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Dieses Thema hat 45 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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eastmancolor Offline



Beiträge: 2.589

10.03.2010 21:09
#16 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Vohrers Arbeiten aus den 70er Jahren finde ich alle ziemlich klasse!

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

03.04.2010 16:35
#17 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Perrak (aka „Inspektor Perrak greift ein“)
##################################################
Kriminalfilm, BRD 1970. Mit: Horst Tappert, Werner Peters, Hubert Suschka, Walter Richter, Erika Pluhar, Judy Winter, Wolf Roth, Berno von Cramm, Carl Lange, Hans Daniel. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Ernst Flügel (d.i. Manfred Purzer). Uraufführung: 17.04.1970.

Zitat von Filmportal.de
Als die Leiche eines 19-jährigen Transvestiten auf einem Schrottplatz gefunden wird, übernimmt Perrak den Fall. Der Ermordete war sehr wohlhabend, und die Ermittlungen führen Perrak durch die besten Kreise der Gesellschaft und in die Prostituierten-Szene. Alle Spuren führen in ein Edelbordell. Der Fall wird persönlich, als die Verbrecher Perraks Sohn entführen.


„Perrak. Paula, Emil, zweimal Richard, Anton, Kacke.“
Das Milieu macht den Film – und das Milieu von „Perrak“ ist eines, in dem Andersartigkeit zum Alltagsgeschäft wird. „Die Natürlichkeit des Obskuren“ möchte man dies liebste Kind der Siebziger nennen, durch das die Entfernung von der jahrzehntelang von Gesellschaft und Kunst in den Blickpunkt gerückten kultivierten Mittelschicht erreicht wurde. Alles, was hausbacken und althergebracht war, bedeutete Durchschnitt, Banalität, Langeweile. Von jetzt an machte man es sich zur Aufgabe, den Kontrast zwischen dem untersten Dreck und dem höchsten Staub zu propagieren, nicht ohne voller Überzeugung einzuflechten, dass beides nichts mehr als Schmutz ist. So fand sich das Publikum in der gesamten Bundesrepublik plötzlich mit den dramatisierten Schaueffekten und Verbindungen jener Vergnügungsviertel konfrontiert, über die man vorher den Mantel des Schweigens gebreitet hatte, und nahm in seiner prüden Arglosigkeit die Schilderungen neuer medialer Schwerpunkte zum Anlass, über die Veränderung der Welt nachzugrübeln.
In Wahrheit ist „Perrak“ ein typisches Beispiel für die geschilderte „Zeig’ nur immer drauf“-Mentalität, das jede sich bietende Möglichkeit ausnutzt, mit der Akzeptanz des moralisch Unakzeptablen zu schockieren. Heute – die Menschen sind zu größeren Teilen von der Naivität der behüteten Adenauer-Ära befreit – hat „Perrak“ seine extremen Schockmomente verloren und darf als über weite Strecken höchst unterhaltsames, oft plakatives und nur in äußerst seltenen Momenten subtiles Zeitdokument gesehen werden. In diesem Fall erübrigt sich natürlich eine ausführliche Bewertung, denn Zeitdokumente erfüllen ihren Sinn nur durchs eigene Ansehen und nicht durch die beschriebene Wiedergabe; darüber hinaus stehen sie in gewisser Weise unabänderbar über dem Schema „Mag ich / mag ich nicht“.
Was zu bewerten bleibt, ist die Ausführung durch Darsteller und Drehstab. Alfred Vohrer beweist seine Eignung für Simmel; die winterlichen Hamburg-Aufnahmen inspirieren Ernst Wilhelm Kalinke zu soliden, wenngleich natürlich wieder absolut dem Zeitgeist unterworfenen Leistungen; Jutta Hering schneidet einmal mehr überbordend pointiert; und Manfred Purzer lässt im pseudonymisierten Drehbuch den Bär so richtig stepptanzen. Die Darsteller sind sich offenbar nicht sicher, ob sie die Story und die Dialoge ernstnehmen sollen, überzeugen jedoch zumeist durch individuelle Lösungen dieser essenziellen Frage. Walter Richter etwa lacht sich die Seele aus dem Leib, Erika Pluhar dagegen verharrt in ebenso gelähmter Stellung wie das Mordopfer.

Rundum ein gelungener Spaß, der den Ausgang der Siebziger Jahre atmosphärisch und medienthematisch vielsagend einfängt. Letzteres mag dazu führen, dass er natürlich noch hundertmal weniger Aktualität besitzt als die ihm vorangehende Zeitepoche, die er ins Gegenteil zu kehren versucht. Altbacken: ja; langweilig: nie! 4 von 5 Punkten.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

04.04.2010 11:44
#18 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Treffende Beurteilung des Films!
Würde mich dennoch einmal interessieren woher der angebliche Titel "Perrak greift ein" stammt. Es gibt nirgendswo Unterlagen wo dieser Titel aufgeführt ist. Auch nicht im Drehbuch. Der Film hatte den Arbeitstitel: DIE GRAUE NONNE und wurde noch während den Dreharbeiten in PERRAK umbenannt.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

04.04.2010 11:56
#19 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Während ich die Ursprünge des Titels "Inspektor Perrak greift ein" auch nicht gänzlich offenlegen konnte, so scheint sich diese Variante als gängige Internetnennung des Films etabliert zu haben. Man sollte diesem Medium aufgrund seines Einflusses den Tribut zollen, "Inspektor Perrak greift ein" zumindest als zweite Titelvariante zu führen.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

04.04.2010 12:13
#20 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov
Während ich die Ursprünge des Titels "Inspektor Perrak greift ein" auch nicht gänzlich offenlegen konnte, so scheint sich diese Variante als gängige Internetnennung des Films etabliert zu haben. Man sollte diesem Medium aufgrund seines Einflusses den Tribut zollen, "Inspektor Perrak greift ein" zumindest als zweite Titelvariante zu führen.


Das ist ja gut und schön - nur eine Titelvariante, selbst wenn sie aus der Luft gegriffen ist, sollte doch zumindest bei einer TV-Ausstrahlung, auf Video/DVD oder während der Kinoauswertung genannt worden sein. Ins Internet - und das wissen wir alle - kann man schreiben was man will, ob es stimmt oder nicht. Es wäre das gleiche wenn wir hingehen würden und zu den Wallace-Filmen aus der Luft gegriffene Titel nennen würden.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

14.06.2010 19:37
#21 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Sieben Tage Frist
##################################################
Kriminalfilm, BRD 1969. Mit: Joachim Fuchsberger, Konrad Georg, Horst Tappert, Karin Hübner, Petra Schürmann, Hilde Brand, Bruno Dallansky, Paul Albert Krumm, Robert Meyn, Otto Stern. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Ernst Flügel (d.i. Alfred Purzer). Uraufführung: 03.04.1969.


Zitat von Zitat von deutscher-tonfilm.de
Innherhalb von nur sieben Tagen wurden in einem norddeutschen Internat ein Lehrer, ein Schüler und ein Vater eines Schülers ermordet. Inspektor Klevenow verdächtigt Schüler, Angestellte und Lehrer. Aber alle Morde scheinen zunächst kein Motiv zu haben...


Erfolgreiche Zusammenarbeiten kennzeichnen sich oftmals vor allem dadurch, dass die Gründe für ihren Erfolg von einem zum anderen Mal immer weiter derber und dreister ausgekostet werden. „Der Frosch mit der Maske“ war ein beschaulicher, sauberer Kriminal-, beinahe noch ein Detektivfilm; „Die toten Augen von London“ markierten indes schon den Wendepunkt zum „Grusel-Wallace“, weil das Publikum sich vom britischen Autor lieber Schauer über den Rücken laufen ließ, als in der wohligen Welt der alten Tage zu schwelgen; und seit Regisseur Alfred Vohrer in der Farbära der Serie das Ruder an sich riss, war es mit „Sauberkeit“ und „wohliger alter Welt“ endgültig vorbei – nackerte Schulmädchen, schier sabbernde Lüstlinge, Gangster mit mehr Pistolenkugeln als IQ-Punkten und nicht zuletzt lachende Leichen waren im Wallace-Universum an der Tagesordnung.
Ähnlich muss es auch bei Vohrers folgender langjähriger Zusammenarbeit, der mit der Roxy-Film von Luggi Waldleitner, ausgesehen haben, denn während man „Perrak“ nur mit breitem Grinsen und leeren Gedanken genießen kann, wohnen dem Vorgängerkrimi „Sieben Tage Frist“ durchaus noch einige Aspekte inne, die ihn als ernstzunehmenden Streifen kategorisieren. Er ist ein reiferer Thriller als „Perrak“, der – abgesehen von Kleinigkeiten wie der Sexparty oder der potenziellen Elektrofolter – seine Spannung eher durch Nachdenklichkeit und Melancholie bezieht. Vielleicht wird er gerade deshalb von einigen Freunden der wilden Filmkunst als langweiliger empfunden, doch unterm Strich wartet er mit einer gesunden Mischung aus Charakteren und Akteuren auf, in der auch auf Humor nicht gänzlich verzichtet wurde: Joachim Fuchsberger lebt eine weitere Rolle des ihm vertrauten Idealtypus „besonnener Ermittler“, die sich einiger Querbezüge auf seine Festlegung auf dieses Rollenfach nicht schämt. Als Hauptdarsteller ist er die sicherste Bank der 1960er Jahre und begeistert mich hier wieder einmal maßlos. Allein schon sein erster Auftritt mit der Taschenlampe im Dunkeln ist äußerst raffiniert ausgetüftelt, denkt man doch zunächst, ein finsterer Geselle würde auf dem Bildschirm sein Werk verrichten. Welch ein Irrtum!
Konrad Georg, Karin Hübner, ihr Filmehemann Bruno Dallansky und die Schülerdarsteller geben äußerst überzeugende Porträtierungen weitestgehend runder Persönlichkeiten ab. Unsicher bin ich mir über Paul Albert Krumm, der einige Zeit braucht, um sich in seine Rolle hineinzufinden, und der in den ersten Szenen etwas hölzern wirkt. Schlussendlich geht dieser Besetzungsclou dennoch auf. – Horst Tappert und Frithjof Vierock sorgen für teilweise urkomische Momente, wobei Tappert hier noch engagierter und amüsanter spielt als bei Wallace oder „Perrak“. Dass er im Folgenden überhaupt erst zur Titelfigur eines Films wurde, dürfte dieser Spitzenperformance zuzurechnen sein.

Der Kriminalfall kann durchaus überzeugen, wenngleich ich mir eine nicht gar so „überraschende“ Wendung gewünscht hätte: Auf die Thematik, auf die man erst mit der Schlusswendung zu sprechen kommt, hätte man unbedingt bereits eher hindeuten sollen. Ebenso wäre es möglich gewesen, das ominöse Fotomotiv ohne so große Geheimniskrämerei dem Zuschauer ersichtlich zu machen und ihm nur den Rückseitentext unbekannt zu belassen.

Im Gegensatz zu „Perrak“ kann man „Sieben Tage Frist“ zumindest in einem gewissen Blickwinkel und unter Vornahme einiger Abstriche als ernsthaften Krimi ansehen. Da er sich nicht ganz so durchgeknallt ausnimmt, laute mit stillen Tönen zu kombinieren in der Lage ist und über eine erstklassige Besetzung verfügt, reicht es hier für mich zu 4,5 von 5 Punkten.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

16.06.2010 16:32
#22 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Hinzufügen möchte ich zu "Sieben Tage Frist" noch zweierlei - einmal handelt es sich hier - im Gegensatz zu "Perrak" - um eine Romanadaption, was das Schreiben des Drehbuchs in gewisser Art und Weise einfacher macht. Wer einmal den Roman gelesen hat wird verblüfft sein was Manfred Purzer da herausgeholt hat. Ein weiterer Pluspunkt dieses Films bzw. aller Roxy-Produktionen bis 1975 ist Luggi Waldleitner's gutes Händchen für die Komponisten. Hier in diesem Falle Hans-Martin Majewski. Obwohl er später einen sehr guten Score zu "Gott schützt die Liebenden" geschrieben hat, kann ich mir beim besten Willen von ihm keinen 100%ig geeigneten Score zu "Und Jimmy ging zum Regenbogen", "Liebe ist nur ein Wort" oder "Alle Menschen werden Brüder" vorstellen.

Joachim.
*Filme und Bücher werden niemals alt!*

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

29.06.2010 22:33
#23 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

CONSTANTIN FILM bringt
einen Alfred-Vohrer-Film
Hildegard Knef in
JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN
nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada
mit Carl Raddatz, Martin Hirthe, Gerd Böckmann, Sylvia Manas, Peter Matic, Heinz Reincke, Beate Hasenau, Rudolf Fernau, Hans Korte, Heinz Ehrenfreund, Brigitte Mira, Alexander Radszun, Edith Heerdegen, Wilhelm Borchert, Pinkas Braun, Michael Tietz u.v.a.
Drehbuch: Miodrag Cubelic, Anton Czerwik. Kamera: Heinz Hölscher. Schnitt: Jutta Hering. Regie-Assistenz: Wieland Liebske. Produktionsleitung: Erich Tomek: Gesamtleitung: Karl Spiehs. Regie: Alfred Vohrer.

Soviel vorab zu diesem Film.

Joachim.
*Filme und Bücher werden niemals älter!*

DanielL Offline




Beiträge: 4.141

29.06.2010 22:38
#24 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zum Anlass der kommenden TV-Ausstrahlung (siehe TV-Thread):

Jeder stirbt für sich allein - Ungewöhnlich: Ein Voher-Film fast ohne alte Wallace-Kollegen. Weder mit Karl Löb hinter der Kamera, noch mit Eva Ebner neben der Kamera. Zahlreiche Weggefährten aus der 60er-Kinoszene stehen vor der Kamera, Vohrer-Wallace erprobte Darsteller jedoch nur in Nebenrollen. Den Schnitt besorgte allerdings Jutta Hering, der zahlreiche Wallace-Rohfassungen durch die Hände gingen. An der Kamera Heinz Hölscher vom Bogenschützen. Für Hildegard Knef der erste Film nach 9 Jahren Filmpause. Für Carl Raddatz der erste Kinofilm nach 16 Jahren.

Gruß,
Daniel

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

21.02.2013 13:02
#25 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Der frühe Alfred-Vohrer-Krimi "Verbrechen nach Schulschluss" von 1959 ist für eine Veröffentlichung am 14. Juni dieses Jahres angekündigt. Verantwortlich wird Pidax-Film zeichnen. Der Film ist der sogenannten Kolportage-Welle zuzuordnen und problematisiert, reißerisch verpackt, Probleme von Schülern.



Die Produktion nach dem Drehbuch von Wallace-Autor Harald G. Petersson ist mit Peter van Eyck, Christian Wolff, Heidi Brühl, Corny Collins, Hans Nielsen, Erica Beer und Claus Wilcke prominent besetzt.

Achtung: Es existiert auch ein gleichnamiger Alfred-Vohrer-Film von 1975.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.648

21.02.2013 14:15
#26 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Beide sind zu empfehlen, die neue Version pflegt jedoch einen anderen, eben den
Stil der 70er Jahre. Was in der Fassung von 1959 sich noch behutsam dramaturgisch
entwickelt, hat in der Fassung von 1975 schon das Tempo der 70er und beinhaltet
"somit" gleich mehrere Geschichten : Welche Film - DVD liegt gerade bei euch im Player ? (53)

Gruss
Havi17

brutus Offline




Beiträge: 13.023

21.02.2013 21:38
#27 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Ein aus Wallace-Sicht gut besetzter Film, dazu Peter van Eyck, Heidi Brühl oder Claus Wilcke.
Obwohl ich lieber eine Veröffentlichung von 7 Tage Frist gesehen hätte. Aber das kann ja noch kommen

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

15.04.2013 21:05
#28 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten



Das gelbe Haus am Pinnasberg
##################################################
Erotikkomödie, BRD 1969/70. Mit: Siegfried Schürenberg, Tilly Lauenstein, Mascha Gonska, Gundel Thormann, Eddi Arent, Gernot Endemann, Ann Smyrner, Maria Litto, Inken Sommer, Ursula Grabley. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Ernst Flügel (d.i. Alfred Purzer), Alfred Vohrer. Uraufführung: 27.02.1970.

Zitat von Das gelbe Haus am Pinnasberg
Auf dem Pinnasberg thront ein grellgelb gestrichenes Haus über Hamburgs Hafen. Die Adresse ist auf St. Pauli wohlbekannt: Hier werden die anspruchsvollen Wünsche erfüllt, die in jenem Stadtteil gern einmal anfallen – allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Denn im Freudenhaus von Werner Zibell sind die Kunden weiblich und die Angestellten männlich. Da erlebt Mann so einige seltsame Geschichten!


Ein wenig berüchtigt ist sie schon, die Zusammenarbeit von Alfred Vohrer und Roxy-Produzent Luggi Waldleitner. Bevor das Erfolgsgespann die Simmel-Schiene für sich entdeckte, drehten sie vier mehr oder minder schlüpfrig-provokante Filme, von denen zumindest zwei in das Deckmäntelchen von Krimis schlüpften („Sieben Tage Frist“, „Perrak“) und zwei weitere sich ihrer Zuordnung zum amüsanten Lustspielfach nicht schämten. Neben „Herzblatt oder: Wie sag ich’s meiner Tochter?“ betrifft das „Das gelbe Haus am Pinnasberg“ – laut Evangelischem Filmbeobachter der „Versuch eines witzigen, ironischen und parodistischen Sexfilms“. Dass das Ganze durchaus seine Reize hat, liegt an der ungewöhnlichen Rollenverteilung, die diese Produktion von allen ihren Artverwandten abhebt und dem Ganzen damit einen gewissen Pepp verleiht, dem selbst die konservative Kritik etwas abgewinnen konnte: Die Christen schrieben doch tatsächlich, dass der Film „stellenweise gelingt“ (sic!) – und auch wenn darauf schon wieder die übliche Relativierung folgt („auf die Länge jedoch sich den üblichen Filmen des Genres anpasst und langweilt“), soll das etwas bedeuten!
Die Gründe, warum das gelbe Bordell so amüsant anzusehen ist, sind vielfältig. Natürlich bedingte die ungewohnte Konstruktion, dass man weniger explizit im Umgang mit schmutzigen Details sein durfte, weshalb die obige Bezeichnung Sexfilm vielleicht etwas verwirrend ist. Tatsächlich gibt sich die Produktion nämlich doch recht züchtig – was verklemmte Zuschauer die Brauen in die Höhe schnellen lässt, ist samt und sonders mit ironischem statt erotischem Unterton aufbereitet. Zweitens sollte man sich vor Augen führen, wer für die Idee, auch einmal etwas begehrlich auf das weniger übliche „Genre-Geschlecht“ zu schauen, besser geeignet wäre als Alfred Vohrer, dessen Präferenzen ja hinlänglich bekannt sind. Man kann sich lebhaft vorstellen, welch einen Spaß Vohrer am Set und im Umgang mit den frechen Anspielungen hatte, was letztenendes dafür sorgt, dass sich diese Begeisterung durchaus auch auf den (Heim-)kino-Voyeur überträgt. Und an Vohrer hängen darüber hinaus sicher nicht zuletzt auch die tollen Darsteller, von denen man viele aus den Edgar-Wallace-Krimis kennt. Allein schon wegen Siegfried Schürenberg und Eddi Arent in ihren skurrilen Rollen als Bordellbetreiber und Puffmutter ist der Film jede Sichtung wert!
„Das gelbe Haus am Pinnasberg“ ist episodisch aufgebaut und verfügt über erzählerische Ein- und Überleitungen sowie Kapiteleinteilungen im Film. Dies soll sicher dazu beitragen, dem Erzählten einen pseudorealistischen Hintergrund zu verleihen, was an der überspitzten Erzählweise aber natürlich kläglich scheitert.

Lustiger, unverfänglicher Spaß, den nur die frühen Siebziger hervorbringen konnten. „Das gelbe Haus am Pinnasberg“ verdient sich alles andere als einen schlechten Ruf – wohlwollendes, wenngleich vorsichtiges Interesse darf es schon sein. 3 von 5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 3.222

10.07.2013 19:56
#29 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Der Vohrer-Film "Bis dass das Geld euch scheidet" (Produktion: Artur Brauner) mit Gert Fröbe, Luise Ullrich, Corny Collins u. v. a. erscheint am 06.12.2013 bei Pidax:

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

25.11.2013 12:53
#30 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten



UND DER REGEN VERWISCHT JEDE SPUR (1972)

in den Hauptrollen Anita Lochner, Wolfgang Reichmann, Alain Noury, Malte Thorsten
mit Ruth-Maria Kubitschek und Eva Christian
sowie Konrad Georg, Alf Marholm, Henry Vahl, Alexander Allerson
eine Luggi Waldleitner Produktion der Roxy Film
im Verleih der Constantin
ein Film von Alfred Vohrer





»Wer weiß wofür es gut ist...«


Christine Luba (Anita Lochner) und der französische Student Alain (Alain Noury) erleben die erste große Liebe und eine unbekümmerte Zeit miteinander. Alles könnte perfekt sein, wenn Christines Vater (Wolfgang Reichmann) ihren Freund akzeptieren würde, doch dieser scheint ihm nicht gut genug für seine Tochter zu sein. Es sieht so aus, als würde Luba versuchen, das Glück seiner Tochter mit allen Mitteln zu torpedieren. Doch die verwöhnte Tochter hat ein sehr unkritisches Bild von ihrem alten Herrn und kann nicht glauben, dass er zu derartigen Maßnahmen im Stande wäre. So trifft sie sich mit ihrer Mutter Irene (Ruth-Maria Kubitschek), die sie seit Monaten nicht mehr gesehen hat, und mit der es seit der Scheidung der Eltern ohnehin nur noch sporadischen Kontakt gibt. Christine wird mit eindringlichen Warnungen vor der Eifersucht ihres Vaters konfrontiert und beschließt schon bald, mit Alain eine Weile nach Frankreich zu gehen. Doch er kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt und ist danach wie vom Erdboden verschluckt. Sie lernt Martin (Malte Thorsten) kennen, einen jungen Mann aus reichem Hause, in den sie sich auch verliebt. Doch auch dieses Glück wird nicht von langer Dauer sein...

Alfred Vohrers Beitrag ganz im Stil der Simmel-Filme stellt sich bereits nach wenigen Minuten als beachtliche Überraschung heraus, und steht der Konkurrenz in keinerlei Hinsicht nach. Im Gegenteil, denn "Und der Regen verwischt jede Spur" behauptet sich seinen Platz im Rahmen des komplexeren deutschen Unterhaltungskinos problemlos und absolut zurecht, außerdem besitzt dieser Beitrag sogar mehr Vorzüge, als einige Original-Simmel-Verfilmungen. Die Geschichte erscheint zunächst trügerisch einfach zu sein. Die Jungdarsteller Anita Lochner und Alain Noury überzeugen im dokumentieren der ersten Liebe, des großen Glücks und sie programmieren eigentlich eine strahlende Zukunft absolut glaubhaft, wenn da nicht das Schicksal mit all seinen Helfershelfern wäre. Die anfängliche Einfachheit ist Geschehens wirkt angenehm anzusehen, die Unbeschwertheit von Alain und Christine wird packend und greifbar dargestellt, doch beim Zuschauer kann kein beruhigendes Gefühl aufkommen, denn bereits der Vorspann gibt Puzzle-artigen Aufschluss darüber, dass eine Katastrophe nicht ausbleiben wird. So besteht die Raffinesse der Inszenierung letztlich darin, dass sich die Atmosphäre schleichend zuspitzt und eine noch nicht zu definierende Verheißung über dem Geschehen liegt, bis sich die Dramatik plötzlich überschlägt, und sich Protagonisten und Zuschauer in einer Schraubzwinge wiederfinden. Das Leitmotiv Regen gibt dem Titel einen bitteren Beigeschmack, und der Geschichte an sich schlussendlich doch eine sehr perfide Note, da der Regen nicht nur jede Spur verwischen wird, sondern als Synonym für unzählige Tränen greift, die man im Regen aber erst gar nicht sehen kann. Dramatik der intelligenteren, und Unterhaltung der anspruchsvolleren Sorte!

Was angesichts der Hauptrollen schon fast wie ein Wagnis aussieht, erweist sich im Handumdrehen als absoluter Glücksgriff in Sachen Überzeugungskraft. Die jungen Hauptdarsteller Alain Noury, Malte Thorsten (beide mit Simmel-Erfahrung) und Anita Lochner agieren leichtfüßig und glaubhaft, genau wie das bei der bestechenden Performance von Wolfgang Reichmann der Fall ist. Das Ganze wird von dieser Vierer-Konstellation zwar beeindruckend dominiert, aber mit den glänzend aufgelegten Damen Ruth-Maria Kubitschek und Eva Christian markant abgerundet, sodass die restlichen Rollen allesamt etwas weniger prominent in Erscheinung treten müssen und werden. Als man Christine sieht, kann man sofort verstehen, dass sie den Jungs die Köpfe verdreht. Sie wirkt natürlich, ist temperamentvoll und zeigt sich mit viel emotionaler Hingabe, auch wenn sie andererseits im Umgang mit ihrem Vater zwar herzlich und offen ist, aber über den Verdacht von blindem Vertrauen und einer ordentlichen Portion Naivität nicht hinwegkommt. Der alte Luba wirkt wie der Wolf, der Kreide gefressen hat. Er hat die Fäden an der Hand und an deren Ende finden sich unzählige Marionetten die das tun, was er von ihnen verlangt. Im Bezug auf Männer darf es keine Götter neben ihm geben, seine Absolution erteilt er nur, wenn sich ihm dadurch ein Vorteil in Aussicht stellt. So ist der oppositionell wirkende Alain in seinen Augen nur ein Habe- und Taugenichts bei dem es gilt, ihn schnellstens gegen eine gewinnbringendere Variante auszutauschen. Martin stellt in diesem Kontext das kleinere Übel dar, da er aus gut situierten Verhältnissen stammt, und Luba daher sofort eine geschäftliche Allianz wittert, weil er ohnehin wirtschaftlich angeschlagen ist.

Überhaupt spielt die Regie im Charaktere-Roulette überwiegend mit deutlichen Kontrasten. Martin und Alain könnten unterschiedlicher nicht sein und haben schließlich nur eins gemeinsam, denn sie können der aufregend wirkenden Christine nicht widerstehen. Alain ist in dieser Beziehung offensiv und direkt, Martin eher verschlossen und weitgehend verhalten. Neben Christine hat Luba allerdings noch andere Frauen in seiner Schraubzwinge. Seine Schwester Karin, die als demütige Bittstellerin in sein Haus zieht um ihrem kleinen, unehelichen Jungen etwas bieten zu können, muss dafür einen hohen Preis zahlen. Demütigungen und Maßregelungen sind an der Tagesordnung, jede Eigenmächtigkeit wird im Keim erstickt und bestraft. Die in diesem Vakuum stehende Frau wird hervorragend von Eva Christian dargestellt, ihre unterdrückten Emotionen und Bedürfnisse spiegelt das versteinerte Gesicht in etlichen Situationen wieder. Eine andere Dame, die sich im Würgegriff von Luba befindet, ist Christines Mutter. Die großartige Ruth-Maria Kubitschek demonstriert in ihrem weniger als fünf Minuten dauernden Auftritt, wie man es schauspielerisch optimal zu lösen hat. Irene sitzt im goldenen Käfig. Sie darf sich zwar ein unbeschwertes Leben erlauben, hat sich dafür aber dem Willen ihres Ex-Mannes zu beugen. Kein schädlicher Kontakt zu Christine, keine Forderungen oder Ansprüche und sich soweit zurückziehen, dass sie nur noch wie eine verblasste Erinnerung wirkt. Bei aller Oberflächlichkeit, die man so exzellent dargestellt von der Kubitschek sehen darf, ist sie dennoch eine der wenigen Personen, von der man ehrliche, oder besser gesagt, direkte Worte hören wird. Ihre Warnungen wirken verheißungsvoll und deuten die Katastrophe bereits nach kurzer Spieldauer an.

Mit den meisten Simmel-Adaptionen und auch mit "Und der Regen verwischt jede Spur" sind in den Siebzigern Filme entstanden, die in der deutschen Kino-Landschaft tatsächlich nach Ihresgleichen suchen. Die Mischung aus Unterhaltung und Anspruch wurde hier sehr gut dosiert, und entstanden ist schließlich Film, dessen Thema in unmissverständlicher Weise deutliche Berührungspunkte preisgibt, die den Zuschauer fesseln können. Dramatik, Sentimentalität und Theatralik werden für mein Empfinden in einer gesunden Dosierung abgehandelt, so dass Alfred Vohrers Arbeit mit Leichtigkeit ins Ziel kommt. "Und der Regen verwischt jede Spur" ist ein angenehm stiller Vertreter seiner Gattung geworden, der nahezu unverblümt mit einer gewissen Realitätsnähe zu spielen versucht, dabei aber auf ernster und nachdenklicher Ebene bleibt. Die anfängliche Idylle ist angenehm, aber doch trügerisch, die unbeschwerte Zweisamkeit ist zwar herrlich mit anzusehen, aber man spürt den Schatten der über der Geschichte liegt. Vor allem aber wirkt die nicht thematisierte Prognose in Richtung der jungen Protagonistin sehr ernüchternd, weil das Schicksal ihrem Vater geholfen hat, und sie vermutlich für immer an ihn gekettet hat. Inszenatorisch gesehen hat die Regie sämtliche Register gezogen. Viele Ortswechsel, die satte Ausstattung, aufwendige Settings und kleinere pyrotechnische Spektakel lassen den Film hochwertig erscheinen, die Musik von Erich Ferstl zwingt dem Geschehen Melancholie auf, um aber in den brisanten Sequenzen Paukenschläge zu versetzen, einige Rückblenden (die ich immer sehr gerne mag) fügen sich nahtlos in den klaren Aufbau der Geschichte ein, und insgesamt kann ich als Fazit nur sagen, dass man "Und der Regen verwischt jede Spur" bestimmt einmal gesehen haben sollte. Volltreffer!

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