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Dieses Thema hat 43 Antworten
und wurde 3.914 mal aufgerufen
 Giallo Forum
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Georg Offline




Beiträge: 2.773

26.09.2011 11:38
#31 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Die Richtungstafeln zeigen einmal Richung Würzburg, ja. Und im italienischen Original ist von 1962 - und nicht von 1972 - die Rede.

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

26.09.2011 12:53
#32 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #31
Und im italienischen Original ist von 1962 - und nicht von 1972 - die Rede.

Aha. In der Zeitung, die Schündler am Anfang liest, steht, glaube ich, der 4.9.1972 drin. Auch rechnerisch kommen wir meines Erachtens auf das Jahr 1972 (in der deutschen Fassung). Leider kann ich kein Italienisch.

Georg Offline




Beiträge: 2.773

26.09.2011 19:01
#33 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Rudolf Schündler sagt, dass sich die Morde in 14 Jahren, genau im Jahre 1972, wiederholen werden: "fra 14 anni, esattamente nel millenovecentosettantadue". Damit spielt die Eingangssequenz 1958 und der Rest 1972. Da hatte ich mich doch tatsächlich verhört!

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

30.09.2011 07:39
#34 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Ich habe auch den Film nochmal zu Rate gezogen und dabei erneut den Fehler in der deutschen Fassung bei der Testamentseröffnung festgestellt. @Georg: Kannst du das bitte in der italienischen Fassung mal prüfen? Laut Film stirbt Schündler am 6. April 1972 und vorgelesen wird ein Testament, "verfügt von Tobias Wildenbrück ... 1974" (ist etwas unstimmig ).

Weiterhin zur Frage, wo das Ganze spielt: Hierzu stellte ich fest, dass uns die Kennzeichen der Wagen nicht wirklich weiterhelfen. Habe hauptsächlich die Kennzeichen Karlsruhe und Stuttgart entdeckt. Laut den Verkehrsschildern scheint sich der Film wohl in der Nähe bzw. in Würzburg abzuspielen (ggf. etwas nördlich davon). Auch wenn teils nur sehr unscharf im Film, kann man einige Schilder auf der Fahrt im Transporter mit Leonora sehr gut erkennen (Schild zeigt: Straße Richtung Würzburg, Abzweig Richtung Lengfeld Gewerbezentrum; sowie an der Brücke "Autohaus Georg, Würzburg"). Am Kreisverkehr stehen noch mehrere Ausschilderungen (in eine Richtung zeigend), die ich bislang noch nicht ganz entziffern konnte. Sollte sich aber um ein Schild mit "Autobahn Richtung Kassel (A7) und Nürnberg (A3)" sowie Straße Richtung Bamberg (?) handeln ...

Georg Offline




Beiträge: 2.773

02.10.2011 11:49
#35 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Habe eben nochmal in der italienischen Fassung nachgesehen. Der Notar verliest ein Testament, dass am 12. Jänner 1972 verfasst wurde. Bei 1974 muss es sich natürlich um einen Synchronfehler handeln.

Durch die verschiedenen Kennzeichen wollte man wohl bewusst den Drehort "neutralisieren". Es dürfte sich aber um die von dir beschriebene Gegend in Franken handeln. Würzburg kenne ich zwar, es ist aber über 20 Jahre her, dass ich dort war.

Peitschenmönch Offline




Beiträge: 534

20.01.2012 19:05
#36 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Eigentlich ein ziemlich guter Film, der das Trauma der wirren Killer-Frau ähnlich gut bedient wie "The Child - Die Stadt wird zum Alptraum". Allerdings hätte die Regie ein bisschen artifizieller im Sinne von Ercoli, Martino, Argento oder Carnimeo sein dürfen. Die Rolle von Barbara Bouchet ist mir für einen Giallo zu wallace-mäßig, zu naiv. Ab einem bestimmten Punkt, vor allem im Finale, nervt das nur noch.

Darüber hinaus ist das einer dieser Filme, bei denen am Ende nur noch einer übrig bleibt, der als Täter in Frage kommt, weil alle anderen sterben oder aus anderen Gründen ausscheiden. Sowas kann ich nicht leiden - zumal ich das Täterrätsel hier ohnehin als recht vorhersehbar empfunden habe.

wurzburger Offline




Beiträge: 2

11.10.2012 20:16
#37 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Als Drehorte für "Die rote Dame" konnte ich folgendes lokalisieren:

Wildenbrück:
- Schloss Neuenstein in Neuenstein (Hohenlohekreis)
- Schloss Weikersheim in Weikersheim (Main-Tauber-Kreis)

Letze Szene:
- Der Sanka verschwindet im Tor von Schäftersheim (Main-Tauber-Kreis)

Drehorte in Würzburg:
- Residenz Würzburg* mit Residenzplatz*, Hofgarten* und Rosenbachpalais
- Balthasar-Neumann-Promenade
- Schönbornstrasse, Domstraße (heute Fußgängerzone)
- Alte Mainbrücke* (heute für KFZ gesperrt)
- Friedensbrücke
- Städtisches Theater = im Film Firma „Springe“
- Ringpark nähe Bahnhof
- B19 „Greinberg“ mit Uni-Klinik im Hintergrund
- Abfahrt Lengfeld (heute real, Media-Markt, Hornbach, IKEA)
- Kreisverkehr: Berliner Ring (bis heute fast unverändert)

*) Hier wurde 2011 auch „Die drei Musketiere“ gedreht.

Weitere Drehorte versuche ich noch herauszubekommen!

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

25.06.2013 00:02
#38 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten



THE RED QUEEN KILLS SEVEN TIMES / LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE (1972)

mit Barbara Bouchet, Ugo Pagliai, Marina Malfatti, Mariano Masè, Nino Korda, Maria Pia Giancaro, Rudolf Schündler und Sybil Danning
ein Film von Emilio Miraglia



»Ich bin zurückgekommen um mich zu rächen!«


Eine alte Legende erzählt von einer schwarzen Königin, die die rote Königin, ihre Schwester, im Streit töten wird. Doch letztere wird nicht in ihrem Grab ruhen, sondern zurückkehren und sieben Menschen umbringen. Ihr letztes Opfer wird die verhasste Schwester sein. Die beiden Schwester Kitty und Evelyn sind seit jüngster Kindheit zerstritten. Bei einem Handgemenge passiert ein Unfall und Evelyn stirbt. Um den Totschlag zu vertuschen, wird die Leiche im Kellergewölbe versteckt und angegeben, dass Evelyn spurlos in den USA verschwunden sei. Als in Kittys Umgebung plötzlich Morde geschehen, steht die Polizei vor einem Rätsel. Alle Indizien deuten auf Kittys Liebhaber, ihren Boss Martin Hoffmann. Die Zeugen sprechen jedoch von einer Frau im roten Umhang, die Evelyn zum verwechseln ähnlich sieht... [Zitat "The Red Queen Kills Seven Times", erschienen bei Eyecatcher Movies]

Die erneute Sichtung von Emilio Miraglias Beitrag bestätigte den bestehenden Gesamteindruck, denn mir kam "Die rote Dame" trotz des so klassischen Charakters schon immer etwas eigenartig vor. Diese Bezeichnung soll eigentlich überhaupt nichts an den Vorzügen und Qualitäten dieser Produktion herunterspielen, aber dennoch hinterlässt mich der Film wieder einmal ohne deutliche Position. Die Geschichte ist spannend genug, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, die Inszenierung wartet mit allerlei effektiven Zutaten auf, die von einer unheimlichen Legende über eine Erbschaft, bis hin zu mysteriösen Geschehnissen und dem Auftauchen einer tot geglaubten gehen, außerdem ereignen sich grausame Markenzeichen-Morde, die überaus eindringlich dargestellt wurden. Was lässt mich aber im Endeffekt so unschlüssig zurück? Dem Empfinden nach ist die Geschichte zwar gut nachvollziehbar und in Fragmenten auch logisch aufgebaut, dennoch entstand wieder einmal zu häufig der Eindruck, dass sich ein diffuses, verworrenes Element immer wieder durchsetzen konnte. Die Auswirkungen zeigen sich vor allem an der Orientierung innerhalb des Geschehens, was am gravierendsten bei den beteiligten Personen auffällt, die teils durch charakterliche Unschärfe auffallen und man gewisse Konstellationen einfach nicht genügend durchschaut. Im Endeffekt nehme ich diese Tatsache als Anzeichen dafür, dass mich die Geschichte nicht in gewünschtem Maße bei konstanter Aufmerksamkeit halten konnte, bei konstant-guter Laune allerdings ohne jeden Zweifel. Erwähnt wurde hier bereits, dass man einen gewissen Wallace-Einschlag durchaus verspüren kann, was sich spätestens beim Finale zum übergroßen Déjà-vu entwickelt, denn man muss unweigerlich an "Der grüne Bogenschütze" denken; rein inszenatorisch wohlgemerkt. Alleine von daher wirkt dieser Film schon sehr vertraut und durchgehend unterhaltsam, wenngleich er für einen Giallo doch schon etwas zu sehr tedesco wirkt. ;)

Im Bereich der Besetzung sieht man diverse, gängige Vertreter des Genres. Barbara Bouchet spielt die Rolle der Kitty sehr ambitioniert und glaubhaft, ihre attraktive Erscheinung sorgt für diskrete erotische Momente, auch wenn ich persönlich immer ketzerisch behauptet habe, sie sei nur uninteressant-schön. Hier beweist sie, dass sie die Hauptrolle durchaus stemmen, wenn nicht sogar auch nachhaltig prägen kann, doch man darf es betonen, dass man schon weitaus stärkere Vertreterinnen bewundern durfte. Marina Malfatti wirkt im Vergleich direkt unscheinbar und sie sticht lange Zeit kaum im Kreise der Beteiligten hervor. Durch sie wirkt ihre Kollegin Barbara Bouchet interessanter, durch eine ganz andere Dame jedoch wirken die bereits genannten aber schon fast wieder wie die zweite Wahl. Mein Faible für markante Vertreterinnen aus Österreich schlägt auch in dieser Produktion voll durch, was keiner Geringeren als der gewaltigen Sybil Danning zuzuschreiben ist. Auch hier sieht man sie als triebige und von Grund auf ordinäre Frau, die Körper und Aussehen bevorzugt als Waffe benutzt, außerdem überzeugt sie mal wieder als Expertin für erotische, beziehungsweise barbusige Einlagen und sie interpretiert dabei eine Szene der Verführung, die in Erinnerung bleiben dürfte. Nicht zu unterschlagen sind natürlich die männlichen Partizipationen. Ugo Pagliai offeriert sehr interessante Seiten und ist glücklicherweise in keiner einschlägigen Schublade zu finden, und man begutachtet ihn aufgrund seines Film-Charakters eher kritisch, weil man ihm nicht traut. Rudolf Schündler sieht man in einer knappen Rolle, die er zu jener Zeit in ähnlich angelegten Filmen häufig spielte. Ich finde es sehr beachtlich, dass der charismatische Darsteller als Viel-Spieler ein fester Bestandteil in so unterschiedlichen Genres war, man denke zum Beispiel an "Der Exorzist", "Magdalena - Vom Teufel besessen" oder "Suspiria". Insgesamt gesehen führen die Personen einen schon langsam aber sicher in die Unsicherheit, sie heben sich meines Erachtens in der Damenriege aber zu wenig voneinander ab.

'The Red Queen Kills Seven Times' sucht, ohne ihn zu hoch loben zu wollen, schon irgendwie nach Seinesgleichen, meines Erachtens wäre möglicherweise noch "Sieben Tote in den Augen der Katze" für einen Vergleich geeignet, wenn auch nur im weiteren Sinne. Emilio Miraglia lieferte jedenfalls einen Beitrag ab, der gewiss nicht zu verachten ist, weil er gut portionierte Spannung transportiert und mit ein paar Neuerungen überraschen kann. Die Bildgestaltung vermittelt eine teils morbide Atmosphäre, nach dem üblichen Farben-Prunk muss man schon eher auf die Suche gehen, nur die Farbe Rot sticht immer und überall wieder hervor, quasi das Leitmotiv unterstützend. Im Bereich Effekte bekommt man ausgefeilte Sequenzen geboten, auch das Blut darf schon einmal ordentlich sprudeln, wobei die Dosierung in den meisten Fällen angemessen ist. Die mysteriöse Titelfigur im roten Gewandt sorgt immer wieder für die spektakulären Momente des Films, wo sie Auftaucht ist das Unheil nicht weit. Ihr hysterisches Lachen begleitet die Morde, ihre Brutalität scheint sie richtig auf Touren zu bringen, und das Motiv wird langsam und immer wieder mit Hilfe von Rückblenden angebahnt, bis sich das Mosaik zusammenfügt. Das Finale sorgt für Spannung, die Auflösung für Verwirrung, da eine gewisse Inkohärenz nicht zu bestreiten ist, ja und um das Ende möchte man dann doch lieber in den roten Mantel des Schweigens hüllen. Ein solcher Film hat definitiv kein halbgarenes, oder besser gesagt, mutmaßliches Happy End verdient und wirkt für den Gesamteindruck einfach störend. Ein Zuckerstückchen ist die berauschende Musik von Bruno Nicolai, die nur schwer wieder aus dem Sinn gehen möchte. Insgesamt gesehen ist "Die rote Dame" ein unterhaltender, und vor allem sehr atmosphärischer, klassischer Giallo, dem man seine paar Schwächen sogar noch als charmant auslegen kann.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

02.09.2013 13:52
#39 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten



Die rote Dame / The Red Queen Kills Seven Times (La dama rossa uccide sette volte)

Horrorkrimi, IT / BRD 1972. Regie: Emilio Miraglia. Drehbuch: Fabio Pittorru, Emilio Miraglia. Mit: Barbara Bouchet (Kitty Wildenbruch), Ugo Pagliai (Martin Hoffmann), Marina Malfatti (Franziska Wildenbruch), Marino Masé (Polizeiinspektor), Maria Pia Giancaro (Rosemarie), Sybil Danning (Lulu Palm), Nino Korda (Herbert Zieler), Fabrizio Moresco (Peter), Rudolf Schündler (Tobias Wildenbruch), Bruno Bertocci (Hans). Uraufführung (Italien): 18. August 1972.

Zitat von The Red Queen Kills Seven Times
Kitty Wildenbruch erlebt ihren persönlichen Albtraum. Es scheint, als sei ihre Schwester Evelyn ein Jahr nach ihrem Tod wieder unter die Lebenden zurückgekehrt, um Rache zu nehmen und sieben Personen aus ihrem Umfeld zu ermorden. Kitty, so besagt es die alte Familiensage, wird die letzte sein. Wird es gelingen, den „Geist“ vorher ausfindig zu machen?


Dass deutsche Filme Großbritannien nacheifern – daran haben wir uns unterdessen gewöhnt. Aber daran, dass italienische Gialli im deutschsprachigen Raum spielen, daran kann und möchte ich mich nicht gewöhnen. Nach „Der Killer von Wien“ erkläre ich – zumindest für mich – mit „Die rote Dame“ das Experiment Giallo wandert über die Alpen als endgültig gescheitert. Im Grunde machte ich ähnliche Beobachtungen wie Prisma, dessen Einschätzung ich zu großen Teilen unterschreibe, aus der ich jedoch kritischere Schlussfolgerungen ziehe. „Die rote Dame“ – und deshalb kann sie höchstens als Stilverwandter zu den Vohrer-Farbwallaces, aber zu keinen anderen Filmen der Rialto-Reihe gelten – ist Trash in Reinform und verhöhnt auf diese Weise das eigentliche Kernziel des Giallo, Grusel und Angst auf eine stilvolle und kunstvolle Art zu erzeugen.

Das beginnt bei den Charakteren. Hier ist eigentlich schon alles gesagt worden: Die Charaktere wurden wie ihre Namen ganz offensichtlich am Reißbrett entworfen, lassen jede Tiefe und Mehrschichtigkeit vermissen und unterscheiden sich gerade im Fall der Frauen kaum voneinander. Der Plot hätte ordentliches Aufräumen verdient gehabt, womit man erst einmal die Hälfte der Personen als überflüssig aus der Geschichte werfen können. Einige sind leidige rote Heringe, andere haben immerhin die Funktion, ihre Brüste in die Kamera zu halten und / oder effektvoll ins Gras zu beißen. Auch die Worte, die man den Personen in den Mund legte, klingen unnatürlich und teilweise lächerlich – als Musterbeispiel dürfen die polizeilichen Ermittlungen und Verhöre gelten, die an Dilettantismus nicht zu überbieten sind.

Schauspielerisch spielt „Die rote Dame“ in der B- oder C-Liga: Wirklich zugkräftige Namen muss man vermissen und Barbara Bouchet kämpft mehr gegen ihre Rolle an, als dass sie sie zufriedenstellend ausfüllt. Stellenweise scheint bei ihr ein eher kindlicher Charme durch, der in einem Giallo wie diesem fehl am Platze ist und ihrer eigentlich ambiguosen Rolle nicht gut tut. Besser gefallen haben mir Marina Malfatti und Maria Pia Giancaro sowie natürlich Rudolf Schündler, dessen Auftritt leider zu kurz ausfällt.



Emilio Miraglias Regiekompetenzen fallen weit hinter die der besseren Giallo-Regisseure zurück. Der Schnitt wirkt oft holprig, die Handkamera wackelt munter vor sich hin, vor allem gen Ende machen die Szenen vermehrt einen unprofessionellen Eindruck. Was Miraglia gut hinbekam, war das bereits mehrfach lobend erwähnte Spiel mit den Rückblenden, wenngleich die verwirrende Seite der Geschichte durch sie natürlich nicht unbedingt minimiert wird. Auch setzte er stellenweise auf ambitionierte Aufnahmen, die der Produktion zumindest in manchen Augenblicken einen hochwertigen Anstrich verleihen. Einige der Morde und die Traumsequenz sind fraglos überdurchschnittlich inszeniert und ausgedacht. In seiner Anlage als Gothic-Grusler unter den Gialli nimmt „Die rote Dame“ außerdem eine Sonderstellung ein, die sie für diejenigen, die die Kombination mögen, recht einzigartig macht.

Als größten Pluspunkt des Films kann man aber zweifellos die Musik von Bruno Nicolai nennen, die die Durchschnittlichkeit dessen, was den Augen geboten wird, über die Ohren veredelt. Nicolais Kompositionen passen gut zu der Art der Unheimlichkeit, die von diesem Film anders als von anderen Produktionen des Genres vermittelt werden soll. Sie wirkt fesselnd und ein wenig hypnotisierend, tritt während der Filmsichtung bereits deutlich ins Bewusstsein des Zuschauers.

Ein persönliches Ärgernis möchte ich zum Schluss anfügen, weil ich finde, dass hier klar die Grenzen des Giallo überschritten werden. Fürs Finale bemühte Miraglia Schaufelladungen von Ratten vor die Kamera, um den Ekelfaktor für unbedarfte Zuschauer noch einmal in die Höhe zu treiben. Das verrät die Mittelmäßigkeit der filmischen Qualität, die es nicht schaffte, allein über Personen und ihre seelischen Abgründe genug Spannung zu vermitteln, und die deshalb auf solche billigen Tricks zurückgreifen musste.

Bei der Mischung von Gothichorror und Giallo mache ich Abstriche in der Authentizität der jeweiligen trotz gewisser Gemeinsamkeiten recht weit voneinander entfernten Genres. „Die rote Dame“ krankt zudem an einer verwirrenden Geschichte, flachen Charakteren und schlechter Dramaturgie. Saftige Morde und erstklassige Musik sind da eher Makulatur. 3 von 5 Punkten.



Die DVD von Eyecatcher Movies ist wie der Film von durchwachsener Qualität. Das Bild zeigt sich akzeptabel, wenngleich der Bildstand manchmal recht unruhig und der Kontrast durchweg zu steil angelegt ist. Gerade letzteres führt dazu, dass der Film häufig noch bunter und plakativer wirkt, als es Miraglias Inszenierung sowieso schon zuzuschreiben ist. Der deutsche Ton macht aber, wie bereits angeführt, einigen Ärger: Es gibt Tonaussetzer, leichte Asynchronitäten und einen ständigen Wechsel zwischen den Sprachen. Normalerweise stört mich letzteres nicht, hier aber fiel es mir irgendwie negativ auf, vielleicht, weil die englische Tonspur auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Im Bonusbereich befindet sich die übliche Ausstattung (Trailer und Soundtrack), zudem gibt es die gekürzte rein deutsche Videofassung, der aber inhaltlich so viel Wichtiges fehlen dürfte, dass es müßig ist, sie noch anzusehen.

PS: Ich merke im Nachhinein: Der Review hört sich ziemlich negativ an. Vielleicht begründet sich das durch die hohen Erwartungen, die der raffinierte Filmtitel bei mir geweckt hatte. Der gehört zweifelsfrei zum Besten, was das Giallo-Kino hergibt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

14.09.2013 01:39
#40 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

„Die rote Dame“ / „Die rote Dame tötet sieben Mal“ belegt mit 58,57 von 70 Punkten Platz 16 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 4,18 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er drei Top-Ten-Nominierungen.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 7
mit 55,00 Punkten auf Platz 22 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 59,00 Punkten auf Platz 08 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 55,00 Punkten auf Platz 20 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 56,00 Punkten auf Platz 18 in der Kategorie Darsteller
mit 64,00 Punkten auf Platz 05 in der Kategorie Musik
mit 63,00 Punkten auf Platz 08 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 58,00 Punkten auf Platz 14 in der Kategorie Freie Wertung
Gehe zum IMDb-Eintrag / OFDb-Eintrag

Ray Offline



Beiträge: 727

03.04.2016 20:18
#41 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Die rote Dame (I 1972)

Regie: Emilio Miraglia
Darsteller: Barbara Bouchet, Ugo Pagliai, Marina Malfatti, Rudolf Schündler u.a.


Eine Frau in rotem Umhang tötet nacheinander Menschen aus dem Umfeld Kitty Wildenbruchs. Hat dies möglicherweise etwas mit der Legende zu tun, dass eine rote Königin, nachdem sie von ihrer Schwester, der schwarzen Königin, getötet wurde, sich aus dem Grab erhebt, um sieben Menschen zu töten? Diese Geschichte wurde in Kittys Familie seit jeher überliefert. Darüber hinaus hat Kitty ihre Schwester umgebracht. Ist Kitty die schwarze und die Mörderin ihre Schwester, die rote Königin?

Ein Giallo, der in Deutschland gedreht wurde und auch noch als Epigone gehandelt wird? Klingt interessant. Das Endprodukt fällt jedoch recht ernüchternd aus. Denn dafür, dass der Film nicht nur was die Geschichte betrifft, ziemlich kurios geraten ist, nimmt er sich erstaunlich ernst. Bei Wallace hingegen federte man Kuriositäten stets durch (Selbst-)Ironie ab. Außerdem konnte man grundsätzlich auf starke schauspielerische Darbietungen bauen. Auch das sucht man hier vergebens, insbesondere Hauptdarstellerin Bouchet ist überfordert, Rudolf Schündlers Rolle fällt leider zu klein aus. Inszenatorisch ist das alles nicht der Rede wert, bemerkenswert ist allenfalls noch der Anflug von Vohrerschen Ekeleffekten (Ratten).

Die Musik von Bruno Nicolai ist gewohnt erstklassig.

In jeder Hinsicht durchschnittlicher Giallo, der sich in Widerspruch zu seinem trashigen Inhalt leider viel zu ernst nimmt. 2,5/5.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

09.07.2016 20:33
#42 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Habe diesen eher unbekannten Giallo heute das erste Mal gesehen und muss meinen Vorschreibern zustimmen: einiges an Schatten, aber durchaus interessant und kurzweilig und die Musik ist sicher das Beste an dem Film.

Die Geschichte taugt durchaus für einen echten Reißer und auch der Regie gelingt es, die Handlung recht flott voranzutreiben. Das Finale fand ich dann aber dennoch vorhersehbar und lasch. Darstellerisch gibt es einige Defizite, vor allem fehlt ein charismatischer männlicher Hauptdarsteller. Die Damen sind dagegen gewohnt sehr schön anzusehen. Der Handlungsort BRD ist mal was anderes für einen Giallo ("Suspiria" mal ausgeklammert) und die Drehorte sind auch gut eingefangen, wobei natürlich die genre-typische Athmosphäre eng mit Italien als Handlungsort verknüpft ist. Tatsächlich wirkt das Ganze stellenweise eher wie ein italienischer Wallace. Viel mehr als die beiden Gialli innerhalb der Rialto-Serie.

Fazit: Nicht mit den Top-Beiträgen des Genres zu vergleichen, aber sehenswert allemal, und die Musik bekommt einen Punkt extra. 3 von 5 Punkten.

wurzburger Offline




Beiträge: 2

21.01.2017 19:24
#43 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Drehorte (Stand Januar 2017)

Zeit:       Drehort:                               Im Film:
0:00:15 ff Schloss Neuenstein Schloss Wildenbrück
0:12:58 Würzburg, Stadttheater Firma Springe
0:14:23 Gramschatzer Wald
0:14:25 Schloss Weikersheim Schloss Wildenbrück
0:20:19 Würzburg, Ringpark
0:27:22 Würzburg, Frankenstraße NN Wohnung Herbert
0:28:14 Würzburg, Friedensbrücke
0:28:37 Würzburg, Löwenbrücke
0:28:55 Würzburg, Alte Mainbrücke / Domstraße
0:32:47 Würzburg, Frankenstraße NN Wohnung Herbert
0:34:39 Würzburg, Residenzplatz / Residenz
0:37:38 Würzburg, Berliner Ring
0:37:58 Würzburg, Schweinfurter Straße
0:38:09 Würzburg, Greinberg (B 19)
0:41:53 Würzburg, Hofgarten / Gesandtenbau
0:49:25 Würzburg, B.-Neumann-Promenade
0:55:52 Würzburg, Stadttheater Firma Springe
1:16:24 Marktplatz Öhringen
1:20:25 Würzburg, Schönbornstraße
1:21:25 Schloss Weikersheim Schloss Wildenbrück
1:34:30 Schäftersheim
Bilder und Links folgen!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

21.01.2017 23:02
#44 RE: Die rote Dame / Die rote Dame tötet sieben Mal (1972) Zitat · antworten

Danke für die interessante Liste. Man sollte sich diesen Film dann wirklich nochmal unter dem Drehortaspekt ansehen. Vielleicht würde er mir beim zweiten Mal auch generell besser gefallen, wenn ich nun weiß, dass ich mich eigentlich mehr auf einen teutonischen Grusler als auf einen richtigen Giallo einstellen muss ...

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