Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 73 Antworten
und wurde 13.344 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

04.02.2010 19:13
Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Im Mittelpunkt der Episoden stand die Arbeit der Ost-Agenten, speziell der psychologische Druck, den diese auf ihre Opfer ausübten. Diese Darstellung wurde in die Alltagswelt des Publikums integriert, indem Durchschnittsmenschen unversehens in geheimdienstliche Machenschaften hineingezogen wurden." (Seite 141)
"Delikte wie Erpressung, Nötigung, Entführung, Mord oder Mordversuche führten in der Regel zur eigentlichen Tat, der Spionage. Die 'Nebendelikte' dienten der Verbindung zwischen dem Spionage- und dem Krimigenre. Am Anfang sah es so aus wie ein 'normaler' Mord, erst im Laufe der Ermittlungen wurde die Spionage aufgedeckt. Dem entsprechend ermittelte häufig zunächst die Kriminalpolizei, der Militärische Abschirmdienst trat erst später in Erscheinung." (Seite 145)
"Die Trennlinie zwischen Gut und Böse verlief in der Serie "Die Fünfte Kolonne" nicht -wie bei "Stahlnetz" ganz und im "Kriminalmuseum" überwiegend- zwischen der bürgerlichen Gesellschaft und notorisch Kriminellen, sondern zwischen den beiden deutschen Staaten." (Seite 147)

ALLE ZITATE STAMMEN AUS DEM BUCH "DER DEUTSCHE FERNSEHKRIMI", 2003 (VERLAG J.B.METZLER)

"Es führt kein Weg zurück" (Episode 01/Erstausstrahlung am 06. Juni 1963) Laufzeit: 62 Minuten
Drehbuch: Herbert Reinecker, Regie: Jürgen Goslar
mit Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Barbara Schmidt, Wolfgang Schwarz, Edith Schultze-Westrum u.a.

Der einrollende Zug in den Kölner Hauptbahnhof gibt Günther Schramm frei, der in seiner Rolle als Robert Lederer bald mit Ereignissen konfrontiert wird, die ihn für die Dauer der Folge auf Trab halten werden und ihm Gelegenheit geben, zu zeigen, dass er auch fernab der beliebten "Kommissar"-Serie ermitteln kann. Selbständig ermitteln. Denn dies ist eines der Merkmale dieser Spionageserie: Nachforschungen werden oftmals nicht von der Kriminalpolizei durchgeführt, sondern z.B. von Familienmitgliedern der Opfer. Es gibt deshalb keinen fixen Kommissar oder Inspektor, sondern Beamte, die sich zwar rückblickend als gut informiert herausstellen, dazu aber nicht von Anfang an präsent sein müssen. So auch in der ersten Folge. Dieser Aufbau trägt nicht unwesentlich zum Suspense bei, da der Zuseher im Unklaren bleibt, wem er trauen kann und wem nicht. Aus dem Umfeld des Opfers ergeben sich Verdachtspersonen, heimliche Vertraute und Mitwisser.
Ohne große Umschweife kommt die Episode gleich zur Sache und streut in bester Francis-Durbridge-Manier Hinweise, dass es sich bei dem Sturz aus dem Fenster nicht um einen Unfall handelt. Widersprüchliche Zeugenaussagen; die Gleichgültigkeit der herbeigerufenen Polizei; Gegenstände, die verschwinden und durchwühlte Schränke deuten auf kriminelle Drahtzieher im Hintergrund hin. Robert Lederer befindet sich in Gefahr, was in einigen Szenen sehr unheimlich inszeniert wird, allerdings -und hier setzt meine Kritik ein- werden viele solcher atmosphärisch dichten Momente durch die übermäßig laute Musik von Erwin Halletz zerstört. Gerade zu Beginn läuft die Musik teilweise sogar während gesprochen wird. Findet Robert einen wichtigen Anhaltspunkt, kommen Pauken zum Einsatz, die den Griff zur Fernbedienung nötig machen. Filmmusik ist ein Bereich, der viel Feingefühl und Takt erfordert. Leider ließ man es in puncto Lautstärke daran missen.
Ebenso wie in den Straßenfeger-Mehrteilern begibt sich die Identifikationsfigur auf eine Reise in die Lebenswelt des Opfers, die ihn zu abgelegenen Pensionen, in die Leihbücherei und ans Rheinufer führen. Der Zuseher wird dabei immer wieder mit überraschenden Wendungen konfrontiert.
Eine spannende, abgesehen vom undisziplinierten Einsatz der Musik, sehr gelungene Episode, die gleich Appetit auf die weiteren Folgen macht. Starkes Spiel von Schramm und Glemnitz, nettes Wiedersehen mit der kleinen Gaby Jaeger (Janet Freeman aus "Es ist soweit"). Temporeiche Regie von Jürgen Goslar.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

05.02.2010 19:22
#2 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Das gelbe Paket" (Episode 02/Erstausstrahlung am 18.06.1963) Laufzeit: 60 Minuten
Drehbuch: Herbert Reinecker, Regie: Jürgen Goslar
mit: Hellmut Lange, Herta Fahrenkrog, Harry Meyen, Wolfgang Preiss, Margit Saad u.a.

War die erste Folge schon ein überraschend angenehmer Einstieg in die Reihe, so bietet die zweite Episode Hochspannung pur. Der sympathische Hellmut Lange beweist den gleichen Schwung, den er im selben Jahr in der "Stahlnetz"-Folge "Strandkorb 421" zeigt. Er trägt sogar in einer Szene den gleichen Freizeitanzug.
Ohne langes Federlesen wird in wenigen Augenblicken gezeigt, wie ein nichtsahnender Bürger, der sich gerade einen schönen Feierabend machen möchte, plötzlich mitten in einer für ihn unüberschaubaren Situation ist. Die Reaktion von Ted Richter, der gerade durch eine Fehlschaltung einen Mordplan am Telefon mitangehört hat, entspricht dem anpackenden Charakter des Darstellers. Er zögert nicht, er handelt. Und so befindet sich der Zuseher bald am Schauplatz eines Verbrechens, das nur den Auftakt zu weiterem Nervenkitzel bildet. Die Herangehensweise des "Ermittlers" ist dabei so natürlich und die Umstände so nachvollziehbar, dass der Zuseher sich völlig mit ihm identifizieren kann. Gerade am Mordschauplatz wird ohne explizites Zeigen von Gewalt eine Atmosphäre der Bedrohung geschaffen, die beeindruckend ist. Den nächsten Höhepunkt bildet das Gespräch zwischen Harry Meyen und Hellmut Lange. Meyen -wie immer von einer eiskalten Aura umgeben- spielt den Gangster ebenso subtil wie in "Mörderspiel". Positiv erwähnt seien auch die gewählten Schauplätze, u.a. das Gelände um den Chinesischen Turm im Englischen Garten von München. Man bekommt dabei die neusten Modekreationen zu sehen, die fröhlich darüber hinwegtäuschen sollen, dass ein paar Meter weiter Dinge von lebensbedrohlichem Ausmaß geschehen.
Die Musik ist diesmal nicht so präsent wie in der ersten Folge, jedoch immer noch ausreichend vorhanden.
Kurzum: Eine brillante Geschichte mit zwei glaubwürdigen Hauptdarstellern. Die Spionage-Elemente werden so dezent plaziert, dass das Finale wie einem Mabuse-Film entnommen wirkt, was sicher auch Wolfgang Preiss geschuldet ist.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

05.02.2010 22:13
#3 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Ja, die ersten beiden Folgen waren wiklich stark - zu mehr bin ich bisher noch nicht gekommen...

Haben mich gleich dazu animiert auch die Zweite Box zu bestellen !

Don't think twice, it's all right ...
Bob Dylan

Happiness IS the road ! (Marillion)

Jan Offline




Beiträge: 1.448

06.02.2010 19:08
#4 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Zitat von kaeuflin
Ja, die ersten beiden Folgen waren wiklich stark - zu mehr bin ich bisher noch nicht gekommen...


Die erste Folge empfand ich als schwach gespielt und schlicht gestrickt. Zudem streckenweise überraschend dilletantisch inszeniert. Dass die Musik dort "präsent" war, kann dabei getrost als eher schmeichelhaft formuliert betrachtet werden. Nervig und aufdringlich trifft es m.E. besser. Der Ton ist dazu über weite Strecken beinahe ruiniert.

"Das gelbe Paket" hingegen ist einer der Kracher aus der Serie. Tolle Geschichte, tolle Darsteller (Harry Meyen, Wolfgang Preiss und selbst der mir sonst unsympathische Hellmuth Lange überzeugen). Zudem hat Goslar hier erheblich besser inszeniert und der Ton, der nach wie vor nicht völlig in Ordnung scheint, ist viel besser als beim Erstling.

Generell finde ich die Serie hinsichtlich Qualität recht schwankend. Es gibt famose Highlights und träge Langweiler. Zu den Highlights zähle ich:
- "Das gelbe Paket"
- "Eine Puppe für Klein-Helga"
- "Der Gast"
- "Blumen für Zimmer 19"
- "Besuch von Drüben"
- "Ein Auftrag für..."
- "Ein Anruf aus der Zone"

Die beiden letzten Folgen der Reihe von Erich Neureuther kenne ich allerdings noch nicht.

Gruß
Jan

Selwyn Offline



Beiträge: 73

07.02.2010 18:32
#5 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Ist jemandem aufgefallen, dass das 'locked-room-mystery' am Anfang der ersten Folge später überhaupt nicht aufgelöst wird? Die Wohnungstür ist verschlossen und muss von der Polizei aufgebrochen werden, der Schlüssel steckt innen. Darum, so schlussfolgert die Kripo, kann es kein Mord gewesen sein, und es gibt nichts weiter zu ermitteln. Diese Situation nötigt dann den Protagonisten, selbst Nachforschungen anzustellen. Es kommen nach und nach die Hintergründe des Mordes ans Licht bzw. die Erkenntnis, dass es eben ein Mord war. Aber wie der Täter es angestellt hat, bleibt im Dunkeln. Ich finde das bemerkenswert, weil die verschlossene Tür als interessantes Rätsel und Aufhänger der ganzen Handlung am Anfang steht.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

07.02.2010 19:02
#6 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Der Gerichtsmediziner hat festgestellt, dass eine Leiche aus dem Fenster geworfen wurde, Lotte also bereits tot war, als sie auf die Straße stürzte. Vielleicht kann jemand dieses Rätsel aufklären?

Doch nun zur nächsten Bewertung:

"Null Uhr Hauptbahnhof" (Episode 03/Erstausstrahlung am 26. September 1963) Laufzeit: 53 Minuten
Drehbuch: Alex Berg (Pseudonym von H. Reinecker), Regie: Wolfgang Becker
mit: Eva Ingeborg Scholz, Horst Niendorf, Lukas Ammann, Peter Neusser, Willi Rose

"Münchner Merkur" vom 28. September 1963: "Mainz hatte den Münchner Hauptbahnhof als Schauplatz für den Spionage-Krimi "Null Uhr Hauptbahnhof" gewählt, eine mehr psychologische als dramatische Story, die allerdings gerade durch die echte Umgebung mit Namen der Hotels und Lokale rund um den Bahnhofsplatz, mit Originalstimmen im Wartesaal und Lautsprecher, Ankommenden, Abreisenden und der ganzen fieberhaften Atmosphäre überzeugend wirkte."
(Quelle: Der deutsche Fernsehkrimi, Verlag J.B. Metzler)

Eva Ingeborg Scholz spielt eine junge Frau, deren Arbeit in einer Vertrauensstellung von Ostagenten missbraucht wurde, um sie zu erpressen. Ihr Vater könnte inhaftiert werden, wenn sie nicht Informationen liefere, an denen man interessiert sei. Sie soll nach Berlin fahren und ihren Freund zurücklassen, ohne ihm den wahren Grund für ihre Abreise zu nennen. Zweifel, Unsicherheit und Angst werden von Frau Scholz überzeugend vermittelt. Da es in dieser Folge bis zum Finale sehr wenig aktionsreiche Spannung gibt, liegt es vor allem an Eva Ingeborg Scholz, die Beweggründe ihres Handels begreiflich zu machen. Die Bedrohung scheint aus dem Nichts zu kommen und ist deshalb für ihren Freund nicht greifbar. Die Überführung der Erpresser liegt in den Händen des MAD, der sie genau instruiert und sich eine Verfolgungsjagd mit den Agenten liefert, wobei man den Bahnhof aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen bekommt. Ein klassisches Happy-End kann es für Scholz und Niendorf nicht geben, da erstere ins Gefängnis muss. So schwingt ein wenig Tragik mit, obwohl die straffällig gewordene Frau mit einer Haftminderung rechnen kann.
Dadurch, dass es auf einem Bahnhof ohnehin schon laut ist, wurde auf Musik verzichtet. Die behäbige Art der Inszenierung entspricht dem Ernst des Themas.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

07.02.2010 19:12
#7 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Schattenspiel" (Episode 04/Erstsendung am 27. Februar 1964) Laufzeit: 59 Minuten
Drehbuch: Maria Matrey + Answald Krüger, Regie: Jürgen Goslar
mit: Eva Pflug, Axel von Ambesser, Benno Sterzenbach, Rainer Penkert, Thomas Reiner, Reinhard Glemnitz, Franz Schafheitlin

Erstmals erscheint bei dieser Folge nach dem Vorspann die bereits vom "Stahlnetz" bekannte Mitteilung: "Diese Sendung ist nach wahren Begebenheiten frei gestaltet. Personen, Ort und Handlung wurden jedoch so verändert, dass eine Ähnlichkeit mit noch lebenden Personen und ihren Namen rein zufällig ist."
Im Gegensatz zu Folge 3 geht es diesmal wieder sehr temporeich zu. Der kammerspielartige Schauplatz wurde verlassen und die Handlung ins belebte München verlegt, das dem "Kommissar"-erprobten Zuschauer viele bekannte Schauplätze zeigt, u.a. die Feldherrnhalle und die Gereutvilla,, die zwar bereits in Folge 1 kurz im Bild war, diesmal jedoch als Wohnsitz des Ehepaars Buting aus verschiedenen Perspektiven zu sehen ist (Garten, Eingangshalle, Treppenaufgang, Wintergarten und Schlafzimmer). Eva Pflug spielt eine ehemalige Physikerin, die vor fünf Jahren einen Atomwissenschaftler geheiratet hat und nun das Leben einer Dame der besten Gesellschaft führt. Bei einem Einkaufsbummel mit ihrem Sportwagen begegnet sie alten Bekannten wieder, die sie zwingen, ein Abhörgerät im Arbeitszimmer ihres Mannes zu verstecken, um ihn damit bei seinen beruflichen Gesprächen belauschen zu können. Dadurch, dass sich dieses Gerät in einer eleganten Damenhandtasche befindet, gibt es einen weiteren Rätselfaktor, da sich diese als Objekt der Begierde herausstellt, ähnlich wie z.B. die Schlüssel im gleichnamigen Durbridge-Mehrteiler. Als das Hausmädchen bei der Rückkehr von seinem freien Abend im nächtlichen Garten erschossen wird, weiß der Zuseher, dass eigentlich Renate Buting ermordet werden sollte. Während die Ermittlungen der Kriminalpolizei von einem gewöhnlichen Beziehungsdelikt oder einem Raub ausgehen, befindet sich Frau Buting in tödlicher Gefahr.
Jürgen Goslar inszeniert wieder sehr flott mit wechselnden Verdachtsmomenten (die Zeugenbefragung durch die Kripo/die Kombinationen der Abwehrmitarbeiter), eleganten Sets und nebeligen Landstraßen, was der Episode Frische und zeitloses Flair verleiht. Der Agentenhintergrund ist zwar präsent, stört die Handlung jedoch nicht in dem Maße, dass sie überholt oder einseitig erscheinen würde. Wieder einmal gibt es überraschende Wendungen. Die Musik wird diesmal wohldosiert eingesetzt.
Sehr spannende Episode mit Hauptdarstellerin Eva Pflug in Topform.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

07.02.2010 19:13
#8 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Zwei Pistolen" (Episode 05/Erstausstrahlung am 16. Juli 1964) Laufzeit: 65 Minuten
Drehbuch: Alex Berg (Pseudonym von Herbert Reinecker), Regie: Jürgen Goslar
mit: Joachim Fuchsberger, Hartmut Reck, Maria Perschy, Lukas Ammann

Schnell und besonnen reagiert Manfred Koslin (J. Fuchsberger), als ihm von zwei bewaffneten Männern ein Brief aus Köln entwendet wird. Er scheint einen Verdacht zu hegen, den der Zuseher nicht kennt. Ist es sonst meistens so, dass das Publikum mit dem Hauptdarsteller, der wie aus heiterem Himmel in eine seltsame Situation gerät, rätselt, scheint Fuchsberger einen Wissensvorsprung zu haben. Vielleicht liegt dies daran, dass man ihn vor allem als souveränen Ermittler kennt, der es mit allen Schurken aufnehmen kann. So tritt ihm mit Hartmut Reck ein alter Bekannter entgegen, dem man einige Gaunereien zutraut. Und wenn dann noch Maria Perschy als blonde Schönheit in Gefahr gerät, sind alle Vorzeichen für einen spannenden Krimi gegeben. Im verschneiten Köln sucht Koslin nach Beweisen für seinen Verdacht und steht bald vor einer schwierigen Entscheidung, deren Ausgang jedoch eine kleine Überraschung bereithält. Deutlich positiver als alle bisherigen Folgen endet dieser Fall, muss ein Fuchsberger doch am Ende immer die Dame seines Herzens im Arm halten.
Die Musik steuert diesmal Rolf Wilhelm bei, was sich angenehm durch Zurückhaltung bemerkbar macht. Die drei Hauptdarsteller freuen das Herz des Nostalgikers, wobei diesmal weniger Gefahr droht als sonst - allerdings muss man dazu anmerken, dass dies vor allem an Blacky liegt, dem man zutraut, aus jeder Situation heil hervorzugehen.

Georg Offline




Beiträge: 3.067

09.02.2010 21:16
#9 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Auf Anregung durch diesen Thread habe ich mir die ersten drei Folgen auch wieder mal angesehen.
Positiv fallen hier zunächst natürlich die Regisseure und die perfekte Besetzung auf.
Mit Jürgen Goslar und Wolfgang Becker hatte die Reihe zwei der profiliertesten und besten TV-(Krimi)-Regisseure, die es in Deutschland gab/gibt (Goslar lebt ja noch). Beide haben für Produzent Ringelmann ja lange gearbeitet, Goslar war erst vor zwei Jahren nochmals im "Alten" als Darsteller dabei.

"Es führt kein Weg zurück" ist sicherlich nicht die beste Folge der Serie, wenngleich sie doch recht flott inszeniert ist und Günter Schramm überzeugt. Zum Einsatz der Musik: ich finde sie teilweise recht passend, auch wenn man das Gefühl hat, dass Goslar mit der neuen Titelmusik eine solche Freude hatte, dass er sie an jeder erdenklichen Stelle einsetzen wollte. (Dass die Titelmusik im Lauf der Handlung vorkommt ist bei Ringelmann-Serien anscheinend bei Folge 1 üblich, das war auch so bei "Siska 1", bei "Derrick 1 (Mitternachtsbus)" und bei "Der Alte 1" (Kress). Reinecker hat ein akzeptables Drehbuch geschrieben. Das mit der verschlossenen Tür ist mir gar nicht aufgefallen, hätte aber natürlich irgendjemand von der Produktion bemerken müssen.

"Das gelbe Paket" ist temporeich inszeniert. Hellmut Lange, Wolfgang Preiss und Harry Meyen spielen hervorragend, das Drehbuch stimmt. Macht Spaß (bzw. Spannung ;-)).

"Null Uhr Hauptbahnhof": gewohnt starke Becker-Regie, die den Zuschauer anfangs ständig hinters Licht führt, wer denn von den verschiedenen Herren von der Stasi ist. Der Bahnhof als Location wird richtig unheimlich. E.I. Scholz ist als gezwungene DDR-Bürgerin genial besetzt. Besonders gefällt mir Willi Rose in seiner Rolle, er ist ein Schauspieler, den ich gerne öfters in Krimis gesehen hätte. Dass keine Musik vorkommt ist ja typisch für Becker, der es bei seinen Inszenierungen verstand, gekonnt mit Bildern und Geräuschen zu arbeiten bzw. meistens Musik verwendete, die kein Filmkomponist geschrieben hatte. Becker war da ja sehr experimentierfreudig.

Besonders durbridgemäßig finde ich die Folgen übrigens nicht (eher Reinecker-typisch *g*), die Verwicklungen sind in meinen Augen nur so ähnlich in der Folge "Eine Puppe für Klein-Helga", die ich demnächst auch wieder mal ausgraben werde.

Jan Offline




Beiträge: 1.448

09.02.2010 23:22
#10 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Zitat von Georg
Dass keine Musik vorkommt ist ja typisch für Becker, der es bei seinen Inszenierungen verstand, gekonnt mit Bildern und Geräuschen zu arbeiten bzw. meistens Musik verwendete, die kein Filmkomponist geschrieben hatte. Becker war da ja sehr experimentierfreudig.


Unbedingt! Bei "Tatort: Zweikampf" ist mir das in den vergangenen Tagen wieder einmal ganz besonders aufgefallen. Da läuft permanent dieses Klavierstück, das Becker oft eingesetzt hat; u.a. auch in einem "Derrick". Er bewies dafür stets hohes Geschick! Ähnlich gelagert sind diesbezüglich, wie ich finde, die Filme von Dietrich Haugk.

Zitat von Georg
Besonders durbridgemäßig finde ich die Folgen übrigens nicht (eher Reinecker-typisch *g*)


Es ist schon streckenweise recht "verreineckert", das stimmt. Wobei die für Reinecker so typischen und von unbestimmten Pronomen nur so wimmelnden Dialoge ("Darf man etwa nicht fragen, wie es ihm geht?" oder "Du hörst doch, Herta, man fragt Dich, wo Du um 23.00 Uhr warst!") hier noch im erträglichen Maße vorkommen. Der Film bezieht seine Spannung aus den diversen Randfiguren, die stumm auf den Zug warten, einen Kaffee trinken oder hinter einer Zeitung hervorgucken. Eva-Ingeborg Scholz ist sowieso stets erste Klasse und auch hier paradebesetzt. Nur bei der Auswahl des männlichen Hauptparts hätte man evtl. etwas sorgfältiger vorgehen können!

Gruß
Jan

Georg Offline




Beiträge: 3.067

10.02.2010 15:30
#11 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Zitat
Unbedingt! Bei "Tatort: Zweikampf" ist mir das in den vergangenen Tagen wieder einmal ganz besonders aufgefallen. Da läuft permanent dieses Klavierstück, das Becker oft eingesetzt hat; u.a. auch in einem "Derrick". Er bewies dafür stets hohes Geschick! Ähnlich gelagert sind diesbezüglich, wie ich finde, die Filme von Dietrich Haugk.



Stimmt, Dietrich Haugk hatte dafür auch ein sehr gutes Händchen, überhaupt ein sehr begabter Regisseur.

Zitat
Es ist schon streckenweise recht "verreineckert", das stimmt. Wobei die für Reinecker so typischen und von unbestimmten Pronomen nur so wimmelnden Dialoge ("Darf man etwa nicht fragen, wie es ihm geht?" oder "Du hörst doch, Herta, man fragt Dich, wo Du um 23.00 Uhr warst!") hier noch im erträglichen Maße vorkommen. Der Film bezieht seine Spannung aus den diversen Randfiguren, die stumm auf den Zug warten, einen Kaffee trinken oder hinter einer Zeitung hervorgucken. Eva-Ingeborg Scholz ist sowieso stets erste Klasse und auch hier paradebesetzt. Nur bei der Auswahl des männlichen Hauptparts hätte man evtl. etwas sorgfältiger vorgehen können!



Die soooo typischen Reinecker-Dialoge bleiben hier noch aus, die kamen erst später beim Kommissar (oder auch ganz schlimm im sonst ganz passablen 1964er-TV-Film "Nachtzug D106"). Neben den Personalpronomentick hatte Reinecker ja auch ein Relativpronomenfaible (WAS er ja gerne gemacht hat, WOZU er ja neigt, WESHALB er das geschrieben hat *gg*).

Die Randfiguren in der 3. Folge "Null Uhr HBF" sind ausgezeichnet, Horst Niendorf allerdings etwas blaß.

Zurück zur Bewertung.
Eben ausgegraben: Eine Puppe für Klein-Helga
Sehr rasante Goslar-Regie, ein Film mit vielen Wendungen und einem hervorragenden Hanns Lothar, der als Bonvivant und unglücklicher Frauenheld in ein Schlamassel nach dem nächsten stürzt. Positiv fällt hier auch der etwas untergründige Humor auf. Gut gespielt und rasant geschnitten. Jedes Mal erneut packend. Interessante Besetzung der Nebenfiguren: Hans Baur, Hans Cossy, Horst Naumann, Sigfrit Steiner, Thomas Braut, Harald Dietl als Polizist usw.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

11.02.2010 18:57
#12 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Eine Puppe für Klein-Helga" (Episode 06/Erstausstrahlung am 24. September 1964) Laufzeit: 63 Minuten
Drehbuch: Stefan Gommermann, Regie: Jürgen Goslar
mit: Hanns Lothar, Astrid Frank, Thomas Braut, Hans Cossy, Til Kiwe, Malte Jaeger

Erstmals nach Episode 3 hatte ich das Gefühl, dass die Folge zu lange dauert. Ist die Reihe sonst dafür bekannt, dass sie flüssig in den Kriminalfall einsteigt und sich nicht mit nebensächlichen Handlungen aufhält, so muss man diesmal feststellen, dass es gerade zu Beginn einige Szenen gibt, die besser gestrichen worden wären. Wie es sich für einen Hauptdarsteller gehört, hat Hanns Lothar sofort die Sympathien auf seiner Seite. Leider scheint der Drehbuchautor nicht recht zu wissen, was er mit seiner Figur machen soll. Er schiebt sie hin und her und versäumt es, den Suspense, den so originelle Kommunikationsmittel wie "sieben Tulpen" hergeben, voll auszuspielen. So bleibt die Szene in dem Café uninspiriert und langweilig. Plötzlich überreicht eine fremde Frau Robert eine Puppe, die er einfach an seinen Teilhaber weiterreicht. Als er dann zu einem Kunden gerufen wird, scheint eine neue Geschichte zu beginnen. Nun endlich gewinnt die Folge an Spannung und kann diese auch für einige Zeit halten; das Auffinden der Leiche ist sehr originell eingefädelt und die anschließende Verhaftung zeigt das Drama, das sich über dem Autohändler zusammenbraut. Die Präsenz von Astrid Frank sorgt für Szenen aus Peter Alexanders Verwechslungskomödien; kann der gute Mann doch nichts dafür, dass er immer daran gehindert wird, seine Freundin pünktlich abzuholen. Dennoch würde ich ihm raten, sie in den Wind zu schießen, zeigt sie sich denn wenig loyal, was seine Probleme mit Polizei und Geheimdienst anbelangt und schluckt lieber eine falsche Kröte (die angebliche fremde Frau in seiner Wohnung). Der Dreh mit der Puppe am Ende ist natürlich ein weiterer Scherz und versucht den Zuseher zu versöhnen. Doch leider bleibt bei mir eine Enttäuschung zurück: zu unausgegoren, zu wenig stringent erscheint der Fall. Man hätte lieber den Humor ein wenig zurückgenommen und dafür die Schnitzeljagd zu Beginn kriminalistisch ausgenutzt.
Fazit: Ich breche den Stab über dem Drehbuchautor - die Schauspieler haben das Beste herausgeholt.

Georg Offline




Beiträge: 3.067

11.02.2010 19:10
#13 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Interessant, die unterschiedlichen Sichtweisen zu dieser Folge. Ich finde gerade den Humor (Deinen Vergleich mit Peter Alexander finde ich übrigens sehr treffend) genau portioniert, nicht zuviel, nicht zuwenig. Ich gebe Dir aber recht, dass die zweite Hälfte temporeicher inszeniert ist, als die erste.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

11.02.2010 19:14
#14 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Ich war erstaunt, dass Jürgen Goslar diese Episode inszeniert hat, ist er doch sonst ein Meister der temporeichen Regie. Um einen Vergleich ziehen zu können, sah ich mir heute Nachmittag die zweite Geschichte aus der Feder des Drehbuchautors Stefan Gommermann an: "Libelle, bitte kommen" (Episode 11). Sie hat mir hervorragend gefallen.

Georg Offline




Beiträge: 3.067

11.02.2010 19:16
#15 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Eben gesehen: Zwei Pistolen
Hier hatte nun ich das Gefühl, dass die Folge etwas zu lange ist, vor allem in der ersten Hälfte, wo man noch nicht so genau weiß, worum es eigentlich geht. Neben Blacky (übrigens sehr interessant, wie es zu dieser Besetzung kam, Goslar erzählt es ja im Bonus-Interview) glänzt vor allem Lukas Ammann als schmieriger Agent in einer Paraderolle, in der er aber stets trotzdem den Gentleman herauskehrt. Eine Facette, die er ein paar Jahre später als Graf Yoster immer wieder gekonnt hervorholte. Hartmut Reck als Komilitone Blackys spielt diesen ebenfalls schmierig, was heißen will: zur Handlung passend. Das Filmhappyend finde ich allerdings etwas zu überzogen. Ungewohnt und wohl auch selten: der Bayer Hans Stadtmüller spricht als Hausmeister (bühnen)hochdeutsch.

Seiten 1 | 2 | 3 | 4 | 5
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz