, dass „Melissa“ nach mehreren Jahren, in denen die Presse sehr kritisch mit Durbridge umging, endlich wieder an „Halstuch“-Popularität anknüpfen konnte. Die Hindernisse, die Guy Foster in den Weg gelegt werden, halten den Zuschauer zum immer aufmerksameren Sehen an – kontinuierlich steigerten sich die Einschaltquoten von Teil 1 bis 3 von 72 auf 89 Prozent. Zur dichten Atmosphäre und zur Legendenbildung um Melissa trägt nicht unwesentlich die Musik von Peter Thomas bei, der der Titelfigur eine eigene Kennmelodie spendierte. Diese – das markanteste Musikstück des Mehrteilers –, aus deren Tonfolge und Instrumentierung Wehmut und unausgesprochene Geheimnisse sprechen, schaffte es in seiner achtwöchigen Präsenz in den deutschen Charts bis auf Listenplatz 4 und wurde damit zu Thomas’ erfolgreichstem Hit überhaupt. Durbridge beschrieb Melissas Melodie im Roman als „seltsam subtil und allzu vertraut“.

Die Krimihandlung profitiert von den immensen Verdachtsmomenten, die sich gegen Guy Foster auftürmen, ebenso wie von der Unsicherheit, welche sich aus dem Wissen ergibt, dass die Drahtzieher des Mordes jederzeit Zugang zur Foster-Wohnung haben. Auch die Indizien – die Handschuhe, die verschwundene Hutschachtel, der Schuldschein und der (zu) wertvolle Schmuck in Melissas Besitz – verbreiten angenehme Rätselstimmung. Aus den weiteren Rollen sind in Teil 1 vor allem Siegfried Wischnewski als hartnäckiger Inspector Cameron und Albert Bessler als bösartiger Arzt hervorzuheben. May setzte die Szenen in Besslers Büro mit sinistrer Ausleuchtung, geschickten Kameraperspektiven und einer gummigepolsterten Tür ohne Klinke geradezu unheimlich in Szene – ein Unterfangen, das der kauzige Schauspieler natürlich bestens mit seiner maliziösen Präsenz zu stützen verstand. Aber auch seine Sprechstundenhilfe, gespielt von Katinka Hoffmann, hinterlässt den Eindruck berechnender Kaltblütigkeit.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.094

17.02.2018 21:15
#52 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Melissa (Teil 2)

Teil 2 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Erik Schumann (Don Page), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Christine Uhde (Mary Antrobus), Dietrich Thoms („George Antrobus“) u.a. Erstsendung: 12. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Melissa (Teil 2)
Mittels einer Botschaft ins Dörfchen Elvingdale gelockt, macht Guy Foster dort die verblüffende Bekanntschaft der angeblichen Liebschaft seiner Frau: Es handelt sich um einen zwölfjährigen Jungen! Guy lernt neben Peter Antrobus auch dessen Schwester Mary kennen, die Angst vor ihm hat, weil sie Guy als mutmaßlichen Mörder aus der Zeitung wiedererkennt. Eines Abends glaubt Guy, seinen Ohren nicht zu trauen, denn als das Telefon klingelt, hört er die Stimme der toten Melissa am anderen Ende der Leitung. Er solle unbedingt zum gemeinsamen Cottage fahren. Doch als er am nächsten Morgen dort ankommt, findet Guy nicht Melissa, sondern Mary Antrobus. Sie wurde erwürgt – auf die gleiche Weise wie seine Frau ...

Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 96f
Als ich mich aufrichtete, bemerkte ich, dass die Tür zur Küche offen stand und dass in der Küche die trübe Deckenlampe brannte. Ich ging in die Küche. Einen winzigen Moment später wünschte ich mir, dass ich das nicht getan hätte – wünschte es mir mit all der vergeblichen Intensität, die wir aufbringen, wenn wir verzweifelt um die Gnade beten, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu können. Das Mädchen in dem alten Korbstuhl war tot. Und ich stand da, das entsetzliche Bild anstarrend, anstatt daheim in London friedlich in meinem Bett zu schlummern.


Inspector Cameron begrüßt den Zuschauer zu Beginn des zweiten Teils mit einem Rückblick auf das Geschehen der ersten Folge. Zum ersten Mal waren in „Melissa“ solche erläuternden Zusammenfassungen unmittelbarer Produktionsbestandteil – zuvor waren klärende Worte entweder von den Programmansagerinnen übernommen oder erst bei Ausstrahlungen in späteren Jahrzehnten hinzugefügt worden („Das Halstuch“ und „Die Schlüssel“). Die direkte Ansprache durch eine handelnde Figur verleiht dem „Was bisher geschah“ jedoch eine ganz andere Qualität und sorgt für einen ungemein vergnüglichen Einstieg – zumal Wischnewski seinem Polizisten in der Tradition von Lievens Inspector Hyde eine feine Süffisanz verleiht. Man spürt auch mehr und mehr, dass der kluge Ermittler zu viele Widersprüche in den Spuren gegen Guy Foster entdeckt, um diese für bare Münze zu nehmen und sich völlig auf den gebeutelten Witwer einzuschießen.

Trotz eines überraschenden Anrufs „aus dem Jenseits“ (Melissa lockt Guy am Telefon in das gemeinsame Landhaus) tritt die Präsenz der Kubitschek-Rolle deutlich in den Hintergrund. Es scheint, als sorgten die sich förmlich überschlagenden Ereignisse dafür, dass Melissa Fosters Tod von den Beteiligten schnell akzeptiert wird – weil sie sich schon wieder anderen Neuigkeiten ausgesetzt sehen und sich vor allem der Ehemann bei seinen vergeblichen Bemühungen, sich aus dem Netz der Indizien zu befreien, nur noch weiter darin verheddert. Großen Raum nimmt das Verwirrspiel um die ominöse Familie Antrobus ein. Deren Rolle im Geschehen sorgt beim Zuschauer für völlige Ratlosigkeit und außerdem für den zweiten, abermals außerordentlich wirkungsvollen Leichenfund.

Guys Freunde erweisen sich derweil als hedonistische oder gar verlogene Egoisten: Insbesondere den beiden männlichen Darstellern Erik Schumann und Hubert Suschka gelingt es vorzüglich, Verdacht auf sich zu lenken und sich damit als Täter förmlich anzubieten, während Hanne Wieders Spitzzüngigkeit für manche Momente des hintersinnigen Schmunzelns sorgt. Im kleinen Auftritt von Christine Uhde in der Rolle der verängstigt-desorientierten Mary Antrobus zeigt sch zudem einmal mehr, dass die Durbridge-Reihe auch von den Auftritten sonst eher unbekannter Schauspieler lebt, die in ihren markanten Rollen den Ruhm des Scheinwerferlichts zwar nur kurz genießen durften, den Mehrteilern jedoch jeweils eine ganz besondere Note hinzufügten (vgl. auch Esther Queil in „Der Andere“ und ein Stückweit auch Ingrid Ernest in „Der Fall Salinger“).

Gubanov Offline




Beiträge: 15.094

18.02.2018 20:45
#53 RE: Bewertet TV: "Melissa" (1966, 7) Zitat · antworten



Francis Durbridge: Melissa (Teil 3)

Teil 3 des TV-Kriminalmehrteilers, BRD 1965. Regie: Paul May. Drehbuch: Francis Durbridge. Übersetzung: Marianne de Barde. Mit: Günther Stoll (Guy Foster), Siegfried Wischnewski (Inspector Cameron), Hubert Suschka (Felix Hepburn), Hanne Wieder (Paula Hepburn), Albert Bessler (Dr. Swanson), Katinka Hoffmann (Joyce Dean), Erik Schumann (Don Page), Claudia Gerstäcker (Carol Stewart), E.O. Fuhrmann (George Antrobus) u.a. Erstsendung: 14. Januar 1966. Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks.

Zitat von Melissa (Teil 3)
Bei einer Befragung in Elvingdale stellt sich heraus, dass der Mann, der sich Guy gegenüber als Vater von Mary Antrobus ausgab, ein Betrüger war. Zudem stößt Inspector Cameron auf zwei erhellende Hinweise: auf Marys Rauschgiftsucht und den Umstand, dass Melissa ihr Geld mit einer Reihe von Erpressungen verdient hatte, die sie gemeinsam mit einem gewissen Mr. Smith beging. Mr. Smith ist auch Melissas Mörder – nur wer steckt hinter dem Pseudonym? Erst im letzten Moment und mithilfe eines Tricks, der mit einem kompromittierenden Tonband zusammenhängt, gelingt es Cameron und Guy Foster, den Schuldigen zu entlarven ...

Zitat von Francis Durbridge: Melissa, Aufbau-Verlag, Berlin 2006, S. 195
Als ich mich vom Fenster abwendete, spürte ich plötzlich, dass noch jemand im dunklen Wohnzimmer sein müsse. Ich konnte nichts sehen und nichts hören, aber ich fühlte die fremde Anwesenheit. Behutsam begann ich, mich der Lampe auf meinem Schreibtisch zu nähern. Die langen Fenstervorhänge neben dem Schreibtisch raschelten an meiner Schulter, als ich mich etwas vornüberbeugte, um die Lampe anzuknipsen. Die Mündung eines Revolvers wurde mir, irgendwie gemildert durch die Vorhänge, auf das Rückgrat gedrückt, und eine wispernde Stimme warnte: „Kein Licht!“


Die Überführung des Mörders findet zwar sowohl in Durbridges Buch als auch im Mehrteiler in Guys und Melissas Wohnung statt, allerdings verzichtete May auf das spannungsfördernde Dunkel und ließ Mr. Smith erst ganz am Ende zu seiner Waffe greifen. So schön sich die Szene im Roman liest, so überzeugend fällt aber auch die etwas bodenständigere Filmvariante aus, die vielmehr ein offenes Duell zwischen Foster und dem Killer zelebriert. Im Vergleich zu Mehrteilern, deren überraschende Twists dermaßen aus dem Ruder laufen, dass eine logische Erklärung nur mehr schwer zu liefern ist, greifen die Puzzlestücke in „Melissa“ ganz natürlich, ja geradezu wie von selbst ineinander; der Fall verfügt nicht nur über eine reizvolle Ausgangslage und kontinuierliche Spannungssteigerung, sondern auch über einen runden Schluss. Zwar wird nicht alles explizit aufgeklärt, die Hinweise zur Art der Beteiligung der einzelnen Charaktere geben jedoch genug Aufschluss, um sich Details denken zu können. Obgleich fast allen Handlungsträgern eine mehr oder minder unrühmliche Rolle zugedacht wird, fabrizierte Durbridge hier kein so ununterscheidbares Gaunergemisch wie etwa in „Die Schlüssel“.

Während sich die Schlinge um den Hals von Mr. Smith mehr und mehr zuzieht, formen Günther Stoll und Siegfried Wischnewski ein unwahrscheinliches und sympathisches Duo. Der Inspector, der sich zunächst bedrohlich an die Fersen des verlegenen Verdächtigen geheftet hatte, ist mittlerweile vollauf von dessen Unschuld überzeugt und geht nach den diversen Prüfungen, die Guy über sich ergehen lassen musste, schon geradezu freundschaftlich mit ihm um. Cameron erhält einen Schlüssel zur Foster’schen Wohnung und macht es sich mit einem Tonbandgerät in der Küche gemütlich, als sei sie sein eigenes Zuhause. Wischnewski verbindet in diesen Szenen einen schnodderigen Charme mit der vertrauenerweckenden Gewissheit, dass sich alles zum Guten wenden wird.

Denkt man am Ende des dritten Teils noch einmal an die erste Szene von „Melissa“ zurück, so wird man erstaunt rekapitulieren, von welchen verborgenen Sünden scheinbar solide Ehen im Krimikosmos von Francis Durbridge zerfressen sein können. Waren die Täter in anderen Mehrteilern zumeist alleinstehende Einzelgänger, so wird hier deutlich, dass verbrecherische Fassaden bis in die privatesten Beziehungen hinein aufrecht erhalten werden müssen. „Melissa“ ist ein Krimimehrteiler mit einer ganz eigenen, morbiden Faszination, der immer wieder zu munteren Kombinationen und damit auch als Aushängeschild der damaligen Straßenfeger-Reihe taugt.

Ruth Maria Kubitscheks Titelfigur ist ein schillerndes Mordopfer, um dessen Ableben Francis Durbridge außerordentlich raffinierte Überraschungen strickte. Dem gehörnten Gatten verleiht Günther Stoll ein glaubwürdiges Gesicht – für ihn war der Auftritt in diesem TV-Großereignis der prägende Karrieremoment. Unterstützt von einer passgenauen Besetzung und einem Regisseur, der nach seiner Fingerübung im Jahr zuvor den Charme von Durbridge-Krimis nun vollends durchschaut hatte, begleitet ein gespanntes Publikum Guy Foster auf seiner Wahrheitssuche im Stile Davids gegen Goliath. 5 von 5 Punkten.

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