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Dieses Thema hat 36 Antworten
und wurde 1.727 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
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Georg Offline




Beiträge: 2.862

01.01.2018 14:01
#31 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Ich glaube Havi17 und TV-1967 reden aneinander vorbei :).

TV-1967 wollte wissen, wo und ob Der Aussichtsturm, die dt. TV-Version von Jo-Hasch mich, ich bin der Mörder irgendwo ausgestrahlt wurde/ wird. Und das ist/ war defintiv nicht der Fall, der Film wurde seit Jahrzehnten nicht wiederholt und ist beim SR-Mitschnittservice zu beziehen.

Havi17 Offline




Beiträge: 2.992

01.01.2018 16:00
#32 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

@Georg: Danke für die Aufklärung. In der Tat, so hatte ich das nicht verstanden

Gruss
Havi17

michaelchan Offline



Beiträge: 13

01.01.2018 20:24
#33 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Habe auch nur gute Erinnerungen an Louis de Funes Filme.
Allerdings hat sich mein Humor seit den Siebziger Jahren wohl geändert. Besonders komisch finde ich das meiste nicht mehr.

Am besten finde ich heute die Filme mit dem etwas anderem, schwarzen Humor. So in "Die Abenteuer des Rabbi Jakob" und in "Hasch mich, ich bin der Mörder".
Letzterer wurde ja schon vorher mit Glenn Ford als "Die Nervensäge" in schwarz/weiß verfilmt und die Version ist auch nicht zu verachten.

btw, Lese gerade, dass das Theaterstück THE GAZEBO auf dem der Film basiert, in England mit Ian Carmichael ("Lord Peter") aufgeführt wurde :-)

TV-1967 Offline



Beiträge: 410

03.01.2018 16:23
#34 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Ja. KrimiGeorg hats aufgeklärt!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.208

05.02.2018 22:10
#35 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten



Balduin, der Ferienschreck (Les grandes vacances)

Komödie, FR / IT 1967. Regie: Jean Girault. Drehbuch: Jacques Vilfrid, Jean Girault. Mit: Louis de Funès (Balduin Bosquier [i.O. Charles Bosquier]), Claude Gensac (Isabelle Bosquier), François Leccia (Philippe Bosquier), Olivier de Funès (Gérard Bosquier), Martine Kelly (Shirley MacFarrell), Ferdy Mayne (MacFarrell), Maurice Risch (Stéphane Michonnet), Mario David (Autofahrer), Jacques Dynam (Kohlenlieferant Croizac), Denise Provence (Gräfin) u.a. Uraufführung (FR): 1. Dezember 1967. Uraufführung (BRD): 11. Oktober 1968. Eine Produktion von Les Films Copernic Paris und Ascot Cineraid Rom.

Zitat von Balduin, der Ferienschreck
Der gestrenge Schuldirektor Balduin Bosquier kennt auch in den Sommerferien kein Pardon: Sein älterer Sohn soll seine Fünf in Englisch ausbügeln, indem er an einem Schüleraustausch mit einer schottischen Familie teilnimmt, deren Tochter Shirley dafür bei den Bosquiers einzieht. Der jüngere Sohn soll Shirley derweil Paris zeigen. Die ständige Überwachung durch Bosquier senior wird der frühreifen Schottin bald zuviel, sodass sie mit einigen Jungs auf einem Segelboot Reißaus nimmt. Erst im letzten Moment erfährt Bosquier, dass auch sein in Schottland geglaubter Sohn auf dem Boot ist – eine peinliche Verwicklung nimmt ihren Lauf ...


„So sind die Franzosen: Alles Sittlichkeitsverbrecher!“

Die komischen Gelegenheiten, die sich ergeben könnten, wenn man Wirbelwind Louis de Funès in einen Lehrkörper integriert, liegen eigentlich auf der Hand. Der Film „Balduin, der Ferienschreck“ gibt zumindest eine Kostprobe dieser Möglichkeiten, indem er den Hauptdarsteller als Direktor eines elitären Internatsgymnasiums auftreten lässt. In dieser Funktion ist er zwar leider kaum in Interaktion mit anderen Lehrern oder Schülern zu sehen, weil die Ferien gerade begonnen haben, doch eine kurze Szene zu Filmbeginn zeigt ihn im herzhaft (un-)diplomatischen Umgang mit den Eltern der kleinen „Problemfälle“, mit denen er sich herumzuschlagen hat. Schnell verlagert sich die Handlung alsdann auf die privaten Turbulenzen im Hause Bosquier, dessen Ordnung und Sitten von der schottischen Austauschschülerin gehörig durcheinandergebracht werden. Dies geht vor allem zu Lasten des Vertrauens zwischen Balduin und seinem jüngeren Sohn Gérard, der den Film als Papis Liebling beginnt (verhätschelt mit regelmäßigen Geldspritzen) und ihn als „verdorbener Teenager“ beendet. Der Darsteller des 16-jährigen Gérard ist ein den Louis-Filmfreunden gut bekanntes Gesicht, doch nur wer den Vorspann aufmerksam liest, wird die Doppelbödigkeit der Rolle erkennen: Beim Schauspieler Olivier handelt es sich schließlich tatsächlich um den Sprössling von de Funès. Er trat zwischen 1965 und 1971 in insgesamt sechs Komödien seines Vaters auf, allerdings darüber hinaus in keinem einzigen anderen Spielfilm – ein echtes Familiengespann sozusagen.

Die Idee, aus den „großen Ferien“ eine Abenteuerreise zu machen, verwandelt den Film regelrecht in ein road movie, wobei de-Funès-Hausregisseur Jean Girault diesen Begriff nicht allzu wörtlich nahm und diverse Szenen außer auf der Straße auch zu Wasser oder in der Luft drehte. Der Aufwand der Verfolgungsjagden und Tricksequenzen sowie der betriebene Materialaufwand sind wieder einmal beachtlich, wobei viel Chichi bzw. Tingeltangel dem heutigen Betrachter eigentlich als nutzlos ins Auge sticht. Die humorvollsten Sequenzen sind ohnehin jene, die de Funès durch seine Mimik oder seinen Körpereinsatz stemmt, wohingegen Massenszenen wie das Hochzeitsfest in Gretna Green am Ende des Films die Grenze zur Albernheit manchmal auf unvorteilhafte Weise überschreiten. Dass man auch mit Einfachheit punkten kann, bewies Girault an anderer Stelle – nämlich bei den Schauplätzen. Anstatt ein immenses Budget in die internationalen Schauplätze zu investieren, kündigt meist nur eine schlichte auf dem Pariser Airport gedrehte Einstellung eines startenden Flugzeugs einen Szenenwechsel über den Ärmelkanal an. Auch die finalen Szenen entstanden mitnichten im südwestlichen Schottland, sondern im Zentralmassiv im Herzen Frankreichs.

„Balduin, der Ferienschreck“ glänzt dort am meisten, wo die Witze ins Gebiet des schwarzen Humors hineinreichen. Dazu gehören die diversen Spitzen, die die Franzosen und Schotten gegeneinander austeilen dürfen und die den Film ähnlich wie „Die Abenteuer des Rabbi Jacob“ zu einem wunderbar unkorrekten Lustspiel machen. So ziehen Louis und Charakterkopf Maurice Risch genüsslich über die Unzulänglichkeit der schottischen Küche her, während Ferdy Mayne, der das Pfennigfuchser-Pendant zu Balduin Bosquier spielt, den Franzosen sittliche Verkommenheit vorwirft. Es sind gerade Gesichter wie die von Mayne oder Risch, Claude Gensac oder Mario David, die dem Film eine vertraute Note verleihen, während die Eskapaden der rebellischen Sixties-Jugend nicht unbedingt immer den Nerv des Publikums treffen. Immerhin ist „Balduin, der Ferienschreck“ in einer anderen Kategorie ganz nah am Zahn der Zeit: Raymond Lefèvre komponierte für den Film eine mitreißend ohrwurmige Sommerhymne, die auch ohne Gesangseinlage an den populären Yéyé-Stil anknüpft.

Was in einem Urlaub nicht alles passieren kann: Jugendliche Abenteuerlust bringt Louis de Funès auf die Palme und stellt die schottisch-französischen Beziehungen auf eine Probe der besonderen Art. Nicht jeder Lacher zündet auch 50 Jahre nach der Filmpremiere noch, aber die, die funktionieren, sind louis-typisch liebenswert. 3,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.208

07.02.2018 20:45
#36 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten



Balduin, der Geldschrankknacker (Faites sauter la banque!)

Kriminalkomödie, FR / IT 1964. Regie: Jean Girault. Drehbuch: Jacques Vilfrid, Jean Girault (Vorlage: Louis Sapin). Mit: Louis de Funès (Balduin Garnier [i.O. Victor Garnier]), Yvonne Clech (Eliane Garnier), Jean-Pierre Marielle (André Durand-Mareuil, Bankier), Anne Doat (Isabelle Garnier), Jean Valmont (Philippe Brécy), Michel Tureau (Gérard Garnier), Catherine Demongeot (Corinne Garnier), Georges Wilson (Polizist mit Fahrrad), Michel Dancourt (Casimir), Alix Mahieux (Poupette) u.a. Uraufführung (FR): 25. Februar 1964. Uraufführung (BRD): 20. März 1970. Eine Produktion von Les Films Copernic Paris und Pamec Cinematografica Rom.

Zitat von Balduin, der Geldschrankknacker
Vom hinterlistig-profitgierigen Bankdirektor Durand-Mareuil zu einer verheerenden Fehlinvestition bewegt, sinnt der Waffenverkäufer Balduin Garnier auf Rache gegen das Geldinstitut. Voller Tatendrang beschließt er, sich sein Geld wiederzuerlangen und die Bank auszurauben. Da diese dem Garnier’schen Geschäft gegenüberliegt, soll ein Tunnel unter der Straße direkt in den Schließfachraum führen. Doch das ist leichter gesagt als getan: Statikprobleme und Hindernisse sowie nervige Verwandte und neugierige Nachbarn erschweren den Tunnelbau. Schließlich kommt sogar ein Bankangestellter, der sich in Garniers Tochter verliebt hat, dem Komplott auf die Spur ...


„Wer mich liebt, folgt mir!“

Bankräuber-Banden setzen sich für gewöhnlich aus finster dreinblickenden Männern mittleren Alters zusammen, die durch den Wunsch nach der gemeinsamen Sore und sonst höchstens durch eine Zweckfreundschaft miteinander verbunden sind. Dieser Louis-de-Funès-Film verleiht dem typischen Heist Movie-Genre, bei dem der Zuschauer die Planung und Durchführung eines Bankraubs hautnah verfolgt, eine ungewohnte Schlagseite, indem er aus den „Verbrechern“ eine Durchschnittsfamilie macht. Unter der Ägide des Vaters, den de Funès mit der ihm eigenen Nervosität spielt, einigt man sich schnell nicht nur auf die moralische Rechtfertigung des gemeinsamen Unterfangens, sondern auch auf den modus operandi. Einerseits ergeben sich daraus, dass es sich bei Familie Garnier um blutige Amateure handelt, diverse heitere Zwischenfälle, andererseits verbündet man sich mit den tollpatschigen Verschwörern umso mehr, als ihnen vom arroganten Bankdirektor Durand-Mareuil wirklich übel mitgespielt wurde. Dem Film gelingt nicht nur diese absolut voreingenommene Erzählperspektive, sondern auch ihre Auflösung in einem bitteren Pyrrhussieg für die Garniers ganz hervorragend.

„Balduin, der Geldschrankknacker“ entstand noch vor dem ersten Teil der „Fantomas“-Reihe und dem „Gendarm von Saint-Tropez“, welche Louis de Funès später im Jahr 1964 zum frankreichweiten Star machten, und wurde im Gegensatz zu den meisten bekannten Werken des Komikers noch in Schwarzweiß gedreht. Allerdings existiert eine nachkolorierte Farbfassung von 1993, die durchaus sehenswert ist, weil in ihr Ausmaß und Schmutz der Tunnelgrabungen im Keller der Garnier’schen Waffenhandlung noch anschaulicher werden. Zwar ist „Balduin, der Geldschrankknacker“ im Wesentlichen ein Kammerspiel und als solches kaum mit den exorbitanten Abenteuern späterer Louis-Filme vergleichbar, doch die Tücken des Tunnelbau-Sets mit seinen beengten Platzverhältnissen und unangenehmen Überraschungen (das Leck in der Wasserleitung oder der Durchbruch in den Metro-Tunnel) wurden glaubwürdig und optisch ansprechend eingefangen.

Louis de Funès spricht hier in der deutschen Fassung mit der Stimme von Klaus Miedel, da der Film im Jahr 1969 bei der Berliner Synchron übersetzt wurde. Das Dialogbuch trifft die feine Grenze zwischen gerechtfertigter Zuspitzung der Originaldialoge und übertriebener Albernheit allerdings exzellent, sodass man den „falschen“ Sprecher verzeihen kann, zumal man sich im Laufe des Films auch an Miedels Interpretation gewöhnt. Neben de Funès sorgt vor allem das jüngere Garnier-Töchterlein mit seiner naseweisen Art für einige urkomische Momente, während Anne Doat als Erstgeborene die Zerrissenheit zwischen familiärer Loyalität und neu gefundener Liebe zu einem Bankangestellten glaubhaft zum Tragen bringt. Aus der langen Linie der de-Funès-Filmfrauen sticht Yvonne Clech mit einer weniger klamaukhaften Darstellung, die dennoch sehr amüsant ist, hervor. Sie würde 1971 noch einmal in „Hasch mich, ich bin der Mörder“ auftreten. Weniger überzeugend fällt die Leistung von Jean-Pierre Marielle aus, der als Erzfeind eine eher formelhafte Rolle spielt und stellenweise zu viel Gas gibt. Einige Szenen (vor allem jene, die die Vogellockpfeifen betreffen) wirken auch einfach zu albern.

Doch im Ganzen muss man sagen, dass sich „Balduin, der Geldschrankknacker“ nicht nur wegen der ewig aktuellen Thematik des Bankenneids über die Jahrzehnte außerordentlich gut gehalten hat, sondern dass er auch durch eine sauber ausbalancierte Mischung aus Lachmomenten und Krimi(-komödien-)handlung überzeugt. Für Zuschauer, die sowohl die Wutausbrüche des kleinen Franzosen als auch Heist Movies mögen, ist Giraults Film ein klarer, natürlich nicht ernstzunehmender Volltreffer.

„Sprengt die Bank in die Luft!“ ist eine klare Anstiftung, die den Zuschauer als Komplizen des familiären Rachefeldzugs gegen einen korrupten Bankier in ein Boot mit Louis und seiner Familie holt. Die unvorhergesehenen Unterbrechungen des mutigen Plans sorgen für dauerhafte Anspannung, wobei zwischenzeitlicher Humor meist von erfreulich geschmackvoller Natur ist. Gute 4,5 von 5 Punkten.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 42

29.03.2018 20:03
#37 RE: Nein! Doch! Oh! - Komödien mit Louis de Funès Zitat · antworten

Oh ja ! Bitte unbedingt weitermachen mit den Besprechungen ! Louis de Funes ist vielleicht DER Held meiner Kindheit. Einen Louis-Film zu gucken war damals absolutes Pflichtprogramm. Am besten gefielen mir neben der Fantomas-Trilogie immer die Polizistenfilme mit Louis als Wachtmeister Cruchot. Da konnte er immer in Hochform auflaufen und den für ihn so typischen trotz allem sympathischen Unsympathen spielen: nach oben katzbuckeln und nach unten treten. Unvergessen, wie er seine "Josepha" kennen- und liebenlernte. DAS waren wirklich noch Komödien. Warum gibt es so was eigentlich heute nicht mehr ?

Den Film mit dem "Geldschrankknacker" habe ich neulich mal bei einem der wenigen Ausflüge ins Fernsehprogramm gesehen. Ich fand ihn auch überraschend gut gemacht.

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