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Dieses Thema hat 30 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Ray Offline



Beiträge: 1.860

14.12.2015 22:16
#31 RE: Bewertet: "Hotel Royal" (1969, TV) Zitat · Antworten

Hotel Royal (BRD 1969)

Regie: Wolfgang Becker

Darsteller: Joachim Fuchsberger, Nadja Tiller, Paul Hubschmid, Lil Dagover, Karin Hübner, Hanns Ernst Jäger, Pinkas Braun, Friedrich Joloff, Jan Hendriks u.a.



Aufgrund einer spontanen Eingebung habe ich mir heute mal wieder "Hotel Royal" vorgenommen, weil ich der Meinung war, dass ein solcher Film sehr gut in die Vorweihnachtszeit passt. Und siehe da: das ZDF war im Jahre 1969 offenbar der gleichen Ansicht und strahlte ihn just heute vor 46 Jahren erstmalig aus. Netter Zufall...

Ich weiß noch, dass ich bei der Erstsichtung auch ein ganz kleines bisschen enttäuscht war, weil ich - wie offenbar viele andere auch - einen Film im Stile der Reinecker-Trilogie erwartet hatte. Dieses mal wusste ich, was mich erwartet und so war ich im Endeffekt angenehm überrascht.

Mit einem Wort zusammengefasst, lässt sich der Film wohl am besten als "seicht" umschreiben. Nimmt man noch ein Wort hinzu, liefe es auf "leicht verdaulich" hinaus. Nach einer sehr schönen zirka dreiminütigen Einführung durch Charles Regnier aus dem Off, begleitet von passenden Impressionen des Handlungsorts, steigt der Film in die Handlung ein, wobei die ersten Figuren ebenfalls von Regnier süffisant vorgestellt werden. Ein hervorragender Einstieg. Darauf nimmt der Film auch gleich Tempo auf und begleitet einen Einbrecher bei einem spektakulären Coup im Zimmer der Maharani (Dagover). Dieser Einbrecher wird am folgenden Morgen tot aufgefunden...

Wer nun einen handfesten Krimi erwartet, wird in den restlichen gut 75 Minuten dann doch eines Besseren belehrt. Denn spätestens mit dem Eintritt Fuchsbergers und Jägers nach etwa 25 Minuten wechselt der Film etwas unrhytmisch zwischen der Aufklärung des Mordes, den Aktionen Fuchsbergers und einem weiteren einigermaßen hanebüchenen Handlungsstrang, an dem Tiller, Jäger und Braun beteiligt sind, wobei auch die Genres munter durchgemischt werden. Am Ende klärt sich alles - mehr oder weniger zufriedenstellend - auf.

Eines ist von der ersten Sekunde an klar: hier hat die Produktion geklotzt und nicht gekleckert. 600.000 DM wurden in eine höchst erlesene Besetzung, Dreh an Originalschauplätzen und technisch überdurchschnittliche Inszenierung investiert. Und oberflächlich weiß der Film auch sehr gut zu unterhalten. Der offensichtlich bestens erholte Joachim Fuchsberger macht die - zumindest dem ersten Anschein nach - atypische Rolle des "Gauners" sichtlich Spaß. Seine Einbruchszene sowie die spektakuläre Flucht über die Dächer gehören zu den Highlights des Films und heben den Film auf überdurchschnittliches TV-Niveau. Hubschmid und Dagover, die rolllentechnisch definitiv auf gewohntem Terrain marschieren, agieren für eine derartige Produktion ebenfalls passend. Dem passt sich die mal wieder vorzügliche Musik von Peter Thomas an, die ebenso leichtfüßig daherkommmt wie der Film selbst, aber zu spärlich Verwendung findet.

Ein wenig in die Bredouille gerät der Film, wenn er das komödiantische Moment bemüht. Sowohl der "Running Gag" mit Fuchsberger und Jäger am Anfang und Ende als auch - der viel zu breit angelegte - Handlungsstrang mit Tiller und Jäger erscheinen "zu dick aufgetragen". Ein latenter Hang zur Albernheit ist in Produktionen dieser Zeit freilich sehr oft anzutreffen. Mir persönlich hat Hanns Ernst Jäger auch nicht sonderlich gut gefallen. Für diese doch recht wichtige Rolle hätte ein Darsteller mit mehr Format keineswegs geschadet. An ihm liegt es im Besonderen, dass manche Szene zwischen Tiller und ihm etwas zäh geraten. Schließlich hätte ich dem von mir hochverehrten Pinkas Braun mehr Spielzeit gewünscht.


Kurz und gut: wer keinen "handfesten Krimi", sondern eher leichte Unterhaltung im Stile von "Über den Dächern von Nizza" mit einem einmaligen Starensemble möchte, der kann guten Gewissens zu diesem TV-Film greifen und wird über die ein oder andere Albernheit hinwegsehen. "Hotel Royal" bietet kurzweilige und turbulente Unterhaltung. 4,5/5 Punkten.

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