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Dieses Thema hat 41 Antworten
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 Filmbewertungen
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Peter Offline




Beiträge: 2.817

01.12.2016 09:18
#31 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #27
Zitat von Gubanov im Beitrag #26

Kurios, wie die Wahrnehmungen auseinandergehen: "Stahlnetz" und "Krallen" sind für mich neben der "weißen Spinne" nicht nur Reinls beste Epigonen, sondern überhaupt seine besten Krimis.

In der Tat kurios. Du ordnest "Stahlnetz" und "Krallen" auch vor "Frosch", "Bande" und "Fälscher" ein (Nach dem "Mönch" frage ich dich schon gar nicht)?

Nach dem uMönch frage ich auch nicht, weil man mich nach dem auch nicht fragen muss. Doch der Rest ist, bei aller Sympathie für die genannten Epigonen, in dieser eindeutigen Formulierung zumindest mal erstaunlich....

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

01.12.2016 17:06
#32 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Bei Frosch und Bande gäbe es vielleicht noch Diskussionsansätze, aber die schnarchige Schnulze Fälscher ist als Krimi ja wohl eine glatte Themenverfehlung, bei der sich Reinls seichte Seite Bahn brach. Und während Frosch und Bande zwar handwerklich lobenswert sind, fehlt ihnen eben das typisch stylishe Sixties-Krimimoment, das sich 1959 und 1960 noch nicht vollumfänglich herausgeprägt hatte. Insofern: Ja, ich bevorzuge Spinne, Stahlnetz und Krallen den drei genannten Wallace-Filmen.

Zitat von Ray im Beitrag #30
Wie Daniel finde auch, dass man das nicht ganz vergleichen kann, weil die Wallace-Filme ja grundsätzlich eigenständige Storys haben.

Hier verweise ich einfach nochmal auf diesen Thread, in dem wir ausführlicher (an-)diskutiert haben, wie eigenständig nun eigentlich die einzelnen Wallace-Filme wirklich sind. Das gehört sicher nicht an diese Stelle, aber das Ermitteln mehrerer verschiedener Fuchsberger- oder Drache-Inspektoren unter Siegfried Schürenbergs Sir John dürfte z.B. eine ähnliche Inkonsistenz sein wie das Auftauchen zweier unterschiedlicher Fröbe-Ermittler in Wolfgang Preiss' Mabusiversum. Angebliche Unterschiede erscheinen mir da eher künstlich herbeidiskutiert.

Ray Offline



Beiträge: 1.082

01.12.2016 19:26
#33 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #32
Bei Frosch und Bande gäbe es vielleicht noch Diskussionsansätze, aber die schnarchige Schnulze Fälscher ist als Krimi ja wohl eine glatte Themenverfehlung, bei der sich Reinls seichte Seite Bahn brach. Und während Frosch und Bande zwar handwerklich lobenswert sind, fehlt ihnen eben das typisch stylishe Sixties-Krimimoment, das sich 1959 und 1960 noch nicht vollumfänglich herausgeprägt hatte. Insofern: Ja, ich bevorzuge Spinne, Stahlnetz und Krallen den drei genannten Wallace-Filmen.



Bei "Fälscher" und "uMönch" gäbe es auch "Diskussionsansätze", aber zumindest bezüglich Letzterem will ich hier mal keine schlafenden Hunde wecken.

Nur gegen die Bezeichnung des "Fälschers" als "schnarchige Schnulze" und "glatte Themenverfehlung" will ich protestieren.

-"Schnarchige Schnulzen" sind für mich "Plüschkrimis" - und gerade die gefallen dir doch recht gut. Umso mehr verwundert mich insoweit diese Einschätzung.

-"Fälscher" gehört zu denjenigen Filmen, die sich relativ eng am Roman von Wallace gehalten haben. Also kann in Bezug auf Wallace von "glatte Themenverfehlung" schon mal keine Rede sein; aber auch unter dem bloßen Gesichtspunkt "Krimi" seh ich das anders. Im "Fälscher" kommt der Romanze zumindest eine gesteigerte narrative Funktion zu und wurde nicht nur in die Geschichte geschrieben, damit es am Ende noch irgendwie ein "Happy End" gibt. Ein Kriminalfim bleibt der Film trotzdem - und ein sehr guter noch dazu.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.328

01.12.2016 20:42
#34 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Also mir geht es da ganz wie Gubanov: "Die unsichtbaren Krallen..." und noch mehr "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" gehören für mich zu den Highlights der 60er Krimis und auch im Werk von Harald Reinl. Natürlich haben die "1000 Augen" die Messlatte für die Nachfolger recht hoch gelegt, doch das sollte man den Filmen nicht anlasten, auch kann ich ebenfalls nicht ganz verstehen, warum die Abweichungen in der "Kontinuität" der Filme hier als problematischer oder störender empfunden werden wie z. B. in der Wallace-Reihe.

Der "Frosch" ist in der Tat m. E. der einzige Krimi von Harald Reinl, der vielleicht noch einen Deut besser sein könnte als die beiden oben genannten Mabuses, auch wenn ich das mit dem fehlenden fluffigen 60ies Flair schon gut nachvollziehen kann.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.934

28.08.2017 20:32
#35 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Ich weiß, ich schaue mir die Filme zu spät an. Aber immerhin hat mich der Epigonen-Grandprix dazu gebracht, sie überhaupt wieder hervorzukramen.

Stahlnetz mag vielleicht nicht der beste Epigone sein, aber der temporeichste ist er bestimmt. Keine Sekunde langweilig, die Musik wirkt unterstützend an den passenden Stellen und Fröbe wirkt wie legitime Fortsetzung des Ursprungs-Lohmanns. Überhaupt hat mich die Atmosphäre und vor allem auch die Bildgestaltung dieses Mal ganz stark an deutsche Vorkriegsfilme erinnert. Das Licht-und-Schatten-Spiel ist sehr stark. Inhaltlich vielleicht flacher als alle bisherigen Mabuses, aber stilistisch mehr als nur in einer Reihe mit ihnen.

An die zeitlose Klasse der 1000 Augen kommt das eher nostalgisch anmutende Stahlnetz nicht heran, aber inszenatorisch ist das sicher einer von Reinls besten Kriminalfilmen.

Ray Offline



Beiträge: 1.082

28.08.2017 23:25
#36 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #35
Ich weiß, ich schaue mir die Filme zu spät an. Aber immerhin hat mich der Epigonen-Grandprix dazu gebracht, sie überhaupt wieder hervorzukramen.




Ich weiß ja nicht wie es anderen geht, aber ich persönlich freu mich über jedes Statement zu den von uns allen so geliebten Filmen.

Und wenn der Epigonen-Grand-Prix der Anlass ist, spricht das doch nur für die "Strahlkraft" dieser schönen Wettbewerbe.

Lord Low Offline




Beiträge: 633

29.08.2017 00:06
#37 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #36
Zitat von Count Villain im Beitrag #35
Ich weiß, ich schaue mir die Filme zu spät an. Aber immerhin hat mich der Epigonen-Grandprix dazu gebracht, sie überhaupt wieder hervorzukramen.




Ich weiß ja nicht wie es anderen geht, aber ich persönlich freu mich über jedes Statement zu den von uns allen so geliebten Filmen.

Und wenn der Epigonen-Grand-Prix der Anlass ist, spricht das doch nur für die "Strahlkraft" dieser schönen Wettbewerbe.



Der Grandprix war für mich auch schon der Anlass, mir einige Filme (wie z. B. die Pater Brown Reihe) nochmal anzuschauen. Es gibt immer was zu tun!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

29.08.2017 00:24
#38 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #36
Ich weiß ja nicht wie es anderen geht, aber ich persönlich freu mich über jedes Statement zu den von uns allen so geliebten Filmen.

Kann ich nur bestätigen. Und die Diskussionen, die auch in den Filmbewertungsthreads noch immer rege aufkommen, wenn jemand 'mal einen Anlass dafür schafft - das können auch Besprechungsreihen wie z.B. deine sein -, zeigen, dass zu den Filmen noch lange nicht "alles gesagt" ist. Das gilt für die Epigonen natürlich noch mehr als für die typischen Wallace-Filme.
Zitat von Count Villain im Beitrag #35
Inhaltlich vielleicht flacher als alle bisherigen Mabuses

Anders und dezidiert spannungs- und actiongeladen, aber nicht unbedingt flach. Wir hatten uns das "Stahlnetz" im Rahmen des Wallace-Treffens in Berlin im Zeughauskino angesehen und in der Einführung wurde ganz niedlich illustriert (vielleicht auch etwas überinterpretiert), dass der Film durchaus als Auseinandersetzung mit der Atomangst in Deutschland und Europa zu einer Zeit, zu der die ersten AKWs ans Netz gingen, zu verstehen ist. Das, kombiniert mit der Superschurken-Weltbeherrschungsfantasie, gibt inhaltlich eigentlich schon ziemlich viel her, auch wenn so ein Thema natürlich von sich aus zwangsläufig plakativ bzw. spekulativ angepackt werden muss.
Zitat von Count Villain im Beitrag #35
Überhaupt hat mich die Atmosphäre und vor allem auch die Bildgestaltung dieses Mal ganz stark an deutsche Vorkriegsfilme erinnert. Das Licht-und-Schatten-Spiel ist sehr stark.

Da muss ich auch ganz klar zustimmen. Einer der ganz starken Punkte von "Stahlnetz" ist seine unfassbar stimmige (und einmalig urbane) Optik.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.528

17.09.2017 10:28
#39 RE: Bewertet: "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (1961, Mabuse 2) Zitat · antworten

„Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 3 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 4,28 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 17 von 17 (16x „gut bekannt“, 1x „länger her“)
Top-10-Tipps: 6 von 8 (höchster Tipp: 2x Platz 3)
Auswahlrunde: vorqualifiziert (Dr.-Mabuse-Film)


mit 4,53 Pkt. Platz 07 in der Kategorie Schauspieler (– 4)
mit 4,47 Pkt. Platz 06 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (– 3)
mit 3,91 Pkt. Platz 12 in der Kategorie Drehbuch / Logik (– 9)
mit 4,27 Pkt. Platz 06 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (– 3)
mit 4,03 Pkt. Platz 10 in der Kategorie Musik (– 7)
mit 4,50 Pkt. Platz 10 in der Kategorie Epigonenfaktor (– 7)
mit 4,27 Pkt. Platz 06 in der Kategorie freie Wertung (– 3)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Endergebnis (#243) (16)

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.561

03.06.2018 14:45
#40 RE: Bewertet: "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (1961, Mabuse 2) Zitat · antworten

BEWERTET: "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (Deutschland 1961)
mit: Gert Fröbe, Lex Barker, Daliah Lavi, Fausto Tozzi, Rudolf Fernau, Werner Peters, Rudolf Forster, Ady Berber, Joachim Mock, Laura Solari, Albert Bessler, Alexander Engel, Zeev Berlinsky, Henry Cobet, Jean-Roger Caussimon, Lou Seitz, Wolfgang Preiss u.a. | Drehbuch: Ladislas Fodor und Marc Behm nach den Motiven von Norbert Jacques | Regie: Harald Reinl

Oberst Hark von der Interpol, der wichtiges Beweismaterial bei sich führt, wird im Zug ermordet. Kommissar Lohmann, der gerade im Begriff ist, einen Angelurlaub anzutreten, soll den Fall übernehmen. In Kürze wird die Verbindungsfrau des Chicagoer Verbrecher-Syndikats in der Stadt erwartet, doch Mrs. Pizarro stirbt auf offener Straße durch einen Flammenwerfer. In ihrer Handtasche findet Lohmann das Buch "Anatomie des Teufels" von Pfarrer Briefenstein. Ein Kapitel handelt vom Dr. Mabuse-Mythos, was die Alarmglocken des Kommissars schrillen lässt. Er sucht den Geistlichen auf, doch selbst in der Kirche lauern Gefahr und Tod....



Nachdem Fritz Lang den unseligen Doktor im Jahr 1960 reanimiert hatte, erteilte die CCC dem Routinier Harald Reinl den Auftrag, einen populären Reißer zu inszenieren, der den unheimlichen Verbrecher zum legendären Schrecken der Kinos werden ließ. Das bewährte Team Fröbe/Peters/Preiss/Bessler stand erneut zur Verfügung, wohingegen man mit Lex Barker einen neuen Mann holte, der die Reihe mit seinem amerikanischen Flair noch nachhaltig prägen sollte. Fausto Tozzi übernahm die Öffentlichkeitsarbeit für den im Verborgenen agierenden Wolfgang Preiss, den es nach seinem Sturz in die Fluten offiziell nicht mehr geben durfte. Bei der weiblichen Hauptfigur setzte man nach der Engländerin Dawn Addams auf die Israelitin Daliah Lavi, die noch am Anfang ihrer Karriere stand. Mit Laura Solari als enigmatischer Mrs. Pizarro, Ady Berber als ferngesteuerter Tötungsmaschine und Rudolf Forster als kauzigem Wissenschaftler versammelte man ebenso wichtige Originale im Dunstkreis Mabuses wie mit Jean-Roger Caussimon als finsterem Küster und Henry Coubet als blindem Zeugen. Es sind gerade diese akzentuierten Darstellungen, die stellenweise ohne Text auskommen, die das Besondere des zweiten Mabuse-Films ausmachen. Bereits der Vorspann kündet in dramatischer Tonlage von der Bedrohung, die in den nächsten anderthalb Stunden die Kinoleinwand bzw. den Bildschirm überschatten wird. Die Musik von Peter Sandloff unterstreicht jede visuelle Nuance gekonnt und dramatisiert das Geschehen auf wohlig-gruselige Weise. Selten hat man einen Kriminalkommissar bei Mabuse so ausgelassen und jovial gesehen wie Lohmann beim Kofferpacken im Kreis seiner Familie. Das Idyll kontrastiert bewusst mit den Aufgaben, die er bald lösen muss und deren Wirkungskreis wie aus einem Alptraum zu kommen scheint.

Morde in aller Öffentlichkeit, wobei die physische Vernichtung der Leichen durch Feuer oder Schwefelsäure die Entschlossenheit der unbekannten Macht noch betonen, sowie eine Organisation internationalen Ausmaßes, deren Gier nach Kontrolle des Einzelnen und Lenkung der Massen an historische Führerfiguren erinnert. Der Wunsch nach Herrschaft bleibt, die Methoden mögen andere sein. Das Gefängnis als Brutstätte weiterer Verbrechen, als Ort der Radikalisierung und als Bollwerk gegen Recht und Ordnung erfüllt einmal mehr seinen Ruf als Parallelwelt, in der Hass und Rache gezüchtet werden statt kriminelle Elemente zu resozialisieren. Zweifellos üben Direktor Wolf und sein Abteilungsleiter Böhmler eine morbide Faszination aus, stehen sie doch unbestreitbar in den Diensten Mabuses, während man sich bei Briefenstein oder Professor Sabrehm nicht sicher sein kann. Ebenso verfolgt das Drehbuch die Strategie, den neuen Mann aus den USA unter gleich drei Identitäten einzuführen, um Kommissar Lohmann noch mehr zu isolieren. Selbst sein Assistent Voss wird in die Nähe eines Verdachts gerückt. Praktisch in jeder Minute und an allen Schauplätzen lauert der Tod auf sein nächstes Opfer, wobei in der Wahl der Tötungsinstrumente Fantasie bewiesen wird. Während sich die "1000 Augen" der Manipulation durch falsche Bilder und Gefühle bedienten, greift Mabuse im "Stahlnetz" zu Drogen, um seine Opfer zu lenken. Die Gangart ist härter und ungeduldiger; auch Verbrecher von Format leiden unter Zeitdruck und dem aus den Vereinigten Staaten importierten Stress. Dennoch scheinen die angestrebte Kooperation mit den Partnern aus der Gangster-Metropole Chicago riskant; agieren dort vorzugsweise mafiöse Banden, so ist Mabuse doch durch und durch ein bundesdeutscher Einzelgänger, dem der Mafia-Ehrenkodex ebenso fremd wäre wie Spaghetti einer Currywurst.

Dr. Reinl zeigt seine Stärken in den Actionszenen, die er stets auf die selbe Weise umsetzen lässt. So sind es gerade die Schlägerei zwischen Fröbe, Berber und Barker und der Kampf zwischen Fröbe und dem Maskierten am Ende, die dem Film zusätzliche Härte verleihen und neben der lange Zeit im Unklaren bleibenden Intention von Mabuse für Spannung sorgen. Die Wahl der Schauplätze um den Berliner S-Bahnhof Savignyplatz, die Taborkirche in Kreuzberg und die Alexandrinenstraße sind von einer authentischen Bedrohlichkeit. Auffallend sind die vielen Nachtszenen, welche die Handlung zusätzlich mit den Repräsentanten der Finsternis, dem bereits literarisch-analytisch erwähnten Teufel in Verbindung bringen. Freitag, der 13. ist der Stichtag für Mabuses Beweis der Macht, er könnte aber auch der Tag des jüngsten Gerichts werden. Unachtsamkeit, gewährte Freiheiten und Eile brechen das stählerne Netz des Superverbrechers auf und lassen sein Macht-Gefüge wie ein Kartenhaus einstürzen. Kein Wunder, wenn er sich auf dumpfe Gestalten verlässt, die rein aus einem hypnotischen Zwang heraus für ihn marschieren. Solange er andere Druckmittel in der Hand hatte - wie bei Professor Sabrehm - funktionierte seine Organisation besser. Lobenswert, dass entgegen der Gewohnheit, in Reinls Filmen dessen Ehefrau Karin Dor zu besetzen, diesmal auf Daliah Lavi zurückgegriffen wurde. Sie bringt eine gute Mischung aus unnahbarer Schönheit, mitfühlender Sympathie und Pferde-stehl-Faktor mit, wobei sie sich inmitten der Männer erst einmal behaupten will, weil sie bereits bei ihrem ersten Auftritt von Kommissar Lohmann an den familiären Herd abkommandiert wird, was sie ohne mit der Wimper zu zucken ablehnt - diesem Klischee musste sie sicher schon oft ausweichen.

Die elektrisierende Faszination von Dr. Mabuse hat auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren und vereinnahmt den Zuschauer durch einen flüssigen Handlungsstrang und markante Darstellerleistungen, wobei Fröbe, Tozzi und Co. längst Kultstatus erlangt haben. 5 von 5 Punkten

Lord Peter Offline




Beiträge: 479

06.06.2018 20:23
#41 RE: Bewertet: "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (1961, Mabuse 2) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #40
Die Musik von Peter Sandloff unterstreicht jede visuelle Nuance gekonnt und dramatisiert das Geschehen auf wohlig-gruselige Weise.


Wobei der Herr Sandloff sich hier doch SEEEHR eindeutig "inspirieren" ließ:

https://www.youtube.com/watch?v=Mseugj907CY

Zum Vergleich das (3 Jahre später entstandene) "Original":

https://www.youtube.com/watch?v=5nLF1HyPyZo

Jan Offline




Beiträge: 1.330

06.06.2018 22:00
#42 RE: Bewertet: Mabuse - "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (2) Zitat · antworten

Da schau an, der Herr Sandloff wieder. Er zeichnet für zwei Mabuse-Sounds den Credits zufolge verantwortlich und hat demnach keinen einzigen echten (Titel-)Beitrag geleistet. Denn auch den Soundtrack der "unsichtbaren Krallen" reklamiert ein anderer für sich:

Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse
meine allererste Titelmusik, heute noch gut


http://www.christianbruhn.de/cb/soundtracks-film-tv/

Gruß
Jan

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