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Dieses Thema hat 73 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

02.05.2010 12:38
#46 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Ein Auftrag für...." (Episode 18/Erstausstrahlung am 20. Mai 1966) Laufzeit: 73 Minuten
Drehbuch: Walter Ratheber und Rose Steiner, Regie: Wolfgang Becker
mit: Klausjürgen Wussow, Grit Böttcher, Franziska Bronnen, Christian Doermer, Rosemarie Fendel, Friedrich Karl Grund u.a.

Bis in die kleinsten Nebenrollen ist die Folge prominent besetzt. So haben z.B. Alexander Hegarth und Arthur Brauss Miniauftritte, die den Zuseher freuen. Man achtete sehr auf Details und war darauf bedacht, dem Publikum überraschende Wendungen zu bieten. Die Geschichte beginnt mit einem schwungvollen Klausjürgen Wussow, der in einem vornehmen Hotel als Oberkellner arbeitet und seine beiden Kinder aus erster Ehe zum Flughafen bringt. Voller Elan geht er seinem Beruf nach und scheint mit einer Arbeitskollegin im Einverständnis zu sein. Man sieht ihm an, dass er ein wenig Luxus braucht. Um seinen schnellen Sportwagen zu finanzieren, geht er einer Nebenbeschäftigung nach: der Spionage. Er hört Gespräche von Hotelgästen ab und alles scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen, bis durch einen Fehler bekannt wird, dass im Hotel ein Spion sein muss. Rolf Piehler (Wussow) setzt sich ab und eröffnet dem Zuseher damit den Einblick in einen völlig anderen Mann.
Dabei wird geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt, der in der Begegnung zwischen dem "Vertreter" Piehler und der Bundeswehrangestellten Marianne Melzer (Grit Böttcher) reine Berechnung vermutet. Die Kamera von Günther Senftleben fängt dabei poetische Bilder ein, die wieder einmal zeigen, dass die Reihe mehr ist, als nur eine Momentaufnahme der Spionagetätigkeiten der Sechziger Jahre. Ohne Kitsch, aber mit ein wenig Sehnsucht verfolgt die Kamera die Ausflüge des neuen Paares und zeigt den inneren Konflikt des Mannes, der seine Recherchen immer lustloser und zögerlicher ausführt. Die Folge wird durch schöne Bilder vom Checkpoint Charlie, einer Eisenbahnfahrt und einsamer Landstraßen bei Zwielicht aufgewertet.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

09.06.2011 19:02
#47 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Das Autoren-Team des Fachbuches "Der deutsche Fernsehkrimi" (Verlag J.B. Metzler) urteilt recht trocken über "Die fünfte Kolonne". Zu der Folge "Null Uhr Hauptbahnhof" schreiben die vier Verfasser des Buches folgendes: "Die genannte Episode war ein Kammerspiel in authentischer Kulisse. Die "Handlung" bestand im Wesentlichen daraus, dass die zwei Protagonisten während ihres Dialogs im Münchner Hauptbahnhof ihre Standorte wechselten. Die meisten Einstellungen bestanden in Groß- und Naheinstellungen des miteinander sprechenden Paares." (Seite 144) Über Kripo und MAD (Militärischer Abschirmdienst): "Die westlichen Gegenspieler der Ost-Agenten standen nicht im Mittelpunkt der Darstellung, dennoch war ihre Gestaltung eine wesentliche Komponente des Gut/Böse-Schemas. Sachlich, kompetent und menschlich verkörperten sie das demokratische und moderne Westdeutschland. [....] Der Psychoterror, den die Ost-Agenten ausübten, bildete den Dreh-und Angelpunkt der Darstellung. Vornehmlich in Close-up- oder Naheinstellungen wurden die kaltblütigen erpresserischen Vorgehensweisen der Geheimdienstler gezeigt, die Angst der Erpressten bildete den Kontrast dazu." (Seite 147)

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

09.06.2011 19:45
#48 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Der Band legt mit jedem Zitat seine Ignoranz weiter offen - es scheint ihm nur um Kritik um ihrer selbst willen zu gehen, weil den Autoren das, worüber sie schreiben, gar nicht gefällt. Oft gewinnt man das Gefühl, als haben sie sich die entsprechenden Serien bzw. Filme - wenn überhaupt - nur im Schnelldurchlauf und ohne Ton angeschaut: Die Beschreibung der "Handlung" zeigt, wie "ernst" man es mit Fakten nimmt. Auch die Behauptung, westliche Agenten bzw. Sicherheitsmitarbeiter seien immer sachlich oder gar menschlich, ist nicht zutreffend. Spontan fällt mir da eine Sequenz aus "Eine Puppe für Klein-Helga" ein: Der Bundesnachrichtendienst bezahlt die Kaution für Robert Hens nur unter der Bedingung, dass er sich für ihre Pläne zur Verfügung stellt. Man erpresst ihn, mitzuarbeiten und ansonsten das Wissen um seine Unschuld unter den Tisch fallen zu lassen: "Dann wissen Sie also, dass nicht ich es war?", fragt Robert. "Wenn wir wollen, dann wissen wir es - und wenn wir nicht wollen, dann wissen wir es nicht", antwortet sein Gegenüber. Als menschlich würde ich sein Verhalten nicht bezeichnen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

12.06.2011 14:08
#49 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Das verräterische Licht" (Episode 17/Erstausstrahlung am 29. April 1966) Laufzeit: 81 Minuten
mit: Ingrid Andrée, Ullrich Haupt, Gert Baltus, Walo Lüönd, Joachim Rake, Korinna Rahls, Sigfrit Steiner, Fred Maire, Fritz Schmiedel u.a.
Drehbuch: Hans Maeter, Helmuth Ashley, Regie: Dieter Lemmel

"Der eigentliche Gegner waren nicht die einzelnen Agenten, sondern die "Organisation". Die Mitglieder dieser Organisation waren entweder Überzeugungstäter oder ebenfalls Erpresste. Diejenigen, die wegen persönlicher Schwächen oder in der DDR lebender Familienmitglieder gezwungen wurden, waren sowohl Opfer als auch Täter. Anhand ihres Schicksals wurden die Mechanismen des Kalten Krieges vorgeführt, wobei diejenigen, die dem System jenseits der Mauer aus Überzeugung dienten, die eindeutig "Bösen" waren. Die Erpressten waren vor allem Frauen, die in Vertrauensstellungen arbeiteten. Sie wurden in der Regel unter Androhung von Gewalt gegenüber Familienangehörigen oder anderen geliebten Personen gefügig gemacht. Ihr Motiv war also, andere zu schützen."
(Der deutsche Fernsehkrimi, J.B. Metzler-Verlag, Seite 146)

Diese Besprechung enthält Spoiler.
Ingrid Andrée steht als Chefsekretärin Beate Zöllner im Mittelpunkt der Geschichte. Sie arbeitet für die "Süddeutsche Turbinenbau", ein Flugzeugwerk, das auch Aufträge für die NATO ausführt. Dr. Wessels, der leitende Ingenieur, ist nicht nur ihr Vorgesetzter, sondern auch ihr persönlicher Freund; ein Mann, der ihr hundertprozentig vertraut und der gerne mehr Zeit mit ihr verbringen möchte. Ullrich Haupt meistert diesen Part sehr gut, obwohl man zunächst Bedenken hat, er sei zu trocken für Andrée, die in der Eingangsszene als durchaus lebensfroh dargestellt wird. Die Abberufung nach Halle an der Saale erfolgt rasch, was sich in einer schönen Eisenbahnsequenz niederschlägt. Die Stränge der Gleise weiten und verengen sich abwechselnd, so, als würde jemand Beate Zöllner die (Lebens-)luft abdrehen. In einer kurzen Szene am Grenzübergang Probstzella sehen wir Arthur Brauss, im Büro der Strafvollzugsanstalt den wettergegerbten Sigfrit Steiner, der die Frau vor die Wahl stellt, entweder Unterlagen aus dem Büro ihres Chefs zu fotografieren und dem Geheimdienst der DDR zur Verfügung zu stellen, oder in Kauf zu nehmen, dass ihr kranker Bruder in der Haft stirbt. Da Beate Zöllner ihrem Arbeitgeber verheimlicht hat, dass sie durch ihren Bruder "Ostkontakte" hat, ist sie von vornherein in einer schlechten Verhandlungsposition. Gert Baltus wird ihr als Mittelsmann zur Seite gestellt, eine Rolle, die er mit einer Mischung aus einschmeichelnd-werbender Anteilnahme und rational-drohenden Worten gestaltet. Der Schnee wird hier als Element einer aufkeimenden Romantik (von seiner Seite) und der Betonung des "(Eis)kalten Krieges" eingesetzt. "Macht es Ihnen eigentlich Freude, so mit Menschen umzugehen?" fragt Beate Zöllner. Der Weg in die Verdammnis endet für sie, wo er begonnen hat. Ihr Selbstmord wurde sehr zurückhaltend inszeniert und es obliegt Max Grießer, die Leitstelle (und das Publikum) über den tödlichen Zwischenfall auf der Bahnstrecke zu informieren. Die sich zuspitzende Lage mit den kriminalistischen Ermittlungen, dem präparierten Köder und dem zweiten, mit zitternder Hand durchgeführten Versuch, verstärken die angespannte Atmosphäre, die Ingrid Andrée nachhaltig prägt. Wie bereits in "Der Rest ist Schweigen" oder später im "Kommissar" ist sie eine Gefangene ihrer Verzweiflung. In der Schauspieler-Familie Neutze wurde sicher des öfteren über Rollen-Profile und Filmstoffe diskutiert. Interessant, dass alle vier des öfteren in den gleichen Serien oder Filmen auftraten. Notiz am Rande: Karin Kernke ("Die Bande des Schreckens") hat einen Mini-Auftritt; sie ist nur im Profil zu sehen, aber der aufmerksame Zuseher erkennt sie an ihrer Stimme.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.06.2011 15:40
#50 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Der Fall Schurzheim" (Folge 20/ Erstausstrahlung am 23. Juni 1967)
mit: Gerd Baltus, Monika Berg, Almut Eggert, Wolfgang Büttner, Peter Arens, Peter Kuiper, Alfons Höckmann, Karl Heinz Hess u.a.
Drehbuch: Hans Wiese, Regie: Wolfgang Becker

Agenten wider Willen - denen begegnet man innerhalb der "Fünften Kolonne" zuhauf. Ein junges Paar, das jedoch bereitwillig mitmacht und keine Skrupel oder Zweifel hegt, sondern schon immer auf ein solches Angebot gewartet zu haben scheint - das gibt es selten. Horst Schurzheim, Familienvater, kehrt nach einem enttäuschenden Aufenthalt im Westen nach kurzer Zeit wieder in die DDR zurück und wird dort nicht etwa verhaftet, sondern man macht ihm das Angebot, sich um seine Scheidung zu kümmern, damit er seine Freundin Eva Minz heiraten und mit ihr nach Köln ausreisen kann. Diese ist von ihrer neuen Aufgabe als Spionin sehr angetan und findet sich schnell in der neuen Situation zurecht. Das Ehepaar Schurzheim belegt einen Kursus, in dem es für seine neue Tätigkeit geschult wird und überwacht und betreut fortan andere Kontaktpersonen, die für die "Zentrale" arbeiten. Eine wichtige Geheimnisträgerin ist die Büroangestellte Ingrid Lutz, die jedoch aufgrund einer persönlichen Beziehung von ihrer Spionage-Arbeit nicht überzeugt ist. Die beiden unterschiedlichen Frauen werden dem Zuseher in mehreren Szenen nähergebracht, wobei Eva Minz-Schurzheim die dominante Person ist. Fleißig und linientreu wittert sie schon früh die Gefahr einer Aufdeckung, hat dabei aber nicht an den Mitarbeiter der US-Library gedacht, der auf frischer Tat ertappt und erschossen wird. Die Kriminalpolizei ist nun gewarnt und lässt die ostdeutsche Mitarbeiterin Ingrid Lutz keinen Moment mehr aus den Augen. Die Observierung durch den Beamten der Polizei gestaltet sich zu einem spannenden Weg, an dessen Ende die Verhaftung der Gruppe steht. Die Motive für die Handlungsweise der jungen Frau werden nicht genannt. Ebensowenig gibt es Ausflüchte oder Rechtfertigungen des Ehepaars Schurzheim.
Monika Berg und Almut Eggert sind die beiden Pole der Episode, wobei es dem Zuseher überlassen bleibt, auf welche Seite er sich schlägt. Gerd Baltus, auf den sich die Geschichte zunächst zu konzentrieren scheint (die hübsche Einleitung als Staubsaugervertreter ist bald schon Vergangenheit), bleibt wenig mehr zu tun, als Mitteilungen zu notieren und die Beweggründe seiner Frau zu hinterfragen. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr rückt Ingrid Lutz in den Fokus. Die Antipathie, die Eva gegen sie hegt; die Überzeugung, dass man ihr in der Firma bereits misstraut und ihr letzter Versuch, sich einen Ausweg freizuhalten ("Willst du mich heiraten?") machen sie für den Zuschauer greifbarer als ihre unnahbare Rivalin. Die (männlichen) Machtkämpfe im Ostberliner Ministerium für Staatssicherheit sorgen für den endgültigen Todesstoß des Projekts, nachdem sich ein Mitarbeiter aus verletzter Eitelkeit an die westdeutsche Abwehr wendet und auspackt. Schlussendlich scheitert jede Aufgabe an den menschlichen Schwächen der beteiligten Personen. Selbst der diensttuende amerikanische Soldat bildet hier keine Ausnahme. Dies führt uns der spannend inszenierte "Fall Schurzheim" deutlich vor Augen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.06.2011 17:13
#51 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Stahlschrank SG III" (Folge 19/Erstausstrahlung am 15. Juli 1966)
mit: Hannes Messemer, Reinhard Glemnitz, Walter Wilz, Bettina Schön, Lieselotte Quilling, Alexander von Rosen, Walter Reichelt, Franz Josef Steffens, Edith Volkmann, Otto Stern u.a.
Drehbuch: Jan Tilman Kiwe, Regie: Rudolf Jugert

Im kriminalistischen Sinn interessant erscheint diese Episode, die den Spionagehintergrund bis auf die letzten Filmminuten an den Rande drängt. Die Geheimakte, die aus dem Tresor verschwindet, erfordert Recherchen, die weniger an den "Kalten Krieg" erinnern, als an eine Handlung, die ebensogut innerhalb des "Kriminalmuseums" oder -aufgrund der starken Präsenz von Reinhard Glemnitz - bei der Münchner Kripo untersucht werden könnte.
Der Fall spielt jedoch in Köln und das ausgerechnet zur Zeit des Karnevals. Zugeknöpfte Sekretärinnen können sich endlich austoben, Regierungsräte kehren mit einer Blume im Knopfloch an ihren Schreibtisch zurück und Geldschrankhersteller sinken nach tagelangen Sauftouren erschöpft in die Arme der Polizei. Fürwahr eine närrische Zeit!
Wie gut, dass Glemnitz und Wilz sachlich bleiben und nicht den Überblick verlieren. Sollen sich die anderen Büroangestellten ruhig unter die Gaukler mischen, wer einen klaren Kopf bewahren will, kommt um eine ordentliche Nachtruhe nicht herum. Für einigen Suspense sorgt Bettina Schön als Sekretärin ohne Geldnöte. Sie darf widerborstig und ausgelassen zugleich sein. Bei ihrem ersten Auftritt wirkt sie wie die unantastbare Eminenz der Firma und am Ende der Folge wie die femme fatale Irene Adler aus "Sherlock Holmes - Ein Skandal in Böhmen". Leider zerstreut sich die Jagd nach den Geheimakten zwischen Privatfeiern und Faschingsumzügen ein wenig (besonders die zunächst vielversprechende Szene an der Rheinfähre enttäuscht), was an den Nerven der Zuseher zehrt, die nicht in Köln zuhause sind und Büttenrednern und Funkemariechen nichts abgewinnen können. Unter diesen Umständen fällt es ein wenig schwer, den Täter zu akzeptieren. Er sieht in seiner Maske ohnehin wie einer der Panzerknacker aus; sein Geständnis wird nur durch die spannenden letzten Minuten abgemildert, in denen sich vor allem Walter Wilz als besonnen hervortut. Der hübscheste junge Mann der Edgar-Wallace-Serie, erhielt u.a. in den Reihen "Kriminalmuseum" und "Intercontinental-Express" weitere Rollen. Er machte stets den Eindruck, als wahre er ein Geheimnis. Seltsam, dass er bereits Mitte der Siebziger Jahre vom Bildschirm verschwand. Und Anfang der Achtziger Jahre von dieser Welt.
Fazit: Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine solide Folge, der ein paar kleine Schnitte hie und da nicht geschadet hätten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

22.06.2011 20:41
#52 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Mord auf Befehl" (Folge 15/ Erstausstrahlung am 21. Juni 1966)
mit: Josef Fröhlich, Emely Reuer, Hans Schellbach, Siegfried Wischnewski, Peter Martin Urtel, Max Strassberg, Joachim Schneider, Otto Friebel
Drehbuch: Alex Berg, Regie: Rudolf Jugert

Wie es der Zufall will, habe ich mir diese Episode genau 45 Jahre nach deren Erstsendung angesehen. Eines gleich vorweg: Die Serie vermag den heutigen Zuseher noch ebenso zu fesseln, wie das Publikum der Sechziger Jahre. Diesmal geht es um die Gewissensbisse und Ängste eines Auftragsmörders; eines Mannes, über dessen Herkunft und Vergangenheit wir nichts erfahren, der uns aber nach und nach auf seine Seite bringen kann. Josef Fröhlich wirkt auf den ersten Blick linkisch und unscheinbar, spielt sein Talent jedoch im Laufe der Handlung zur Gänze aus und bringt im Zusammenspiel mit Emely Reuer eine beeindruckende, sehr menschliche Komponente in die sterilen Vorgänge seines Lebensumfeldes. Hans Schellbach, der gemütliche Inspektor Lestrade aus "Sherlock Holmes" (mit Erich Schellow), agiert als Verbindungsmann Sergej zwischen dem Auftraggeber Alexej und seinem Schützling, den er aufgebaut hat und der eine vielversprechende Laufbahn vor sich hat. Sein Spiel steigert sich von Stolz über den gelehrigen Schüler, über Misstrauen ob dessen Zweifel bis zur Ohnmacht, als sich herausstellt, dass er die Selbstbeherrschung von Bogdan Staschynskij weit überschätzt hat. Siegfried Wischnewski, kalt wie eine Hundeschnauze, traut dem jungen Mann von Anfang an nicht. Er weiß, wie Gefühle den Verstand beeinflussen und das Mitgefühl den Willen eines Menschen blockieren kann.
Mit klaren Worten umschreibt Staschynskij seine quälenden Gedanken, seine Unruhe, die grausame Präsenz seiner Selbstzweifel, die nicht einmal der Schlaf zur Gänze ausschalten kann - wenn auch nur vorübergehend. Wir erleben das Zögern im Augenblick der Exekution; fühlen das Herzrasen und den kalten Schweiß, der ihn befällt; atmen erleichtert auf, als er sich in die Sicherheitszone des Parks begibt und wissen doch genau, dass es für ihn keine Ruhe geben wird, da er bereits zu tief in die Machenschaften des Geheimdienstes verstrickt ist. Als ausgleichendes Element und wohltuender Ruhepol zeigt Emely Reuer einen Ausweg auf, an dessen Gelingen man schon gar nicht mehr geglaubt hat. Die Schauplätze zeugen von der grauen Tristesse des Lebens im Osten und von der Hektik und unpersönlichen Geschäftigkeit im Westen. Die Mordopfer bleiben anonym, auch wenn wir ein paar Fakten über sie erfahren und ihre Gesichter sehen. Im Mittelpunkt steht der gedungene Mörder, der sich zwischen Pflichterfüllung, Gehorsam und Schuldgefühlen aufreibt.
Ein ungewöhnliches Psychogramm eines Mannes, der gleichzeitig Täter und Opfer ist und dessen Innenleben in überzeugender Weise wiedergegeben wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

22.06.2011 21:09
#53 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister
Erstausstrahlung am 21. Juni 1966
Wie es der Zufall will, habe ich mir diese Episode genau 45 Jahre nach deren Erstsendung angesehen.


Ich glaube, dieser schöne Zufall ist doch nicht so lupenrein wie gedacht. Für die Erstsendung von "Mord nach Befehl" kursiert neben dem 21. Juni 1966 nämlich auch der 21. Januar 1966, der mir weit wahrscheinlicher vorkommt. Es ist zu bedenken, dass Folge 16 (Die ägyptische Katze) bereits am 25. März 1966 gezeigt wurde, sodass Folge 15 zwangsläufig schon vorher im Fernsehen gelaufen sein muss. Ein Widerspruch des Booklets, der auf eine Verwendung der entsprechenden "falschen" (?) IMDB-Daten schließen lässt. Bei Georgs Mitarbeit eigentlich merkwürdig, denn die vertrauenswürdigere Januar-Variante ist auf seiner Homepage zu finden.

Georg Offline




Beiträge: 3.067

22.06.2011 21:29
#54 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Hab nochmals nachgesehen: die Erstsendung war natürlich am 21.01.1966!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

29.06.2011 20:12
#55 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Sonnenblumenweg 7" (Folge 22/ Erstausstrahlung am 19. Mai 1968)
mit: Siegfried Wischnewski, Sigurd Fitzek, Ernst von Klipstein, Kurd Pieritz, Horst Naumann, Georg Hartmann, Eva Maria Meineke, Detlof Krüger, Herbert Tiede, Otto Stern, Christian Riedel u.a.
Drehbuch: Rolf und Alexandra Becker, Regie: Erich Neureuther

Locker und leicht gestaltet sich dieses Abenteuer um Oberinspektor Brinkhoff vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Er erhält den Auftrag, undercover bei einem kleinen Flugverein zu ermitteln, Kontakte zu knüpfen und, wenn möglich, durch Aufnahme in den Club an Insiderinformationen zu gelangen. Wieder einmal geht es um Spionage, die sich diesmal in einer Pension zuträgt. Durch eine glänzend ausgetüftelte Abhöranlage ist es der Inhaberin möglich, vertrauliche Gespräche ihrer Gäste mitzuhören. Eva Maria Meineke macht dabei einen ebenso harmlosen Eindruck wie in ihrer Rolle in der Episode "Ballgeflüster" ("Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger", Box 1). Durch die winterliche Landschaft, die Abgelegenheit des Flugplatzes und die Konzentration auf eine überschaubare Altherrenrunde, die von den "guten alten Kriegstagen" schwärmt, gelingt es der Geschichte, den Faden nie zu verlieren und alle Schritte der Beteiligten nachvollziehbar zu machen. Die Nachtszenen in Brinkhoffs Quartier erhalten durch das angebliche Misstrauen des Flugkameraden Brinkmann Suspense. Oftmals glaubt man, der Inspektor stehe kurz davor, enttarnt zu werden. Jedes Mal gibt es jedoch eine Atempause, gerne auch in Form eines Gesprächs mit dem hier vergnügt aufspielenden Sigurd Fitzek, den man ansonsten eher ernst und mürrisch kennt. Mut und Geschicklichkeit kann Wischnewski gegen Ende der Episode beweisen, als er tollkühn auf eine startende Maschine aufspringt und den Piloten zur Landung zwingt. Kurzum: Eine spannende Geschichte voller Optimismus (was bei dem Hintergrund der Serie die Ausnahme ist), die sich durch die Lebendigkeit in Darstellung und Ablauf auch für Kritiker der Reihe empfiehlt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

29.06.2011 21:16
#56 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Eine Million auf Nummernkonto" (Folge 23/ Erstausstrahlung am 11. Oktober 1968)
mit: Carl Lange, Almut Eggert, Gerhard Just, Peter Oehme, Heinz Weiss, Ulrich Matschoss, Wolf Richards, Gert Günther Hoffmann, Berno Cramm, Thomas Reiner, Kitty de Bruyn u.a.
Drehbuch: Alexander May, Regie: Erich Neureuther

Gelang es Regisseur Erich Neureuther in der Vorgängerfolge noch, spannende Unterhaltung zu schaffen, so kann diese Episode damit leider nicht dienen. Vielleicht liegt es daran, dass ein spritziges Drehbuch fehlte, oder, dass die versierten Rolf und Alexandra Becker diesmal nicht mit von der Partie waren; jedenfalls gestaltet sich dieser Fall äußerst zäh und uninteressant. Hätte ein prominentes Darsteller-Ensemble hier noch etwas retten können? Bezeichnenderweise sind gerade die Szenen mit Wallace-Star Carl Lange von überzeugender Intensität, während es dem Zuseher schwerfällt, zu überblicken, welcher Unsympath hier zu den Guten oder den Bösen gehört. Kleine Wanninger-Chargen geben sich die Klinke in die Hand: Peter Oeme, besser bekannt als Heiratsschwindler Baron von Wellensee ("Süßigkeiten") und Wolf Richards ("Die Traumreise") versuchen ihr Bestes, doch die Handlung bleibt langwierig und fade. Die Erpressung von Heinz Weiss wegen ungerechtfertigten Führens eines Akademikertitels (damals wie heute aktuell), hätte viel mehr Potenzial hergegeben; dem Suspenseballon geht jedoch rasch die Luft aus. Das Finale auf der Baustelle bildet einen schwachen Abschluss dieser unausgegorenen Episode. Einige gute Einfälle (Wirtschaftsspionage, die im Kleid eines Reporters daherkommt) machen noch lange keine starke Folge. Eine zusätzliche Szene mit Carl Lange in der Klinik hätte den Fall ein wenig abgerundet. By the way: Wer stellt sich einen so billig aussehenden Kunststoffsessel ins Wohnzimmer? Die Hautevolee, die in der Werbekampagne angesprochen wird, wohl kaum. Dies beweist die Gesellschaft bei Dr. Buchers Verlobung, die sich konservativ auf dem Ledersofa versammelt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

10.07.2011 13:39
#57 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Bewertet: "Ein Anruf aus der Zone" (Folge 21/ Erstausstrahlung am 15. Dezember 1967)
mit: Joachim Hansen, Katinka Hoffmann, Wolfgang Völz, Werner Kreindl, Deanna Lynn, Wolfgang Engels, Dieter Eppler, Hans Korte, Ernst v. Klipstein, Karl Walter Diess, Siegfried Rauch, Horst Sachtleben u.a.
Drehbuch: Fritz Böttger, Regie: Helmuth Ashley

In gewisser Hinsicht erinnert die Episode an "Die ägyptische Katze". Joachim Hansen, ein Bilderbuchoffizier, leistet sich ein teures Hobby: schnelle Sportwagen. Der Rausch der Geschwindigkeit hält ihn auch in seiner Freizeit im Bann, während sein Vater in Rostock einen bescheidenen Fotoladen führt und gerne pünktlich Feierabend macht. Bald schon kreuzen sich die Wege von Hansen und Katinka Hoffmann, was zu einer Reihe von netten Ausflügen (u.a. mit dem fröhlichen Wolfgang Völz) führt, wobei der Zuseher genau weiß, dass alles nur Kalkül ist. Dennoch wirkt die Heimkehr Hansens aus Schottland mit einer frisch angetrauten Ehefrau ernüchternd auf das Publikum, das insgeheim findet, dass Hoffmann und Hansen weitaus besser zusammenpassen würden. Mit dieser Wendung verliert die Geschichte ein wenig. Wie unüberlegt Karl Heinz Werner gehandelt hat, wird spätestens im Finale klar, als seine Frau von ihm an der Tankstelle stehengelassen wird.
Das Staraufgebot ist enorm und stellt jeden Akteur an den Platz, der laut Meinung der Öffentlichkeit für ihn reserviert ist: Hansen in der Rolle des gutaussehenden, tüchtigen und ehrgeizigen Saubermanns; Hoffmann als smarte, kluge und Situationen schnell erfassende moderne Frau; Kreindl als kalter Rechner; Eppler als kleiner Ganove, Völz als jovialer Mittelpunkt jeder Gesellschaft und Engels als furchtsamer einfacher Mann.
Das Flair, das die handelnden Personen umgibt, reicht von hanseatischer Frischluft mit schweren Kreuzern und schnellen Fliegern, bis zum engen Hinterhofladen im grauen Rostock, dessen Aufnahmen wirken, als seien sie absichtlich in schlechterer Bildqualität fotografiert worden.
Das spannende Finale zeigt einmal mehr die gut koordinierte Arbeit der Polizei und lässt einen Hauptdarsteller zurück, der zu hoch gepokert hat und nun vor den Scherben seines Lebens steht.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

10.07.2011 14:09
#58 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Wertung nach Punkten für die Episoden der zweiten Box:

- Folge 13 Ein Mann namens Pavlow: 2 Punkte
- Folge 14 Besuch von drüben: 4,5 Punkte
- Folge 15 Mord auf Befehl: 4 Punkte
- Folge 16 Die ägyptische Katze: 4 Punkte
- Folge 17 Das verräterische Licht: 4,5 Punkte
- Folge 18 Ein Auftrag für.....: 5 Punkte
- Folge 19 Stahlschrank SG III: 3 Punkte
- Folge 20 Der Fall Schurzheim: 4 Punkte
- Folge 21 Ein Anruf aus der Zone: 3,5 Punkte
- Folge 22 Sonnenblumenweg 7: 5 Punkte
- Folge 23 Eine Million auf Nummernkonto: 2,5 Punkte

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

10.07.2011 14:26
#59 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

Ich habe zwischenzeitlich meinen ersten „fünfte Kolonne“-Marathon ebenfalls beendet. Müsste ich meine Serien-Top-3 heraussuchen, würde meine Wahl wahrscheinlich auf folgende Episoden fallen:

Null Uhr Hauptbahnhof – Psychologisch starker Nervenkitzel ohne Ablenkung durch Effekthaschereien oder unnötige Schauplatzwechsel. Das Finale ist absolut überzeugend.
Schattenspiel – Eva Pflug trägt diese Folge mit Bravour und gerät ebenso wie ihre Vorgängerin in Episode 3 in eine ganze Menge brenzliger Situationen. Hitchcock lässt grüßen.
Der Gast – Die Wandlung eines Menschen vom Freund zum Feind und die Reaktion seines Umfelds machen diese Folge mit dem unvergesslichen Heinz Engelmann zu einem Highlight.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

10.07.2011 20:10
#60 RE: Die fünfte Kolonne (1963-68, TV) Zitat · Antworten

"Führt man sich heutzutage einen knalligen Spionagethriller aus den guten alten Tagen des Kalten Krieges zu Gemüte [...], spielt Nostalgie eine gewisse Rolle." (Ulrich von Berg in seinem Verriss von "Torn Curtain" in "Alfred Hitchcock" von Lars-Olav Beier und Georg Seeßlen, Bertz-Verlag)

Aus Gründen der Nostalgie kaufte auch ich mir blind zunächst die erste Box der Reihe "Die fünfte Kolonne". Sie versprach ein Wiedersehen mit den bekannten Darstellern der Sechziger Jahre, die Arbeit guter Regisseure und eine semidokumentarische Aufarbeitung eines Themas, das geheimnisvolle Schrecken verhieß, die im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg in der Filmlandschaft noch nicht in allen Einzelheiten aufgearbeitet worden waren.
Es gibt Parallelen zum "Kriminalmuseum"; wechseln die Ermittler bzw. die Beamten der Staatsorgane doch mit jeder Episode, wobei das Verbrechen im Mittelpunkt steht. Ideologien und Propaganda bestimmen teils mehr, teils weniger das Geschehen. In manchen Folgen ist der Spionagehintergrund so dezent, dass er kaum auffällt.
Die Entscheidung, auch die zweite Box zu kaufen, ließ deshalb nicht lange auf sich warten. Viele Schauspieler aus der zweiten Reihe kommen hier zum Zug und dürfen zeigen, was sie können. Es fällt mir alles andere als leicht, meine TOP 3 zu küren, denn es gibt viele denkwürdige Momente innerhalb der Serie:
Grit Boettchers stumme Verzweiflung am Ende von "Ein Auftrag für...."; Eva Pflugs Umarmung ihres ahnungslosen Gatten Axel von Ambesser in einem Augenblick der Stille ("Schattenspiel"); Ingrid Andrees leerer Blick im Bus, der sie vom "Verräterischen Licht" direkt in die Unendlichkeit bringen wird; Hellmut Langes rasende Wut, als er erfährt, dass auch seine Partnerin im "Zwielicht" steht; Eva Ingeborg Scholz' Misstrauen gegenüber jedem Reisenden in "Null Uhr Hauptbahnhof", Fritz Weppers Beklemmung, als sich der Panzer ihm nähert ("Besuch von drüben") und Josef Fröhlichs Angstattacken in "Mord auf Befehl".
Nichtsdestotrotz wähle ich folgende Episoden zu meinen Favoriten:

"Das gelbe Paket" (Folge 2/ 1963) Packende Spannung mit einem dynamischen Hellmut Lange, der im Zusammenspiel mit Harry Meyen und Wolfgang Preiss für Action sorgt.
"Schattenspiel" (Folge 4/ 1964) Eva Pflugs Alleingang gegen feiste Erpresser und fiese Mörder.
"Zwielicht" (Folge 10/ 1965) Spionage auf höchstem Niveau. Stilvolles Porträt zweier Agenten, deren Beziehung zueinander für überraschende Wendungen sorgt.

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