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Dieses Thema hat 37 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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DanielL Offline




Beiträge: 3.693

06.12.2016 00:50
Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Horst Wendlandt hatte 1962 mit DER SCHATZ IM SILBERSEE den Krautwestern mit großem Erfolg für den Constantin Filmverleih eingeläutet. Nun lag es an den übrigen Filmproduzenten, den Markt für weitere Western-Verfilmungen zu testen, sofern sie denn die genrebedingt nicht unerheblichen Budgets für solche Großprojekte stemmen konnten.

DIE FLUSSPIRATEN VOM MISSISSIPPI (EA: Oktober 1963)
Regie: Jürgen Roland / Produktion: Wolf C. Hartwig, Rapid Film / Verleih: Gloria Film

Wolf C. Hartwig gelang dies schließlich mit dem Stoff DIE FLUSSPIRATEN DES MISSISSIPPI (1848) von Friedrich Gerstäcker, jenem Autor, der seinerseits Karl May beeinflusst haben soll, bevor dieser rund 30 Jahre später mit seinen Nordamerika-Erzählungen begann.

Hartwig gewann hierfür den Gloria Filmverleih, sowie zwei Ko-Produktionspartner aus Rom und Paris, und konnte so auf ein beachtliches Produktionsbudget von 3,2 Mio. DM zurückgreifen, das damit nur rund 10 Prozent niedriger lag als die vorangegangene May-Verfilmung der Rialto Film.

Mit seinen ersten Fernost-Abenteuerkrimis war es Hartwig schon gewöhnt, sein Team um Produktionsleiter Ludwig Spitaler an fernere Orte zu schicken. Diesmal sollte es nach Jugoslawien gehen, wo man schließlich an der Save in der Nähe von Rijeka drehte. Hier soll man sogar auf das parallel produzierende Team von WINNETOU 1. TEIL getroffen sein, wobei der Aufenthalt von Reinl und seiner Crew in Rijeka hierbei allerdings nur die letzte Station einer längeren (und letztlich bildlich spektakuläreren) Produktionsreise war.

Bereits bei seinen letzten beiden Produktionen HEISSER HAFEN HONGKONG und DER SCHWARZE PANTHER VON RATANA hatte Hartwig mit Jürgen Roland zusammengearbeitet, den wohl die exotischen Ausflüge mit der Rapid Film als Ausgleich zu seinen lokalen, fortlaufenden Stahlnetz-Drehs reizten. Daraufhin kam es auch bei diesem Western-Projekt zur Zusammenarbeit.

Ebenso engagierte Hartwig aus den beiden Roland-Filmen wiederum seine damalige Lebensgefährtin Dorothee Parker, seinen "Bösewicht vom Dienst" Horst Frank und seinen Action-Fachmann Brad Harris, der sich nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Stuntexperte einbringen durfte. Der Italiener Tony Kendall wurde vermutlich vom italienischen Ko-Produzenten empfohlen und traf hier erstmals auf Harris, mit dem er später gemeinsam die KOMMISSAR X-Reihe prägen sollte. Für die Hauptrolle wurde Hansjörg Felmy engagiert, ihm zur Seite gestellt wurde Sabine Sinjen. Als Indianer-Dame tritt Barbara Simon auf.

Autor Werner P. Zibaso, während seiner Karriere in nahezu jedem Genre mal mehr, mal weniger erfolgreich unterwegs, bereitete die Gerstäcker-Geschichte denn wie folgt auf: Am Mississippi verüben Banditen rund um den Ganoven Kelly (Frank) Raubmorde. James Lively (Felmy), der schon länger auf Rache an der Bande schwört, erhält nun von der Gemeinde Helena den Auftrag, den Halunken den Garaus zu machen. Kelly schafft es durch falsches Spiel, die Cherokees um "Schwarzer Adler" (Kendall) auf seine Seite zu ziehen. Lediglich die Häuptlingstochter Wichita (Simon) durchschaut die wahren Absichten der Banditen. In Helena bringen sich Lively, sein Freund Tom (Harris) und die Bewohnerin Evelyn (Sinjen) in Stellung, um einem Angriff der Banditen stand zu halten. Kellys Partnerin Georgia (Parker) hat sich dort unterdessen als Maulwurf eingenistet. Und mindestens noch jemand spielt falsch...

Bereits die erste Einstellung von Roland macht die Anleihen deutlich: Eine Handvoll Reiter galoppieren nebeneinander vom Horizont auf die Kamera zu. Eine Erinnerung an das ikonische Bild der DIE GLORREICHEN SIEBEN drängt sich auf, drei Jahre zuvor produziert. Reinls SILBERSEE hatte eine eigene Form der Wildwest-Romantik auf Zelluloid gebannt, Roland gelingt hier kein eigenständiger Esprit. Und Sergio Leones Eurowestern-Idealtyp lag noch ein gutes Jahr in der Zukunft.

Nach einer durchaus bildstarken Eingangssequenz am Fluss muss man sich eine geschlagene Stunde durch eine dahinplätschernde Handlung, vergleichsweise weniger beeindruckende Locations und haufenweise viel zu farbgesättigte Kostüme sichten, damit man annährend eine Ahnung bekommt, wo Hartwig das ganze Geld gelassen hat. Dann nämlich kommen einige große Reiterszenen, ein nachgewerkelter Mississippi-Dampfer wird zerlegt und auch das Western-Städtchen Helena bleibt nicht unverschont. Das immerhin hievt den Streifen über die Minimalwertung hinweg.

Ansonsten kann man an Cast und Crew leider kaum ein gutes Haar lassen. Hansjörg Felmy als Cowboy sieht durchweg so aus, als spiele er gerade einen. Kendall als Indianer scheint nicht die schlechteste Besetzungsidee gewesen zu sein, doch mit seiner Garderobe wäre er wenige Jahre später auch als Hippie durchgegangen. Sabine Sinjen geht dagegen in der Synchronstimme von Ursula Herwig und in wahnsinnig blöden Dialogen unter. Beispielsweise wenn sie kreischend durch einen Kugelhagel läuft, weil sie gerade eine Leiche gesehen habe – nachdem sich schon minutenlang zuvor Banditen und Stadtbewohner in ihrem Beisein über den Haufen geknallt haben. Brad Harris darf immerhin ein paar Saloon-Bewohner durch Tische und über den Tresen werfen, damit erfüllt er seine Rolle ausreichend. Selbst Horst Frank, sonst immerhin ein Garant für ein paar derb-dufte Szenen, fehlt hier der letzte Biss, wenngleich er sich unter den besten Performern einreiht. Dorothee Parker und Barbara Simon gefallen daneben noch am meisten. Nicht auszuhalten und völlig daneben gegriffen ist dagegen der Versuch, Karl Lieffen als humoristische Einlage nach Art "Lord Castlepool" (Eddi Arent im SILBERSEE) einzubringen. Willy Mattes beschränkt sich weitgehend auf eine nette Titelmelodie, die aber natürlich in keiner Weise mit Böttchers Karl-May-Ausnahmeleistung mithalten kann.

Fazit: Für das kolportierte Produktionsbudget von über 3 Millionen Mark hätte mehr drin sein müssen. In Erinnerung behält man höchstens das, was in diesem Film zu Wasser stattfindet, denn da gibt’s immerhin Action, die zum Einmalsehen und für 2/5 Punkte reicht.

Mit der "Teutonen Western Collection" von Koch Media erschien der Film in einer recht vernünftigen Bildqualität auf DVD zusammen mit den beiden anderen Wolf C. Hartwig-Western "Die Goldsucher von Arkansas" und "Die schwarzen Adler von Santa Fe" im korrekten, anamorphen Scope-Format. Wie bei Koch stets üblich, kann man sich auch hier auf sehr ansprechend gestaltete Verpackungen und Menüs verlassen. Im schicken Digipak findet man auf der Flußpiraten-Scheibe neben dem Original-Kinotrailer auch das Interview des "Terrorverlags" mit Horst Frank, welches man auch von der EMS-Scheibe "Das Geheimnis der drei Dschunken" oder aber zwischenzeitlich von der "Die Engel von St. Pauli" DVD (EDV-Edition) kennen könnte.

Gruß,
Daniel

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

06.12.2016 15:47
#2 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Die deutsche Erstaufführung des Films fand am 18.10.1963 statt.
Hier eine zeitgenössische Kritik:

"Nach Karl May hat die deutsche Filmproduktion nun den Landsmann Friedrich Gerstäcker entdeckt, der seine Phantasie nicht vom Schreibtisch aus auf Abenteuer gehen ließ, sondern sie selbst erlebte. Die farbige Verfilmung seiner "Flußpiraten vom Mississippi" in CinemaScope macht Hollywoods Edelwestern alle Ehre. Nüchtern, sehr hart und fesselnd ist die Story und Jürgen Roland hat sie milieugerecht in Szene gesetzt, zünftig vom Sheriffstern bis zum Mississippi-Radkasten-Steamer. Zur Verfügung standen ihm amerikanische Experten, Pyrotechniker und eine Schwadron jugoslawischer Kavallerie, die alle zusammen die Voraussetzungen für eine ausgedehnte Knallerei, verwegene Reiteratacken, Indianer-Romantik, Überfälle zu Wasser und zu Lande, Qualm und Brände lieferten. Willi Matthes melodiöse musikalische Untermalung und Rolf Kästls vorbildlich geführte Kamera unterstreichen Atmosphäre und Kolorit.
Das Thema selbst ist nicht neu: Banditen versuchen Handel und Wandel am Mississippi unter ihre Kontrolle zu bringen. Ein geheimnisvoller Boss lenkt die straffe Organisation, die überall ihre Stützpunkte und Agenten hat. Ihr größter Coup glückt zunächst, nachdem sie die Indianer gegen ihre weißen Landsleute aufgehetzt haben. Die Rothäute erstürmen ein schwerbewaffnetes Gold-Transportschiff. Doch die Vergeltung folgt schnell. Das prächtig anzusehende Mannsbild von Häuptling (Tony Kendall) bringt den eiskalten Super-Schurken (Horst Frank) zur Strecke, nachdem dieser seine eigene Räuberbraut (die aparte Dorothee Parker) ins Jenseits befördert hat. Der handfeste Hilfssheriff (Brad Harris) erledigt den heimtückischen Drahtzieher (Paolo Solvay) und Hansjörg Felmy darf, nachdem er die Rolle des unerbittlichen Hüters für Gesetz und Recht erfolgreich absolviert hat, mit einem Steckschuß in der Schulter die reizende, naiv-muntere Sabine Sinjen heimführen. Für makabren Humor sorgen Karl Lieffen mit seinem Leichenwagen als humanistisch gebildeter Bestatter und Jeanette Battys lockeres Mundwerk. Barbara Simon ist die tapfere Häuptlingstochter, die sich auf sehr grausame Weise rächt.
Ein Film, der allen kleinen und großen Jungen vom ersten bis zum letzten Meter in Atem hält.

Der Film startete mit ausgezeichneten Einspielergebnissen in den deutschen Kinos (Erstnote: 2,8). Mit der Endnote 3,0 bei 77 Meldungenen ereichte er zwar nicht ganz den Erfolg der Karl-May-Filme, fand aber immerhin ein Millionenpublikum.
Sogar in Spanien hatte er 905.653 Besucher, in Frankreich, wo er erst 1965 anlief, waren es 787.183.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.325

08.12.2016 08:40
#3 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Ein sehr interessanter Thread! Bitte mehr davon!

DIE FLUSSPIRATEN DES MISSISSIPI mag ich zwar, doch hat der Film extreme Schwächen und lief vermutlich nur deswegen erfolgreich weil er nach dem SCHATZ IM SILBERSEE auf ein Deutschwestern gieriges Publikum stieß und man zu der Zeit vermutlich noch nicht viel in dieser Art kannte.
FLUSSPIRATEN wirkt streckenweise ziemlich dilettantisch und wirkt in manchen Szenen als wäre es eine Aufführung der Bad Segeberg Freilichtspiele.
Trotzdem ist der Film für mich aus nostalgischen Gesichtspunkten unter Einordnung der Entstehungszeit sehr interessant aber zu mehr als 5/10 reicht es einfach nicht.
Die beiden anderen Filme der Teutonenbox sind auf jeden Fall besser, ganz besonders DIE SCHWARZEN ADLER VON SANTA FE.

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

08.12.2016 15:39
#4 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

DER LETZTE RITT NACH SANTA CRUZ - Regie: Rolf Olsen - Prod.: Magnet (Berlin)/Wiener Stadthalle - V: Constantin
Deutsche Erstaufführung: 28.3.1964
Darsteller: Edmund Purdom, Mario Adorf, Marianne Koch, Marisa Mell, Klaus Kinski, Walter Giller, Sieghardt Rupp, Thomas Fritsch



Nachdem er eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt hat, macht sich der Bandit Pedro Ortiz mit seiner Geliebten Juanita und zwei Handlangern auf den Weg nach Santa Cruz, wo die Beute seines letzten Raubüberfalls versteckt ist. Zuvor jedoch will er sich noch an Rex Kelly rächen, dem Sheriff, der ihn hinter Gitter brachte. Er entführt dessen Frau und den kleinen Sohn, erpresst dafür ein Lösegeld, ohne die beiden jedoch freizulassen. Daraufhin nimmt Kelly die Verfolgung der Bande auf.

Parallel zu den erfolgreichen Karl-May-Verfilmungen, die in Jugoslawien entstanden, inszenierte Rolf Olsen Ende 1963 auf den Kanarischen Inseln den Western "Der letzte Ritt nach Santa Cruz". Zuvor hatte er dort "Unsere tollen Tanten in der Südsee" gedreht und dabei wohl festgestellt, dass sich Las Palmas als Location für einen Western, der in New Mexico spielt, hervorragend eignete.
Berücksichtigt man, dass Olsen bis dahin nur eine Handvoll Klamaukfilme ("Tolle Tanten", "Tolle Nichten", "Türkische Gurken" usw.) gemacht hatte, und das Western-Genre absolutes Neuland für ihn war, kann sich das Ergebnis seiner Bemühungen durchaus sehen lassen. Olsens Western orientiert sich zwar an amerikanischen Vorbildern, hat aber doch so etwas wie einen eigenen Stil und erhielt wegen einiger Härten eine FSK-Freigabe ab 16. Allein schon dadurch hebt er sich von der familientauglichen Karl-May-Unterhaltung ab. Dazu schuf Erwin Halletz einen abwechslungsreichen Soundtrack, der sich doch sehr vom Martin-Böttcher-Sound der Rialto-Produktionen unterscheidet. Insgesamt bietet der Film trotz kleinerer Schwächen passable Unterhaltung, was nicht zuletzt auch an den guten Leistungen der Darsteller liegt.



"Der letzte Ritt nach Santa Cruz" gilt heute als eine Art Vorläufer der nachfolgenden Italo-Western. Marianne Koch und Sieghardt Rupp standen kurz darauf in Sergio Leones KLassiker "Für eine Handvoll Dollar" vor der Kamera. Klaus Kinski erhielt eine Rolle im Nachfolger "Für ein paar Dollar mehr" und stieg anschließend zu einem Star des Italo-Westerns auf.
Interessant, dass für Olsens Film während der Vorbereitungszeit im Herbst 1963 teilweise andere Darsteller vorgesehen waren (in Klammern):
Pedro Ortiz - Mario Adorf - (Herbert Lom)
Liz Kelly - Marianne Koch - (Alexandra Stewart)
Juanita - Marisa Mell - (Daliah Lavi)
Woody - Walter Giller - (Chris Howland)

Mario Adorf erhielt dann die Rolle des Bösewichts, weil er zuvor den Schurken Santer in "Winnetou I" gespielt hatte. Er wird hier von Rainer Brandt synchronisiert.

Nachdem "Winnetou I" am 11.12.1963 in die Kinos kam, folgte "Der letzte Ritt nach Santa Cruz" am 28.3.1964. Wikipedia behauptet, der Film sei kein Erfolg gewesen, was aber nicht stimmt.
Hier 2 Start-Ergebnisse:
Scala, Saarbrücken (1.370 Plätze): sehr gut
Universum, Stuttgart (1.909 Plätze): hervorragend

Film- Echo- Erstnote: 2,8 (bei teilweise zweiwöchigen Laufzeiten). Ranglisten-Notierung mit der Endnote 3,2 bei 45 Meldungen. Da im Vergleich zu den Karl-May-Filmen das Publikum unter 16 Jahren fehlt, ist das ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis. Und auch die Besucherzahlen im Ausland (z.B. Spanien - mehr als 900.000, Frankreich - knapp 450.000) gaben keinen Anlass zum Jammern.

patrick Online




Beiträge: 2.682

08.12.2016 21:30
#5 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Toller Thread. Mit dieser Idee hab ich auch schon gespielt, es aber aus Zeitmangel noch nicht umgesetzt.

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

11.12.2016 15:00
#6 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

SIE NANNTEN IHN GRINGO - Deutsche Erstaufführung: 19.3.1965 - Regie: Roy Rowland - Prod.: International Germania , Köln / Procusa - Verleih: Constantin
Darsteller: Götz George, Alexandra Stewart, Helmut Schmid, Sieghardt Rupp, Daniel Martin, Silvia Solar, Valentino Macchi

Während Wolf Hartwigs Rapid-Film bevorzugt mit Produktionsfirmen aus Italien und Frankreich zusammenarbeitete, entschied sich die "International Germania" für Produktionspartner aus Spanien. Damit hatte sie schon bei Kriminalfilmen wie "Der Teppich des Grauens", "Nur tote Zeugen schweigen" oder "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" gute Erfahrungen gesammelt.
Im Juli 1964 begann man mit den Dreharbeiten in Spanien (Colmenar Viejo, La Pedriza, Madrid und Manzanares el Real),die insgesamt 5 Wochen dauerten. Im Anschluß folgten 10-tägige Atelieraufnahmen in den Berliner CCC-Studios.



Götz George hatte bereits Karl-May-Erfahrung (Schatz im Silbersee) und gleich im Anschluß folgten für ihn - wie auch für Sieghardt Rupp - die Dreharbeiten zu "Unter Geiern", der dann bereits im Dezember 1964, also noch vor den "Gringo" in die Kinos kam. Auch Silvia Solar, die hier mit schwarzer Perücke als Saloon-Girl zu sehen ist, hatte schon in spanischen Western mitgespielt. Western-erprobt war auch Daniel Martin ("Drei gegen Sacramento"). Für die weibliche Hauptrolle hatte man die international bekannte Alexandra Stewart ausgewählt, die zuvor schon in deutschen Produktionen wie "Bekenntnisse eines möblierten Herrn", "Die endlose Nacht" oder "Das große Liebesspiel" mitgewirkt hatte.
Als Bösewicht in der Maske eines seriösen Anwalts, der dem Zuschauer schon gleich zu Beginn als Drahtzieher des Banditen-Terrors vorgestellt wird, überzeugt Helmut Schmid. Diese Rolle sollte ursprünglich mit Horst Frank besetzt werden, der jedoch nicht zur Verfügung stand, da er für eine Produktion seines Freundes Hartwig vor der Kamera stand (Goldsucher von Arkansas).



Dass "Sie nannten ihn Gringo" mehr oder weniger im klassischen US-Stil daherkommt, dafür sorgte der damals 58-jährige amerikanische Regisseur Roy Rowland. Die Musik der internationalen Version des Films stammt von Piero Piccioni. Für die deutsche Fassung schrieb der bekannte Schlagerkomponist Heinz Gietz einen Titelsong, der von den "Rangers" gesungen wird. Diese musikalische Thema taucht im Verlauf der Handlung immer wieder mal in variierter Form auf.

Synchronsprecher:
Sieghardt Rupp - Lothar Blumhagen
Alexandra Stewart - Uta Hallant
Dan Martin - Rainer Brandt

Weitere Informationen zum Film enthält die Kritik von Bert Markus (März 1965):

" Diese brandneue deutsch-spanische Coproduktion hat durchaus den heißen Western-Atem, um das Präriegras zu versengen. Es dauert zu Beginn etwas, bis die Richtung mit Kimme und Korn stimmt, aber nach der ersten Coltschlacht werden die Läufe nicht mehr kalt. Das Drehbuch ist nicht ohne Schablone, aber Regisseur Roy Rowland hat die bewährten Effekte gut gemischt. In großer Totale fängt die Kamera lange Ritte ein, denen der beflügelnde Rhythmus zackiger Musikweisen unterlegt ist.
Gringo ist zwar der Titelheld der Story, aber der eigentliche junge Held ist ein drahtiger, rauher Bursche, der sich Mace nennt und sich später als der Distrikt-Sheriff mit dem goldenen Stern entpuppt. In den "schwarzen Bergen von Dakota" räumt er mit einer Gaunerbande auf, die Pferdeherden stiehlt und Erztransporte überfällt. Alles nur, um einen alten, reichen Rancher kaputt zu machen, an dem ein schurkischer Anwalt eine späte Rache ausübt. Auch den Sohn des Alten - besagten Titelhelden Gringo - hat er in die Verbrecherlaufbahn gedrängt.
Den doppelgesichtigen Gringo spielt Dan Martin mit finsterer Miene, gegen die des Sheriffs blaue Augen, die in Götz Georges Gesicht leuchten und an Hans Albers erinnern, hell abstechen. Der junge Götz George hat inzwischen die Figur und das Flair, um solchen Westmann glaubhaft-lässig darzustellen. Der herbe Reiz von Alexandra Stewart, die als Lucy ein Farmermädchen wie aus dem Wild-West-Bilderbuch ist, passt gut zu diesem adretten Recken. Helmut Schmid als schurkischer Anwalt zeigt einmal mehr, wie gut er sich auf solche Rollen spezialisiert hat, während Silvia Solar als üppige "Marketenderin" in der Wild-West-Bar die erotische Prise spanischen Pfeffers dem würzige Gericht beisteuert.

Tarzan Offline



Beiträge: 853

14.12.2016 10:27
#7 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Das Buch zum deutschen Westernfilm - Vorankündigung:

https://muehlbeyer-verlag.de/vorschaudet...in-germany.html

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

17.12.2016 15:49
#8 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

HEISS WEHT DER WIND - EA: 26.11.1964 - R: Rolf Olsen - P: Berolina / Wiener Stadthalle - V: Nora
Darsteller: Thomas Fritsch, Walter Giller, Gustav Knuth, Ingrid van Bergen, Judith Dornys, Heidemarie Hatheyer, Ron Randell, Peter Neusser, Rudolf Schündler



Im Anschluss an "Der letzte Ritt nach Santa Cruz" bereitete Rolf Olsen einen weiteren Western vor. Von den Darstellern waren Thomas Fritsch und Walter Giller wieder mit dabei. Die Dreharbeiten fanden diesmal jedoch in Jugoslawien statt. Gedreht wurde in der Nähe von Rijeka, am Zrmanja-Canyon und auf dem Alan-Pass. Einige Szenen entstanden in einer Westernstadt vor den Toren Ljubljanas. Mitte Juli 1964 begannen die 6-wöchigen Außenaufnahmen. Die Atelieraufnahmen fanden in den Studios der Berliner Arca-Film statt.

Neben der "Wiener Stadthalle" war diesmal Kurt Ulrichs "Berolina" an der Produktion beteiligt. Die Herstellungsleitung lag wie beim Vorgänger in den Händen von Karl Spiehs während Heinz Pollak erneut die Produktionsleitung übernahm. Der Film wurde zunächst angekündigt unter dem Titel "Mein Freund Shorty", der auch für den Kino-Einsatz in Österreich beibehalten wurde. "Shorty" ist in diesem Fall der Name eines Schäferhundes, der eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Als deutscher Kinotitel war ursprünglich "Heiß weht der Wind von Texas" geplant, den man dann aber abkürzte.

Rolf Olsens Inszenierung ist nicht nur bieder, schlicht und uninspiriert - es fehlt auch jedes Gespür für das richtige Timing. Auch gelang es ihm nicht mal ansatzweise, so etwas wie Western-Atmosphäre zu schaffen. Die grobmaschig gestrickte Handlung ist ebenso unglaubwürdig wie vorhersehbar. Hinzu kommt, dass die Darsteller größtenteils hölzern oder aufgesetzt agieren. In manchen Szenen versprüht der Film den derb-unbeholfenen Charme einer Bauerntheater-Aufführung.
Die musikalische Untermalung, die wieder von Erwin Halletz stammt, ist zu beliebig und man vermisst ein prägnantes Thema. Dass Ingrid van Bergen als Saloon-Lady in jeder Einstellung den selben billigen Fummel trägt, obwohl es zwischendrin einen Zeitsprung gibt, zeigt, mit wie wenig Sorgfalt hier gearbeitet wurde. In der Vorbereitungsphase waren auch hier teilweise andere Darsteller vorgesehen (in Klammern):

Bradley - Gustav Knuth (Attila Hörbiger)
Seine Frau - Heidemarie Hatheyer (Marianne Hoppe)
Al Nutting - Ron Randell (Peter Mosbacher)

Als Ergänzung eine zeitgenössische Kritik vom Dezember 1964:

"Es beginnt mit einem Überfall auf eine Postkutsche, bei dem ein Ehepaar getötet wird, das die Pläne einer Goldmine in seiner Tasche trägt. Die Gangster - unter ihnen der "an sich" anständige und ehrliche Bradley, den nur die wirtschaftliche Not zur Mittäterschaft treibt - eignen sich die Pläne an, und Bradley kommt dadurch zu einer ansehnlichen Farm. Er könnte mit seiner Familie glücklich sein, wenn er von dem Verbrecher Al Nutting nicht erpresst würde. Auf der Farm spielt der eine Teil der Handlung. Der andere schildert, wie der mit dem Leben davon gekommene Sohn des getöteten Ehepaares von dem Spieler Spike Sunday beschützt wird, der aus dem Greenhorn einen jungen Westmann macht, der ein Meister des Colts ist. Dieser Chris kennt nur das eine Ziel, den Mörder seiner Eltern aufzuspüren.
Bis sich Räuber und Rächer dann endlich gegenüberstehen und die Handlung sich bei der herzigen Barfrau Linda verzahnen kann, hat sich die Tragödie eines zer- und verschnittenen Films bereits vollzogen. Hinzu kommt, dass die Regie Rolf Olsens und die Kamera Hanns Matulas in den Anfangsgründen des Handwerklichen steckenbleiben. Die großartige Landschaft mit den Wasserfällen und Stromschnellen (in die Chris und Spike unverständlicherweise hineingeraten) kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass den ganzen Szenen auf der Farm das Milieu fehlt (alles glänzt zu gelackt) und dass selbst die wilden Ritte und die rennenden Pferde müde wirken.
Auch renommierte Darsteller wie Gustav Knuth und Heidemarie Hatheyer wirken verkrampft, und von Ingrid van Bergen geht mehr Mütterchen-Gefühl als erotischer Reiz aus. Judith Dornys sieht hübsch aus, doch schauspielerisch bleibt sie ebenso blass wie Peter Neusser. Rudolf Schündler müht sich ehrlich mit der überzeichneten Figur eines ewig Betrunkenen ab. Die beiden einzigen Figuren, die "stimmen", sind der Spike von Walter Giller und der Al Nutting des Amerikaners Ron Randell. Bleibt der männliche Hauptdarsteller: Er gehört hat in ein "Schwarz-weiß-rotes Himmelbett" oder auf jedes andere Parkett, nur nicht auf die Prärie. Er ist zu schmal, um ausgewachsene Schurken anzuspringen und zu erledigen - un der Colt passt auch nicht recht in seine Finger."


Rolf Olsens zweiter Western war geschäftlich gesehen wenig erfolgreich. Die Film-Echo-Note 4,4 bei 33 Meldungen (Erstnote: 4,2) liegt unterhalb des Durchschnitts.

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

25.12.2016 16:54
#9 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten



DIE GEJAGTEN DER SIERRA NEVADA - R: Alfonso Balcazar - Pr.:International Germania/Balcazar/Fida - V: Constantin - Deutsche Erstaufführung: 11.6.1965
Darsteller: Robert Woods, Maria Sebaldt, Helmut Schmid, Fernando Sancho, Richard Häussler, Hans Nielsen, Francisco Garcia, Miguel de la Riva

Jeff Clayton hat beim Pokerspiel 5.000 Dollar und die Hälfte einer Farm gewonnen. Doch das Geld wird ihm gestohlen und auf der Ranch, deren andere Hälfte dem Geschwisterpaar Helen und David Greenwood gehört, ist er nicht willkommen. Die Lage spitzt sich sehr bald zu, da auch der Gangster Jimmy the Black, der im Auftrag eines skrupellosen Advokaten ehrbare Farmer von ihrem Grund und Boden vertreibt, an der Ranch interessiert ist.

Neben dem spanischen Produktionspartner "Balcazar", arbeitete die "International Germania" diesmal zusätzlich mit einem italienischen Produzenten ("Fida") zusammen. Die Dreharbeiten fanden in der nordspanischen Provinz Aragon und in Katalonien in der Umgebung von Barcelona statt, während für die Atelieraufnahmen die Balcazar-Studios genutzt wurden.



Von der Story her bietet der Film nichts neues, dafür enthält er aber schon ein paar typische Italowestern-Elemente, zu denen auch der Score von Francesco Lavangnino gehört. Die zum Teil ausgezeichneten Landschaftsaufnahmen und ein überzeugender Cast tragen zu einem positiven Gesamteindruck bei. Obwohl in der deutschen Fassung ein paar brutale Szenen durch Schnitte abgemildert wurden, mußte man mit einer FSK-Freigabe ab 16 vorlieb nehmen.
Als Hauptdarsteller wollte man unbedingt einen Amerikaner haben und die Wahl fiel auf Robert Woods, der sich gerade in Europa aufhielt. Er wirkte anschließend noch in zahlreichen weiteren Italowestern mit. Auch Fernando Sancho gehörte von da an - entweder als verschlagener Bandido oder als schlitzohriger Gauner - zur Stammbesetzung des Genres. Den Bösewicht verkörpert hier ein weiteres Mal Hemut Schmid und er macht das richtig gut. Peitschenschwingend, Zigarillos kauend und mit maskuliner Präsenz gibt er eine beeindruckende Performance als stets in Schwarz gekleideter Jimmy the Black. Hans Nielsen hat als Richter nur wenig Screentime während Maria Sebaldt in der weiblichen Hauptrolle weitaus mehr Möglichkeiten hat, sich vor der Kamera zu präsentieren. Für Richar Häussler, der den besitzgierigen Advokaten spielt, war es der letzte Leinwandauftritt. Er starb im September 1964. Der Titelsong "A Gambling Man", interpretiert von Don Powell, wurde für die hiesige Fassung eingedeutscht und von Ralf Paulsen ("Bonanza") gesungen. "Gejagt in der Sierra Nevada" heisst das Werk, das 1965 auch als Single veröffentlicht wurde.



Der Film startete bei uns im Juni 1965, stieg aber erst im Februar 1966 in die Erfolgsrangliste ein - mit der enttäuschenden Erstnote 5,4. Im Lauf der nächsten Monate konnte er sich noch leicht verbessern auf 4,7 (24 Meldungen).
Im Ausland lief es dagegen erfolgsmäßig weitaus besser. In Spanien und Italien fand der Film unter dem Titel "Pistoleros de Arizona" bzw. "Cinque mille dollari sull`asso" ein Millionenpublikum. In Frankreich, wo er erst 1966 in die Kinos kam, waren es immerhin noch über 450.000 Besucher. Außerdem war er einer der ersten europäischen Western, der an MGM verkauft werden konnte. Für die Produktionsfirma Balcazar war das Grund genug, auch in den nächsten Jahren auf Western zu setzen.

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

01.01.2017 15:09
#10 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

WER KENNT JONNY R. ? - R.: José Luis Madrid - Prod.: CCC/Tilma (Deutschland/Spanien) - Verleih: Nora - Erstaufführung: 19.5.1966
Darsteller: Lex Barker, Joachim Fuchsberger, Marianne Koch, Ralf Wolter, Barbara Bold, Sieghardt Rupp, Cesar Ojinaga

Jeder hat schon von ihm gehört, doch niemand weiß, wie er aussieht: der berüchtigte Revolverheld Jonny Ringo. Angeblich kam er bei einem Brand ums Leben, dem auch die Familie des Captain Conroy zum Opfer fiel. Conroy, der nicht an Jonnys Tod glaubt, beauftragt den Detektiv Dobie, ihn aufzuspüren. Getarnt als umherziehender Verkäufer eines Waffengeschäfts macht dieser sich auf die Suche und trifft schon bald auf Clyde Smith, der verdammt gut mit dem Schießeisen umgehen kann. Auffällig ist, dass er den Colt - ebenso wie Jonny Ringo - links zieht. Schnell kommt das Gerücht auf, dass niemand anders als Smith der gesuchte Jonny Ringo sei. Und mit dem hat der von Rache getriebene Conroy noch eine Rechnung zu begleichen.



Lex Barker und Joachim Fuchsberger erstmals gemeinsam auf der Kinoleinwand. Karl May meets Edgar Wallace. Artur Brauner, war es, der die beiden Stars zusammenbrachte. Anfang März 1966 begannen die Dreharbeiten in den Spandauer CCC-Studios. Anschließend ging es zu den Außenaufnahmen nach Spanien. Sie fanden u.a. in Calatayud, Fraga und einem Sandsteingebirge (Montserrat) im Hinterland von Barcelona statt. Am Drehbuch hatte Ladislas Fodor mitgearbeitet und an der Musik - zumindest für die deutsche Fassung - war wohl auch Heino Gaze beteiligt. Neben den vielen bekannten Darstellern gibt hier die blonde Barbara Bold ihr Leinwand-Debüt als Besitzerin des Waffengeschäfts, von der sich Lex Barker zwecks Tarnung als herumreisender Verkäufer anstellen lässt. Blacky Fuchsberger ist der links ziehende Superschütze, Sieghardt Rupp ist als Captain Conroy zu sehen, der seine Familie rächen will und Marianne Koch spielt die Barsängerin Bea. Sie ist die einzige, die Jonny Ringo kennt, denn sie war seine Geliebte.



Insgesamt kann der Film, der mitunter ein wenig an die Karl-May-Produktionen erinnert (ohne auch nur ansatzweise deren Qualität zu erreichen) nicht wirklich überzeugen. Nach einem zwar actionbetonten, aber holprigen Auftakt lässt das Tempo nach. Die Handlung zieht sich zäh und schwerfällig in die Länge. Hinzu kommen inszenatorische Schwächen und eine ungeschickte Dramaturgie.
Vielleicht hätte ein anderer Regisseur mehr aus dem Stoff machen können, aber José Luis Madrid bekam die Sache nicht in den Griff. Insgesamt 3 Filme von ihm schafften es in die deutschen Kinos. Neben "Jonny Ringo" waren das "Die ganze Meute gegen mich" (ebenfalls ein Western) und "Der Vampir von Schloss Frankenstein" und diese beiden Werke weisen ähnliche Mängel auf.

So ging Artur Brauners Gleichung "Barker + Fuchsberger = Erfolg" dann doch nicht auf. Erschwerend hinzu kam eine FSK-Freigabe ab 16. Das Ergebnis war die schwache Film-Echo-Erstnote 4,2. Der Verleih versuchte mit einem neuen Titel (5000 Dollar für den Kopf von Jonny R.") das Ruder herumzureissen, aber vergebens. Endnote: 4,2 bei nur schlappen 18 Meldungen.
Brauners CCC-Film kündigte den Film anfangs unter dem Titel "Die Ballade von Jonny Ringo" an. Die Schreibweise "Jonny" ohne "h" wurde damals auch für die späteren Titel beibehalten, während sowohl Wikipedia als auch diverse Lexika und Datenbanken später einen "Johnny" daraus machten.



Auszug aus einer zeitgenössischen Kritik (Juni 1966):
" Fuchsberger und Barker machen einen müden Eindruck. Die Action-Szenen sind dünn gesät und jeder Schlagabtausch ist auf Schonung der edlen Gesichtszüge angelegt. Zwischen den rauhen Helden gurrt Marianne Koch als Verbrecherliebchen."

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

07.01.2017 19:29
#11 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO
R: Mario Caiano - Pr.: Constantin/Jolly/ Trio (D/I/Sp) - Musik: Ennio Morricone - Deutsche Erstaufführung: 23.10.1964 - V: Constantin
Darsteller:
Rod Cameron, Horst Frank, Angel Aranda, Vivi Bach, Mimmo Palmara, Kai Fischer, Hans Nielsen, Giulia Rubini, José Manuel Martin

Während Sheriff Pat Garrett in der Kirche vor dem Traualtar steht, wird die Bank von Rivertown von den Brüdern Billy und George Clayton überfallen, die anschließend über die nahegelegene Grenze nach Mexico flüchten. Noch im Hochzeitsanzug nimmt Garrett die Verfolgung auf. Es gelingt ihm, die beiden zu überrumpeln und festzunehmen und das geraubte Geld sicher zu stellen. Doch der Ritt zurück erweist sich als äußerst gefahrvoll, denn der mexikanische Bandit Santero will sich die Beute des Banküberfalls unter den Nagel reißen.



Constantin produzierte diesen Western gemeinsam mit italienischen und spanischen Partnern. Die Dreharbeiten fanden im Mai/Juni 1964 in Spanien statt, überwiegend in Almeria. Was die Kosten anbelangt, so ist von 240 Mio. Lire die Rede. 30 Mio. davon soll US-Star Rod Cameron als Gage kassiert haben. Er drehte gleich im Anschluß einen weiteren Eurowestern, diesmal in italienisch-französich-spanischer Coproduktion, der bei uns allerdings nicht in die Kinos kam.
Unter der Regie von Mario Caiano entstand eine unterhaltsame Mischung aus US-Western und Karl-May-Abenteuer, in der man schon einen Hauch Italowestern-Flair entdecken kann, was nicht zuletzt an der Musik von Ennio Morricone liegt. Handwerklich gibt es kaum etwas auszusetzen. Optimal ins Bild gesetzt kommen die imposanten spanischen Locations wirkungsvoll zur Geltung. Die Story wird geradlinig und zügig erzählt. Man verzichtete auf krampfhaft eingestreute Humor-Einlagen und setzte stattdessen auf Action und gut dosierte Spannungs-Effekte. Von den Eurowestern jener Zeit, die mit deutscher Beteiligung entstanden, gehört der Film zu den besseren. Constantin vermarktete den Film hierzulande als "deutschen Western". Deshalb wurde aus "Mario Caiano" mal einfach so ein "Manfred Rieger" und hinter "Emil Morik" verbirgt sich "Ennio Morricone".



Rod Cameron als aufrechter Sheriff im schon etwas gesetzteren Alter spielt seinen Part glaubwürdig und mit körperlichem Einsatz. Ob sein Name allerdings die von den Produzenten erhoffte Werbewirksamkeit hatte, darf bezweifelt werden, denn wirklich populär war er damals in Europa nicht. Horst Frank als Bösewicht - hier in der Rolle des Billy Clayton - ist ohnehin eine sichere Bank. Schade nur, dass er synchronisiert wurde. Vivi Bach, Kai Fischer und vor allem Hans Nielsen als Reverend sind nur in Nebenrollen zu sehen. Der Italiener Mimmo Palmara bleibt als Bandit Santero etwas blass, was aber wohl auch daran liegen mag, dass man seine Figur nicht mit der nötigen Brutalität und Entschlossenheit ausgestattet hat. Der Spanier Angel Aranda, der den jüngeren Clayton-Bruder spielt, hat schauspielerisch die schwierigste Aufgabe zu bewältigen, was ihm aber ganz ordentlich gelingt.
Trotz einer FSK-Freigabe ab 12 hatte "Die letzten Zwei vom Rio Bravo" in den deutschen Kinos nicht den erhofften Erfolg. Erstnote: 4,1 Gesamtnote: 4,2 (37 Meldungen). Auch in Italien fand er nur wenig Beachtung. Besser lief es in Spanien, denn dort konnten 1,2 Mio. Besucher registriert werden.

Eine zeitgenössische Kritik (Dez. 1964):
"Drei europäische Produzenten verschrieben sich dem im Pulverdampf unzähliger Colt-Schießereien ergrauten Westernhelden Rod Cameron als Sheriff, gaben ihm Deutschlands Filmbösewicht Horst Frank zum Gegner und verlegten die Handlung in die Umgebung von Madrid mit ihren wilden Felswüsten. Der farbenfrohe Edelwestern kann sich mit Hollywood-Produkten gleichen Genres messen, zumal auch die schwermütige musikalische Untermalung milieugerecht Atmosphäre und Kolorit im südlichen Texas widerspiegelt. Hier verfolgt unser Hüter des Gesetzes ein flüchtiges Bankräuber-Brüderpaar über die Grenze nach Mexiko hinein und bringt die Banditen gegen alle Widerstände in die Staaten zurück. Eine fesselnde Abenteuer-Story, bei der die hinreißend fotografierte Landschaft mitspielt, romantisch und erregend zugleich."

Synchronsprecher:

Rod Cameron ...... Heinz Engelmann
Horst Frank ...... Helmo Kindermann
Angel Aranda ..... Wolfgang Draeger
Mimmo Palmara .... Arnold Marquis
Hans Nielsen ..... Knut Hartwig

Epilog: Zeitgleich drehten Constantin und Jolly ebenfalls in Almeria einen weiteren Western. Allerdings mit bedeutend geringerem Budget, da man sich von "Die Letzten Zwei vom Rio Bravo" erfolgsmäßig weitaus mehr versprach. Damit lag man allerdings falsch, denn Sergio Leones Western-Debüt "Für eine Handvoll Dollar" - von dem hier die Rede ist - wurde zu einem Meilenstein in der Geschichte des Italowesterns und war ein internationaler Kassenerfolg.

Giacco Offline



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13.01.2017 14:47
#12 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

DIE HÖLLE VON MANITOBA
R: Sheldon Reynolds - Pr.: CCC (Berlin)/Midega (Madrid) - Deutsche Erstaufführung: 27.7.1965 - V.: Gloria
Darsteller:
Lex Barker, Pierre Brice, Marianne Koch, Gerard Tichy, Wolfgang Lukschy, Hans Nielsen, George Rigaud, Aldo Sambrell

Der Farmer Seth Grande, der es ablehnt, eine Waffe zu tragen, wird von dem machtgierigen Großgrundbesitzer Villaine bedroht. Deshalb will er zu seinem Schutz einen Revolvermann engagieren. Da tauchen zwei Männer in der Stadt auf, die für diesen Job geeignet wären: der ehemaliger Rancher Clint Brenner, der mittlerweile sein Geld mit seinen Schießkünsten verdient und ein Fremder aus New Orleans namens Reese, der mit seinem Revolver mindestens ebenso schnell ist. Brenner und Reese verhalten sich zunächst abwartend und würden sich lieber aus dem sich zuspitzenden Konflikt heraushalten. Doch als Seth allein gegen die Übermacht seiner Gegner antreten muß, stellen sie sich auf seine Seite und machen Villaine und seine Bande unschädlich. Dabei erweisen sie sich als perfekt aufeinander abgestimmtes Team und zwischen ihnen entwickelt sich eine Männerfreundschaft. Die beiden wissen aber nicht, dass sie sich bei einem bevorstehenden Preis-Duell, das den Höhepunkt einer jährlichen Festveranstaltung der kleinen Stadt Glory City bildet, als Gegner auf Leben und Tod gegenüberstehen werden.



Bei der Erstsichtung vor ein paar Jahren fand ich den Film langweilig und bieder, aber das ist er gar nicht. Denn obwohl wenig aufregendes passiert und auch nicht besonders viel Action geboten wird, ist der Unterhaltungsfaktor hoch. US-Regisseur Reynolds, der hier einen europäischen Western amerikanischer Prägung vorlegt, inszenierte mit Bedacht und Sorgfalt. Das Zusammenspiel von Barker und Brice funktioniert auch abseits von Winnetou und Old Shatterhand bestens, wobei vor allem Pierre Brice einen lässig-coolen Westernhelden abgibt. Die Musik des Spaniers Angel Arteaga sorgt für die passende Untermalung. Von den weiteren Darstellern ist vielleicht noch Marianne Koch hervorzuheben, deren Rolle ein wenig an die Figur der Marisol aus "Für eine Handvoll Dollar" erinnert. Auch Wolfgang Lukschy spielte in diesem Sergio-Leone-Klassiker mit. Hier ist er als Barkeeper zu sehen, in dessen Saloon sich ein Großteil der Handlung abspielt. Hans Nielsen muß sich als Pokerspieler mal wieder mit einer sehr kleinen Rolle begnügen. Als Bösewicht Villaine nicht wirklich überzeugen kann Gerard Tichy, dem es an der dafür nötigen Ausstrahlung fehlt. Und die markante Synchronstimme von Rainer Brandt passt auch nicht so recht zu ihm.



Artur Brauner, der Lex Barker für mehrere Filme unter Vertrag hatte, stellte ihm in diesem Euro-Western seinen Karl-May-Gefährten, den Winnetou-Darsteller Pierre Brice zur Seite, allerdings mit Colt und Cowboyhut. Im Gegensatz dazu ist Lex Barker während des gesamten Films ohne Hut zu sehen. Die Dreharbeiten fanden Anfang 1965 in Spanien statt. Da man auf die Darstellung von Brutalität und Gewalt weitgehend verzichtete, stand einer FSK-Freigabe ab 12 nichts im Wege. Obendrein erhielt der Film, wie auch einige frühe Karl-May-Produktionen, das Prädikat "wertvoll".
Er kam im Sommer 1965 in die Kinos und die Publikumsresonanz war vom Start weg positiv (Erstnote: 2,5, wobei sogar 2-wöchige Laufzeiten erreicht wurden). Die Endnote rutschte zwar ab auf 3,4 (bei 49 Meldungen), insgesamt konnte der Film aber als Erfolg verbucht werden. In Spanien lief es mit fast 1,3 Mio. Besuchern ebenfalls recht ordentlich.



Synchronsprecher:
Lex Barker ..... Gert Guenther Hoffmann
Pierre Brice ... Thomas Eckelmann
Gerard Tichy ... Rainer Brandt
Marianne Koch und W. Lukschy sprechen sich selbst.

Zur Abrundung eine zeitgenössische Kritik (August 1965):

"Artur Brauner war gut beraten, als er dem Amerikaner Sheldon Reynolds die Inszenierung der deutsch.spanischen Coproduktion übertrug. Reynolds, dessen psychologischer Kriminalfilm "Die fünfte Kolonne" schon in den 50er Jahren das Talent des filmgewandten Regisseurs verriet, hat hier einen europäischen Western gedreht, der seinem Genre alle Ehre macht.
Die Geschichte und ihre Moral sind einprägsam und plakativ: Zwei Revolverhelden, zwei Gunfighter, Einzelgänger und Verlorene, zeigen den Menschen eines Pionier-Städtchens im amerikanischen Westen beiläufig und fast widerwillig, was Recht, Ordnung, Moral, Anständigkeit bedeutet. Der Hybris, Maßlosigkeit und Grausamkeit der Menge, ihrer Gleichgültigkeit gegenüber Tod und Leben, setzen die beiden Gunmen Vernunft und Maß entgegen. Die Helden werden zu Menschen. Der Nimbus der Legende verweht.
Die geschickt und wirkungssicher konstruierte Geschichte bringt zwei Idole auf die deutsche Leinwand, die so souverän von der Regie geführt worden sind, dass die schauspielerische Wandlung schier verblüfft: Lex Barker und Pierre Brice. Neben ihnen einige interessante Randfiguren. Schade, dass sie alle ganz isoliert werden von der Masse der Einwohner, die nur zum Schluß in geschickt bewegten Komparseriescharen vor die etwas flaue Farbkamera kommen. Der Fotografie fehlt leider die Brillanz, die die übrige Gestaltung auszeichnet.

patrick Online




Beiträge: 2.682

21.01.2017 18:06
#13 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Das war Buffalo Bill (1964)




Regie: Mario Costa

Produktion: Solly V.Bianco/Italien, Frankreich, BRD/1964

Mit: Gordon Scott, Mario Brega, Jan Hendriks, Hans von Borsody, Mirko Ellis, Rolando Lupi, Feodor Chaljapin, Catherine Ribero, Franco Fantasia, Ugo Sasso, Ingeborg Schöner, u.a



Handlung:


Der kriegshungrige Sioux Yellow Hand nutzt die Abwesenheit von Häuptling Wise Fox aus, um laufend Angriffe gegen die Weißen anzuführen. Unterstützt wird er dabei von skrupellosen Waffenhändlern, die ihm Gewehre gegen Gold verkaufen. Der weiße Scout Buffalo Bill erhält daraufhin den Auftrag, im betroffenen Territorium die Ordung wieder herzustellen. Er konzentriert sich dabei zu allererst auf die verräterischen Waffenhändler und entdeckt bei einer Durchsuchung des Warenlagers von Big Sam versteckte Gewehre. Allerdings wurden ihm diese nur untergejubelt, was Bill noch nicht ahnt. Auf dem Weg zum, mittlerweile zurückgekehrten, Häuptling Wise Fox wird der Scout von den Bösewichtern angeschossen und dadurch verletzt, kommt aber mit dem Leben davon und wird im Lager der Sioux gesund gepflegt. Nachdem der zwielichtige Yellow Hand erkennt, dass es kritisch für ihn wird, entführt er mit Hilfe der Waffenhändler Silver Moon Ray, die Tochter von Wise Fox, und behauptet, sie wäre von weißen Soldaten verschleppt worden. Der aufgebrachte Häuptling gibt Bill nun einen Tag Zeit, seine Tochter zurückzubringen. Ansonsten werden sämtliche Stämme zusammengetrommelt und den Weißen der Krieg erklärt...

Anmerkungen:


Diese italienisch-französisch-deutsche Co-Produktion orientiert sich unverkennbar an der, zu dieser Zeit sehr erfolgreichen, Karl-May-Reihe, ist allerdings deutlich kleiner, nicht so gefühlsbetont und, abgesehen von der Hauptrolle, wesentlich weniger charismatisch besetzt. Besagte Nähe zu Karl May ist an der Märchenhaftigkeit und Farbenpracht, der optischen Darstellung der Indianer und vor allem an den wunderschönen Wasserfällen erkennbar. Carlo Rustichellis Musik hingegen klingt sehr amerikanisch, geht aber auf äußerst angenehme Weise in's Ohr.

Hervorzuheben ist die Besetzung des Titelhelden mit dem Bodybuilder und herausragenden 50er-Jahre-Tarzan-Darsteller Gordon Scott (1926 oder 1927 - 2007). Sein Hintergrund als Sportskanone und ehemaliger Nahkampfausbildner hat ihn, neben seiner eindrucksvollen Physis, zum Actionhelden geradezu prädestiniert. Tatsächlich machte Scott, dessen Karriere im Urwald begann und ihn zu den italienischen Peplums führte, in seinem ersten von leider nur 2 Western vom Fleck weg eine sehr gute Figur. Vor allem in den Kampf- und Schießerei-Szenen vermag er, seine Talente eindrucksvoll zu demonstrieren. Sehr gut gelungen ist dabei die relativ lange und harte Schlägerei gegen Big Sam. Schade, dass Gordon Scotts Weg ihn nie zu den Karl-May-Filmen führte. Er hätte als Old Surehand oder Old Firehand ein junges Publikum durchaus ansprechen können.

Die restliche Besetzung, sowohl männlich als auch weiblich, bleibt leider nicht nachhaltig in Erinnerung und ist ausnahmslos austauschbar. Jan Hendriks (1928-1991) mimt als Bösewicht einen Charakter, der leise an Anthony Steele in "Winnetou 2" oder Larry Pennell in "Old Surehand" erinnert, dabei aber zuwenig sorgfältig gezeichnet ist und schlussendlich zu oberflächlich bleibt. Mirko Ellis (1923-2014) mag man den roten Bösewicht Yellow Hand nicht so richtig abnehmen. Er bringt weder Gesicht noch Aura eines Indianers wirklich mit. Catherine Ribeiro (geb.1941) ist als Squaw Silver Moon Ray ausgesprochen farblos und auch Ingeborg Schöner (geb.1935) setzt als weiblicher Aufputz, trotz guten Aussehens, keine Akzente. Die Personenzeichnungen bleiben in diesem Film, abgesehen vom Titelhelden, generell zu glanzlos. Dennoch ist der Streifen ansprechend und actionreich. Er erinnert weniger an den historischen Buffalo Bill, als vielmehr an die später entstandene Comic-Reihe, was dem Unterhaltungswert aber durchaus zuträglich ist.

Fazit:

B-Western, der in jeder Hinsicht billiger und oberflächlicher daher kommt, als die großen Karl-May-Vorbilder, der aber aus dem offenbar eher bescheidenen Budget dennoch das beste herauszuholen vermochte. Dank der bunten und kurzweiligen Unterhaltung gehört "Das war Buffalo Bill" zu den besseren Eurowestern jener Tage. Gute 3,5 von 5.

Giacco Offline



Beiträge: 1.399

22.01.2017 11:34
#14 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

"DAS WAR BUFFALO BILL" kam am 22. Januar 1965 in die deutschen Kinos (Italien: 19.11.64 / Frankreich: 17.2.65). Verleih: Gloria -FSK: 12
Zwei Startergebnisse:
Rex am Ring, Köln (729 Pl.): zufrieden
Regina, Mainz (519 Pl.): gut
Film-Echo-Erstnote: 4,3

Während der Film in den Großstädten gut bis zufriedenstellen lief, waren die Ergebnisse in den Mittel- und Kleinstädten eher mäßig, teilweise sogar schlecht. In Frankreich hatte er 717.000 Besucher, in Spanien waren es sogar 1,6 Mio.
Ranglisten-Endnote: 4,3 (bei 45 Meldungen)

Die Meinung des Film-Echo-Kritikers (Februar 1965):

"Buffalo Bills legendäre Bemühungen, zwischen Weiß und Rot ehrbaren Frieden zu stiften, werden im Ausschnitt geschildert. Bis zur Hälfte des Films stricken die Autoren fleißig an der Konfliktmasche - und soweit auch logisch. Mit den Eskapaden der geraubten Häuptlingstochter beginnt indessen eine Serie von unglaubwürdigen Fehlhandlungen, die deutlich dazu bestimmt sind, die Story in die Länge zu ziehen.
Mario Costa vertraute auf lange Reiter-Attacken, Gemetzel en masse und en detail als spannungsfördernde Regie-Beigaben. Dass in modernen Western psychologischer Konflikt und darstellerische Brillanz hoch im Kurs stehen, wird übersehen. Der Buffalo Bill von Gordon Scott ist schauspielerisch so unbeholfen wie Jan Hendriks als Gegner schwerlich in die Landschaft passt. Ingeborg Schöner und Hans von Borsody als liebendes Paar leiden am stärksten darunter, dass ihren Rollen jedes Profil mangelt. Als Gesamteindruck bleibt: eine biedere Pferde-Oper mit deutschen Gästen, hübsch fotografiert und nervenschonend."

patrick Online




Beiträge: 2.682

22.01.2017 13:31
#15 RE: Krautwestern - Sichtungen abseits der Pfade Karl Mays Zitat · antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #14


Die Meinung des Film-Echo-Kritikers (Februar 1965):

... Der Buffalo Bill von Gordon Scott ist schauspielerisch so unbeholfen wie Jan Hendriks als Gegner schwerlich in die Landschaft passt...



Eine Meinung, die ich bezüglich Scott überhaupt nicht teile. Ich finde ihn in beiden Western, die er gedreht hat, ausgesprochen vital und glaubwürdig. Besonders in den Schlägerei-Szenen schimmert der Nahkampf-Experte durch. Ich habe mir das bei seinen Tarzan-Auftritten auch schon gedacht. Wenn man bedenkt, dass er eigentlich überhaupt kein Schauspieler war, stemmte er seine Rollen im Abenteuer-Action-Genre wirklich bemerkenswert gut. Als Charakterdarsteller kam er natürlich nicht in Frage.

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