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Dieses Thema hat 71 Antworten
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 Filmbewertungen
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greaves Offline




Beiträge: 286

25.02.2016 18:27
#61 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

@real
Ich nehme jetzt mal an,dass auf dem ccc filmgelände gedreht wurde.
Habe gemeint,dass ich bei meiner Sichtung des Films teile der studiohalle von Atelier 6 gesehen habe. (Kameraperspektive vom jetzigen Eingang aufs filmgelände)
Weitere Aussenaufnahmen könnten in der Altstadt von Berlin -Spandau gewesen sein.

(Das sind meine persönlichen Vermutungen und Sichtungen zu diesem Film.)

Es weis hier im Forum sicher jemand genaueres zu deiner Frage )

Jan Offline




Beiträge: 1.182

25.02.2016 18:51
#62 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Mit Bestimmtheit weiß ich es auch nicht. Jedoch sieht die Kulisse für mich z.T. sehr nach Außennachbau aus (manch' leichtes Mädel steht z.B. auf einer von unten beleuchteten Plexiglasplatte und die Klinkerfassade wackelt an mindestens der Stelle, an der der Kapitän durch die Straßen torkelt und sich festhalten will). Ich müsste die Filme auch mal wieder sehen. An einer Stelle des Phantoms meinte ich nämlich erkannt zu haben, dass der Teil der Kulisse noch für einen anderen BEW genutzt wurde. Genaueres ist mir leider entfallen.

Gruß
Jan

Real Offline




Beiträge: 7

26.02.2016 10:24
#63 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

@ graeves & Jan: Vielen Dank euch beiden
Ich konnte mir das CCC-Gelände bislang leider noch nicht "live" anschauen, obwohl das ein großer Wunsch von mir ist. Mir hat es schon immer sehr gefallen, mit wie wenig Mitteln damals diese geniale Atmosphäre erschaffen wurde. Das kam mir jetzt wieder in den Sinn, als ich das Phantom schaute.

Ray Offline



Beiträge: 607

27.02.2016 09:31
#64 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Das Phantom von Soho (BRD 1964)

Regie: Franz Joseph Gottlieb

Darsteller: Dieter Borsche, Hans Söhnker, Barabara Rütting, Elisabeth Flickenschildt, Werner Peters, Hans Nielsen, Peter Vogel u.a.



Die Bryan Edgar Wallace-Reihe war längst in Serie gegangen, d.h. man wartete nicht mehr den Erfolg eines Films ab, sondern startete quasi mit Premiere des aktuellen Werks mit den Dreharbeiten zu seinem Nachfolger.

Mit "Das Phantom von Soho" wollte man ganz offensichtlich das eigene Selbstbewusstsein zu Tage bringen. Erstmals präsentierte man einen – stimmigen – colorierten Vorspann. Bryan Edgar Wallace himself legte dort einen – wenn man seinen tatsächlichen Beitrag zur Reihe bedenkt – etwas selbstgefälligen Auftritt hin und übte sich im „Namedropping“. Dazu gab es ein von Martin Böttcher komponiertes Stück, welches gekonnt auf „Besonders in der Nacht“ aus Das Gasthaus an der Themse aufbaute. Darüber hinaus verpflichtete man nach Harald Reinl bereits den zweiten Regisseur, der zuvor für Rialto aktiv war: Franz Joseph Gottlieb. Schließlich konnte man mit einer erlesenen Besetzung aufwarten, die eine Mischung aus bekannten Kräften aus der eigenen Reihe sowie aus derer der Konkurrenz präsentierte. Auffallend war dabei freilich, dass man Mut für Experimente hatte und insbesondere Dieter Borsche entgegen seinem inzwischen hochverdienten Klischee, dem durch und durch Wahnsinnigen, besetzte. So löblich dieser Ansatz auch war, die Rechnung ging leider nicht auf. Borsche wirkte in der Rolle stets wie ein Fremdkörper. In gewisser Weise „rächte“ es sich, dass man ohne wirklichen Sympathieträger auskam. Wurde die Anzahl der Verdächtigen einerseits größer, gab es andererseits keinen Part, an dem man sich „festhalten“ konnte. Im Übrigen erschließt sich nicht wirklich, warum man alleine aus dem Umstand, dass bei einer Leiche eine afrikanische Holzfigur gefunden wird, gleich sämtliche Ermittlungen einem „Afrika-Experten“ überträgt, der letzten Endes eh nur durchs Rotlichtviertel Sohos stapft. Alles in allem in der zentralen Figur des Inspektors eine Fehlbesetzung, das kann kein Gruselkrimi vollends verkraften. Im Gegenzug konnte der Film überraschender Weise humoristisch überzeugen, also auf einem Terrain, in dem man bis dato noch kein Land gesehen hatte. Peter Vogel wartete mit einigen bissigen Kommentaren und gelungenen Pointen auf, gleichwohl stimmte die Chemie zwischen ihm und Borsche nicht richtig, so dass noch vorhandene Möglichkeiten des interessanten Sergeants nicht genutzt werden konnten. Die übrigen Darsteller, allen voran Hans Söhnker und Werner Peters, machten ihre Sache gut. Elisabeth Flickenschildt konnte zwar nicht an ihre Rialto-Auftritte anknüpfen, wertete jedoch durch ihre bloße Präsenz die Produktion weiter auf. Selbst Barbara Rütting, deren Darstellung bei der Konkurrenz immer ein bisschen aufgesetzt wirkten, konnte durchaus überzeugen.

Was Gottlieb und Kameramann Richard Angst formal ablieferten, war sicherlich erstklassig. Insbesondere im ersten Drittel punktete Gottlieb zudem durch interessante Aufnahmen wie die sich rotierende Drehscheibe oder „impossible shots“ à la Vohrer. Ab einer gewissen Zeit verkommt der Film allerdings zu einer Nummernrevue immer neuer auftauchender Gauner, die nach und nach ins Gras beißen. Das ganze läuft vorhersehbar und ohne jedwede Überraschungen ab. Auch in Sachen Soho-Klischees arbeitete man sozusagen „überobligatorisch“. In der unvermeidbaren „Sansibar“ bekommt der Zuschauer nicht wie üblich eine, sondern gleich fünf Tanznummern geboten. Daran sieht man, dass man sich ziemlich im Kreis drehte und der Film zeitweise lediglich durch das tolle Ensemble vor dem „Absaufen“ bewahrt wird. Die Auflösung gestaltet sich inhaltlich überzeugend, weil man einmal mehr bewies, dass man auch bereit war, weniger angenehme Tätermotive zu präsentieren.



Summa summarum ein allenfalls durchschnittlicher Genrebeitrag, der mit etwas mehr Esprit und einer passenderen Besetzung in der Rolle des Inspektors richtig gut hätte werden können. Bei den prominenten Namen auf der Besetzungsliste erwartet man einfach noch einen Ticken mehr. 3,5/5 Punkten.

Fräulein Janine Offline




Beiträge: 124

23.01.2017 00:17
#65 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Das Phantom von Soho

Ich hab mir gestern, das Pantom von Soho nach ewig langer Zeit noch einmal angesehen
und war, nach dem ich letzte Woche von „Das Ungeheuert von London City“ einigermaßen enttäuscht war, sehr angenehm überrascht.
Schon der graphisch interessante farbige Vorspann, mit einem Kurzauftritt von Brian Edgar Wallace und dem dahingehauchten Titelsong lässt auf einen interessanten Film hoffen, und das nicht vergeblich!
Wie im Titelsong bereits vorweggenommen, befinden wir uns in Soho, wo Laster und Tod zuhause sind.
Richtig geschieht gleich am Anfang ein unheimlicher Mord. Ausgeführt von einem nicht zu identifizierenden Täter, der mit silbernen Handschuhen und langem Messer, seine Tat ausführt.
Sir Philip (Hans Söhnker), der Chef von Scotland Yard (endlich hat man den grenzdebilen Sir John in den wohlverdienten Ruhestand geschickt), überträgt den Fall Chiefinspector Patton, der gerade aus dem Afrikadienst zurück in England ist und das Mordopfer Archibald Bassel gekannt hat.
Ihm zur Seite, als komischer Sidekick, steht Peter Vogel als Sgt. Hallam, der Soho wie seine Westentasche kennt.
Gemeinsam nehmen sie die Ermittlungen in der „Sansibar“ auf, die unter der Leitung der, vermeidlich querschnittsgelähmten, Joanna Filati (Elisabeth Flickenschild) steht, die irgendwie mit dem dubiosen Arzt Dr. Dalmer (Werner Peters) gemeinsame Sache zu machen scheint.



In der Sansibar bieten sich direkt einige verdächtige und interessante Personen an.
Zum einen der zwielichtige Clubmanager Gilyard (Stanislav Ledinek), der Messerwerfer Yusuf und die schöne und betörende Fotografin Corinne (Helga Sommerfeld) auf die der Sergeant ein ganz besonderes Auge geworfen hat.
Bevor Yusuf auch nur vernommen werden kann, wird auch er getötet.
Die Polizei, die ermittelt, dass Yusuf ein Rauschgift- und Mädchenhändler war, gerät immer mehr unter Druck, weil die Presse ihren Lesern mit dem „Phantom von London“ , bereits einen neuen Serienmörder präsentiert.
Sir Phillip muss sich auch noch mit seiner Freundin und späteren Verlobten Clarinda Smith, einer Kriminalautorin, auseinander setzten, die sich fest vorgenommen hat den Fall lösen zu wollen, was weder von Sir Philip noch von CI Patton goutiert wird.



In der Folge wird ein weiterer Gast der Sansibar, Lord Malhouse (wieder herrlich jovial Hans Nielsen) getötet. Zuvor ist in der Bar ein zwielichtiger Kapitän an ihn herangetreten, der ihn wegen einer gesunkenen Yacht und eines damit in Zusammenhang stehenden Versicherungsbetruges erpressen wollte.
Sein Erscheinen und das des Lords hatten bei Filati und Dalmer für Aufregung gesorgt. Corinne wurde aufgetragen den Lord in ein Stundenhotel zu locken und ihn zu betäuben. Was dann wohl mit ihm geschehnen sollte, bleibt ein Geheimnis, denn noch während Corinne im Bad darauf wartet, dass das Narkotikum wirkt, wird der Lord erstochen.
Corinne die verstört die Leiche findet, flieht und scheint Opfer einer Entführung zu werden.



Weitere Ermittlungen ergeben, dass alle Toten mit der Sansibar in Verbindung standen, so wie auch Sir Philip, der von Patton, dabei beobachtet wird, wie er mit der gesuchten Corinne wegfährt. Patton kann Sir Philip nicht folgen, weil ein unheimlicher Mann mit Leberfleck ihn überfällt und nach dem Leben trachtet. Patton kann den Kampf für sich entscheiden, doch „der Leberfleck“ ist schwer verletzt. Die Hoffnung er könne Licht ins Dunkel bringen zerschlägt sich, als er sich später im Polizeihospital erhängt.

Auch Kapitän Muggins, der in der Zwischenzeit den Doktor erpresst, wird ermordet.
Sgt. Hallam ermittelt, dass er Kapitän auf der gesunkenen Yacht Yolanda war, die überversichert im Mittelmeer gesunken ist.
Alle Opfer des Phantoms waren Passagiere oder Crewmitglieder der Yolanda.

Gilyard teilt Patton mit, dass Corinne die Angehörige eines Opfers des damaligen Schiffsunglückes ist. Er verrät ihm ihren Aufenthalt und hofft darauf, in den Genuss der inzwischen ausgesetzten Belohnung zu kommen. Dazu wird es nicht mehr kommen, denn auch er wird ein Opfer des Phantoms.
Unter der angegebenen Adresse ist Corinne nicht zu finden, doch ist Clarinda Smith zur Stelle, die die gleiche Information von Gilyard, erkauft haben will.
Clarinda, die mehrfach darum gebeten hat, Einblicke in die Polizeiarbeit nehmen zu dürfen,
wird von Patton ins Leichenschauhaus mitgenommen, wo sie auf den Anblick des Totes mit de Leberfleck verstört reagiert.



Der wackere Stg. Hallam konnte in mühsamer polizeilicher Routinearbeit herausfinden, dass Joanna Filati, die Chefin des Mädchenhändlerrings war, dem auch Yusuf angehörte.
Der Showdown findet auf dem Flughafen statt.
Dort treffen wir auf die als Nonne verkleidete Corinne, die Sir Philip außer Landes bringen will und ein Flugzeug nach Frankreich besteigt.
Und dort finden sich auch Filati, sicher gehend auf ihren zwei Beinen und Dalmer wieder, die aus Angst vor dem Phantom, England verlassen wollen.



Abgelenkt durch das Erscheinen von Corinne, verlieren Patton und Hallam, die Beiden aus den Augen, was das Phantom nutzt, um auch Dalmer zu erledigen.
Das Phantom jagt nun Filati, doch kann der letzte Mord durch CI Patton verhindert werden.
Hinter einer Totenkopfmaske verbirgt sich Clarinda Smith.

Clarinda, die vor Jahren als Stewardess auf der Yolanda engagiert war, wusste nicht, dass das Schiff ein schwimmendes Bordell war.
Sie selber wurde unter Drogen gesetzt und von den anwesenden Männern vergewaltigt, die sie gefesselt und zum Sterben verurteilt auf dem sinkenden Schiff zurück ließen. Der Mann mit dem Leberfleck, Maschinist auf dem Boot, rettete sie und blieb treu an ihrer Seite.
Corinne ist ihre Schwester, die auf ihre Bitte von Sir Philip in Sicherheit gebracht werden sollte.
Clarinda wählt den Freitod mittels einer Giftkapsel. Corinne wird von Stg. Hallam, der ihr noch im Flugzeug einen Antrag macht zurück gebracht.

Soweit der komplexe Plot, der erkennen lässt, dass sich da einer mit der Story richtig Mühe gegeben hat.
Die Geschichte ist gut konstruiert, voller interessanter und vielschichtiger Charaktere und vor allem unvorhersehbar.
Mit Clarinda Smith wird nicht nur eine Frau als Täterin präsentiert, sondern auch eine mit einem starken Motiv.
Einem Motiv obendrein, dass in Filmen der 60er Jahre nahezu einen Tabubruch darstellt.
Auch etwaige Ungereimtheiten, wie die Tatsache, dass sich die Opfer gar nicht gegen das Phantom zu wehren versuchen, werden im Film aufgegriffen, wenn CI Patton angesichts der ohne Abwehrspuren aufgefundenen Leiche fragt „Wieso konnte er sich nicht wehren?“
Erwähnenswert finde ich auch die geniale Kameraeinstellung, vor allem bei der Messerwerfnummer in der „Sansibar“.

Es gibt in diesem Film keine strahlenden Helden. Alle, bis auf die taufrische, trotz ihres sündigen Outfits unschuldig erscheinende Corinne, wirken etwas zerknittert, mitgenommen und vom Leben gezeichnet.
Sir Philip, von Hans Söhnkers vielleicht ein wenig zu steif und unbeteiligt dargestellt, der gegen diverse Vorschriften verstößt um der Dame seines Herzens gefällig zu sein, ebenso wie der von Dieter Borsche ganz famos gespielte Chiefinspector Patton.
Borsche der zum Glück einmal nicht als psychopatischer Mörder eingesetzt wird, ist für mich das Highlight des Films.
Dieser Polizist ist süffisant und sarkastisch, doch wirkt er trotz seiner Dienstjahre eher augenzwinkernd als desillusioniert.
Der bereits heftig unter Muskelschwund leidende Borsche versteht es seine körperliche Unbeweglichkeit mit seiner geistigen Beweglichkeit ausgleichen.
Das wirklich gute Script tut das Übrige. Die klugen und witzigen Dialoge trägt er trocken und witzig vor.
Schon beim ersten Besuch der Sansibar, hat mich seine lakonische Feststellung: „Das Personal in diesem Laden ist aber sehr nervös.“ zum Kichern gebracht.
Großartig sind die Dialoge mit Joanna Filati, und die Wortgeplänkel mit Stg. Hallam.
Köstlich das Telefonat mit Dr. Dalmer:
Dalmer: „Was wollen sie?“
Patton: „Ich wollte nur fragen ob sie noch leben.“
Dalmer: „Immer noch, das ist eine alte Angewohnheit von mir, und ich habe auch die Absicht daran festzuhalten.“


St. Hallam, der von Peter Vogel ganz ordentlich gespielt wurde, hätte mir besser gefallen, wenn man darauf verzichtet hätte, ihn mit diesem albernen Bowlerhut und dem aufgesetzten Schnurrbart auszustatten. Ein bisschen weniger Klamauk, hätten der Rolle gut getan und sie glaubwürdiger gemacht.
Elisabeth Flickenschild, die prinzipiell eine Bereicherung für jeden Film ist, sieht man in einer ähnlichen Rolle wie schon in „Das Gasthaus an der Themse“. Sie spielt, die skrupellose, gewissenlose Kriminelle routiniert.
Auch Werner Peters ist gemäß seines üblichen Rollenfachs gut besetzt und gibt den schmierigen, zwielichtigen Charakter überzeugend.
Barbara Rütting ist ein schöner Gegenentwurf zu den üblichen Edgar- Wallace Schönen, die ständig gerettet werden wollen.
Sie stellt die moderne selbstbewusste Frau sehr überzeugend dar, jedoch ist das ja nur eine Facette von Clarindas Charakter.
Vielleicht liegt es daran, wie die Figur im Drehbuch angelegt war, aber ich glaube, dass eine Frau die Vergewaltigungen und einen Mordversuch erleben musste und die selber zur Serienmörderin wurde, zerrissenen hätte dargestellt werden müssen. Zumindest in der Schlussszene bei ihrem Geständnis hätte ich weniger Abgeklärtheit in der Rolle erwartet.

Wie auch bei „Der Henker von London“ und „Das Ungeheuer von Soho“ gibt es kein Happy End.
Sir Philips Hoffnung auf ein spätes Glück, bleibt ihm versagt.
Zwar macht St. Hallam, der bezaubernden Corinne einen etwas verunglückten Antrag, den sie lächelnd entgegen nimmt, doch darf man hoffen, dass sie ihn, in London angekommen und von den Handschellen befreit, ablehnt. Dann gäbe es ein Happy- End zumindest für sie.

Mein Fazit: Ein spannender, überraschender Film, mit erstklassigen und überzeugenden Darstellern, humorvollen Dialogen und guter Kulisse. Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten

Ray Offline



Beiträge: 607

23.01.2017 12:12
#66 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Zitat von Fräulein Janine im Beitrag #65

Sir Philip (Hans Söhnker), der Chef von Scotland Yard (endlich hat man den grenzdebilen Sir John in den wohlverdienten Ruhestand geschickt)


Falls du auf Siegfried Schürenberg anspielst: der hat bei Bryan Edgar Wallace nie in der Rolle des Sir John mitgewirkt und dessen Figur hat man so auch nie 1:1 übernommen. Bei der Konkurrenz sollte er aber über 1963 hinaus noch einige Jahre fröhlich weiter ermitteln, was ich persönich auch sehr gut finde.

Ansonsten eine schöne und vor allem ausführliche Besprechung, die im Ergebnis insbesondere @patrick gefallen wird, der das "Phantom" hier ja regelmäßig verteidigt und damit sicher auch demnächst fortfahren wird.


Mal was anderes: ich frage mich schon länger, warum eigentlich Karin Dor auf dem Kinoplakat prangt (sie ist es doch, oder?). Wollte man so Zuschauer in die Kinos locken oder sollte sie gar nicht erkannt werden und nur ein austauschbares Opfer des "Phantoms" darstellen?

Fräulein Janine Offline




Beiträge: 124

23.01.2017 16:08
#67 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Du hast recht, auch ich habe die Frau auf dem DVD COVER als Karin Dor identifiziert, und mich gefragt,
was das soll.
Das mit Schürenberg weis ich.
Ich finde ihn auch ganz witzig, habe mich aber schon als Kind gefragt, wie ein solcher Trottel wie Sir John in so eine Führungsposition gelangen konnte. Wahrscheinlich spielt er mit den richtigen Leuten Golf

Fräulein Janine Offline




Beiträge: 124

23.01.2017 18:44
#68 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Einen hübschen kleinen Film zum echten Nachtleben in Soho, habe ich hier gefunden:

patrick Offline




Beiträge: 2.694

29.01.2017 21:49
#69 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Bryan Edgar Wallace: Das Phantom von Soho (1963/1964)




Regie: Franz Josef Gottlieb

Produktion: CCC-Filmkunst-Artur Brauner, BRD 18.11.1963 - 06.01.1964

Mit: Dieter Borsche, Barbara Rütting, Hans Söhnker, Elisabeth Flickenschildt, Peter Vogel, Helga Sommerfeld, Werner Peters, Hans Nielsen, Stanislav Ledinek, Otto Waldis, Hans W. Hamacher, Emil Feldmar, Harald Sawade, Kurt Jaggberg


Handlung:

Ein unheimlicher Messermörder, genannt Phantom, treibt im Londoner Stadtteil Soho sein Unwesen. Die Opfer sind in erster Linie ältere Lustmolche, welche dem Prostituiertenmillieu sehr zugeneigt sind. Kurioserweise wird jeder Leiche ein Kuvert mit Geld zugesteckt. Eine auffallende Gemeinsamkeit zwischen den Ermordeten ist der Umstand, dass sich alle einst auf einem Schiff namens Jolanda befanden, welches vor Jahren gesunken ist. Auch der, eigentlich totgeglaubte, Kapitän wird vom Phantom erstochen, nachdem er versucht, einige der anderen späteren Opfer zu erpressen. Inspektor Patton startet seine Ermittlungen in der "Sansibar", wo bald ein dubioser Messerwerfer das Zeitliche segnet. Eine Reihe von Verdächtigen tritt in Erscheinung, zu denen bald auch Pattons Vorgesetzter Sir Phillip, der Chef von Scotland Yard höchstpersönlich, zählt...

Anmerkungen:

Die BEW-Reihe hat inzwischen ihren qualitativen Zenit erreicht und auch "Das Phantom von Soho" setzt den stabilen Höhenflug ohne Ermüdungserscheinungen fort. Brauners Kamerateam hat längst begriffen, worauf es bei einem Wallace-Krimi ankommt, und verwöhnt den Fan mit tollen Aufnahmen und einer für das Genre geradezu typisch düsteren Grusel-Krimi-Atmosphäre. Bei den Morden wird die subjektive Kamera aus der Perspektive des Phantoms mit den Glitzerhandschuhen sehr geschickt und wirkungsvoll eingesetzt. Die Story ist ausgesprochen interessant erdacht und angemessen spannend umgesetzt. Ein eigentlich recht modernes und anstößiges, um nicht zu sagen schmutziges, Thema kommt dabei im Gewand eines Schwarzweißfilms der guten alten Schule daher und entwickelt in dieser Kombination einen Stil, der sich nicht zu verstecken braucht.

Das "Schmankerl" in diesem Thriller ist Dieter Borsche (1909-1982). Hat ihn der Genre-Krimi jener Tage offenbar auf die Rolle des wenig sympathischen Psychopathen festgelegt, darf er hier erstmals ermitteln. Sein schon in die Jahre gekommener Inspektor Patton ist nicht an romantischen Abenteuern interessiert und agiert sehr selbstsicher und mit einem dezenten Zynismus. Neben den, von meiner Vorrednerin @Fräulein Janine bereits angesprochenen, Dialogen gefallen mir auch noch folgende:

Elisabeth Flickenschild hat gerade belastende Papiere verbrannt, als Dieter Borsche den Raum betritt. Als er die Überreste erspäht fragt er: "Ach, ist das Belastungsmaterial?" Darauf Flickenschild: "Nein, Liebesbriefe." Darauf wieder Borsche fragend: "Alte Liebesbriefe?"

Als der, zuerst nicht identifizierbare, Captain Muggins erstochen aufgefunden wird, sagt Peter Vogel: "Ein unbekannter Seemann." Darauf Borsche: "Wir werden ihn sehr schnell bekannt machen."

Flickenschild fragend zu Borsche: "Sie verhaften mich nicht?" Darauf Borsche: "Nein, der Augenblich ist nicht günstig." Flickenschild: "Und welcher ist günstig?" Borsche: "Der Augenblick kurz vor Ihrer Ermordung."

Man ist wirklich geneigt zu bedauern, Borsche nicht öfters so gesehen zu haben. In der Kampfszene wirkt er etwas steif, was aber an seiner Erkrankung gelegen haben dürfte. Überhaupt ist es Brauners Filmen zugute zu halten, dass dort einige Wallace-Darsteller hin und wieder aus ihrem üblichen Type-Casting ausbrechen dürfen. Auch kann praktisch jeder der Täter sein und selbst Ermittler und weibliche Hauptdarstellerinnen genießen keine grundsätzliche "Immunität", was der Spannung umso mehr Auftrieb gibt.

Als obligatorischer Clown kommt diesmal Peter Vogel daher, der m.E überhaupt nicht in jene Art Film passt, es aber mit den Albernheiten Gott sei Dank nicht allzu sehr übertreibt, was man als Schadensbegrenzung goutiern darf. Elisabeth Flickenschild und Werner Peters stemmen ihre gewohnten Rollen sehr souverän und auch der restlichen Darstellerriege ist nichts vorzuwerfen.

Das von Tanja Berg (geb.1941) gesungene Soho-Lied weicht von Martin Böttchers sonstigen Scores deutlich ab, ist aber ein gelungener und passender Ohrwurm, den man auf keinen Fall missen möchte.

Eigentlich wäre es eine nette Idee gewesen, Bryan Edgar Wallace nicht nur im Vorspann persönlich erscheinen zu lassen, sondern ihm in jedem Film der Reihe einen Kurzauftritt zu gewähren, quasi als Markenzeichen. Schade, dass man da wohl nicht drauf gekommen zu sein scheint.



Fazit:

Typische Wallace-Atmosphäre, kombiniert mit einer sehr interessanten Geschichte, spannend und kurzweilig umgesetzt - was will man mehr. 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.539

29.01.2017 21:50
#70 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten



Bryan Edgar Wallace: Das Phantom von Soho


Kriminalfilm, BRD 1963/64. Regie: Franz Josef Gottlieb. Drehbuch: Ladislas Fodor (Vorlage „Murder by Proxy“, 1963: Bryan Edgar Wallace). Mit: Dieter Borsche (Chefinspektor Hugh Patton), Barbara Rütting (Clarinda Smith), Hans Söhnker (Sir Philip), Peter Vogel (Sergeant Hallam), Helga Sommerfeld (Corinne Smith), Elisabeth Flickenschildt (Joanna Filiati), Werner Peters (Dr. Dalmar), Stanislav Ledinek (Clubmanager Gilyard), Hans Nielsen (Lord Malhouse), Otto Waldis („Leberfleck“) u.a. Uraufführung: 14. Februar 1964. Eine Produktion der CCC-Filmkunst Berlin im Gloria-Filmverleih München.

Zitat von Das Phantom von Soho
Nicht nur Nachtschwärmer bevölkern die dunklen Straßen von Soho: Auch ein mit Messern bewaffneter Mörder in unheimlicher Verkleidung schleicht in den Gassen rund um die „Sansibar“ umher. Seine Taten führen Chefinspektor Patton und dessen Assistenten Hallam zu Joanna Filiati, der Geschäftsführerin der „Sansibar“, die gemeinsam mit einer eingeschworenen Gruppe halbseidener Individuen ein pikantes Rätsel aus den afrikanischen Kolonien hütet. Ein Mitwisser nach dem anderen gerät nun in die Fänge des todbringenden Phantoms – sehr zur Freude der Kriminalautorin Clarinda Smith, die über diesen Fall ein Buch zu schreiben beabsichtigt ...


Oft wird das „Phantom“ seiner tragischen Auflösung wegen mit dem „Mann mit dem Glasauge“ verglichen. Doch nicht nur das Ende, sondern schon die ersten Szenen ermöglichen dem Zuschauer, direkte Parallelen zu den späten Rialto-Filmen zu ziehen: Die typischen Backstein-Fassaden und -Höfe der CCC-Studios drücken dem „Phantom von Soho“ von Anfang an einen charakteristischen, leider auch recht un-englischen Stempel auf – hier kündigt sich das filmische Spardiktat, das sich in den Vohrer-Farbfilmen der Vater-Serie so immens bemerkbar machen sollte, schon in ersten Zügen an. Diesen Stil teilt sich der Film mit seinem Nachfolger „Das Ungeheuer von London-City“; auch inhaltlich liegen beide – eher düstere Exemplare der Gattung Serienmord-Krimi – auf einer ähnlichen Wellenlänge. Möchte man die Vergleiche im „Phantom“-Umfeld auf die Spitze treiben, so könnte man noch anmerken, dass der Film, der seinerzeit sogar nur eine FSK-18-Freigabe erhielt, in Bezug auf gebrochene Personen und bittere Wahrheiten eine sehr viel glaubwürdigere Nische als der „Henker“ bedient, die sich – wenn man nicht gleich bis 1968 vorpreschen möchte – so in etwa, wenn auch mit anderer Begründung, auch in Reinls zeitgleich entstandenem Rialto-Krimi „Zimmer 13“ findet.

Nachdem Brauner und die Autoren sowohl an den „Koffern“ als auch am „Henker“ gesehen hatten, dass zwei Verbrechensstränge in einen Film nicht wirklich hineinpassten, wurde als Motto fürs „Phantom“ offenbar Reduzierung ausgerufen. Es gibt genau einen zentralen Verbrecher und genau ein von (fast) allen Protagonisten entweder geteiltes oder gesuchtes Geheimnis, das – so wie im „Würger“ – über ein exotisches Aroma verfügt. Gute Voraussetzungen also. Und tatsächlich lässt sich das „Phantom“ recht spannend an – der erste Mord und Leichenfund werden routiniert abgewickelt, die Ermittler mustergültig vorgestellt, der Hauptschauplatz „Sansibar“ mit einem spektakulären Messerwerfer-Act eingeführt; und ein zweiter Mord, diesmal am Messerwerfer persönlich, folgt schon nach kurzer Zeit. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte das „Phantom“ als wirklich gelungener Krimi bezeichnet werden.

In Folge macht sich jedoch die Personalie des Regisseurs immer stärker bemerkbar. Franz Josef Gottlieb waren auch schon bei Wallace senior nicht die spannendsten Filme geglückt; sein erster Bryan-Edgar-Wallace-Film steht dieser Tradition in nichts nach. Der Mittelteil des Films ergeht sich in zunehmend herausfordernderer Langeweile, die in schwach ausgearbeiteten Opferfiguren und lapidaren Szenenreihungen begründet liegt. So muss man dem Film viel verschenktes Potenzial und letztlich auch das wenig schmeichelhafte Prädikat „ein typischer Gottlieb“ vorwerfen. Das ist vor allem deshalb schade, weil das Ermittler-Trio diesmal stark besetzt und gespielt ist und damit eindeutig die Spitze der BEW-Schnüfflerhitliste übernimmt. Die Idee, den schurkischen Blindenheim-Reverend Borsche als Chefinspektor auftreten zu lassen, mag ungewöhnlich erscheinen, funktioniert aber prima, da Borsche an die Besonnenheit und Schneidigkeit seiner älteren Rollen anzuknüpfen weiß. Peter Vogel übernimmt derweil den Komikerposten von Chris Howland und kommt Eddi Arents Humor deutlich näher, präsentiert sich als trocken-sarkastische, aber nie übermäßig alberne Ergänzung. Sehr stimmig! Hans Söhnkers Romanze mit Barbara Rütting mag etwas weit hergeholt erscheinen, unterstützt aber das Ansinnen, seine Figur – ein lüsterner alter Mann, der seine Position ausnutzt? – verdächtig zu machen, was insgesamt besser aufgeht als bei Wolfgang Preiss im „Henker“.

Ein bisschen schade ist, dass Richard Angst, dem sonst eine solide, wenn auch nicht seine beste Scope-Kameraführung gelang, sich wieder einmal gemüßigt sah, die Mordszenen aus der Sicht des Phantoms aufzunehmen. So passt diese Bezeichnung zwar zum Täter, den man nie so wirklich zu Gesicht bekommt. Doch wenn im Finale dann die überzeugende, unheimliche Maskierung gezeigt wird, muss man schon ein wenig bedauern, dass sie vorher im Film nicht (effektiver) eingesetzt worden ist. Das „Phantom“ hätte nicht nur auf diese Weise einen höheren Spannungsfaktor erzielen können. Auch die sehr fluffige, lähmend hin- und herschwingende Böttcher-Musik erweist sich wie auch im Folgefilm als tödlich für jeden Nervenkitzel. Das einzig Positive, was über sie zu sagen bleibt, ist, dass sie noch besser ist als Corinnes urdeutsche Duschgesänge in der Mordszene an Lord Malhouse, die zu den irritierendsten und merkwürdigsten Fehlentscheidungen des ansonsten handwerklich ja nicht wirklich schlechten Films zählen.

Nach den verworrenen Extravaganzen des „Henkers“ nahm man die abgefahrene Gothic-Sause fürs „Phantom“ wieder ein Stück zurück – vielleicht sogar ein etwas zu großes. Gottlieb, ein Meister der Niedrigspannung, hätte anders als Zbonek vielleicht ein etwas blumigeres Drehbuch, abwechslungsreichere Kulissen und weniger loungige Musik gebraucht, um diesen Film vor massiven Längen zu bewahren. Die Stärken des „Phantoms“ liegen in Anfang und Ende sowie mustergültig dargestellten Sixties-Gesetzeshütern. Auch Elisabeth Flickenschildt ist wieder einmal eine Freude, wenn ihre Nelly-Oaks-Gedächtnisrolle sie auch merklich unterfordert. 3 von 5 Punkten.

Fräulein Janine Offline




Beiträge: 124

29.01.2017 22:07
#71 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Zitat
Das "Schmankerl" in diesem Thriller ist Dieter Borsche



Schön, dass die Herren Patrick und Gubanov meine Einschätzung zu Dieter Borsches Darstellung teilen.
Wie ich in älteren Beiträgen gelesen habe, ist man hier im Forum darüber durchaus geteilter Meinung

Jan Offline




Beiträge: 1.182

29.01.2017 22:49
#72 RE: Bewertet: BEW - "Das Phantom von Soho" (5) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #69

Eigentlich wäre es eine nette Idee gewesen, Bryan Edgar Wallace nicht nur im Vorspann persönlich erscheinen zu lassen, sondern ihm in jedem Film der Reihe einen Kurzauftritt zu gewähren, quasi als Markenzeichen. Schade, dass man da wohl nicht drauf gekommen zu sein scheint.

Kommt Brauners Chefdramaturg eines Tages in das übersichtlich eingerichtete Büro seines Chefs auf dem Gelände der CCC und sagt: "Herr Brauner, ich hab' da eine Idee. Lassen wir doch den Bryan Wallace mal in unseren Filmen Cameoauftritte absolvieren. Quasi als Running-Gag." Brauner beginnt reflexartig, auf eine alte Rechenmaschine einzudreschen, rechnet 65 Zahlen zusammen, dividiert durch Bryans Bekanntheitsgrad, multipliziert mit einem griffigen Werbeslogan auf den Plakaten, zieht die 3. Wurzel aus dem Konfliktpotential mit Frau Kubaschewski, hebt dann den Kopf und sagt: "Zu teuer!"



So ähnlich könnt's gewesen sein...

Gruß
Jan

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