Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 97 Antworten
und wurde 11.146 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
Count Villain Offline




Beiträge: 4.778

08.11.2024 16:54
#91 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #89
Und was Fremdscham angeht, so ist bei mir die letzte Einstellung des "Gorillas" ungeschlagen.


Über Humor kann man natürlich trefflich streiten. Aber ja, die Farbfilme sind noch einmal ein ganz eigenes Kaliber.

Bogenschütze und Tür empfinde ich wie schon gesagt anders. Man mag die Ansprache ans Publikum albern empfinden, aber der Film nimmt sich auch schon vorher nicht immer ernst und spielt mit der vierten Wand, also alles sogar mehr oder weniger folgerichtig. Und in der Tür fasst Arents Kommentar vor dem Auspusten der Fackel das Geschehen rational gut zusammen (Verbrecher/Verschwörer, die sich gegenseitig ermorden oder durch eigene Schwächen - "Scharlatan" - zu Fall gebracht werden) im Gegensatz zu seinem verschwurbelten Satz im Abt. Wie die Off-Stimme danach wahrgenommen wird, muss natürlich jeder für sich entscheiden.

Zitat von Savini im Beitrag #89
Wenn du das versehentliche Erschießen bereits "menschenverachtend" findest: Was ist dann erst mit der Explosion am Ende "Verrätertors" (auf dem Schiff befinden sich sicher auch genügend Leute, die niemanden auf dem Gewissen haben)?


Das schlägt natürlich in eine ähnliche Kerbe. Ich habe mir auch noch nicht alle Schlussgags angeschaut. Der Gedanke war quasi on the fly von mir formuliert worden. Aber mit der Schiffsbesatzung ist es wahrscheinlich ähnlich wie mit vielen Wachen der Bösewichter in James-Bond-Filmen, wenn der mal wieder einen Hide-Out in die Luft jagt. Das sind natürlich auch nicht alles Mörder gewesen. Aber halt doch irgendwie mit dem Bösen im Bunde. Und so versehentlich kam mir das im 7. Opfer auch nie vor, wenn ich ehrlich bin. Er hebt die Hand mit der Waffe und drückt den Abzug. Zumal dann auch noch ein vollkommen unpassender, trockener Kommentar des Täters erfolgt samt lässigem Pusten des Laufes.

Savini Online



Beiträge: 1.042

10.11.2024 16:49
#92 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #91
Bogenschütze und Tür empfinde ich wie schon gesagt anders. Man mag die Ansprache ans Publikum albern empfinden, aber der Film nimmt sich auch schon vorher nicht immer ernst und spielt mit der vierten Wand, also alles sogar mehr oder weniger folgerichtig. Und in der Tür fasst Arents Kommentar vor dem Auspusten der Fackel das Geschehen rational gut zusammen (Verbrecher/Verschwörer, die sich gegenseitig ermorden oder durch eigene Schwächen - "Scharlatan" - zu Fall gebracht werden) im Gegensatz zu seinem verschwurbelten Satz im Abt. Wie die Off-Stimme danach wahrgenommen wird, muss natürlich jeder für sich entscheiden.

Um ein Missverständnis zu korrigieren: Bei der "Tür" bezog ich mich allein auf das alberne Flüstern aus dem Off, dass vor 2002 anscheinend nie im Fernsehen zu hören war; den vorherigen Kommentar von Arent fand ich sehr treffend, gerade weil sich die Bösewichter in vielen Filmen der Reihe untereinander stark dezimieren, so dass am Ende nur sehr wenige zum Verhaften übrig sind, manchmal auch gar keiner. Das reichte völlig, weshalb der Off-Spruch unnötig war.
Was das Durchbrechen der "vierten Wand" angeht, so könnte man den letzten Satz des Butlers im "Opfer" auch so deuten. Aber mit dem "sich nicht immer ernst nehmen" gibst du mir ein gutes Stichwort: Genau das zeichnet "Das siebente Opfer" aus meiner Sicht innerhalb der BEW-Filme aus. Es wurde ja schon bemerkt, dass diese Reihe teilweise (trotz Sidekick-Figuren) etwas ernster gehalten ist, weil dort z. B. die Ermittler oder jemand aus deren engem Umfeld als Mörder entlarvt werden, die Motive für die Tat etwas heftiger ist (Rache für eine Gruppenvergewaltigung, Ermordung der Schwester durch einen Serientäter) oder die Morde für die damalige Zeit sehr krass dargestellt werden ("Würger"). Das "Opfer" enthält zwar auch Sachen wie das Erschlagen des schreienden Guiseppe, aber der Ton ist hier insgesamt deutlich humorvoller und dadurch näher am Rialto-Stil.
Zitat von Count Villain im Beitrag #91
Aber mit der Schiffsbesatzung ist es wahrscheinlich ähnlich wie mit vielen Wachen der Bösewichter in James-Bond-Filmen, wenn der mal wieder einen Hide-Out in die Luft jagt. Das sind natürlich auch nicht alles Mörder gewesen. Aber halt doch irgendwie mit dem Bösen im Bunde.

Das könnte man auch über "Fantomas gegen Interpol" sagen, der sich stilistisch zwar etwas an den Bond-Filmen orientiert, aber an ein deutlich jüngeres Publikum als diese richtet und wo der Tod diverser Handlanger (durch Kommissar Juve) für einige Lacher sorgen soll.
Zitat von Count Villain im Beitrag #91
Und so versehentlich kam mir das im 7. Opfer auch nie vor, wenn ich ehrlich bin. Er hebt die Hand mit der Waffe und drückt den Abzug. Zumal dann auch noch ein vollkommen unpassender, trockener Kommentar des Täters erfolgt samt lässigem Pusten des Laufes.

Auf mich wirkte es (ähnlich wie beim "Abt" und der "Gruft") so, als hätte der Regisseur/Autor nicht recht gewusst, wie er den Film beenden sollte. Es wäre natürlich interessant, ob der Schluss im ursprünglichen Drehbuch vielleicht anders ausfiel.

Savini Online



Beiträge: 1.042

12.11.2024 14:17
#93 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Angeregt durch die Diskussion habe ich mir den Film nun nach vielen, vielen Jahren wieder komplett angesehen und hätte weitere Anmerkungen zu einigen Punkten:

Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Eine Szene fällt hier besonders aus dem Rahmen. Nielsen und Vogel (erinnere ich richtig?) unterhalten sich vor der Schlosstür, Felmy kommt aus der Tür wie Kai aus der Kiste, geht zielstrebig auf die beiden zu und spielt seinen Text runter. Das ist vom Spiel nicht optimal (Felmy scheint noch bevor die Tür sich öffnet genau zu wissen, wo die beiden Gesprächspartner stehen werden und worüber sie gerade sprechen und geht dann quasi genau auf seine "Markierung") und es wirkt eher wie eine zufällig mitgeschnittene erste Probe.

So seltsam erschien mir sein Auftritt in dieser Szene nicht. Auch wenn man es diesmal nicht sieht, kann man davon ausgehen, dass Brooks das Gespräch beobachtet/belauscht und auf den passenden Zeitpunkt gewartet hat, um jemanden anzusprechen. Das hat er bei anderen Gelegenheit ja auch so getan (als die Nachricht von der Ermordung des Lords eintraf oder er den Streit zwischen Avril und Howard Trent beobachtet hat).

Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Der Mord an Jenny Stratford ist höchst wirkungsvoll aufgelöst. Wir sehen diverse Details des Mörders, ihr angsterfülltes Gesicht als Close-Up und der Sturz wird dann in mindestens drei Einstellungen geschnitten.

Wobei es mir bei dieser Szene immer so vorkommt, als wäre neben der Lady und ihrem Mörder noch eine dritte Person anwesend, zu der das Auge gehört, dass man in Nahaufnahme sieht. Aber wer soltle das sein? Der Butler wohl nicht, da er zu dieser Zeit in der Bar ist; Brooks würde in diesem Fall den Mörder kennen und Molly Dobson ist es sicher auch nicht, da sie ja Brillenträgerin ist.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Bei Wallace hat die schöne, junge Erbin meist ja die Funktion der "damsel in distress", allerdings wird die Bedrohung für Avril Mant ja erst sehr spät im Film klar erfahrbar und man opfert mit der vermeintlich mysteriösen Rolle, die man Felmy zugeschustert hat eine mögliche Identifikationsfigur. Ohne zu wissen, dass Avril Mant wirklich in Gefahr ist und ohne in Peter Brooks den strahlenden Helden präsentiert zu bekommen, der sie retten kann, kann man weder um die eine fürchten, noch mit dem anderen Hoffen. Bzw. beides wird erst am Ende des Films "aufs Gleis gesetzt" und somit zu spät.

Wobei das verschwundene Testament schon relativ früh ein Hinweis sein dürfte, dass sie ins Zentrum rücken könnte; und bereits in der Mitte wird auf sie der Mordanschlag mit dem Gewehr verübt. Wobei mir beim erneuten Sehen der Verdacht kam, dass dieser vielleicht auf Trents Konto gehen könnte, um sie zum Schweigen zu bringen; Reverend Turner wollte von ihr ja erst noch eine Unterschrift, um neben seiner Rache auch einen finanziellen Vorteil zu haben. Trents verstimmter Gesichtsausdruck, als er gleich nach dem Schuss Avril und Brooks beobachtet, könnte theoretisch natürlich auch Ausdruck seiner Eifersucht sein.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Butler Irving freundet sich im Verlauf der Handlung sichtlich mit der "Ulknudel" Molly Dobson (allein der Name!!!) an, wenn auch jegliche amouröse Ebene allein durch Peter Vogels Verhalten in der recht seltsamen Nachtclub-Szene ausgeschlossen scheint. (...) Auch, dass Molly Dobson unglücklich in Peter Brooks verliebt ist, nutzt Gottlieb nur als schadenfrohen Gag, um direkt anschließend auf die hübsche Ann Smyrner umzuschneiden.


Wobei das mit dem "Anfreunden" auf eine Anweisung von Brooks in einer früheren Szene zurückzuführen ist: Molly soll den Butler ablenken, damit Brooks ungestört das Haus verlassen kann (in der Nacht zuvor war er ja erwischt worden).
Und das mit der "Verliebtheit" habe ich als eine Lüge Avril gegenüber gedeutet, mit der sie ihr wirkliches Verhältnis zueinander kaschieren will; wie aus einer vorherigen Dialogszene mit Brooks hervorgeht, sind die beiden ja Arbeitskollegen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.778

12.11.2024 18:13
#94 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #93
Wobei es mir bei dieser Szene immer so vorkommt, als wäre neben der Lady und ihrem Mörder noch eine dritte Person anwesend, zu der das Auge gehört, dass man in Nahaufnahme sieht. Aber wer soltle das sein? Der Butler wohl nicht, da er zu dieser Zeit in der Bar ist; Brooks würde in diesem Fall den Mörder kennen und Molly Dobson ist es sicher auch nicht, da sie ja Brillenträgerin ist.


Der Butler ist bei Lord Mants Tod in der Bar. Als die Lady das Zeitliche segnet, hat er sich draußen mit Brooks geprügelt. Das Auge blickt durch den Vorhang und hinter dem Vorhang steht der Mörder. Das ist für mich eindeutig.

Zitat von Savini im Beitrag #93
So seltsam erschien mir sein Auftritt in dieser Szene nicht. Auch wenn man es diesmal nicht sieht, kann man davon ausgehen, dass Brooks das Gespräch beobachtet/belauscht und auf den passenden Zeitpunkt gewartet hat, um jemanden anzusprechen. Das hat er bei anderen Gelegenheit ja auch so getan (als die Nachricht von der Ermordung des Lords eintraf oder er den Streit zwischen Avril und Howard Trent beobachtet hat).


Klingt für mich schlüssig.

Savini Online



Beiträge: 1.042

12.11.2024 18:19
#95 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Danke für die chronologische Korrektur bezüglich der beiden Morde! Da hatte ich etwas verwechselt.
Wobei die beiden ja nach ihrer Prügelei gemeinsam zum Schloss gingen und sich somit gegenseitig ein Alibi geben konnten.

Bei dem Mord an der Lady wirkt die Kameraführung und Schnittfolge auf mich aber eher so, als würde das Auge den Mord beobachten: Erst sieht man es, dann die Schuhe des Mörders unter dem Vorhang. Daneben wirkt es wie vor Schreck aufgerissen.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.778

12.11.2024 22:36
#96 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #95
Daneben wirkt es wie vor Schreck aufgerissen.


Großmutter, was hast du für große Augen... Das ist einfach nur die Erregung des Raubtiers, das seine Beute erspäht hat.

Fabi88 Offline



Beiträge: 4.128

13.01.2025 12:41
#97 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #93
Angeregt durch die Diskussion habe ich mir den Film nun nach vielen, vielen Jahren wieder komplett angesehen und hätte weitere Anmerkungen zu einigen Punkten:
Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Eine Szene fällt hier besonders aus dem Rahmen. Nielsen und Vogel (erinnere ich richtig?) unterhalten sich vor der Schlosstür, Felmy kommt aus der Tür wie Kai aus der Kiste, geht zielstrebig auf die beiden zu und spielt seinen Text runter. Das ist vom Spiel nicht optimal (Felmy scheint noch bevor die Tür sich öffnet genau zu wissen, wo die beiden Gesprächspartner stehen werden und worüber sie gerade sprechen und geht dann quasi genau auf seine "Markierung") und es wirkt eher wie eine zufällig mitgeschnittene erste Probe.

So seltsam erschien mir sein Auftritt in dieser Szene nicht. Auch wenn man es diesmal nicht sieht, kann man davon ausgehen, dass Brooks das Gespräch beobachtet/belauscht und auf den passenden Zeitpunkt gewartet hat, um jemanden anzusprechen. Das hat er bei anderen Gelegenheit ja auch so getan (als die Nachricht von der Ermordung des Lords eintraf oder er den Streit zwischen Avril und Howard Trent beobachtet hat).

Ich habe die Szene nicht mehr so präsent, aber ich glaube mich zu erinnern, dass die Tür recht dick wirkte und ein gutes Stück von den beiden Sprechenden entfernt ist. Ich kann ihm zugestehen, dass er durch ein Fenster daneben das Gespräch belauscht/gesehen hat und somit den Inhalt des Gesprächs kannte und wusste, wo gerade wer steht, aber es wirkte auf mich einfach "unterinszeniert" und holprig. Entweder gibt's eine Einstellung (wie die oft eingesetzten Augen-Close-Ups) oder es raschelt im Hintergrund an Vorhängen oder man lässt Felmy zumindest mit leicht suchendem Blick aus der Tür treten.

Zitat von Savini im Beitrag #93
Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Bei Wallace hat die schöne, junge Erbin meist ja die Funktion der "damsel in distress", allerdings wird die Bedrohung für Avril Mant ja erst sehr spät im Film klar erfahrbar und man opfert mit der vermeintlich mysteriösen Rolle, die man Felmy zugeschustert hat eine mögliche Identifikationsfigur. Ohne zu wissen, dass Avril Mant wirklich in Gefahr ist und ohne in Peter Brooks den strahlenden Helden präsentiert zu bekommen, der sie retten kann, kann man weder um die eine fürchten, noch mit dem anderen Hoffen. Bzw. beides wird erst am Ende des Films "aufs Gleis gesetzt" und somit zu spät.

Wobei das verschwundene Testament schon relativ früh ein Hinweis sein dürfte, dass sie ins Zentrum rücken könnte; und bereits in der Mitte wird auf sie der Mordanschlag mit dem Gewehr verübt. Wobei mir beim erneuten Sehen der Verdacht kam, dass dieser vielleicht auf Trents Konto gehen könnte, um sie zum Schweigen zu bringen; Reverend Turner wollte von ihr ja erst noch eine Unterschrift, um neben seiner Rache auch einen finanziellen Vorteil zu haben. Trents verstimmter Gesichtsausdruck, als er gleich nach dem Schuss Avril und Brooks beobachtet, könnte theoretisch natürlich auch Ausdruck seiner Eifersucht sein.

Genau das meine ich ja. Entweder wird Avril Mant als "damsel in distress" eingeführt und wir rechnen damit, dass etwas wie der Mordanschlag mit dem Gewehr passieren wird und hoffen, dass er nicht glückt oder man inszeniert diesen Anschlag als Rätsel und macht ein Mysterium daraus nach dem Motto "warum soll sie das Opfer sein? Was hat sie mit Allem zu tun?". Beides tut Gottlieb nicht. Es ist einfach nur ein Anschlag auf eine Figur, zu der man (noch) keine besondere Bindung hat.

Zitat von Savini im Beitrag #93
Zitat von Fabi88 im Beitrag #84
Butler Irving freundet sich im Verlauf der Handlung sichtlich mit der "Ulknudel" Molly Dobson (allein der Name!!!) an, wenn auch jegliche amouröse Ebene allein durch Peter Vogels Verhalten in der recht seltsamen Nachtclub-Szene ausgeschlossen scheint. (...) Auch, dass Molly Dobson unglücklich in Peter Brooks verliebt ist, nutzt Gottlieb nur als schadenfrohen Gag, um direkt anschließend auf die hübsche Ann Smyrner umzuschneiden.


Wobei das mit dem "Anfreunden" auf eine Anweisung von Brooks in einer früheren Szene zurückzuführen ist: Molly soll den Butler ablenken, damit Brooks ungestört das Haus verlassen kann (in der Nacht zuvor war er ja erwischt worden).
Und das mit der "Verliebtheit" habe ich als eine Lüge Avril gegenüber gedeutet, mit der sie ihr wirkliches Verhältnis zueinander kaschieren will; wie aus einer vorherigen Dialogszene mit Brooks hervorgeht, sind die beiden ja Arbeitskollegen.

Dass die Anbahnung der Freundschaft auf Anweisung von Brooks geschieht, mag sein, allerdings ist die Chemie zwischen Irving und Dobson absolut da. Gottlieb hätte sich ja auch dafür entscheiden können, dass Dobson ihn tatsächlich ablenkt und er versucht der Situation zu entfliehen. Das wäre die sinnigere Anlage gewesen, wenn man sich sein Verhalten im Nachtclub vor Augen führt.
Wie bei vielen anderen Figuren und in vielen Szenen wirkt das Alles aber unentschlossen und oft widersprechen sich Handlungen der Charaktere. Das Thema hatten wir ja an diversen Stellen bei Gottlieb-Filmen ja schon. Entweder ist es Unvermögen (so sah es scheinbar Constantin, bzw. Wendlandt, die ihn dann nicht mehr engagierten) oder es ist gewollt und soll komplexe Figurengeflechte und Charakterstudien andeuten, die so leider gar nicht vorhanden sind.
Es mag ja (rein Handlungs-technisch gesehen) durchaus so sein, dass Molly Avril gegenüber lügt, aber Gottlieb entscheidet sich dafür, es ernst durch zu inszenieren, Molly wirkt absolut glaubhaft und hätte diese Lüge ja auch dramaturgisch gar nicht nötig.
Um es noch einmal klarzustellen: Meine Einlassungen zu "Das siebente Opfer" bezogen sich größtenteils auf Inszenierung, Produktion und technische Aspekte, weniger auf Inhalt, Logik und Co. Ich hatte ja meinen Eindruck auch schon geäußert, dass das Drehbuch und dessen Qualität recht überschaubar ist.

Savini Online



Beiträge: 1.042

13.01.2025 14:58
#98 RE: Bewertet: BEW - "Das siebente Opfer" (7) Zitat · Antworten

Danke für die Reaktion auf meinen Beitrag!

Zitat von Fabi88 im Beitrag #97
Entweder gibt's eine Einstellung (wie die oft eingesetzten Augen-Close-Ups) oder es raschelt im Hintergrund an Vorhängen oder man lässt Felmy zumindest mit leicht suchendem Blick aus der Tür treten.

Hier dürfte wohl Zeitdruck der Grund gewesen sein; man hatte für den Ort wohl nur einen Drehtag zur Verfügung und später keine Zeit mehr, zusätzliche Einstellungen wie die von dir vorgeschlagenen im Studio zu drehen (siehe auch das von dir erwähnte Düsenjäger-Geräusch).
Zitat von Fabi88 im Beitrag #97
Entweder wird Avril Mant als "damsel in distress" eingeführt und wir rechnen damit, dass etwas wie der Mordanschlag mit dem Gewehr passieren wird und hoffen, dass er nicht glückt oder man inszeniert diesen Anschlag als Rätsel und macht ein Mysterium daraus nach dem Motto "warum soll sie das Opfer sein? Was hat sie mit Allem zu tun?". Beides tut Gottlieb nicht. Es ist einfach nur ein Anschlag auf eine Figur, zu der man (noch) keine besondere Bindung hat.

Immerhin ist zu Beginn der Sehen bereits das Gewehr zu sehen, wirkt aber ohne Musik (zu diesem Punkt kommt später noch etwas) weniger bedrohlich.
Hattest du beim Sehen auch den Verdacht, dass dieser Anschlag auf Trents Konto gehen könnte?
Zitat von Fabi88 im Beitrag #97
Gottlieb hätte sich ja auch dafür entscheiden können, dass Dobson ihn tatsächlich ablenkt und er versucht der Situation zu entfliehen. Das wäre die sinnigere Anlage gewesen, wenn man sich sein Verhalten im Nachtclub vor Augen führt.

Inwiefern? Er scheint den Nachtclub ja mit eindeutiger Absicht zu besuchen und fühlt sich von der versehentlichen Ohrfeige offenbar angesprochen; homo- oder asexuell soll die Figur also offenbar nicht sein.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #97
Es mag ja (rein Handlungs-technisch gesehen) durchaus so sein, dass Molly Avril gegenüber lügt, aber Gottlieb entscheidet sich dafür, es ernst durch zu inszenieren, Molly wirkt absolut glaubhaft und hätte diese Lüge ja auch dramaturgisch gar nicht nötig.

"Nötig" eventuell schon, da sie so weniger in Verlegenheit ist, sich andere Sachen über Brooks und dessen Diäät ausdenken zu müssen; dass beide für eine Versicherung arbeiten, möchte sie ja nicht ausplaudern.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #97
Um es noch einmal klarzustellen: Meine Einlassungen zu "Das siebente Opfer" bezogen sich größtenteils auf Inszenierung, Produktion und technische Aspekte, weniger auf Inhalt, Logik und Co. Ich hatte ja meinen Eindruck auch schon geäußert, dass das Drehbuch und dessen Qualität recht überschaubar ist.

Wobei du ja schon recht ausführlich auf Sachen wie die weibliche und männliche Hauptfigur, deren etwas anderen dramaturgischen Einsatz oder die Frage, warum Molly Lügen sollte, eingegangen bist.

Was Gottlieb angeht, so ist dieser Film für mich erneut ein Beweis dafür, dass er durchaus ein Talent für Schauspielführung und Atmosphäre hatte (in einem anderen Forum bescheinigte ihm jemand auch ein Gespür für Kampfszenen), aber keines für Spannungsaufbau. Insofern liegen unsere Urteile über ihn sicher nicht so weit auseinander.

Mir war schon früher aufgefallen, dass der Film mit Musik relativ sparsam umgeht und manche Szenen (etwa der Mord an Lady Stratford oder der Anschlag mit dem Gewehr) ganz ohne auskommen. Das muss nicht unbedingt ein Fehler sein, da weniger oft mehr sein kann.
Aber erst neulich wurde mir bewusst, dass das im Vorspann eingesetzte Titelthemen (das bekanntlich zwei Jahre später für die deutsche Fassung des "silbernen Dreiecks" recycelt wurde) im Film selbst nie zu hören ist. Das dürfte bei diesem Genre wohl einmalig sein, oder? Selbst beim schwarzfilm nach dem Schlussgag griff man stattdessen auf die Tanzmusik aus der "silbernen Peitsche" zurück.

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz