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Dieses Thema hat 45 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Online




Beiträge: 14.475

25.12.2007 11:26
"Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
"Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock

Gestern fand ich als Päckchen unter dem Weihnachtsbaum auch diese lang verschollen geglaubte TV-Serie der BBC, die in den Jahren 1968 bis 1970 in Schwarzweiß und Farbe ausgestrahlt wurde und zu den Zugpferden des Senders gehörte. Dementsprechend groß war wohl die Anfrage, die die BBC dazu bewegte, die Folgen doch noch einmal zu suchen und auf DVD zu veröffentlichen. Und siehe da: Wenigstens fünf der ursprünglich 15 Episoden konnten wiedergefunden und in einem schmucken Disc-Set veröffentlicht werden.

Folgende Geschichten sind also enthalten:
DVD 1: "The Hound of the Baskervilles" (ca. 100 Minuten)
DVD 2: "A Study in Scarlet" und "The Boscombe Valley Mystery" (je ca. 50 Minuten)
DVD 3: "The Sign of Four" und "The Blue Carbuncle" (je ca. 50 Minuten)

Am Weihnachtsabend habe ich mich natürlich sofort über die letzte Folge der Kollektion, "The Blue Carbuncle", die berühmte Weihnachtsgeschichte mit Sherlock Holmes, hergemacht. Ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Im direkten Vergleich zwischen der Brett- und der Cushing-Fassung würde ich letzterer auf jeden Fall den Vorzug geben, da sie noch größeres Tempo, bessere Spannung und wundervollen Humor enthält. Insgesamt wirkt sie auch dichter und "selbstverständlicher" im Spiel der Akteure.

Die Besetzung der Rollen des Meisterdetektivs und seines Freundes Dr. Watson mit Peter Cushing und Nigel Stock ist sehr gelungen. Man findet in Peter Cushing einen stückweit exzentrischen, aber im Großen und Ganzen doch liebenswerten und verständnisvollen Holmes, der dem großteils doch recht bodenständigen und tatsächlich netten Original noch eher entspricht als Brett in seiner gewohnt ausdrucksstarken, selbstdarstellerischen Art, die ich allerdings als Gegenstück zu vielen anderen Interpretationen auch sehr schätze. Nigel Stock ist für mich einer der perfekten Watsons. Nach einem recht komödiantischen Auftritt (die wütende Gräfin von Morcar läuft ihn fast über den Haufen, anschließend betritt er die Wohnung in der Baker Street und möchte sich bei Holmes nach dessen aufgebrachter "Klientin" erkundigen, dieser lässt ihn aber nicht zu Wort kommen) stellt er recht bald auch dar, dass er kluger Kopf ist. So gelingt ihm die Deduktion mit dem Hut schon wesentlich besser als seinen Vorgängern und Nachfolgern. Er meldet auch Zweifel an der Deduktion von Holmes an, bei Mrs. Henry Baker handele es sich um die Frau des Mannes mit dem Hut. Als tatsächlich bestätigt wird, dass der Träger des Hutes Harrold Baker heißt und Bruder des verstorbenen Henry Baker ist, mit dessen Witwe er nun zusammenlebt, kann sich Watson ein kleines Lachen nicht verkneifen. Auch die Beziehung der beiden Charaktere Holmes und Watson kommt in der Fassung perfekt zum Ausdruck, als Watson Holmes ein Weihnachtsgeschenk (Pfeifentabak) überreicht und Holmes ganz verlegen bemerkt, dass er keines zur Erwiderung der netten Geste habe.

Die Geschichte ansich bleibt hauteng an der Vorlage und überzeugt durch die klassischen Wendungen und Überraschungen. Interessant ist, dass Holmes auf dem Markt nicht mit Watson eine Wette über die Herkunft der Gans eingeht, sondern mit Mr. Breckinridge persönlich, der natürlich umso erpichter ist, das Geschäft zu gewinnen. Ein weiterer wunderbarer Einschub ist, dass - nachdem Holmes den geständigen Rider hat laufen lassen - die Gräfin von Morcar Holmes abermals bittet, einen Fall zu übernehmen, da ihr Stubenmädchen (das ja in Mr. Rider verliebt war) plötzlich verschwunden ist. Sie begründet ihre Vorliebe für Sherlock Holmes damit, dass ihre Nichte sich mit Sir Henry Baskerville (!) über die Fähigkeiten des Meisterdetektives unterhalten habe.

Einen bitteren Beigeschmack liefert die Ergänzung des versuchten Selbstmordes John Horners in der Gefängniszelle. Dr. Watson, hier also offenbar praktizierender Arzt, wird später zu dem Gefangenen gerufen, um seinen Zustand zu untersuchen. Dabei überzeugt ihn Horner von seiner Unschuld, es besteht für das Ermittlerduo also ein zusätzlicher Anreiz zur Aufklärung des Falles.

Musik, Kamera und Bühnenbild unterstützen die athmosphärische Wirkung der Folge, die Darsteller wurden den Charakteren angemessen besetzt.

Volle 5 von 5 Punkten für diese Episode, die ja - das behalte man immer im Hinterkopf - nur eine "billige Ausweichvariante" war, da die anderen Folgen der Serie schon zu viel Geld verschlungen hatten.

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Gubanov Online




Beiträge: 14.475

26.12.2007 18:30
#2 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
The Sign of Four

Diese Folge konnte qualitativ nicht an die erstgesehene anschließen, wenngleich sie wieder durch die gleiche liebevolle Art der Inszenierung, Ausstattung und Darstellung glänzt. Die größten Probleme bei der Realisation dieser Episode dürften darin liegen, dass man versucht hat, den wohl ausladendsten und umfassendsten Holmes-Roman von Conan Doyle, "Das Zeichen der Vier" in eine Fernsehepisode von 50 Minuten zu "pressen". Dass dies misslingt, ist zwar nicht von Anfang an vorauszusehen, aber man kann es ahnen. Die Handlung wirkt mithin gehetzt und allzu stark gerafft. Das beginnt bei der Darlegung des Falles durch Mary Morstan und endet bei der Tatsache, dass man auf die Hintergrundgeschichte und die Erklärung der Verbrechen komplett verzichten muss. Ich wüsste nicht, ob ich bei Nichtkenntnis des Romans und anderer Umsetzungen des Stoffes der Handlung unmittelbar hätte folgen können...

Verstärkt wird der negative Effekt dieser Hatz durch die unruhige, beinahe unprofessionell wirkende Kameraführung sowie die Tatsache, dass man die Romanze zwischen Doktor Watson und Mary Morstan nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich sehr betonte und Szenen, die diese behandeln, für den eigentlichen Kriminalfall aber recht unwichtig sind, auf gut eine Viertelstunde streckte. So blieb für den Fall natürlich noch weniger übrig.

Neben diesen "Nachteilen" gibt es aber wieder viel Positives zu berichten. Fangen wir wieder gleich bei Nigel "Watson" Stock an, der abermals eine Prachtvorstellung gibt. Er ist seinem Freund wieder eine große Hilfe und wird als einfühlsamer, intelligenter Mann beschrieben. Auf dem Weg in die Wohnung Sholtos etwa gibt Miss Morstan zu, nervös zu sein. Als Doktor Watson sie mit einer Geschichte aus seiner Amtszeit in Indien beruhigen kann, lobt Holmes die "versteckten Talente" des Doktors und beide lächeln sich freundschaftlich an. Dies ist natürlich ein Bild, das jeden Holmes-Fan erfreut. Auch eine lustige Szene mit ihm ist wieder dabei, sie findet dieses Mal während der Verfolgungsjagd auf der Themse statt. Tonga klettert auf das Deck der 'Aurora' und sucht nach seinen Pfeilen. Auf Holmes Anweisung, sich zu ducken, verschwinden alle Mann auf dem Boot nach unten, nur Watson bleibt aufrecht stehen wie ein Fels in der Brandung. Tonga schießt einen Giftpfeil ab und trifft den Doktor - mitten in seinen Bowler-Hut. Watson schaut kurz verdutzt nach oben und schießt dann das kleine Biest nieder...

Auch die Besetzung der Sholto-Brüder (wieder beide durch einen Darsteller verkörpert) gelang hervorragend. Im Gegensatz zur Brett-Episode, bei der die Besetzung himmelschreiend dümmlich ist, kann der Darsteller in dieser Adaption der Rolle zwar ihre exzentrische Ader bewahren, ohne dabei jedoch übertrieben affig zu wirken wie sein Nachfolger von 1987. Hierin und in der Besetzung der Rolle der Mrs. Bernstone sind die großen Vorteile dieser Fassung gegenüber der Brett'schen zu sehen. Andererseits jedoch kann die Brett-Folge mit einer wunderbaren Verfolgungsjagd durch die Straßen von London und über den Fluss sowie einer wunderbaren Rückblende nach Indien überzeugen, die hier leider fehlt.

Die Bühnenbilder sind wieder authentisch und passend, die Musik stimmig und alles trotz oder vielleicht gar wegen der Nachteile des "gerafften Films" sehr unterhaltsam, da man bei dem Tempo, das die Episode vorlegt, keinen Augenblick zur Ruhe kommt!

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Gubanov Online




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27.12.2007 19:50
#3 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
Hier zunächst einige Bilder aus dem Vorspann der Serie, der auch bei Youtube eingesehen werden kann, sowie aus "The Blue Carbuncle".

Vorspann / Abspann





The Blue Carbuncle


Die Zofe der Gräfin, Klempner Horner, James Ryder /// Abermals die Zofe, diesmal mit der Gräfin von Morcar


Sherlock Holmes untersucht den Hut /// Holmes, Watson, Mrs. Hudson und Peterson


Dr. Watson besucht Horner in der Gefängniszelle /// Harrold Baker liest Holmes' Anzeige


Watson und Holmes im Pub "Alpha Inn" bei Mr. Windigate /// "Faces to the South" mit Verwirrung


Das schönste blaue Ei /// Alle Gänse sind verschwunden!

Vorspann bei Youtube



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Mike Pierce ( gelöscht )
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27.12.2007 19:52
#4 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten

Macht Lust auf mehr!!

Gubanov Online




Beiträge: 14.475

27.12.2007 19:55
#5 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
Um einen Eindruck von der Serie zu vermitteln, folgen noch die Besprechungen der übrigen drei Folgen (eine bereits in Arbeit) sowie noch einige Bilder. Die DVDs selbst gibt es bei Amazon oder, für etwa 20 Euro recht günstig, bei eBay. Ich kann sie nur jedem Sherlock-Holmes-Fan wärmstens empfehlen; diese Serie - oder das, was von ihr übrig geblieben ist, sollte man gesehen haben.

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Gubanov Online




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27.12.2007 21:22
#6 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
The Boscombe Valley Mystery

Diese Umsetzung der eher unbekannten Kurzgeschichte gleichen Namens, die 1891 in den "Adventures of Sherlock Holmes" erschien, ist wieder außerordentlich gelungen. Hier bekam man das Geschehen wieder gut in das 50-Minuten-Format hinein, ohne dabei aber Stellen mit "Spannungslöchern" zu schaffen. Im Gegenteil. Auch hier ist das Tempo wieder außerordentlich gelungen. Die Einstiegsszene spielt natürlich im Boscombe-Tal, auf dem Hof McCarthys, wobei es zunächst einmal schwierig ist, die Personen zuzuordnen. Doch nach und nach werden die Verhältnisse klarer und kulminieren zunächst in der Gerichtsverhandlung gegen den jungen McCarthy, der seinen Vater umgebracht haben soll. Die Geschehnisse um diese angebliche Tat werden im folgenden nach den einzelnen Zeugenaussagen mehrmals aus unterschiedlichen Perspektiven wiederholt.

Dabei fällt auch die brutal-realistische Darstellung der Verwundung des Opfers auf, die wohl hauptsächlich dafür verantwortlich ist, dass die komplette Serie heute noch eine FSK-12 trägt. Besonders einprägsam auch die letzten Worte aus dem Mund McCarthys, die alle falsch deuten und für das Ende der Geschichte von großer Relevanz sind. Zusammen mit der meisterhaften Szene, in der Holmes den Tatort am Boscombe-Teich untersucht, gibt es somit ungewöhnlich viele und lange Außenaufnahmen, die zum Beispiel der deutschen, zum gleichen Zeitpunkt entstandenen Sherlock-Holmes-Serie weitgehend fehlen.

Auch existieren dieses Mal eine ganze Reihe lustiger Szenen oder Momente, die wirklich gelungen und vergnüglich sind, so der "unruhige, nervige Fahrgast" im Zug und einige Momente zwischen Holmes und Watson (Holmes: "Passen Sie gut auf diesen Stein auf, Watson!", Watson: "Warum das?", Holmes: "Er ist die Mordwaffe.", Watson starrt entgeistert auf den Stein). Cushing und Stock brillieren wieder einmal im Zusammenspiel miteinander und mit den anderen Akteuren, unter denen vor allem John Tate als Darsteller des alten Turner heraussticht, der eine ergreifende Interpretation des kranken Mannes, des gealterten Verbrechers und des unter Halluzinationen und Schmerzen leidenden Vaters gibt. Beeindruckend auch die Trickaufnahmen und Farbspiele im Zusammenhang mit seiner früheren "Karriere" als "Black Jack von Ballarat", die auf der einen Seite fesseln und faszinieren, auf der anderen Seite einen Eindruck von damaliger "moderner Fotografie" geben.

Ganz nach Conan Doyle wird die Liebesgeschichte zu einem gütlichen Ende geführt, was zum Happy-End nach den recht tragischen Vorfällen um Turner und McCarthy junior beiträgt.

Meine Wertung für diese Episode: 5 von 5 Punkten
Wertung für "The Sign of Four": 3 von 5 Punkten


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Gubanov Online




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29.12.2007 20:05
#7 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
A Study in Scarlet

Eine Umsetzung des ersten Sherlock-Holmes-Romans "Eine Studie in Scharlachrot" oder "Späte Rache", wie er auch genannt wird; sie spaltet die Bewertung in zwei Hälften. Auf der einen Seite ist es eine äußerst gelungene, spannende und bewegende Episode, auf der anderen Seite wurden viele Möglichkeiten bei der Inszenierung leider vertan.

Zunächst zu den positiven Aspekten der Episode: Die Mordszenen sind wahrhaft unheimlich und die Darsteller wieder erste Klasse. Als besonders schön entpuppt sich die Tatsache, dass man nah am Original blieb und die beiden Inspektoren Lestrade und Gregson als gegeneinander kämpfende Streithähne zeigte und nicht, wie bei so mancher Adaption des Stoffes geschehen, beide Figuren in einer Person verschmolz. Auch eine falsche Fährte, der Inspektor Gregson prompt aufsitzt wurde dem Script hinzugefügt. Der Tatort, das verlassene Haus in Lauriston Gardens, ist ein beeindruckender Schauplatz. Eine nette Zugabe bietet "die Sache mit dem verlorenen Ring". Wird der Ring, der am Tatort liegen blieb, im Original noch von einer alten Frau bei Sherlock Holmes abgeholt, die vom eigentlichen Mörder geschickt wurde, so ist es in dieser Folge ein Transvestie-Künstler, mit dem der Mörder eine Wette schloss. Dementsprechend bekommt der Zuschauer auch eine beeindruckende Szene mit der Droschke, aus der der Schauspieler entkommt, und eine erheiternde Gesangseinlage geboten. Cushing gibt in dieser Folge seinen vielleicht charakteristischsten Holmes, er wirkt tatsächlich allgegenwärtig.

Auf der anderen Seite aber muss angemerkt werden, dass man aus dem wunderbaren Original mehr hätte herausholen können. Man kam hier zwar mit den Kürzungen wesentlich besser klar als bei der anderen Romanadaption "The Sign of Four" und man ist über darüber auch in gewisser Weise mehr als froh, aber diese Kürzungen vermisst der Kenner des Originals dennoch, denn erst sie machen aus dem "normalen Mordfall" eine Rachegeschichte, die unter die Haut geht.

So wurde die Vorgeschichte, die sich in Utah abspielt und im Roman die komplette zweite Hälfte des Gesamttextes einnimmt, komplett fortgelassen und nur kurz von Jefferson Hope erwähnt. Anderes wäre natürlich auch von einer TV-Produktion der 1960er Jahre nicht zu erwarten gewesen, denn damals waren Drehs in Amerika für britische TV-Serien logischerweise utopisch. Doch auch eine andere Sache kürzte man heraus, eben, weil es nicht die erste Folge der Serie ist: Das Kennenlernen von Holmes und Watson, das den Roman unter Holmes-Fans so beliebt und wichtig macht, wird hier leider nicht gezeigt; man sieht beide sofort in der Baker Street.

Alles in allem trotz der Kritikpunkte eine überaus gelungene Episode, die von mir 4 von 5 Punkten erhält.

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29.12.2007 20:45
#8 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
A Study in Scarlet


Holmes und Watson in der Baker Street /// Holmes untersucht die Leiche von Enoch J. Drebber


Auf der Suche nach dem Schauspieler /// Holmes brütet vor Gregson und Lestrade über Lösung

The Boscombe Valley Mystery


Der junge McCarthy findet seinen Vater im Sterben /// Im Zug müssen Holmes und Watson ihr Abteil teilen


Holmes besichtigt den Tatort /// Trickaufnahme zur Lösung des Falles

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Mike Pierce ( gelöscht )
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29.12.2007 20:52
#9 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten

Die Bilder sehen echt klasse aus!!!

Markus Offline



Beiträge: 598

30.12.2007 11:44
#10 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten

Danke für die Eindrücke und die Bilder.
Die wenigen noch existierenden Folgen scheinen ja gut erhalten zu sein.
Da ich schon länger mit der Box liebäugle, werde ich demnächst auch mal zuschlagen.

Guten Rutsch ins Jahr 2008
Markus

Gubanov Online




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02.01.2008 01:20
#11 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
The Hound of the Baskervilles

Das Geschehen beginnt mit einer sehr kurz gehaltenen Umsetzung der Sage der Baskervilles, die man großteils in Schattenspiel- und Fototechnik (letzteres ähnlich wie in "The Boscombe Valley Mystery" beschrieben) zu sehen bekommt. Dies setzt schon zu Beginn einen markanten optischen Effekt, der den Einstieg in den Film interessant macht. Die Sage wird, da sie von Sir Charles Baskerville erzählt wird, in ein abendliches Treffen der Herren aus der Gegend auf Baskerville Hall übergeblendet, bei dem außer dem Gastgeber auch Dr. Mortimer, Stapleton und Frankland anwesend sind. Hierbei fällt auf, dass sich die Darsteller von Mortimer und Stapleton sehr ähnlich (für meine Begriffe zu ähnlich!) sehen.

Die Versammlung löst sich langsam auf, da es schon spät ist und als alle gegangen sind, entpackt Sir Charles den aus dem Roman bekannten Brief von Laura Lyons, der ihn an das Tor an der Yew Alley bittet. Wie ihm gesagt, wirft Sir Charles den Brief ins Feuer und findet sich am vereinbarten Platz ein. Doch die Dame kommt nicht. Anstatt dessen hört man das unheimliche Heulen des Hundes, das immer lauter wird und Sir Charles immer mehr in Angst versetzt. Alles findet seinen Höhepunkt mit dem Tod des Mannes, den Dr. Mortimer, der noch nahe des Anwesens ist, durch dessen Schrei mitbekommt und zeitnah am Tatort sein kann.

Diese Anfangsszenen sind effektiv und unheimlich inszeniert und bauen sogleich die Angst der Anwohner um die Sage und die schauerliche Atmosphäre des Ortes auf.

Weiter geht die Geschichte wie bekannt und hält sich sehr eng an den Roman bis man zur Schlussszene des ersten Teils kommt. Watson allein beobachtet den Butler Barrymore, wie dieser Lichtzeichen aufs Moor sendet. Als sich der Butler danach mit einem Verpflegungskorb aus dem Haus begibt, um ihm Selden zur Verfügung zu stellen, folgt Watson ihm heimlich und bleibt noch eine Weile draußen. Er geht die Yew Alley entlang und hört schließlich ein unheimliches Rascheln in den Büschen. Nachdem er sich zuerst zusammenzureißen versucht, flüchtet er doch schnell ins Haus zurück, als das Heulen des Hundes ertönt. Verängstigt und verschwitzt schlägt er die Tür hinter sich zu und so findet die erste Episode ein spannendes Ende.

Die zweite Episode bleibt ebenfalls nahe am Roman und fällt nur durch einige zusätzliche Szenen im Wirtshaus des Dorfes auf. Darüber hinaus wird sehr ausführlich auf den Lyons-Teil in der Geschichte eingegangen, sodass Laura Lyons eine recht große Rolle spielt. Man könnte sogar so weit gehen, zu behaupten, dass ihre Rolle größer ist als die der Beryl Stapleton, die nur sehr selten in Erscheinung tritt.

---

Die Inszenierung der Geschichte ist spannend, düster, schaurig, temporeich und sehenswert. Die Landschaftsaufnahmen (direkt in der Region von Dartmoor gedreht) überzeugen ebenso wie die Musik und das Bühnenbild. Cushing und Stock geben abermals sehr gute Leistungen ab, besonders Stock, der lange Zeit beide Episoden allein tragen muss, brilliert als sympathischer Doktor Watson. Auf der einen Seite entspricht er dem Original, einem scharfsinnigen und intelligenten Mann, der zwar nicht immer die richtigen Schlüsse zieht, aber sich bemüht, immer das Beste aus der Situation zu machen. Zum anderen bringt er einen unvergleichlichen Humor in die Folgen, der das bedrückende Geschehen über Strecken aufheitert.

Die Besetzung der weiteren Rollen ist durchwachsen. Überzeugen können vor allem zwei Darsteller: der Wallace-Fans aus dem Film "Das Verrätertor" bekannte Gary Raymond als junger amerikanischer Erbe Sir Henry Baskerville mit umwerfendem amerikanischen Akzent und die Darstellerin der Laura Lyons, die ein beeindruckendes Bild der hart geprüften Frau gibt, die den falschen Mann geheiratet und von ihrem Vater verstoßen wurde und nun vom Mörder als Werkzeug heimtückisch benutzt wird. Stapleton wirkt passend, aber nicht herausragend, besonders nicht, wenn man andere Darsteller dieser Rolle - vor allem Richard E. Grant aus der 2002er BBC-Verfilmung - im Hinterkopf hat. Frankland erinnert an Barlowe Borland in der Rathbone-Adaption, bleibt aber insgesamt recht blass. Fehlbesetzungen sind Dr. Mortimer (zwar jung wie im Roman, aber äußerlich eine Witzfigur) und Beryl Stapleton (unglaubwürdig und nicht nachhaltig genug dargestellt).

Interessant ist es, zu erfahren, dass bereits hier in dieser Verfilmung aus dem Jahr 1968 offen die Gewalt Stapletons gegen seine Frau vor der Kamera gezeigt wird. Als sie im Streit mit ihm versehentlich verrät, dass sie Sir Henry einen Warnbrief geschrieben hat, schlägt er sie, später fesselt er sie ans Bett, weil sie seine Pläne nicht mehr mitmachen will.

Der Hund selbst wirkt gefährlich und angsteinflößend, wenngleich er nicht besonders viele Auftritte hat.

Der Schluss ist leider nicht wirklich abgerundet, hier hätte man sich noch eine "ordentliche" Schlussszene mit den Überlebenden der Geschichte, vor allem mit Sir Henry und Beryl Stapleton gewünscht. Die Episode endet mit dem Versinken Stapletons im Moor, was mir leider zu abrupt vorkommt.

Alles in allem gebe ich dem Film aufgrund seiner vielen, vielen Vorteile und der Tatsache, dass er wirklich sehenswert und eine schöne Umsetzung der Geschichte ist, aber auch über seine Kehrseiten (mittelmäßige Besetzung, fehlende Schlussszene) verfügt, 4 von 5 Punkten.

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Gubanov Online




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02.01.2008 12:03
#12 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten
The Hound of the Baskervilles - Part One


Weder Mortimer (links) noch Stapleton (Mitte) will Sir Charles glauben /// Sir Charles' Leiche


Holmes ist von der Bedeutung des Falles überzeugt /// Watson trifft im Moor auf Beryl Stapleton

The Hound of the Baskervilles - Part Two


Watson sucht den "Signalpartner" Barrymores /// Holmes und Watson statten Laura Lyons einen Besuch ab


Sir Henry geht nachts durchs Moor /// Holmes und Watson wachen über seine Sicherheit

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.364

05.01.2008 20:47
#13 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten

Laut dem Buch "Sherlock Holmes in Film und Fernsehen" fand die Peter-Cushing-Serie dank NDR auch ihren Weg auf deutsche Bildschirme. Anfang der Siebziger Jahre wurden die Folgen im Vormittagsprogramm der ARD wiederholt. Frage an die Fans alter Serien bzw. Sherlock-Holmes-Verehrer (Georg, Markus): Gab es damals für den privaten Fernsehzuschauer die Möglichkeit, die Episoden auf Videoband aufzuzeichnen? Hatte in den Siebziger Jahren jemand schon einen Videorecorder oder konnte man nur den Ton, nicht jedoch das Bild archivieren?

elvis Offline




Beiträge: 248

05.01.2008 21:28
#14 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten

Wenn ich auch nicht als Sherlock Holmes Verehrer oder als Fan alter Serien eingeschätzt werde, möchte ich die Frage doch beantworten. Die ersten sogg. VCR Recorder gab es im Jahr 1976 von Sony, mein erster VHS Recorder datiert aus 1980 und solange nehme ich auch schon Filme und Serien auf !

Gruß

Elvis

elvis Offline




Beiträge: 248

16.01.2008 09:29
#15 RE: "Sherlock Holmes" (BBC, 1968), mit Peter Cushing und Nigel Stock Zitat · antworten

Hallo,

es hat insgesamt 16 Folgen der von der BBC gedrehten Sherlock Holmes Serie mit Cushing und Nigel Stock gegeben, wovon 9 Folgen bei uns in der ARD von August 1969 bis Juli 1970 ausgestrahlt wurden. Nicht gezeigt wurden die Folgen :
The second Stain
The dancing Man
The Boscombe Valley Mystery
Black Peter
Wisteria Lodge
Shoscombe old Place
The Sign of the Four

gezeigt wurden :

Eine Studie in scharlachrot
Der Hund von Baskerville Teil 1 & 2
Der griechische Dolmetscher
Der Flottenvertrag
Die Brücke von Thor
Das Musgrave-Ritual
Der einsame Radfahrer
Der blaue Karfunkel

Gruß

Elvis

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