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Dieses Thema hat 49 Antworten
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Savini Offline



Beiträge: 256

15.07.2021 15:09
#46 RE: Die Welt ist nicht genug - Superschurken in Buch und Film Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #40
Obwohl Max von Sydow ja gerne für diabolische Charaktere eingesetzt wurde, hat sein recht häufiger Auftritt als SPECTRE-Oberhaupt in diesem Streifen eher etwas vom Flair eines altersmilden Senior-Chefs einer florierenden Firma, der nochmal zusammen mit dem erfolgversprechenden Nachwuchs ein lohnendes Projekt durchziehen will. So recht bedrohlich wirkt er nicht mehr. Andererseits, in diesem Film ist er trotz allem noch ein Lichtblick in diesem ziemlich müden Neuaufguss eines hervorragenden James-Bond-Filmes.

Zu dieser Darstellung wäre hier ein treffendes Zitat aus Klaus-Peter Walters "James-Bond-Buch" von 1995 (S. 75):
"Max von Sydow, geprägt von seinen psychologisch höchst problematischen Rollen bei Ingmar Bergman, spielt den Blofeld sehr entrückt als müden Todesbotschafter - weise und freundlich, doch bei aller weißbärtigen Opahaftigkeit höchst gefährlich. Das sinistre Dreinblicken überläßt er der fiesen weißen Angora-Katze auf seinem Schoß."
Aber tritt er wirklich "recht häufig" auf? Er hat nur drei Szenen von zusammen weniger als fünf Minuten Länge: Die Besprechung, bei der der Plan erläutert wird, die Botschaft an die NATO (bei der er überwiegend nur aus dem Off zu hören ist) und noch eine winzige Szene kurz vor dem Finale, als er per Zuschaltung mit Largo spricht und die eigentlich überflüssig ist. Ob die Rolle im ursprünglichen Drehbuch mehr Raum einnahm? So wirkt von Sydow fast verschenkt. Aber andererseits ist er der einzige Schauspieler, den ich mir theoretisch in allen Filmen als Gesichts-Blofeld hätte vorstellen können.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #40
Wer nun der beste Blofeld-Darsteller ist, darüber gibt es ja nun scheinbar endlos viele Diskussionsbeiträge in den Weiten des Web und auch anderswo. Im allgemeinen schwankt man zwischen Donald Pleasence (Man lebt nur zweimal) und Telly Savalas (Im Geheimdienst Ihrer Majestät). Vom Aussehen und Charakter vollkommen unterschiedlich, haben beide ihre Berechtigung, der kühle Stratege Pleasence oder der mehr hemdsärmelige Savalas. Obwohl das Narbengesicht von Pleasence wohl eher ikonisch ist.
Dass der gesichtslose Anführer von SPECTRE in Feuerball eine geradezu unantastbare Machtfülle ausstrahlt, liegt vielleicht auch gerade in dieser fehlenden Identität begründet.

Durch die ersten beiden Auftritte ohne Gesicht und den dritten, bei denen er erst im letzten Drittel zu sehen ist, wurde natürlich eine enorme Erwartungshaltung aufgebaut. Der Drahtzieher, von dem man nur die Hand sieht, wurde nicht umsonst seitdem oft genug zitiert und parodiert, von der Zeichentrickserie "Inspektor Gadget" bis zur Spencer/Hill-Klamotte "Zwei bärenstarke Typen" (dort mit einem Hund statt einer Katze) oder (ohne Schmusetier, aber mit Zigarre (in dem Zeichentrickfilm "Tim & Struppi und der Haifischsee".
Donald Pleasence passt zu dieser eher passiven Art ganz gut; um ihn bedrohlicher wirken zu lassen, rasierte man ihm eine Glatze und schminkte Narben auf. Allerdings wirkt er durch seine geringe Körpergröße neben Sean Connery oder dem hünenhaften Leibwächter Hans wie ein Gartenzwerg. Das aktive Verfolgen Bonds auf Skiern oder die Prügelei im Bob wären mit ihm Lachnummern, weshalb der robustere Telly Savalas im Folgefilm passender war. Bei diesem wiederum kann man sich kaum vorstellbar, dass er zuvor hinter einer Glasscheibe oder an einem Schreibtisch saß.
In einem anderen Forum meinte jemand mal, dieser Blofeld wirke "weniger wie Bonds Moriarty denn wie ein jovialer Zuhälter". Das ist dann doch etwas zu drastisch. Ironischerweise ist ausgerechnet dieser so bodenständige Darsteller der einzige Blofeld, der ein nicht-materielles Motiv (einen Adelstitel) hat, was nicht recht zusammenpassen will.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #40
Auffällig ist wirklich in allen Filmen der Hang Blofelds zu grausamen Bestrafungen für nicht mehr richtig funktionierende Mitglieder oder Menschen, die ihm in die Quere kommen. Ein sehr sadistischer Zug, den der Mann mit der weißen Perserkatze auch zur Einschüchterung zelebriert.

Ist das nicht ein grundsätzliches Merkmal von Bösewichtern dieser Kategorie? Ebenso wie dass sie bei ihren Hauptwidersachern dann wieder zurückhaltend sind.

Savini Offline



Beiträge: 256

15.07.2021 15:15
#47 RE: Die Welt ist nicht genug - Superschurken in Buch und Film Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #37
Manches ist abgeändert und dramatisiert, statt der Ernte Englands ist nun gleich die der ganzen Welt bedroht, und die mutige Teresa fällt am Ende nach aufregenden Ski- und Autoverfolgungsjagden in der verschneiten Berglandschaft werkswidrig in die Hände des SPECTRE-Chefs. Der sich sonst menschlichen Lastern eher zugeknöpft gebende Blofeld begehrt hier ganz im Stile eines Wallace-Schurken die Schöne des Stückes, die er seinem Kontrahenten auf der anderen Seite des Gesetzes einfach wegschnappen will.

Ist das nicht auch jenseits von Edgar Wallace ein gängiges Klischee in Film und Literatur, egal, in welchem Genre?
Tracys Gefangennahme war natürlich ein guter Einfall, da so das Finale zusätzlich zu einer Befreiung wurde und kein reiner Vernichtungsschlag war.
Eine andere gelungene Ergänzug ist die Szene, in der Blofeld dem enttarnten Bond seinen Plan erläutert und dabei herrlich in seiner Bosheit schwelgen kann.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 536

16.07.2021 12:26
#48 RE: Die Welt ist nicht genug - Superschurken in Buch und Film Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #45
Wobei in diesem Fall aus Flemings Sicht eher das Mischlingsmotiv ausschlaggebend sein dürfte. Das setzt er auch bei Bösewichten ohne deutsche Wurzel ein. Dr. No rekrutiert etwa bevorzugt Menschen, die teils von Schwarzen, teils von Chinesen abstammen (zu Flemings Zeiten nannte man sie "Chigroes"). Le Chiffres Herkunft ist unklar, aber in seiner Akte wird über romanische und slawische Wurzeln spekuliert. Mr. Big kontrolliert eine Organisation von schwarzen Kriminellen, aber seine Mutter war weiß (er selbst hat übrigens rote Haare). Blofelds Herkunft wurde bereits erwähnt.

Mischlinge wurden schon lange Zeit mit erhöhter Aggressivität und Gewalttätigkeit in Zusammenhang gebracht. Es gibt oder gab sogar wissenschaftliche Untersuchungen darüber. Was daran wahr oder nicht ist, kann man gänzlich unvoreingenommen ohne Ideologielastigkeit schwer sagen. Aber wie so häufig, werden auch hier Menschen aufgrund irgendeiner speziellen Eigenschaft von vornherein in eine Schublade gesteckt. Kein schöner Zug, den aber Fleming nicht „erfunden“ hat. Auch Wallace hat die Mischlingsthematik immer mal wieder in seinen Büchern aufgegriffen. Obwohl gerade er es schafft, hier über seinen Schatten zu springen und, wie es ja „Savini“ im Bogenschützen zeigt, sogar einen Sympathieträger daraus zu machen. Das gleiche Thema behandelt er auch im kaum bekannten und im selben Jahr erschienenen Roman Geheime Mächte, wo der hässliche, ungebildete, dunkelhäutige und verachtete „Mischling“ den edelsten Charakter und die reinste Seele aller Beteiligten hat. Das hat im Handlungszusammenhang eine besondere Bewandtnis, in jeder Hinsicht ein ungewöhnliches Werk, was ich auch gerne mal demnächst besprechen möchte, wenn es die Zeit erlaubt.

Zitat von Savini im Beitrag #45
Stouts krasse Deutschfeindlichkeit ist mir bekannt. Im Falle von Fleming schien seine Haltung selbst in den gekürzten Ausgaben des Scherz-Verlags noch durch. Wobei man sagen muss, dass er generell auf alles herabblickte, was nicht von den britischen Inseln stammte (die Bösewichter sind alles, nur keine geborenen Briten). Im Falle der Deutschen ist es interessant, dass in den Büchern mitunter sogar eine gewisse widerwillige Bewunderung durchscheint, da die deutsche Wirtschaft bereits einen Aufschwung erlebte, als in England noch rationiert wurde. Ob Fleming dieser Neid bewusst war oder nicht?

Der britische Neid auf Deutschland ist tief verwurzelt und hat, mal ganz neutral ausgedrückt, letzten Endes einen erheblichen Anteil an den beiden verheerenden Weltkriegen gehabt. Natürlich, von „den Briten“ pauschal zu sprechen ist nicht richtig, die dortige sogenannte Elite sah (und sieht ?) in Deutschland den Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt. Fleming mit seinem Upper-Class-Hintergrund hat das sicher mit der Muttermilch einsogen, genauso wie die Neigung, generell auf alles Nichtbritische und nicht seiner Klasse zugehörige herabzublicken. Gerade seine Tätigkeit für den Geheimdienst im Interesse der Elite zeigt doch, wie sehr er sich diesen Leuten verbunden fühlte. Trotzdem schließt das eine charakterliche Weiterentwicklung nicht aus, wie es bei Fleming damit aussah, ist sicher zweifelhaft.

Zitat von Savini im Beitrag #45
Das ist mir bewusst, Fleming ist aber ein spezieller Fall, bei dem das mit der "völlig anderen Zeit" nicht so einfach ist.
Ich weiß nicht, ob du Kingsley Amis´ erstmals 1965 in England erschienenes Buch "Geheimakte 007. Die Welt des James Bond" kennst.

Das Buch kenne ich nicht. Etwa zur gleichen Zeit hat ja auch schon Umberto Eco sein negatives Urteil in Buchform über die Bond-Erzählungen abgegeben. Vielleicht hätte er es als älterer Mann etwas differenzierter gesehen, wer weiß. Aber was solls, das eine sind eben die Kritiker, das andere das Publikum. Wenn die Bücher so schlimm wären, hätten sie nun sicher keine so breite Verbreitung gefunden und zu einer der langlebigsten Filmserien motiviert. Dass eine Person wie Bond, der die Drecksarbeit für Königin, Empire und Demokratie macht, kein zartfühlender Akademiker mit weltoffenen Glaubensgrundsätzen ist, liegt auf der Hand, zumal als herumgeschubstes Waisenkind mit Bindungsstörungen und notwendigerweise entwickelter Ellenbogenmentalität. Der muss einfach skrupellos, aggressiv und „kalt“ sein, gewissermaßen in den Tag hineinleben und ein Feindbild mit Vorurteilen haben, welches ihn bei Stange hält. Zeigt auch, was seine Vorgesetzten für eine Mentalität haben und entspricht sicher mehr der Realität, als es manchem lieb ist. Wem die Bücher nicht gefallen, soll sie eben einfach nicht lesen.
Gerade bei Fleming und seinem Werk gibt es abseits der üblichen Verdammung noch viele interessante Aspekte zur Recherche, die sicher lohnenswerter sind. Die okkulten Anspielungen, oft mit rosenkreuzerischem Hintergrund, die sogar in den Filmen auftauchen, gehen auf eine interessante Seite ihres Schöpfers zurück, die zum großen Teil auch mit dessen Arbeit im Geheimdienst verknüpft ist. Wenn Du Dich damit mal vorurteilslos beschäftigst und das alles nicht gleich als Spinnerei abtust, kommst Du auf skurrile Sachen, woher etwa die Bezeichnung „007“ stammt oder was es auch mit „For your eyes only“ auf sich hat. Sogar mit Blofelds Vorbildern gibt es da Mutmaßungen, die sicher nicht alle stimmen, denn alles muss man sicher auch nicht glauben…

Zitat von Savini im Beitrag #46
In einem anderen Forum meinte jemand mal, dieser Blofeld wirke "weniger wie Bonds Moriarty denn wie ein jovialer Zuhälter". Das ist dann doch etwas zu drastisch. Ironischerweise ist ausgerechnet dieser so bodenständige Darsteller der einzige Blofeld, der ein nicht-materielles Motiv (einen Adelstitel) hat, was nicht recht zusammenpassen will.

Ja, dass ausgerechnet der „prollige“ Savalas-Blofeld so für Adelstitel schwärmt, kam mir auch immer unpassend vor. Das hätte besser zu Pleasence gepasst, sollte man meinen. Aber, wie so viele wie von Savalas dargestellte Gemüter hat dieser womöglich auch insgeheim davon geträumt, „was Besseres“ zu sein, durch den Adelstitel auf seine alten Tage in die gehobene Gesellschaft eingeführt zu werden. Wer weiß ?

Zitat von Savini im Beitrag #46
Ist das nicht ein grundsätzliches Merkmal von Bösewichtern dieser Kategorie? Ebenso wie dass sie bei ihren Hauptwidersachern dann wieder zurückhaltend sind.

Das stimmt schon. Geradezu klassisch. Da Bond aber weltweit bekannt geworden ist, wird das endlose Spiel, dem Agenten alles zu verraten, zu verschonen und ihn am Ende dann in komplexe Todesfallen zu stecken, woraus er sich wieder befreien kann, wahrscheinlich besonders mit diesen Filmen in Verbindung gebracht.

Savini Offline



Beiträge: 256

16.07.2021 17:04
#49 RE: Die Welt ist nicht genug - Superschurken in Buch und Film Zitat · Antworten

Eine sehr lange Mail, aus der ich nur einige Dinge aufgreifen und auf diese eingehen kann.
Den letzten Punkt zuerst: Natürlich war vieles, was man heute in erster Linie mit James Bond assoziiert, schon in den Serials der 30er/40er angelegt; da gerade das hiesige Publikum diese aber (wenn überhaupt) erst Jahre oder Jahrzehnte nach den Bond-Filmen zu Gesicht bekam, war die Verbindung zu Bond natürlich noch stärker als im englischsprachigen Raum. Und selbst zur Zeit der Serials scheint es den Machern bewusst gewesen zu sein, dass manches zum Standard geworden war, etwa bei der Sherlock-Holmes-Serie mit Basil Rathbone (ich weiß, sie wurde vor anderthalb Jahren ausführlich diskutiert): In gleich zwei Folgen ("Geheimwaffe" und "Spinnennest") befindet sich Holmes in der Gewalt seiner Widersacher und meint spöttisch, dass er eine besonders originelle Methode erwarte, ihn zu beseitigen.
Vor einiger Zeit habe ich mit jemandem über Überschneidungen zu den Serials gesprochen. Er meinte, im Vergleich zu diesen seien bei James Bond drei Punkte wesentlich neu gewesen:
1.: Man drehte tatsächlich in exotischen Ländern, während B-Filme aus Zeit- und Konstengründen oft komplett im Studio entstanden.
2.: Sex-Elemente, da die Helden gerade bei amerikanischen Serials trotz aller Versuchung keusch blieben.
3.: Die Bösewichten waren zwei bei den Anschlägen auf die Helden sehr phantasievoll, hatten aber nicht unbedingt einen spektakulären Abgang; am Ende wurden sie meist einfach verhaftet oder erschossen.

Was Telly Savalas und den Adel angeht, so fällt mir dabei die "Mörder GmbH" aus derselben Zeit (ebenfalls mit Diana Rigg!) ein, in dem er einen englischen (!) Lord und Zeitungskönig spielt. Das wirkt sehr skurril, fast so wie seine dortige Synchronstimme oder die Tatsache, dass er gegen Ende (in Verkleidung) sogar eine Pickelhaube trägt.
Was natürlich nur im Original bei Blofeld neben den Gesichtern wechselt, ist die Sache mit dem Akzent: Pohlmann klang im Original nach etwas Undefinierbarem zwischen deutsch und osteuropäisch, Pleasence bemühte sich (wie ich gelesen habe) um einen ungarischen Akzent, der aus New York stammende Savalas klang plötzlich amerikanisch, Gray dagegen "very British". Und bei von Sydow hatte ich den Eindruck, er versuche, einen schottischen Akzent zu imitieren.

Bei Kingsley Amis scheint ein Missverständnis vorzuliegen: Er arbeitet zwar die Strickmuster von Flemings Geschichten heraus, etwa die typischen Bond-Verbündeten, die oft aus dem Bereich Geheimdienst oder Unterwelt stammen; interessant war etwa sein Gedanke, dass Emilio Largo in "Feuerball" von seiner Beschreibung und Charakterisierung eher in dieses Schema passen würde als in das des Gegenspielers.
Die damals bereits erhobenen Rassismus-, Sexismus- oder Nationalismus-Vorwürfe diskutiert er aber kritisch und mitunter sehr ironisch, wobei ein süffisanter Ton das ganze Buch durchzieht und es zu einer angenehmen Lektüre macht. Mitunter wirft er den (oft eher linken) kritischen Stimmen "Neopuritanismus" vor.
Zwei Beispiele:
"Als erstes wäre festzustellen, daß Bond auf Frauen anziehend wirkt. Es scheint über das Verständnis des durchschnittlichen Literaturkritikers zu gehen, daß das für manche Männer aus Fleisch und blut ebenso zutrifft wie für viele Romanhelden, und daß die meisten Männer zumindest bei gewissen Frauen Erfolg haben. Man braucht weder mißgestaltet noch von sexuellen Komplexen bedrängt noch ein Voyeur zu sein, um sich bei der Lektüre von Liebesabenteuern mit Vergnügen in die Rolle des Helden zu versetzen. Wenn man allerdings die Kritiker hört, möchte man das Gegenteil glauben." (S. 43)

In einer Fußnote (auf Seite 59) meint Amis, er warte noch auf die Erwartung "aus dem neopuritanischen Lager, wonach Bond endlich seine vielgerühmte Männlichkeit über Bord wirft und unterdrückten homosexuellen Neigungen nachgibt. Ich erwarte sie aber jetzt jeden Tag."
Wohlgemerkt: das wurde 1965 geschrieben!

Savini Offline



Beiträge: 256

16.07.2021 17:16
#50 RE: Die Welt ist nicht genug - Superschurken in Buch und Film Zitat · Antworten

Leider können ältere Beiträge nicht mehr verändert werden. Deshalb eine kurze Korrektur in eigener Sache: Anders als viele andere Bond-Widersacher (männlich und weiblich) hat Mr. Big im Roman keine roten Haare.

Nun noch etwas zu Blofeld: Ähnlich amüsant finde ich Klaus-Peter Walters "James-Bond-Buch" von 1995, das für mich lange eine Art Bibel war. Er beschäftigt sich nicht nur mit den Romanvorlagen und Filmen, sondern auch mit dem Universum der Bond-Epigonen, -Parodien und -Comics, trägt auch zusammen, inwiefern James Bond die Populärkultur prägte und umgekehrt von dieser geprägt war. Imponierend, war er zu einer Zeit zusammentrug, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte! Auch in seinem Buch blättere ich immer wieder gerne, weil mir der Stil und Ton gefällt.
Neben den Bond-Widersachern und deren Handlangern widmet er dem "Schurke(n) aller Schurken" ein eigenes Kapitel. Gegen Ende schreibt er (S. 75):
"Da man Blofeld nie wirklich tot gesehen hat, ließe er sich reaktivieren für den Fall, daß einem zukünftigen 007 einmal die Gegner ausgehen sollten. Und wer sollte diesen Blofeld spielen? Wie wäre es mit Sean Connery höchstselbst, als ironischer kontra-, Höhe- und Schlußpunkt seiner Bond-Karriere."

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