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Dieses Thema hat 59 Antworten
und wurde 3.326 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.974

24.04.2019 16:15
#46 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten



Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe (La soupe aux choux)

Komödie, FR 1981. Regie: Jean Girault. Drehbuch: Jean Halain, Louis de Funès (Romanvorlage, 1980: René Fallet). Mit: Louis de Funès (Claude Ratinier), Jean Carmet (Francis Chérasse, der Bucklige), Jacques Villeret (Außerirdischer), Christine Dejoux (Francine Ratinier), Henri Génès (Polizeiwachtmeister), Claude Gensac (Amelie Poulangeard), Marco Perrin (Bürgermeister), Gaëlle Legrand (Catherine Lemouette), Philippe Ruggieri (Robert), Thierry Liagre (Arzt) u.a. Uraufführung (FR): 2. Dezember 1981. Uraufführung (BRD): 26. März 1982. Eine Produktion von Les Films Christian Fechner und Films A2 für AMLF Distribution.

Zitat von Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe
Wie Eremiten hausen die siebzigjährigen Freunde Claude Ratinier und Francis Chérasse auf ihrem Bauerngut in der französischen Provinz. Die beiden Einsiedler ernähren sich hauptsächlich von Wein und Suppe aus selbst angebauten Kohlköpfen. Das Kohlsuppenrezept erweist sich als derart durchschlagend, dass sein Ruf bis ins Weltall dringt und einen außerirdischen Interessenten vom Planet Oxo anlockt. Dieser nimmt zunächst nur eine Kanne Suppe mit in seine Heimat; beim nächsten Mal will er Ratinier schon zu einem Umzug bewegen ...


„Du bist wie ich: Du bist ausgesprochen dämlich.“

Sichtlich gealtert drehte Louis de Funès 1981 mit 67 Jahren seinen vorletzten Film über einen unerwarteten Besuch aus den Weiten des Weltalls. In seiner Rolle zählt der Altstar sogar bereits 70 Lenze und beabsichtigt, noch zehn weitere zu leben; in der Realität starb er bereits 13 Monate später – weniger als ein Jahr nach der deutschen Erstaufführung. Obwohl man der Komödie das Alter ihres Protagonisten deutlich anmerkt, gerät der Humor deswegen keinesfalls reifer als in seinen anderen Auftritten: So manches Mal darf man sich über plumpe, selbst vulgäre Lacher erfreuen und natürlich ist die Handlung jenseits jedweden Realitätsanspruchs angesiedelt. Allerdings unterscheidet sich „Louis und die außerirdischen Kohlköpfe“ dennoch mit seiner grotesken, durchaus auch gesellschaftskritischen Perspektive von weniger gehaltvollen Louis-Komödien:

Zitat von „La soupe aux choux“, Wikipedia.org, Quelle, Übers. d.A.
Louis und die außerirdischen Kohlköpfe ist die Filmadaption des gleichnamigen René-Fallet-Romans, der im Januar 1980 in Frankreich bei Denoël veröffentlicht wird. Louis de Funès entdeckt das Buch rasch nach der Herausgabe und „verliebt sich in diese Ode an die Erde und ihre Großzügigkeit, das Mitleid mit den Benachteiligten der Modernisierung und die tiefe Ironie, die in den Versuchen liegt, die profane Ordnung ländlicher Regionen zu ändern.“ Christian Fechner, ständiger Produzent des Schauspielers seit Brust oder Keule (1976), kauft die Adaptionsrechte. Louis de Funès trifft den Autor und macht sich selbst mit der Hilfe von Jean Halain an die Umsetzung des Buchstoffes. [...] Der Regisseur Yves Robert warnt Funès vor der Komplexität, einen Fallet für das Kino zu adaptieren, denn die vorherigen Versuche waren selten von Erfolg gekrönt.


Handlungsstränge wie die Wiederkehr der toten Frau unter die Lebenden oder die Vertreibung der beiden alten Freunde aus ihrem Paradies um des lieben Fortschritts willen gehen über blanke Komödiensujets weit hinaus, werden dem geneigten Zuschauer aber durch umso lustigere andere Momente erfolgreich „untergejubelt“. Im Gegensatz zu anderen Filmen, in denen sich de Funès auf einen fast gleichwertigen Sparringspartner verlassen muss und von diesem bitter im Stich gelassen wird, passen er und Jean „der Bucklige“ Carmet auch hervorragend zusammen, beharken einander mit Unflätigkeiten, hinter denen sich Lebensweisheiten verbergen, und treten schließlich gemeinsam mit der alten Hofkatze die Reise gen Planet Oxo an.

Als menschenfreundlichem Außerirdischem kommt Jacques Villeret eine äußerst dankbare Rolle zu. Sie ist derart verrückt, dass auch sie ohne größeres darstellerisches Zutun Kultcharakter entwickelt. Die ganze abgedrehte Sci-fi-Geschichte beißt sich so sehr mit dem altmodischen Habitus der beiden „Helden“, dass es eine wahre Freude ist, dieses Aufeinanderprallen der Kulturen zu beobachten. Gleiches gilt für den hypermodernen Vorspann und die beschwingte Elektronik-Musik von Raymond Lefèvre, die zugleich überirdische Schwingungen verströmt und die einladende Sommerfrische der französischen Landschaft leichtfüßig untermalt. Amüsante Kleinigkeiten wie die Umstände, dass es ausgerechnet die Kohlsuppe ist, die den Oxo-Bewohner anlockt, dass dessen überdimensionierte Untertasse auf den Millimeter genau in Ratiniers Scheune passt oder dass der Außerirdische über Nacht die menschliche Sprache erlernt, fügen dem Film weitere Wohlfühlpunkte hinzu. Er endet dann mit einem Aufbruch ins Ungewisse und kappt den ungewöhnlichen Handlungsstrang damit genau an der Stelle, an der es besser ist, ihn bloß in der Fantasie fortzuführen.

So abgespact ist kein anderer Louis-Film: Was man als albernen Weltraumkitsch abtun könnte, ist in Wahrheit die anrührende Geschichte unverstandener Freundschaften und eine gelungene Parodie auf den menschlichen Fortschrittswahn. De Funès stemmt sich diesem mit aller Gewalt entgegen und kann am Ende vor der unaufhaltsamen Entwicklung doch nur in fremde Galaxien fliehen. 5 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 3.080

24.04.2019 16:45
#47 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Hab den Film als Kind im Kino gesehen und dann nie mehr. Hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich war Louis Filme aus den Sixties gewohnt, die wir im Fernsehen liebten. Mit seinen Spätwerken, wie z.B. auch der Geizige, kann ich gar nix mehr anfangen.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.117

24.04.2019 18:45
#48 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

In der Tat mir geht es genauso. Beim Humor ist der Geschnack der Menschen ganz anders
als bei Krimis und sehr unterschiedlich, deshalb haben es Krimikomödien und Persiflagen
auch bedeutend schwerer.

Gruss
Havi17

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.328

24.04.2019 20:28
#49 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Warum bringen die keine BluRay? Ist das Ausgangsmaterial zu schlecht? Ich hatte die alte DVD, die ja ziemlich mies war - zum Glück bei Ebay wieder verscherbeln können.

Markus Offline



Beiträge: 646

24.04.2019 20:41
#50 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Gibt's doch auf Blu-ray:

Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe - Louis de Funes [Blu-ray] https://www.amazon.de/dp/B00K10FU0Y/ref=...i_02kWCbZKRRN2H

Gruß
Markus

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.328

25.04.2019 07:35
#51 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Zitat von Markus im Beitrag #50
Gibt's doch auf Blu-ray:

Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe - Louis de Funes [Blu-ray] https://www.amazon.de/dp/B00K10FU0Y/ref=...i_02kWCbZKRRN2H

Gruß
Markus

Mißverständnis. Ich meinte die Hasch mich, ich bin der Mörder-Ausgabe von Filmjuwelen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.974

26.04.2019 09:30
#52 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Es wird schon eine Materialfrage sein. Ich denke, wenn möglich, würden sie auf beiden Medien auswerten ...



Der Querkopf (La zizanie)

Komödie, FR 1978. Regie: Claude Zidi. Drehbuch: Pascal Jardin, Claude Zidi, Michel Fabre. Mit: Louis de Funès (Guillaume Daubray), Annie Girardot (Bernadette Daubray-Lacaze), Maurice Risch (Dummerchen), Nicole Chollet (Léontine), Julien Guiomar (Dr. Landry), Daniel Boulanger (Bankdirektor), Jacques François (Präfekt), Van Duong (japanischer Präsident), Jean-Jacques Moreau (Vizebürgermeister), Geneviève Fontanel (Madame Berger) u.a. Uraufführung (BRD): 16. März 1978. Uraufführung (FR): 22. März 1978. Eine Produktion von Les Films Christian Fechner und Simar Films für AMLF Distribution.

Zitat von Der Querkopf
Guillaume Daubray ist mit vollem Herzen Unternehmer. Obwohl die Tests für seine Luftreinigungsmaschinen mehr schaden als nutzen, nehmen ihm japanische Investoren 3000 Einheiten ab. Weil vertraglich eine Lieferzeit von drei Monaten vereinbart ist, muss Daubray, der keinen Fabrikanbau auf seinem Grundstück mehr unterbringt, die Fertigung in seinen Wohnbereich verlegen. Das unruhige Leben zwischen Schleif-, Bohr- und Montagegerätschaften zehrt mehr und mehr an den Nerven seiner Frau, die sich lieber in aller Ruhe gärtnerisch und künstlerisch verwirklichen würde. Der Streit zwischen den Eheleuten eskaliert, als Guillaume Bernadettes Gemüsegarten mit Petroleum überflutet. Sie zieht aus und beschließt, im Wahlkampf ums Bürgermeisteramt gegen ihren Gatten anzutreten!


„Frauen haben sowieso nichts zu sagen, und schon gar nicht meine.“

Das de Funès’sche Spätwerk ist von Versuchen geprägt, dem typischen Louis-Humor neue Seiten zu entlocken oder andere Aspekte hinzuzufügen. Umso überraschender ist das Produktionsjahr von „Der Querkopf“, der 1978 eine für den Humoristen erstaunlich archetypische Rolle und Handlung beinhaltet, wie sie auch schon mehr als ein Jahrzehnt früher von ihm hätte verkörpert werden können. Als aufgedrehter Industrieller und gleichzeitiger Bürgermeister beschreitet sein Guillaume Daubray den schmalen Grat, seinen eigenen Willen möglichst überall durchzusetzen und dennoch bei seiner Frau und seinen Wählern in jeder Situation einen auf gut Wetter zu machen. Diese Zwickmühle zwingt ihn zu urkomischen Verwicklungen, und man leidet mit den Daubrays mit, wenn sich ihr Haus nach und nach in eine puffende, zischende und kreischende Werkshalle verwandelt, in der die Arbeiter selbst vor Wintergarten und Schlafzimmer nicht Halt machen.

Von absolut essenzieller Bedeutung für den Film ist Louis de Funès’ Zusammenspiel mit Schauspielerkollegin Annie Girardot. Im Gegensatz zu anderen Louis-Komödien wird die Frau hier nicht zu einem albernen Anhängsel degradiert, sondern erhält eine ihrem Mann gegenüber gleichwertige Rolle. Girardot demonstriert in Folge beträchtliches komödiantisches Talent, aber es kommt dem sehr lauten, teilweise hektischen Film zugute, dass sie insgesamt eine bedachtere Verhaltensweise an den Tag legt. Erst als ihre Geduld endgültig aufgebraucht ist, fährt sie empfindlich die Krallen aus, was dem Film stellenweise einen regelrecht feministischen Anstrich verleiht. Dennoch wird ersichtlich, dass zwischen den Daubrays eine tiefe Verbundenheit besteht und sie unterm Strich so schnell nichts auseinanderbringen kann.

In einem Punkt ist „Der Querkopf“ seiner Zeit voraus: Auch wenn sie nur als Macguffin dienen, um die eigentliche Handlung loszutreten, so zeigen die Maschinen, die Daubray herstellt, verdächtige Ähnlichkeiten zum damals langsam beginnenden und heute mächtig ausgewachsenen Öko-Trend – sei es der Luftreiniger, der Rauch binnen Sekunden filtern (und zum Verkauf nach Russland verpacken) kann, oder der Solarspiegel, auf dem sich Energie sammeln und kurzerhand ein knuspriges Spiegelei zubereiten lässt (die dazugekommene vegane Verirrung scheint dann doch neueren Datums zu sein).

Obwohl „Der Querkopf“ alles in allem einen recht harmlosen und durchaus gelungenen Eindruck macht, ging der Veröffentlichung des Films ein großes Gezeter voraus:

Zitat von Marc Halupczok: Louis de Funès, Ubooks-Verlag, Mossautal 2013, S. 199
[B]evor Fans und Kritiker das Werk zu Gesicht bekommen, gibt es juristische Probleme. Der Film wird sogar beschlagnahmt und erst wenige Stunden vor der geplanten Uraufführung am 24. März 1978 [sic!] vom Gericht wieder freigegeben. Der Hintergrund: Der Regisseur, Autor und Schauspieler Jean-Pierre Mocky [...] hatte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Mocky gibt an, mit de Funès seit Sommer 1977 über seine Idee eines Filmes mit dem Titel Le boucan gesprochen zu haben, der dem Streifen Der Querkopf auffällig ähnlich sein soll. De Funès, so Mocky weiter, habe großes Interesse an dem Projekt gezeigt, als im Herbst 1977 plötzlich die ersten Details von Der Querkopf bekannt wurden. Seitdem, so berichtet die Zeitschrift Le film français, habe sich der Schauspieler nicht mehr bei ihm gemeldet. Die Geschichte schlägt hohe Wellen. Allerlei angesehene Rechtsanwälte gehen in Position, denn es geht um sehr viel Geld. Am Ende bekommen de Funès, Zidi und Fechner Recht und dürfen den Film aufführen und bewerben.


Ähnlich wie die Entstehungsgeschichte von „Der Querkopf“ nimmt auch die Filmehe von Louis de Funès und Annie Girardot ein Happy End nach zwischenzeitlichen effektvollen Streitereien. „Der Querkopf“ lädt zu unbeschwertem Lachen ohne größere Konsequenzen ein und wird als gelungener, aber nicht übermäßig ikonischer de-Funès-Auftritt in Erinnerung bleiben. Lobenswert ist die stimmungsvolle Arbeit der Kulissenbauer hervorzuheben. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.974

26.07.2019 11:30
#53 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten



Der Gendarm von Saint Tropez (Le gendarme de Saint-Tropez)

Kriminalkomödie, FR / IT 1964. Regie: Jean Girault. Drehbuch: Jacques Vilfrid, Jean Girault (Story: Richard Balducci). Mit: Louis de Funès (Reviervorsteher Ludovic Cruchot), Geneviève Grad (Nicole Cruchot), Michel Galabru (Bezirksvorsteher Jérôme Gerber), Nicole Vervil (Madame Gerber), Giuseppe Porelli (Harper aka Ferguson), Daniel Cauchy (Richard), Claude Piéplu (Boisselier), Christian Marin (Gendarm Albert Merlot), Jean Lefebvre (Gendarm Lucien Fougasse), France Rumilly (Schwester Clotilde) u.a. Uraufführung (FR): 9. September 1964. Uraufführung (BRD): 27. Mai 1966. Eine Produktion von SNC Société Nouvelle de Cinématographie Paris und Franca Films Rom.

Zitat von Der Gendarm von Saint Tropez
Aufgrund seines großen Diensteifers wird Gendarm Ludovic Cruchot zum Reviervorsteher befördert und auf einen Posten ins Küstenstädtchen Saint Tropez versetzt. Dort tritt er mit seiner resoluten Art seinen Untergebenen kräftig auf die Füße, während er bei seinem neuen Vorgesetzten Bezirksvorsteher Gerber auf Schönwetter macht. Da passt es Cruchot gar nicht, dass seine Tochter Nicole sich mit abenteuerlustigen Jugendlichen eingelassen hat und ihn kurzerhand in einen Kunstdiebstahl verwickelt, der den hochkorrekten Polizisten Kopf und Kragen kosten könnte ...


„Der Gendarm ist für die Nation wie der Schäferhund für die Schafe.“

Glaubt man Monsieur Cruchot, so lechzt die Gesellschaft geradezu nach Recht und Ordnung – und doch beweist er als Gendarm, wie man diese Werte in all ihrer Kleingeistigkeit und Verachtungswürdigkeit verkörpern kann. Der penible Beamte bläst zur großen Jagd auf leichte Opfer wie Hühnerdiebe und Falschparker, drangsaliert die unteren Dienstgrade ebenso wie seine dreiviertelerwachsene Tochter und schleimt nach oben, als gäbe es kein Morgen. Schon zu Beginn seiner großen Karriere gelang es Louis de Funès, Charakterbilder zu zeichnen, die eigentlich alles andere als sympathisch, aber zugleich mit so vielen Unsitten des Alltags und einer unverfrorenen Selbstsicherheit ausgestattet sind, dass man ihnen wenig übelnehmen kann. So wandelt der Gendarm von Saint Tropez sich im Laufe des Films von einem geradezu militaristischen Kameradenschwein zu einer zunehmend verständnisvollen und geradezu unfreiwillig tragikomischen Rolle.

Dies geht auch einher mit einem immer weiter anwachsenden Vergnügen am Film, denn während die erste Hälfte des Films recht schleppend und mit verhältnismäßig wenig zündenden Pointen versandet, so steigt die Humorgüte im zweiten Teil beträchtlich, sobald die klassische Verwechslungshandlung einsetzt. Für diese ist Louis’ Filmtochter verantwortlich, der Geneviève Grad ein niedliches, aber reichlich naives Gesicht verleiht. Auf einmal findet sich der hochkorrekte Gendarm auf der anderen Seite des Gesetzes wieder und muss sich an seinen eigenen vorherigen Aussagen messen lassen – ein wahres Vergnügen der Doppelmoral, aber auch ein beachtlicher Wandlungserfolg für de Funès. Höhepunkt des Films ist eine Szene, in der Cruchot unter falschem Namen als angeblicher Millionär eine Party besucht, auf der auch sein Vorgesetzter Gerber anwesend ist. Zugleich muss er ein gestohlenes Gemälde vor dessen wachsamen Augen und den gierigen Fingern des kunstinteressierten Gastgebers verstecken. Hier findet man an Tempo, skurrilen Momenten und geradezu unverschämten Ausweichtaktiken alles, was die Lachmuskeln anregt. Auch die verschiedenen wilden Autofahrten sorgen für Amüsement, während die Jagd auf Nudisten am Strand von Saint Tropez oder das ausführliche Liebes- und Modegeplänkel der diversen Jungdarsteller sich im Nachhinein als eher langweilig erweist.

Dennoch hatten de Funès und Girault, die hier bereits ihren vierten von 13 gemeinsamen Filmen realisierten, offenbar insgesamt die zeitgemäß richtigen Töne angeschlagen – schließlich wurde „Der Gendarm von Saint Tropez“ mit 7,8 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Film 1964 in Frankreich und führte bis 1982 zu nicht weniger als fünf Fortsetzungen. Am Ende des Streifens lässt sich Cruchot nach seiner „kriminellen Krise“ wieder als Polizeiheld feiern, erscheint erneut ganz in seinem ursprünglichen Element und damit bereit für weitere Abenteuer dies- und jenseits des Atlantischen Ozeans ...

In diesem Einstieg in die Gendarmen-Filmreihe sind bereits alle Merkmale typischer Louis-Rollen der späteren Jahrgänge vorhanden. Der zornig-korrekte Polizistenvater, der sich dann doch zu Gaunereien breitschlagen lässt und in Konflikte mit dem gut aufgelegten Bezirksvorsteher Gerber (Michel Galabru) gerät, ist ein Paradebeispiel für de Funès’ schauspielerische Klasse, auch wenn sich der Anfang recht tempoarm anlässt. Solide 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.974

27.07.2019 11:30
#54 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten



Der Gendarm vom Broadway (Le gendarme à New York)

Komödie, FR / IT 1965. Regie: Jean Girault. Drehbuch: Jacques Vilfrid, Jean Girault (Story: Richard Balducci). Mit: Louis de Funès (Reviervorsteher Ludovic Cruchot), Michel Galabru (Bezirksvorsteher Jérôme Gerber), Geneviève Grad (Nicole Cruchot), Marino Masé (italienischer Gendarm Aldo), Alan Scott (Franck), Christian Marin (Gendarm Merlot), Guy Grosso (Gendarm Tricard), Michel Modo (Gendarm Berlicot), Jean Lefebvre (Gendarm Fougasse), Leroy Haynes (Taxichauffeur) u.a. Uraufführung (FR): 29. Oktober 1965. Uraufführung (BRD): 9. Juni 1967. Eine Produktion von SNC Société Nouvelle de Cinématographie Paris und Compagnia Cinematografica Champion Rom.

Zitat von Der Gendarm vom Broadway
Die Gendarmerie von Saint Tropez darf sich geehrt fühlen: Von allen Polizeistationen in ganz Frankreich wurde ausgerechnet sie dazu auserkoren, das Land beim internationalen Polizeikongress in New York zu vertreten. So reisen Cruchot, Gerber und vier Gendarme ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo Cruchot bald von der fixen Idee heimgesucht wird, seine Tochter zu sehen. Dabei kann diese sich unmöglich in New York aufhalten. Oder doch? Es soll nicht die einzige Überraschung bleiben, die den leidgeprüften Polizisten in der amerikanischen Metropole erwartet ...


„My tailor is rich. My tailor is not rich. Merken Sie den Unterschied?“

Auch wenn es wieder zu den üblichen Witzeleien kommt, so versucht sich „Der Gendarm vom Broadway“ auf allzu plumpe Weise an das Erfolgsrezept von „Der Gendarm von Saint-Tropez“ anzuhängen. Die Idee, den von Louis gespielten Polizisten in höllische Aufregung sowie bei seinem Vorgesetzten in Misskredit zu bringen, ist ebenso wenig neu wie der Versuch, den Gendarm, der am Ende eine (natürlich nur eingebildete) Kofferleiche verschwinden lassen muss, gegen seine inneren Überzeugungen agieren zu lassen. Das Ganze verpackte man in eine nur leidlich zusammenhaltende Rahmenhandlung, denn um den in New York stattfindenden Polizeikongress geht es natürlich zu keiner Sekunde. Als reine Alibi-Veranstaltung ist er vielmehr der Aufhänger, um Louis im Land der unbegrenzten Möglichkeiten von einem Missgeschick zum nächsten laufen zu lassen, wobei diesmal der Bogen zum blanken Slapstick manchmal reichlich überspannt wird (Stichwort: der unsägliche Tanz ums Entrecôte).

Gewisse Witze werden deutlich zu lang beansprucht (die als blinde Passagierin reisende Tochter, die eigentlich schon auf dem Schiff auffliegt). Andere dagegen erweisen sich als durchaus tragbar (die amüsanten Sprachbarrieren zwischen den Franzosen und Amerikanern sowie die unvorteilhafte Konkurrenz zwischen französischen und italienischen Polizisten). Im letztgenannten Aspekt merkt man dem Film deutlich an, dass die Italo-Koproduzenten sich stärker in der Produktion vertreten sehen wollten und man bei dem internationalen Kongress Lunte witterte, ihnen einen größeren inhaltlichen Anteil zukommen zu lassen. Leider ist der Romeo-Darsteller Marino Masé einigermaßen blass und kann aufgrund des Drehbuchs auch nicht wirklich ernstgenommen werden.

Die sehr plumpe Natur des Films sorgt ohnehin dafür, dass man Schauspielerauftritte nur schwer beurteilen kann, weil kaum jemand übers Chargieren hinaus beansprucht wird. De Funès gibt sich natürlich keine Blöße und liefert das erwartete Vollprogramm ab, während der Part von Filmtochter Geneviève Grad alberner und flacher ausfällt als im Vorgängerfilm. Michel Galabru agiert häufig wirklich „dümmer als die Polizei erlaubt“, was auch für die anderen französischen Unter-Gendarme gilt, von denen es eindeutig zu viele gibt, um sich ihre Namen oder (ohnehin kaum vorhandenen) Charakteristika einzuprägen. Mit großer Freude registriert man dagegen den unverhofften Auftritt von France Rumilly als rasender Schwester Clotilde. Sie bringt mit ihrem Ein-Szenen-Cameo eine positive Kontinuität in den Film. Unterm Strich treffen die wie üblich skeptischen Filmkritiken diesmal den Nagel auf den Kopf, wenn sie „Der Gendarm vom Broadway“ als „Klamauk“ (Lexikon des Internationalen Films) bzw. als „handlungsarm [und] nicht abendfüllend“ (Evangelischer Filmbeobachter) abtun.

Anstatt mit dem Ausflug nach New York den Handlungsspielraum des beliebten Gendarmen aufzuweiten, verzettelt sich diese teilweise hanebüchene Komödie darin, bewährte Konzepte aus dem ersten Film in noch unwahrscheinlicherer Zuspitzung zu kopieren. Selbst für den einigermaßen klamaukresistenten Louis-Fan dürfte das etwas zu viel des Guten sein, auch wenn das erfahrene Gespann vor und hinter der Kamera stellenweise den passenden Ton traf. 2,5 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 3.025

27.07.2019 11:46
#55 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Der Gendarm vom Broadway war für mich immer der schwächste Teil der Reihe. Viele der Gründe hast Du genannt. Im französischen Original kommt der Film wenigstens nicht so klaumaukartig rüber, wie in der Donald-Duck-Synchronfassung.
Der Witz des Sprachunterrichts besteht im Original auch darin, dass de Funès die englischen Wörter wie französische ausspricht und Sätze wählt, die den französischen sehr ähnlich sind. ('tailor' < frz. 'tailleur', rich = frz. rich). Der Tanz um das Entrecôte war wohl eine Parodie auf die damals sehr erfolgreiche West Side Story von Leonard Bernstein. Insgesamt eine sehr schwache Fortsetzung!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.974

27.07.2019 12:24
#56 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Danke für die Rückmeldung. Diese sprachliche Feinheit war mir entgangen. Die gewählten Beispiele sind ja wirklich herrlich abstrus und gehören zu den unterhaltsamsten Momenten des Films. Auch die Szene, in der Louis die Rezeptionistin in New York fragt "Mistress, do you speak English?", hat mich zum Kringeln gebracht. Insgesamt hoffe ich aber, die kommenden Teile werden tatsächlich wieder besser. Es wird nur eh ein Weilchen dauern, bis es bei mir mit Louis weitergeht.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.328

27.07.2019 20:48
#57 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #56
Insgesamt hoffe ich aber, die kommenden Teile werden tatsächlich wieder besser.

Die werden tatsächlich besser. BALDUIN DER HEIRATSMUFFEL war von jeher mein Favorit und Liebling der Gendarm-Reihe. Ist ja, glaube ich, der nächste Teil.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 137

28.07.2019 19:49
#58 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

@Gubanov
Schön, dass du dich jetzt den Polizisten-Filmen von Louis widmest. Die sind eigentlich zusammen mit der Fantomas-Trilogie das Beste, was der kleine Franzose an Komödien geliefert hat. Nach den ersten beiden Teilen solltest du jetzt nicht die Flinte vorzeitig ins Korn werfen - denn es wird echt noch besser.
Gerade die Stellung als zweiter Mann, die Wachtmeister Cruchot in dem Polizeirevier einnimmt, macht ja den besonderen Reiz aus. Nach unten treten und Bösartigkeiten verteilen und nach oben zu seinem Chef katzbuckeln und schleimen, das kennt man ja auch aus dem wahren Leben, wenngleich es nicht so überspitzt daherkommt.
Der Gendarm von Saint Tropez ist durchaus eine vergnügliche Unterhaltung mit Schwächen, die du ja fein herausgearbeitest hast. Gerade die Liebeleien unter den Jugendlichen mit viel Herz-Schmerz haben zu dieser Zeit offenbar irgendwie dazugehört. Da hab ich mich auch bei Heinz Erhardt immer gegruselt. Ist aber nur im ersten Teil so. Die beschriebenen Zustände auf der Party, wo er sich als Millionär ausgibt, sind wirklich umwerfend komisch. Auch die Jagd auf die Nacktbader einschließlich "Drill" der Polizisten auf diesen heute kaum mehr vorstellbaren Einsatz (obwohl ich mir da auch nicht mehr so ganz sicher bin) ist sehr drollig. Alles in allem ein guter Einstieg mit viel Luft nach oben.
Der Gendarm in New York ist ein Film, mit dem ich persönlich nie was anfangen konnte. Wirklich mit Abstand der schlechteste Teil der Reihe, man hat den Eindruck, das irgendwie fast alle Gelegenheiten zu einem guten Gag verschenkt wurden. Aber auch hier gibt es ein paar lustige Momente.
Dann folgt Der Gendarm heiratet (oder auch Balduin, der Heiratsmuffel). Auch für mich der beste Teil der Serie und generell der lustigste und turbulenteste Film mit dem französischen Komiker. Die Kritiken vom "Lexikon des internationalen Films" und Konsorten sind ja allesamt vernichtend, aber da fragt man sich wirklich, was diese Kritiker eigentlich lustig finden. Wahrscheinlich rosten die auf ihren Stühlen an. Nein, da ist Louis in Hochform.
Der Gendarm bummelt bzw. Balduin, der Schrecken von St. Tropez sieht den Helden samt Mannschaft vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Das passt den Herren natürlich gar nicht, denn mit ihrer Uniform sind sie auch gleichzeitig ihrer Autorität und ihres Lebensinhalts verlustig gegangen. So kommen sie auch bald ihren jungen Nachfolgern in die Quere, um am Schluss doch noch eine abenteuerliche Rettungsaktion durchzuführen. Bei diesem Film ist der Nonsens-Faktor zugegebenermaßen schon ziemlich hoch, trotzdem alles in allem sehr spaßig.
Louis unheimliche Begegnung mit den Außerirdischen, erst mit großem zeitlichen Abstand zu den Vorgängerfilmen gedreht, ist zum Teil eine durchaus gelungene Persiflage auf den Ufo-Boom, der damals gerade mal wieder grassierte. Viele lustige Einfälle wechseln sich dann auch besonders zum Schluss hin mit recht groben Klamauk ab. Ein typischer Louis-Film, entweder man mag ihn oder halt nicht.
Louis und seine verrückten Politessen ist sein letzter Film vor seinem Tod. Er sieht schon sehr geschafft aus. Allerdings ist der Streifen nochmal ein richtiger "De Funes", nicht so das Niveau von Geizkragen oder Kohlköpfen, die nun nicht jedermann Geschmack sind.
Das Revier bekommt vier hübsche junge Politessen zugeteilt, worauf die Verwicklungen natürlich nicht lange auf sich warten lassen, besonders, als die Damen eine nach der anderen auch noch entführt werden. Ich finde, ein gelungener Abgang für Schauspieler zur Freude seiner Fans.

Ja, wenn man sich diese unbeschwerten Komödien, die nun wahrlich keinen Anspruch auf irgendwas erheben, anschaut, dann wird einem paradoxerweise doch irgendwie weh ums Herz...

palmi Offline



Beiträge: 39

31.07.2019 13:53
#59 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Am 2. August 2019 erscheint die DVD und Bluray "DIE DUMMEN STREICHE DER REICHEN" von Filmjuwelen. Endlich gibt es diesen Film auf Bluray.
Inhalt:
Der Finanzminister des spanischen Königs fällt im 17. Jahrhundert durch eine Intrige in Ungnade. Das will sich der an die Luft gesetzte Ex-Minister Don Salluste nicht gefallen lassen. Er spinnt nun selbst eine Intrige zusammen, um auf seinen Posten zurückkehren zu können. Doch das ist leichter gesagt als getan, besonders da Don Salluste den Diener Blaze als seinen angeblichen Neffen ins verleumderische Spiel bringt. Blaze, der tatsächlich Liebesgefühle für die Königin hegt, gerät irrtümlich jedoch an die Kammerdame und außerdem ins Visier von Königsmördern. Jetzt nehmen die Verwicklungen und Verwechslungen kein Ende mehr ...

Der Film ist wieder so ein typischer de Funes wo ich nicht genug kriegen kann davon.

https://www.amazon.de/gp/product/B07RF4G...0?ie=UTF8&psc=1


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palmi Offline



Beiträge: 39

05.08.2019 22:34
#60 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Ich habe gestern die Bluray "Don Louis - Die dummen Streiche der Reichen" erhalten. Heute gleich angeschaut. Schön mal wieder diesen Klassiker zu sehen. der Film ist Uncut, d.h. entfallene Szenen werden untertitelt im Original. Sehr schön. Die Farben sind Ok, obwohl hier noch etwas Luft nach oben offen ist. Auch die Schärfe könnte besser sein. Da gibt es besseres von Filmjuwelen bzw. die die Maßstäbe der Studio Canal Blurays schon ziemlich hoch gelegt. Hier hätte man noch ein Schäuflein nachlegen können. Ich hoffe das der Film auch nochmal von Studio Canal in exzellenter Qualität kommt. Im vergleich zur DVD ist der Unterschied nicht sehr groß. Leider. Da es sich aber um einen kleinen Raritäten Schatz handelt, bin ich schon glücklich den Film überhaupt im Händen halten zu dürfen.

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