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Dieses Thema hat 55 Antworten
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 Filmbewertungen
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rainbow Offline




Beiträge: 1.597

11.12.2010 10:44
#46 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Auch bei "U153 antwortet nicht" geht es nicht gut
für den Ärmsten aus... dabei gab er in dem
Film seinen Zierfischen doch so interessante Namen

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

12.11.2011 20:20
#47 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Seit seiner Entstehung ist "Schreie in der Nacht" wohl den unterschiedlichsten Beurteilungen zwischen Gut und Böse ausgesetzt, unterm Strich steht ein wirtschaftlicher Misserfolg in der Hülle eines bemerkenswerten Experiments. Seit der Erstbetrachtung vor fast 10 Jahren kann ich kaum einen zweiten Film nennen, der mich in einer derart rücksichtslosen Art und Weise so überrollt, aber auch fasziniert, überrascht und vor allem überzeugt hat. Der Film und seine Darsteller stehen in einer bemerkenswerten Symbiose zueinander, ich möchte fast mit unzähligen positiven Prädikaten um mich werfen, doch diese Euphorie wird durch die Realität, beziehungsweise das Ergebnis ausgebremst. Ein Film, den damals Niemand sehen wollte, geschweige denn die Verantwortung für ihn übernehmen wollte. Oft hat mich die Frage beschäftigt, wieso "Schreie in der Nacht" damals wie heute nicht den Status eines offensichtlichen und anerkannten Meisterwerkes genießt. Die Erklärung ist vermutlich einfach, denn der von mir als am größten empfundene Vorzug des Films ist gleichzeitig seine größte, im Endeffekt vernichtende Blockade: die Charaktere, die Schauspieler und deren Interpretationen.

Was folgt muss hier zunächst Marianne Koch sein. Als Schauspielerin fand sie bei mir nie besondere Beachtung, da sie eigentlich kaum aus ihrer Schublade hervorzustechen wusste; der Kumpeltyp, "Die Landärztin", die Moralbehangene, die Überverlässliche, die Konservative...
Was sie aber hier aus ihrer Vivian Taylor herausholt war angesichts dieser festgefahrenen Meinung völlig unglaublich, im positivsten Sinne. Was empfanden da Zuschauer, die eben genau diese "verlässliche" Marianne Koch schätzten und erwarteten (falls dann doch irgend Jemand im Kino war)? Es liegt keinesfalls an der Zeichnung dieses Charakters, die Zeit war ja reif für Frivolitäten aller couleur, es liegt an der Schauspielerin Marianne Koch und deren Image. Die Frage, wie und warum sie an diese Rolle kam und sie auch noch annahm, würde mich brennend interessieren. Ein Engagement um über maue Filmzeiten zu kommen, ein Ausbruch aus dem Rollenfach, das absehbare Ende der Schauspielkarriere?

Vivian wird als Frau integriert, die einen seriösen Eindruck macht. Sie hat Stil. Schnell stellt sich aber heraus, um welch zerrüttete und zutiefst einsame Frau es sich handelt. Die exemplarischen Veranschaulichungen in Rückblenden zeigen ihren aussichtslosen Kampf gegen ihre Neigung für junge, attraktive Damen, an dem sie in fataler Weise scheitern wird. Aus Zurückhaltung wird Interesse, aus Gier wird Manie und aus Affekt wird Schuld. Die damals fast 40-jährige Marianne Koch bekam im Film viele Nahaufnahmen, die Zooms konzentrierten sich auf ihre kraftvollen, fixierenden Augen, die wortlos und präzise das Spektrum der Gefühlszustände präsentieren. Ein Erlebnis! Wenn Vivian an die Zweisamkeit mit Freundin Elisabeth zurückdenkt, entstehen wunderbare Traumsequenzen. Choreografische, langsamste Bewegungen, die Kleider flattern durch einen Hauch von Wind, die wunderbare Musik von Carlo Savina im Hintergrund, die Fast-Berührungen der Lippen, die Kamera verliert sich in Andeutungen, der Zuschauer spielt diese zu Ende. Dann schießt immer wieder die Realität ein. Vivian sucht nach Zuneigung, möchte aber zur Liebe zwingen. Für Kochs Verhältnisse ein wohl einmaliges Spektakel, im Gegensatz zu ihren Partnerinnen Helga Anders und Dominique Boschero, die mit derartigen Aufgaben durchaus vertraut waren.
Dominique Boschero ist hier wirklich umwerfend. Ihre Margarete arbeitet sich, andeutungsweise aus einem bestimmten Metier stammend, zielstrebig nach oben, und wird Vivian's Objekt der Begierde. Im Verlauf kommt es zu erbittertem Widerstand seitens Margarete und zu unerbittlichen Forderungen seitens Vivian. Das ganze gipfelt in einem visuell und vor allem darstellerisch hochprägnanten Showdown. Helga Anders als Elisabeth wird im Szenario als Wurzel allen Übels präsentiert, sie ist eine lebenshungrige und rücksichtslose, in langweiliger Ehe stehende junge Frau, die hauptsächlich verfüherisch, mit halboffenem Mund und aufforderndem Blick zu begutachten ist, sich dann selbstverstänlich in ihrer kurzen Rolle hüllenlos zeigen darf. Boschero ist in dieser Beziehung mit von der Partie, die Erotikeinlagen sind unter Beteiligung von Marianne Koch aber nur softcore angelegt. Obwohl sie ungewöhnlich viel Haut zeigt, darf sie die Hosen aber anlassen.
Die Besetzungsliste führt Joachim Fuchsberger an, nicht etwa als Ermittler oder sympathischen Charakter, nein er darf sich hier Ambivalenz bedienen und macht seine Aufgabe in dieser für ihn ungewohnten Rolle wie immer sehr gut. Ben Taylor erlebte einen beruflichen Abstieg und ist nur noch Lakai seines ehemaligen Geschäftspartners, sein Zuständigkeitsbereich ist die Drecksarbeit. Die Beziehung zu seiner Frau Vivian ist oberflächlich und zeichnet sich durch unterschiedlichste Erwartungshaltungen aus. Vivian soll in jeder Beziehung nur da sein und auf Abruf bereit stehen, Affären und nebeneinander Herleben sind an der Tagesordnung. Am Ende des Films bekommt man schließlich von Joachim Fuchsberger eine im Gedächtnis bleibende Vorstellung geboten.
Giuliano Raffaelli als Archibald Barrett zeichnet eine verlebte, abstoßende Figur. Der ehemalige Partner von Ben hat diesen in der Hand, seine Geliebte ist Margarete, die sich längst mit Barretts neuem Verwalter (Claudio Camaso) vergnügt. Barret trinkt, spielt, lebt und verfolgt nur ein Ziel, nämlich seine Macht auszubauen oder zu legitimieren. Er besitzt Dokumente, durch die er bestimmte Personen seines Umfeldes in der Hand hat und sie beglaubigt werden müssen. Deswegen bricht die Gruppe mit Ben, Vivian, Margarete, dem Verwalter Alfred und ihm auf. Es stürmt, es tobt ein Unwetter, der Wagen bleibt stecken, die Determination führt sie in ein in der Nähe liegendes Jagtschloss, in dem sie auf zwei dubiose Gestalten treffen, eine alte Frau (Marianne Leibl) und ihrem Sohn (Alan Collins), mit denen sie eine spiritistische Sitzung abhalten. Hier wird die Schuld an Mord und Betrug und der moralische Verfall aller Beteiligten durchleuchtet, jeder soll seine Schuld bezahlen. Hochinteressant!

Mit "Schreie in der Nacht" hat man es insgesamt mit keinem klassischen Genre- oder Unterhaltungsfilm zu tun. Geboten bekommt man eher einen Rundumschlag durch zahlreiche Genres, weder Film noch Zuschauer mögen sich so recht entscheiden, womit man es gerade zu tun hat. Das mag konfus klingen, wird aber sehr gekonnt ineinander verstrickt, sodass man eigentlich nur auf den nächsten Paukenschlag wartet. Der Film bietet also eine ernste und morbide Grundhaltung, bleibt letzlich aber nur ein interessantes Märchen?
Ich persönlich mag Rückblenden ja sehr gerne, die ich hier als ausgesprochen gelungen bezeichnen möchte und egal wie man zu "Schreie in der Nacht" stehen mag, Überraschungen (ob positiv oder negativ) werden hier reichlich geboten. Schön ist es obendrein, dass er in diesem Jahr seine verdiente DVD-Veröffentlichung bekommen hat, für mich jedoch absolut irrtümlich in der X-Rated Giallo-Series. Bei dieser Produktion kann ich, trotz großer Wertschätzung, jede so-oder-so-Einschätzung gut nachvollziehen. Der Zuschauer bekommt nicht einen Sympathieträger serviert, es kommt zu mehr oder weniger ungewohnten Interpretationen der Rollen und das noch von Schauspielern, die der Ein oder Andere so nicht sehen möchte, die Story kann man als perfekten Einfall deuten oder als kompletten Unfug. Man muss ihn also nicht mögen, man kann es aber.
Bei all diesen spektakulären schauspielerischen Exzessen wirken diverse Unzulänglichkeiten des Films aber wirklich komplett unwichtig. "Anthony M. Dawson's" Beitrag ist und bleibt für mich jedenfalls einer meiner Top-10-Knaller!

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

09.09.2013 22:50
#48 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten



SCHREIE IN DER NACHT / CONTRANATURA (1969)

mit Marianne Koch, Dominique Boschero und Joachim Fuchsberger
Giuliano Raffaelli, Helga Anders, Gudrun Schmidt, Alan Collins, Marianne Leibl und Claudio Camaso
eine Produktion der CCC Filmkunst | Edo Cinematografica | Super International Pictures
im Inter Filmverleih
ein Film von Antonio Margheriti





»Warum weigerst du dich, soll ich dich zwingen?«


Wegen eines starken Unwetters bleibt eine Gruppe der Londoner High Society mit ihrem Wagen im Schlamm stecken. Der wohlhabende Archibald Barret (Giuliano Raffaelli) und sein Partner Ben Taylor (Joachim Fuchsberger) führen wichtige Dokumente mit sich, die ihm am nächsten Tag beglaubigt werden, und eine große Erbschaft garantieren sollen. Da das Fahrzeug jedoch festsitzt, begeben sie sich auf die Suche nach einem Unterschlupf und man findet sich in einem alten Jagdschloss wieder, wo sie anscheinend erwartet werden. Uriat (Alan Collins) lädt die Gesellschaft zu einer spiritistischen Sitzung ein, deren Medium seine Mutter (Marianne Leibl) darstellt. Die alte Frau beginnt plötzlich über Details aus der Vergangenheit der Gäste zu sprechen, bis dunkle Geheimnisse ans Tageslicht kommen. In ihrer Mitte soll sich nämlich ein Mörder befinden. Eine Nacht die einem Alptraum gleicht beginnt...

Für mich ist Antonio Margheritis "Schreie in der Nacht" einer der faszinierendsten Filme, die ich bislang gesehen habe, was vermutlich daran liegt, dass ich ihn zu keiner Genre-Zuweisung verurteile. Vom Eindruck, vom Ergebnis und von den transportierten Emotionen her stellt sich mir immer schon die Frage, warum es sich letztlich um einen Film handelt, den damals niemand sehen wollte, doch die Antwort ist vermutlich ganz einfach. Der meiner Ansicht nach größte Vorzug des Films, nämlich dass Darsteller Reihenweise mit Atem beraubenden Interpretationen aus ihren üblichen Schubladen ausbrechen, dürfte global gesehen die ultimative, vernichtende Blockade gewesen sein, denn selbst 1969 war man wie es scheint noch nicht ohne Abstriche dazu bereit, das (in aller Diskretion und Ästhetik) Über-Progressive des Films wahrzunehmen und anzuerkennen. Dass Margheriti sich gängiger Plot-Fragmente bediente, ist Zeit bezogen mehr als nachvollziehbar, doch dass man sich in aller Stille traute, Grenzen zu ignorieren und zu überschreiten, rechne ich diesem Film sehr hoch an, was später am Beispiel Marianne Koch noch separat erläutert wird. Um die Stärken der Produktion wahrzunehmen, sollte man sich nicht auf die verkappte Giallo-Schiene leiten lassen, das gibt der Film nicht her, das möchte er auch nicht darstellen. Seine übernatürlichen Elemente sollte man lediglich als Spiegel deuten, der immer wieder die Realität vorhalten wird, ja, und das Krimi-Prinzip schiebe ich ausschließlich einer wirtschaftlichen Orientierung in die Schuhe. "Schreie in der Nacht" ist kein Meisterwerk, dafür blieb man trotz aller Provokation in zu sicherem Fahrwasser, aber ein Film in der persönlichen Besten-Liste braucht zumindest für meine Begriffe keine lückenlose Rechtfertigung. Der Film packt und hypnotisiert mich jedes Mal aufs Neue, das genügt!





"Schreie in der Nacht" stellt sich im Verlauf als eine überragende Assoziationskette heraus. Rückblenden sind bei mir ja ohnehin sehr gerne gesehen, und hier leistet die Regie Außergewöhnliches im Bereich der jeweiligen Übergänge. Selten kam mir eine Geschichte, die rückwirkend immer mehr aufgerollt wird so flüssig und stimmig vor. Das Stilmittel der Wahl sind in diesem Film die Augen der Darsteller, die auch ohne weitere Kniffe bereits Bände sprechen. Ein ausgiebiger Zoom auf beispielsweise Marianne Kochs eisblaue Augen, ein leerer, kalter Blick verwandelt sich plötzlich in Ausdrucksstärke und Freude, und dann befindet sich der Zuschauer auch sogleich um Jahre zurück versetzt und sieht sie in besseren Zeiten. Das Spiel mit Nähe und Distanz ist hervorragend, man hat insgesamt das Gefühl, dass man sich in einem Kreislauf befindet, aus welchem man sich ebenso wenig befreien kann wie die Protagonisten. An sich ist die Geschichte sehr weit weg, da sie im ersten Impuls keinen Realitätstransfer bilden möchte, doch aufgrund der ausgezeichneten Charakter-Studien fühlt man sich unter Umständen sogar einigen Personen im allgemeinsten Sinne vertraut, und lediglich auf geschilderte Stimmungen und Gefühle wie Rache, Eifersucht, Resignation, Verzweiflung oder Glücksmomente bezogen. Möglicherweise neige ich mal wieder dazu, diesen Film überzubewerten oder ihn sogar überzuinterpretieren, doch ich muss es sagen wie es ist: "Schreie in der Nacht" regt zur Impulsivität an und lässt mir in manchen Einstellungen nach wie vor das Blut in den Adern gefrieren. Des Weiteren wurde hier ausgiebig mit Umkehrreaktionen gespielt, was das teils zu behäbige Erzähl-Tempo immer wieder aufhebt. Mit Carlo Savinas träumerischen Kompositionen werden Stimmungen geschaffen, die in Verbindung mit den Charakteren in jeder Hinsicht bestimmend werden. Wenn sich mit fortlaufender Zeit das Unausweichliche bündelt und zuspitzt, hätten die Szenen unbedingt eine straffere und wesentlich schnellere Montage nötig gehabt, dann wäre die Kette für meine Begriffe perfekt gewesen. Obwohl ich Margheritis Beitrag schon dutzendfach gesehen habe, gibt es immer wieder etwas neues zu entdecken, und gerade dieser Film hat, um ihn faszinierend zu finden, mehrere Chancen und Blicke nötig...

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.344

27.10.2013 17:58
#49 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #43
In Kürze wandert der Film wieder in meinen DVD-Player...
Frage in die Runde: In welchen weiteren Filmen ist Fuchsberger einem Filmtod erlegen?


In Kürze ist zwar relativ, aber am Wochenende musste dieser Film mal wieder in meinen DVD-Player. Ich habe mittlerweile die DVD aus der Veröffentlichung, so dass nun auch die Bildqualität gut ist.

Obwohl ich mit Giallos nichts anfangen kann (davon trägt dieser Film meiner Meinung nach Elemente) hat er mir sehr gut gefallen. In den Eröffnungsszenen ist das "Bühnenbild" im Nebel-Moor sehr schön gewählt und deutlich besser gestaltet, als in manch einem Edgar-Wallace-Film. Allgemein gefällt mir die Kamera-Führung stilistisch sehr gut.
Joachim Fuchsberger kann in diesem Film ein stückweit eine zwielichtige Rolle verkörpern, wird von mir aber trotz seiner "Verfehlungen" positiv wahrgenommen.
Die lesbischen Verhältnisse im Film waren sicherlich für damalige Verhältnisse recht mutig.
Die Story überzeugt und findet aus meiner Sicht ein rasches, aber der Handlung nach logisches Ende. "Dem Tod kann man nicht davon laufen!".
Für mich mindestens 4/5 Punkte! Empfehlenswert!

FRAGE: Warum ist der Film als FSK 18 eingestuft? Wegen der Horror-Elemente oder wegen der lesbischen Szenen? Weiß das jemand?

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.344

29.12.2013 20:38
#50 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Während ich gerade "Fantomas bedroht die Welt" schaue, fallen mir bemerkenswerte Ähnlichkeiten auf:
- Gruppe fährt mit Auto durch Nebel
- Im Anschluss findet spirituelle Sitzung statt.
Da dürften die Macher von "Schreie in der Nacht" wohl eindeutig Elemente geklaut haben.
Natürlich entstammen beide Filme aus unterschiedlichen Genres.

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

29.12.2013 20:58
#51 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Naja, ein kleines bisschen weit hergeholt finde ich.
Außerdem gibt es in "Schreie in der Nacht" auch keinen Nebel, bleibt also nur noch die spirituelle Sitzung übrig, die man vom Prinzip her auch dutzendweise in anderen Filmen finden kann. Bin mir sicher, derartige Parallelen gab es bestimmt auch schon vor "Fantômas".

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.344

29.12.2013 21:40
#52 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Doch, den Nebel gab es auch bei Schreie in der Nacht. Ich habe beide Filme kürzlich geschaut, und bin deshalb darauf gestoßen. Natürlich spreche ich nicht von einem Remake, aber die Szenenaufmachung hat Ähnlichkeit.

TV-1967 Offline



Beiträge: 355

17.01.2014 10:39
#53 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Die Geschichte warum Marianne Koch zu diesem Film kam ist eigentlich ganz einfach. Sie hatte einen Vertrag für mehrere Filme bei der CCC
(Artur Brauner) zu erfüllen. Genauso wie Blacky. Deshalb die Verpflichtung für diese Rolle.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

25.01.2014 18:15
#54 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Nachdem ich mich von meiner Seekrankheit aufgrund der omnipräsenten Wackelkamera erholt habe, kann ich ein paar Worte schreiben....furchtbar langweiliger Film. Dem Streifen fehlen eindeutig ein paar deftige Gewalt - oder Sexszenen....damit könnte man besser darüber hinwegsehen, dass man gerade 80 Minuten für diesen viele völlig belang- und einfallslosen Schund geopfert hat. Was am meisten nervt, ist Marianne Koch mit ihren ständigen nymphomanischen Anwandlungen an quasi jede weibliche Person im Raum. Blacky bleibt völlig blass wie praktisch der Rest der Riege neben Frau Koch, was aber eher am missratenen Buch als an seinen Fähigkeiten liegt. Dafür darf er am bestenfalls unfreiwillig komischen Ende noch den Colonel Brinkley geben....immerhin etwas.

Fazit: Eindeutig der größte Mist im Spät-Wallace / Giallo Dunstkreis, den ich bisher gesehen habe. Dafür gibts höchstens nen halben von 5 Punkten.

tilomagnet Offline



Beiträge: 496

25.01.2014 18:22
#55 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

Was den guten Blacky aber etwas entschuldigt: Er war in dieser Zeit ziemlich in finanzielle Nöte gekommen aufgrund von Fehlinvestitionen. Er war also nicht mehr so jung, aber brauchte trotzdem dringend das Geld. Von daher, Schwamm drüber.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.397

26.09.2016 20:17
#56 RE: Bewertet Stilverwandte: "Schreie in der Nacht" Zitat · antworten

BEWERTET: "Schreie in der Nacht" (Contronatura) (Italien/Deutschland 1969)
mit: Joachim Fuchsberger, Dominique Boschero, Marianne Koch, Alan Collins, Helga Anders, Giuliano Raffaelli, Marianne Leibl, Marco Morelli, Claudio Camaso, Gudrun Schmidt u.a. | Drehbuch: Antonio Margheriti | Regie: Anthony M. Dawson

Sir Archibald Barrett bittet seine Freunde und Geschäftspartner zu einer Aussprache in sein Landhaus in Brighton. Die Gesellschaft bricht bei strömendem Regen auf und gerät bald mit dem Auto von der Straße ab. Die Herrschaften suchen Schutz in einem einsamen Haus, das von einer spiritistischen Mutter und ihrem Sohn bewohnt wird. Eine Séance fördert Geheimnisse zutage, die für alle Beteiligten unangenehm sind....



"Der Abend fängt ja vielversprechend an!" Als die Personen am Spieltisch aufbrechen und in die dunkle Nacht hineinfahren, hat jeder unterschiedliche Vorstellungen vom weiteren Verlauf des Abends. Während sich Ben Taylor eine Klärung seiner geschäftlichen Krise mit Archibald Barrett erhofft, lauert seine Frau Vivian auf ein erotisches Vergnügen mit dessen Partnerin Margaret. Diese möchte ihre Zeit jedoch lieber mit ihrem Liebhaber Alfred verbringen. Die explosive Stimmung wird durch die zunehmende Heftigkeit des Gewitters befeuert und kulminiert buchstäblich im Verderben. Der Wagen des Lebens bleibt im Schlamm stecken und während sich die Insassen durch die Nässe zu einem vermeintlichen Ort des Schutzes kämpfen, wartet dort bereits die zerstörerische Wahrheit auf sie. Ab sofort bewegen sie sich wie Ausgestoßene innerhalb eng gesteckter Grenzen, aus denen es keinen Ausweg mehr gibt. Während alle Personen glaubten, ihre Schandtaten unter Verschluss halten zu können, wird die Vergangenheit nun unvermittelt ans Licht gezerrt und die hässliche Fratze der Apokalypse setzt sich in Bewegung, um alles mit sich zu reißen. Die Personen haben alle sieben Todsünden begangen und das gleich mehrfach und erwarten jetzt ein Strafgericht, das wie ein Racheakt aus dem Jenseits wirkt.

In zahlreichen Rückblenden, die wie die Zahnräder einer Mühle ineinandergreifen, erklimmen die handelnden Personen aus einer Entfernung von zehn Jahren die Leiter zum persönlichen Erfolg. Karrieren werden in Angriff genommen, Verbindungen geknüpft und Affären gepflegt. Noch strahlt ihr Leben im glänzenden Licht der Sonne. Noch sammelt man sich zur Fuchsjagd oder einem Ball und gibt sich charmant und siegesgewiss. Von außen betrachtet sehen die Beteiligten wie kultivierte Angehörige der englischen gehobenen Mittelklasse aus, deren Sorgen mit einem Lächeln übertüncht werden. Sobald sie von ihren beiden Gastgebern unter das Mikroskop der Wahrheit gezerrt werden, treten die Verfehlungen jedes Einzelnen ungeschminkt hervor und lange Schatten legen sich auf die gespannte Atmosphäre. Die Risse innerhalb der Gruppe werden deutlich und schirmen die Einzelschicksale voneinander ab. Unterschiedliche Interessen sorgen für emotionalen Sprengstoff und treiben die Handlungen auf die Spitze. Im Dunstkreis der absoluten Wahrheit, die mithilfe der Stimme aus dem Jenseits beschworen werden soll, legen die Personen ihre Zurückhaltung, Scheu und letzte Skrupel ab. Während einige gegen die Enthüllungen mit der Forderung nach Beweisen ankämpfen, verfangen sich andere im selbst ausgelegten Netz ihrer Begierden.



Die deutschen Schauspieler, die durch die CCC-Film von Artur Brauner verpflichtet wurden, agieren nur auf den ersten Blick abseits der von ihnen geprägten Image-Pfade. Vieldiskutiert ist vor allem der Auftritt von Marianne Koch, die als Vivian Fuchsbergers Frau spielt, deren Bedürfnis nach Zärtlichkeit auf das eigene Geschlecht gerichtet ist. Sie erhält die meisten Nahaufnahmen; vor allem ihre Augenpartie rückt immer wieder in den Fokus, wobei das Eisblau je nach Stimmung variiert. Ihre kühle Distanz gibt sie rasch auf, wenn sie eine Chance sieht, auf ihr Ziel zuzusteuern. Sie gehorcht dabei ihrem Grundsatz, Nähe zu suchen, wann sie es will und nicht darauf zu warten, dass ihr Mann den Wunsch nach Zweisamkeit äußert. Ihre Unruhe und die wachsende Verzweiflung, die sich mit dem Rückzug ihrer Geliebten ergibt, lassen sie zunehmend überspannt wirken. Wie ein überhitzter elektrischer Faden verliert sie die Kontrolle und überschreitet eine Grenze, die auf beiden Seiten Tod und Zerstörung bringt. Die Intensität, mit der Marianne Koch ihre Figur porträtiert, zeigt die Gefährlichkeit einer hoffnungslosen Obsession, die zunehmend aus dem Ruder läuft. Helga Anders, zart und dennoch willensstark, entzieht sich der Vereinnahmung durch die ältere Frau, die ihr zunächst als willkommene Bewunderin entgegentritt, sie aber schließlich exklusiv besitzen möchte. Die bodenständige Dominique Boschero bildet den Gegenpart und ist doch ebenso unerreichbar.

Joachim Fuchsberger stellt wieder einmal unter Beweis, dass ihm ein handfester Pragmatiker näher liegt als ein Träumer oder Philosoph. So ist auch er es, der die Karten auf den Tisch legt und unempfänglich für den Hokuspokus des spiritistischen Treibens bleibt. Seine Anwesenheit garantiert die Beibehaltung des eingeschlagenen Weges und verhindert ein Überhandnehmen unerklärlicher Phänomene. Die Verschlossenheit und das Schweigen, das ihn zu Beginn mutlos wirken ließen, weichen einem engagierten Aufbegehren gegen Anschuldigungen, wage Vermutungen und vertuschte Einzelheiten. Viele Szenen könnten auch aus seinem klassischen Kriminalrepertoire stammen und zeigen die Bodenständigkeit des Darstellers, der geradlinig Sicherheit garantiert. Der Gegensatz zwischen den luxuriösen Schauplätzen der Vergangenheit und dem zunehmend düsteren Gefängnis, das einem jüngsten Gericht gleicht, geben dem Zuseher das Gefühl, alle Verderbtheit der Menschen auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Die biblischen Untertöne, die mit Sintflut und ewiger Verdammnis einhergehen, lassen die Botschaft des Films noch schonungsloser wirken. "Crime doesn't pay!" lautet wohl auch hier das Fazit, bevor die Fäulnis alles überwuchert.

Charakterstudie einer Gesellschaft, deren (Hab)gier und Begierden sie (buchstäblich) hinunterzieht und ihre brüchige Scheinwelt als Hort von Betrug, Lüge und Mord entlarvt. Das starke Sinnesspiel von Koch und Anders, der zuverlässige Realismus von Fuchsberger sowie die detailtreue Ausstattung machen den Film zum speziellen Erlebnis.

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