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Dieses Thema hat 45 Antworten
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 Filmbewertungen
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Fabi88 Offline



Beiträge: 3.892

04.09.2023 15:36
#46 RE: Bewertet: "Wartezimmer zum Jenseits" (1964, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Ich finde den Film auch auf seine Art bemerkenswert. Allerdings gibt es auch einige Punkte, die nicht so richtig zünden, weshalb ich bei jeder Sichtung etwas ratlos zurück bleibe.
Deinen Punkt 3 würde ich so nicht unterschreiben: Hans Clarin soll offensichtlich diese Rolle besetzen, man hat aber dabei "vergessen" ihm die Rolle passend auf den Leib zu schreiben. Es fühlt sich so an, wie viele (spätere) Arent-Wallace-Rollen, bei denen man man darauf verzichtet hat, klare Pointen zu schreiben, sondern allein Arents Präsenz (und die Erinnerung an frühere Rollen) für Augenzwinkern und Humor sorgen sollte. Hans Clarin bekommt relativ wenig an die Hand, mit dem er arbeiten kann.
Die Idee war wohl prinzipiell mit Götz George und Hans Clarin ein wenig ein "Update" vom Duo Fuchsberger und Arent aus "Der Frosch mit der Maske" zu versuchen - zumindest erinnert mich die Anlage der beiden Rollen daran - vielleicht geht es aber auch nur mir so?
Götz George macht seine Sache recht gut, durfte aber ähnliche Rollen dann nur noch vier Jahre später im trashigen "Ich spreng euch alle in die Luft" und im vielleicht noch trashigeren "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu" spielen, bevor er im TV landete. Eigentlich schade, dass der deutsche Film, bzw. das Unterhaltungskino genau zu jener Zeit zur Talfahrt ansetzte. Ich hätte mir George schon Ende der 60er oder Anfang der 70er gut in Actionfilmen vorstellen können. Vielleicht sogar als "harter Cop" auf St. Pauli oder Ähnliches. Auch wäre er in der Rolle von Kressin vielleicht schon in den 70er-Jahre-Tatorten eine gute Wahl gewesen. Auch wenn ich Rupp in der Rolle sehr schätze.
Richard Münch finde ich persönlich als Bösewicht zu blass. So wirklich überraschen möchte die Wendung rund um seinen Rollstuhl auch nicht, bzw. fragt man sich, warum er sich (scheinbar über viele Jahre) die unglaubliche Mühe gemacht hat einen gewissen Anschein zu erwecken.
Auch hilft es wenig, dass man ausgerechnet Kinski in einer typischen "Kinski-Wallace"-Rolle aufbietet, aber dann zu schnell "abserviert". Da wäre ein unverbrauchtes Gesicht wie Werner Pochath vielleicht dankbarer gewesen um sich vom "großen Bruder Wallace" abzugrenzen. Dass Pinkas Braun und Jan Hendriks länger dabei sind, freut mich persönlich natürlich. Auch Heinz Reincke sehe ich immer gern, ob er nun mit seinem breiten Hamburger Dialekt als britischer Inspektor die beste Wahl war, sei dahingestellt.
Und das Ganze ist eher als Tragödie denn als Krimi angelegt, worauf auch der Soundtrack deutlich hinweist. Allerdings ist dafür die Interaktion, bzw. Liebesgeschichte zwischen George und Knef viel zu diffus angelegt, bzw. wirkt aufgrund der wenigen gemeinsamen Szenen unglaubwürdig. So bewegt zumindest mich das Ende nicht so sehr, wie wohl beabsichtigt.

Alles Folgende stellt nur meine persönliche Einschätzung dar, ohne Einblicke in irgendwelche Produktionsunterlagen:
Ursprünglich war Robert Siodmark als Regisseur vorgesehen, Vohrer dürfte günstiger gewesen sein.
Italien als Drehort dürfte seinerzeit auch nicht so wahnsinnig teuer gewesen sein (schließlich brachen dort gerade die Hollywood-Aufträge weg und man begann sich gerade erst mit Mario Bava und anderen Filmemachern wieder selbst etwas aufzubauen) und auf Ultrascope war man ja bereits ein Jahr zuvor mit "Der Zinker" in der Wallace-Reihe umgestiegen.
Kamera-Altmeister Bruno Mondi (mit seinem letzten Film) holt einfach sehr viel aus den Bildern heraus und setzt beispielsweise das Licht sehr gut. Ob hier auch ein etwas großzügigerer Drehplan gewählt wurde und es schlichtweg mehr Zeit gab, weiß ich nicht.
Hildegard Knef hatte 1964 noch immer einen großen Namen, aber eine Durststrecke hinter sich und spielte ein Jahr später für Sparfuchs Harry Alan Towers in "Blonde Fracht für Sansibar", dürfte also nicht unbedingt teurer gewesen sein als die Hauptdarstellerinnen in parallel produzierten Wallace-Filmen.
Götz George war (noch) nicht auf Hauptrollen abonniert und sicher längst nicht so teuer wie Fuchsberger, Drache und Co. Auch Hans Clarin dürfte gegenüber Eddi Arent Gagen-technisch noch im kleineren Rahmen unterwegs gewesen sein.
Heinz Reincke stand am Anfang seiner Kino-Laufbahn und war zuvor eher in kleineren TV-Rollen zu sehen gewesen.
Alle anderen Schauspieler spielten ja recht ähnliche Rollen auch (oft) parallel bei Wallace.
Alles in Allem dürften Stab und Besetzung also einen ähnlichen Kostenrahmen gehabt haben.
Ich würde sogar so weit gehen und darauf tippen, dass "Der Hexer" aus dem selben Jahr ein ähnliches Budget gehabt haben dürfte. Dass man beim letzten Wallace-Film des Jahres 1964 ("Das Verrätertor") dann einen Großteil der Kosten auf einen britischen Co-Produzenten verteilte und ab 1965 wieder auf 1,66-Bildformat umstieg, dürfte anders herum eher für eine Budget-Senkung sprechen, die nach "Wartezimmer" und "Hexer" erfolgte.
Teurer als vorige Wallace-Filme war das "Wartezimmer" also wohl schon, aber nicht unbedingt teurer als "Der Hexer".

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