Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 6.344 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Prisma Offline




Beiträge: 7.567

25.11.2013 14:35
Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten



DIE SCHWARZWALDKLINIK - DIE SERIE VON 1985 - 1989





"Die Schwarzwaldklinik" zählt zu den bislang erfolgreichsten deutschen Serien überhaupt, und konnte sich zur Ausstrahlungszeit Mitte der Achtziger hohe Marktanteile sichern (etwa 60 % bei bis zu 28 Millionen Fernsehzuschauern). Außerdem avancierte die Serie zusätzlich zum Welterfolg, und wurde in 38 Länder exportiert. Ich erinnere mich noch gut daran, dass "Die Schwarzwaldklinik" damals Samstags, beziehungsweise Sonntags zur Prime-Time gesendet wurde, und im familiären Rahmen das TV-Happening dieses Zeitrahmens darstellte. Keine Folge wurde verpasst und die Unterhaltungssendung steht in meiner Erinnerung, was wöchentliche Intervalle angeht (vielleicht nur noch neben "Das Erbe der Guldenburgs") ziemlich beispiellos da, was das Sehverhalten angeht. Auch heute sehe ich die Serie immer noch, und auch immer wieder gerne, da sie viele Erinnerungen mit sich bringt. Zur Hochzeit der "Schwarzwaldklinik" war man mit der Familie ja schließlich selbst im Glottertal um den Carlsbau zu besichtigen, dessen Fassade zumindest als Kulisse diente, genau wie der umliegende Park (die Innenaufnahmen fanden in einem Hamburger Studio statt), außerdem wurde natürlich das Heimatmuseum Hüsli besichtigt, welches in der Serie die Brinkmann'sche Residenz darstellte.

Aus heutiger Sicht, aber vor allem aus der damaligen Sicht eines Kindes, waren diese Touren an Originalschauplätzen etwas ganz Besonderes, man war da, man war quasi dabei, man hatte etwas Spektakuläres zu berichten, auch wenn ich mich an die Enttäuschung erinnere, keinen der Brinkmanns gesehen zu haben. Beim erneuten Anschauen der ersten Staffel fühlte ich mich geradezu zurückversetzt, da mir unzählige Drehorte aufgefallen sind, an denen man selbst in einigen Schwarzwald-Urlauben war, wie beispielsweise den Trieberger Wasserfällen, dem Titisee oder in Freiburg, um nur wenige zu nennen. Auch musste ich schmunzeln, als ich an einen kleinen Kindheitstraum von mir denken musste, denn ich wollte unbedingt selbst irgendwann immer mal einen Audi 100 fahren, den Wagen in der Serie von Professor Brinkmann. Naja, gut zwanzig Jahre später war es ja auch so weit und ich muss schon sagen, dass ich an eines der größten und ruhigsten Autos zurückdenken kann, die ich jemals gefahren bin, wobei ein derartiger Traum bei mir heute definitiv von einem anderen Fabrikat stammt ;) Die Folgen der 70-teiligen Serie sind heute wie damals schön kurzweilig und überzeugen mit vielen unterschiedlichen Inhalten, die teilweise heute noch aktuell erscheinen und vielen charakteristischen Landschaftsaufnahmen. Außerdem sind Stab und Besetzung immer hervorragend gewesen, ja, und die Titelmelodie ist nach wie vor ein richtiger Ohrwurm-Knaller. Also, auf gehts, und willkommen in der turbulenten Welt der "Schwarzwaldklinik", vielleicht hat der ein oder andere ja auch noch ein paar Erinnerungen zur Serie beizusteuern!

greaves Offline




Beiträge: 582

25.11.2013 18:32
#2 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

Ja, da gibt's schon Erinnerungen an die SWK. Hatte als Kind immer samstags mit meinen Eltern die Serie verfolgt. Später merkte ich, dass viele von der Serie bei Edgar Wallace mitmachten, wie Klausjürgen Wussow, Regisseur Alfred Vohrer usw.

Ich war auch im Fanclub. Und war dabei, als die Specials zum Jubiläum gedreht wurden. Dabei durfte ich Sascha Hehn und Klausjürgen Wussow von ganz nah kennenlernen, im Glottertal und beim Hüsli (das nicht so weit von mir entfernt liegt). Kannte auch die früheren Bewohner, die Hofmeiers, die mir viel von den frühen Dreharbeiten erzählt hatten. Und kam auch im Hüsli in Räume, die nicht für jeden Besucher zu besichtigen waren, wie z.B. die Garage. Auch den Besitzer vom Kioskladen kannte ich. Ich bin sogar mit dem Fanclub auf einem der vielen Fotos der SWK-Darsteller in seinem Laden abgebildet.

Die DVD-Boxen habe ich mir auch gekauft.

Ja, das waren und sind schöne Erlebnisse und Erinnerungen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

01.12.2013 10:47
#3 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

Sehr interessante Anmerkungen, @greaves, vielen Dank dafür! Als Kind habe ich die Serie und das Drumherum genauso als Familienangelegenheit wahrgenommen, und daher verbinde ich "Die Schwarzwaldklinik" auch heute mit sehr schönen Erinnerungen. Ich hatte mir ja fest vorgenommen, nach jeder Folge etwas zu schreiben, aber die erste Staffel habe ich in wenigen Tagen komplett durchgesehen. Wenn man dran ist, kann man so schnell nicht wieder aufhören. Bereits in der ersten Folge fällt die von dir angesprochene ehemalige Wallace-Crew auf. Inszeniert von Alfred Vohrer, mit Klausjürgen Wussow, Christiane Krüger, Alf Marholm und Hans Paetsch. Überhaupt war das Ganze ja immer sehr gut besetzt!

Peter Offline




Beiträge: 2.882

09.12.2013 17:06
#4 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

1985 - für den damals noch jugendlich-dynamischen Peter das Jahr von Gorbatschow, Turnschuh-Joschka, Boris Becker und Bernhard Langer - aber auch Heysel-Katastrophe, Glykol-Skandal, Tod von Böll und Axel Springer, Kieling und Fernau - und von dem jungen Hessen-Sport-Idol Stefan Bellof. Die Privatsender blamierten sich weitgehend in ihren Kinderschuhen - und die Computer hatten noch die komfortable DOS-Oberfläche für Hardliner. 1985 war eines der Jahre, in welchem sich das bundesdeutsche Völkchen in seiner gemütlich-wohlhabenden Republik noch ganz auf die öffentlich-rechtlichen Großereignisse fokussierte. Und dazu zählte ganz eindeutig die Schwarzwaldklinik, die schon Wochen und Monate vor ihrem Start spannungsreich als sagenumwobenes, stargespicktes, großformatiges und überhaupt in-dieser-Form-noch-nie-dagewesenes Fernsehereignis angekündigt wurde. So war die Serie schon vor ihrem Start ein gesellschaftsverbindendes Vehikel und selbst unter pubertierenden Schülern durchaus ein ernstzunehmendes Gesprächsthema. Nicht anders in unserer Klasse. Wir waren kollektiv gespannt auf die Serie mit ihrem 90minütigen Pilotfilm im Oktober - und dann passierte dies:

Keiner von uns hat den Pilotfilm live gesehen.

Der Grund war einfach: Wir befanden uns auf Klassenfahrt in Berlin. Und dort stand natürlich anderes im Mittelpunkt. Tagsüber Riesen-Pflichtprogramm, nachts dann die reizvollen Aktivitäten. Kein Wunder, dass wir wie die Original-George-A.-Romero-Zombies zurückkehrten - und zwar am Tag der ersten regulären Folge der Schwarzwaldklinik. Aber während alle Mitschüler direkt ins Bett fielen, wollte ich - damals schon ein sturer Hund - unbedingt diese Folge sehen. Und - Ehrensache - danach "Wetten, dass..." gleich noch hinterher, bevor ich endlich in meinen komatösen Erholungsschlaf fiel. Allzu viele Erinnerungen an diese spezielle Folge habe ich verständlicherweise nicht mehr, aber tatsächlich gelang es vor allem Klausjürgen Wussow, der überragend viel passgenaues Charisma in seine Rolle brachte, mich zumindest für eine Weile - abseits meines sonstigen Geschmacks - an diese Serie zu binden. Natürlich trug Wussow die Sache nicht allein, denn ähnlich wie bei dem zweiten ZDF-Großprojekt "Traumschiff" wollten viele namhafte - und natürlich die weniger namhaften Akteure umso mehr - liebend gern als Gast oder sogar als Teil der durchgehenden Handlung dabei sein.

Allen voran faszinierten die Stars neben Wussow, wie Gert Fröbe (in seiner letzten Rolle) oder Juhnke (als todgeweihter Lottogewinner). Letztgenannte Highlight-Folgen schlummern natürlich auch heute noch in meinem Archiv. Aber auch die weniger bekannten Darsteller wie Alice Treff oder Alf Marholm, denen größerer Raum als sonst zugestanden wurde, erfreuten den jungen Wallace-Freund als regelrechte Platzhalter, denn die die Wallace-Film-Sammlung war zu jener Zeit noch sehr unvollständig - und wir freuten uns, die ersehnten Darsteller zumindest mal in anderen Rollen zu sehen.

Eine Sache, die mir überhaupt nie auffiel, ist die mit Brinkmanns Traumauto. Als ich einige Jahre später meinen Führerschein machte (exakt drei Tage nach dem Tod von Gert Fröbe übrigens), war mein Vater so nett, mich seinen Wagen mitbenutzen zu lassen. Es war, Prisma errät es als erster, ein Audi 100. Eine alte Schüssel allerdings. Kein Anlass für erhabene Gefühle. Eher im Gegenteil ...

Tja, das sind meine schönen Erinnerungen an die Schwarzwaldklinik. Hätte nicht gedacht, auf dieser Plattform nach so etwas gefragt zu werden. Ist aber 'ne gute und ausbaufähige Idee ...

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

13.12.2013 22:49
#5 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

Tolle Anekdoten, @Peter! Liest sich wirklich klasse und man kann genau heraus hören, welcher Hype damals entstanden war. Ich bin mir ja den Kopf am zerbrechen, aber ich habe leider nicht mehr so viele Erinnerungen parat, was eben daran liegt, dass damals noch nicht das richtige Alter hatte, was wohl auch die Geschichte mit dem Audi 100 erklärt. Das Auto fand ich zu einer Zeit faszinierend, in der ich ja beinahe noch nicht wusste, wie man den Schlüssel eigentlich herumdrehen müsste. Brinkmanns Wagen müsste aber seinerzeit das neuste Modell gewesen sein. Vielen Dank für deinen Beitrag hier!

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

11.01.2014 20:41
#6 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten



DIE SCHWARZWALDKLINIK - DIE HEIMKEHR (1985) [PILOTFILM]

in den Hauptrollen: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt und Heidelinde Weis
mit Eva Maria Bauer, Karl Walter Diess, Holger Petzold, Alf Marholm, Franz Rudnick, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Jochen Schroeder
als Gäste: Christiane Krüger, Maria Körber, Dirk Galuba, Marie-Luise Marjan, Werner Kreindl, Udo Thomer, Hans Paetsch, u.a.
eine Produktion der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH. im Auftrag von ZDF | ORF
Regie: Alfred Vohrer



»Wenns juckt und zwickt, dann heilts!«


Der Chirurg Professor Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) kehrt an seinen Geburtsort zurück um Chef der Schwarzwaldklinik zu werden. Mit seiner Haushälterin Käti (Karin Hardt) bezieht er sein Elternhaus, in dem momentan nur sein Sohn Udo (Sascha Hehn) wohnt, der ebenfalls Assistenzarzt in der Schwarzwaldklinik ist. Die Stimmung zwischen Vater und Sohn ist ohnehin sehr angespannt, doch als sich der Professor auch noch sehr gut mit Udos abgelegter Freundin Schwester Christa (Gaby Dohm) versteht, ist das Verhältnis noch mehr gereizt. Zum ersten Zwischenfall in der Klinik kommt es durch einen schweren Autounfall, verursacht von einem Betrunkenen namens Hensle (Dirk Galuba), der sich dabei nur ein Bein gebrochen hat, aber der Fahrer des anderen Wagens stirbt an seinen schweren Verletzungen in der Klinik. Professor Brinkmann erkennt den Unfallverursacher, der ihm zuvor mit einem riskanten Überholmanöver in Gefahr gebracht hatte. Was wird der Chefarzt der Schwarzwaldklinik unternehmen..?

Die Pilotfolge der "Schwarzwaldklinik" in Spielfilmlänge hatte seinerzeit eine beachtliche Einschaltquote von 24,53 Millionen Zuschauern. Unter der Regie von Alfred Vohrer geschieht die Einführung sehr mitteilsam und straff, charakterisiert zunächst Professor Brinkmann und seine Haushälterin Käti sehr gut, bis auch schon nach kurzer Zeit der Autounfall passiert, um die Folge thematisch anzubahnen. Alfred Vohrer beweist hier erneut sein Gespür für Spannungsaufbau und die Sache kommt schnellstens in Fahrt, ohne dabei diverse Nebenhandlungen zu vernachlässigen. Um einen Gesamteindruck zu liefern, werden immer mal wieder längere Sequenzen der herrlichen Landschaft gezeigt, die mit der Musik von Hans Hammerschmid, die so gut wie jeder kennen dürfte, untermalt sind. Thematisch sieht man neben der "Heimkehr" viele andere Plot-Fragmente und damit verbunden sind sehr präzise Zeichnungen der Haupt- und Nebencharaktere, sowie der Gastdarsteller. Brinkmanns Sohn Udo wird sofort als eine Art Schwarzwald-Casanova präsentiert, und das angespannte Verhältnis offeriert Wurzeln, die in der Vergangenheit liegen. Auch in der Klinik sieht man episodenhafte Schicksale wie das der schwangeren, betrogenen Frau, oder der jungen Geliebten mit Suizid-Absichten, das Verhalten des Mannes der dafür verantwortlich ist, oder die stille Verzweiflung der Frau, deren Diagnose ein Todesurteil geworden ist. Der Klinik-Betrieb wird mit seiner Komplett-Ausstattung authentisch dargestellt, die beteiligten Personen scheinen allesamt Originale zu sein.

Dass die Rolle des Professor Brinkmann mit Klausjürgen Wussow, und nicht wie ursprünglich geplant mit Armin Mueller-Stahl besetzt wurde, kann man rückblickend als Glücksgriff bezeichnen, und Wussow zeigt sich von Anfang an wie geschaffen für diese Rolle. Vor Dienst-Antritt sondiert er bei der erstbesten Gelegenheit sein neues Territorium, da er sich an einem rostigen Nagel verletzt hat und in der Klinik als Patient auftaucht. Sein souveränes Auftreten kombiniert eine sachliche, aber auch menschliche Art im Umgang mit seinen Zeitgenossen, immer wieder kommt auch der Schalk im Nacken zum Vorschein und Professor Brinkmann wirkt sehr sympathisch als Zugpferd für die Serie. Die anderen Hauptrollen werden ähnlich markant aufgebaut, was sich sogar wie ein roter Faden bis in die Gast- und Nebenrollen zieht. Der Klinik-Alltag wird sehr eingängig und nachhaltig dargestellt, und bei dem Durchleuchten diverser Patienten, beziehungsweise Schicksale entstehen brauchbare, und sehr eigenständig wirkende Geschichten für die Nebenhandlung, was diesen Pilotfilm sehr kurzweilig wirken lässt. Als beinahe revolutionär kann man die Sequenzen aus dem Operationssaal bezeichnen, die die tägliche Mechanik eines Klinikbetriebes verdeutlichen, überhaupt hat eine sehr professionelle fachliche Beratung stattgefunden, was sich nicht nur in den Bildern, sondern vor allem in den Dialogen und Erklärungen widerspiegelt. Der Grundstein ist also mit "Die Heimkehr" überaus günstig gelegt worden und Alfred Vohrer zeigt erneut sein Können in unterschiedlichsten Bereichen. Auf diesem hohen Niveau kann (und wird) es definitiv weitergehen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

01.03.2016 14:15
#7 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten



Die Schwarzwaldklinik: Die Heimkehr

Episode 1 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Karl Walter Diess, Franz Rudnick, Holger Petzold, Eva Maria Bauer, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Alf Marholm, Jochen Schroeder, Maria Körber, Marie-Luise Marjan, Christiane Krüger, Udo Thomer, Werner Kreindl, Dirk Galuba, Renate Langer, Ingeborg Lapsien, Natascha Schlegel, Ursula Sieg, Gerd Duwner, Simon Jäger, Harry Halenberg, Thomas Karallus, Hans Paetsch, Rudolf Wollscheidt u.a. Erstsendung: 22. Oktober 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (1): Die Heimkehr
Klaus Brinkmann nimmt seine Stellung als neuer Chefarzt ausgerechnet in jener Klinik auf, in der sein Sohn bereits als Assistenzarzt angestellt ist. Im tiefen Schwarzwald ist zwar alles etwas idyllischer als bei seiner vorherigen Anstellung, doch auch in der Provinz lauern berufliche und persönliche Herausforderungen. So muss Brinkmann an einem Tag das Opfer eines Autounfalls verarzten und einer Krebskranken die schwerste Diagnose überbringen, eine depressive Patientin am Selbstmord hindern und sich in den neuen Kollegenkreis einfühlen.


Für mich war „Die Heimkehr“ vor etwa einer Woche der erste unmittelbare Kontakt mit der sogar hier im Forum sagenumwobenen „Schwarzwaldklinik“. Wenn es keinen so interessanten Thread hier gäbe, hätte ich mich wohl auch nicht explizit dazu geäußert. In erster Linie von einem Darstelleraufgebot angezogen, das auch jede „Derrick“-Folge vergleichbarer Jahrgänge geadelt hätte, bot der Tod des Produzenten Wolfgang Rademann allerdings einen Anlass, sich den Anfängen dieser Reihe einmal etwas genauer zu widmen.

Obwohl der Zuschauer Krankheiten, Diagnosen und Medikamente noch und nöcher aufgetischt bekommt, macht die Serie von Anfang an klar, worum es ihr wirklich geht: Sie ist eine Soap, die vor einer Krankenhauskulisse spielt, die aber eigentlich mehr an den miesen kleinen Reibereien, Liebes- und Machtspielchen der Ärzte, Schwestern und deren Familien interessiert ist als an medizinischen Details. Ein deutsches „Dallas“, bei dem man das Ölgeschäft der Texaner durch eine Vorort-Dienstleistung guter handwerklicher Prägung ersetzte, die eben nichts anderes als eine Kulisse ist. Innerhalb des Krankenhauses, das mit seiner Lage, seiner Terrasse und den spleenigen Patienten eher an ein Reha- oder Kurzentrum erinnert, spielen nur vier Ärzte und drei Schwestern mit jeweils wechselnden Liebesbeziehungen, ein Direktor und ein Zivi nennenswerte Rollen – kaum realistisch für jemanden, der den straff organisierten Alltag einer großen Klinik selbst schon einmal miterlebt hat.

Immerhin versteht es die Pilotfolge, aus den gezeigten Krankheiten zusätzliche Dramatik zu schlagen. Die Ansiedlung der Soap im medizinischen Bereich ermöglicht es, neben Liebe und Betrug eine ständige Anspannung in die Serie zu injizieren, die sich aus dem Kampf um Leben oder Tod speist. Die Serie kann den ultimativen Schritt gehen und damit Tränendrüsen strapazieren, ohne dass es theatralisch oder unangebracht wirkt oder – ganz pragmatisch gesprochen – zu Nachschubproblemen von Seiten der Charaktere kommt.



Die Schwarzwaldklinik: Hilfe für einen Mörder

Episode 2 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Karl Walter Diess, Franz Rudnick, Holger Petzold, Eva Maria Bauer, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Alf Marholm, Jochen Schroeder, Ingolf Gorges, Klaus Herm, Christiane Krüger, Kathi Leitner, Natascha Schlegel, Dirk Galuba, Bernhard Helfrich, Peter Hick, Harry Kalenberg u.a. Erstsendung: 23. Oktober 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (2): Hilfe für einen Mörder
Aus dem Gefängnis wird ein Patient mit schweren Magenschmerzen in die Schwarzwaldklinik eingeliefert. Zur gleichen Zeit verunfallt ein Bergretter durch Steinschlag. Das Ärzteteam der Klinik beschließt, den Häftling zuerst zu operieren, weil sich sein Fall schwerer darstellt. Ein als Patient in der Klinik anwesender Reporter schnappt diese Entscheidung auf und gibt die Schlagzeile an seine Zeitung weiter, dass dem OP-Team ein Mörder wichtiger sei als ein Lebensretter. Das wird Folgen haben – fragt sich nur, für wen ...


Die Besetzung gelang hier absolut passgenau: Wer ihn bei „Derrick“ für seine verkappten Auftritte schätzen gelernt hat, wird sich über Klaus Herm in der Rolle des sich aufplusternden Reporters, der einen Skandal um des Skandals willen provoziert, prächtig amüsieren. Vor allem im Zusammenspiel mit der resoluten Oberschwester Hildegard entstehen einige herrliche Szenen, die von den Auftritten des äußerst harmlos dargestellten Mörders konterkariert werden. So ist der Zuschauer mit jeder Gegenrede des Presseschmieranten mehr und mehr für den Gefangenen eingenommen. Zumindest das Kollegium, das hier (nicht zum letzten Mal) als intellektuell den anderen Patienten überlegen dargestellt wird, unterstützt diesen Eindruck. Ähnliche Untertöne von populistischen oder gutgläubigen Kranken werden sich in der Folge um die Wunderquelle noch einmal wiederholen.

Geschickt gelingen die Anknüpfung an die Pilotepisode – im Gegensatz zu Krimis läuft die Handlung hier unmittelbar weiter, sodass Christiane Krüger und Dirk Galuba aus Folge 1 noch einmal kurz zu sehen sind – und das Unterjubeln einer Portion Lokalkolorit, von dem die Serie auch zukünftig stark zehren wird. Dennoch verwundert, dass diese Folge von Alfred Vohrer inszeniert wurde, denn sie geriet ihm so unaufgeregt und sachlich, dass man eher die Handschrift eines weniger exzentrischen Routiniers vermuten würde. Sein typischer Stil macht sich eher in düsteren Folgen bemerkbar.

Erstaunlich schnell vorangetrieben wird die Entzweiung von Udo Brinkmann und Schwester Christa, die gern zunächst etwas ausführlicher als Paar hätten vorgestellt werden dürfen, um den Effekt, dass der Vater dem Sohn die Liebschaft ausspannt, noch konfliktreicher auszugestalten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

02.03.2016 09:30
#8 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten



Die Schwarzwaldklinik: Der Weltreisende

Episode 3 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Karl Walter Diess, Franz Rudnick, Holger Petzold, Eva Maria Bauer, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Alf Marholm, Jochen Schroeder, Heinz Reincke, Sigfrit Steiner, Eva Christian, Rolf Becker, Rainer Hunold, Max Strecker u.a. Erstsendung: 26. Oktober 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (3): Der Weltreisende
Ein Landstreicher verunglückt mit dem Fahrrad. Nichts, was sich nicht mit einem Vollbad und ein wenig Ruhe kurieren ließe. So wird der weitgereiste Arthur in einem Zimmer mit dem Obstbauern Bischle und seinem schachspielenden Kumpanen einquartiert. Die drei Herren könnten sich nichts Gemütlicheres als ihren Krankenhausaufenthalt vorstellen – bis Bischle, der vom Klinikfenster aus auf sein Haus am Hang blicken kann, im Auftrag seines egoistischen Sohnes in eine Frankfurter Klinik überführt wird ...


Während die Außenaufnahmen mit großem Aufwand im Glottertal im Schwarzwald angefertigt wurden, fanden die Studiodrehs zur „Schwarzwaldklinik“ am entgegengesetzten Ende der Bundesrepublik, im Studio Hamburg, statt. Zwar macht sich dieser Sprung beim Flair der Folgen kein bisschen bemerkbar, jedoch versuchte die Produktionsfirma Polyphon interessanterweise gar nicht, die Hamburger Wurzeln der Serie in Bezug auf die Darsteller zu verbergen. Hamburger Originale wie Hans Paetsch oder Uwe Dallmeier sind ebenso zu sehen wie in dieser Folge der unverwüstliche Heinz Reincke. Diesen kann man im Schwarzwald freilich nur als „Weltreisenden“ im Westentaschenformat bezeichnen.

Die Folge ist stark auf Humor ausgerichtet und vom medizinischen Standpunkt her eher uninteressant. Andererseits bietet das praktisch nonexistente Drama um den großspurigen Penner Arthur Wilkens Gelegenheit für die Serienregulars, sich ein wenig mehr auszutoben als im engen Handlungskorsett dramatischerer Folgen. Vor allem Udo steht im Mittelpunkt: Sein Komplex, die Niederlage bei Christa umgehend mit ihrer jüngeren Kollegin Elke vergessen zu machen, bringt ihn in eine hochnotpeinliche Lage, als ein Nebenbuhler in Form von Rainer Hunold auf der Bildfläche auftritt ...

Der harmlose und eher gestreckte Eindruck, den man von dieser Folge gewinnt, verstärkt sich dadurch, dass „Der Weltreisende“ mehr als die meisten anderen Frühfolgen auf eine romantische Heile-Welt-Rhetorik setzt. Weder die höheren Genesungschancen des alten Bischle, wenn er vom Krankenzimmer aus auf seine Obstbäume sehen kann, anstatt in Frankfurt eine Behandlung von Spezialisten zu bekommen, noch die Großzügigkeit (oder Dummheit?) Brinkmanns, die Kosten für Wilkens’ Krankenhausaufenthalt zu bezahlen, dürften so in irgendeinem medizinischen Handbuch stehen. Sie vertragen sich auch nicht besonders gut mit dem eigentlich recht ernsten und sachlichen Ton anderer Folgen, verraten aber die Bestrebungen, die Erwartungen an die romantische, weltverbesserische Seite einer Soap nicht enttäuschen zu wollen.



Die Schwarzwaldklinik: Sterbehilfe

Episode 4 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Karl Walter Diess, Franz Rudnick, Holger Petzold, Jochen Schroeder, Wolfgang Büttner, Wolfgang Kieling, Lisa Helwig, Marianne Kehlau, Uwe Dallmeier, Hans Häckermann, Nino Korda, Ulrich Matschoss u.a. Erstsendung: 27. Oktober 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (4): Sterbehilfe
Der alte Herr Lutz wünscht sich nichts sehnlicher, als zu sterben, denn seine Krankheit bereitet ihm chronische Schmerzen. Er hat sich ein paar Medikamente zur Seite gelegt, die er an einem Tag zeitgleich in Überdosis einnimmt. Obwohl der Dorfarzt Dr. Marker dies bemerkt, ruft er nicht den Krankenwagen, weil er den Wunsch seines Patienten akzeptiert. Als Lutz junior davon erfährt, zeigt er Marker wegen Sterbehilfe an. Als Sachverständiger soll ausgerechnet Professor Brinkmann in diesem Fall aussagen. Währenddessen schwelt die Eifersucht in Udo ...


In krassem Gegensatz zu ihrem lapidaren Vorgänger steht die vierte Folge, die im Titel schon ganz unverblümt darauf hinweist, mit welcher bis heute zwiespältig betrachteten Thematik sie sich auseinanderzusetzen gedenkt. Herbert Lichtenfeld schildert einen differenzierten Fall, in dem das Verhalten des Arztes Dr. Marker eigentlich nachvollziehbar und keineswegs besonders verdammungswürdig erscheint. Das Befolgen des Patientenwunsches steht für Marker über dem sturen Festhalten am Gesetzestext, wenn er den Hippokratischen Eid dadurch außer Kraft gesetzt sieht, dass er einem Patienten durch eine Lebensverlängerung eher schaden als helfen würde.

Obwohl man sich schwertut, Kielings Standpunkt zu widersprechen, bringt die Folge Klausjürgen Wussow in die Zwickmühle, sich mit Lehrbuchweisheiten zunächst gegen das Verhalten seines Kollegen wenden zu müssen. Interessanter gestaltet sich der Versuch der Regie, Wolfgang Kielings Rolle als Dr. Marker mit Vorurteilen aufzuladen: Obwohl inhaltlich gerechtfertigt, lässt Vohrer das Vorgehen Markers in einem zweifelhaften Licht erscheinen, indem er auf die eher negative Vorprägung des Darstellers Kieling aus anderen Filmen und Serien setzt, seine aufbrausende Art betont oder Marker in einer langen Szene bei sich zu Hause mit einer Flasche Schnaps ablichtet, während Brinkmann bei der Erörterung des medizinischen Problems auf geistige Getränke verzichtet. Gleichzeitig wird der Fall mit einer Operation in der Klinik verglichen, nach der sich Anästhesistin Heidelinde Weis von ihren dem Leben überdrüssigen Patienten schwere Vorwürfe über das Gelingen des Eingriffs anhören muss – eine drastische Szene, bei der man nicht genau weiß, ob sie pro Sterbehilfe aufrütteln oder die Zurechnungsfähigkeit Sterbenswilliger in Frage stellen soll.

Zur düsteren Anlage der Folge passt auch der Racheakt Udos gegen Christa, der zunächst der Schwester und später dem Assistenzarzt beinahe die Anstellung kostet. Diese Art von Intrigen ist es aber, die den besonderen Charme der Serie ausmacht und zur besseren Ausprägung der wiederkehrenden Figuren beiträgt. Denn eins ist klar: Bei ihrem verhältnismäßig großen Cast muss die „Schwarzwaldklinik“ viel Aufmerksamkeit in die Pflege ihres Stammpersonals über Wussow und Dohm hinaus aufwenden. Soweit gelingt das ganz gut.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2016 08:00
#9 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten



Die Schwarzwaldklinik: Die Entführung

Episode 5 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Karl Walter Diess, Eva Maria Bauer, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Jochen Schroeder, Arthur Brauss, Gudo Hoegel, Udo Wachtveitl, Friedrich G. Beckhaus, Willi Röbke, Rainer Rudolph, Hans Stadlbauer u.a. Erstsendung: 3. November 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (5): Die Entführung
Beim Überfall auf eine nahe Sparkassenfiliale erbeuten drei Räuber 60’000 Mark. Einer der Täter wird auf der Flucht von der Polizei angeschossen. Um ihren Freund behandeln lassen zu können, verfallen die anderen beiden auf die Idee, Professor Brinkmann zu entführen. Das Unterfangen ist nicht so einfach wie gedacht, muss dem Verletzten doch im nächtlichen OP-Saal der Schwarzwaldklinik die Kugel aus der Schulter geholt werden. Während des Eingriffs hält einer der Gangster Brinkmanns Haushälterin Käti als Geisel ...


Richtige Spannungsszenen tischt Alfred Vohrer in „Die Entführung“ auf, wobei es bei einem vergleichbaren Banküberfall in der „Derrick“-Serie wohl nicht nur um läppische 60’000 Mark gegangen wäre. Den drei sparsamen Schwaben scheint die Summe groß genug zu sein, um dafür die eigene Gesundheit bzw. die eines Kumpanen aufs Spiel zu setzen. Mit dem Hochmut von Bewaffneten meinen sie, Professor Brinkmann vorschreiben zu können, wie er seinen Eingriff durchzuführen hat, und glauben auch, die Folgeschäden besser einschätzen zu können als der Mediziner. Gut, dass sich der Arzt nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt – die eigene Entführung und die Geiselnahme seiner Haushälterin scheint ihn jedenfalls weniger aufzuregen als jede beliebige alltägliche Begegnung mit seinem Sohn Udo, der in dieser Folge kurzzeitig von der Bildfläche verschwunden ist.

Die Krimihandlung ist eine angenehme Abwechslung und wird glaubhaft aufgezogen, wenngleich Brinkmann nach einer etwas längeren Zeit der Etablierung an seiner neuen Klinik ein noch nachvollziehbareres Entführungsopfer dargestellt hätte. Die beiden aktiven Bankräuber-Rollen sind mit Artur Brauss und Gudo Hoegel sehr stimmig besetzt, wobei Brauss mit Wussow auf vollen Konfrontationskurs geht, während Hoegels heimisches Duell mit Käti eher amüsant anzusehen ist. Wachtveitl als angeschossener Patient kann rollenbedingt wenig ausrichten; sein Alleingang am Ende kommt daher eher aus heiterem Himmel.

Dramaturgisch wird die Lebensgefahr für Brinkmann clever genutzt, indem durch die unerwartete nächtliche Beschäftigung ein Abendessen Brinkmanns mit Christa ausfällt. Die Besorgnis der Verliebten stärkt die Bande der frischen Beziehung zusätzlich und bringt Gefühle zum Vorschein, die sonst wohl nicht offen ausgesprochen wurden. Dohm, so muss man ganz eindeutig sagen, passt mit ihrer eher gesetzten, seriösen Ausstrahlung auch besser zu Wussow als zu Hehn.



Die Schwarzwaldklinik: Die Wunderquelle

Episode 6 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Karl Walter Diess, Holger Petzold, Eva Maria Bauer, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Jochen Schroeder, Friederike Brüheim, Eleonorre Brunken, Camilla Horn, Edda Renger, Michael Habesch, Werner Heinrichmöller, Jens Scheiblich, Walter Schultheiß, Dagobert Walter u.a. Erstsendung: 9. November 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (6): Die Wunderquelle
Große Aufregung im Dorf: Das Wasser einer örtlichen Quelle soll angeblich über heilende Kräfte verfügen. Brinkmann bezweifelt die Theorie und lässt eine Probe im Labor der Klinik analysieren. Es stellt sich heraus, dass das angebliche Wunderwasser keine zuträgliche Wirkung, dafür aber gefährliche Mengen Kolibakterien enthält. Doch einige Abergläubische, darunter auch Käti, sind nicht einmal durch ärztlichen Rat von ihrem Wässerchen abzubringen. Zur gleichen Zeit kämpft Dr. Rens mit seinem Blinddarm, zögert eine Operation aber gefährlich lang hinaus!


Erneut wird hier zwischen zwei „Großereignisse“ eine eher lapidare Folge eingestreut, deren Handlung über die Gutgläubigkeit der Landbevölkerung, die in Busscharen mit Flaschen und Kanistern an die Quelle herangekarrt wird, eher hanebüchen und – wie formuliert man es am besten? – „leicht“ übertrieben erscheint. Schon die Behauptung, das Quellwasser habe einem Erblindeten sein Augenlicht zurückgebracht, disqualifiziert es, um beim Thema zu bleiben, sozusagen mit einem Wimpernschlag.

Die Funktion der Folge ist eher eine überleitende. Eine finale Aussprache zwischen Brinkmann und der wie eine Klette an ihm klebenden Elena Bach (eine eher undankbare Rolle für Heidelinde Weis, die sie jedoch mit der angemessenen Sturheit verkörpert, um alle Abneigungen des Publikums auf sich zu ziehen) scheint im Rückblick ein ähnlich zentrales Element zu sein wie die Vorbereitung des Sylt-Urlaubs von Brinkmann und Christa, der weite Strecken der kommenden Episode einnehmen wird.

In einer netten Nebenhandlung stellt Dr. Rens das alte Klischee unter Beweis, dass Ärzte selbst die schwierigsten Patienten sind. In diesem Fall basiert die mangelnde Kooperationsbereitschaft des Mediziners zwar nicht wie üblich auf dem Phänomen, alles besser zu wissen als der behandelnde Kollege, sondern auf Rens’ Angst vor der Operation. Dennoch schadet er sich mit seinem Verhalten mehr, als er sich nützt. Holger Petzold versteht es als versierter Nebendarsteller, geschickt mit einem Repertoire von kleinen Gesten bis hin zum schmerzverzerrten Gesicht die einzige wirkliche Spannung in einer sonst doch eher seichten Folge aufkommen zu lassen.

Jan Offline




Beiträge: 1.720

03.03.2016 21:11
#10 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

Zur Episode "Die Entführung" fällt mir ein, dass Alfred Vohrer hierin einen Cameo-Auftritt als schweigsamer Polizist hat. Zudem meldet er sich einmal mehr als Polizist am anderen Ende des Telefons!

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

04.03.2016 12:30
#11 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

Danke für die Ergänzung, @Jan! Die unverkennbare Stimme am Telefon hatte ich auch noch im Hinterkopf, konnte aber nicht mehr genau zuordnen, in welcher Folge sie zu hören war.



Die Schwarzwaldklinik: Die Schuldfrage

Episode 7 der TV-Dramaserie, BRD 1985. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Herbert Lichtenfeld. Mit: Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm, Sascha Hehn, Karin Hardt, Heidelinde Weis, Holger Petzold, Franz Rudnick, Eva Maria Bauer, Karin Eckhold, Barbara Wussow, Alf Marholm, Wolfgang Kieling, Karl-Heinz Hess, Peter Maertens u.a. Erstsendung: 17. November 1985.

Zitat von Die Schwarzwaldklinik (7): Die Schuldfrage
Während Klaus und Christa in Westerland miteinander herumturteln, hat Elena einen schweren Autounfall, bei dem sie sich lebensgefährliche Verletzungen zuzieht. Da die Schwarzwaldklinik unterbesetzt ist und die Vertretung für Professor Brinkmann gerade unabkömmlich ist, bleibt die Frage, ob eine Operation verantwortbar ist, an Udo hängen. Vergeblich versucht er, seinen Vater zu kontaktieren. Dass dieser gerade in einem so brenzligen Moment nicht erreichbar ist, erinnert Udo an den Tod seiner Mutter ...


Auch für die scheinbar so weite Reise vom Schwarzwald an die Nordseeküste machte man sich den Hauptproduktionsstandort Hamburg zunutze. Aufnahmen auf Sylt dürften weniger schwer ins Budget gegangen sein als die regelmäßigen Ausflüge der Crew ins Glottertal. Sie wecken in mir aber auch irgendwie eine Melancholie darüber, dass man überhaupt auf den bergigen Charme des „Ländle“ verfiel, anstatt einfach gleich vor Hamburgs Toren eine „Marschland-“ oder „Heideklinik“ anzusiedeln. Es ist ja nicht unbedingt so, als wäre das Programm des ZDF in jenen Jahren arm an Produktionen gewesen, die im süddeutschen Raum angesiedelt sind ...

Elenas Unfall wird durch eine provokante Parallelmontage gegen den romantischen Urlaub aufgewogen, wodurch der Versuch unternommen wird, ein zweifelhaftes Licht auf den Frauenheld Klaus Brinkmann zu werfen, obwohl ihm in dieser Situation beileibe ein wissentlicher Fehler unterstellt werden kann. Dass Udo anschließend sehr deutlich eine andere Meinung artikuliert, wundert den Zuschauer, der insgeheim immer auf Zwistigkeiten zwischen Vater und Sohn spekuliert, kein bisschen.

Für das Publikum ist Elenas Schwerverletzung allerdings ein umso wichtigeres Signal, vermittelt sie doch das Gefühl, dass keine der Serienfiguren sicher vor einem bösen Schicksalsschlag ist. Der folgenschwere Unfall kommt zwar dramaturgisch günstig, aber dennoch unvorhergesehen. Er zieht einen Schlussstrich unter die Frühphase der Serie, in der die wiederkehrenden Charaktere ihr Terrain abstecken. Jetzt hat man sich mit den Protagonisten vertraut gemacht und kennt (zumindest vermeintlich) ihre wahren Gesichter. Für mich endet damit vorerst der Ausflug in die „Schwarzwaldklinik“ – nicht jedoch ohne die Möglichkeit, mich unter Umständen wieder einmal einliefern zu lassen.

Jan Offline




Beiträge: 1.720

04.03.2016 19:15
#12 RE: Die Schwarzwaldklinik (1985-89) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #11
Er zieht einen Schlussstrich unter die Frühphase der Serie, in der die wiederkehrenden Charaktere ihr Terrain abstecken. Jetzt hat man sich mit den Protagonisten vertraut gemacht und kennt (zumindest vermeintlich) ihre wahren Gesichter. Für mich endet damit vorerst der Ausflug in die „Schwarzwaldklinik“ – nicht jedoch ohne die Möglichkeit, mich unter Umständen wieder einmal einliefern zu lassen.

Wobei der Schlussstrich dann recht willkürlich gezogen ist. Die ersten 12 Episoden sind von Alfred Vohrer mit zwei unterschiedlichen Stäben (1x Hamburg im Studio und 1x im Schwarzwald) am Stück gedreht und in 12 Einzelteilen gezeigt worden. Diese zeitliche Mammutaufgabe erklärt auch seine temporäre Abwesenheit im "Derrick". Inhaltlich endet das Ganze mit der Episode "Die falsche Diagnose". Darin kehren viele Figuren zurück und der Zuschauer erfährt noch einmal jedes einzelne Happy-End. Die "Schwarzwaldklinik" gehört letztlich zu meinen Kindheitserinnerungen. Aufgrund veränderter Sehgewohnheiten jedoch kann ich gut nachvollziehen, wenn man da auch auf halbem Wege schon einmal eine Auszeit nimmt. Ich würd's mir vermutluch auch nicht mehr in Gänze antun wollen. Wobei ich schon zugestehe, dass Autor Herbert Lichtenfeld nicht nur leichte Kost servierte. Der Fokus indes liegt zweifelsohne auf dem Premium-Kitsch.

Gruß
Jan

 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz