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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 1.519 mal aufgerufen
 Giallo Forum
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kaeuflin Offline




Beiträge: 1.254

22.02.2008 07:27
Spasmo (1974) Zitat · antworten

Ein Giallo, über den man wiklich geteilter Meinung sein kann, ist Umberto Lenzis "Spasmo". Eine Inhaltsangabe zu diesem Film zu schreiben, ist gar nicht so einfach - die Handlung ist doch sehr wirr (beabsichtigt!?).

Der Film beginnt mit im Wald erhängten Puppen - danach finden ein junger Mann und seine Bekannte eine scheinbar Tote am Strand (sie liegt mit dem Gesicht nach unten), das Mädchen lebt aber und verschwindet nach ihrer Entdeckung, hinterlässt aber den Hinweis auf ein Schiff. Auf dem Schiff findet eine Party statt, wo Christian das Mädchen, Barbara, trifft und sie nach einem Streit mit ihrem Ex mit ins Hotel nimmt. Im Badezimmer des Hotels erschießt er den eifersüchtigen Freund, der ihnen gefolgt war. Anstatt die Polizei zu alarmieren oder die Leiche verschwinden zu lassen, flüchten Christian und Barbara in ein Haus, das einer Freundin von Barbara gehört, die gerade verreist ist - unglücklicherweise hat sie das Haus vermietet ...

Die Story läuft in dem Stil weiter. Alle Personen handeln gegen jede Logik. Später taucht noch Christians Bruder Fritz auf, der an der geistigen Gesundheit seines Bruders zweifelt ... Erst am Ende des Films versucht Lenzi, alles (einschließlich der Anfangssequenz) zu erklären.

Einerseit ist die Handlung totaler Schwachsinn, andererseits ist sie irgendwie bizarr und faszinierend. Die Schauspieler gefallen mir ausgesprochen gut: Robert Hoffmann als Christian, Ivan Rassimov als Fritz, Suzy Kendall als Barbara und die vielen Nebendarsteller liefern gute Leistungen ab. Das ganze ist schön gefilmt und mit einem guten Score unterlegt. Ein Film, der sicher nicht jedem gefällt, aber doch einen Versuch wert ist.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

22.02.2008 08:37
#2 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Ich kann alles nur unterschreiben, was @kaeuflin schreibt. Optisch ist der Film wirklich ganz gut gelungen und auch der Soundtrack ist passend. Rassimov hat mir ebenfalls bestens in seiner Rolle gefallen. Was mir allerdings nicht sonderlich gefiel, war die Story. Diese war wirklich sehr wirr und letzten Endes dann auch der Grund, warum ich mir den Film dann doch nicht bis zum Ende angesehen habe. Irgendwann hatte ich ein wenig den Überblick verloren und keine Lust mehr, weiter zu schauen. Aber ich sollte ihn vielleicht dann doch noch mal anschauen, wenn am Ende wirklich noch alles irgendwie zusammengeführt wird.

Ich würde den Film von Stimmung und Aufbau her in eine Kategorie mit "Nackt über Leichen" oder "Die Falle" stecken. Wer diese mag, wird sicherlich auch an "Spasmo" gefallen finden.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.254

21.02.2009 11:05
#3 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Am 27.02.2009 erscheint die DVD von Eyecatcher!

Scheinbar hat da jemand unsere Veröffentlichungs-Wunschliste gelesen. Erst "Blutspur im Park", dann "The Child" und jetzt "Spasmo" ...

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Konverter Offline



Beiträge: 70

21.02.2009 12:23
#4 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Wow! Das sind wirklich großartige Neuigkeiten. Ich freue mich sehr auf die VÖ und werde gleich vorbestellen.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.254

21.02.2009 13:13
#5 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Demnach bin ich nicht der Einzige, der den Film irgendwie mag ...

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Konverter Offline



Beiträge: 70

21.02.2009 13:47
#6 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Nein, absolut nicht.

Ich mag den Film auch sehr, wenn er auch zunächst sehr verwirrend sein mag. Neben der seltsamen Atmosphäre gefällt mir besonders der großartige Soundtrack von Ennio Morricone.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

23.02.2009 09:30
#7 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Der Soundtrack wird auf der DVD enthalten sein.

Konverter Offline



Beiträge: 70

23.02.2009 10:24
#8 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Ich habe mir vor ein paar Monaten bereits die Soundtrack-CD zugelegt! Wirklich ein kleines Meisterwerk.

Fabrizio Maurizio Offline



Beiträge: 53

21.03.2009 20:35
#9 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Habe den Film heute gesehen und fand ihn durch seine Bilder und den Score sehr kurzweilig. Richtg schön verwirrend, und auch erst am Ende erklären sich auch die aufgehängten Puppen. Die Rollen sind auch toll besetzt, wieder einmal ist Suzy Kendall dabei, die anscheinend in sehr vielen Filmen dieser Art mitgewirkt hat. Und Rassimov hat für mich auch wieder das gewisse Geheimnisvolle und Undurchsichtige.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.332

20.05.2009 11:49
#10 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

SPASMO kann man direkt bei Eyecatcher bestellen.

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.007

18.10.2009 18:13
#11 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Zitat von Fabrizio Maurizio im Beitrag #9
Habe den Film heute gesehen und fand ihn durch seine Bilder und den Score sehr kurzweilig. Richtg schön verwirrend, und auch erst am Ende erklären sich auch die aufgehängten Puppen. Die Rollen sind auch toll besetzt, wieder einmal ist Suzy Kendall dabei, die anscheinend in sehr vielen Filmen dieser Art mitgewirkt hat. Und Rassimov hat für mich auch wieder das gewisse Geheimnisvolle und Undurchsichtige.

Also ich schließe mich (fast) allem Gesagten hier an: sehr verworren, sehr toller Score, tolle Besetzung ... Nur mit der Aussage bezüglich der Puppen gehe ich nicht ganz mit. Man weiß zwar, wer dies getan hat, aber mir sind die Hintergründe nicht ganz klar. Dass alles krankhaft bedingt ist, sollte auch klar sein.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

23.06.2011 23:23
#12 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Spasmo (Italien 1974, Originaltitel: Spasmo)

Umberto spielt mit Puppen

Christian (Robert Hoffmann) und seine Freundin entdecken am Strand einen leblosen Körper. Glücklicherweise täuscht der erste Eindruck, denn die vermeintliche Leiche erweist sich als lebendige und äussert attraktive Frau (Suzy Kendall). Plötzlich ist die junge Dame verschwunden, doch Christian trifft sie wenig später auf der Yacht des wohlhabenden Alex (Mario Erpichini) wieder. Es knistert gewaltig, in einem Motelzimmer wollen sich Christian und Barbara ihrer Leidenschaft hingeben. Als er alleine im Badezimmer beschäftigt ist, wird Christian von einem bewaffneten Eindringling bedroht, kann den Schurken aber mühsam überwältigen. Allerdings bleibt der Kampf nicht ohne Folgen, denn der unbekannte Gauner liegt mit einer Kugel im Leib tot auf dem Boden. Überstürzt flieht das frische Liebespaar, und bricht gemeinsam in das Anwesen einer Freudin Barbaras ein, die für einige Wochen auf Reisen sein soll. Christian lässt der schreckliche Vorfall keine Ruhe, zu allem Überfluss tauchen Malcolm (Guido Alberti) und Clorinda (Monica Monet) auf, die das Haus laut ihren Angaben gemietet haben. Die Situation wird immer verzwickter, Christian fühlt sich zunehmend bedrängt und verfolgt. Die Leiche des Motelgangsters scheint spurlos verschwunden, stattdessen werden lebensgrosse Frauenpuppen gefunden, auf die offenbar mit einem Messer eingestochen wurde...

Umberto Lenzi war in nahezu allen wichtigen Genres des italienischen Kinos aktiv, fügte diesen oft sehr unterhaltsame Beiträge hinzu. Einige seiner Polizei- und Gangsterfilme sind legendär, er inszenierte Sandalenfilme, Western, wüste Kannibalensausen, Horror und weitere Stoffe. Ebenso gehen diverse Gialli auf sein Konto, zu denen auch der hier kurz vorgestellte "Spasmo" zählt. Zieht man die Grenzen des Genres sehr eng, mag sich "Spasmo" für manchen Zuschauer nicht mehr wie ein Giallo anfühlen. Meiner Meinung nach zählt der Film jedoch eindeutig zur schönsten und faszinierendsten Spielart des Italokinos. Doch ich will nicht um eine Zuordnung dieses starken Werkes ringen, wenden wir uns lieber den relevanten Aspekten zu.

Zunächst ein paar Worte zum sehr ansprechend aufspielenden Ensemble. Robert Hoffmann erinnert mich hier recht deutlich an Alain Delon, was mit Sicherheit alles andere als einen herabwürdigenden Vergleich darstellt. Hoffmann bringt die gnadenlos zupackende Verzweiflung seines Charakters glaubwürdig rüber, pendelt ohne Pause zwischen Leid, Lust und Wahn. Suzy Kendall ist jedem Giallo-Fan ein Begriff, immerhin wirkt sie im Klassiker wie "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" (L'uccello dalle piume di cristallo, 1969) von Dario Argento mit. Nicht zu vergessen "Torso" (I corpi presentano tracce di violenza carnale, 1973), einer der erstklassigen Gialli von Sergio Martino. Die Rolle der Barbara ist interessant angelegt, sie wirkt verletzlich und geheimnisvoll zugleich. Welches Spiel treibt sie mit ihrem neuen Lover, treibt sie überhaupt ein Spiel? Noch mysteriöser mutet Monica Monet an, die den Zuschauer mit ihren heißkalten Blicken unruhig auf dem Sofa hin und her rutschen lässt. Guido Alberti kennt man aus vielen Streifen, auf den ersten Blick mutet er wie der Sugar Daddy der lieblichen Monica Monet an, doch in "Spasmo" täuscht oft nicht nur der erste Blick falsche Tatsachen vor. Mario Erpichini spielt den verlassenen Liebhaber, der Suzy Kendall hinterher hechelt, Adolfo Lastretti sehen wir als Killer mit Charakterfratze, sein Auftauchen ist stets ein kleines Freudenfest. Gewissermaßen als Sahnehäubchen gibt es Ivan Rassimov obendrauf, der -einmal mehr- den zerknirscht-verschlagenen Typen mit dem stechenden Blick gibt. Ein vorfreffliche Besetzung, die für gute Darbietungen garantiert, ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Gesichtern bietet.

Die Kamera von Guglielmo Mancori fängt sehr schöne Bilder ein, stilvoll und anmutig, ganz wie man es von einem Film dieser Art erwartet. Schon allein das idyllisch am Meer gelegene Anwesen -in dem Hoffmann, Kendall, Alberti und Monet zusammentreffen- ist eine wohlige Augenweide. Dazu tauchen immer wieder diese unheimlichen Puppen auf, die mir wohlige Gruselschauer verpassen. Ennio Morricone liefert ein stimmungsvollen Soundtrack ab, der Meister gibt sich erwartungsgemäß keine Blöße. Schon häufiger habe ich Beiträge zu diesem Film gelesen, die sich auf angebliche Logiklöcher und sonstige Unnachvollziehbarkeiten beziehen. Zugegeben, mich stört mangelnde Logik nicht, aber "Spasmo" bietet in dieser Hinsicht keine ernsthaften Angriffspunkte. Letztlich ist die Story gut durchdacht, mutet die Auflösung konsequent und durchaus glaubwürdig an. Leider verbietet die grosse Spoilergefahr weitere Erläuterungen, daher rate ich zum Selbstversuch, der Streifen ist auf jeden Fall eine Sichtung wert. Eher mittelprächtig ist die deutsche Synchronisation geraten, ich möchte sie zwar nicht als Ausfall bezeichnen, allerdings zählt sie leider nicht zu den Sternstunden ihres Fachs.

Mir liegt der Film als DVD von Eyecatcher vor. Die Scheibe bietet eine recht anständige Bildqualität, jedoch muss man leider auf den italienischen Originalton verzichten. Immerhin steht befindet sich die englische Fassung an Bord, zu deren Qualität ich noch keine Angaben machen kann (bei der nächsten Sichtung werde ich daher die englische Variante antesten). Im Bonusbereich kann man dem Spasmo-Soundtrack lauschen, ferner gibt es einen Trailer zum Film, sowie Trailer zu elf weiteren Flicks aus dem Sortiment des Labels. Wie üblich wurden die DVDs in Hartboxen ausgeliefert, ursprünglich standen zwei unterschiedliche Motive zur Auswahl (siehe oben). Inzwischen befindet sich eine Neuauflage auf dem Markt, bei denen ein Amaray als Verpackung dient.

Wer dem Giallo zugeneigt ist, sollte sich "Spasmo" auf jeden Fall in die Sammlung stellen. Für Einsteiger mag der Film nicht allererste Wahl sein, doch es gilt: Nur Mut, immer ran!

Momentan pegelt sich meine Zuneigung bei 7,5/10 (gut bis sehr gut) ein, wie so oft bei Knuffeln aus dem Stiefelland der Hinweis: Der Wohlfühlbonus sprengt jegliches Punkteraster!

Lieblingszitat:

"Mein lieber Freund, du hast gegen mich keine Chancen. Ich sorg' dafür, dass dir das Bumsen vergeht!"

***

Vom Ursprung her verdorben

Georg Offline




Beiträge: 2.762

11.10.2011 21:49
#13 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

Spasmo
(wörtliche Übersetzung: Krampf)
Italien 1974

Da über die komplexen Handlungsstränge schon oben weiter ausführlich berichtet wurde, verzichte ich hier auf eine Inhaltsbeschreibung.

Genaugenommen wäre "Spasmo" eher dem Fach Thriller bzw. teilweise Psychothriller zuzuordnen. Im Gegensatz zu dem, was ich letztens nach der Sichtung von Gatti rossi in un labirinto di vetro/ Labyrinth des Schreckens über Umberto Lenzi geschrieben habe, muss ich diesen Film des Regisseurs nun wirklich loben. Die Handlung ist zwar verzwickt und es gibt wenig Blut (etwas, das mir eigentlich immer gefällt) und dennoch oder gerade deshalb gibt es sehr viel Spannung. Die komplexen Handlungsstränge verlangen geradezu nach einer überraschenden Auflösung, die es ja eigentlich mehrfach gibt. Die Schauplätze passen sehr gut, erwähnenswert ist natürlich wie üblich die Musik von Ennio Morricone. Robert Hoffmann ist die Idealbesetzung für die Rolle des Christian, der oben weiter bemühte Vergleich mit Alain Delon ist nicht ganz ungerecht fertigt. Die ital. Synchronisation der beiden Hauptdarsteller lässt übrigens auch etwas zu wünschen übrig. Ansonsten unterhält dieser Film trotz der teilweise etwas "verwirrenden" Handlungsstränge. Passt!

P.S.: Was mir hier auch wieder auffällt: das fehlende Selbstbewusstsein der italienischen Filmindustrie, wenn es darum ging, Hauptrollen zu besetzen. Wenige Filme der 60er oder 70er führen einen ital. Schauspieler in der Hauptrolle an. Hier mussten immer ausländische Stars agieren. Erst in zweiter Linie kamen dann die Italiener!

Regie: Umberto Lenzi, Drehbuch: Pino Boller, Massimo Franciosa, Luisa Montagnana, Umberto Lenzi nach einer Idee von Pino Boller, Kamera: Guglielmo Mancori, Musik: Ennio Morricone, Produzent: Ugo Tucci, Mit Robert Hoffmann, Suzy Kendall, Ivan Rassimov, Adolfo Lastretti, Monica Monet u.v.a.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

17.08.2013 00:24
#14 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten



Spasmo (Spasmo)

Psychothriller, IT 1974. Regie: Umberto Lenzi. Drehbuch: Pino Boller, Massimo Franciosa, Umberto Lenzi, Luisa Montagnana. Mit: Robert Hoffmann (Christian Bauman), Suzy Kendall (Barbara), Ivan Rassimov (Fritz Bauman), Adolfo Lastretti (Auftragskiller Tatum), Monica Monet (Clorinda), Guido Alberti (Malcolm), Mario Erpichini (Alex), Franco Silva (Luca), Maria Pia Conte (Xenia), Rosita Torosh (Frau im Auto). Uraufführung (Italien): 16. Februar 1974.

Zitat von Spasmo
Heikler Angriff im Badezimmer: Als sich Christian rasiert, um seine neue Flamme Barbara zu beeindrucken, überrascht ihn ein Mann, der ihn mit einer Pistole bedroht, am Ende eines Handgemenges aber selbst tot am Boden liegt. Christian und Barbara wollen dem Grund für das Auftauchen des Fremden auf den Grund gehen und finden Spuren in einer abgelegenen Villa. Können ihnen die zwei Mieter Clorinda und Malcolm weiterhelfen oder sollten sie ihnen besser nicht vertrauen?


Der Titel „Spasmo“ scheint wie geschaffen für einen Giallo mit all seinen seelischen Abgründen und kranken Sonderheiten, weshalb mich die Namensgebung (gemeinsam mit der Regie von „Halbmond“-Vater Umberto Lenzi) schon vor einiger Zeit neugierig auf diesen Film hat werden lassen. Trotz der Steilvorlage im Vorspann und auf den Plakaten handelt es sich um einen Film, der nicht in jeder Hinsicht den Konventionen des Genres entspricht – einen in jeder Hinsicht stereotypen Giallo findet man eben kaum außerhalb des Argento-Œuvres. Auf Blut und Gewalt verzichtete Lenzi so gut wie völlig, nackt geht es auch nur recht kurz zu. Weniger kriminalistisch als vielmehr thrillerlastig legt die Handlung dem Zuschauer unerklärliche Erscheinungen und Verhaltensweisen in den Weg. Und dennoch geraten der Stil der Kamera, das Spiel mit toten Körpern (und Puppen) sowie die subjektive Stellungnahme für den Protagonisten recht konservativ und gut verdaulich.

Im Gegensatz zu anderen Gialli, die über ihre gesamte Laufzeit hinweg ein regelrechtes Feuerwerk abfackeln, beginnt „Spasmo“ sehr ruhig – ich möchte sagen mit einigen Längen. Der Film steigert sich jedoch zusehends und mündet in einer beeindruckenden letzten halben Stunde, die gelegentliche Gähner wieder aufwiegt. Ganz allein stehe ich mit meiner geteilten Wahrnehmung des Films nicht da, denn auch die einschlägige Seite Eccentric Cinema verzeichnet zu „Spasmo“ folgendes Urteil:

Zitat von Spasmo: Eccentric Cinema. Review by Brian Lindsey. Quelle.
While initially quite willing to go along for the ride, at times I was very tempted to just say to hell with it and jump off Lenzi’s little psychological carousel. A confusing first hour, populated by oddball characters spouting ludicrous dialog, almost had me throwing in the towel. Not even halfway through I was positive the flick would end up with a lengthy catalog of plot holes left unresolved. Surprisingly enough the movie manages to pay off in the end, with everything neatly wrapped up.




Die richtiggehende „Erlebnis-Regie“, die Lenzi in den letzten Szenen zelebriert und die noch einmal gehörig das Konzept von Gut und Böse, von Sympathisch und Unsympathisch, von Vertrauen und Skepsis aufmischt, wird vor allem von der eleganten Schnitttechnik Eugenio Alabisos unterstützt, dessen Name so etwas wie eine verlässliche Feste in unzähligen Giallo-Spännen war. Ohne Alabiso hätten weder „Spasmo“ noch „Der Killer von Wien“, „Der Schwanz des Skorpions“, „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“, „Die Farben der Nacht“, „Das Geheimnis der blutigen Lilie“, „Torso“ oder „Die Nacht der rollenden Köpfe“ in ihrem letztlichen Look die Leinwände und Bildschirme gruselbedürftiger Filmfreunde geziert.

Wenn schon nicht der Ausstrahlung, so merkt man doch der Besetzung des Films an, dass er nicht ganz in die erste Riege des Giallo-Zirkels gehört. Zwar ist mit Suzy Kendall das Gesicht des Argento-Debüts mit von der Partie (zwar arg bräunungscremegeschädigt, aber wieder sehr überzeugend – die Dame kann mehr als gut aussehen), aber die männlichen Darsteller kommen mir etwas vernachlässigt vor. Robert Hoffmann – einst gefoppter Mordbube in des Hexers neuen Abenteuern – kam mir schon immer leichtgewichtig und milchgesichtig vor, was auch blonde Mähne und anfänglicher Vollbart nicht verbergen können. Meine Kritik an Hoffmann soll aber bitte nur als persönliche Unzufriedenheit verstanden werden, denn letztlich spielt er seine Rolle solide, zumal ...

... sich Christian als labiler Irrer entpuppt, was schon deutlich mehr meinem Rollenbild Hoffmanns entspricht als ein frauenaufreißender Prügelkumpan. Gemeinsam mit Ivan Rassimov liefert sich Hoffmann ein beachtliches Duell der wahnsinnigen Blicke und abgefahrenen Krankheitsbilder, wenngleich ich nicht wirklich verstehe, was die gezeigten erblichen Zwänge mit dem titelgebenden Spasmus, einem Krampf, zu tun haben. Man hätte den Film also genauso gut „Schnupfen“ nennen können – man hätte die Diagnose genauso verfehlt.

Die Schauspieler agieren vor ausgesprochen attraktiven Drehorten, zu denen ein abgeschiedenes, burgartiges Anwesen auf kargen Klippen am Meer ebenso zählt wie ausgedehnte Wälder, an deren Rändern sich urplötzlich tödliche Steinbrüche auftun. Die Verschiedenheit der Settings führt dazu, dass „Spasmo“ die komplette Farbpalette bedient und sich nicht vor kräftigen Kombinationen scheut. Besonders hervorstechend jedoch ist die Farbe Rot (trotz Ermangelung von Blutbädern), die immer bei akuter Gefahr zum Einsatz kommt und sich zum Beispiel in den Hemden Tatums und Christians wiederfindet. Ähnlich simpel signalisierend kommt der Soundtrack von Ennio Morricone daher, der auf drei grundlegenden Themen aufbaut und diese in verschiedenen Intensitäten variiert.

„Spasmo“ kehrt nach längeren Startschwierigkeiten seine überzeugende Seite heraus, die vor allem in ansehnlichen Aufnahmen und versierten Schnitten besteht. Anerkennung auch für die Darsteller, wenngleich die männliche Hauptrolle gern hätte anders besetzt werden dürfen. Fürs Erste 4 von 5 Punkten.



Die DVD von Eyecatcher Movies präsentiert „Spasmo“ in einem sehr ansprechenden Transfer, der die optischen Qualitäten des Films hervorragend zur Geltung bringt. Während das Bild überzeugt, gestalten sich die Audiooptionen etwas dürftig, denn O-Ton sucht man vergebens. Das ist umso ärgerlicher, als die deutsche Synchronisation ungenießbar ist. Blap möchte sie nicht als Ausfall bezeichnen – ich zögere davor keine Sekunde zurück. Die Sprecherleistungen sind unprofessionell und unpassend; hier waren blutige Amateure am Werk. Wenigstens eine englische Tonspur gibt es, aber die ist recht dumpf. Man sollte ihr dennoch den Vorzug geben, auch wenn die Handlung dann mangels Untertitel noch etwas schwerer nachzuvollziehen ist. Im Bonusbereich präsentieren sich ein englischer Trailer und der typische Score von Ennio Morricone.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.585

12.09.2013 00:15
#15 RE: Spasmo (1974) Zitat · antworten

„Spasmo“ belegt mit 51,56 von 70 Punkten Platz 27 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 3,68 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er keine Top-Ten-Nominierung.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 9
mit 56,78 Punkten auf Platz 21 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 48,22 Punkten auf Platz 29 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 49,00 Punkten auf Platz 27 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 51,33 Punkten auf Platz 29 in der Kategorie Darsteller
mit 54,44 Punkten auf Platz 25 in der Kategorie Musik
mit 49,78 Punkten auf Platz 27 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 51,33 Punkten auf Platz 28 in der Kategorie Freie Wertung
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