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Dieses Thema hat 51 Antworten
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 James-Bond-007-Forum
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Edgar007 Offline




Beiträge: 2.388

14.09.2020 18:19
#31 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Old Rascal im Beitrag #30
Ich bin und bleibe da gern hoffnungslos altmodisch.

Da bin ich genau so! Mein erster James Bond-Film im Kino war SAG NIEMALS NIE. Und seitdem habe ich bis auf 2 alle im Kino gesehen. Leider wurden die Filme, bis auf CASINO ROYAELE, immer schlechter.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

14.09.2020 18:22
#32 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Sehr interessant, die "Bond-Geschichte(n)" der einzelnen Mitglieder zu lesen ! Kann ich gut nachvollziehen. Mein erster Bond im Fernsehen war auch der tatsächlich erste Film mit Dr. No und Ursula Andress' spektakulärem Strand-Auftritt (der im Buch ja noch wesentlich pikanter ist ! Schade, dass der Film da nicht ganz so weit mitging ). Eigentlich ist ja "Dr. No" noch gar nicht so spektakulär, wenngleich er sich noch relativ nahe ans Buch hält. Aber die Connery-Bonds sind auch meine Lieblinge - ohne Frage. Wie schön einfach war doch da die Welt noch.

Und hier liegt wohl eines der Probleme - wenn man es denn so nennen will. Die Welt war wahrscheinlich gar nicht unbedingt einfacher, aber die Menschen wollten Ablenkung und Eskapismus. Man ging ins Kino um schöne Menschen dabei zu beobachten wie sie durch schöne Sets laufen und außergewöhnliche Dinge tun - Alles möglichst weit weg vom eigenen Alltag. Dass Jamaika und andere Bond-Locations früher quasi unerreichbar waren, wie hier schon geschrieben, ist sicherlich ein Grund des Erfolgs. Dass "Keine Zeit zu Sterben" auf Jamaika spielt, war ja im Gegensatz dazu nun in der Öffentlichkeit und in der Presse eher nur noch eine Fußnote. Venedig aus "Moonraker" oder die Schweiz in "Im Geheimdienst ihrer Majestät" müssen auf viele Zuschauer heute ja erst recht stinklangweilig wirken.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Die Gefahr ging meist von einer ominösen Verbrecherorganisation namens Spectre aus, später dann, zur Moore-Zeit, in der gleichen Schlichtheit von ähnlich gelagerten Vereinigungen, aber auch von größenwahnsinnigen Großkapitalisten (heute schon wieder ein politisch äußerst heikles Thema, wie sich die Zeiten ändern). Zwischendurch mal der ziemlich düstere Film mit Lazenby, bei dem eigentlich nur das furchtbare Rüschenhemd stört, in das man ihn am Anfang gesteckt hatte. Zum Schluss der Moore-Ära der Versuch zu etwas mehr Realismus, aber leider war der gute Roger da schon nicht mehr in einem Alter, in dem irgendein Geheimdienst der Welt ihn in den aktiven Dienst gelassen hätte. Dann Dalton, soo übel finde ich die Filme auch nicht, besonders der mit dem mexikanischen Drogenboss ist ein recht harter Streifen, der sogar einige Szenen aus den Originalromanen enthält.

Ein äußerer Konflikt von wegen "Guter Agent gegen verrückten Bösewicht" reichte früher nun einmal aus. Am Besten war der Bösewicht schon optisch als solcher zu erkennen. Ebenso wie klassische Monsterfilme noch ohne sinnvolle Erklärung irgendwelche Monstren auf Großstädte los lassen konnten oder Terroristen in Filmen diffusen Gruppen angehörten und ihre Motivation eigentlich Wurscht war, solange man einen simplen Wettlauf gegen die Zeit mit klarem Feindbild hatte.
Dass das Publikum heute mehr Wert als früher auf Realitätsnähe legt, würde ich nicht behaupten, aber es gibt gestiegene Erwartungen an die Motivation der Figuren und den Wunsch nach mehr zwischenmenschlichen Konflikten als den altbekannten äußeren. Da könnten Medienpsychologen oder Soziologen jetzt vielleicht Gründe nennen.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Dann eine lange Zeit nichts, die Post-Cold-War-Ära mit Goldeneye und Brosnan fing recht vielversprechend an, da war ich gerade mitten im Studium und habe das zusammen mit anderen Bond-begeisterten Kommilitonen durchaus gewürdigt. Schien so, als hätte man ein bisschen an die Connery-Zeit anknüpfen wollen.

Ich fand immer, dass Brosnan eher an den Moore-Bond anknüpfte mit seiner Upperclass-Attitüde und einer gewissen Steifheit, sowie allgemeiner Halb-Ironie. Connery war da schon immer hemdsärmliger - trotz Smoking. Da hatte man aus meiner Sicht schon immer den Eindruck, dass da eigentlich ein Rowdy hinter der Fliege schlummert, der nicht im Anzug geboren wurde. Aus meiner Sicht knüpft genau da auch Craig an - wohl nicht umsonst gleichen sich die Aufnahmen von Connery, der in "Dr. No" aus dem Sitz den wehrlosen Prof. Dent erschießt und Craig, der im Bürosessel sitzend in der Vortitelsequenz von "Casino Royale" den Sektionsleiter erschießt, in Sachen Bildgestaltung stark. Die ausgiebige Schlägerei in "Ein Quantum Trost" mit Messerstichen strahlt eine ähnliche Ruppigkeit und Erbarmungslosigkeit aus, wie Connerys Kampf im Fahrstuhl inmitten von Scherben. Moore und Brosnan strahlten bei Allem, was sie taten immer eine gewisse Eleganz aus. Dalton lag irgendwo dazwischen, Lazenby war zu sehr auf einen 1:1-Connery-Ersatz ausgelegt, bzw. bekam ja keinen zweiten Film um sein Profil zu schärfen. "Goldeneye" fand ich aber auch sehr gelungen, bis auf die trashig-kitschigen Titel und die Mutlosigkeit den kalten Synthie-Score von Eric Serra kurz vor der Premiere in Teilen noch durch 08/15-Orchestermusik zu ersetzen.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Leider ging es dann bergab, obwohl "Der Morgen stirbt nie" mit dem zeitungsabstinenten Bond auch noch guter Stoff war.

Das sehe ich wiederum dann anders. Der Film war für mich gegenüber "Goldeneye" ein starker Rückschritt. Völlig überkandidelte Vortitelsequenz, blasser Bösewicht, halbgare Anbiederung an den 90er-Jahre-HongKong-Action-Trend und allgemein wenig Erinnernswertes. "Die Welt ist nicht genug" holte noch einmal Alles aus der ausgelutschen Formel heraus. Mit Robbie Coltranes Rückkehr ein sympathisches Comic Relief, das dramaturgisch jedoch gut eingebunden ist, ein bedrohlicher, aber auch tragischer Bösewicht, eine erst spät durchschaubare Sophie Marceau, tolle Actionszenen im U-Boot, ein grandioser Soundtrack mit gekonnter Verwebung von Orchester im John Barry-Stil mit Electronic,...
Mit "Stirb an einem anderen Tag" hat man dann die Reihe leider fast vor die Wand gefahren. Einer noch gelungenen Vortitelsequenz (die so ähnlich fast bei Craig stattfinden können) folgt ein Film, der die ausgelutsche Bond-Formel schlecht wiederholt. Von Allem zu viel (Gadgets, CGI-Effekte,...) oder zu wenig (glaubhafte Gegenspieler, interessante Handlung) und dazu noch mies eingebundene Hommagen an die alten Bond-Filme. So konnte es auf keinen Fall weitergehen

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Schließlich Craig mit "Casino Royale". Hier trat wohl, ganz zeitgemäß, die Kunstfigur der Filme zurück und der eigentliche brutale, rüpelhafte und gar nicht so extrem weltmännische Ur-Bond auf den Plan, gleichzeitig war es ja auch das erste Bond-Buch. Der Geheimagent Ihrer Majestät entwickelt sich (natürlich nur in bescheidenen Grenzen) auch in den Romanen etwas weiter, in der Filmreihe hat man nun auch versucht, dem Rechnung zu tragen und vor allem wieder an die gute alte Tradition der gegnerischen Verbrechersyndikate anzuknüpfen. Sogar Spectre wurde wieder aus der Versenkung geholt, allerlei persönliche Verstrickungen und sogar Selbstzweifel, Burnout und andere moderne Dinge wurden dem vielgeplagten Helden angeheftet.

Die Selbstzweifel und den Burnout hatte Bond in den Romanen schon und M ließ ihn dort ebenfalls bei Bedarf bereits fast über die Klinge springen. Du sprichst aber ja dementsprechend schon ganz richtig vom "Ur-Bond" der Romane. Wie oben schon geschrieben, orientiert sich der Craig-Bond neben den Romanen deutlich mehr "Liebesgrüße aus Moskau" oder "Lizenz zum Töten" als an "Moonraker" oder "Man lebt nur zweimal".
Was ich sehr schade finde, ist dass man die Entwicklung der Figur nicht konsequent verfolgt hat. Bei "Ein Quantum Trost" tobte ja leider bereits der Drehbuchstreik, der dem Film aus jeder Pore quillt. Da wurde die Abkehr vom "Weltmännischen Bond" bereits etwas überspannt, bzw. die Entwicklung stagnierte. Wie gesagt, wurde am Ende von "Skyfall" der Bogen zum weltmännischen Bond ja sehr gut geschlagen. Nach dem Aston Martin aus "Goldfinger" Bond mit Hut bei Moneypenny im Büro und M im getäfelten Büro - da hätte ein ganz klassischer Bond-Film folgen können. Stattdessen ist "Spectre" dann ein Hybrid aus ausgelutschen Alt-Bond-Elementen und halbherzig aufgepropfter horizontaler Erzählung um die (teilweise ungewollt losen Fäden der Vorgänger) noch irgendwie zu einem Schluss zu bringen.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Fast schon könnte man z.B. "Skyfall" schon als Kritik an gewissen Geheimdienstpraktiken ansehen, kleine Waisenkinder aufzunehmen und zu Agenten auszubilden, etwas, das östliche Geheimdienste ja gerne machten, aber auch Bonds Schicksal ist ja gleichermaßen. So klammert er sich an diese kalte und ziemlich rücksichtslose Frau "M", seinen Mutterersatz, die ihn bei Erfordernis wohl mit einem gewissen Bedauern, aber trotzdem ohne zu Zögern über die Klinge hätte springen lassen. Ziemlich gruselig. Aber ich finde, man sollte es mit Bonds "Vermenschlichung" nicht zu weit treiben und ihn als den harten Burschen lassen, der er ist. Er muss nun mal die Bösewichter verhauen, drei mit einem Schuss erwischen, die schlüpfrigen Luder wie die anständigen Professorengattinen gleichermaßen flachlegen, Unmengen von Schnaps in sich reinschütten und stets im Glücksspiel gewinnen, sowie immer das letzte (zynische) Wort haben. Also alles das machen, wozu sich unsereins nie so richtig traut.

Das Verhalten der weiblichen M in "Skyfall" ließ mich an den Anfangsteil von "Der Mann mit dem goldenen Colt" denken, wo Bond wenn ich mich richtig erinnere aus einer sowjetischen Gehirnwäsche zurückkehrt und M zynisch plant, Bond gegen den nahezu unbesiegbaren Scaramanga antreten zu lassen, nach dem Motto "wenn er den Auftrag schafft, hat er sich als Verlandstreu und dienstfähig erwiesen, stirbt er, ist es ein potentieller Doppelagent weniger". Es ist nicht Alles irgendwo nur aus dem Zeitgeist und "modernen Zugeständnissen" zu erklären. Vieles war auch schon immer in der Vorlage vorhanden und wurde nur nicht konsequent genutzt. Man kann durchaus auch die Interpretation in Erwägung ziehen, dass man bei den frühen Bond-Filmen eher Elemente bewusst weggelassen hat, die man nun wieder übernimmt und die auf den Fleming-Nichtkenner "neu" und "falsch" wirken. Hart war er in den Romanen immer, trotz Selbstzweifeln und Schwächephasen und das ist er auch in den Filmen - allerdings versucht man die Gründe für seine Härte zu ergründen, bzw. prüft diese auch mal.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Wer wird wohl Craigs Nachfolger werden ? Das bisschen, was ich da an Diskussionen aufgeschnappt habe, hat mich schon schaudern lassen. Wenn der neue Bond plötzlich kein Mann mehr ist, sondern einem der restlichen 60 oder 80 oder sonstwieviel Geschlechtern zugehört, einer eindeutig europafernen Ethnie angehört, plötzlich Veganer und Antialkoholiker ist, einen erfolgreichen Kurs im Antiaggressionstraining absolviert und sich engagiert gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz einsetzt, dann ist die Reihe für mich eindeutig gestorben.

Es sind aber Diskussionen, an denen sich die Bond-Entscheidungsträger bisher gar nicht beteiligt haben, die also jeder Grundlage entbehren. Bisher waren es meines Wissens ausnahmslos Printmedien, die für Auflage und Klickzahlen die rhetorische Frage wiederkäuen, ob Bond nicht auch eine Frau sein könnte.
Dass da vielleicht mal hin und wieder auch von den Produzenten ein Gerücht gestreut oder eher ausweichend auf direkte Fragen reagiert wird, sorgt für Publicity und ein Stück weit auch zur Beruhigung der Kritiker - von wegen "seht her, uns ist die Thematik bewusst und wir beschäftigen uns damit", aber dass der nächste Bond eine Frau ist oder dunkelhäutig, dürfte ausgeschlossen sein. Ersteres haut namentlich (trotz aller Trans-Thematik) nicht hin und für Letzteres gibt es wenige Kandidaten. Idris Elba (übrigens Sexiest Man Alive 2018) hätte mir tatsächlich gefallen können (und wichtiger ist ohnehin die Qualität des Films selbst), aber der ist auch nur vier Jahre jünger als Craig. Von daher wird man sich hier kaum weiter vom Klischee entfernen, als man es bereits mit Craig tat. Vor allem nach dem Erfolg von Colin Firth als britischer Gentleman-Spion Harry „Galahad“ Hart in "Kingsman" könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man eher wieder zurück zum Brosnan-Typus gehen wird. Tom Hardy wäre zu nah an Craig, Kandidaten wie Henry Cavill oder Tom Hiddleston geben da wohl schon eher die Richtung vor.
Vielmehr sorgt man (schon länger) lieber abseits der Hauptfigur für respektvoller geschriebene Frauenfiguren und Diversität in Nebenrollen. Warum sollte ein amerikanischer Agent (Felix Leiter) nicht schwarz sein, wie ca. 15 Prozent der dort lebenden Menschen? Und Naomie Harris ist geborene Londonerin, es wäre also nicht unrealistisch, dass sie in einem Büro des MI6 gelandet wäre, hätte sie einen anderen Berufsweg eingeschlagen. Im Ausgleich bekommen die Traditionalisten ja in Ralph Fiennes wieder einen männlichen M, der mich durchaus an Bernard Lee und Robert Brown erinnert.
Aber es zeigt ja schon, dass wohl eher ein Problem auf Seiten der Diskurs-Teilnehmer besteht, als auf Seiten der Macher, wenn es einen Aufschrei gibt, weil 007 im neuen Bond-Film eine Frau ist.
Dabei ist es nur folgerichtig, dass nach James Bonds Pensionierung die Nummer neu vergeben wird und (auch wenn in "Der Hauch des Todes" scheinbar noch ein reiner Männerclub) auch weibliche Agenten für den MI6 arbeiten. Wäre es diesen Leuten ernst, würden sie auch meckern, wenn es hieße, 007 wäre im kommenden Film ein blonder Mann namens Edward, der von einem Amerikaner gespielt wird, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dann sehr schnell relativiert werden würde nach dem Motto "Achso, nur die Nummer wurde neu vergeben, ist dann quasi wie Sean Bean als 006 in "Goldeneye". Bei einer (noch dazu dunkelhäutigen Frau) geht aber sofort reflexartig das Geschrei los und jede Richtigstellung wird gepflogen ignoriert.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #29
Wie schon erwähnt, andere Agenten gibt es mittlerweile zuhauf, Bond muss sich einmal durch die originellen Gadgets, die exotischen Drehorte, aber auch letztlich durch seine Persönlichkeit gegen die Konkurrenz zur Wehr setzen.
Auf alle Fälle, Goldfinger, Feuerball oder Man lebt nur zweimal sind Filme, die einfach nicht mehr zu toppen sind, da sie den sprichwörtlichen Sixties-Charme haben. Das schafft kein moderner Bond mehr, trotz aller Millionensummen, die in ihn gesteckt werden - wäre auch eine Idee, einen Retro-Bond zu drehen...

Die Gadgets haben "Mission Impossible" und "Kingsman" mittlerweile bis zur Absurdität getrieben, da finde ich es gerade gut, dass es in den letzten Filmen bodenständiger zuging. Und dass exotische Drehorte niemanden mehr ins Kino ziehen, wurde ja schon thematisiert. Zumal da auch die anderen Agenten nachziehen, auch weil Produktionen im Ausland teilweise sogar günstiger sind als in England oder den USA zu drehen.
Wenn man das Rad zurückdreht und die Persönlichkeit des 60er/70er-Bonds in den Mittelpunkt stellt, ist das etwas mau. Der Bond der 60er trägt Smoking, liebt Frauen und das Glücksspiel und trägt eine Walter PPK - mehr weiß man nicht über ihn. Den Rest hat Connerys Charme gemacht. Connery wird die Rolle aber nicht noch einmal spielen. Es gibt ja so schon nicht wenige Leute, die Probleme haben die Bond-Filme nach Connery überhaupt noch den einzelnen Darstellern zuzuordnen. Da muss man sich etwas Anderes einfallen lassen, fürchte ich.
Ich wäre schon glücklich, wenn man mit dem nächsten Bond-Darsteller wieder eine gewisse Abkehr vom horizontalen Erzählen schafft. Bei 2-3 Jahren Pause zwischen den Filmen ist eine übergeordnete Erzählung wenig zielführend und mehr Eigenständigkeit innerhalb der Reihe würde den Filmen aus meiner Sicht immer gut tun. Das verhindert dann auch Probleme bei der "Staffelübergabe" zwischen den Darstellern. Schon jetzt wird es ja schwierig den Nachfolger von Craig einzuführen, weil die (versuchte) Entwicklung der Figur unter Craig erfordert, dass der Wechsel in irgendeiner Form erklärt wird. Jetzt noch einmal einen jungen Schauspieler bei seinen ersten Tötungen zu erleben, durch die er den Doppel-0-Status erlangt, würde mich ermüden.

Zitat von Old Rascal im Beitrag #30
Leider habe ich es nicht damit in's Guinnessbuch der Rekorde geschafft alle Bondfilme von Dr.No bis heute im Kino gesehen zu haben, sondern nur bis Goldeneye insgesamt 33 Jahre:) Goldeneye hat mir gar nicht mehr gefallen. Natürlich ist Dr.No mit heutigen Ansprüchen nicht mehr vereinbar aber damals war es wirklich ein Erlebnis, das knallbunte Jamaica auf der Leinwand zu sehen. Da gab es keinen Vergleich mit den entwickelteren Bondfilmen, da wir diese einfach noch nicht hatten. Da war weniger eindeutig mehr. Die Filme wurden ja später im TV in Endlosschleife wiederholt und ich sah sie mir immer wieder gerne an. Dalton, Brosnan, Graig naja schaute ich zwar auch im TV, aber die meisten nur einmal. Da bin ich einfach nicht mehr die Generation dafür.

Ist ja absolut verständlich. Es gibt ja auch Bands, die entweder irgendwann durch mangelnde Weiterentwicklung nur noch für eine handvoll dankbarer Altfans spielen und auf der anderen Seite einige Bands, die mit ihrer Entwicklung neue Fans gefunden und alte nachhaltig verschreckt haben. Als Beispiel seien hier nur Yes und Genesis genannt, die als Progressive Rock-Bands mit komplizierter Musik bereits Stadien gefüllt haben und dann in den 80ern mit Kommerz-Pop nochmal viel größeren Zuspruch bekommen haben. Aber da werden sicher nicht alle Fans seit der Anfangszeit mitgegangen sein.
Es wird sicher auch Bond-Fans geben, die "Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau" wegen der zynischen und kompromisslosen Hauptfigur mochten und sich mit den bunteren, Gadget-überladenen Familienfilmen und spätestens mit dem Moore-Klamauk von der Reihe verabschiedet haben und bei Dalton noch einmal kurzzeitig zurückgekehrt sind. Ich kenne auch viele Roger Moore-Fans, die Brosnan als seinen legitimen Nachfolger sehen und die Connery-Bonds ganz nett finden, den Lazenby-Bond und die beiden Dalton-Filme sowie Craig aber ignorieren.
Am Besten sind wohl die dran, die Connerys Charme der ersten Filme, den grandios inszenierten "Im Geheimdienst ihrer Majestät" mit tragischem Finale, den funkigen "Leben und sterben lassen" und den "over-the-top"-Bond "Moonraker", den 90s-Brosnan-Bond und den modernen Craig schätzen und Spaß an allen Filmen der Reihe haben. Dazu zähle ich mich glücklicherweise. Dass ich dann während der Moore-Filme 1-2 Mal die Augen verdrehe und "Stirb an einem anderen Tag" am liebsten auslasse und bei Craigs Bond-Filmen 2-4 permanent denke "Schade, da wäre soviel mehr drin gewesen", ist da nur eine klitzekleine Einschränkung.

Zitat von Old Rascal im Beitrag #30
Natürlich muss die Reihe mit der Zeit gehen, wenn sie sich verkaufen will. Nur hat eben leider eine immer verrückter werdende Welt immer verrückter werdende Filme zur Folge und das nicht im positiven Sinne. Ich bin und bleibe da gern hoffnungslos altmodisch.

Die "verrückt"-Thematik kann man aber durchaus in beide Richtungen lesen.
Die Jetpack-Einlagen, Vulkankrater-Domizile und Weltraumausflüge der 60er und 70er finde ich persönlich verrückter als beispielsweise einen nahezu Gadget-losen Film wie "Ein Quantum Trost", in dem es um ein bodenständiges Thema wie Wasser-Privatisierung geht und die Kämpfe nicht mit Wunderwaffen, sondern Fäusten und Messern ausgefochten werden. Dass man dem Publikum mehr Exzess bietet als früher, würde ich daher klar verneinen. Die Explosionen sind mächtiger, die Schnittfrequenz den aktuellen Sehgewohnheiten angepasst und es gibt mehr Handkamera, aber dass es Handlungs-mäßig verrückter zugeht als früher, lässt sich kaum halten.
Wie schon von Dr. Oberzohn erwähnt, gab es ja auch bereits in der letzten Moore-Phase die Neigung die Filme wieder realistischer zu machen. "In tödlicher Mission" gefiel mir daher auch immer sehr, weil sich der Klamauk und zu abgefahrene Ideen im Rahmen hielten. Wenn hier bereits Dalton übernommen hätte, wäre es vielleicht sogar ein noch besserer Film geworden.
"Lizenz zum Töten" hatte dann ja schon fast noch mehr Chuzpe als "Casino Royale" oder "Ein Quantum Trost", was das Brechen mit Gewohnheiten und Sicherheiten (Felix Leiters Verstümmelung) betrifft.

Schlussendlich gibt es aber eh keine objektive Qualitätseinordnung. Der eine liebt an Bond das Verrückte, humorvolle, bunte, der andere die Härte, der nächste schaut die Filme wegen der Stunts, der andere wegen der Bond-Girls. Handwerklich gut gemacht (für ihre jeweilige Zeit) sind sie alle (bis auf die CGI bei "Stirb an einem anderen Tag").
Und erfolgreich sind sie nun einmal bis heute.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.278

14.09.2020 19:09
#33 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #32
[quote=Dr. Oberzohn|p7399620]
Schlussendlich gibt es aber eh keine objektive Qualitätseinordnung. Der eine liebt an Bond das Verrückte, humorvolle, bunte, der andere die Härte, der nächste schaut die Filme wegen der Stunts, der andere wegen der Bond-Girls. Handwerklich gut gemacht (für ihre jeweilige Zeit) sind sie alle (bis auf die CGI bei "Stirb an einem anderen Tag").
Und erfolgreich sind sie nun einmal bis heute.

Dieser Meinung kann man sein, doch woher weiß man was jemand an den Bonds alles liebt und erst recht wahrnimmt, was man selbst nicht sieht.

Gruss
Havi17

patrick Offline




Beiträge: 3.194

14.09.2020 21:26
#34 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #31
Zitat von Old Rascal im Beitrag #30
Ich bin und bleibe da gern hoffnungslos altmodisch.

Da bin ich genau so! Mein erster James Bond-Film im Kino war SAG NIEMALS NIE. Und seitdem habe ich bis auf 2 alle im Kino gesehen. Leider wurden die Filme, bis auf CASINO ROYAELE, immer schlechter.


Schön, dass sich hier so viele Bond-Traditionalisten zu Wort melden. Für mich kommt nach Connery's 60s-Bond-Welt lange nix mehr. Ich bin fast ein bisschen neidisch auf @Old Rascal , dass er das im Kino erleben durfte. Auch ich sah die Bondfilme beginnend mit Dr.No in chronologischer Reihenfolge im TV. Meine ersten beiden Kino-Bonds waren "Der Spion der mich liebte" und "Man lebt nur zweimal" irgendwann in der ersten Hälfte der 80er als Wiederholung. Seit "Sag niemals nie" habe auch ich alle Bonds bei Erscheinen im Kino gesehen. Das sind auch schon 37 Jahre. Damit sind wir sogar näher am "Guinness-Buch der Rekorde." - wenn auch etwas zeitversetzt. Ich hatte meine größte Bond-Krise bei Brosnan, habe aber trotzdem durchgehalten. Mit Craig kann ich einigermaßen leben. Er kommt für mich aber bei Weitem nicht an die 60s-Welt heran, für die ich immer eine Schwäche hatte und an Connery schon gar nicht.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.278

14.09.2020 23:28
#35 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Die alten Bond-Darsteller waren ganz andere Persönlichkeiten, die mehr Empathie hatten als z.B. das Schlußlicht Craig

Gruss
Havi17

Old Rascal Offline



Beiträge: 68

15.09.2020 09:15
#36 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Neidisch? Wenn du`s gesehen hättes wärest du jetzt ein Dinosaurier:))

Aber Spaß beiseite. Verrückt finde ich die maßlos übertriebenen Stunts mit superlativen Effekten. Aber wie auch schon angedeutet findet ein 79Jähriger da nicht mehr so den Zugang wie ein 19 oder 29jähriger. Das ist ganz natürlich. Bondfilme waren schon immer unrealistisch aber auf verschiedene Arten. Ich würde die früheren Filme als mehr bodenständig unrealistisch bezeichenen, da die Stunts noch nicht alle Grenzen sprengten und wohl auch noch nicht konnten. Man lebt nur zweimal ist allerdings genau jenes Frühchen, das ich nie so besonders mochte. Da gefällt mir die spätere Mooreversion Der Spion der mich Liebte schon sehr viel besser. Der oben angesprochene Mooreklamauk hat sich so langsam eingeschlichen und ist mir auf Anhieb gar nicht mal so aufgefallen sondern erst im Rückblick. Moore hatte es ja etwas leichter als der arme Lazenby, der den Bruch mit Connery marken musste. Er war ja schon ein beliebter Fernsehstar. Solange ich lebe werde ich aber wohl nicht mehr von Bond lassen, da es ja schade wäre nach fast 60 Jahren damit aufzuhören:)

Havi17 Offline




Beiträge: 3.278

15.09.2020 10:43
#37 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Bevor Bond hier populär wurde entstanden in Frankreich schon die Lemmy Caution Filme, die früher und
schnell zunehmend mehr den Agenten als sympatischen Womanizer erscheinen ließen und eine Menge Humor
mit ins Spiel brachten. Viele Jahre später brachten Hill/Spencer zunächst im Western-Genre dies
noch erfolgreicher auf die Bühne.

Gruss
Havi17

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

15.09.2020 11:46
#38 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #33
Zitat von Fabi88 im Beitrag #32

Schlussendlich gibt es aber eh keine objektive Qualitätseinordnung. Der eine liebt an Bond das Verrückte, humorvolle, bunte, der andere die Härte, der nächste schaut die Filme wegen der Stunts, der andere wegen der Bond-Girls. Handwerklich gut gemacht (für ihre jeweilige Zeit) sind sie alle (bis auf die CGI bei "Stirb an einem anderen Tag").
Und erfolgreich sind sie nun einmal bis heute.

Dieser Meinung kann man sein, doch woher weiß man was jemand an den Bonds alles liebt und erst recht wahrnimmt, was man selbst nicht sieht.

Natürlich hast Du recht, dass man nicht die Beweggründe eines jeden Bond-Fans wissen kann, warum er die Reihe liebt. Aber genau deswegen schrieb ich ja, dass eine objektive Einordnung kaum möglich ist, da nahezu jeder Film ein riesiges Publikum hat und damit bei sehr vielen (vielleicht teilweise auch sehr unterschiedlichen) Menschen einen Nerv getroffen hat, bzw. immer noch trifft. Es muss also auch Menschen geben, die beispielsweise an "Stirb an einem anderen Tag" sehr viel lieben und wahrnehmen, was sich mir nicht erschlossen hat und das ist auch völlig in Ordnung so. Die Liste von wegen "Humor, Härte, Bondgirls und Co" war ja auch nie auf Vollständigkeit ausgerichtet, sondern darf gern individuell ergänzt werden. Wenn die Reihe nach dem Ausstieg von Connery Zuschauerzahlen-mäßig implodiert wäre, würde feststehen, dass Connery allein der Faktor war. Wenn "Goldeneye" ein Flop gewesen wäre, hätte man vermuten können, es sind die exotischen, bunten Drehorte. All das ist nicht passiert, die "liebenswerten Punkte" sind demnach zu vielfältig und scheinbar auch noch genügend dieser Punkte beibehalten worden.

Zitat von Havi17 im Beitrag #35
Die alten Bond-Darsteller waren ganz andere Persönlichkeiten, die mehr Empathie hatten als z.B. das Schlußlicht Craig

Du verwechselst Schauspieler und Rolle, bzw. selbst auf die Rolle bezogen haut das nicht ganz hin. Ich könnte jetzt ganz polemisch fragen, ob du bei Connery die Empathie meinst, mit der er den wehrlosen Prof. Dent erschießt ("Dr. No") oder fremde, unbewaffnete Frauen mit ihrem BH würgt um Blofelds Aufenthalt zu erfahren ("Diamantenfieber"). Und ob du bei Craig die Empathie vermisst, wenn er in "Casino Royale" im teuren Anzug zu Vesper in die Dusche steigt um sie tröstend in den Arm zu nehmen. Ich weiß, was du meinst, aber ein difusses "ich mag Craig als Typ nicht" kann man kaum auf die Auslegung der Rolle projezieren. Ich mag Craig als Typ auch nicht so gern wie Connery und Brosnan, aber er spielt das, was er da in die Hände bekommt sehr gut. Er hat sicherlich auch Glück, dass bei "Casino Royale" von Drehbuch, über Inszenierung bis hin zu Besetzung, Soundtrack und Schnitt Alles stimmte und der Film (überspitzt formuliert) vielleicht sogar mit Ottfried Fischer in der Hauptrolle noch leidlich funktionieren würde.
Der Bond-Darsteller "macht" ja nicht den Film. Sean Connery muss im Rückblick auch Richard Maibaum, Terence Young und Ted Moore auf Knien danken, dass sie mit Drehbuch, Regie und Kameraarbeit für einen guten Film gesorgt haben, in dem er trotz mangelnder Erfahrung glänzen konnte. Es ist ja überliefert, dass er Respekt vor der Rolle hatte und wer genau hinschaut, merkt ihm im fertigen Film hier und da noch gewisse Unsicherheiten an (vor allem, wenn er keinen Text hat oder Blicke gefragt sind). Die Souveränität und Coolness kam ja erst mit den weiteren Filmen und kippte dann ehrlich gesagt zum Ende hin zu einer gewissen Teilnahmslosigkeit. "Diamantenfieber" ist ja wohl auch deswegen als zynischer Film und schon fast als Parodie auf die eigene Reihe angelegt, weil ansonsten die Gefahr bestanden hätte, dass er wie ein Fremdkörper wirkt. Für seinen Bond in "Sag niemals nie" fand Connery dann ja nochmals eine andere Herangehensweise.
Brosnan kann im Gegenzug ja auch Nichts dafür, dass er mit "Der Morgen stirbt nie" und "Stirb an einem anderen Tag" kein gutes Material im Rücken hatte, da konnte er die Rolle mit noch so viel Charisma und Coolness spielen, aber die Filme dennoch nicht auf ein anderes Niveau heben.
Bond zu verkörpern ist keine leichte Aufgabe und weil nicht einfach jeder den Connery geben kann, hat jeder Darsteller seinen eigenen Stil, bzw. wurde schon von Produktionsseite anders angelegt. Es gibt etliche Momente in den frühen Filmen, die mit einem Dalton oder Moore eine völlig andere (teils unangenehmere) Wirkung gehabt hätten.
Connery ist hart, aber selbst noch charmant, wenn er rücksichtlos handelt, Moore ist der selbstironische Gentleman, dem man die Härte jedoch kaum abnimmt, Dalton verkörpert Kühle und eine gewisse Härte und Ernsthaftigkeit, der Womanizer-Part ist jedoch weniger ausgeprägt und die Moore-sypischen Oneliner wirken aus seinem Mund nicht so überzeugend, Brosnan ist der etwas glatte Superhelden-Bond, der gefühlt immer die Kontrolle behält, Craig ist nun einmal der selbstzweifelnde, harte Bursche. Auch das wird vorbei gehen, weil die Rolle mit dem nächsten Darsteller wahrscheinlich nicht genauso angelegt sein wird.

Ich betrachte es tatsächlich so, dass es mit Craig (bzw. genauer nach "Casino Royale") nicht etwa qualitativ bergab ging, sondern "nur" die Ausrichtung mir nicht restlos gefällt. "Skyfall" verfügt über ein für sich genommen sehr gelungenes Drehbuch, Schauspieler wie Ralph Fiennes, Javier Bardem, Albert Finney und Co sind über jeden Zweifel erhaben und auch im Stab finden sich ausnahmslos die Besten ihres Fachs - Roger Deakins Kameraarbeit ist beispielsweise wie immer zum Niederknien und der Mann ist 64 und hätte alles Recht zu sagen "ich bin mit Connery aufgewachsen, so muss ein Bond-Film für mich aussehen", aber die Richtung, vielleicht auch die Inszenierung, überzeugt mich nicht komplett.
Und dass da ein paar Geschäftsleute im Hinterzimmer überlegen, was "das junge Publikum" wohl sehen will und was am meisten Einnahmen verspricht und dann einen riesigen Stab an Handwerkern und Auftragsarbeitern herankarrt, stimmt so nicht. Zumindest Drehbuchautoren, Regisseure und Kameramänner werden da sehr aktiv (mit-)gestalten oder gerade aufgrund ihres Stils verpflichtet.
Ebenso, wie ein Terence Young mit "Dr. No" und "Liebesgrüße aus Moskau" sehr viel von sich selbst in die Figur des James Bond einbrachte, hat auch ein Sam Mendes seine eigene Vision und dreht da nicht "irgendwas für den Zeigeist". Deswegen finde ich es ja so interessant, dass ein Martin Campbell (samt Kameramann Phil Meheux) nicht nur den Brosnan-Bond-Stil mit "Goldeneye" etablierte, sondern einen völlig anders ausgerichteten "Casino Royale" drehte und den neuen Craig-Stil einführte. Die drei Autoren von "Casino Royale" schrieben zuvor bereits die recht klassischen "Die Welt ist nicht genug" und "Stirb an einem anderen Tag". David Arnold blieb ebenfalls als Komponist. Es sind also quasi die selben Kreativen, die die Brosnan-Ära prägten, die den Neustart gestalteten. Erst danach gab es große personelle Wechsel.

Auch ich liebe die Connery-Bondfilme wohl am meisten, finde die Dalton-Einsätze aber ganz erfrischend und verstehe und goutiere, was man mit "Casino Royale" vor hatte. Leider wurde das nicht konsequent weitergeführt. Ich hoffe daher auf einen guten Abschluss mit "Keine Zeit zu Sterben" und einen spannenden, besser funktionierenden Stil mit dem nächsten Darsteller.
Es wird ja niemand zum Kinobesuch gezwungen und nur, weil ein neuer Film stilistisch anders ist, leidet die Qualität von "Goldfinger" doch nicht? Der wird wahrscheinlich, wie alle Bond-Filme, zum Kinostart in 4K erscheinen und wieder eine neue Generation begeistern.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

15.09.2020 11:49
#39 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #37
Bevor Bond hier populär wurde entstanden in Frankreich schon die Lemmy Caution Filme, die früher und
schnell zunehmend mehr den Agenten als sympatischen Womanizer erscheinen ließen und eine Menge Humor
mit ins Spiel brachten. Viele Jahre später brachten Hill/Spencer zunächst im Western-Genre dies
noch erfolgreicher auf die Bühne.

Lemmy Caution ist sicherlich ein Bond-Vorläufer, ebenso wie Cary Grant in "Der unsichtbare Dritte" prägend gewesen sein dürfte.
Wo aber Spencer & Hill irgendeine Nähe zu den Bond-Filmen haben sollen, erschließt sich mir nicht. Da ist ja die oft bemühte "Bond im wilden Westen"-These bei den "Sabata"-Filmen mit Lee van Cleef schon fast plausibler.

Fabi88 Offline



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15.09.2020 11:58
#40 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Old Rascal im Beitrag #36
Neidisch? Wenn du`s gesehen hättes wärest du jetzt ein Dinosaurier:))

Aber Spaß beiseite. Verrückt finde ich die maßlos übertriebenen Stunts mit superlativen Effekten. Aber wie auch schon angedeutet findet ein 79Jähriger da nicht mehr so den Zugang wie ein 19 oder 29jähriger. Das ist ganz natürlich. Bondfilme waren schon immer unrealistisch aber auf verschiedene Arten. Ich würde die früheren Filme als mehr bodenständig unrealistisch bezeichenen, da die Stunts noch nicht alle Grenzen sprengten und wohl auch noch nicht konnten. Man lebt nur zweimal ist allerdings genau jenes Frühchen, das ich nie so besonders mochte. Da gefällt mir die spätere Mooreversion Der Spion der mich Liebte schon sehr viel besser. Der oben angesprochene Mooreklamauk hat sich so langsam eingeschlichen und ist mir auf Anhieb gar nicht mal so aufgefallen sondern erst im Rückblick. Moore hatte es ja etwas leichter als der arme Lazenby, der den Bruch mit Connery marken musste. Er war ja schon ein beliebter Fernsehstar. Solange ich lebe werde ich aber wohl nicht mehr von Bond lassen, da es ja schade wäre nach fast 60 Jahren damit aufzuhören:)

Ab spätestens "Feuerball" waren die übertriebenen Stunts und die Effekte aber gerade doch der Verkaufsfaktor bei den Bond-Filmen. Jetpacks, die irre Bob-Verfolgung in "Im Geheimdienst ihrer Majestät", der (damals schon digital berechnete) Looping-Stunt über den Fluss bei "Der Mann mit dem goldenen Colt", der Ausflug ins Weltall, tauchende Autos,... man hat immer die Grenzen gesprengt und dies wurde auch vom Publikum erwartet. Der Ski-Sprung ins Nichts mit dem sich spät öffnenen Fallschirm in "Der Spion, der mich liebte", der noch immer den Atem stocken lässt, ist doch letztlich nichts Anderes als der Bungee-Sprung vom Staudamm in "Goldeneye" oder der Weltrekord bei Überschlägen mit dem Auto in "Casino Royale".
Die meiste Zeit fährt Bond noch immer quer durch Innenstädte und fährt Verkaufsstände um. Der Schnittrhythmus ist nur schneller geworden und die Kameras sind bauweisebedingt in der Lage näher dran zu sein. Dass man daher den Zugang im Alter nicht mehr so gut findet, verstehe ich. Schon mich hat der Schnitt in "Ein Quantum Trost" überfordert und es war selten klar, wer gerade wen schlägt. Das war aber ein Stück weit der Tatsache geschuldet, dass man aufgrund des (Autorenstreik lässt grüßen) unfertigen Drehbuchs in der Postproduktion wohl auf "schnell und kompakt" setzte um Logiklöcher zu verdecken.
Bei den anschließenden Filmen wurde es ja wieder klassischer und übersichtlicher.

Old Rascal Offline



Beiträge: 68

16.09.2020 08:16
#41 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Kann gut sein, dass der völlig reizüberflutende schnelle Schnitt hier den Eindruck verzerrt und vielleicht auch komprimierter auftretende Stunts. Bei Quantum wusste ich in der Tat auch nicht mehr was wer gerade mit wem macht. Allgemein nahm ich die früheren Bonds einfach ganz anders wahr. Dort liebte ich die Gadgets und Spielereien und auch die Action Sequencen auf der Bobsleigh Bahn, im Wasser, auf der Skipiste,etc. Sowas gab es in anderen Filmen ja überhaupt nicht. Die heutigen Bonds nehme ich viel technischer, kälter und mit weniger Charme wahr und in vielerlei Dingen auch mit anderen Filmen austauschbar.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.278

16.09.2020 14:28
#42 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

In der Tat, wir reden wieder aneinander vorbei. Es ist auch nicht so, daß ich Zitat,
"Du verwechselst Schauspieler und Rolle, bzw. selbst auf die Rolle bezogen haut das nicht ganz hin",
die Schauspieler mit deren Rolle verwechsle, sondern eben der Schauspieler das Problem ist.

Old Rascal scxhreibt zurecht "Allgemein nahm ich die früheren Bonds einfach ganz anders wahr". Das
ist genau das Problem wo wir leider nicht übereinkommen. Wir haben eine unterschiedliche Wahrnehmung.
lasse das einfach mal sacken. Die Jüngeren sind in einer anderen Zeit geboren und wir älteren sind
in die neue Zeit hineingewachsen. Da gibt es eben andere Wahrnehmungen und IN FOLGE andere Vorlieben.
Die heutigen Bonds sind schon wegen der kalten unempathischen Darsteller einfach austauschbar. Da
rettem auch schnelle Schnitte und Reizüberflutungen garnichts, im Gegenteil! Und auch hohe Einspielergbnisse
belegen nur, daß sich die verändert gemachten Menschen nur verändert haben.

Gruss
Havi17

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

17.09.2020 16:24
#43 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Old Rascal im Beitrag #41
Kann gut sein, dass der völlig reizüberflutende schnelle Schnitt hier den Eindruck verzerrt und vielleicht auch komprimierter auftretende Stunts. Bei Quantum wusste ich in der Tat auch nicht mehr was wer gerade mit wem macht. Allgemein nahm ich die früheren Bonds einfach ganz anders wahr. Dort liebte ich die Gadgets und Spielereien und auch die Action Sequencen auf der Bobsleigh Bahn, im Wasser, auf der Skipiste,etc. Sowas gab es in anderen Filmen ja überhaupt nicht. Die heutigen Bonds nehme ich viel technischer, kälter und mit weniger Charme wahr und in vielerlei Dingen auch mit anderen Filmen austauschbar.

"Ein Quantum Trost" war tatsächlich ein Extrembeispiel. Dort versuchte man ja einen "Bourne"-ähnlichen Stil zu erzeugen (und wie gesagt die Logiklöcher zu verdecken), hatte aber scheinbar nicht wirklich in diesem Stil gedreht. Aber natürlich wird auch bei "Skyfall" oder "Spectre" die Schnittfrequenz höher sein als bei "Leben und sterben lassen" oder "Liebesgrüße aus Moskau".
Was Tempo und Schnittrhythmus betrifft, sollte man aber auch die alten Filme nicht unterschätzen! Bei "Im Geheimdienst ihrer Majestät" nahm Peter R. Hunt, der Cutter aller vorigen Bond-Filme, Platz auf dem Regiestuhl und seine Erfahrung spiegelt sich deutlich im Ergebnis. Vor allem die Vortitelsequenz wirkt extrem frisch und modern (auch wenn 1-2 wahrnehmbare Speedups etwas auffallen).
Da wird in den Actionszenen bereits mit gewollter Orientierungslosigkeit experimentiert.

Dass die neueren Teile, wie du sagst, technischer und kälter wirken, liegt zu einem ordentlichen Teil an der Zeit, in der sie spielen. Der Bruch ist ja bereits in den 80ern erkennbar, wo die Anwesenheit von Moore es noch einigermaßen kaschiert hat. Aber es wird schon hier düsterer und kälter, Alles wird sozusagen digitaler und auch ein Stück-weit unübersichtlicher. Mit dem Ende des kalten Krieges werden, wie schon richtig beobachtet, die Feindbilder diffuser.

Die Gadgets und Spielereien sind aus meiner Sicht eher was für Jugendliche - an die sich aber ja vor allem die Bond-Filme der Moore-Ära durchaus richteten.
Im Rückblick (!) nervt mich persönlich vieles davon. Sie haben oft in der Reihe zu sehr Überhand genommen, so dass man sich dann für entsprechend harte Brüche entschied. Ein solcher Bruch war definitiv "Man lebt nur zweimal", wo es des Guten zu viel war und man für "Im Geheimdienst ihrer Majestät" wieder auf den Boden zurückkehrte und mit dem bereits genannten "Moonraker", nach dem man mit "In tödlicher Mission" wieder ernster wurde. Eine solche Zäsur gab es dann wieder mit "Stirb an einem anderen Tag", wo man mit unsichtbarem Auto und Co den Bogen kräftig überspannte und das Ganze mit "Casino Royale" wieder entschlackte. "Im Geheimdienst ihrer Majestät", "In tödlicher Mission" oder "Casino Royale" sind interessanterweise dann auch Filme, die mir besser gefallen, je älter ich werde, weil ich mich als Zuschauer ernst genommen fühle und ich nicht das Gefühl habe, in einen aus dem Ruder geratenen Kindergeburtstag geraten zu sein.
Deswegen hängt sicherlich viel mit dem Alter bei der Erstsichtung zusammen. Ich ertappe mich ja auch ständig dabei, dass ich über Alfred Vohrers Wallace-Regieeinfälle von wegen "Blick aus dem Mundraum beim Kauen einer Karotte" und Ähnliches schmunzle oder über einen recht sexistischen Spruch in einer 60s-Komödie kichere. Das passiert aber eben nur bei Filmen, die ich aus der Kindheit oder Jugend kenne. Ich fühle mich in der Zeit zurückversetzt, es kommen Erinnerungen hoch und ich fühle mich wieder wie damals - zumindest an guten Tagen, dann geht es um Nostalgie.
Würde mir in einem aktuellen Kinofilm jemand die Karotten-Einstellung präsentieren oder haut eine (als Sympathieträger gedachte) Hauptfigur einen solchen Spruch mit absolutem Ernst heraus, schlage ich mir die flache Hand vor die Stirn. Soll heißen: Vieles, was in den 60s oder 70s witzig oder spannend war, würde heute nicht mehr die selbe Emotion erzeugen.
In den 60ern plante man die Mondlandung und die Concorde, man sah die positiv gestimmte Star Trek-Serie und schaute begeistert darauf, welche Möglichkeiten Computer versprachen. Gadgets und Wundertechnik waren futuristisch und toll. Wir leben nun aber in einem eher Technologie-kritischen Zeitalter, was paradoxerweise komplett auf Servern und Smartphones fußt. Futuristische Utopien sind nicht gefragt, die Zukunft macht vielen Menschen eher Angst. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir alle mittlerweile das Feuerzeug mit den 83 Funktionen von Derek Flint in der Hosentasche - es heißt nur Smartphone und hat ungefähr 500 Funktionen. Welches Gadget soll uns da noch in ein solches Erstaunen versetzen? Das unsichtbare Auto in "Stirb an einem anderen Tag" knüpft an die unwahrscheinlichen Gadgets von früher an, wirkt aber einfach nur gespenstisch, weil technisch 2002 beinahe schon möglich. Es ist von da aus auch kein weiter Weg mehr zu der perfekten Ausstattung, die den Agenten zu einem quasi unbesiegbaren Supermann macht und die Identifikation erschwert. In "Spectre" wurde dementsprechend ja bereits thematisiert, dass Bonds Job eigentlich auch von einer unbemannten Drohne erledigt werden könne. Das ist eine Frage, die sich Connery oder Moore mangels Technik noch nicht stellen lassen mussten, auf die die Bond-Reihe aber eine Antwort liefern muss, wenn sie weiterhin Relevanz haben will.
Ich fand, wie gesagt, den Staudamm-Stunt oder die Autoüberschlagung in neueren Bond-Filmen ähnlich spektakulär wie Bob-Bahn und Co früher. Dass mir aber Laser-Uhren und Ähnliches fehlen, kann ich nicht behaupten. Das ist dann aber nur meine Wahrnehmung.

Aber wo ich oben schon einmal "Moonraker" erwähnt habe:
Gerade dieser Film ist auch ein wunderbares Beispiel für Zeitgeist und Bewertung im Laufe der Zeit. Gab es damals nicht wenige Stimmen, die den Film sogar als besten Bond-Film nach "Goldfinger" sahen, wird der Film mittlerweile regelmäßig bei Abstimmungen - sogar von eingefleischten Bond-Fans - auf einen der letzten Plätze gewertet.
Genau so muss man es natürlich auch bei den aktuellen Filmen sehen. "Casino Royale" hatte nach Erscheinen lange bei Abstimmungen den ersten Platz inne, mittlerweile sind "Goldfinger" und "Liebesgrüße aus Moskau" wieder vorbei gezogen. Die erste Begeisterung und Überhöhung hat sich gelegt und kritischere Betrachtungen, bzw. auch der Vergleich zu anderen Filmen der Reihe finden statt.
"Goldeneye" hat mittlerweile selbst einen Klassikerstatus und taucht des öfteren in Top5-Listen auf, ob "Casino Royale" diesen dauerhaft erhält, wird man sehen. "Skyfall" wird es meiner Meinung nach beispielsweise nie in diese Riege schaffen, "Spectre" noch weniger.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.634

17.09.2020 16:46
#44 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #42
In der Tat, wir reden wieder aneinander vorbei. Es ist auch nicht so, daß ich Zitat,
"Du verwechselst Schauspieler und Rolle, bzw. selbst auf die Rolle bezogen haut das nicht ganz hin",
die Schauspieler mit deren Rolle verwechsle, sondern eben der Schauspieler das Problem ist.

Dann hat es aber doch ganz viel mit Differenzierung zu tun? Ich mag Craig als Typ auch überhaupt nicht, bin aber zu ausreichend Differenzierung fähig um "Casino Royale" dennoch als sehr guten Film zu erkennen und die Idee den Weg vom ungeschliffenen Raubein zum weltmännischen Gentleman zu erzählen für Bond erst einmal sogar relativ spannend finde - völlig Wurscht, wer die Hauptrolle spielt. Daher ja auch meine Bemerkung zu Ottfried Fischer - vielleicht an dieser Stelle noch einmal mit der Erklärung versehen, dass dieser Mann in der Hauptrolle für mich einen Grund darstellen würde einen Film gar nicht sehen zu wollen.
Lazenby hat auch nicht annähernd Connerys Charisma, seinen Auftritt habe ich mir (nur aufgrund von Fotos von ihm als Bond) lange aufgeschoben, aber ich halte "Im Geheimdienst ihrer Majestät" mittlerweile für einen der absolut besten Bond-Filme. Selbst, wenn Lazenby die Hauptrolle noch weniger tragen würde, blieben mit Drehbuch, Setdesign, Besetzung (Diana Rigg, Gabriele Ferzetti, Telly Savalas, Ilse Steppat,...!), Inszenierung, Kameraarbeit, Schnitt, Skistunts und vielem mehr viel zu viele Aspekte eines gelungenen Films übrig, als dass der Film scheitern könnte. Dennoch sehen viele Filmfreunde (sogar Bond-Fans) den Film nur als eine Fußnote und Anomalität der Reihe, weil eben nicht Connery oder zumindest Moore die Hauptrolle spielt - in Deutschland wurde ja viel dadurch abgefedert, dass Lazenby von Sean Connerys Stammsprecher Gert-Günter Hoffmann gesprochen wird. Auch Dalton hatte später ja einen schweren Stand, obwohl "Der Hauch des Todes" ansonsten Alles lieferte, was einen klassischen Bond-Film ausmacht. Da fiel mir der Zugang aufgrund des Hauptdarstellers auch lange schwer.
Anders herum mag ich Brosnan als Bond sehr, aber sehe "Der Morgen stirbt nie" und "Stirb an einem anderen Tag" als völlige Tiefpunkte der Reihe. Weniger differenziert würde ich hier wohl zumindest über viele Probleme hinwegsehen.
Wahrnehmungen sind nun einmal komplett unterschiedlich und ich kenne viele Leute, die sich wegen eines Schauspielers für einen Kinobesuch entscheiden und wo die Mitwirkung eines Darstellers oder einer Darstellerin darüber entscheidet, ob ein Film als "gut" oder "Schlecht" bewertet wird. Ob ein Film aber Interesse bei mir hervorruft oder mir gefällt, ist jedoch weit mehr davon abhängig, wie Handlung und Bildsprache aussehen. Der Name eines Regisseurs ist da oftmals weitaus aussagekräftiger, als der des Hauptdarstellers. Aber da geht jeder anders heran.
Daher mache ich für meine Probleme mit den aktuellen Bond-Filmen auch nicht Craig verantwortlich, sondern die aktuelle Ausrichtung der Reihe oder meinetwegen auch Sam Mendes.

Zitat von Havi17 im Beitrag #42
Old Rascal scxhreibt zurecht "Allgemein nahm ich die früheren Bonds einfach ganz anders wahr". Das
ist genau das Problem wo wir leider nicht übereinkommen. Wir haben eine unterschiedliche Wahrnehmung.
lasse das einfach mal sacken. Die Jüngeren sind in einer anderen Zeit geboren und wir älteren sind
in die neue Zeit hineingewachsen. Da gibt es eben andere Wahrnehmungen und IN FOLGE andere Vorlieben.
Die heutigen Bonds sind schon wegen der kalten unempathischen Darsteller einfach austauschbar. Da
rettem auch schnelle Schnitte und Reizüberflutungen garnichts, im Gegenteil! Und auch hohe Einspielergbnisse
belegen nur, daß sich die verändert gemachten Menschen nur verändert haben.

"Lasse das einfach mal sacken." ist gar nicht nötig! Wenn Du noch einmal vergangene Beiträge liest, wirst Du merken, dass ich selbst die unterschiedliche Wahrnehmung thematisiere und absolut respektiere. Ich habe weder gegen die Connery-Puristen irgend etwas, noch gegen Leute, die die Moore-Klamauk-Bonds lieben oder die Dalton-Härte bevorzugen.
Altmodisch bin ich ein Stück weit ja auch selbst, sonst würde ich keine 50er-Jahre-Hörspiele hören und die Edgar Wallace-Filme lieben. Ich würde sonst auch nicht die Connery-Filme für (mit) die besten der Reihe halten. Ich stimme Old Rascal komplett zu, denn auch ich habe die alten Bond-Filme anders wahrgenommen. "Liebesgrüße aus Moskau" mit meinen Großeltern im Fernsehen zu sehen, war ein prägendes Erlebnis. Die Brosnan- oder Craig-Bondfilme verströmen da eine andere Stimmung und Weltsicht, natürlich!
Aber "altmodisch" darf die Bond-Reihe selbst mit ihren aktuellen Filmen eben nicht sein. Sonst wäre er nämlich die von mir erwähnte Rockband, die ohne jegliche Weiterentwicklung und Varianz nur noch für ein paar verbliebene Alt-Fans spielt. Das hat man mit den Brosnan-Bonds nämlich (obwohl technisch meist auf der Höhe) versucht und damit die Reihe beinahe beerdigt.

Und Du versuchst Dich zwar mit ihm gemein zu machen, redest aber eigentlich auch an Old Rascal vorbei.
Bei Old Rascal lese ich zwar sehr viel Liebe für die frühen Bond-Filme, aber auch sehr viel Verständnis für die jüngere Generation und nur wenig Verteufelung der neuen Werke heraus.
Old Rascal und andere pflegen hier einen schönen Meinungsaustausch, mit Respekt vor Ansichten Anderer und somit auch Erkenntnisgewinn (hoffentlich für beide Seiten).
Was diesen Meinungsaustausch mit Dir (zumindest für mich) so schwierig gestaltet, ist der absolutistische Anspruch, der immer wieder zu Tage tritt. Wo Old Rascal einräumt, dass die aktuellen Filme wohl einfach nicht für seine Generation gedreht werden und er bekennend altmodisch ist, ist es bei Dir ein allgemein gültiger Fakt, dass Craig unempathisch und austauschbar ist.
Und wenn Du dann von "verändert gemachten Menschen" schreibst, wähne ich mich im falschen Film. Solche diffusen Andeutungen von Dir ziehen sich mittlerweile durch viele Threads hier, ohne dass es mal irgendwie erläutert wird.

patrick Offline




Beiträge: 3.194

17.09.2020 21:37
#45 RE: Bond-Besucherzahlen Zitat · Antworten

Ich bin ja ein eingefleischter Connery-Bond-Enthusiast, kenne aber natürlich auch alle anderen Filme der Reihe. Als Darsteller kommt für mich nach Connery lange nichts mehr und dann irgendwann mal Lazenby und Moore. Dalton und Craig finde ich vom Typ her vollkommen UN-Bondig und ich hätte ihnen niemals diese Rolle gegeben. Trotzdem mag ich "Licence to Kill" besonders gerne und kann, mit einem gehörigen Abstand zu Quantum, mit den Craig-Filmen auch einigermaßen leben.

Es ist tatsächlich so, dass auch mir der Film sehr viel wichtiger ist als der Darsteller. Die angesprochene Kälte und Über-Technisierung stören mich ehrlich gesagt auch. Allerdings habe ich keine besonderen Ansprüche mehr an Bondfilme der Gegenwart. Den Zauber von damals werden sie niemals wiederbeleben, da das in unserer nüchternen Zeit auch gar nicht geht und ich bin schon froh, wenn sie sich einigermaßen auf Schiene halten.

Brosnan war als Darsteller rein optisch kein übler Bond. Aber seine Filme markieren für mich den Tiefpunkt der Reihe.

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