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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 788 mal aufgerufen
 Romane
Seiten 1 | 2
Savini Offline



Beiträge: 447

09.09.2021 10:54
#16 RE: Der grüne Bogenschütze (1923) Zitat · Antworten

Als ich den Roman im vergangenen Jahr nochmal gelesen habe (diesmal in der Weltbild-Ausgabe) ist mir eine Ungereimtheit aufgefallen:
Valerie Howett kennt nicht nur den Namen ihrer Mutter Elaine Held, sondern hat auch über Privatdetektive deren Leben genau überprüfen lassen, besonders die letzten Jahre vor deren Verschwinden. Aber trotzdem weiß sie nicht, dass ihre Mutter mit Michael Bellamy verheiratet war und dass Abel Bellamy also ihr Onkel ist. Wie kann das sein?
Da war es eine Verbesserung der Verfilmung, dass sie dort auch darüber informiert ist und Bellamy gleich bei ihrer ersten Begegnung mit "Onkel Abel" anspricht.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.600

11.09.2021 00:44
#17 RE: Der grüne Bogenschütze (1923) Zitat · Antworten

Die ungekürzte Romanfassung

Edgar Wallace beschreibt Bellamy weitaus böser als im Film, seine Bosheit die ständig immer mehr zum Vorschein kommt und sich am Ende noch so steigert, daß er seinen Tod in Kauf nimmt. um seine Feinde verrecken zu sehen. Wallace läßt überhaupt kein gutes Haar an Bellamy, der keinerlei menschliche Züge hat und das auch nur im Ansatz irgendeine Form von Mitleid beim Leser übrig läßt. Er dominiert als Erzverbrecher die ganze Handlung. Wenn man genauer darüber nachdenkt könnte man ihn auch als Monster bezeichnen. Eddie würde sagen "So kann man doch keinen Flm machen". In den ersten Kapiteln hat man den Eindruck, es gibt keinen Ermittler. Tlw. wird die Geschichte anhand von Spike Holland erzählt, der später im Handlungsverlauf erneut Wichtigkeit erhält.
Es kommt öfters vor, daß Handlungsfäden irgendwo hängen bleiben ohne logisch zu Ende gebracht zu werden. Kai-Jörg Hinz : "Wenn Edgar Wallace sich eine Geschichte in den Kopf gesetzt hat, dann war es für ihn das oberste Ziel diese Geschichte in kürzester Zeit abzudiktieren und er hat auch kein Manuskript dann nochmal durchgelesen, das war dann für ihn abgeschlossen. Am Anfang der Geschichte, hieß die Hauptdarstellerin Mary, und am Ende der Geschichte hieß sie Susan. Dann war das Aufgabe seines Sekretärs oder seiner Sekretärin entsprechend die Personennamen richtigzustellen. Da hat er sich nicht drum gekümmert" *7. Umgekehrt verstehe ich nun besser Szenen im Film, weil ich deren Bedeutung im Roman gelesen habe. Es ist eine Menge Stoff mit den erwähnten Handlungsfäden, wo der Autor wohl erwartete, wie der Leser diese zu verstehen hat, oder eben auch nicht, weil einfach unwichtig. Das Ganze ließ sich für ein Drehbuch nur "flüssig" gestalten wenn man nicht alle Details und Nebelkerzen übernimmt.
Auch wird Wallace in der Person des Bogenschützen um einiges deutlicher als im Film. Wenn es seine Absicht war auf ein WhoDoneIt hinzuarbeiten, so hat er es beim herunterschreiben leider zu sehr verhindert, was im Film eindeutig besser gelungen ist. Überhaupt beziehen die Personen in Wallace Roman keine klare Kante, was ich entgegen im Film viel besser finde und weniger zur Verwiirung beiträgt. Die Kernfiguren im Film kommen dafür deutlicher zum Vorschein. Könnte man die 428 Seiten in 90 Minuten lesen und sich alle Handlungsdetails, Abschweife und Irrläufer merken, wäre ein Vergleich mit dem Filmdrehbuch statthaft. Lacy wirkt für mich im Roman unpräzise, aber auch nicht geheimnisvoll, farbloser als im Film. Coldharbour mußte und wurde sehr gut aus dem
Roman adaptiert und treffsicher in Szene gesetzt. Auch Mr. Howett. Für Featherstone und Valerie fand Wallace eine klare Linie, wie auch im Film umgesetzt. Edgar Wallace schreibt das Ende so, daß der Bogenschütze überlebt, die Gerechtigkeit siegt, Also sämtlche Morde des grünen Bogenschützen von Featherstone, der die Geschichte kennt, nicht polizeilich verfolgt werden. Das ist auch zurückblickend auf viele andere Krimis m.E. überhaupt nicht für ein gewohntes Filmende, schon garnicht für einen Wallace wie man ihn kannte und kennt zu verwenden. Wallace möchte für alle, also Featherstone&Valerie, Mr. Howett & Elaine Held eine Hochzeit mit Happy End und eben daß John Wood als Rächer ungestraft ausgeht.Ganz einfach gedacht : Die Bösen sind alle richtig böse und die Guten verdienen ein Happy End. Eine Überleitung zum ungemein wichtigen Thema FSK.

Die Verfilmung

Wenn ich mich einmal von Wallace löse, findet sich hier die genialste Szene in der Krimi-Filmgeschichte. Außerdem ein Zusammentreffen von Fröbe und Ledinek, die, besser kann man die Sache nicht drehen, hier einzigartig agieren. Betrachtet man sich die Schnitte, ich denke ich habe den Film nun schon über 50 Mal gesehen, so hat man den Eindruck, daß aus über 4 Stunden guten Film das beste zusammengeschnitten wurde. Es sind eben keine schnellen Schnitte wie heute üblich, sie sind i.d.R. sehr kurz, die Dialoge straff, so straff, daß tlw. mit einem Satz mehrere Vorgänge erklärt werden. Die Übergänge sind fast hart, flugs sind neue Darsteller im Bild. So geht das Schlag auf Schlag. Karin Dor hat hier ihren reizendsten Filmpart und auch Klausjürgen Wussow überzeugt als gäbe es keinen Joachim Fuchsberger.Natürlich spielt Wussow hier nicht den etwas schusseligen Playboy Joachim Fuchsberger und Karin Dor nicht die ängstliche beschützenswerte junge Dame. Im Gegenteil es sind zwei selbstbewußte Figuren, ähnlich wie Catherina von Schell un Gary Raymond beim Verrätertor. Und schließlich Harry Wüstenhagen. Es ist ein Genuß seinem Spiel zuzuschauen. Auf lange Sicht und vielmaligem Ansehen nach dem Verrätertor der beste Wallace Film. Je öfter ich mir dieses Meisterwerk anschaue, umso besser wird es. Wie bei einem guten Wein. So konnte, sollte und mußte dort Jürgen Roland mit dem "grünen Bogenschützen" eine gehörige Portion Humor zur FSK12 einbringen, welcher der Härte des zurückliegenden Krieges und seiner Tatsachenkrimis doch irgendwo etwas positives zurückläßt und die Dramatik etwas "zum Guten wendet".

Ein Problem ist, daß Menschen nicht gemeinsam den gleichen Humor teilen. Im Gegensatz wie das bei krimineller Spannung (Angst) der Fall ist. So können problemlos unter diesem Aspekt Filmurteile absolut gegensätzlich ausfallen, insbesondere wenn der Humor eben nicht passt und der persönliche Anspruch der eines echten Krimis ist. So greifen die Top Edgar Wallace Film Wohlfühlfaktoren mit Mixturen wie Verbrecher, Grusel, Reiche Erbinnen und Inspektoren, welche die junge Erbin am Ende bekommen hier nicht, denn diese sollten erst, auch abseits von dichten Romanverfilmungen, später kommerziell ausgebaut werden, um aus dieser Kombination einen Film sehr gut ziehen und mehrere unterschiedliche Spannungselemente aufbauen zu können.

Zum Thema Realität. Um u.a. Joachim Fuchsberger zu zitieren "Ich glaube daß das ein wesentlicher Grund für den Erfolg dieser Wallace Filme war, daß die Filme, die Bücher und wir Schauspieler und der Regisseur, alle Beteiligten niemals den Anspruch auf Realität erhoben haben, das waren immer Märchen ... es waren alles bei aller Grausamkeit lustige Geschichten ... die Menschen kamen oft und kommen heute noch zu mir ... und haben gesagt also manchmal habe ich mich zu Tode gefürchtet und aber gleichzeitig auch gelacht, weil man immer gesagt hat es ist ja nur ein Film. Edgar Wallace waren immer Krimimärchen, da war alles möglich, alles war denkbar, nichts war absurd genug um es der Wirkung halber mit einzubauen und das glaube ich, war ein wesentlicher Kern des Erfolges... Die Atmosphäre mußte hundertprozentig stimmen, die Geschichte als solche keinen Anspruch auf Realität erheben und damit hatte man einen Freiraum mit dem man machen konnte was man wollte"

"Verwirrung um des verwirrens willen, Logik ausschalten und einige sehr gute Gags, z.B.die Szene mit Eddie Arendt und Stanislav Ledinek im Club. Ja und dann noch der Moment als sich Eddie Arendt mit einem "Psst" zu den Zuschauern wendetl, wo gibt's denn sowas ! Immer wieder wird der Zuschauer gefordert, oder fühlt sich überfordert bzw. gibt dem Film die Schuld. Das ist pures Entertainment von Jürgen Roland, der sich sonst damals oft bei seinen Filmen nur an harten Tatsachen orientieren mußte. Das zeigt auch seine Vielseitigkeit" Zitat B.H.

Joachim Kramp dazu "Hinsichtlich des Humors hatte ich seinerzeit mit Herrn Hummel auch gesprochen. Er wollte von Anfang die Filme nicht allzu ernst wissen. Hier beauftragte er auch beim ersten Film "Der Frosch mit der Maske" Egon Eis die Rolle des Butlers zu entwickeln, die dann von Eddi Arent gespielt wurde... All diese Arent-Rollen gab's in den Romanen nicht, mit Ausnahme des Lords ("Die seltsame Gräfin") und des Reporters ("Der grüne Bogenschütze"). Insgesamt kann man sagen, dass die Wallace-Verfilmungen sich durch diese Parts selber nichts ernst nehmen wollten. ... Was die Rolle von Eddi Arent betrifft gehört sie zu den wenigen, die nicht extra für ihn geschrieben wurde sondern sie bereits in dieser Art und Weise bei Wallace vorhanden ist. (Wie auch seine Rollen in "Der grüne Bogenschütze" & "Der Zinker"). ... DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE gehört für mich in die Kategorie Film (gibt auch genügend außerhalb der Wallace-Filme) je öfter man sie sich anschaut, desto besser gefallen sie einem ... Der Roman musste wie auch die Vorgänger gestrafft werden. Und wenn man den Roman kennt, so muß ich aus heutiger Sicht uneingeschränkt zugeben, dass dies - trotz anderer Mängel - mit Bravour gelöst wurde. Das Zusammenspiel der einzelnen Parts -
und hier wird oft Wolfgang Völz vergessen - ist bestens. Auch an der Wahl der Darsteller ist nichts auszusetzen. Im Roman hat der Reporter - was bei Wallace oft der Fall ist - einen umfassenderen Part, abgesehen, dass er rothaariger Amerikaner ist und kein Auto fahren kann - passt Eddi Arent recht gut in diese Rolle. Letztendlich spielt Gert Fröbe die anderen Darsteller an die Wand. Die Einführung der verschiedenen Rollen (Creager, Howett, Wood, Lacey) ist im Gegensatz zum Roman kurz und bündig. Auch die Änderung, dass im Film der zweite Bogenschütze statt Lacey nun Diener Sen ist, stört herzlich wenig. Was vielleicht im Nachhinein etwas stört ist das Drehschloß Ahrensburg - was ganz und gar nicht Garre Castle ist. Garre Castle wirkt im Roman geheimisvoller, düsterer, unheimlicher.Zum Anfang muß ich noch sagen - Holland ist entgegen dem Roman hier Wochenschaureporter daher ist sein Text zu Beginn in die Kamera noch zu begründen. Der Schluß ist tatsächlich reinste Persiflage anstatt der
Selbstironie, die dem fertigen Film im Grunde sehr gut steht."

Weitere Details Welcher EW Roman wurde am dichtesten verfilmt (6)

Gruss
Havi17

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