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Dieses Thema hat 14 Antworten
und wurde 689 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

13.12.2015 20:25
Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Am 13. Dezember 1915 geboren, wäre Curd Jürgens heute 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass habe ich einen etwas obskureren Film – Achtung: keinesfalls ein Krimi – ausgegraben:



Ohrfeigen

Groteske, BRD 1969/70. Regie: Rolf Thiele. Drehbuch: Willibald Eser, Paul Hengge, Peter M. Thouet (Buchvorlage „Sieben Ohrfeigen“: Károly Aszlányi). Mit: Curd Jürgens (Thomas Nathan Terbanks), Gila von Weitershausen (Eva), Alexandra Stewart (Celestine), Kurt Ockermüller (Peter Terbanks), Nadja Tiller (Lady Moore), Charles Regnier (Finanzminister), René Deltgen (Wan Tan), Balduin Baas (Vizepremier), Werner Pochath (Jürgen), Hans Peter Hallwachs (Bingo) u.a. Uraufführung: 5. März 1970. Eine Produktion der Maris Film für die Inter-Verleih Film-Gesellschaft.

Zitat von Ohrfeigen
Eva protestiert. Gegen den Kapitalismus. Gegen die Machenschaften des Bankhauses Terbanks. Und überhaupt gegen das Establishment. Dass sie dabei nichts am Körper trägt als einen Muff, sichert ihr die Aufmerksamkeit des Bankiers, der bald über Gebühr an der Kommunardin interessiert ist. Wer wird es schaffen, sich in diesem ungleichen Duell durchzusetzen? Kann Eva den Geldhai mit einem Radiosender in die Knie zwingen oder Terbanks die Aufmüpfige mit geschickten Täuschungsmanövern und Finanzspritzen zum Schweigen bringen?


Studentenproteste, Kommunen und antikapitalistische Parolen standen Ende der 1960er Jahre gewissermaßen auf der Tagesordnung der Jungen und Kreativen. Nebenher kämpften traditioneller und neuer deutscher Film um Aufmerksamkeit und Zeitthemen. Rolf Thiele schwankt halbwegs zwischen beiden Schulen und erreicht damit eine Schilderung, die eher auf humoristische Akzente als auf Klassenkampf ausgerichtet ist. Beide Seiten, sowohl die jungen Wilden als auch die grauen Eminenzen, kommen nicht gut weg: Die einen sind naive und verbockte Idealisten, die sich an Worthülsen festklammern, ohne deren Bedeutung überhaupt zu verstehen, die anderen morallose und korrupte Intriganten.

Letztere Gruppe vertritt Jürgens wie ein Abziehbild eines „ehrenwerten“ Bankiers. Der äußerlich perfekte Gentleman mit Barockschloss, chauffeursgesteuerter Limousine, ausländischen Zeitungen und 1000-Mark-Scheinen im Jackett (aber nicht genug Kleingeld, um die Currywurst zu bezahlen) bewegt sich wie ein geübter Schachspieler auf jenem Parkett, auf dem sich große Fische untereinander Gefälligkeiten zuschustern. Jürgens’ Statur, seine Stimme und Vertrauenswürdigkeit, aber auch seine Verschlagenheit und sein Schneid bei den Frauen passen wie angegossen zu der Rolle des High-Society-Königs.

Von Weitershausen klingt den gesamten Film über so, als würde sie auswendig gelernte Formulierungen aufsagen (was sie, streng genommen, ja auch tut). Thiele setzt dieses Stilmittel zur Entblößung der politischen Veränderer auf, die mehr durch Glück als durch Können und mehr durch Penetranz als durch wirkungsvolle Ideen zu Erfolg kommen. Die Kommune ist folglich auch kein wichtiger Verband für „Ohrfeigen“, der mehr Wirkung aus seinen eleganten Schauplätzen, den Poolparties mit Ministern, Yachten und der sich langsam anbahnenden Investorenarchitektur zieht.

Geschichte und Setting klingen nicht nur absurd, sondern lassen – leider zu Recht – vermuten, dass sie für einen anderthalbstündigen Spielfilm arg in die Länge gezogen werden und mit mehrfachen Wiederholungen bis zum Letzten ausgereizt werden müssen. Das Spiel der zwei Hauptfiguren, so polarisierend es ist, verliert schnell an Reiz; zudem wirken die dem Zeitgeschmack entsprechend eingestreuten Ferkeleien willkürlich und hinderlich. Ehemals größere Stars nahmen in diesem Film unwesentliche Zwei-Szenen-Rollen an, was den Verfall der deutschen Kinoleinwand recht aussagekräftig dokumentiert (Charles Regnier, René Deltgen). Die einzige Person, die sich neben Jürgens und von Weitershausen nachhaltig durchsetzen kann, ist Nadja Tiller, die mit tuntiger Aufdringlichkeit zu den amüsantesten Charakteren des Possenspiels zählt.

Nicht unbedingt besonders vorteilhaft gealtert, serviert „Ohrfeigen“ die Stereotypen des Klassenkampfs selbstironisch auf dem Silbertablett. Für Jürgens eine gute Gelegenheit, alte Schauspielertugenden in abseitige Charaktereigenschaften zu verwandeln. Abseits davon gibt es wohl nur nostalgische Gründe, diesen Film heute noch zu sehen. 2 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

13.12.2015 20:30
#2 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Anlässlich des Jürgens-Geburtstags noch der Hinweis auf die im Oktober im Aufbau-Verlag Berlin erschienene Biografie „Curd Jürgens: General und Gentleman“ von Heike Specht.


Zitat von Aufbau-Verlag: „Curd Jürgens: General und Gentleman“, Quelle
Bonvivant und Querdenker

Er war ein Star des deutschen Nachkriegskinos, seine Weltläufigkeit, die vielen Frauen, die glamourösen Partys waren legendär. Doch er war auch der bestbezahlte und meistbeschäftigte deutsche Schauspieler seiner Zeit und der einzige von Weltformat. Diese Biographie erzählt erstmals sein Leben zwischen Set und Jet-Set.

Auf der Grundlage bislang unerschlossener Archivmaterialien und mit exklusiven Fotos.

Seine erste Geliebte sei seine Arbeit gewesen, sagte Jürgens. Er spielte in fast hundert Theaterstücken und drehte während seiner fünfzig Jahre währenden Karriere in den USA und Europa 140 Filme. Aufgewachsen in München und Berlin, bleibt er nach 1933, anders als seine Familie, in Deutschland, dreht aber ausschließlich unpolitische Filme. Nach Kriegsende gelingt ihm 1955 mit Carl Zuckmayers
Des Teufels General der internationale Durchbruch. Er dreht mit Yves Montand, Brigitte Bardot, Robert Mitchum. Zugleich macht sein turbulentes Privatleben Schlagzeilen. Fünfmal war er insgesamt verheiratet, er sammelte Häuser in den mondänsten Domizilen Europas, sympathisierte aber auch mit der SPD Willy Brandts und den Achtundsechzigern. Heike Specht zeichnet das widersprüchliche Leben des einzigen deutschen Weltstars fundiert und unterhaltsam nach.


Das 480-seitige Buch wird am morgigen Montag im Rahmen einer Lesung im Theater im Palais (Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin) von der Autorin selbst vorgestellt. Los geht’s um 19:30 Uhr. Nach der Buchpremiere wird die Dokumentation „Curd Jürgens: Der Filmstar, der vom Theater kam“ gezeigt. – Wer nicht in der Nähe wohnt, kann sich diese Doku auch auf der DVD von „Teufel in Seide“ anschauen.

Giacco Offline



Beiträge: 2.271

14.12.2015 11:59
#3 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #1
Ehemals größere Stars nahmen in diesem Film unwesentliche Zwei-Szenen-Rollen an, was den Verfall der deutschen Kinoleinwand recht aussagekräftig dokumentiert (Charles Regnier, René Deltgen).

Bei "Ohrfeigen" handelt es sich um eine hochwertige und starbesetzte Großproduktion. Und wenn ein namhafter Regisseur wie Rolf Thiele dann anfragt, sind auch renommierte Schauspieler wie Regnier oder Deltgen sicher gern bereit gewesen, auch mal eine kleine Rolle anzunehmen.
René Deltgen hatte sich in den 60er Jahren ohnehin mehr zum Fernsehdarsteller entwickelt und dies war nach "Neues vom Hexer" sein Folgeauftritt auf der Kinoleinwand. Und als chinesischer Handelsattaché hat er hier zwar keine durchgehende Rolle, liefert aber ein schauspielerisches Kabinettstückchen ab.
Charles Regnier hatte mit Thiele zuvor bereits Kino-Erfolge wie "DM-Killer" oder "Grieche sucht Griechin" gedreht und war sich eben nicht zu schade dafür, hier mal für eine kleinere Rolle zur Verfügung zu stehen. Nötig gehabt hätte er es sicher nicht, da er damals gut im Geschäft war. Ohnehin war ja bekannt, dass Thiele gute Schauspieler zu schätzen wusste.

Ich würde den Film auch nicht als "Groteske" bezeichnen, sondern als Persiflage oder Gesellschaftssatire. Ich finde ihn durchaus amüsant, was aber auch daran liegen mag, dass ich eine kleine Vorliebe für die Flower-Power-Zeit hege

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

14.12.2015 12:11
#4 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

In meinen Augen ist der Film derartig klamaukig überhöht, dass es sich allenfalls um eine sehr alberne Gesellschaftssatire handeln kann. Deshalb erschien mir die Verzerrung einer Groteske passender, auch wenn ich "Satire" ebenfalls in Erwägung gezogen hatte. Wenn man's ganz unverfänglich haben will, nennt man es einfach eine Komödie.

Was einen weiteren Filmauftritt Deltgens zwischen "Neues vom Hexer" und "Ohrfeigen" angeht, erinnere ich an das Arztdrama Angeklagt nach § 218 / Der Arzt stellt fest ... (1965/66). Generell stimmt es natürlich, dass Deltgen zu der Zeit dann hauptsächlich in Fernsehspielen oder am Theater zu sehen war.

Georg Offline




Beiträge: 3.222

14.12.2015 14:59
#5 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Ich sah mir gestern aus gegebenem Anlass gestern Käpt'n Rauhbein aus St. Paul an - ein unter Rolf Olsens Regie 1971 gedrehter Abenteuerfilm, in dem Jürgens einen Kapitän gibt, der in Porto Negro (in Wirklichkeit: Porto Rico) unschuldig festgenommen wird. Der Film ist sehr gut besetzt (Herbert Fleischmann, Sieghardt Rupp, Elisabeth Flickenschildt, Johanna von Koczian und Friedrich Joloff). Ich frage mich, wie sich Jürgens (und die anderen) in so einen Film verirren konnten. Brauchte er 1971 das Geld? Das ist ärgster Trash und streckeweise hat man das Gefühl, Jess Franco habe Regie geführt. Die Dialoge sind oft weiter unter der Gürtellinie, Nackedeis hüpfen herum und Jürgens singt auch noch ein Lied. Dank Textzeilen wie "Mein Spielfeld ist der Hintern meiner Alten" brauche ich über die weitere Qualität des Films (übrigens im weitesten Sinne vielleicht auch als Krimiabenteuer mit Whodunit zu sehen) wohl keine Worte zu verlieren.
Jürgens scheint ja in mehreren so billigen Produktionen den etwas primitiven und sich Wortschatzes unter der Gürtellinie bedienenden Mann gespielt zu haben. Hatte er das notwendig?

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

14.12.2015 18:10
#6 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Auf "Käpt'n Rauhbein" bin ich bei meinen Recherchen zu den Reeperbahn-Filmen natürlich auch schon gestoßen. Der Eindruck, dass es sich dabei um eine ganz "eigene" Perle handelt, bestätigt sich also vollkommen. Gut, dass ich bislang die Finger davongelassen habe.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

14.12.2015 18:43
#7 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #5
Jürgens scheint ja in mehreren so billigen Produktionen den etwas primitiven und sich Wortschatzes unter der Gürtellinie bedienenden Mann gespielt zu haben. Hatte er das notwendig?

Genau in diesem Zusammenhang musste ich gestern an Ulli Lommels "Der zweite Frühling" denken, der aufgrund von Jürgens' Partizipation einer Kulturrevolution gleichkommt. Der Film ist schnell als primitive Sex-Posse abgestempelt und hat mich bei der Erstansicht vor Jahren fast schockiert, vor allem wegen den Sex-Allüren des Hauptdarstellers und dem damit verbundenen Gossenton. Dennoch hat der Beitrag mich immer unschlüssig zurückgelassen mit einem Gefühl, dass es wohl nicht alles gewesen sein kann, was der Film zu vermitteln versucht. Solche uneindeutigen Eindrücke führen dann bei mir in der Regel zu weiteren Beobachtungen. Heute schätze ich ihn als skalpellartig angelegte Geselschaftskritik, die nachhaltig beeindrucken kann, nach mehreren Chancen wohlgemerkt. Einmaliges Anschauen verleitet lediglich zu nahezu beschämenden Eindrücken, da man Curd Jürgens immerhin blank von Kopf bis Fuß sieht, und er eindeutige Sex-Szenen delegiert, beispielsweise einer jungen Dame »das Maul stopfen« will, und so weiter. Alles in diesem Kontext wohlgemerkt. Die Frage, ob Schauspieler wie er es nötig hatten, sich in solche Gefilde zu wagen, beantworte ich einfach mal mit ja, wobei nötig haben vielleicht nicht der passende Ausdruck ist. Das hat vielleicht wirklich etwas mit einem "zweiten Frühling" zu tun, im cineastisch-übertragenen Sinne.

"Ohrfeigen" habe ich nur einmal gesehen und das dürfte bis auf Weiteres auch so bleiben. Es ist einer der typischen Rolf-Thiele-Filme, die den Spagat zwischen anvisierter Gesellschaftskritik, dosierter Erotik und Unterhaltungsmodus nicht hinbekommen haben. Nur wenige seiner Beiträge konnten mich überzeugen, kaum einer wirklich beeindrucken. Ja und der vorgestellte Beitrag konnte obendrein wenig Amüsement hervorrufen, wobei sich die Frage stellt, ob er überhaupt darauf angelegt war.

Jan Offline




Beiträge: 1.720

17.12.2015 17:09
#8 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #5
Ich sah mir gestern aus gegebenem Anlass gestern Käpt'n Rauhbein aus St. Paul an - ein unter Rolf Olsens Regie 1971 gedrehter Abenteuerfilm, in dem Jürgens einen Kapitän gibt, der in Porto Negro (in Wirklichkeit: Porto Rico) unschuldig festgenommen wird. Der Film ist sehr gut besetzt (Herbert Fleischmann, Sieghardt Rupp, Elisabeth Flickenschildt, Johanna von Koczian und Friedrich Joloff). Ich frage mich, wie sich Jürgens (und die anderen) in so einen Film verirren konnten. Brauchte er 1971 das Geld?

Ja, diese Frage ist berechtigt! Sie lässt sich letztendlich auf die gesamte Zusammenarbeit Olsen/Jürgens ausweiten. Ich bin bekennender Rolf-Olsen-Fan, und dennoch muss auch ich gestehen, dass die Auftritte Jürgens' in den "Meisterwerken" des dicken Olsen überaus rätselhaft sind. Vor Jahre habe ich dazu ein wenig im Internet herumgesucht und fand dabei einen Artikel auf so einer Krautploitation-Plattform, den ich nur noch inhaltlich erinnere. Darin wurde neben der finanziellen Komponente die These aufgestellt, Jürgens habe zu den Menschen im Rampenlicht gehört, die einfach nicht ertragen konnten, nicht mehr gefragt zu sein. Die Engagements ließen in den 1960er Jahren wohl merklich nach. Jürgens wollte stets zu viel Geld und passende Rollen fanden sich für den sichtbar alternden Star auch nicht mehr. So ging er auf die Rollenangebote Olsens, mit dem er sich wohl abseits der Dreharbeiten zudem gut verstand, ein. Da Heinz Willeg mit seiner Allianz hier häufig maßgeblicher oder zumindest beteiligter Produzent war, lässt sich schon erahnen, dass es sicher nicht irgendwelche gebotenen Reichtümer waren, die Jürgens hier zur Unterschrift brachten. So finde ich die aufgestellte These, er habe um des Rampenlichts willen einfach alles angenommen, durchaus nachvollziehbar.

Was nun "Käpt'n Rauhbein aus St. Pauli" anbelangt, kann ich sagen, dass er mir von den Olsen/Jürgens-Filmen auch am wenigsten gefällt. Sofern ich das recht erinnere, ist Herbert Fleischmann (schlecht) fremdsynchronisiert und dem Film mangelt es am einschlägigen Hamburg-Flair (St. Pauli dient ja nur als Aufmacher im Titel). Es erinnert in der Tat eher an Francos Akasava-Film. Die Zutaten aller Filme der beiden sind ansonsten ja recht gleich. Jürgens geistert als übergroßer Heldenkleiderschrank durch eine simple, von Plattitüden und Sexeinlagen flankierte Geschichte ohne Bedeutung. Rolf Olsen - dieses dicke, kleine, notgeile Ferkel - inszenierte stets grell, plakativ, voyeuristisch, flott und erbarmungslos. Kein schmutziger Einfall war ihm fremd. Ich würde das auch nicht als Trash bezeichnen. Vielmehr war Olsen der Prototyp des Krautploitation-Filmers. Alles in diesen Filmen ist derbe, die Sichtweisen sind ausnahmslos schwarz oder weiß, Grautöne gibt es bei Olsen nicht. Diese Machart zeichnete sich ja bereits seit spätestens "In Frankfurt sind die Nächte heiß" ab.
Zitat von Prisma im Beitrag #7
"Ohrfeigen" habe ich nur einmal gesehen und das dürfte bis auf Weiteres auch so bleiben. Es ist einer der typischen Rolf-Thiele-Filme, die den Spagat zwischen anvisierter Gesellschaftskritik, dosierter Erotik und Unterhaltungsmodus nicht hinbekommen haben. Nur wenige seiner Beiträge konnten mich überzeugen, kaum einer wirklich beeindrucken.

Diese Sichtweise auf Rolf Thiele teile ich zu 100%! Ich kenne keinen einzigen Thiele-Film, der mich restlos überzeugt hat. Und wenn ich immer mal wieder lese, dass Joe Hembus in seiner zum Standardwerk erhobenen Lästerei über den Zustand des deutschen Films im Jahre 1961 Thiele neben Käutner, Staudte und Hoffmann zur einzigen Lichtgestalt erhebt, dann muss ich mich zwangsweise immer wieder fragen, ob der Autor da nicht bisweilen den selbst gesetzten Anspruch des Filmemachers deutlich über die von ihm erzielten Resultate gesetzt hat.

Gruß
Jan

Giacco Offline



Beiträge: 2.271

17.12.2015 19:19
#9 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Man sollte dabei aber auch nicht vergessen, dass die erste Zusammenarbeit von Olsen und Jürgens, nämlich "Der Arzt von St. Pauli" damals ein spektakulärer Erfolg war, für den es die "Goldene Leinwand" gab, d.h. mehr als 3 Mio. Besucher haben den Film gesehen. Auch die beiden nachfolgenden Produktionen "Auf der Reeperbahn ..." und "Der Pfarrer von St. Pauli" waren Kassenschlager. Erst mit dem nicht wirklich gelungenen "Käpt´n Rauhbein" ließ der Erfolg dann nach. Außerdem war Jürgens zu dieser Zeit auch international durchaus noch gefragt.

Georg Offline




Beiträge: 3.222

17.12.2015 20:02
#10 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Sehr interessante Ausführungen zu Jürgens/ Olsen, Jan & Giacco!
Ganz nebenbei bemerkt: am Samstag zeigt ORF III den Krimi "Bankraub in der Rue Latour" (1961), bei dem Jürgen auch selbst Regie führte, mit an Bord sind auch Charles Regnier, Klaus Kinski und Carl Lange. Noch nie was davon gehört. Aber am Samstag werde ich mir einen Eindruck verschaffen.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.060

17.12.2015 20:16
#11 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Den Krimi (Bankraub...) hab ich sogar auf Kauf-Video - bin gespannt wie du ihn findest. Ich hab ihn lange nicht gesehen. Ist denke ich sowas wie Die Gentelmen bitten zur Kasse in den franz. Süden verlegt... aber ich hab ihn bestimmt 8 Jahre nicht gesehen...

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)
Wie kann Dummheit entscheiden was klug ist
(meine Frau)

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

18.12.2015 11:35
#12 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

"Bankraub in der Rue Latour" war vor einiger Zeit bei Filmjuwelen angekündigt. Leider wurde die Veröffentlichung immer weiter verschoben und mittlerweile gecancelt. Bei der Besetzung sehr schade. ORF kann ja auch nicht jeder empfangen.

brutus Offline




Beiträge: 13.023

18.12.2015 11:43
#13 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Leider findet Jürgens in "Bankraub..." als Regisseur nicht die Balance zwischen Krimi und Komödie, der Film gerät ein wenig sehr in Richtung Klamotte

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

20.12.2015 12:29
#14 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #8
Ich kenne keinen einzigen Thiele-Film, der mich restlos überzeugt hat.

Ich kenne zumindest einen und zwar "Venusberg" von 1963. Den habe ich mal im Kino sehen können und fand ihn dann wirklich sehr beeindruckend, wobei da sicherlich einige günstige Komponenten zusammen kamen. Leinwand-Atmosphäre, Marisa Mell in der Hauptrolle, das Fehlen von Nadja Tiller, eine unkonventionelle Geschichte, die flüssig, erzählt war und die insgesamt unverbrauchte Besetzung. Ich frage mich häufig, wie Thieles Filme wohl ausgesehen hätten, wenn ein anderer Regisseur am Werk gewesen wäre, wobei es der Legende nach aber auch heißt, dass es sie ohne ihn erst gar nicht gegeben hätte.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

21.12.2015 11:50
#15 RE: Ohrfeigen (1969/70) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #5
Jürgens scheint ja in mehreren so billigen Produktionen den etwas primitiven und sich Wortschatzes unter der Gürtellinie bedienenden Mann gespielt zu haben. Hatte er das notwendig?

Zu dieser Frage habe ich nun auch nochmal recherchiert und bin auf einen Artikel über Curd Jürgens aus der Reihe Zelluloid-Erinnerungen der Sächsischen Zeitung gestoßen, aus dem hervorgeht, dass Jürgens' Umgang mit seinen Gagen ähnlich dem von Wallace mit seinen Honoraren gewesen sein muss. Insofern verwundert mich nicht, dass Jürgens auch die etwas abseitigeren Filmangebote nutzte, um finanziell gut versorgt zu werden. Selbst ein sparsamer Filmproduzent dürfte eine bessere Geldquelle gewesen sein als z.B. eine Theaterverpflichtung.

Zitat von Heinz Fiedler: ... und kein bisschen weise, o.D., Sächsische Zeitung
Ohne Frauen und Luxus konnte der 1,92-Meter-Mann, der im Dezember 1915 in einer Zwölf-Zimmer-Villa des Münchner Vororts Solln zur Welt kommt, nicht sein. Luxus umgibt ihn von Anfang an. Der Vater, ein Exportkaufmann, verdient mit Kaviar eine Menge Geld. Die Mama, eine kapriziöse tolerante Südfranzösin. [...] [Später erliegen einige] Dutzend Damen seinen Verführungskünsten. Seltsam bleibt, dass er sich neben Superproduktionen den Abgründen seichter Unterhaltung nicht verschließt. Im Privaten bewältigt der Künstler fünf Ehen. Extrem turbulent die Partnerschaft mit Star Eva Bartok. Man giftet sich an, ohrfeigt sich auf dem Kurfürstendamm - Skandale im Schaufenster zum Entzücken bunter Zeitschriften. Curd kassiert fürstliche Gagen, doch nicht immer ist er gut bei Kasse. Kein Wunder! Er unterhält in aller Welt zehn komplett eingerichtete Villen. Es ist ihm geradezu eine Pflicht, kostspielige Partys auszurichten. Pausenlos arrangiert er sich Abwechslungen.

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