Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 81 Antworten
und wurde 7.119 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
Count Villain Offline



Beiträge: 3.865

24.04.2011 21:50
#46 RE: Bewertet: BEW - "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Zitat von Janek Rekos
Was ein Pech jetzt hatte ich ein tolle lange Bewertung geschrieben und Futsch eine Halbe Stunde überschritten speicher nicht mehr möglich, was ein Mist, kann man denn dagegen nicht mal was unternehemen ? Sowas passiert andauernd !

MfG

Janek



Bei langen Bewertungen schreibst du am Besten in einem Textprogramm vor, in dem du zwischendurch speichern kannst, und kopierst den Text dann einfach ins Antwortfeld hinein.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

25.04.2011 00:39
#47 RE: Bewertet: BEW - "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Danke ! Daran hatte ich garnicht gedacht !

MfG

Janek

Janek Offline




Beiträge: 1.852

26.04.2011 01:25
#48 RE: Bewertet: BEW - "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

DAS UNGEHEUR VON LONDON-CITY





Das Ungeheuer von London City zählt für mich neben dem Phantom von Soho, gefolgt von Der Henker von London zu den besten Bryan Edgar Wallace und Edgar Wallace Filmen.
Aber warum werden sich jetzt manche Leser meiner Film Kritik fragen. Der Grund dafür liegt in der tollen Inzinierung dieses Filmes. Es gibt viele Nebelschwaden interessante Kulissen die unheimlich und berohlich wirken und dem ganzen Film eine dreckige und düstere Atmosphäre verleihen. Die spärlich beleuchteten Hinterhöfe und Gassen jagen einem als Betrachter des Filmes einen kalten Schauer über den Rücken, wenn dann aus den dichten Nebelschwaden "Das Ungeheuer von London-City" hervortritt und sein Rasiermesser , es im Licht der Gaslaternen Aufblitzen lässt und man dann den Schatten sieht, der sich an den Häuserwänden entlangzieht, ist das Gruseln gewährleistet. Zu der tollen Inzinierung kommt natürlich auch eine Fabelhaft Besetzung, wie ich finde. Hansjörg Felmy und Marianne Koch geben ein tolles Paar und Dietmar Schönherr als Artzt, dem "Freund" von Hansjörg Felmy weiß in seinem Part wie die restlichen Schauspieler des Filmes zu überzeugen. Zudem spielt Hans Nielsen hier einen seiner betsen "Krimi-Parts". Als Personen mit seiner leicht überheblichen und arroganten Art zur Weißglut bringt. Auch die Nebenrollen sind mit Albert Bessler, Fritz Tillmann, Kurd Piernitz und Elsa Wagner interessant und abwechslungsreich besetzt. Der Film weiß mit einem makaberen Humor gut zu Unterhalten, die Dialoge sind ausgepfeilt und werden sehr präzise präsentiert, was dem Film eine besondere Note gibt.
Das einzige störende Element des Filmes sind die Schauspieler Peer Schmidt und Chariklia Baxevanos, die mit ihrem oft sehr klamaukigen Humor etwas nerven, aber auch nicht zu sehr, man hat die Rollen Gottseidank dann doch so angelegt das sie im Endeffekt in der Handlung verloren gehen.


Die Schauspieler:

Hansjörg Felmy

Hansjörg Felmy finde ich in diesem Film einfach brilliant, er spielt seine Rolle sehr überzeugend und man kauft im die Rolle ab die er Verkörpert, dies tut er mit einer Priese von Tragik, Gleichgültigkeit und sehr schwarzen Humor. Auch von den Gesten her gibt sich Felmy abwechslungsreich und sehr echt.

Marianne Koch

Marianne Koch spielt ihren Part sehr echt, Gefühlvoll und mit einem kühlen "Sexapeal". Mit ihrer ganz eigenen Art trägt sie zur Atmohsphäre des Filmes bei, zudem ist sie nicht die verängstigte Frau sonderen eine Selbstbewusste und Liebevolle Persönlichkeit. Sie weiß ihre Sätze zu abwechslungsreich zu betonen, was ihr Schauspiel gleich noch interessanter macht.

Dietmar Schönherr

Dietamar Schönherr spielt seinen Part so überzeugend, dass man glaubt, dass er wirklich der Artzt Dr. Morel sei. Er hat für mich eine ähnliche Ausstrahlung wie Dieter Borsche in seinen Rollen des "Wahnsinnigen".

Albert Bessler

Auch wenn Albert Bessler nur einen kleinen Part spielt überzeugt er in diesem kurzen auftritt so sehr, dass durch sein Erscheinen der Film noch mehr aufgewertet wird. Man merkt ihm an, dass er großes Schauspielerisches Talent hat.


Hans Nielsen

Hans Nielsen hat hier seinen interessantesten Part seiner kompletten "Krimi-Laufbahn".
Er spielt den Inspektor so wie er ihn spielt, er bringt seine ganz eigene Art in die Rolle des Inspektors, Arroganz mit Überheblichkeit, dabei lässt er sich aber von anderen auch gern mal an der Nase herumführen.


Fritz Tillmann

Er spielt, was er spielt, aber mehr auch nicht, er bringt leider als einziger nicht wirklich autenzität in das Spiel, er spielt ein wenig "zu" kühl, auch wenn seine Rolle natürlich so angelegt war.



Kamera:

Siegfried Hold hat eine Interessante Kameraführung, in Verfolgungsjagden fühlt man sich mit hinein gezogen, die Nebel Szenen sind schön eingefangen, Detail Aufnahmen machen einem als Betrachter Spaß, interessante Kameraperpektiven durch die Zerbrochene Scheibe etc. Eine meiner Liebelins Szenen ist die Eröffnungs Sequenz, wo das "Ungeheuer" durch den Nebel die Gasse enlang läuft.


Regie:

Edwin Zbonek, führte zum zweiten mal Regie, die ihm in diesem Film deutlich besser gelang, als im "Henker von London" , da er den Klamauk Part im "Ungeheuer von London City" doch deutlich herabsetzte, im "Henker von London" nervte mich doch Chris Howland ein wenig zu stark, da er zu Stark hervorgehoben wurde. Zbonek hatte in diesem zweiten Krimi, sein können nochmals unter Beweis gestellt und gezeigt was er konnte. Mit diesem können ist ihm ein kleines Meisterwerk gelungen, im perfekten Zusammenspiel mit Schauspielern, Kamera und den tollen Kulissen.

Musik:

Zur Musik muss man eigentlich nicht viel sagen, sie ist mit dem "Gasthaus an der Themse" und dem "Schwarzen Abt" seine beste Kriminalfilmmusik. Sie passt zu jeder Szene und untermalt das Geschehen einfach brilliant. Dabei ist die Musik weder schnell, laut noch plärrig, wie zum Beispiel: "Der Mönch mit der Peitsche" oder auch "Die blaue Hand". Martin Böttcher schrieb wieder ein kleines Meisterwerk.

Vorspann:

Der Vorspann zählt für mich zu den besten der ganzen "Krimi-Welle", die Fahrt durch London macht Spaß und sorgt für die nötige London Atmosphäre, dabei werden keine zu schrillen Farben eingesetzt und die Musik trägt natürlich ihren Teil dazu bei.


Der Film ist einfach Spannend gemacht und ich sehe ihn mir andauernd an, er wird einfach nicht langweilig, er ist für mich einfach der "Krimischocker" schlecht hin. Das Ende mit dem Mädchen, was den Mörder gesehen hat bringt noch ein wenig mehr "Thrill" und Tragik in das doch schon etwas traurige Ende.

10 von 10 Punkten

MfG

Janek

Mr. Krimi Offline




Beiträge: 297

26.04.2011 10:03
#49 RE: Bewertet: BEW - "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Eine schöne, detaillierte Beobachtung und Beschreibung. Eine Marianne Koch im dicksten Londoner Nebel ist diese Reise allemal wert, wenn auch mit Abstrichen.

Mr. Krimi (Der Mann von Miss Krimi)

Jacob Starzinger Offline



Beiträge: 1.413

12.10.2011 13:53
#50 RE: Bewertet: BEW - "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Dieser Film unterscheidet sich in vielen hinsichten von den Edgar Wallace Filmen. Aber er lohnt sich auf jedenfall. Es ist eine wunderbare Mordgeschichte nach Jack the Ripper Manier und einer spannenden Auflösung.

MfG Jacob

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.349

16.10.2012 20:34
#51 RE: Bewertet: BEW - "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Im Rahmen des Epigonen-Grandprix noch mal gesehen (@Gubanov: Ohne deinen Wettbewerb hätte ich in den letzten Filmen bestimmt nicht so viele Epigonen gesehen, DANKE! )

"Das Ungeheuer von London-City" ist ein recht solide inszenierter Film im Rahmen der Bryan Wallace Reihe, der alle klassischen Elemente des Genres vereint. Schauspielerische Leistungen überwiegend gut (Hans Nielsen hier aus meiner Sicht jedoch austauschbar und Fritz Tillmanns Darstellung hätte auch interesssanter gestaltet werden können).
Marianne Koch hat hier einen ihrer besten Auftritte im Vergleich zu den Filmen, die ich mit ihr gesehen habe.
Der Vorspann überzeugt und ist einer der besten der Reihe.
Die Handlung hätte meines Erachtens insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Tillmann und Bessler optimiert werden können.
Insgesamt auf ähnlichem Niveau wie "Das siebte Opfer", etwas schwächer als "Das Phantom von Soho".
2,5 von 5 Punkten

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

16.10.2012 22:18
#52 Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten



DAS UNGEHEUER VON LONDON-CITY (1964)

mit Hansjörg Felmy, Marianne Koch, Hans Nielsen, Fritz Tillmann, Gudrun Schmidt, Chariklia Baxevanos, Peer Schmidt, Kai Fischer und Dietmar Schönherr


Die Erstansicht von "Das Ungeheuer von London-City" erfolgte damals wie üblich auf Toppic-VHS. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Einduck und die damit verbundene Enttäuschung über den Film insgesamt. Natürlich konnte dieser bereits sechste Bryan Edgar Wallace im laufe der Jahre einiges an Boden gut machen, aber die wirklichen Highlights der Reihe haben bei mir definitiv andere Namen. Dieser Film kann eigentlich nur phasenweise überzeugen und die positiven Aspekte sehe ich hier nicht wie sonst immer in der Besetzung, die mir nach "Das Geheimnis der schwarzen Koffer" am langweiligsten vorkommt, sondern in der ordentlichen Inszenierung von Edwin Zbonek. Die starken Momente findet man hauptsächlich in der Bildgestaltung, das gelungene Schwarz/Weiß-Schattenspiel hebt die unheimliche Figur des Ungeheuers oftmals sehr unheimlich und bedrohlich in den Vordergrund, aber das Grundgerüst der Handlung ist weniger überzeugend, wenn nicht sogar teils unlogisch. Leider ist das Ganze auch nach kürzester Zeit überaus vorhersehbar, so dass die Spannungsmomente die ja durchaus vorhanden sind, weniger treffsicher ausfallen. Schade ist es auch, dass die Besetzung dieses Streifens, bei guten Voraussetzungen, in den meisten Fällen nur durchschnittlich wirkt.

Mit Hansjörg Felmy hatte man quasi den Star der BEW-Filme an Bord, und ich finde es sehr lobenswert, dass er in seinen drei Auftritten innerhalb der Reihe, jeweils sehr unterschiedliche Charaktere glaubhaft formen konnte. Ich mag es ja ganz gerne, wenn Schauspieler dasselbe im Film darstellen sollten. Die Geschichte versucht mit Richard Sand eine Person zu konstruieren, die nicht über jeden Verdacht erhaben sein soll. Der Zuschauer soll Zweifel an seiner Integrität und schließlich an seinem Geisteszustand bekommen. Da dieses Vorhaben restlos misslungen ist, kann man sich wenigstens über Hansjörg Felmys gelungene und Vorstellung freuen, mit der er erfrischende Akzente setzen konnte. In der weiblichen Hauptrolle sieht man eine biedere und vollkommen unflexible Marianne Koch, deren Rolle nicht mit dem Hauch eines doppelten Bodens versehen wurde. Ihre Ann ist wohl eine der langweiligsten Frauenfiguren, die ich jemals von ihr gesehen habe! Wer Marianne Koch (übrigens auch neben Gudrun Schmidt mal zusammen auf Hochtouren erleben möchte, dem empfehle ich eindeutig Antonio Margheritis "Schreie in der Nacht"). Hinzu kommt, dass ich das Gespann Felmy/Koch kaum glaubwürdig finde, da sich zwischen den beiden nicht einmal das Angebliche abspielt. Dietmar Schönherr spielt zwar solide, jedoch hat man ihn auch schon überzeugender gesehen. Die Dreieckskonstellation hätte hinsichtlich des Filminhaltes eindeutig mehr Konfrontation und jeweilige Auseinandersetzung angesichts bestehender und immer wieder auftauchender Probleme benötigt. So läuft im Endeffekt alles zu glatt und vorhersehbar ab. Hans Nielsen erfreut durch eine seiner verlässlichsten Interpretationen, nämlich als kluger und sachlicher Inspektor mit viel Menschenkenntnis, Fritz Tillmann zeigt sich in seinen wenigen Einstellungen sehr präzise, und selbstverständlich durften ein paar humoristische Einlagen auch nicht fehlen. Dafür zuständig zeigen sich hier Chariklia Baxevanos und Peer Schmidt, die ein Spektrum von unerträglich bis relativ amüsant großzügig abdecken. Positiv aufgefallen sind mir noch Elsa Wagner und Walter Pfeil, vor allem aber Kurd Pieritz. Insgesamt wirkt die Besetzung leider nicht rund, und verglichen mit anderen Filmen der Reihe wirkt sie gar recht bescheiden.

Wie erwähnt, sind es die beeindruckende Atmosphäre und einige gut gewählte Schauplätze, die den Film aufwerten. Das Ungeheuer mit schwarzem Umhang lauert Prostituierten im Dunklen auf, und hetzt sie durch schmale Gassen und unübersichtliches Terrain, bis es zuschlägt. Auch deren jeweilige Entsorgung liefert kleine Schockmomente. Hier kommt immer wieder genügend Spannung auf, die durch Martin Böttchers eingängigen Soundtrack bereichert wird. Die Passagen am Theater wirken einerseits fremd, doch mittlerweile finde ich sie ganz originell, abgesehen davon, dass sie für die Geschichte ja notwendig waren. Verdächtige gibt es im Szenario leider zu wenige, genau so wenig wie Motive. Die Charakterzeichnungen sind weitgehend seicht und oberflächlich, und in schauspielerischer Hinsicht kommt somit bei mir keine richtige Freude auf. Dass die Auflösung auch kaum Licht ins Dunkel bringen kann und das Mosaik lückenhaft zurück bleibt zeigt, dass die Story durchschnittlich ist. Um für etwas Thrill zu sorgen, zog man noch ein kleines Mädchen mit in die Affäre hinein, welches dem Inspektor schließlich maßgebliche Hinweise liefern darf. So bleibt die Frage, ob er diesen Fall überhaupt hätte klären können? Die späte Theatralik und die fadenscheinigen psychologischen Erklärungsversuche prägen das insgesamt unbefriedigende Finale, wobei ich mich auch gerade frage, ob ich nicht zu viel erwartet habe. Für mich bleibt "Das Ungeheuer von London-City" im Epigonen-Kosmos letztlich ein Kandidat der mittleren bis hinteren Ränge, da zu viel Potential liegen gelassen wurde und sich immer wieder schwache Passagen durch den Film winden. Allerdings bleibt der hohe Unterhaltungswert unbestritten!

Marmstorfer Online




Beiträge: 7.328

16.10.2012 22:32
#53 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #52



Die Erstansicht von "Das Ungeheuer von London-City" erfolgte damals wie üblich auf Toppic-VHS.



Sind auf der Toppic-VHS eigentlich die farbigen Vorspanntitel enthalten? Als ich den Film 1998 zum ersten Mal auf 3 Sat sah, war ich ganz begeistert; aus den Rialto-Wallace-Filmen war man das schließlich nicht gewohnt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

16.10.2012 22:41
#54 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Stimmt, ich war darüber auch überrascht. Auf dem Video sind die Vorspann-Titel ebenfalls in Farbe. Gefallen hat mir es aber nicht direkt, weil ich die Schrift zu unruhig finde, übrigens genau wie es bei "Das Phantom von Soho" der Fall ist.

tilomagnet Offline



Beiträge: 497

17.11.2013 15:48
#55 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Erwin Zboneks zweiter BEW Film bleibt deutlich hinter dem HENKER zurück. Letztlich ist der Film zu langatmig inszeniert und die Figuren zu uninteressant als dass wirklich großartig Spannung aufkäme. Die Entlarvung des Täters ist dann auch wenig überraschend.

Natürlich kann man in einem deutschen 60er Jahre Krimi keine expliziten Mordszenen nach Giallo - Art erwarten, dennoch sind mir die ach so bestialischen Morde des Ungeheuers einfach zu fad und zu zahm inszeniert, als dass daraus wirklich dramaturgisch Kapital geschlagen werden könnte.

Die hier so besonders gelobte Titelmusik ist doch aus dem FÄLSCHER übernommen oder täusche ich mich da??! Erfreulich dagegen wieder einige prächtige Einstellungen und nächtliche Stimmungen im Scope Format. Die Darstellerriege ist leider nicht mehr so hochkarätig wie bei den anderen s/w BEW Streifen.

Insgesamt ganz brauchbare Unterhaltung, aber letztlich bleiben Story und Charaktere viel zu oberflächlich und schlicht uninteressant für einen echten Reißer. Damit leider eines der Schlusslichter unter den Epigonen. Einmal sehen reicht. 2,5 von 5 Punkten.

Blinde Jack Offline




Beiträge: 2.000

13.12.2013 21:53
#56 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Vor kurzem mal wieder gesehen und hier ein neues Statement dazu.
Der Film hat mich unglaublich an den Fälscher erinnert, was nicht nur an der Musik Böttchers liegt, sondern auch darum, dass die Zerrissenheit des Protagonisten, bzw. für den Zuschauer die Frage nach dessen Schuld im Mittelpunkt steht. Inwiefern der Film dieser eigentlich guten Idee gerecht wird ist eine andere Frage, aber damit ist ein interessanter Grundstein gelegt.
Gleich vorweg wieder die Musik...klingt, von kleinen Nuancen mal abgesehen, genau wie im Fälscher. Stört mich nicht, ich mag die Musik.
Der Film geht los und direkt fiel mir auf, was sich später durch nahezu alle anderen Mordszenen ziehen wird. Es kommen keine Emotionen auf. Die Morde wirken in erster Linie langweilig, einfach weil sie auch derart in die Länge gezogen sind. Ich meine musste diese Verfolgungsjagden sein? Oder das Versteckspiel hinter Mülltonnen? Also ein Jack The Ripper habe ich mir anders vorgestellt. Um es kurz zu machen. Die Mordszenen sind vorhersehbar und bestechen durch nichts. Die Schattenaufnahmen des Mörders hat man schließlich auch schon besser gesehen.
Hervorheben möchte ich ganz klar Felmy. Er hat mir richtig gut gefallen. Seine Darstellung ist verhältnismäßig nüchtern und wirkt dadurch sehr realistisch. Andere hätten diese Schlüsselrolle für große Ausbrüche "missbraucht", aber Felmy gelingt es da weit realistischer zu wirken. Ich habe es ihm voll abgenommen. Er ist eine gute Besetzung, die den Film trägt.
Die zweite wirklich gute Besetzung ist Marianne Koch. Ihre Darstellung wirkt sehr frisch und natürlich auf mich. Außerdem war sie damals eine Augenweide.
Große Negativpunkte, was die Darsteller anbelangt, sammeln auf jeden Fall die beiden Privatdetektive. Es nervt einfach nur und ist viel zu viel.
Leider kann auch Hans Nielsen mich gar nicht überzeugen. Irgendwie wirkt er bisweilen sogar lächerlich. Diese Art, fällt mir schwer zu beschreiben, finde ich sehr unangenehm. Es ging mir schon in anderen Filmen mit ihm so, aber hier ist es mir besonders aufgefallen. Es steht ihm nicht und sein Spiel, bzw. der Typ Inspektor den er verkörpert, sieht einfach nicht authentisch bei ihm aus. Klare Fehlbesetzung für mich.
Die restlichen Schauspieler sind okay, aber überragen in keinem Fall, so dass ich eigentlich nur vom "Paar des Films" wirklich begeistert war.
Was wiederum positiv aufgefallen ist, sind einige gute Aufnahmen und Schauplätze. Wobei letztere mitunter auch stark nach Kulisse und Studio aussehen. Nichtsdestotrotz gefällt mir der Film von der Optik recht gut.
Die Handlung, die, wie schon beschrieben, eigentlich recht spannend hätte sein können, bleib größtenteils hinter den Möglichkeiten zurück. Der innere Konflikt Felmys, zu dem er denke ich in der Lage gewesen wäre, wird nur angeschnitten, obwohl er laut Drehbuch durchaus gut inszeniert ist.
Es beginnt mit den Morden, die denen des Theaterstücks gleichen. Erste Unruhe für Felmy. Weitere Morde, die dann in der Szene des vertauschten Messers gipfeln. Also eigentlich wäre es möglich gewesen daraus noch mehr zu machen, aber ich hatte das Gefühl, dass Felmy am Ende irgendwie untergetaucht war (nach seiner großartig gespielten Szene nach dem Nervenzusammenbruch) und erst pünktlich in der finalen Szene wieder auftaucht. Da wurde einiges verschenkt.
Da man diesen Weg nicht, oder nicht vollends gegangen ist (vielleicht war es für damalige Verhältnisse auch schlicht zu hart?), hätte man die Frage nach dem Täter dennoch interessanter gestalten können.
Der Film bietet eigentlich keine Verdächtigen und Schönherr ist dadurch leicht entlarvt. Das führt dazu, dass am Ende 1. die Entlarvung des Täters keine Überraschung mehr ist und 2. die Geschichte um Sir George viel neugieriger macht.
Das Ende empfand ich ohnehin als unspektakulär. Die Entlarvung durch das Kind ist nichts unbekanntes und wird schon einige Minuten vorher "festgelegt". Als man das Kind sieht, weiß man fast schon, dass die Wahrheit aus seinem Mund an die Öffentlichkeit gerät. Naja...und die Erklärung dann am Ende mutet auch ein wenig grotesk an, aber okay...Darüber konnte ich hinweg sehen. Obwohl der Selbstmord, im Hinblick auf die Geisteskrankheit und so, dann doch eher lächerlich wirkt.
Ja, also von der Idee gut gedacht, aber mittelmäßig umgesetzt.
Schauspieler sind in Ordnung, wobei es jeweils zwei Positiv- und Negativausnahmen gibt.
Kurz:
3 von 5.

patrick Offline




Beiträge: 2.827

25.02.2014 21:19
#57 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Vor Jahrzehnten sah ich im Fernsehen die ganzen Bryan Edgar Wallace Filme, zumindest jene bis 1964 gedrehten. Stark beeindruckt hat mich vor allem Der Henker, aber auch Der Würger und das Phantom.Ganz starke Filme. Das Ungeheuer, die schwarzen Koffer und das siebente Opfer hab ich inhaltlich vollkommen vergessen, was bedeutet, dass sie mich damals wohl weniger beeindruckt haben.
Kürzlich hab ich mir die DVD-Box mit den Filmen Henker,Phantom und Ungeheuer zugelegt und letzteren nochmals angesehen. Zum Einen war´s ein Genuss, weil´s so war als hätte ich den Film zum ersten Mal gesehen. Ich konnte mich wirklich an gar nichts mehr erinnern. Zum anderen war ich sehr positiv überrascht, da der Film durchaus was hermacht. Es ist zwar kein Spitzenfilm der Edgar und Bryan Edgar Reihen, aber sehr solide Unterhaltung und auf jeden Fall über dem Niveau der schwächeren echten Edgar Wallace Filme. Die Atmosphäre ist ok.Nacht und Nebel sind geulngen in Szene gesetzt und die Musik erinnert mich, wenn ich die ersten paar Takte höre, an die Musik von "Der Fälscher von London". Also Musik auch ok. Spannung ist auch durchaus gegeben. Allerdings kann er mit meinen drei oben genannten BEW Lieblingen nicht wirklich konkurieren, ist aber eine mehr als akzeptable Ergänzung. Hansjörg Felmy spielt, wie auch schon beim Henker,einen sehr ernsten und zerissenen Charakter, was durchaus glaubhaft wirkt. Das Jack,The Ripper Motiv passt gut in´s Genre.

Ich hab die Bryan Edgar Wallace Reihe bis 1964 wirklich gern, das sie den echten Edgar Wallace in nicht´s nachsteht, im Gegenteil, teilweise sogar besser sind, weil hier Albernheiten weitestgehend ausgespart werden. Die späteren Giallo-BEW´s sagen mir, genauso wie die Giallo EW`S, nichts mehr. Darin sehe ich einen Stilbruch.
Ich sollte mir wohl die Filme "schwarze Koffer" und "siebentes Opfer" auch nochmal ansehen.

patrick Offline




Beiträge: 2.827

25.02.2014 21:20
#58 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Als Ergänzung noch: 3,5 von 5 Punkten

Ray Offline



Beiträge: 829

28.02.2016 18:43
#59 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Das Ungeheuer von London-City (BRD 1964)

Regie: Edwin Zbonek

Darsteller: Hansjörg Felmy, Marianne Koch, Dietmar Schönherr, Hans Nielsen, Fritz Tillmann, Kurd Pieritz, Kai Fischer, Peer Schmidt, Chariklia Baxevanos u.a.




„Der Henker von London“ war zwar kein kommerzieller Erfolg gewesen, gleichwohl war man mit dem Endprodukt qualitativ hochzufrieden. Aus diesem Grunde wollte man Regisseur Edwin Zbonek unbedingt eine zweite Chance geben. Das Drehbuch schrieb analog zum „Henker“ R.A. Stemmle, wobei dieses – zumindest offiziell – von Bryan Edgar Wallace himself überarbeitet wurde.

Die Besetzung fiel insgesamt nicht ganz so prominent aus wie zuletzt, was auch daran lag, dass man kaum auf bekannte Gesichter der Konkurrenz zurückgriff. Scheinbar wollte man sich auch insoweit langsam aber sicher emanzipieren. Hansjörg Felmy kehrte auf Wunsch des Regisseurs zur Reihe zurück und absolvierte seinen zweiten von insgesamt drei Auftritten. Ihm kam die nicht ganz einfach zu meisternde Aufgabe zu, den innerlich zerrissenen Theaterdarsteller Sand zu verkörpern, der von der Öffentlichkeit von Mord zu Mord mehr mit seiner auf der Bühne dargestellten Figur gleichgesetzt wird. Anders als etwa Fuchsberger kam Felmy aufgrund seiner Vorgeschichte im „Henker“ durchaus als Täter in Frage, so dass seine Besetzung sicherlich ein nicht unkluger Schachzug war. Ebenfalls eine gute Idee war grundsätzlich die Besetzung Marianne Kochs, zumal sie einerseits einen hohen Bekanntheitsgrad hatte und den Rollentyp gut ausfüllte, andererseits komischerweise – obwohl so naheliegend – von Rialto jedenfalls bei den Wallace-Kriminalfilmen stets „links liegen gelassen wurde“. Man muss in Bezug auf Frau Koch allerdings konstatieren, dass sie aus der natürlich wenig aussagekräftigen Rolle nicht allzu viel herausholte, ähnlich wie Senta Berger in „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“. Schade eigentlich, weil beide – wie gesagt – grundsätzlich für diese Art Rolle passend erscheinen. Demgegenüber machte Dietmar Schönherr seine Sache ganz vorzüglich. Dennoch muss man sagen, dass man aus der Dreieckskonstellation mehr hatte machen können, alles läuft insgesamt sehr harmonisch ab, wobei dies natürlich auch dramaturgische Gründe hat, auf der anderen Seite aber mit dazu beiträgt, dass die Demaskierung recht vorhersehbar gerät. Weitere „Pfunde“ auf der Besetzungsliste waren Hans Nielsen als abgebrühter Inspektor, der einmal mehr bewies, dass er sowohl optisch als auch von der Bandbreite seines Rollenspektrums im Grunde alles überzeugend darstellen konnte, sowie Fritz Tillmann. Tillmann hatte im TV-Wallace „Der Mann, der seinen Namen änderte“ die Titelrolle ausgefüllt und eine kleinere Rolle in „Der Fluch der gelben Schlange“ übernommen. Dennoch ein Akteur, den man nicht sofort unmittelbar mit Wallace verbindet. Er verlieh der Figur des verdächtigen Parlamentsabgeordneten ein ungeheures Charisma. Nach einem Zwischenhoch in Sachen Humor im „Phantom“ griff man hier einmal mehr daneben, Peer Schmidt und Chariklia Baxevanos waren inhaltlich Fehl am Platze und im Übrigen allenfalls leidlich unterhaltsam. Erfreulich für Wallace-Fans noch zu erwähnen, dass Kurd Pieritz mal einen größeren Part spielen durfte als bei der Konkurrenz und auch nicht „ins Gras beißen“ musste.

Rein inszenatorisch fällt auf, dass die Morde schon sehr in Richtung Giallo tendieren. Ein behandschuhter Mörder tötet mit einem Rasiermesser. Überhaupt wurden die Tötungen von Zbonek vergleichsweise ausführlich und explizit dargestellt. Teilweise wurden dabei echte Glanzpunkte gesetzt, in Erinnerung bleiben vor allem die Einstellungen, in denen Jack the Ripper eine Frau entlang einer Mauer verfolgt und sein großer Schatten an der Mauer zu sehen ist. Das ganze wird passend von der insgesamt guten Musik Martin Böttchers untermalt. Die Morde wurden alles in allem wesentlich kreativer und weniger vorhersehbar in Szene gesetzt als zuletzt im „Phantom“. Allerdings hätten bei einem Film, der sich „Das Ungeheuer von London-City“ nennt, ein paar mehr London-Aufnahmen nicht geschadet, um den Film noch atmosphärischer zu gestalten. Stattdessen erkennt der informierte Zuschauer direkt in den ersten Sekunden, dass Bilder aus dem Vorgängerfilm hineingeschnitten wurden (Prostituierte vor der „Sansibar“). Einige Längen im Mittelteil sind zudem unverkennbar. Darüber hinaus ist die Auflösung abgesehen von ihrer Vorhersehbarkeit nur leidlich überzeugend. Die Übertragung der Geisteskrankheit in der behaupteten Form erscheint medizinisch zweifelhaft. Auffallend ist, dass man es nun bereits zum dritten Male in Folge mit einem „Rache-Thriller“ mit psychologischem Hintergrund zu tun hat, an dessen Ende versucht wird, dass Tätermotiv aufzudröseln. Die Intention, sich in Abgrenzung zur Konkurrenz auch an schwierigeren Themen zu versuchen, ist klar erkennbar und durchaus zu honorieren.

Macht man einen Strich drunter, bleibt „Das Ungeheuer“ jedenfalls hinter „Würger“ und „Henker“ zurück, ist aber besser als der Erstling „Das Geheimnis der schwarzen Koffer“. Ob er nun besser oder schlechter als das „Phantom“ ist, lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Aufgrund dessen, dass man hier unverbrauchte Gesichter überwiegend überzeugend einsetzten konnte, wohingegen die arrivierten Akteure im „Phantom“ etwas hinter den Erwartungen blieben und die Inszenierung im vorliegenden Film weniger vorhersehbar geraten ist, ist man geneigt, dem „Ungeheuer“ knapp den Vorzug zu geben. Die Rolle des Inspektors wurde zudem deutlich passender besetzt. Dafür punktet das „Phantom“ durch vergleichsweise guten Einsatz von Humor und eine stimmigere Auflösung. Insgesamt dürften die beiden in etwa auf einem Niveau sein.



Solide inszenierter Serienkiller-Thriller, der ein wenig den Giallo vorwegnimmt, allerdings an inzwischen schon gewohnt aufgesetztem Humor krankt und eine nur leidlich überzeugende Auflösung parat hält. 3,5/5 Punkten.

Giacco Offline



Beiträge: 1.474

28.02.2016 21:44
#60 RE: Bewertet: "Das Ungeheuer von London City" (6) Zitat · antworten

Wie kommst Du darauf, dass "Der Henker von London" kein kommerzieller Erfolg gewesen ist?

Der Verleih "Columbia-Bavaria" meldete kurz nach dem Start in einer ganzseitigen Anzeige im Film-Echo:
"Ins Schwarze getroffen. In den ersten 3 Spieltagen in 60 Einsätzen 357.934 DM Theaterkasse."

Auch die Film-Echo-Endnote 3,1 (51 Meldungen) - (Erstnote: 2,8) - belegt, dass der Film durchaus erfolgreich war.

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen