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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 1.360 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

12.11.2007 18:08
Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (AT 1964) Zitat · antworten

BRD/Ö/IT mit Pierre Brice(deutsche Stimme Gert Günther Hoffmann) ,Heinz Drache,Senta Berger usw.Dieser Film versucht,Bond zu kopieren und geht dabei voll nach hinten los!Das liegt aber nicht an Brice sondern an der Machart des Film's.Der Film hat zu wenig Tempo,ein schlechtes Drehbuch,hilflose Regie und einen nervigen Soundtrack.Gute Darsteller in einem für mich mittelmäßigen Film.Aber ich sollte ihn trotzdem mal wieder sehen.Vielleicht habe ich später eine andere Meinung....

Georg Offline




Beiträge: 2.773

06.09.2013 23:46
#2 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Schüsse im ¾ Takt
Österreich 1964
Regie: Alfred Weidenmann - Buch: Herbert Reinecker - Kamera: Karl Löb - Produktion: Karl Spiehs
Darsteller: Pierre Brice, Heinz Drache, Walter Giller, Gustav Knuth, Daliah Lavi, Anton Diffring, Charles Regnier, Senta Berger u. v. a.

In Paris wird ein Mann mit einem Metallkoffer durch die Stadt gejagt. Bei Sacré-Cœur steigt er in einen Sessellift, hört sich die Anweisungen seiner Verfolger über Walkie-Talkie an, lässt den Koffer fallen und wird erschossen. Pierre Tissot, der wichtigste Mann des französischen Geheimdienstes, wird angefordert, um sich der Sache anzunehmen. Im Koffer war nämlich die Fernsteuerung für eine NATO-Rakete, die sich ein großer Unbekannter namens Caesar unter den Nagel reißen will, um sie an den Meistbietenden zu verkaufen. Die Spur führt ins Zirkusmilieu, wo weitere Morde geschehen. Alles deutet darauf hin, dass in Wien der Verkauf stattfinden soll. Grund genug für Tissot gemeinsam mit dem Trapezkünstler Gilbert (Heinz Drache) in die österreichische Hauptstadt zu reisen, um den großen Unbekannten zu stellen. Doch Caesar schlägt mit seinem Gewehr wieder zu und hat bald ein neues Opfer ...

Karl Spiehs' großer Verdienst war es stets, die größten Namen reihenweise in seinen Produktionen zu versammeln. So gelang es 1964, die beiden Zugpferde der beiden Rialto-Serien in einem Film zu vereinen. Pierre Brice und Heinz Drache spielen in Schüsse im ¾ Takt nämlich die Hauptrollen: man könnte also sagen, Winnetou trifft Edgar Wallace, dabei geht man aber noch einen Schritt weiter, so dass zu dieser "Begegnung" ein Crossover von James Bond mit dem dritten Mann hinzukommt. Letzteres nicht zuletzt auf Grund der wirklich ins Ohr gehenden und beinahe Anton Karas' genialer Zithermusik ebenbürtiger Titelmusik von Charly Niessen. Ersteres, weil man hier wohl ein deutschsprachiges Pendant zu James Bond schaffen wollte. Das misslang, ganz einfach aus dem Grund, warum auch die meisten anderen Eurospy-Filme aus deutscher (oder wie in diesem Falle österreichischer) (Co)produktion 007 niemals ebenbürtig werden konnten: man tauschte Scotland-Yard-Inspektoren einfach gegen einen Superagenten und ging weiter nach dem gewohnten Whodunit-Schema vor, wobei man noch irgendeine Superwaffe mit einbaute (in diesem Fall wird ein Steuerungsgerät für eine NATO-Waffe entwendet). Was übrig bleibt ist statt eines Agentenfilms ein "normaler" Krimi. Kein Wunder: Herbert Reinecker schrieb das Buch und die Verpflichtung des besten deutschen Drehbuchautoren für dieses Genre garantierte noch lange keinen 007-Erfolg. Andersherum wären Kommissar oder Derrick-Geschichten, die auf Ian Fleming basierten, wohl auch nicht sonderlich gut geworden. Herbert Reinecker serviert eine übliche Whodunitgeschichte, die sich großteils in einem Zirkus abspielt (Heinz Drache konnte da schon mal für den Circus of Fear üben) und (auch das kam im Dreieck-Film nochmals vor) in der die meisten Verdächtigen diesem gehören. Gesucht wird der große Unbekannte namens Caesar, der mehrfach zuschlägt und mit einem Gewehr auf seine Opfer zielt. Diese Szenen hat Alfred Weidenmann, Reineckers Lieblingsregisseur und alter Freund, sehr gut und spannend umgesetzt, wie überhaupt die rasante Eröffnungsszene, die eine (recht willkürliche) Fahrt durch Paris zeigt, sehr viel Lust auf mehr macht. Gerade die Prätitelsequenz (die ja auch für die Wallace-Filme und später bei Der Kommissar obligatorisch war) verspricht sehr viel. Leider hält der Film dann nicht das Tempo, die artistischen Darbietungen ziehen die Handlung etwas in die Länge, wenngleich durch Verfolgungsjagden und Mordanschläge dann doch wieder Spannung aufkommt. Leider wird der große Unbekannte bei einer Laufzeit von fast 90 Minuten schon bei Minute 70 entlarvt, was der Spannung etwas schadet.
Die Besetzung ist natürlich vorzüglich und es macht Spaß den ganzen Stars zuzusehen. Spiehs hat seine Produktion bis in die kleinsten Rollen erstklassig durchbesetzt, Senta Berger hatte wohl nur einen Drehtag, so klein ist ihre Rolle. Charles Regnier als Clown hat mich besonders überzeugt (er ist ungeschminkt gar nicht zu sehen) und Walter Rilla als sein Partner ergänzt das Paar sehr gut. Anton Diffring ist mit seinem etwas zwielichtigen Gesicht in meinen Augen immer eine Bereicherung für Krimis. Die anderen bekannten Schauspieler, darunter Terence Hill (im Vorspann noch als Mario Girotti) und Gustav Knuth haben kleinere Rollen, erfreuen aber den Fan von Filmen jener Jahre damit umsomehr. Neben einigen kleinen Pointen erlaubt sich sich Reinecker schließlich am Ende, als Bondverschnitt Pierre Brice eine seiner Damen in die Arme nehmen kann, noch einen Schlussgag.
Fazit: mich hat dieser Film trotz der Besetzung und der tollen Mannschaft hinter der Kamera (die übrigens von Karl Löb bedient wurde) nicht vollkommen überzeugt, wenngleich es schön war, ihn mal zu sehen. Wie so oft in Spiehs-Produktionen sind Stab & Schauspieler 1a, aber auf die gründliche Überarbeitung des Drehbuchs wurde vergessen. In Erinnerung bleiben werden mir neben dem Ohrwurmsoundtrack vor allem der grandiose Vorspann (wohl auch an James Bond orientiert) von Helmut Meewes (später selbst Kameramann und Regisseur (z. B. Direktion City), den man bei Youtube abrufen kann. Dass es das und nicht die Handlung ist, beweist, dass irgend etwas nicht ganz stimmt ...


Der coole Vorspann des Films

P.S.:
Im "Welche DVD liegt im Player"-Thread gab es auch schon zwei kurze Besprechungen des Films:
Welche Film-DVD liegt gerade bei euch im Player? (176) (von Havi17)
Welche Film-DVD liegt gerade bei euch im Player? (156) (von Prisma)

P.P.S.: Der Film war später auch als "Der Professionelle" zu sehen.

Giacco Offline



Beiträge: 1.448

07.09.2013 13:52
#3 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Sehenswert ist der Film allein schon wegen der großartigen Besetzung.
Hervorheben möchte ich - da sie hier noch keine besondere Erwähnung fand -Daliah Lavi,
die sich diesmal als Blondine präsentiert und eine zwielichtige Varietè-Künstlerin spielt.
Erst 1969 begann ihre Karriere als Sängerin, aber bereits hier darf sie ein kleines Liedchen
trällern. Eine Aufnahme, die Wolf Kabitzky mit ihr produzierte.

In Spanien lockte der Film 665.684 Besucher in die Kinos.
In Frankreich waren es nur 288.550, damit konnte er dort aber immerhin noch
ein paar Wallace-Krimis überrunden.

Georg Offline




Beiträge: 2.773

08.09.2013 20:06
#4 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Danke für die Zahlen! ... und in Deutschland/ Österreich, wie waren die Besucherzahlen da.

Wollte noch hinzufügen, dass ich den Film so wie Havi17 in seiner verlinkten Besprechung unbedingt auf die Liste der Wallace-Epigonen setzen würde. Viel Unterschied in Dramaturgie und Spannungsaufbau gibt es nämlich nicht...

Giacco Offline



Beiträge: 1.448

09.09.2013 15:16
#5 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #4
Danke für die Zahlen! ... und in Deutschland/ Österreich, wie waren die Besucherzahlen da.




Offizielle Besucherzahlen dieser Zeit aus Deutschland gibt es - von ein paar Ausnahmen abgesehen -
leider nicht.
Ein wirklich großer Kassenerfolg war der Film hierzulande nicht. Er wird aber wohl zufriedenstellende
Ergebnisse erzielt haben. Ein Flop war er nicht, sonst wäre das bekannt.
Für eine österreichische Produktion lief es ja auch in Spanien und Frankreich gar nicht mal so schlecht.

StefanK Offline



Beiträge: 897

15.12.2013 23:00
#6 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Der Film soll nächstes Jahr - neu abgestastet vom original Negativ - von Kino Trivial erscheinen

http://www.youtube.com/watch?v=TPTYrP_Fa_Q

Giacco Offline



Beiträge: 1.448

08.06.2014 17:07
#7 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #4
Danke für die Zahlen! ... und in Deutschland/ Österreich, wie waren die Besucherzahlen da.

In der ersten Zwischenbilanz 1965/66 der Fachzeitschrift "Film-Echo" rangiert "Schüsse im 3/4 Takt" mit der Note 3,3 vor "Die fromme Helene" und "Das Geheimnis der 3 Dschunken" (beide 3,4) und hinter dem Wallace-Film "Neues vom Hexer" (3,2). Daraus ist in etwa zu ersehen, wie der Film vom kommerziellen Erfolg her einzuschätzen ist.

Mark Paxton Offline




Beiträge: 341

15.11.2014 16:38
#8 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

Was ist denn nun aus der angekündigten DVD-Veröffentlichung geworden? Ich konnte dazu nichts mehr finden... Weiß jemand mehr?

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.346

15.11.2014 19:41
#9 RE: Bewertet: "Schüsse im 3/4 Takt" (1964 mit Pierre Brice und Heinz Drache) Zitat · antworten

"Schüsse im 3/4 Takt" ist ein Film, den man nicht nur wegen der guten Besetzung häufiger anschauen kann. Im Gegensatz zu den "österreichischen-Adrian-Hoven-Streifen" übermittelt dieser Film etwas Spannung - sicher kann er nicht mit Bond-Filmen der damaligen Zeit mithalten. Hervorzuheben ist die Musik, die einem auch noch Tage später einen Ohrwurm verleiht. Wer sich den Film nicht mit allzu hohen Erwartungen anschaut, könnte also positiv überrascht werden! 4/5 Punkten

Ray Offline



Beiträge: 727

08.08.2016 20:58
#10 Bewertet: Schüsse im 3/4 Takt (BRD/AT/I 1965) Zitat · antworten

Schüsse im 3/4 Takt (BRD/AT/IT 1965)

Regie: Alfred Weidenmann

Darsteller: Pierre Brice, Heinz Drache, Daliah Lavi, Walter Giller, Jana Brejchová, Terence Hill, Charles Regnier, Senta Berger



Agent Tissot bekommt den Auftrag, ein entwendetes Raketen-Steuergerät wiederzubeschaffen. Eine Spur führt ihn nach Wien, wo sich in einem Varieté nicht nur Künstler, sondern auch gegnerische Spione tummeln...

Die Rechnung von "Schüsse im 3/4 Takt", anstatt auf massenhafte B-Action lieber auf die kriminalistische Handlung und die edle Inszenierung an exquisiten Innen- und Außenschauplätzen zu setzen, geht auf. In der Folge hebt man sich wohltuend vor Konkurrenzproduktionen wie "Sechs Pistolen jagen Professor Z" ab.

Nach dem gelungenen Vorspann, der Pistolenschüsse á la Wallace mit der Ästhetik der Bond-Vorspänne kombiniert, verlagert sich die Handlung sehr schnell zum Haupthandlungsort Wien. "Winnetou" Pierre Brice durfte sich hier mal in der Rolle des Agenten beweisen. Letztendlich geht seine Performance in Ordnung, wobei ihm der restliche Cast, die astreine Kameraarbeit von Fachmann Karl Löb sowie das für derartige Filme überdurchschnittliche Drehbuch ordentlich unter die Arme greifen. Dass Brice nebenbei auch noch von Gert Günther Hoffmann synchronisiert wurde, der ab "Liebesgrüße aus Moskau" Sean Connery seine Stimme lieh, sorgt für zusätzliches "Agenten-Feeling" und trägt zu einer gewissen Präsenz bei. Heinz Drache ist souverän wie eh und je, mit Walter Giller, Charles Regnier, Terrence Hill und Senta Berger kann man zudem bis in die Nebenrollen bekannte Gesichter präsentieren. Daliah Lavi gibt darüber hinaus noch eine ziemlich trashige Gesangsnummer zum Besten, wobei deren Text für mich beim ersten Hören wenig bis gar keinen Sinn ergeben hat. Egal.

Der Schauplatz Wien wird äußerst gewinnbringend eingesetzt, so kommt es etwa am Prater zum finalen Showdown, der bezüglich des Hintermannes auch noch eine nette kleine Überraschung bereithält. Die Musik habe ich als passend empfunden.

Kurzum: man bekommt einen edlen, sehr angenehmen Vertreter seiner Zunft geboten, der aus den vorhandenen Möglichkeiten nahezu das Maximale herausholt und auch für diejenigen, die mit Eurospy-Filmen an sich nicht so viel anfangen können, sicher mal einen Blick wert ist.

Zur Blu-Ray von Filmjuwelen: Bis auf kleinere, wenige Sekunden andauernde Passagen ist die Qualität gut bis sehr gut, insbesondere ist das Bild sehr detailreich.


"Schüsse im 3/4 Takt" erweist sich als grundsympathischer Agentenfilm, der sich von Konkurrenzfilmen seiner Zeit durch edle Inszenierung, in der Breite sehr gute Besetzung, exquisite Schauplätze und ein überdurchschnittliches Drehbuch wohltuend abhebt. 5/5 Punkten.

DanielL Offline




Beiträge: 3.697

18.02.2017 19:04
#11 RE: Bewertet: Schüsse im 3/4 Takt (BRD/AT/I 1965) Zitat · antworten

Seit 1961 ist die Wiener Stadthalle unter deren Chef Adolf Eder als Filmproduktionsgesellschaft aktiv. Operativ läuft das Filmgeschäft dort über den Schreibtisch von Herstellungsleiter Karl Spiehs. "Schüsse im ¾ Takt" wird seine letzte Produktion für die Wiener Stadthalle, ehe er sich mit der kurzlebigen "Intercontinental Filmproduktion" und schließlich der langelebigen„"Lisa Film" unabhängig von Eder macht.

Ebel und Spiehs hatten Anfang der sechziger Jahre regelmäßig glänzend besuchte Schlagerrevuen in der Stadthalle veranstaltet. Unter Zutun von Regisseur Franz Antel machte man aus dem lokalen Veranstaltungsgeschäft eine erfolgreiche Filmproduktion. Der Schlagerfilm war im deutschsprachigen Kino nachgefragte Ware und so gelang der Start mit den bestehenden Kontakten. Bis Mitte der sechziger Jahre entwickelte man ein umtriebiges Filmproduktionsgeschäft und probierte, vor allem mit Blick auf den deutschen Markt, nahezu jedes erfolgreiche Genre aus: Krimi, Klamotte, Western, Abenteuer.

"Schüsse im ¾ Takt" stellt da keine Ausnahme dar: Vor allem surft der Film auf der Agentenfilmwelle, mischt jedoch gängige Krimi-Elemente unter und macht auch gar keinen Hehl daraus, sich bei dem prominentesten Thriller mit Wiener Schauplatz zu bedienen: Zithermusik und Schlüsselszenen auf dem Wiener Prater erinnern an Carol Reeds "Der dritte Mann". Der gelungene Vorspann, der allen Vorbildern in einer kreativen Mixtur Rechnung trägt, stammt übrigens von Helmut Meewes, der sich später auf Kameraarbeit verlagerte und diese unter anderem beim Jerry-Cotton-Film "Um null Uhr schnappt die Falle zu" verantwortete.

Was den Cast angeht, so wird geklotzt und nicht gekleckert: Mit Pierre Brice und Heinz Drache sind zwei Hauptdarsteller an Bord, die für die beiden prominentesten Kinoreihen dieser Zeit stehen: Karl May und Edgar Wallace. Auch die weitere Auswahl steht den Besetzungszetteln der Berliner Erfolgsproduzenten in Nichts nach: Daliah Lavi, Jana Brejchova, Antony Diffring (mit seinen kaltblauen Augen wie gemacht für das Genre), Gustav Knuth, Daniel Sola, Walter Regelsberger, Hans Unterkircher, Mister Tu als Dr. Chang und Mario Girotti, den viele besser als Terence Hill kennen werden. In kürzeren Gastrollen darüber hinaus Charles Regnier, Walter Giller und Senta Berger.

Dazu gesellt Spiehs auch ein prominentes Team hinter der Kamera: Regisseur Alfred Weidenmann, Alfred Vohrers Stammkameramann Karl Löb und Wallace-Autor Herbert Reinecker. Zusammen vollbringen sie hier nicht gerade Wunder, setzen aber eine durchschnittliche Story besonnen an tollen Schauplätzen in Wien um. Neben dem Cast der zweite große Vorteil des Films! Es tut ihm gut, nicht hektisch an einem Exotik-Schauplatz heruntergekurbelt zu sein. Allerdings, wenn Brice alleine durch den menschenleeren Prater oder Park von Schloß Schönbrunn streift, hätte man sich etwas beklemmendere Einstellungen gewünscht, wie sie eben ein Carol Reed (oder aber beispielsweise ein Argento) in ähnlichen Szenen zu inszenieren wusste.

Hervorragend gelungen sind dagegen etwa die Aufnahmen im "Palladium". Dabei handelt es sich – welch Überraschung – zur Schonung der Motivmieten eigentlich um die Wiener Stadthalle. Wie schon bei den Schlagerfilmen, bei denen man auch auf Künstler zurückgriff, die ohnehin Engagements in der Halle hatten, nutze man hier vorhandene Kontakte. Von 1959 bis 1995 war die Zirkus-Auswahl "Artisten, Tiere, Attraktionen" regelmäßig in der Stadthalle zu sehen und so ist es auch in diesem Film: Echte Akrobaten, Tiere und Showgirls, wohin das Auge reicht! Und so gelingt diesem Film, was etwa bei "Das Ungeheuer von London-City" zur Farce wird: Geglückte Bühnenszenen und eine authentische "Behind-the-Scenes"-Atmosphäre.

Der Inhalt in drei Sätzen: Ein Steuergerät für Raketen ist abhanden gekommen. Die Spur führt Agent Philippe Tissot (Brice) nach Wien. Viele, die hierzu etwas zu verschweigen scheinen, beißen nach und nach ins Gras.

Brice ist wahrlich kein James Bond, aber er macht seine Sache ordentlich. Zum Glück bleibt es dem anderen Geschlecht gegenüber bei elegantem Flirt und man spart sich die oft peinlich geratenen Baggersprüche vieler anderer B-Klasse-Agenten im Schatten von Bond. Reineckers Dialoge bleiben bei "Sie sehen überrascht aus Monsieur" – „"Das bin ich auch ehrlichgesagt", wenn das Gegenüber hübscher ist als erwartet. Auch lassen Brice und Drache zwar die Pistolen sprechen, entgehen aber größeren Kampfszenen, was wohl im Rahmen der Möglichkeiten eher als Vorteil zu werten ist. Stattdessen gibt's Verfolgungsjagden, die Weidenmann sicher beherrscht.

Dramaturgie und Tempo hauen mich nicht vom Hocker, aber man kommt wunderbar ohne Espresso aus. Die Musik von Charly Niessen ("Arrangements von Gert Wilden" heisst es daneben im Vorspann) beschränkt sich leider auf zwei (gute) Stücke. Ein paar mehr Variationen hätten dem Ohr gut getan.

Fazit: Wiener Agentenkrimi, der zwangsläufig hinter seinen großen Vorbildern bleibt, sich durch Schauspielerensemble, Schauplatzauswahl und eine solide Inszenierung aber vor vielen anderen plumpen Derivaten dieser Zeit platziert und weniger flüchtig geraten ist, als so manch andere Spiehs-Produktion.

Gruß,
Daniel

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