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Dieses Thema hat 190 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Markus Offline



Beiträge: 592

19.11.2013 15:01
#181 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #180
Nur: Kann man alle Texte gefahrlos lesen? Ich habe "Curtain" inhaltlich bisher gänzlich von mir fernhalten können und würde mir ungern die Geschichte spoilern lassen, so kurz bevor ich die letzten Folgen zu Gesicht bekommen werde.


Gutes Stichwort! Suchet hat, meiner Ansicht nach, lobenswert darauf geachtet, keine Auflösungen zu spoilern! Bei einer Episode (nicht bei "Curtain") gibt es einen kleinen Hinweis, über den ich gestolpert bin, aber gerade wenn man die Pointe nicht kennt, tut es der Spannung keinen Abbruch.

Gruß
Markus

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.109

23.11.2013 14:07
#182 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Eine Hommage an Chief Inspector James Japp in der Fernsehserie “Agatha Christie’s Poirot”

“Oh nein! Kriege ich nie auch nur den kleinsten Mord allein für mich selbst?”
(“Das Rätsel von Cornwall”)

“Kopf hoch, Poirot! Man kann nicht jedes Mal einen schönen, saftigen Mord haben.”
(“Himmel und Hölle”)

“Sehen Sie sich’s an, Poirot! Die Kulisse von Macht und Reichtum, aber wie es dahinter aussieht. Die sind keinen Deut besser als unsereins, wenn man auf den Grund schaut.”
(“Himmel und Hölle”)

“Ich weiß gar nicht, warum ich hier rumsitze. Warum bleibe ich nicht zu Hause und mache meinen Garten. Also wen darf ich jetzt bitte verhaften?”
(“Das Geheimnis der spanischen Truhe”)

“Tja ja, kaum dass Sie in ein Flugzeug einsteigen, schon haben wir den allerschönsten Mord.”
(“Die Wespe”)

“Bißchen verrückt, finden Sie nicht? Tod durch vergifteten Pfeil in britischem Flugzeug. Verrückt ist gar kein Ausdruck.”
(“Die Wespe”)

Poirot: “Das haben Sie herausgekriegt und sprechen kein Wort Französisch? Chief Inspector, Sie sind ein Phänomen!”
Chief Inspector Japp: “Ach Gott, ‘n bißchen Intuition, ausdrucksvolle Gestik und sowas ...”
(“Die Wespe”)

“Wir kriegen täglich solche anonymen Briefe. Leute mit zuviel Zeit und ‘ner Macke im Oberstübchen schreiben sowas.”
(“Mord nach Fahrplan”)

“Braucht ein Wahnsinniger ein Motiv?”
(“Mord nach Fahrplan”)

Poirot: “Denken Sie, wieviel Jahre Jack the Ripper gemordet hat.”
Chief Inspector Japp: “Auf so einen können wir getrost verzichten. Herzlichen Dank!”
(“Mord nach Fahrplan”)

Poirot:“War sie hübsch?”
Chief Inspector Japp: “Wieder mal typisch die Frage!”
(“Mord nach Fahrplan”)

Poirot:“Einen guten Tag, Chief Inspector!”
Chief Inspector Japp: “Hoffentlich!”
(“Mord nach Fahrplan”)

“Der nächste Mord wird in ihrem Schlafzimmer stattfinden, nehme ich an.”
(“Tod im dritten Stock”)

“Wie Sie richtig bemerkten, besteht meine Aufgabe darin, die Entscheidung darüber zu fällen, was eine Gefahr für die Öffentlichkeit bildet und was nicht.”
(“Poirot und der Kidnapper”)

Poirot: “Sie sind zu freundlich, Chief Inspector Japp! Ihr gutes Herz wird Sie nochmal den Kopf kosten.”
Chief Inspector Japp: “Stimmt, ja stimmt!”
(“Poirot und der Kidnapper”)

“Ich dachte, die kleinen grauen Zellen wären in Ihrem Gehirn. Erzählen Sie mir bloß nicht, dass Sie neuerdings auch welche in Ihrer Nase horten.”
(“Poirot riecht den Braten”)

“Zum Glück werden Parlamente nicht täglich gesprengt ...”
(“Poirot riecht den Braten”)

Mrs. Chevenix: “Ich habe Gervase auf einer höheren Ebene kennengelernt.”
Chief Inspector Japp: “Im Gebirge?”
(“Auch Pünktlichkeit kann töten”)

Chief Inspector Japp: “Haben Sie eine Idee, wo ich diese Safra finde? Eine alte Freundin von Mrs. Chevenix.”
Hastings: “Safra ist tot. Sie ist Vandas spirituelle Führerin.”
Chief Inspector Japp: “Aha. Dann hat sich das erledigt ...”
(“Auch Pünktlichkeit kann töten”)

“Das Geld habe ich schon gewonnen ...”
(“Like robbing a baby ...”)
(“Mord ohne Leiche”)

“Drei Monate Bau letztes Mal haben wohl nicht gereicht, wie? Heimweh nach dem Knast oder was? Sehen Sie, was für reizende Pensionsgäste wir hier kriegen? Mit diesen Vögeln ist es immer das selbe. Müssen ‘ne Vorliebe für Gefängnisfraß haben.”
(“Mord ohne Leiche”)

“Um ihn wirklich aufzumuntern, müßte es hier endlich mal wieder eine ordentliche Leiche geben.”
(“Das Wespenest”)

“Die Arbeit des Detektivs ist ein verdammt einsames Geschäft, und Detektive sind vielleicht von Natur aus einsame Wölfe, wenn Sie mir diesen Ausdruck gestatten. Und wenn ein Fall gelöst ist, gibt es immer irgendwelche Leute, aber nicht aus dem Polizeidienst, die behaupten, eigentlich hätten sie den Fall aufgeklärt. Ich meine damit natürlich diese Plage im Leben eines Polizeibeamten - den Amateurschnüffler oder noch viel ärger den professionellen Privatdetektiv. Denn der, meine Damen und Herren, gleicht keineswegs den glorreichen Romanhelden. Er ist ein Mann, der versagt hat in meist rühmlicheren Berufungen des Daseins und der dabei penetrant eitel ist, egonzentrisch und großspurig, der schließlich in einem schmuddeligen Hinterzimmer über einer Pfandleihe endet in der schäbigen Welt der Scheidungsanwälte und kleinen Gauner, denen er zu Diensten ist ...”
(“Doppelte Sünde”)

Chief Inspector Japp: “Ich bin im “Gulls” abgestiegen. Es liegt gleich neben dem Gaswerk.”
Poirot: “Mein lieber Chief Inspector, es ist mir eine Freude, Sie zu sehen. Sie wohnen nicht hier?”
Chief Inspector Japp: “Dafür reicht der Spesensatz von Scotland Yard leider nicht.”
(“Das Haus an der Klippe”)

“Ich komme nicht zu einer Teeparty sondern stelle Ermittlungen an in einem Mordfall.”
(“Das Haus an der Klippe”)

“Man sollte euch zum Steineklopfen in den Steinbruch schicken! Ihr seid die größten Schlafmützen, die mir je untergekommen sind! Ihr könnt von Glück sagen, dass eine Dame hier ist, sonst würde ich euch dermaßen was hinter die Löffel geben, dass euch hören und sehen vergeht!”
(“Edle Düfte”)

“Unerfreulicher Zeitgenosse, was? ... Hinter dem Kerl sind wir schon seit Monaten her. ... Tja wie er richtig heißt, weiß keiner, aber man kennt ihn überall als “Pomme de Terre” ...”
(in “Erpressung und andere Kleinigkeiten” über den bei einem Einbruch ertappten und deshalb zeitweilig im Gefängnis einsitzenden Poirot)

“He, Joey! Ich hab’ grad ‘nen Verwandten von dir entdeckt!”
(nachdem er ein Staubtuch von einem ausgestopften Gorilla herabgezogen hat in “Erpressung und andere Kleinigkeiten”)

Chief Inspector Japp: “Geduld war noch nie meine Stärke. Ich lass diese Staubdecken hier eine nach der anderen runterziehen.”
Poirot: “Die Museumsdirektion wird nicht begeistert sein.”
Chief Inspector Japp: “Wenn mir nur alles so egal wäre!”
("Erpressung und andere Kleinigkeiten”)

“Tja dann mach mal, Gertie! Rück die Steine raus!”
("Erpressung und andere Kleinigkeiten”)

“Ich hab’ gedacht, die kriegt den Mund gar nicht mehr zu!”
(Erpressung und andere Kleinigkeiten”)

“Hören Sie zu, Dyer! Ich schnapp mir Ihren verlausten, miesen Skalp!”
(“Die verschollene Silbermine”)

“Auch der gerissenste Winkeladvokat rettet Ihnen jetzt nicht mehr die Haut, mein Bester!"
(“Die verschollene Silbermine”)

“Jetzt mal halblang! Mich hat noch jeder verstanden!”
(“Swat me! There’s nothing wrong with my lingo!”)
(“Maskenball”)

Chief Inspector Japp: “Sie tun es immer wieder, Poirot!”
Poirot:“Was denn, Chief Inspector?”
Chief Inspector Japp: “Sie verwirren mich!”
(“Alibi”)

Chief Inspector Japp: “20 000 Pfund! Da höre ich auf zu arbeiten und wandere nach Südfrankreich aus!”
Poirot:“Non, Sie würden bei französischem Essen eingehen, mon ami!”
(“Alibi”)

Chief Inspector Japp: “Jetzt sind wir hier alle so schön wiedervereint, aber eine Sache fehlt irgendwie.”
Miss Lemon: “Was denn?”
Chief Inspector Japp: “Die Leiche. Normalerweise ist sie dabei.”
Poirot: “Oui, er hat völlig recht.”
Chief Inspector Japp: “Nichts für ungut, Poirot, aber jetzt wo Sie wieder da sind, taucht sicher bald eine auf.”
(“Dreizehn bei Tisch”)


“Wir haben jedwedes Recht! Ich führe hier eine Mordermittlung durch. Keiner verläßt oder betritt die Insel, wenn ich das sage!”
(“Das Böse unter der Sonne”)


Wann immer der imposante, breitschultrige Herr mit den eindrucksvollen Augen und dem imponierenden Schnurrbart im wehenden Mantel voller Energie die Szene betritt, darf sich der Zuschauer an einer überaus interessanten Persönlichkeit erfreuen: James Harold Japp, wie in “Die Pralinenschachtel” bei seiner Ernennung zum Compagnon de la Branche d’Or, sein vollständiger Name angegeben wird, nachdem er zuvor in “Das Haus auf der Klippe” lediglich seinen ersten Vornamen gegenüber Miss Lemon und Captain Hastings genannt hat und er sich in “Mord im Mietpreis inbegriffen” von dem ungehobelten FBI-Agenten Burt mit “Jim” titulieren lassen muß.
Bei einem Großteil der Fälle, die dem belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot übertragen werden, ist Chief Inspector Japp von Scotland Yard der leitende Ermittler von offizieller Seite.

Der bodenständige Mann aus der Unterschicht, der ein bescheidenes Häuschen im Londoner Vorort Isleworth bewohnt, ist sich seiner Wurzeln sehr wohl bewusst, und jedes Streben nach etwas “Höherem” ist ihm völlig fremd. James Japp ruht ganz und gar in sich selbst.
In der Originalfassung darf man sich an seinem wunderbar farbigen Cockneydialekt erfreuen, der häufig in dem Stoßseufzer “Blimey!” gipfelt.

Seine durch und durch englische Art macht James Japp auch damit deutlich, dass er “exotische” Speisen wie kontinentales Frühstück, Spaghetti und Ravioli sowie Asiette aux saveurs konsequent ablehnt und sich ganz der tradtionellen Küche seines Landes wie zum Beispiel “Faggots” mit Kartoffelbrei und Erbsen sowie dem Pudding “Spotted Dick” verschrieben hat. In “Das Rätsel von Cornwall” und in “Das Haus an der Klippe” genießt er die örtlichen Süßwaren. Sein bevorzugtes Getränk ist dunkles Bier (Stout).

Gewöhnlich ist der Chief Inspector, der in “The Big Four” zum Assistent Commissioner avanciert ist, in einfache dreiteilige Anzüge gekleidet, über der Weste die unvermeidliche Uhrkette, dazu eine schlichte Krawatte, ein langer, stets offen getragener Mantel sowie ein Hut.
Lediglich bei Einladungen zu einem Essen wie zum Beispiel in “Dreizehn bei Tisch”, “Das Böse unter der Sonne” oder in “Die Pralinenschachtel” trägt er einen dunklen Anzug oder sogar einen Smoking.
Als Japp in “Himmel und Hölle” überraschend am Sonntag Besuch von Hercule Poirot erhält, empfängt er den wie stets mit makelloser Eleganz gekleideten Detektiv in Hemdsärmeln und Hosenträgern.
Ganz offensichtlich legt James Japp kaum Wert auf Äußerlichkeiten und stellt damit einen deutlichen Kontrast zur Eleganz des stets um Perfektion ringenden Hercule Poirot dar, wie Japp in nahezu jeder Hinsicht einen Gegenentwurf zu dem belgischen Meisterdetektiv darstellt.

Japps Frau Emily scheint ihn seit mehr als 27 Jahren mehr zu enervieren als zu lieben. Er wundert sich selbst, dass er es so lange mit ihr ausgehalten hat.
Japp darf bei Tisch nicht über seine Mordfälle sprechen, stets ist sie wegen ihrer Zugehörigkeit zu irgend einer lokalen Vereinigung unterwegs, nicht einmal an Weihnachten ist sie an seiner Seite und schickt ihm statt dessen ihre ähnlich nervtötende Verwandtschaft ins Haus, sie ruft ihn in Scotland Yard an, damit er ihre Einkäufe für sie erledigt, sie strickt für Poirot ein Paar an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietende Handschuhe als Weihnachtsgeschenk, sie mag den Anblick sich freuender Menschen nicht und sie mag ihren Wohnort Isleworth nicht einmal zu einer Reise ins Ausland verlassen.
Mit der berühmten Mrs. Columbo teilt Emily Japp die Eigentümlichkeit, dass ihr Gatte zwar oft von ihr spricht, man sie aber niemals persönlich zu Gesicht bekommt.
Als Mrs. Japp in “Die Kleptomanin” für einige Zeit verreist ist, schlägt sich das auf fatale Weise sowohl in Japps Erscheinungsbild als auch in seiner häuslichen Atmosphäre nieder: sein in Unordnung geratener Scheitel, ein Fettfleck auf der einzigen noch sauberen Krawatte, ein durch ein vernachlässigtes Bügeleisen mit einem Brandfleck ruiniertes Hemd sowie Stapel von schmutzigem Geschirr in der Küche.

James Japp ist trotz seiner häufig mißvergnügten Miene ein gutmütiger Mensch, der hinter seinem betont forschen Auftreten auch eine sanfte Seite verbirgt.
In “Erpressung und andere Kleinigkeiten” erkundigt er sich, ob Poirot jemals zur See fahren wollte und verkündet mit melancholischem Blick: “Ich habe immer geträumt von der See.” Dass Japp am Ende der Episode “Geistergeschichten” einer Wachsfigur von Poirot liebevoll neckend den Hut verrückt, läßt an einen Kinderstreich denken. In “Der Juwelenraub im Grand Hotel” erfreut sich Japp mit fast kindlicher Freude an Jahrmarktsvergnügen wie “Hau den Lukas” und einer Schießbude. Den dort gewonnenen Teddybär hätte Japp - wäre er so brummig wie er sich mitunter gibt - nie und nimmer mit solcher Zuneigung an sich genommen.

Im Gegensatz zu Poirots treuem Freund, dem sportbegeisterten Captain Arthur Hastings und dessen Vorliebe für schnelle Wagen, sind von James Japp kaum persönliche Neigungen bekannt.
Lediglich die Arbeit in seinem Garten - man sieht ihn in “Himmel und Hölle” auch einmal beim Beschneiden der Hecke - scheint ihm Freude zu bereiten, zumal er über umfangreiche botanische Kenntnisse verfügt.
Als Junge ist Japp in den Isleworth Marshes oft auf die Jagd gegangen, und er ist noch immer ein sehr guter Schütze.

Der Chief Inspector ist ein durchaus kompetenter Kriminalbeamter, was ihm selbst von Hercule Poirot immer wieder bescheinigt wird.
James Japp mag nicht über den brillantesten Intellekt verfügen, doch er geht seiner Tätigkeit mit großem Pflichtgefühl und ebensolcher Hartnäckigkeit nach, mitunter sogar entgegen dem direkten Befehl eines Vorgesetzten. Leider ist er allzu schnell bereit, die einfachste oder scheinbar plausibelste Version des Tathergangs als gegeben zu akzeptieren und verhaftet deshalb häufig falsche Verdächtige, weil er nicht über den überragenden Verstand eines Hercule Poirot verfügt.
Dafür läßt sich Japp bei seinen Ermittlungen weder von prominenten noch von einflußreichen Persönlichkeiten blenden noch nimmt er auf deren sozial gehobenen Status besondere Rücksicht.
Allen Neuerungen gegenüber wie etwa der Forensik oder dem Polizeifunk ist Japp sehr aufgeschlossen. Lediglich der Gebrauch einer Schreibmaschine bereitet ihm große Schwierigkeiten und ist ihm deshalb überaus unangenehm.

Nicht übermäßig häufig, aber wenn es Not tut, leistet dem Chief Inspector seine körperliche Robustheit gute Dienste, wenn er zum Beispiel in “Alibi” eine Tür gewaltsam öffnen muß und sie mit seinem nicht unbeträchtlichen Gewicht aus den Angeln reißt.

In “Köchin gesucht” wird das Verhältnis zwischen Chief Inspector James Japp und Hercule Poirot noch als angespannt geschildert. Doch bereits in den kurz darauf entstandenen Episoden wird deutlich, dass zwischen den beiden grundverschiedenen Männern ein tiefer Respekt und eine ebensolche Zuneigung bestehen, die sich im Laufe der Jahre immer weiter vertiefen.
Das herzliche Wiedersehen zwischen ihnen in “Alibi”, bei dem Poirot Japp am liebsten umarmt hätte, wenn dieser es nur zugelassen hätte, spricht für sich. Als Hercule Poirot in “Das Böse in der Sonne” in dem argentinischen Restaurant, dessen Miteigentümer Arthur Hastings ist, aufgrund einer Lebensmittelvergiftung einen Kollaps erleidet, tritt Japps Besorgnis um ihn offen zutage. Als der Chief Inspector in “Das Wespennest” sich einer äußerst schmerzhaften Blinddarmoperation unterziehen muß, besuchen ihn Poirot und Hastings im Krankenhaus. Während der Detektiv in “Hercule Poirots Weihnachten” seine Einsamkeit mit einem neuen Mordfall ausfüllt, rettet er seinen Freund Japp aus der mißlichen Lage, mit unangenehmen Verwandten die Feiertage verbringen zu müssen, indem er ihn ebenfalls zu dem Fall hinzuzieht.

Japps wundervoll stoische Miene und sein sein mitunter auch entnervter Blick in für ihn unangenehmen Situationen ergänzen sich prächtig mit Poirots zum Teil heftig aufbrausendem Naturell und seiner Lebhaftigkeit. Poirots Kampf mit den Tücken der englischen Sprache kontrastiert aufs schönste mit dem trockenen Cockneydialekt des Chief Inspectors.

Lassen wir abschließend den Schauspieler Philip Jackson zu Wort kommen. Er hat sich 2012 in einem Interview wie folgt über seine Auffassung von der Rolle, die er so brilliant verkörpert, geäußert:

To be honest, I don't look like Japp in my daily life. I don't wear a moustache, I don't comb my hair that way and I think I look rather older in the role, which is very much a character part as far as I'm concerned.”

“The thing about the relationship between Japp and Poirot is that we realized it would have been ridiculous to have the inspector be a stupid person and Poirot a clever one," explains the actor. "There should be some degree of mutual respect. Although he's not particularly competent, Japp certainly has a moral vision, a strength of will and a purpose in the way that he operates. All these traits contrast with the character of Poirot, but, in a sense, they are also something that the Belgian admires."All right, Japp doesn't get it right, usually, but his methods, his doggedness, his seriousness about his work are what makes it amusing. In other words, when somebody who's so concerned about being right gets it wrong it's funny.”

"In the 1930s, the job of Scotland Yard detective was seen as being of a quite low status. Today we tend to glamorize television detectives because they earn enormous salaries, drive around in flashy cars and have a rather elevated status in society. In those days [the thirties] it was very much a tough life investigating crimes of a rather distasteful nature. It was considered not a very good way to spend one's time, but Japp is a man with a purpose and you can sense his disapproval of the more privileged members of society. He always gets very sniffy [disapproving] of people who seem to earn a lot of money with very little effort."

"I think we all work slightly differently, Suchet, Fraser, Pauline Moran and myself. David is a very meticulous actor; he works everything down to the last detail. This is his strong point as an actor which, of course, is perfect for the part of Poirot. He is able to use this characteristic to an infinitesimally fine degree to show how Poirot is. I, on the other hand, am rather sloppy as an actor. I tend not to plan ahead too much. I always know my lines, but, I don't like to plan a performance too carefully because I enjoy responding to what's going on around me on the day of filming.”

Count Villain Offline



Beiträge: 3.621

09.11.2014 19:44
#183 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Ich habe nun ebenfalls die finale Staffel gesehen. Meine Lieblingsfolge daraus ist Wiedersehen mit Mrs. Oliver. Zum einen natürlich wegen Zoe Wanamaker und zum anderen weil es die werkgetreueste Adaption dieser Staffel ist - einmal abgesehen von Vorhang, aber der läuft außer Konkurrenz und bildet in der Tat einen würdigen, wenn auch sehr düsteren Abschluss, in dem nicht nur Suchet, sondern auch Hugh Fraser etwas facettenreicher als sonst glänzen darf. Den Vier und den Arbeiten merkt man leider (zumindest als Christie-Kenner) etwas zu sehr an, dass sie auf Episodengeschichten basieren, wobei wahre Christie für meinen Geschmack leider etwas zu sehr zu Gunsten von - ansonsten durchaus goutierbaren und besonders im Falle der Arbeiten auch stilistisch sehr ansprechenden - Konglomeraten à la Christie in den Hintergrund tritt. Die Elefanten sind da schon wieder um einiges organischer und hätten die hinzu erfundene Nebenhandlung auch nicht wirklich nötig gehabt. Wie gut die Rekonstruktion eines Jahre zurückliegenden Verbrechens inszeniert werden kann, hat schließlich schon Das unvollendete Bildnis gezeigt.

Schade, dass es jetzt vorbei ist, aber es war eine schöne Zeit und alle Folgen der Serie werden sicherlich noch häufiger in meinen Player wandern.

Eigentlich könnte ich jetzt gleich wieder mit der ersten Staffel von vorne anfangen.

-----

Ein Toter im Beichtstuhl und Bibelverse, die weitere Morde androhen ...

Lady Bedfort und der Racheengel - seit 24.10. im Handel

Count Villain Offline



Beiträge: 3.621

10.11.2014 19:59
#184 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #183
Meine Lieblingsfolge daraus ist Wiedersehen mit Mrs. Oliver.


Ergänzend muss ich allerdings noch dazu sagen, dass mir die Ustinov noch besser gefällt. Auch wenn ich damit jetzt impliziere, dass Mord mit verteilten Rollen besser wäre als die komplette Final-Staffel der Suchet-Serie, was eigentlich eine gänzlich unhaltbare These darstellt.

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Markus Offline



Beiträge: 592

11.11.2014 09:40
#185 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Schön, dass in der Box auch die gesamte Doku "Being Poirot"/"Ich war Poirot" enthalten ist. Die amerikanische Ausgabe enthält anscheinend nur das Interview.

Gruss
Markus

Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

12.11.2014 20:30
#186 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Zitat von Markus im Beitrag #185
Schön, dass in der Box auch die gesamte Doku "Being Poirot"/"Ich war Poirot" enthalten ist. Die amerikanische Ausgabe enthält anscheinend nur das Interview.

Ist da die Rede von der deutschen Polyband-Box und der amerikanischen Komplettbox? Mit letzterer liebäugele ich natürlich ...

Markus Offline



Beiträge: 592

18.11.2014 17:13
#187 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Die US-Box "Series 13" der letzten Staffel (die in den USA anscheinend noch gar nicht gelaufen ist) enthält nur das Interview (19 Min.).

Auf der deutschen Polyband-Box ist die gesamte Doku enthalten, und für die "Complete Cases Collection" ist sie auch angekündigt:

Zitat
BONUS FEATURES: Being Poirot documentary: David Suchet reflects on 25 years as Poirot while filming his final episodes, plus bonus interviews with Suchet and Agatha Christie s grandson, Mathew Prichard (51 min.); Super Sleuths (47 min.): Documentary about the series featuring the stars and crew; David Suchet on the Orient Express (47 min.): A tour of the Orient Express and its history; behind-the-scenes featurette (46 min.), photo galleries, and production notes by David Suchet and Tim Curry; companion booklet with articles by David Suchet and Mathew Prichard; episode synopses; character profiles; information about Poirot; and Poirot s obituary



Gruß
Markus

Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

19.11.2014 23:25
#188 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Mmh, da läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Die Komplettbox wäre eine schöne Weise, die letzten Folgen der Serie in passendem Rahmen kennenzulernen. Leider sind Acorn-US-Veröffentlichungen immer auch ziemliche Geldschneiderei. Aber der momentan verfügbaren englischen Komplettbox qualitativ auch deutlich überlegen. Ich werde nicht müde, für Interessierte nochmal auf die verblüffende Restaurationsarbeit hinzuweisen, die man an den älteren Poirot-Folgen vornahm:

Bildvergleiche:
http://3.bp.blogspot.com/-ahpd6_1EatQ/T0...restoration.jpg
http://1.bp.blogspot.com/-W5dXpxpTTXI/T0...storation+2.jpg

Ibbed Offline



Beiträge: 8

20.12.2015 20:46
#189 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Die Series 1 mit den ersten 10 Folgen gibt es bei amazon.com als Blu-ray aktuell für 13 $, inkl. Versand nach Deutschland knapp 20 $. Ich habe sie heute bestellt,soll Mitte Januar kommen. Werde dann mal berichten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

29.08.2016 22:38
#190 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

In den letzten Tagen habe ich die Abschlussstaffel der Suchet-Serie gesehen. Ich hatte mir die letzten vier Episoden bisher aufgespart und sie nun gemeinsam mit vielen anderen, hauptsächlich späten Langfolgen, angeschaut. Vielleicht braucht es noch ein paar Durchgänge, aber auf Anhieb finde ich das Ende der Serie nur „gut“, nicht genial. Das kann damit zu tun haben, dass mir aus der gesamten Staffel nur „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“ als Roman bekannt ist und mir folglich die Nähe zu den anderen vier Stoffen fehlt. „Wiedersehen“ empfand ich dann auch als den eindeutigen Höhepunkt der Staffel.

Doch – darauf würde Poirot bestehen – von Anfang an:

„Elefanten vergessen nicht“, der letzte Poirot-Roman, den Christie schrieb, gilt als eines ihrer besonders schwachen Bücher. Dem Drehbuchautor Nick Dear, dessen meiste Arbeiten für „Poirot“ ich für absolut herausragend halte, gelang es aber, eventuelle Schwächen sehr galant zu übertünchen. Alles in allem ist die Folge sehr gelungen, das Rätsel der Ravenscrofts nimmt den Zuschauer von Anfang an mit und der Einsatz von Ariadne Oliver ist diesmal in der Verknüpfung mit Poirots Arbeit an einem anderen Fall besonders gelungen. Den zusätzlich hineingeschriebenen Mord im Willoughby-Institut betrachte ich allerdings in seiner konkreten Ausführung eher skeptisch; man merkt hier selbst bei Nichtkenntnis der Vorlage (wie auch bei „Big Four“ und „Labours“) ganz genau, wo Christie aufhört und moderne Ideen anfangen. Hundertprozentig authentisch funktionieren solche Anhängsel eben nicht. Aber dennoch ist es gut, dass man den Fall etwas aufmöbelte, da die Grundkonstruktion sonst viel zu ähnlich zu „Das unvollendete Bildnis“ und damit ziemlich einfallslos gewesen wäre. Inhaltlich gibt es also einen Daumen nach oben mit leichten Abstrichen. Auch die Inszenierung ist ausgewogen und wird noch nicht von den Wir-zeigen-einen-altersgequälten-Poirot-Manierismen der anderen vier Folgen behindert. Die Auflösung erscheint überzeugend und ist gewohnt stilsicher vorgetragen. Leider machen manchmal unausgereifte CGI-Effekte die Stimmung zunichte (für die kurze Reise nach Paris ist das aus finanziellen Gründen zu verschmerzen; den Klippenschauplatz hätte man aber lieber ohne allzu dick aufgetragene Computerhilfe abdrehen sollen). 4 von 5 Punkten.

„Die Großen Vier“, noch ein angeblich superschwacher Roman. Hier scheint das auch in der fertigen Episode durch. Eine hanebüchene Spionagegeschichte, die sich am Ende in Luft auflöst – das ist kein überzeugender Poirot. Drehbuchautor Mark Gatiss lieferte mit seinen anderen zwei Folgen echte „Poirot“-Highlights; hier jedoch vergalloppiert er sich in seine neuere „Sherlock“-Machart: Alles, vor allem das Ende, wirkt melodramatisch und übertrieben; zudem ist ein zu großer Anteil der Folge auf Metaebene angesiedelt – ein Problem, das auch „Herkules“ und „Vorhang“ haben. Die Episode macht insgesamt einen vollgestopften und gleichzeitig langweilig höhepunktslosen Eindruck, sodass selbst die Rückkehr des alten Ermittlerteams kaum zuträglich ist (nur Japp erhält ausreichend gute Szenen). 2 von 5 Punkten.

„Wiedersehen mit Mrs. Oliver“ schätze ich in allen Varianten (als Roman, als Vorgänger in Novellenform, als Ustinov-Verfilmung) sehr – und diese Neuverfilmung ist keine Ausnahme. Die clevere und (wenigstens einmal in dieser Season) sehr christie-typische Geschichte sowie das wunderbare Gartenfest-Setting sind die großen Pluspunkte dieser Folge, die besonders dadurch besticht, dass sie an ihrem literarischen Vorbild, Christies Sommervilla Greenway nahe Torquay, gedreht wurde. Regisseur Tom Vaughan erweckt den Schauplatz zum Leben und konzentriert sich ganz auf die Wirkung des wunderschönen Parks. Im Gegensatz zu allen anderen Folgen wird hier auch die gesamte Farbpalette ausgenutzt und helle Szenen nicht gescheut. Die Bearbeitung erscheint kompetent, wenn auch ein klitzekleines bisschen „Nummer sicher“. Die Interaktion mit Mrs. Oliver gefiel mir in den meisten anderen Episoden allerdings besser. 4,5 von 5 Punkten.

„Die Arbeiten des Herkules“ ist quasi „Die Großen Vier: Teil 2“: eine relativ frei erfundene, sehr abenteuerliche, kaum zu Poirot passende, eigentlich viel zu moderne Handlung. Man könnte sie ein wenig als „Wir verbinden Poirot mit den Zehn kleinen Negerlein“ deuten. Von der Kurzgeschichtensammlung, die dieser Episode zugrunde liegt, bleiben offenbar nur Bruchstücke – sie ist damit neben „Black Coffee“ das einzige, was für einen neuen Poirot-Darsteller nach Suchet noch attraktives, unbeackertes Terrain wäre. Dank abgestimmter Innenaufnahmen, relativ hoher Spannung und eines guten Zusammenspiels Suchets mit der Gräfin Rossakoff und ihrer Tochter ordne ich „Herkules“ leicht über den „Großen Vier“ ein. Ähnlich wie bei den „Elefanten“ hätten dieser Episode echte Alpendrehs statt offenkundiger Computereffekte gut getan. 2,5 von 5 Punkten.

Bleibt zuletzt „Vorhang: Poirots letzter Fall“. Dadurch, dass ich den Abschlussroman noch nicht kannte, war der Abschied von Poirot für mich gar nicht so übermäßig emotional aufgeladen, wie ich vermutet hatte. Man könnte auch annehmen, dass der relativ dröge Fall, der dem anrührenden Zusammenspiel von Suchet und Fraser anbeigestellt wird und eine gefühlte Ewigkeit bis zur ersten Leiche braucht, von den späteren dramatischen Höhepunkten geschickt ablenkt. Wirklich gepackt hat mich erst der Blick Poirots in die Kamera in der letzten Einstellung, was aber keinesfalls die hervorragenden darstellerischen Leistungen von David Suchet, der in dieser Staffel quasi eine One-Man-Show abliefert, schmälern soll. Mir erscheint allerdings (nicht nur hier), dass man das große Brimborium um diese liebenswerte Figur ausnutzte, um schwache Bücher zu kaschieren. 3 von 5 Punkten.

PS: Der unheimlichste Moment aus „Vorhang“ war für mich, ...

... als Poirot seinen falschen Schnurrbart abnahm. Die Aufklärung als solche geht aber ohnehin bestenfalls als launiges Extra durch, das Christie nicht ohne Grund erst nach ihrem Tod veröffentlichte. Sie passt weder besonders gut zum Charakter des Detektivs, noch erscheint der, wie gesagt, eher langweilige Fall faszinierend bzw. wichtig genug für Poirots derartiges Eingreifen.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.621

30.08.2016 09:27
#191 RE: Hercule Poirot Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #190
„Wiedersehen“ empfand ich dann auch als den eindeutigen Höhepunkt der Staffel.


Da sind wir uns ja absolut einig.

War mir gar nicht so bewusst, dass du die letzte Staffel noch gar nicht gesehen hattest. Danke für deine Besprechungen der Folgen!

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