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Dieses Thema hat 45 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Joe Walker Offline




Beiträge: 755

11.09.2014 12:36
#31 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zitat von Joachim Kramp im Beitrag #15
[...] Hinzufügen sollte man noch [...] die vortrefflich passende Musik von Rolf Kühn. [...]

Dazu passend ist vielleicht folgender Fund: http://www.dustygroove.com/item/714276 und http://www.indigo.de/news/vorschau/ (unter dem auf der rechten Seite genannten Punkt "Die Gerüchteküche - Genre: Filmmusik/ Soundtrack/ Musical").

Gruß
Joe Walker

Jan Offline




Beiträge: 1.720

03.08.2015 16:11
#32 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zum 11.09.2015 ist nun Freddy Vohrers "Wer stirbt schon gerne unter Palmen" angekündigt. Den Film, unter sehr widrigen Produktionsumständen entstanden, habe ich recht fade in Erinnerung, hab ihn aber sicher 20 Jahre nicht mehr gesehen. Insofern bin ich gespannt auf ein Wiedersehen. Allzu viel sollte man sich aber meiner Erinnerung zufolge nicht erhoffen.



Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

03.08.2015 20:07
#33 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Den Film kenne ich noch nicht, habe ihn aber seit der Ankündigung auf meiner Wunschliste. Stelle ich mir ähnlich vor wie die Simmel-Filme. Oder geht das in eine ganz andere Richtung?

Kleine Nörgelei zum Cover: Sieghardt Rupp und Dieter Eppler werden in Großbuchstaben abgegeben, während sich die anderen Hauptdarsteller mit normaler Schreibung begnügen müssen.

Georg Offline




Beiträge: 3.222

03.08.2015 20:24
#34 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #52
Kleine Nörgelei zum Cover: Sieghardt Rupp und Dieter Eppler werden in Großbuchstaben abgegeben, während sich die anderen Hauptdarsteller mit normaler Schreibung begnügen müssen.
Ist mir auch aufgefallen :)

Nein, ist eher nicht so wie die Simmelfilme, spielt ausschließlich in Sri Lanka. Hab's ewig nicht gesehen, zuletzt, als ich das vor über 20 Jahren von PRO 7 aufgenommen habe. Sofern ich mich erinnere, ist das teilweise auch recht abenteuermäßig, aber auch ein kleiner Whodunit. Es beginnt ja auch mit einem Mord, ehe die coole Titelmusik und der Vorspann ablaufen.

Jan Offline




Beiträge: 1.720

04.08.2015 08:56
#35 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #53
Hab's ewig nicht gesehen, zuletzt, als ich das vor über 20 Jahren von PRO 7 aufgenommen habe.

Genau die Aufnahme habe ich auch! Und ich erinnere mich wirklich nur noch schemenhaft. Außerdem war ich seinerzeit noch sehr auf Edgar Wallace und die Machart der Wallace-Serie fixiert. Simmel und erst recht dieser Streifen schreckten mich entsprechend ab. Das ist heute ganz sicher anders und deswegen bin ich auch so gespannt, wie ich den Film beim Wiedersehen nun finde.

"Wer stirbt schon gerne unter Palmen" ist allerdings auch die erste von ein paar noch folgenden Kinoproduktionen, die Alfred Vohrer endgültig zum Fernsehen trieben. Einer Zeitzeugenaussage zufolge war Hans Pflüger extrem klamm und so waren die filmischen Mittel sowie die Produktionsbedingungen reichlich begrenzt. Als Coproduktion fungierte hier eine Art Tourismusagentur aus Ceylon, die in die Aufnahmen hineinplärrte und sich (als massiver Geldgeber wohl recht nachvollziehbar) eine Art Werbefilm für den dortigen Tourismus erhoffte. Und auch der Constantin-Verleih war seinerzeit finanziell offenbar nicht mehr so ganz sattelfest. Alles in allem recht unglückliche Produktionsumstände also. In wie weit man das dem fertigen Film ansieht, weiß ich nicht mehr. Auf sowas habe ich seinerzeit auch noch nicht so geachtet.

Gruß
Jan

Georg Offline




Beiträge: 3.222

30.08.2015 10:13
#36 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

... weiter geht's in der Nachbesprechung einiger Filme, die ich über den Sommer gesehen habe. Nun mit einem Film, der mit der Produktion gleichen Titels des gleichen Regisseurs nichts zu tun hat, nämlich die 1975er-Version von ...


VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS
BRD/ Ungarn 1975, Kriminalepisodenfilm

Drehbuch: Werner P. Zibaso & Georg Hurdalek nach Vorlagen von Herbert Reinecker
Kamera: Charly Steinberger
Schnitt: Ingeborg Taschner
Regie: Alfred Vohrer

Darsteller: Herbert Fleischmann, Pierre Franckh, Terry Torday, Sascha Hehn,Felix Franchi, Evelyne Kraft u. v. a. sowie als Sprecher Reinhard Glemnitz (uncredited)

Warum auch immer, aber Alfred Vohrer drehte 1975 nochmals einen Spielfilm mit dem Titel Verbrechen nach Schulschluss, der allerdings mit dem gleichnamigen Film von 1959 nichts zu tun hat. Es handelt sich dabei um eine Produktion, die aus drei Episoden besteht, in denen erzählt wird, wie Jugendliche und Schüler abseits der Schulbank in Verbrechen verwickelt werden. Am Ende jeder Geschichte liest Reinhard Glemnitz aus dem Off vor, welches gerichtliche Nachspiel das jeweilige Verbrechen für die Täter hatte.

Episode 1: Die attraktive Sabine ist in ihren Lehrer verliebt, der sie jedoch zurückweist. Andererseits stehen drei Jungs aus ihrer Klasse auf sie. Sabine wiederum will von ihnen nichts wissen. Die drei jungen Burschen beschließen, sie mit K.O.-Tropfen willig zu machen. Ein fatales Unterfangen.

Episode 2: Schüler Uli interessiert sich für die Tante seiner Freundin Betty und beendet daher die Beziehung zu ihr. Ein heißes Verhältnis zwischen Uli und Bettys Tante beginnt. Bankdirektor Gregor, der gehörnte Ehemann, bemerkt dies nicht und ist vielmehr mit seinen Spekulationen beschäftigt, bei denen er viel Geld verloren hat. Er beschließt, seinen Neffen anzustiften, eine fingierte Entführung zu organisieren, bei der er das Lösegeld selbst einstreifen will ...

Episode 3:
In der Gegend rund um Passau ist niemand mehr vor einer skrupellosen Rockergang sicher. Ein junger Mann beschließt, sich ihrer anzunehmen ...

Der Großteils in Ungarn gedrehte Film hat nur wenige deutsche Darsteller zu verzeichnen: Herbert Fleischmann ist in einer sehr starken Rolle zu sehen, Pierre Franckh in seiner Paraderolle als Schüler und Sascha Hehn als Rocker.
Die Geschichten basieren - im Vorspann unerwähnt - auf Kurzgeschichten Herbert Reineckers. Die typische Reineckerwelt dringt vor allem in Fall 1 und Fall 2 durch, diese Storys hätte man sich anders inszeniert auch innerhalb der Reihen Der Kommissar oder Derrick vorstellen können.
Optisch ist der Film sehr ansprechend fotografiert, Kameramann Karl "Charly" Steinberger war wirklich einer der größten Könner seines Metiers, Alfred Vohrer inszeniert gekonnt und gewohnt peppig. Allerdings versucht der Film vor allem in Episode 1 und Teils in Episode 2 auch ein wenig auf der damaligen Sexwelle mit zu schwimmen, denn manche Szenen muten tatsächlich an, als seien sie einem der damaligen Report-Filme entsprungen (wenngleich Steinberger selbst in diesen Einstellungen bildgestalterisch das Beste herausholt!).
Folge 1 und Folge 2 sind durchaus spannend und sehenswert, während sich Folge 3 in der Bedeutungslosigkeit verliert. Insgesamt ein ganz interessanter 70er-Film mit typischem Flair (trotz des ungarischen Schauplatzes (die Handlung spielt aber in Deutschland!)) und den üblichen Reinecker-Themen. Freunde des Regisseurs kommen voll auf ihre Kosten!

Angefügte Bilder:
PDVD_006.JPG   PDVD_007.JPG   PDVD_008.JPG   PDVD_009.JPG   PDVD_010.JPG   PDVD_011.JPG   PDVD_012.JPG  
Jan Offline




Beiträge: 1.720

31.08.2015 09:24
#37 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #55

Warum auch immer, aber Alfred Vohrer drehte 1975 nochmals einen Spielfilm mit dem Titel Verbrechen nach Schulschluss, der allerdings mit dem gleichnamigen Film von 1959 nichts zu tun hat.


Vohrer hat 1964 einmal erwähnt, dass ihm "Verbrechen nach Schulschluss" einer seiner bislang liebsten Filme sei. Zum Ende der 1960er Jahre, im Zuge der neu aufkommenden Jugendfilme (z.B. die Paukerfilme), plante die Ultra-Film dann eine Art Sequel des 1959er Films; dieses Mal allerdings nach einem Buch von Herbert Reinecker. Ein Bild, auf dem Alfred Vohrer, Josef Wolf, Herbert Reinecker und zwei mir Unbekannte über dem Drehbuch in der Vorbereitungsphase hocken, zeugt davon. Das Projekt zerschlug sich allerdings. Möglich ist, dass der Erfolg von Vohrers Roxy-Filmen das Projekt zeitlich nicht mehr zuließ, weil er bei Waldleitner infolge über Jahre gebunden war. So verwundert es nicht, dass Vohrer das Thema nach seiner Simmel-Reihe noch einmal aufnahm. Ich mutmaße allerdings mal, dass das nicht realisierte Projekt mit dem dann 1975 entstandenen Episodenfilm nichts zu tun hat. Wenn ich's recht erinnere, basieren auch nur die ersten beiden Episoden der 1975er Variante auf Geschichten von Herbert Reinecker. Episode 3 hat sich der nicht eben sonderlich talentierte Werner P. Zibaso selbst einfallen lassen.

Gruß
Jan

Georg Offline




Beiträge: 3.222

31.08.2015 11:26
#38 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Danke, Jan, für diese äußerst informative und interessante Antwort! In der Tat sind nur die ersten beiden Episoden wirklich typisch Reinecker, die dritte Rocker-Episode ist inhaltlich auch wirklich schwach und hat mir im Gegensatz zu den ersten beiden überhaupt nicht gefallen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

31.08.2015 20:30
#39 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Mir hat bei "Verbrechen nach Schulschluss" vor allem gefallen, dass es sich um einen Episodenfilm handelt, mag ich ja prinzipiell gerne. Die dritte Episode fand ich gar nicht so schwach, eigentlich ganz im Gegenteil. Dann schon eher die erste, obwohl sie dem Titel des Films vielleicht am besten gerecht wird, und zusätzlich mit Evelyne Kraft bestückt wurde. Im Grunde genommen hat jede der drei Episoden ihre deutlichen Vorzüge, wenngleich es auch einige Schwächen gibt, aber unterhaltsam und rasant hat Alfred Vohrer das allemal hinbekommen. Den werde ich mir bestimmt noch häufiger anschauen, ich war schon positiv überrascht, zumal ich tatsächlich mit einem 1:1-Remake des Films von 1959 gerechnet hatte.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

13.09.2015 13:34
#40 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten





● EPISODE I: VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (D|H|1975)
mit Evelyne Kraft, Felix Franchy, Oliver Collignon, Pierre Franckh, Rita Waldenberger, Andras Nyiri, Angela Adams, Gary Parello
eine Produktion der TV 13 | Terra Filmkunst | in Zusammenarbeit mit Hungarofilm | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer




»Sie braucht ihn nur zu sehen und schon hat sie die Hand dazwischen«


Die 18-jährige Sabine ist der Renner in ihrer Klasse und für einige der aufmerksamen Mitschüler wird sie zur Projektionsfläche von erotischen Fantasien. Doch Sabine hat kein Auge für die unreifen Jungen aus ihrer Stufe, sie himmelt ausschließlich ihren Kunstlehrer Hannes Melzer (Felix Franchy) an. Weil sich insbesondere drei Klassenkameraden zurückgewiesen fühlen, wollen sie sich an ihr rächen. Unter einem Vorwand arrangieren sie ein Treffen in einer Villa, und setzen sie unter K.-o.-Tropfen, um Nacktfotos von der hübschen Schülerin zu machen, doch dann werden sie plötzlich gestört und die Situation gerät außer Kontrolle...

Wer bei dieser Produktion von 1975 etwa Parallelen zu Alfred Vohrers gleichnamigem Film aus dem Jahre 1959 erwartet, wird vielleicht nicht komplett enttäuscht sein, aber schließlich nicht sehr viele Gemeinsamkeiten ausfindig machen können. Thematisch gesehen bekommt der Zuschauer nur einige Erweiterungsmöglichkeiten aufgezeigt, und bezüglich des Produktionsjahres veranstaltete man natürlich ein Vamp Over, was im Klartext bedeutet, dass das Szenario mit ordentlich Zeitgeist angereichert wurde. Die Geschichte der ersten Episode wirkt wie ein guter Nährboden für ein potentielles Verbrechen und ist dem Empfinden nach deswegen auch schon dutzendfach abgehandelt worden. Allerdings darf man auch betonen, dass der Verlauf dieser ersten Episode durch seine Vorhersehbarkeit etwas statische und eintönige Formen annimmt, was den Eindruck zur Folge hat, dass einem die hier zum Tragen kommenden Schauwerte wie Augenwischerei vorkommen. Möglicherweise fällt "Verbrechen nach Schulschluss" auch vergleichsweise etwas ab, was jedoch nicht auf den gleichnamigen Vorgänger von Alfred Vohrer bezogen ist. Man stellt Vergleiche zu seinen vielen, hochinteressanten Produktionen der Vorjahre an und weist diesen Beitrag daher den schwächeren Gefilden zu. Nichtsdestotrotz bekommt man es mit absolut unterhaltsamem 70er-Jahre-Kino zu tun, welches auf seine ganz spezielle Art und Weise für viel Zustimmung sogen wird. Besetzungstechnisch hat man es für Vohrer'sche Verhältnisse definitiv mit einer zweiten Garnitur zu tun, jedoch offenbaren gezielte Blicke eine willkommene Präzision der Darsteller. Die aufregende Schweizerin Evelyne Kraft fungiert in Episode 1 als Auslöser für das "Verbrechen nach Schulschluss", wobei sie so inszeniert wurde, dass offensichtlich jeder auch während des Unterrichtes zu jedem Verbrechen bereit gewesen wäre.

Sie verbindet eine Art hautnahe Erotik mit dem Prinzip der Unschuld, und macht somit alle ihre Klassenkameraden verrückt und impulsiv. Aufgrund der knapp bemessenen Episoden-Spieldauer kommt es zu einem Blitzeinstieg sowie einem genau so schnellen Verlauf, in dem zwar alles Wichtige erklärt wird, aber wenig Raum für Feinheiten aller Art, aber vor allem tiefschürfendere charakterliche Zeichnungen ist. Aufgrund des aufkommenden Tempos wirkt dies nicht weiter störend, aber Vohrer fabrizierte somit auch nicht gerade einen Meilenstein. Der Plot wirkt für damalige Verhältnisse gut angepasst, oder besser gesagt recht aktuell, die wichtigen Momente werden von Charly Steinberger sehr spektakulär im Bilde festgehalten, so beispielsweise mit schönen Kaleidoskop-Einstellungen. Neben Evelyne Kraft als Zugpferd dieses ersten Teils, sieht man mit Felix Franchy einen guten alten Bekannten aus dem Reich der physischen Film-Expositionen, so dass er mit seiner bildschönen Partnerin auch glaubwürdige Arbeit leistet. Der persönliche blanke Horror kommt in Gestalt eines wie üblich schrecklichen Pierre Franckh daher, der definitiv einer der Prototypen darstellte, um unwissend-unschuldige Schulmädchen glaubhaft zu belästigen. Der Verlauf ist stets darum bemüht, tragische Elemente zu fabrizieren, und diese tatsächlich entstehenden Fragmente auch zu transportieren, doch dass es letztlich kaum funktioniert, ist nicht der knapp bemessenen Zeit zuzuweisen, sondern einfach der vagen Bearbeitung. Lediglich die teilweise unter die Haut gehende, und immer gut abgestimmte Musik kann in dieser Beziehung deutlichere Akzente setzen. Die erste, ist also gemessen an den folgenden Episoden auch gleichzeitig die schwächste aus "Verbrechen nach Schulschluss" geworden, doch die hier vorhandene Oberflächlichkeit wird glücklicherweise verlässlich von einem gierigen Monster namens Unterhaltungswert aufgefressen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

01.11.2015 15:02
#41 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten





● EPISODE II: VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (D|H|1975)
mit Teri Torday, Herbert Fleischmann, Achim Neumann, Maria Zürer
eine Produktion der TV 13 | Terra Filmkunst | in Zusammenarbeit mit Hungarofilm | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer




»Wir können doch auch rein freundschaftlich...«


Der Schüler Uli (Achim Neumann) trennt sich von seiner gleichaltrigen Freundin Betty (Maria Zürer), da er eine Affäre mit seiner wesentlich älteren Tante (Teri Troday) hat. Ihr Mann Gregor (Herbert Fleischmann) ahnt offenbar nichts davon, da ihn vollkommen andere Probleme quälen. Der Bankier hat sich verspekuliert und steht nun vor dem finanziellen Ruin. So kommt er auf die Idee, die Entführung seiner eigenen Frau zu inszenieren, die über sein Vorhaben eingeweiht wird. Auch seinen Neffen will er mit in die heikle Angelegenheit ziehen, doch plötzlich nimmt die Aktion eine fatale Wendung...

Episode II von Alfred Vohrers Spielfilm bewegt sich thematisch gesehen in eine vollkommen andere Richtung als der erste Teil. Genau betrachtet, hat die Angelegenheit um die Entführung und Lösegeldforderung kaum etwas mit dem Titel "Verbrechen nach Schulschluss" zu tun, denn es könnte sich auch um den Inhalt eines jeden beliebigen Kriminalfilms handeln. Lediglich die beteiligten Schüler stellen den nötigen Zusammenhang her. Muss man also sagen, dass dieses Plot-Fragment komplett deplatziert ist und thematisch versagt? Glücklicherweise kommt es nicht dazu, denn dafür wurde zu interessant inszeniert. Krimifreunde kommen hier sicherlich auf ihre Kosten, denn die Angelegenheit ist gut durchdacht und spannend geformt, auch wenn dieses Verbrechen sicherlich schon hundert mal abgehandelt wurde. Der große Vorzug von Episode zwei ist, dass sie am namhaftesten besetzt wurde und mit Herbert Fleischmann und der aus den "Frau Wirtin"-Filmen in Deutschland sehr bekannten Ungarin Teri Torday die Zugpferde der Produktion präsentiert. Des Weiteren sieht man überzeugende Jungdarsteller, die trotz vielversprechender Leistungen unmittelbar im Anschluss wieder von der Bildfläche verschwanden. In diesem Teil bemerkt man am deutlichsten, dass Vohrer nicht nur Krimi-Spezialist war, sondern auch ein buchstäbliches Multitalent. Inszenierungsstil und Tenor wirken im Gegensatz zur vorhergegangenen und ebenso zur nachfolgenden Episode komplett unterschiedlich, sprechen folglich auch auf einer anderen Ebene, und mehrere Zuschauer gleichzeitig an. Vielleicht kann man trotz der kurzen Erotik-Einlagen davon sprechen, dass hier das konventionellste Stück entstanden ist, beinahe erinnern beispielsweise Handhabe oder Whodunit an seine späteren Arbeiten bei "Derrick". Auch hier ist zu sehen, dass aufgrund der bemessenen Spieldauer ein ordentliches Tempo entsteht.

Teri Tordays Star-Image war im Jahre 1975 sicherlich noch bedeutend mehr als eine Erinnerung, allerdings sieht man einen Einsatz unter verblassten, weil alternativen Umständen. Torday bringt im Grunde genommen gute Voraussetzungen für die glaubhafte Darstellung einer Upper-Class-Lady in den besten Jahren mit, gewürzt ist das Ganze mit Verve, aber auch Oberflächlichkeit, was man allerdings auch ihrem Repertoire vorwerfen kann. Als Größe des Erotik-Fachs durfte sie auch hier verhaltene Schauwerte zum Besten geben, was der Angelegenheit die nötige erotische Grundspannung verleiht. Alfred Vohrers Stammschauspieler Herbert Fleischmann interpretiert seine obligatorische Rolle als Geschäftsmann wie immer sehr überzeugend, und dem Zuschauer wird bei seinem kalkulierenden Wesen klar, warum sich seine gelangweilte Ehefrau nach alternativen Freizeitbeschäftigungen umschaut. Das schnell auftauchende Kompott zur Regulierung der angeschlagenen Finanzen wird von allen Beteiligten hastig angenommen, da sie ihren luxuriösen Lebensstandard in Gefahr sehen. Die auftauchenden Komplikationen sorgen für Tempo und begünstigen die Achtsamkeit des Zuschauers, so dass Episode zwei, die empfundenerweise irgendwie konträr zu Teil eins und drei abzulaufen scheint, versöhnlich verläuft, was ein willkommener Twist am Ende noch unterstreichen kann. Also hat man es im Endeffekt mit einem durchaus interessanten Fall zu tun, dessen straffe Inszenierung letztlich überzeugt. Dabei leisten die schön eingefangenen Bilder und die in der Erinnerung bleibende Musik erneut Basisarbeit. Abschließend ist zu sagen, dass diese Episode recht unterhaltsam ausgefallen ist, wenngleich sie den Titel wie erwähnt nur vage repräsentiert. Diese Tatsache ist aber nicht weiter schlimm, denn man hat es doch mit einem sehr schnörkellosen Vohrer zu tun, dessen Charakter manchmal sogar herrlich schäbig wirkt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

29.11.2015 12:58
#42 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten





● EPISODE III: VERBRECHEN NACH SCHULSCHLUSS (D|H|1975)
mit Malte Thorsten, Sascha Hehn, Ute Willing, Janos Drapàl, Laszlo Peres
eine Produktion der TV 13 | Terra Filmkunst | in Zusammenarbeit mit Hungarofilm | im Constantin Filmverleih
ein Film von Alfred Vohrer




»Warum seid ihr alten Scheißer immer so vorlaut?«


Eine Motorradgang versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Die jungen Vandalen belästigen Leute, randalieren und sie reizt das Verbotene. Ihr Schreckensmonopol scheint jedoch eines Tages in Gefahr zu kommen, als sich ein vollkommen in rot gekleideter Motorradfahrer mit der Gang anlegt und Einzelne verfolgt. Hat der Unbekannte einen der Rocker gestellt, liefert er diesen der Polizei aus, nachdem er sie an ihre eigenen Motorrädern angekettet hat. Handelt es sich bei diesen Aktionen um einen privaten Rachefeldzug..?

Episode Nummer drei ist diejenige, die wohl am meisten an den damaligen Zeitgeist angeglichen wurde und vor allem die jüngere Generation angesprochen haben dürfte. Betrachtet man die verschiedenen Teile, so ist es wirklich begrüßenswert, dass sie sich komplett voneinander unterscheiden und somit Abwechslung innerhalb eines abgeschlossenen Films garantieren. Hier legte Alfred Vohrer vor allem Wert auf Action und Tempo, sowie reißerische Elemente, die das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers ansprechen sollen, und auch werden. Die Motorrad-Gang betreibt eine Schreckensherrschaft der Willkür, jeder der sie krumm anschaut oder etwas Kritisches anmerkt, wird Zielscheibe ihrer Zerstörungswut. Die Unberechenbarkeit geht insbesondere von ihrem Anführer aus, der von Vohrer-Schauspieler Malte Thorsten nicht uninteressant dargestellt wird. Insgesamt fallen die Halbstarken durch ihr Aggressionspotential und die Gewaltbereitschaft auf. Sie haben Zeit, und davon offenbar zu viel. Also wird der Langeweile mit Hochdruck entgegen gearbeitet, indem man Leute belästigt und fremden Eigentum, sowie fremde Gesichter zusammenschlägt. Die Regie legte hier offensichtlich großen Wert darauf, dass erst überhaupt kein Identifikationspotential aufkommt, und betreibt eine klassische Rollenverteilung in Gut und Böse. Der Sinn des Ganzen erschließt sich langsam und eine hohe Spannung wird bis zum überraschenden Finale aufrecht erhalten. Dem Empfinden nach ist die dritte Episode von "Verbrechen nach Schulschluss" am schwächsten besetzt, was möglicherweise an der ungewöhnlichen Rolle Malte Thorstens, und der naiv-glorifizierten Darbietung von Sascha Hehn liegt, der ohnehin ein spezieller Fall für sich ist. Es ist im Endeffekt schade, dass die Szenerie ansonsten nur von Laiendarstellern unsicher gemacht wird, die keinen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen können.

Glücklicherweise wurde im Gegenzug auf einen Hauch von Tiefe geachtet, damit diese Geschichte auch funktioniert. Kennt man die Vohrer-Filme "Und der Regen verwischt jede Spur" oder "Liebe ist nur ein Wort", in denen Malte Thorsten Hauptrollen übernommen hatte, so fällt es einem hier auf den ersten Blick schwer, ihn unmittelbar auszumachen, da in Sachen Optik quasi eine Kulturrevolution stattgefunden hat. Nichtsdestotrotz nimmt man dem Darsteller, der einst mit dem Filmband in Gold als bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde, und der bereits 1977 seine Karriere beendete, seine ziemlich alternative Rolle in jedem Moment ab. In Sachen Tempo, Kamerafahrten und Bildgestaltung hat diese abschließende Episode sicherlich am meisten zu bieten, was man auch über die im Dunkeln liegenden Hintergründe der Taten sagen kann. Nimmt man hier schließlich alle drei Geschichten zusammen, hat man es richtiggehend mit einer kleinen Wundertüte zu tun, die allerdings durch Alfred Vohrer selbst ein wenig ausgebremst ist, da er seinen eigenen hohen, über lange Jahre gewohnten Qualitätsansprüchen nicht wie üblich genüge getan hat. Dies tut dem insgesamt und rundum gelungenen Spaß allerdings keinen Abbruch und fügt dem Reißer reinster Seele keinerlei Schaden zu. Auch hier kommen gut greifende Zutaten wie beispielsweise leichte Tragik zum Vorschein und runden ein anschauliches Gesamtergebnis ab. Wie nach jeder Episode hört man auch hier die mahnende Stimme des Gesetzes aus dem Off, die ganz in Manier der Justiz Gefängnisstrafen verhängt, somit gleichzeitig für eine deutliche Prognose sorgt. "Verbrechen nach Schulschluss" ist insgesamt ein hoch ansprechendes Sehvergnügen, bei dem es die vornehmste Aufgabe des Zuschauers bleibt, sich seinen persönlichen Lieblingsteil auszusuchen. Empfehlenswert; und für Freunde der Vohrer'schen Trickkiste sowieso!

Mamba91 Offline



Beiträge: 745

24.02.2016 12:26
#43 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten



Wer stirbt schon gerne unter Palmen


mit: Maria Gudy | Thomas Hunter | Glauco Ornato | Hanns Messemer | Sieghardt Rupp | Dieter Eppler | u.v.a. |
Drehbuch: Werner P Zibaso | nach dem gleichnamigen Roman von Heinz G. Konsalik | Kamera: Charly Steinberger |
Musik: Archiv | Titelmusik: Christian Bruhn | Schnitt: Ingebord Taschner | Bauten: Niko Matul | Produktion: Hans Pflüger

eine Produktion der TV 13 und Terra Filmkunst in Cooperation mit Ceylon Tours

Regie: Alfred Vohrer


Zitat
Anne Pinaud, Ehefrau eines Plantagebesitzers, wird verdächtigt ihren Mann ermordet zu haben. Bei der Überführung nach Colombo stürtzt das Flugzeug allerdings ins Meer. Nur Anne und Inspektor Cerdan überleben den Absturz und treffen auf der Insel auf Werner Becker, der nach einem Sturm mit seiner Yacht auf der Insel gestrandet ist. Zwischen Becker, der an Annes Unschuld glaubt, und Cerdan entwickeln sich schließlich heftige Konflikte.



Heinz Günther, so lautet der wahre Name von Heinz G. Konsalik, brachte es in seiner Laufbahn als Schriftsteller auf 155 Romane, die sich in Deutschland bis heute satte 83 Millionen mal verkauft haben.
Dabei setzte Konsalik nicht unbedingt auf anspruchsvolle Plots in seinen Werken, sondern ersann sich als "Volksschriftsteller" fragwürdige Landserromane und einfache Abenteuer-und Liebesgeschichten.
Fünf seiner Romane kamen in den 70ern auf die große Leinwand.
Einer von ihnen ist WER STIRBT SCHON GERNE UNTER PALMEN – 1974 von Alfred Vohrer auf Sri Laka in Szene gesetzt. Wer bei dem Titel von einem romantisch-tragischem Drama à la Johannes Mario Simmel ausgeht, der irrt, denn der Filmtitel ist philosophischer als das Drehbuch letztlich einhält. WER STIRBT SCHON GERNE UNTER PALMEN ist ein Actionabenteuer mit einem Whodunit, der für die fortlaufende Handlung jedoch keine besondere dramaturgische Bedeutung hat, da dieser nur als Aufhänger für den Hauptteil des Films dient. So ist das gesamte Drehbuch recht einfach gehalten (der Film bringt es auf eine Länge von knappen 80 Minuten), bietet eigentlich keinen besonderen Spielraum für die Protagonisten sondern lässt sie mal mehr und mal weniger plakativ ihre Abenteuer auf der Insel bestehen. Aber ist man das aus Filmen dieser Zeit nicht gewohnt? Im Grunde kann man sich bei so einem eher mittelmäßigen Drehbuch freuen das dem Produzent bei der Suche nach einem Regisseur Alfred Vohrer in den Sinn kam, denn dieser lockert den Film mit einigen ironischen und zynischen Kommentaren auf (die Schildkröte...), gibt dem Film in den Actionszenen einen guten Rhythmus und verzichtet dabei glücklicherweise komplett auf Klamauk. Letztlich kristallisiert sich sein Regiestil hier jedoch nicht ganz so deutlich heraus wie in den Wallace-Filmen, den Simmel-Filmen oder in PERRAK, was vielleicht auch daran liegt das er üblicherweise Situationen in einem "alltäglichen" Umfeld überzogen und persifliert hat, was eine Strandung auf einer einsamen Insel nun mal nicht ist.

Auf Seiten der Darsteller bekommt man es mit eher wenig bekannten Gesichtern zu tun. Dieter Eppler, Sieghardt Rupp und Hanns Messemer ausgenommen. Hauptdarsteller Thomas Hunter darf dank Vohrer gerade in der ersten Hälfte ordentlich eskalieren, ist aber trotzdem eher austauschar.
Eine kleine Besonderheit ist die Hauptdarstellerin Maria Gudy aus Island, die hier ihren ersten und anscheindend letzten Auftritt hat. Warum eigentlich?
An der Kamera stand Charly Steinberger, der wieder einige ungewöhnliche Perspektiven auf Zelluloid belichtete. Die Musik kommt aus der Konserve, wobei sich die Titelmusik angenehm ums Ohr legt.

WER STIRBT SCHON GERNE UNTER PALMEN ist nicht der schlechteste Gernefilm und wäre auf einer Schallplatte sicher nur die B-Seite. Dank der versierten Regie Alfred Vohrers, die einen guten Takt mitbringt und auf Klamauk verzichtet (ich denke da z.B. an DAS MÄDCHEN AUS HONGKONG), den souveränen Schauspielern und den schönen Drehorten, ein kurzweiliges Filmvergnügen das perfekt für einen verregneten Sonntagnachmittag geeignet ist.

Mamba91 Offline



Beiträge: 745

24.02.2016 12:27
#44 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

edit

Jan Offline




Beiträge: 1.720

24.02.2016 12:44
#45 RE: Bewertung – Alfred Vohrer-Filme Zitat · Antworten

Zitat von Mamba91 im Beitrag #62

WER STIRBT SCHON GERNE UNTER PALMEN ist nicht der schlechteste Gernefilm und wäre auf einer Schallplatte sicher nur die B-Seite. Dank der versierten Regie Alfred Vohrers, die einen guten Takt mitbringt und auf Klamauk verzichtet (ich denke da z.B. an DAS MÄDCHEN AUS HONGKONG), den souveränen Schauspielern und den schönen Drehorten, ein kurzweiliges Filmvergnügen das perfekt für einen verregneten Sonntagnachmittag geeignet ist.

Wohlwollend betrachtet, kann man das sicher so formulieren. Allerdings empfand ich den Film nie als sonderlich rund. Das ewige Hin und Her zwischen Hunter und Ornato auf der Insel wurde doch arg strapaziert und nur dadurch erträglicher, dass Maria Gudy die gefühlte Hälfte der Spielzeit mit zerrissener Bluse agiert. Warum Drehbuchautor Werner P. Zibaso in den 1970er Jahren derart viele Drehbuchaufträge erteilt wurden, kann ich mir nicht erklären. Sowohl der Palmen-Film als auch die meisten übrigen mir bekannten Filme nach seinen Drehbüchern haben im Wesentlichen alle den gleichen Schwachpunkt: Zibasos Drehbücher!

Letztlich ist es halt ein "Abschreibungsfilm" nach Pflüger'schem System, an dem zahlreiche Zahnärzte, Juristen und Steuerberater gut verdient haben dürften. Die Wahl von Roman und Regisseur dürfte dabei sehr berechnend gewesen sein. Pflüger hat sehr sicher von einer Filmförderung geträumt, die in jenen Jahren vor allem Romanverfilmungen zuteil wurde. Horst Hächler kassierte für mindestens eine seiner nicht wirklich ambitionierten Ganghofer-Verfilmungen auch eine Prämie. "Wer stirbt schon gerne unter Palmen" ging indes leer aus diesbezüglich.

Gruß
Jan

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