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Dieses Thema hat 45 Antworten
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

14.11.2017 20:32
#46 RE: Ruhestätten der Krimi-Stars Zitat · Antworten

Zwischen den beiden schweren Stürmen im Oktober 2017 begaben sich Gubanov und ich in den Grunewald, um dort den "Friedhof der Namenlosen" besser bekannt unter der Bezeichnung "Selbstmörderfriedhof" - offizieller Name "Friedhof Grunewald-Forst" aufzusuchen. Er liegt tatsächlich mitten im Wald und es war weit und breit keine Menschenseele zu sehen, als wir durch das Holztor traten. Eine sympathische Warnung vor den stets auf Nahrungssuche befindlichen Wildschweinen war neben der Ankündigung einer Beisetzung im Sommer 2016 das letzte Zeichen, das von behördlicher Seite am schwarzen Brett hinterlassen wurde. Auch sonst hatte man das Gefühl, als wären wir die ersten Personen, die nach einer gefühlten Ewigkeit diesen Gottesacker besuchten. Apropos: Der Friedhof wurde ursprünglich errichtet, um jenen eine letzte Ruhestätte zu geben, die durch eigene Hand starben bzw. deren Leichen in der Havelkurve angetrieben wurden. Zudem fanden dort auch jene Platz, die keiner religiösen Glaubensgemeinschaft angehörten oder Opfer des Weltkriegs wurden. So trifft man im Eingangsbereich auch bald auf Reihen von unbekannten Männern und Frauen, manchmal waren die Körper so unkenntlich, dass nicht einmal das Geschlecht des Toten festgestellt werden konnte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gräbern wirken diese im Boden eingelassenen Gedenktafeln noch gepflegt. Selten bin ich auf einem Friedhof gewesen, der so konsequent verwildert und dennoch eine beachtliche Anzahl von großflächigen Akademiker-Grabstätten aufweist.



Neben dem Schriftsteller Clemens Laar, der die Vorlagen für Filme wie "Meines Vaters Pferde" und "....reitet für Deutschland" schrieb, dessen Grab jedoch mittlerweile aufgelassen worden ist, liegt in Grunewald-Forst auch der Schauspieler Harald Sawade, der aus "Der Henker von London" und "Das Phantom von Soho" bekannt ist. Obwohl der Friedhof klein und überschaubar ist, konnten wir das Grab nicht finden und ich hatte dummerweise versäumt, die Grabnummer in meinem "Wo sie ruhen"-Buch nachzuschlagen. Die Stimmung auf dem Friedhof war weder unheimlich, noch bedrückend. Viele Grabstellen waren von Unkraut und Efeu überwuchert, manchmal musste man sich seinen Weg durch die Reihen bahnen. Einmal deutete ein schlichtes "Warum?" auf dem Stein auf Selbstmord hin, ein anderes Mal konnte man es nur vermuten. Eines haben die Toten dort gemeinsam: sie liegen abseits des gepflegten Gedenkens, ihre Endstation Sehnsucht ist schwer zugänglich und für den mobilen Menschen deshalb fast schon ein "lost place". In fünfzig Jahren soll das Gelände wieder der Natur übergeben werden. Wer sich dort aufhält, wähnt die Millionenstadt Berlin weit weg. Blackbird don't sing.

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