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Dieses Thema hat 62 Antworten
und wurde 4.713 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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patrick Offline




Beiträge: 3.120

30.04.2017 21:53
#61 RE: Bewertet: "Die neunschwänzige Katze" (1970, BEW 8) Zitat · Antworten

Die neunschwänzige Katze (1970)



Regie: Dario Argento

Produktion: BRD,Italien, Deutschland, 1970

Mit: Karl Malden, James Franciscus, Catherine Spaak, Tino Carraro, Pier Paolo Capponi, Horst Frank, Rada Rassimov, Aldo Reggiani, Carlo Alighiero, Cinzia De Carolis, Tom Felleghy, Werner Pochath, Emilio Marchesini, Corrado Olmi


Handlung:

Der erblindete Ex-Reporter Arno macht mit seiner kleinen Nichte einen abendlichen Spaziergang in der Nähe eines medizinischen Instituts. Dabei wird er zufällig Ohrenzeuge eines verdächtigen Gesprächs, bei dem es offenbar um Erpressung geht. Kurz darauf wird im Institut eingebrochen und dabei ein Wachmann niedergeschlagen. Darauf folgt eine grausame Mordserie an Personen, die mit der Forschungseinrichtung in direktem oder indirektem Zusammenhang stehen. Es geht dabei um die Entdeckung eines rätselhaften Killergens. Arno verbündet sich mit dem jungen Reporter Carlo Giordani, um der Sache auf den Grund zu gehen, was alle Beteiligten in große Gefahr bringen sollte...

Anmerkungen:


Der vorliegende Film hat einen sehr interessanten Einstieg und ist von Ennio Morricones Musik durchaus gelungen untermalt. Leider wird im Endeffekt zu viel heiße Luft versprüht, da nach den erfreulichen Ansätzen die Dramaturgie immer wieder in's Stocken gerät und eine gewisse Langatmigkeit sich breit macht. Dario Argento versteht es hier einfach nicht, konsequent einen straffen Spannungsbogen mit sich angemessen entladenden Höhepunkten zu präsentieren. Dadurch gerät die Geschichte nie so wirklich in Fahrt und auch die Aufdeckung des Täters ist keine große Sache. Die romantische Annäherung zwischen Carlo Giordani und Anna Terzi wirkt darüber hinaus plump und konstruiert, obwohl die rein darstellerische Leistung, vor allem von Karl Malden (1912-2009) und James Franciscus (1934-1991), ansonsten recht ordentlich ist.

Der erste Mord, bei dem das Opfer vom Zug zerstückelt wird, ist durchaus effektvoll und durch die kurze Einblendung dennoch unblutig inszeniert. Auf Glaubwürdigkeit wird dabei allerdings nicht der geringste Wert gelegt, wenn man bedenkt, dass auf einer belebten Bahnhofsplattform offenbar niemandem auffällt, wie ein Mann Richtung Gleise gestoßen wird, nachdem er seinem Mörder auch noch die Hand zur Begrüßung reicht.

Als sich ganz zu Beginn zwei Männer in einem Auto unterhalten, ist nur allzu deutlich erkennbar, dass nur einer drinnen sitzt. Morde und Todeskämpfe sind ziemlich realistisch inszeniert. Auch das immer wieder eingeblendete Auge des Täters zeigt eine gewisse Originalität. Dennoch bietet dies kein wirklich ausgleichendes Gegengewicht zu den dramaturgischen Schwächen des Films. Beim Handlungsabschnitt mit der Entführung von Arnos sehr liebenswerten und sympathischen Nichte hätte die Chance bestanden, deutlich mehr Suspense herauszuholen. Dieser Abschnitt ist leider viel zu oberflächlich und reizlos inzeniert. Außerdem lässt der so gefährliche und brutale Täter sich dann auch noch wie ein Schuljunge stellen, was in keinster Weise stimmig wirkt.

Es handelt sich um einen Streifen, der schlecht gealtert ist, da ihm Charme und Charakteristika typischer "Old-School-Thriller", wie der "echten" "Edgar- und Bryan-Edgar-Wallace-Filme" schlicht und einfach fehlen. Allerdings wollte man ja auch gar nicht daran anlehnen, sondern einfach nur mit dem berühmten Namen punkten, weshalb diese Filme als Wallace-Krimis ohnehin nicht ernst zu nehmen sind. Nachdem die Zeit natürlich nicht stehen geblieben ist, haben sich die modernen Psychothriller, an denen sich der Film, wie auch schon die "Handschuhe", offenbar orientiert, in eine Richtung weiter entwickelt, welche dieses Werk im wahrsten Sinne des Wortes alt und unausgereift aussehen lassen.

Fazit:

Argento-Thriller, der auf den allerersten Blick vielversprechen wirkt, dann aber immer wieder stecken bleibt und dadurch einfach zu wenig in Schung kommt. 3 von 5.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.096

30.04.2017 21:55
#62 RE: Bewertet: "Die neunschwänzige Katze" (1970, BEW 8) Zitat · Antworten



Bryan Edgar Wallace: Die neunschwänzige Katze
(The Cat o’Nine Tails / Il gatto a nove code)



Kriminalfilm, IT / BRD / FR 1970/71. Regie und Drehbuch: Dario Argento (frei nach Bryan Edgar Wallace, Story: Dario Argento, Luigi Collo, Dardano Sacchetti). Mit: James Franciscus (Carlo Giordani), Karl Malden (Franco Arnò), Catherine Spaak (Anna Terzi), Tino Carraro (Professor Fulvio Terzi), Pier Paolo Capponi (Kommissar Spini), Carlo Alighiero (Dr. Calabresi), Horst Frank (Dr. Braun), Aldo Reggiani (Dr. Casoni), Rada Rassimov (Bianca Merusi), Cinzia de Carolis (Lori) u.a. Uraufführung (IT): 12. Februar 1971. Uraufführung (BRD): 15. Juli 1971. Eine Produktion der Seda Spettacoli Rom, der Terra-Filmkunst Berlin und der Labrador Film Paris im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Die neunschwänzige Katze
Ein Einbruch in ein Genforschungsinstitut in der Nachbarschaft bringt den erblindeten Ex-Journalisten Franco Arnò auf die Fährte eines Serienmörders. Dessen Taten fallen mehrere mit dem Institut in Verbindung stehende Personen zum Opfer, was die Vermutung aufkommen lässt, dass der Grund für die Morde in den geheimen Forschungsprojekten des Terzi-Instituts liegt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Carlo Giordani, der offensiv Kontakt zu Professor Terzis Tochter Anna sucht, geht Arnò den zahlreichen Spuren nach. Doch der wie eine Katze umherschleichende Killer scheint immer schneller zu sein als die beiden Wahrheitssucher ...


In „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ hatten zu viele Faktoren so perfekt zusammengepasst, als dass man Dario Argento ernstlich einen bloßen Zufallserfolg attestieren könnte. „Die neunschwänzige Katze“ stellt das Talent des Regisseurs zum zweiten Mal unter Beweis, denn sie steht dessen Debütfilm in nichts nach. Im Gegenteil: Während es das Motiv des aus purem Wahnsinn ohne wirklich stichhaltige Gründe tötenden Killers durch die „Handschuhe“ zu großer Popularität im Giallo brachte, nimmt „Die neunschwänzige Katze“ den kriminalistischen Aspekt etwas ernster, ohne dabei die fesselnde Spannung vermissen zu lassen, die Argentos Filmen eigen ist.

Diese Kombination gelingt durch das erneute Fokussieren auf eine Mordserie, der jedoch keine wahllosen hübschen (nackten) Frauen zum Opfer fallen, sondern Personen im Dunstkreis eines Genforschungsinstituts. Es ist dieser Kniff, der es Argento ermöglicht, neben der personellen auch eine motivische Unklarheit in den Fall zu bringen, die von der typischen Geheimniskrämerei solcher Wissenschaftseinrichtungen profitiert, die der Produktion eine zeitgeistige Qualität verleiht und die sich sowohl in einer breiten Opfer- und Verdächtigenschar als auch in spannungsfördernden Intrigen, Karriereabsichten, Familienabgründen und Geheimunterlagen niederschlägt. Die sich eröffnenden Seitenplots um mysteriöse Heilmittel oder Chromosomverschiebungen fordern den Zuschauer geradezu zum Einstieg in ein kriminelles Paralleluniversum auf. Gialli, die es mit dem Inhalt oft nicht so genau nehmen und nur Schauwerte liefern, sollten sich von der reizvollen Grundidee der „neunschwänzigen Katze“ eine dicke Scheibe abschneiden.

Wo Argento in seinem schon früh ausgereiften Stil unverhohlen brutale Morde in angespannten Momenten der Ungewissheit antizipiert, sorgt ein fast schon satirisches Ermittlerteam für die Gewissheit eines Sieg des Guten über das Böse. James Franciscus fällt als Reporter zwar die klassische Heldenrolle zu, er mischt diese aber mit Untertönen menschelnder Unsicherheit und Tapsigkeit, die ihn sympathisch und zugänglich machen. So wird ihm in einer herrlich süffisanten Szene unter dem Rasiermesser eines Barbiers plötzlich Angst und Bange, als dieser sich über die rufschädigenden Artikel erbost, die die Journalisten nach dem Rasiermessermord am Fotografen Righetto veröffentlichten. Im Gegensatz zum lone fighter Sam Dalmas muss es der nicht unfehlbare Carlo Giordani nicht allein mit der „neunschwänzigen Katze“ aufnehmen, sondern bekommt – ausgerechnet! – ein Kind, einen Blinden und einen Ex-Knacki namens „Gigi the Loser“ als Helfer an die Seite gestellt.

Karl Malden verleiht der Rolle des erblindeten Kreuzworträtselbauers (welch rabenschwarzer Humor) eine Würde und Distanz, die ihn über den Ereignissen stehen lässt. „Die neunschwänzige Katze“ ist ein Film des Sehens bzw. Nichtsehens, der nicht nur in Form der Behinderung Arnòs auf visuelle Running Gags setzt. Die Erbarmungslosigkeit des Mörders manifestiert sich nicht nur in dessen explizit auf den Bildschirm gebrachten Taten, in denen der Zuschauer mittels POV-Perspektiven zu seinem Komplizen wird, sondern auch durch die übergroßen Aufnahmen seiner Augen, die dem Publikum immer wieder kaltblütig und entschlossen entgegenstarren. Blinzelnde Szenenübergänge konterkarieren diese wilde Mordlust, die in der geschmackvoll abgestimmten Atmosphäre des Films einen willkommenen Ausgleich findet.

Für dieses gesamte Drumherum verlässt sich Argento auf ganz ähnliche Vorgehensweisen wie in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“: Eine hochwertige, mit Charakterköpfen gespickte Besetzung und eine ’mal milde, ’mal peitschende Musik von Ennio Morricone bieten Genrekennern erneut wohlige Wiedererkennungswerte. Ein Mehr an Eleganz gegenüber dem Vorgängerfilm, in dem das Abbruchhaus von Sam und Giulia, die heruntergekommene Höhle des Malers Consalvi und die Hintertreppen der Galerie Ranieri zentrale Motive bildeten, verleiht der „neunschwänzigen Katze“ ein teures Aussehen, das noch dadurch veredelt wird, dass viele Sets dem Zuschauer nur in abgedunkelter Form präsentiert werden. Auf der Schwelle zwischen Tag und Nacht entstand so ein weiterer Muster-Giallo, in dem Argento seine Handschrift mit amerikanischen Vorbildern zu kombinieren versuchte und in dieser Mixtur der Stile ein einmaliges, in sich erstaunlich kohärentes Krimirätsel schuf.

Der alles sehende Mörder und der blinde Zeitungsmann – ein ungleiches, aber hochspannendes Duell, dessen Stärke darin liegt, mit typischen Giallozutaten etwas Unvergleichliches zustande zu bringen und komplexe Realitäten glaubwürdig auf wenige inszenatorische Pinselstriche zusammenzudampfen. Auch in diesem komplexen Krimi resultieren die fehlerfreie Regie und die hervorragenden Darsteller in 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.096

14.09.2017 06:25
#63 RE: Bewertet: "Die neunschwänzige Katze" (1970, BEW 8) Zitat · Antworten

„Die neunschwänzige Katze“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 14 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 4,06 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 15 von 17 (14x „gut bekannt“, 1x „länger her“)
Top-10-Tipps: 3 von 8 (höchster Tipp: 1x Platz 4)
Auswahlrunde: vorqualifiziert (Bryan-Edgar-Wallace-Film)


mit 4,21 Pkt. Platz 16 in der Kategorie Schauspieler (– 2)
mit 4,33 Pkt. Platz 10 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (+ 4)
mit 3,71 Pkt. Platz 20 in der Kategorie Drehbuch / Logik (– 6)
mit 4,14 Pkt. Platz 13 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (+ 1)
mit 4,53 Pkt. Platz 02 in der Kategorie Musik (+ 12)
mit 3,34 Pkt. Platz 31 in der Kategorie Epigonenfaktor (– 17)
mit 4,19 Pkt. Platz 09 in der Kategorie freie Wertung (+ 5)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#192) (13)

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