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Dieses Thema hat 44 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

27.03.2008 15:33
#16 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Zitat von Enrico Rosseni im Beitrag #15
Bei der britischen Version gefiel mir die Ausarbeitung der Vergangenheit und die Einflechtung der Verbrechen deutlich besser.

Findest du? Meiner Meinung nach ist das gerade ein Schwachpunkt der 1965er Fassung, da alle Darsteller viel zu nett und harmlos wirken, um ihre "mörderische Vergangenheit" glaubhaft darzustellen. In dieser Beziehung hatte die russische Fassung eine bessere Trefferquote, da hier die Rollen (man denke nur beispielsweise an Philipp Lombard) ihre Romancharakteristika in teilweise sogar abstoßender Weise beibehielten. In der britischen Version wurde zu viel relativiert, um die Verbrechen wirklich thematisieren zu können, was aber auch an dem versöhnlichen Ende und der "zu milden" Verkörperung der drei Übrigbleibenden liegt.
Zitat von Enrico Rosseni im Beitrag #15
Ich sehe es für mich so, dass die UdSSR-Version eher in Richtung Thriller-Drama geht, während die UK-Variante mehr in Richtung Krimi tendiert. Beide Filme sind auf ihre Art klasse, aber keiner dem anderen überlegen.

Da hast du auf jeden Fall Recht. Die 1965er Version ist ein Wohlfühl-Whodunitkrimi nach klassischer Machart, während bei der russischen Vorlage die Gemütsregungen der Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt werden (wie es ja auch im Roman der Fall war).

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

28.03.2008 07:59
#17 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #16
Findest du? Meiner Meinung nach ist das gerade ein Schwachpunkt der 1965er Fassung, da alle Darsteller viel zu nett und harmlos wirken, um ihre "mörderische Vergangenheit" glaubhaft darzustellen. In dieser Beziehung hatte die russische Fassung eine bessere Trefferquote, da hier die Rollen (man denke nur beispielsweise an Philipp Lombard) ihre Romancharakteristika in teilweise sogar abstoßender Weise beibehielten. In der britischen Version wurde zu viel relativiert, um die Verbrechen wirklich thematisieren zu können, was aber auch an dem versöhnlichen Ende und der "zu milden" Verkörperung der drei Übrigbleibenden liegt.

Du hast natürlich recht, dass die Personen in der UK-Fassung deutlich freundlicher herüberkommen, was dem Kontext des Filmes und der allgemeinen Auslegung von Christie-Romanen und -Verfilmungen aber gerecht wird. In der russischen Version ist es so, dass die Verbrechen zwar angesprochen, aber nie richtig eingebracht werden. Man weiß zwar grundlegend, was jeder getan hat, doch werden diese Taten an sich nur recht kurz abgehandelt und sich dann mehr auf den Umgang mit der eigenen Vergangenheit, der Bewältigung der eigenen Taten und der Beruhigung des eigenen Gewissens bzw. des Zusammenbrechens unter der Last konzentriert. Halt wie es in einem guten Drama der Fall ist. Die Taten in der Vergangenheit der Personen kommen für meinen Geschmack aber in der britischen Version klarer zum Ausdruck - wie in einem guten Krimi halt.

Lutz Offline



Beiträge: 397

30.03.2008 12:09
#18 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

So, nun habe ich den Film auch gesehen. Besonders gefallen hat mir das, endlich mal, passende Romanende. Auch sonst eine gute Verfilmung. Das heißt auch, dass "Death on Safari" für mich immer noch die absolut schlechteste Verfilmung des Stoffes bleibt (trotz Herbert Lom).

Tschüss
Lutz

PS: Mein persönlicher Favorit bleibt allerdings "Ein Unbekannter rechnet ab" von 1974 ("Murder by death" lasse ich jetzt mal aussen vor ... ).

Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

30.03.2008 12:17
#19 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Zitat von Lutz im Beitrag #18
Mein persönlicher Favorit bleibt allerdings "Ein Unbekannter rechnet ab" von 1974 ...

Ist das nicht die Version, die in einem Wüstenschloss spielt, mit Gert Fröbe und Elke Sommer? Diese Fassung steht mir noch bevor, also habe ich offenbar noch ein Highlight vor mir ...
Zitat von Lutz im Beitrag #18
"Murder by death" lasse ich jetzt mal aussen vor ...

Naja, ich würde dieser Verfilmung eher marginale Gemeinsamkeiten mit dem Original attestieren ...

Mich wundert, dass hier bisher noch niemand die allseits so beliebte 1945er-Fassung erwähnt hat. Sie wird sonst überall hoch gelobt (auch diese Verfilmung ist mir noch unbekannt).

Markus Offline



Beiträge: 646

30.03.2008 18:28
#20 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Die Fassung von 1945 ist sicher die ultimative Verfilmung - des Bühnenstücks. Das heißt, sie ist mit leichtem Humor und sanfter Spannung inszeniert; sehr elegant und toll gespielt. Wer aber den Roman vorzieht, wird daran weniger Gefallen finden.

Gruß
Markus

Lutz Offline



Beiträge: 397

31.03.2008 10:47
#21 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #19
Ist das nicht die Version, die in einem Wüstenschloss spielt, mit Gert Fröbe und Elke Sommer?

Genau DIE ist es.
Zitat von Gubanov im Beitrag #19
Mich wundert, dass hier bisher noch niemand die allseits so beliebte 1945er-Fassung erwähnt hat. Sie wird sonst überall hoch gelobt (auch diese Verfilmung ist mir noch unbekannt).

Da muss ich mich ja wieder auf die Suche machen - diese Fassung kenne ich auch nicht.

Tschüss
Lutz

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

26.04.2008 15:50
#22 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Meiner Meinung nach bringt die russische Fassung die düstere Stimmung des ungewöhnlichen Romans von Mrs. Christie sehr gut auf den Punkt. Anders als die britische Version, die pfiffig und unterhaltsam ist, kann man sich bei "Desyat negrityat" nicht gemütlich zurücklehnen. Es liegt eine schwermütige Atmosphäre in der Luft. Die Wahl der Farben (Sepia, Grau, Braun, Beige, Schwarz) zeigt deutlich, dass auf der Insel und im Haus kein Platz für Lebensfreude, Frohsinn und Freundschaft ist. Die Darsteller fügen sich fast widerstandslos in ihr Schicksal und das Ende des Films ist erschütternd und kalt.

Allerdings hat man das Gefühl, dass es lange dauert, bis sich die Geschichte richtig entwickelt. Es dauert einige Zeit bis zum ersten Todesfall. Der zweite Mord (Vergiftung von Mrs. Rogers) ist wenig spektakulär (kein Vergleich mit dem nervenaufreibenden Tod von Marianne Hoppe, die mit der Kabine der Seilbahn abstürzt).

Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

26.04.2008 16:14
#23 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #22
Allerdings hat man das Gefühl, dass es lange dauert, bis sich die Geschichte richtig entwickelt. Es dauert einige Zeit bis zum ersten Todesfall.

Hier wurde ja bereits im Vergleich zum Roman eine Raffung der Geschehnisse vorgenommen. In der Vorlage darf man die Charaktere zunächst auf ihrer Reise zur Insel hin beobachten und kennenlernen. Die Gründe für ihre Anreise (Briefe, Einladungen etc.) werden detailliert erklärt und man kann sich mit den Personen vertraut machen. Christie schafft es damit, zehn Figuren vorzustellen, die allesamt völlig verschieden und doch in ihrer Vergangenheit gleich sind. Oftmals findet man bei ihr Figurenstereotypen oder merkt, dass es, wo gleichberechtigte Figuren von Nöten wären, es einige Protagonisten gibt, die weniger interessant sind (Beispiel "Mord im Orientexpress"). Die Umsetzung der Charaktere durch die Zeichnung ihrer teils ungewöhnlichen Eigenschaften und den Beginn des Romans ist ihr hier allerdings gut gelungen. Im Film wird man quasi ins kalte Wasser geworfen und muss zunächst die einzelnen Personen selbst identifizieren, so man sie denn bereits aus dem Buch oder anderen Filmen bereits kennt. Dafür bekommt man einige ergiebige Eindrücke von der Insel und dem leeren Haus, wie es die Ankommenden selbst erleben. Tristess, aufgelockert durch etwas Musik; die Dunkelheit des Saales im Kontrast zum Licht draußen; Verlassenheit, die langsam mit Menschen "aufgefüllt" wird, um anschließend wieder in Einsamkeit zurückzufallen...
Zitat von Percy Lister im Beitrag #22
Der zweite Mord (Vergiftung von Mrs. Rogers) ist wenig spektakulär (kein Vergleich mit dem nervenaufreibenden Tod von Marianne Hoppe, die mit der Kabine der Seilbahn abstürzt).

Der Mord wurde so inszeniert, wie er von Christie beschrieben wurde. Sie hielt sich streng an das Kinderlied - und das geht in der Originalfassung wie folgt:

Zitat von Ten Little Niggers
Ten little nigger boys went out to dine
One choked his little self and then there were Nine.

Nine little nigger boys sat up very late
One overslept himself and then there were Eight.

Eight little nigger boys traveling in Devon
One said he'd stay there and then there were Seven.

Seven little nigger boys chopping up sticks
One chopped himself in halves and then there were Six.

Six little nigger boys playing with a hive
A bumblebee stung one and then there were Five.

Five little nigger boys going in for law
One got into Chancery and then there were Four.

Four little nigger boys going out to sea
A red herring swallowed one and then there were Three.

Three little nigger boys walking in the zoo
A big bear hugged one and then there were Two.

Two little nigger boys were out in the sun
One got all frizzled up and then there was one.

One little nigger boy left all alone
He went out and hanged himself and then there were none.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

26.04.2008 16:19
#24 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Daraus muss man zwangsläufig schließen, dass es eigentlich die ideale filmische Umsetzung noch nicht gibt. Der Länge der Einführung nach zu urteilen, sollte die Geschichte als Dreiteiler inszeniert werden.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

26.04.2008 16:21
#25 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Meiner Meinung nach ist die 1987er-Fassung DIE perfekte Umsetzung der Geschichte. Toppen könnte man es höchstens noch, wenn man alle Morde aus der Vorgeschichte bildlich darstellen würde. Dann bräuchte man aber wirklich mindestens einen Dreiteiler ...

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

26.04.2008 16:25
#26 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Aber sind es wirklich alles Morde, die der Richter sühnen will?

Vera Claythorne hat einen Schutzbefohlenen - einen kleinen Jungen - allein im Meer schwimmen lassen, und er ist dabei ertrunken. Handelt es sich hier um Absicht oder nur um Verletzung der Aufsichtspflicht?

Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

26.04.2008 16:27
#27 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Natürlich war es Absicht. Wird im Roman auch, soweit ich noch weiß, eindeutig geklärt. Es sind schon alles Morde gewesen, bis eben auf die angebliche Tat des Richters, denn Seton war wirklich schuldig. Nur so funktioniert die Idee der "höheren Gerechtigkeit", wie sie in dem Stoff durchexerziert wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

01.05.2008 14:02
#28 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Wie ich gerade entdeckt habe, gibt es eine weitere russische Agatha-Christie-Verfilmung aus den späten 1980er Jahren. "Zagadka Endkhauza" (nach dem Roman "Peril at End House", dt.: "Das Haus an der Düne") wurde 1989 gedreht und hat Anatoli Ravikovich als Hercule Poirot in der Hauptrolle. Weiß jemand, ob dieser Film auch in Deutschland (noch in DDR-Kinos oder -Fernsehen) synchronisiert lief? Es könnte sich ja um ein weiteres kleines Schätzchen handeln!

Markus Offline



Beiträge: 646

02.05.2008 16:29
#29 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Wer mal einen russischen Sherlock Holmes sehen will, kann das hier.

Leider nur in Originalsprache.

Gruß
Markus

Gubanov Offline




Beiträge: 16.041

02.05.2008 17:53
#30 RE: Desyat negrityat / Das letzte Weekend (1987) Zitat · Antworten

Der russische Holmes begeisterte mich nicht sonderlich, als ich mir einmal den Pilotfilm ansah. Vielleicht liegt es aber schlichtweg daran, dass es ungewöhnlich ist, Holmes russisch sprechen zu hören. Deshalb die mittlerweile obligatorische Frage: Die Holmes-Filme mit Livanov wurden in der DDR synchronisiert, nicht wahr?

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