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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

15.03.2020 17:30
Lachen erlaubt: Komödien von damals (Rühmann, Lingen, Moser u.a.) Zitat · Antworten



Ungeküsst soll man nicht schlafen geh’n (Wer zuletzt küsst ...)

Verwechslungskomödie, AT 1935/36. Regie: E.W. Emo. Drehbuch: Fritz Koselka. Mit: Heinz Rühmann (Franz Angerer), Liane Haid (Edda Vivian), Hans Moser (Direktor Fritz Wiesinger), Annie Rosar (Lydia, seine Frau), Susi Lanner (Dorrit, deren Tochter), Theo Lingen (Toni Miller), Iván Petrovich (Prinz Carlo Alba), Karl Hellmer (Ferdinand Unterleitner), Fritz Lafontaine (Gast beim Wohltätigkeitsball), Robert Stolz (Dirigent im Tonstudio) u.a. Uraufführung: 27. Februar 1936. Eine Produktion der Projectograph-Film Wien für die Kiba-Kinobetriebsanstalt Wien.

Zitat von Ungeküsst soll man nicht schlafen geh’n
Eigentlich hatte sich Franz Angerer auf ruhige Semesterferien bei seinem Onkel gefreut, der Diener bei Schallplattenproduzent Fritz Wiesinger ist. Durch eine Verwechslung hält Wiesingers Tochter Dorrit den schüchternen Studenten für einen Agenten des berühmten Film- und Schlagerstars Edda Vivian und lädt ihn auf einen Wohltätigkeitsball ein, auf dem ein Kuss der gefragten Prominenten höchstbietend versteigert werden soll. Erneut mischt das Schicksal die Karten, als plötzlich der ausnehmend harmlose Franz als Höchstbietender bei der pikanten Auktion dasteht und Edda Vivians Manager vermutet, es könne sich bei ihm um ihren heimlichen Liebhaber Prinz Alba handeln ...


Für Liebhaber der leichten Muse ist „Ungeküsst soll man nicht schlafen geh’n“ gleich in mehrfacher Hinsicht unverzichtbares Pflichtprogramm: Erstens präsentiert sich der Film inhaltlich als formvollendetes Musterbeispiel einer Verwechslungskomödie. Auch wenn es sich bei Weitem nicht um den ersten Vertreter dieses Genres handelt, so wurde die Klaviatur der hanebüchenen Missverständnisse und Fehlannahmen selten in so schöner Reinform bespielt. Was dem armen Franz Angerer im Laufe der Filmhandlung an Zweit- und Drittidentitäten übergestülpt wird, zeugt von einer lebhaften Fantasie des Drehbuchautors, lässt die Spielzeit trotz diverser Gesangseinlagen wie im Fluge vergehen und animierte bis in die 1960er Jahre zahlreiche Nachahmer. Zweitens ist es eben gerade jene Schlagerseligkeit, die dem Film ein weiteres Charakteristikum verleiht. Als österreichische Produktion ist man mit der Komödie naturgemäß recht nachsichtig, wenn sie das Lokalkolorit der Wiener Ballgesellschaften etwas über Gebühr strapaziert und damit ein feierliches Bild der Hautevolee vergangener Tage zeichnet.

Drittens macht schon die Besetzung den Streifen zu etwas Besonderem: Gleich alle drei damaligen Komödienstars – Heinz Rühmann, Theo Lingen und Hans Moser – versammeln sich hier in fraglosen Paraderollen. Obschon insbesondere der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Lingen und Moser insgesamt nicht weniger als 26 Kollaborationen entsprangen, kam diese dreifache „Giganten“-Konzentration seinerzeit nur in den drei E.W.-Emo-Lustspielen „Der Himmel auf Erden“ (1935), hier in „Ungeküsst soll man nicht schlafen geh’n“ und in „Der Mann, von dem man spricht“ (1937) vor. Nach dem Krieg wärmte dann ausschließlich „Wir werden das Kind schon schaukeln“ (1952) die Konstellation noch einmal auf. Per definitionem agiert Heinz Rühmann als einziger Otto Normalverbraucher in einer Welt beinahe Verrückter, zu deren Spielball er wird. Doch seine Rolle ist keineswegs passiv: Von der reizenden Susi Lanner einmal angestubst, zeigt Rühmann beachtliche Kavaliersambitionen, die durch den Strudel der Ereignisse auf eine ernste (nein: eigentlich heitere) Probe gestellt werden. Theo Lingen erhielt als Manager von Liane Haid eine kleinere Rolle, füllt sie aber mit der aus seinen Darstellungen gewohnten Blasierheit und Egomanie aus. Als Zampano der Produktion freilich erweist sich Hans Moser – wienernd, zerstreut, cholerisch und demütig seinem Gattinnendrachen Annie Rosar gegenüber zieht der gedrungene Darsteller alle Register seines Könnens, darf Spiegel zerbrechen, jauchzend über Klavierhocker springen und stellenweise dann auch den Pantoffelhelden mimen.

Als Profi im Bereich des Unterhaltungskinos setzte E.W. Emo alle Bausteine dieser Produktion gekonnt zusammen. Auch in detailverliebter Ausstattung und statistenüberfluteten Großszenen wirkt „Ungeküsst soll man nicht schlafen geh’n“ überaus gelungen. Einen Abbruch tun dem Gesamteindruck lediglich der etwas repititive Einsatz der Gesangsnummern sowie die puppenhaft hergezeigte Liane Haid, die sich in einer späten Phase ihrer Karriere offenbar etwas unterfordert von der Rolle der Edda Vivian fand und eher gezwungen in die Kamera lächelt. Wenn das jedoch das größte Übel des Streifens ist, kann man sich unterm Strich sicher sein, damit einen unterhaltsamen und qualitativ hochwertigen Griff getan zu haben – hinter den großen amerikanischen Screwball Comedies braucht sich das Werk jedenfalls nicht zu verstecken.

Franz Angerer spricht sieben Sprachen und bekommt im Handumdrehen auch gefühlte sieben Identitäten aufoktroyiert. Das ist natürlich seicht und substanzlos, aber auch enorm lustig mitanzusehen, zumal die Besetzung mit Rühmann, Lingen und Moser mit Fug und Recht das Beste verspricht. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.255

22.03.2020 08:15
#2 RE: Lachen erlaubt: Komödien von damals (Rühmann, Lingen, Moser u.a.) Zitat · Antworten



Ich mach’ dich glücklich

Liebeskomödie, BRD 1949. Regie: Alexander von Szlatinay. Drehbuch: Tibor Yost (Vorlage „Boldoggá teszlek“: Gábor von Vaszary). Mit: Heinz Rühmann (Peter Krüger), Hertha Feiler (Barbara Meinert), Karl Schönböck (Viktor), Dorit Kreysler (Vera), Hans Leibelt (Zeitungsverleger Meinert), Margarete Haagen (Frau Geheimrat), Rudolf Schündler (Reporter Stock), Jochen Hauer (Zeitungsverleger Stöger), Lotte Stein (Veras Mutter), Fritz Kampers (Veras Vater) u.a. Uraufführung: 20. Januar 1950. Eine Produktion der Comedia-Filmgesellschaft München im Schorcht-Filmverleih München.

Zitat von Ich mach’ dich glücklich
Soeben ist Peter Krüger mit dem Undercover-Interview mit dem Maharadscha ein journalistisches Kunststück erster Klasse gelungen. Trotzdem wird er in hohem Bogen gefeuert, weil er sich mit der Tochter des Chefs in die Haare bekommen hat. Die querköpfige Barbara Meinert hat sich nämlich zur fixen Idee gemacht, den Reporter glücklich zu machen. Dumm nur, dass alles, was sie anfasst, schiefläuft: Binnen Stunden verliert Peter durch sie nicht nur seine Anstellung, sondern auch seine Verlobte und eine Menge Geld. Und Barbaras Versuche, die Sache wieder geradezubiegen, machen die Situation nur noch auswegloser. Doch vielleicht erwächst aus der verfahrenen Lage doch noch etwas Positives ...


Bedenkt man, dass Heinz Rühmann und seine Ehefrau Hertha Feiler 1941 schon im Film „Hauptsache glücklich!“ Seit an Seit gespielt hatten, so wirkt die Titelgebung für Rühmanns 1949er-Filmprojekt vielleicht etwas redundant. Im Kontext des Films passt sie aber hervorragend, denn die Versuche der verwöhnten Verlegertochter, mit Geld und unerwünschter Einmischung ihr selbst zerschlagenes Porzellan wieder zu kitten, untermalt Hertha Feiler mit einem immer bockiger werdenden „Ich will Sie aber glücklich machen!“ Die gesamte Komödie ist folglich als ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem genervten Reporter und seiner anhänglichen (Un-)Glücksbringerin ausgestaltet, die auf die Idee einer Wohltat überhaupt nur aus Anlass ihres Geburtstages verfallen ist. Man merkt nicht, dass dem recht universellen Stoff eine ungarische Vorlage zugrundeliegt – höchstens vielleicht noch daran, dass der Humor recht schwer einzuklassifizieren ist: Es handelt sich weder um feine, kultivierte Ironie noch um plumpen, körperlichen Klamauk, sondern um ein Zwischenstück aus beidem, das weder besonders anspruchsvoll noch besonders abgehalftert daherkommt – eine Mischung, von der man sich durchaus unterhalten und einige Male auch zum herzhaften Lachen anregen lassen kann.

Konsequenterweise verpflichtete Rühmann, der über die Comedia selbst als Produzent seines Werkes agierte, ein ungarisches Team für Drehbuchadaption und Regie. Die Handschrift, die die beiden Herren mitbringen, ist absolut konventionell, auch wenn beide erst seit dem Herstellungsjahr 1949 in der deutschen Filmbranche Fuß fassten und insbesondere Alexander von Szlatinay als „bunter Hund“ mit Ambitionen im Spielleiter- und Komponistenbereich es nur auf fünf Filmbeteiligungen im hiesigen Raum brachte. Vielleicht wirkt seine Filmsprache hier und da etwas ungelenk, was gerade auch den knappen szenischen Mitteln oder gewagten modischen Verfehlungen der Nachkriegszeit geschuldet sein dürfte; in Bezug auf die Schauspielerführung kann man ihm aber keine Defizite unterstellen: Rühmann und Feiler demonstrieren ein brillierendes Funkeln in ihrer Interaktion, Karl Schönböck und Dorit Kreysler zeigen sich von gewollt unschönen Seiten und gerade auch der sonst so ruhige Hans Leibelt beweist, welches komödiantische Können doch in ihm steckt.

Natürlich darf die Odyssee für Reporter Peter Krüger und Wohlstandsmieze Barbara Meinert nicht zu simpel verlaufen. Damit genug Hindernisse im Wege stehen, gibt es beiderseits kratzbürstige Verlobte und auch jeweils eine gehörige Portion persönlichen Stolz, welche das Happy End filmwirksam hinauszögern. Sogar eine Eheschließung zum Schein wird nicht ausgelassen, nach der sich die beiden Protagonisten noch immer siezen und einander das Leben möglichst schwer machen wollen. Der Wandel von einer Neckerei zur echten Liebesehe vollzieht sich in den letzten Minuten jedoch allzu schnell und es ist nur erneut der Chemie zwischen Rühmann und Feiler zu verdanken, dass man bei diesem Schlusssprint übersieht, wie zwei andere Figuren für ihr gemeinsames Glück zur Seite gestoßen werden. Vielleicht steckt darin unterschwellig auch eine typische Botschaft des Nachkriegskinos, Altlasten abzuwerfen und sich nicht zu scheuen, neue Wege einzuschlagen.

Einigermaßen turbulente Romanze mit pfiffiger Witzeverkettung, die von ihren perfekt aufeinander abgestimmten Hauptdarstellern lebt. Der Regisseur bringt sie zum Strahlen, fährt aber sonst mit angezogener Handbremse, sodass es auch für Cinema und Filmdienst nur zu den Prädikaten „nett“, „unbeschwert“ und „ansprechend“ reichte. 3,5 von 5 Punkten.

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