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Dieses Thema hat 32 Antworten
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 James-Bond-007-Forum
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patrick Offline




Beiträge: 2.681

13.02.2016 11:41
#16 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von Tremor im Beitrag #15

Meiner Meinung nach war Connerys Desinteresse an der Rolle in "Feuerball" (weshalb ich die erwähnte Furcht in Bonds Gesicht in dessen Finale nicht ausmachen kann - Connery wirkt eher ein wenig irritiert)...



Hier muss ich dir sehr heftig widersprechen. Von Desinteresse in Feuerball kann ich rein gar nichts erkennen. Connery präsentiert sich hier frisch, unverbraucht und in Höchstform. Das Drehbuch ist ganz hervorragend und Feuerball ist, nicht zuletzt Dank meiner Vorliebe für das nasse Element, einfach mein Lieblingsbond. Er hat eine sehr interessante und phantasievolle Handlung, wunderbare Bilderbuch-Schauplätze und Farben, tolle Darsteller und die grandioseste Unterwasserschlacht der Filmgeschichte. All das hat wohl auch dazu beigetragen, dass er bis zum Erscheinen von Skyfall hinter diesem der inflationsbereinigt erfolgreichste Bondfilm ist (wie es nunmehr nach dem Erscheinen von Spectre aussieht weis ich nicht). An dieses Original kommt "Never Say Never Again" natürlich niemals heran, trotzdem finde ich diesen auch sehr abwechslungsreich und unterhaltsam, da er sich ja auch im Großen und Ganzen an das Vorbild hält, wenn auch inszenatorisch deutlich schwächer. Brandauer reich für mich nicht an Adolfo Celi heran, ist aber in seiner eigenen Interpretation ein Bösewicht wie man ihn sich auch im realen Leben durchaus vorstellen könnte, ein Mann der seine psychopathischen Tendenzen hinter einer ansprechenden Fassade verbirgt, die früher oder später bröckelt. Gespielt ist das in diesem Sinne recht gut.

Übrigens strahlt für mich Sean Connerys Gesicht in dieser Aufnahme durchaus Furcht aus:



Recht geben kann ich dir jedoch bei Diamantenfieber. Nicht nur Connery, der sich zu diesem Zeitpunkt längst anders und von Bond weg orientiert hat, ist dort seine Unlust anzusehen, sondern auch sonst hat mich besagter Film in absolut jeder Hinsicht schwerstens enttäuscht. Er trägt damit in meinem Gesamt-Ranking nach wie vor die rote Laterne. In "Never Say Never Again" wirkt er auf mich dagegen, trotz fortgeschrittenen Alters, wieder mit deutlich mehr Freude an der Sache.

Gut finde ich bezüglich Octopussy die von dir zitierte Kritik "zirzensische Nummernrevue". Ich habe diese Worte nie gelesen oder kann mich zumindest nicht daran erinnern. Der Ausdruck gibt allerding in 2 Worten genau das wieder, was Octopussi in meinen Augen ist. Ich vermochte es selbst nicht in so passende Worte zu kleiden. Das Kopieren bei anderen Filmen betrachte ich auch nicht gerade als Zeichen besonderer Originalität, schon gar nicht wenn diese besser sind.

Jourdan ist als Bösewicht zwar nicht schlecht, aber es gibt viele, viele Bessere. Kabir Bedi als sein Handlanger hat mich dabei bedeutend mehr beeindruck.

Rein schauspielerisch ist mir Roger Moore jenseits von Simon Templar, Brett Sinclair und James Bond nie groß aufgefallen. Er erschien mir, ganz im Gegensatz zu Sean Connery, schauspielerisch immer recht eindimensional.

Tremor Offline



Beiträge: 105

13.02.2016 12:23
#17 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Tja, da sind wir in Sachen "Feuerball" wohl grundlegend unterschiedlicher Meinung:
Meiner Ansicht nach war Thriller-Regisseur Terence Young mit soviel unbeschwerter Action überfordert (daher auch die reichlich vorhandenen Anschlussfehler), es gab durchaus Leerlauf und wenn Du mal die entsprechende Angstszene mit den von Dir erwähnten Beispielen aus "Dr. No" und "Goldfinger" vergleichst, bleibt da meiner Meinung nach nur das Fazit, dass Connery in "Feuerball" wohl schon ziemlich müde (in einer Bettszene mit Molly Peters schlief er tatsächlich ein) und unambitioniert wirkt.
In den Vorgängerfilmen erschien er (nicht nur) mir jedenfalls deutlich enthusiastischer.
Aber immerhin wirkte der entsprechende Oberbösewicht auf mich seinerzeit viel überzeugender als Brandauer:
Adolfo Celi wurde zwar Eindimensionalität vorgeworfen (Kunststück: Gert Fröbe mimte ja auch einen Wahnsinnigen - sein Nachfolger nur ein Charakterschwein), doch wirkt er auf mich zumindest böse und hassenswert - was ich von Brandauer nun wahrlich nicht behaupten kann.

In "Diamantenfieber" fand ich Connery übrigens sogar eher besser als in "Feuerball": Er wirkte im späteren Film immerhin stellenweise belustigt und über-den-Dingen-stehend (was recht gut zum dämlichen Drehbuch passte).
In "Feuerball" fand ich ihn eher lustlos, was ja nun in keiner Hinsicht unterhaltsam ist.

Was die "Nummernrevue" betrifft: Dieser Begriff stand seinerzeit in Cinema und dort innerhalb der Filmkritik eines Zukunfstforschers (keine Ahnung wozu man sowas braucht) namens Jung, wenn ich nicht irre.

Kopieren ist natürlich ein Armutszeugnis. Zitieren hingegen kann eine spaßige Sache sein (die in den Bondfilmen schon zuvor oft vorkam).
Zudem sollte man nicht vergessen, dass "Sag niemals nie" ein Remake ist, in Sachen Origininalität also a priori schlechte Karten hat.

Bedi ist als Handlanger zwar einprägsam, aber ganz ehrlich: Groß zu sein und finster dreinzublicken - braucht es dazu viel?
Ein wenig riskant finde ich es bei Filmkritiken generell, Darsteller (und damit meine ich nicht nur Schurken sondern beispielsweise auch die Damen und Roger Moore) an dem zu messen, was ihnen das Drehbuch zu tun gibt.
Klar gibt es bessere Oberschurken als Jourdan. Diese durften aber auch viel mehr böse Dinge tun.
So ging man bei der Besetzung der Oberschurken in "Im Angesicht des Todes" und "Lizenz zum Töten" auf Nummer Sicher:
Beide Rollen sollten zunächst von Musikern gespielt werden (die Topkandidaten seinerzeit: David Bowie und Gene Simmons).
Da man sich auf deren schauspielerische Fähigkeiten aber micht zu sehr verlassen wollte (und wohl auch, um sicher zu gehen, dass sie in diesen Rollen auch von ihren Fans gehasst werden), machte man die entsprechenden Rollen im Drehbuch zu wahren Wüterichen, die sich hemmungslos durch die Gegend morden.
Dass beide Parts dann von erfahrenen (amerikanischen) Schauspielern übernommen wurden, war ein zuvor nicht absehbarer Zufall.
Beispielsweise auch u. a. "GoldenEye" krankt daran, dass der Bösewicht kaum etwas Böses tun darf.
Die bondmäßig unerfahrenen Drehbuchautoren sind nämlich davon ausgegangen, dass ein 007-Schurke automatisch böse und unsympathisch herüberkommt ohne etwas dafür tun zu müssen.
Louis Jourdan hat das Maximum aus seiner Rolle herausgeholt. Und mehr kann man doch nicht verlangen, hm?

patrick Offline




Beiträge: 2.681

14.02.2016 14:11
#18 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von Tremor im Beitrag #17
... es gab durchaus Leerlauf und wenn Du mal die entsprechende Angstszene mit den von Dir erwähnten Beispielen aus "Dr. No" und "Goldfinger" vergleichst, bleibt da meiner Meinung nach nur das Fazit, dass Connery in "Feuerball" wohl schon ziemlich müde (in einer Bettszene mit Molly Peters schlief er tatsächlich ein) und unambitioniert wirkt.
In den Vorgängerfilmen erschien er (nicht nur) mir jedenfalls deutlich enthusiastischer.
Aber immerhin wirkte der entsprechende Oberbösewicht auf mich seinerzeit viel überzeugender als Brandauer:
Adolfo Celi wurde zwar Eindimensionalität vorgeworfen (Kunststück: Gert Fröbe mimte ja auch einen Wahnsinnigen - sein Nachfolger nur ein Charakterschwein), doch wirkt er auf mich zumindest böse und hassenswert - was ich von Brandauer nun wahrlich nicht behaupten kann.

In "Diamantenfieber" fand ich Connery übrigens sogar eher besser als in "Feuerball": Er wirkte im späteren Film immerhin stellenweise belustigt und über-den-Dingen-stehend (was recht gut zum dämlichen Drehbuch passte).
In "Feuerball" fand ich ihn eher lustlos, was ja nun in keiner Hinsicht unterhaltsam ist...



...Bedi ist als Handlanger zwar einprägsam, aber ganz ehrlich: Groß zu sein und finster dreinzublicken - braucht es dazu viel?
Ein wenig riskant finde ich es bei Filmkritiken generell, Darsteller (und damit meine ich nicht nur Schurken sondern beispielsweise auch die Damen und Roger Moore) an dem zu messen, was ihnen das Drehbuch zu tun gibt.
Klar gibt es bessere Oberschurken als Jourdan. Diese durften aber auch viel mehr böse Dinge tun...

...Louis Jourdan hat das Maximum aus seiner Rolle herausgeholt. Und mehr kann man doch nicht verlangen, hm?



Feuerball ist wohl der Bond-Film, den ich wegen seiner besonderen optischen und handlungsbedingten Attraktivität, welche er auf mich ausübt, am öftesten sah, während ich Filme wie Diamantenfieber, Quantum, Octopussy und Moonraker ganz hinten einordne, was ich mit entsprechend wenigen Sichtungen "bestraft" habe. Trotz der vielen Sichtungen von Feuerball sind mir weder Leerläufe noch eine Müdigkeit und Unambitioniertheit des Hauptdarstellers auch nur im Entferntesten aufgefallen. Ich finde ihn hier genauso gut wie in den ebenfalls wunderbaren Vorgängerfilmen. Natürlich sind die Angstszenen in Dr.No und Goldfinger stärker betont, es handelt sich dort aber auch um andere Situationen und ich habe an Connery's Reaktion in Feuerball auf seine drohende Erschiessung ebenfalls nicht das geringste auszusetzen und kann daraus schon gar keine Müdigkeit ableiten. Ich finde die Szene von ihm sehr stimmig gespielt. Dass er in Diamantenfieber besser sein sollte, kann ich nicht nachvollziehen. Allerdings passt mir an diesem Film so ziemlich gar nichts, was ihn in meiner Bewertung damit auch in jeder Hinsicht runterzieht (Der einzige Bond-Film, dem in nur einen von 5 Punkten gab!!!)

Brandauer hat eben seine eigene Interpretation der Rolle, die man mögen kann oder auch nicht. Er ist auch nicht auf den ersten Blick bedrohlich, sondern ein netter Kerl mit psychopathischen Tendenzen und damit zumindest nicht eindimensional angelegt. In diesem Sinne ist die Rolle von ihm ganz ordentlich gespielt, wenn auch er für mich niemals im Olymp der Bond-Schurken landen würde, genauso wenig wie Jordan.

Natürlich ist es nicht immer fair, Darsteller nach dem zu bewerten, was ihnen das Drehbuch zu tun gibt, aber ich kann eine Bewertung auch nur auf jenen Eindrücken aufbauen, die mir zugänglich sind, sprich: Bei Schauspielern ihre Rollen und die Wirkung, die sie ihnen geben. Je mehr Rollen, umso stärker der Gesamteindruck. Jeder von uns kennt Schauspieler, die in gewissen Rollen unvergessen bleiben und in anderen einen nur schlappen Eindruck hinterlassen. Das hat auch alles mit einem gewissen Glück oder Pech zu tun, das richtige ergattert zu haben, oder auch nicht. Ich denke, dass fast alle Darsteller in den Bond-Filmen die Schauspielerei rein handwerklich einigermaßen beherrschen. Roger Moore wirkte auf mich als Simon Templar, Brett Sinclair oder James Bond mit kleinen anpassungsbedingten Abänderungen mehr oder weniger immer gleich. Sonst habe zumindest ich nicht viele von ihm gesehen, was mir nicht den Gesamteindruck eines besonders vielseitigen Schauspielers vermittelt. Aber wie gesagt basiert mein Eindruck auf dem, was ich von ihm gesehen habe, und ich lasse mich gern eines besseren belehren. Jordan mag seine Rolle als Bösewicht rein handwerklich auch passabel zu bekleiden, aber im Gesamt-Bond-Oeuvre bin ich nun mal geneigt ihn mit grösseren Kalibern wie einmal Gerd Fröbe, Robert Shaw, Harold Sakata, Javier Bardem, Telly Savallas, usw zu vergleichen, wobei es lange dauert bis er mir überhaupt in den Sinn kommt.

Nun zu Kabir Bedi. Vielleicht braucht es auf den erstens Blick nicht viel dazu, groß zu sein und finster dreinzublicken, trotzdem gibt es genügend Beispiele für Schauspieler, die mit diesen "Assets" nicht umgehen können. Ich denke da mal an Ronald Rich als Hans in "Man lebt nur zweimal" oder an Andreas Wisniewski als Necros in "Der Hauch des Todes". Ich bin mir sicher, dass viele Bond-Fans auf Anhieb gar nicht mehr wissen, wer diese überhaupt sind. Bedi hat da eine ganz andere Präsenz, was man ihm ruhig anrechnen darf.

Tremor Offline



Beiträge: 105

14.02.2016 21:38
#19 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Als Beispiele für den erwähnten Leerlauf sei nur der sehr ausgedehnte Aufenthalt Bonds in Shrublands und der sehr (!) ausführlich gezeigte Bombenraub genannt (diesbezüglich hätte der Film auch mit kürzeren Unterwassersequenzen funktioniert).
Auch "Diamantenfieber" hat seine Vorzüge. So wirkt Charles Gray als Blofeld zwar fürchterlich deplatziert und hat kaum etwas zu tun, würde aber in einem besseren Film (dank scharfgeschnittenen Gesichtszügen und stechendem Blick) meiner Meinung nach durchaus funktionieren. Leider aber kämpft auch in diesem Fall ein ansich guter Schauspieler gegen ein schwaches Drehbuch an. Gerettet wurde dieser Film aber meiner Ansicht nach von Mr. Wint und Mr. Kidd - ein angenehmer Schuss Zynismus und politisch inkorrekter Würze in einer ansonsten belanglosen SF-Klamotte.

Stimmt: Brandauer wirkt anfangs nicht bedrohlich. Allerdings kann ich mich auch an keine spätere Szene erinnern, in der er es tut.
Was bondsche Psychopathen angeht, finde ich Christopher Walken (selbst wenn man sich all seine Morde wegdenkt) weitaus überzeugender (wie es in einer damaligen Filmkritik hieß: "Ein ältlicher Jüngling von fadblonder Dämonie.").
Und ich möchte ich wiederholt auf das Ende von "Octopussy" hinweisen:
Das Zirkus-Finale ist durchaus spannend gefilmt, mit einem fast panischen Bond, einer ebenfalls tadellos gespielten Octopussy und sehr passender Musik ist es ein angemessener, dramturgischer Höhepunkt, der auch beim Kinopublikum seine Wirkung nicht verfehlt hat. Als Bond den Zünder entschärt hatte, ging ein hörbares Aufatmen durch das Publikum.
"Sag niemals nie" hat demgegenüber wenig zu bieten - gerade das Finale besitzt wenig Spannung und lässt die Zuschauer eher kalt. Selbst dass der Film ohne richtigen "Großen Knall" endet, fällt kaum auf.
Mit einem überzeugenderen Bösewicht wäre das sicher nicht so.

Telly Savalas war zwar meiner Meinung nach der bislang beste Blofeld, aber zu extravertiert (ein Vorwurf, den ich auch Timothy Dalton machen muss) und hatte meiner Ansicht nach einfach nicht die unterschwellig-bedrohliche Ausstrahlung, die ich bei einem derartigen Weltverderber vermuten würde.
Ich denke da besonders an den Beginn von "Liebesgrüße aus Moskau": Ein kalter, stechender Blick von Charles Gray hätte einen Kronsteen vermutlich nervös machen können.
Einer von Telly Savalas auch? Naja...
Und dass ich die Bondfilme seit einschließlich "Skyall" im Kino auslasse (nachem ich zuvor 29 Jahre lang jeden neuen Bondfilm noch am Premierentag geschaut habe), hat viele Gründe.
Die schwachen, farblosen Schurken sind/ist einer davon.
Daher kommt da für mich auch Javier Bardem diesbezüglich nicht auf einen Spitzenplatz.
Im Gegenteil: Sein (sorry) tuntiges, selbstmitleidiges Gehabe (nicht alles davon stand im Drehbuch) sabotiert diesen Film für mich ebenso wie sein lächerlicher "Plan".
Ein überkonstruierter Schurke in einem überkonstruierten Film.

Mag sein, dass Roger Moore nicht unbedingt durch großen Variantenreichtum seiner Rollen glänzte. Aber inwiefern hätte er Simon Templar, Brett Sinclair und James Bond (um bei den von Dir erwähnten Beispielen zu bleiben) denn großartig unterscheidbar machen können?
Sean Connery war ja umgekehrt zumeist auf harte, durchsetzungsfähige Charaktere abonniert und wich (als Musicaldarsteller oder Bösewicht) nur in Ausnahmefällen davon ab.

Was Kabir Bedi & Co. betrifft:
Ronald Rich ist quasi der Pechvogel in Deiner Aufzählung. Er hatte viel zu wenig Screentime, keine Silbe Dialog (im Vergleich dazu sind Gobinda und Jaws wahre Plaudertaschen) und daher schlichtweg keine Möglichkeit, aus seiner Rolle irgendwas zu machen. Harold Sakata sah zwar sehr passend aus (was für ihn schlichtweg Glück war) und durfte einen schon visuell ungewöhnlichen Charakter spielen, war aber sicher auch kein sehr fähiger Mime. So wie Toshiro Suga (Michael G. Wilsons Aikidolehrer) nur ein Abklatsch von Harold Sakata sein durfte, war Rich nur einer von Robert Shaw, was man - je nach Gusto - mit bondscher Ironie oder Verärgerung zur Kennntnis nehmen kann.
Und Andreas Wisniewski habe ich nicht das Geringste auszusetzen. Aber wieder ein blonder, schweigsamer Hüne (Red Grant war ja zumindest noch ein Novum)... wie soll man als lebendes Klischee und Kopie einer Kopie einer Kopie (womit ich sogar noch untertreibe) irgendwie glänzen?
Ich möchte Kabir Bedis Fähigkeiten sicher nicht kleinreden. Doch wie schon Harold Sakata durfte sein Schurke optisch (innerhalb der Reihe) ungewöhnlich ausfallen, hatte ordentlich Screentime und konnte relativ viele Emotionen zeigen. In diesem Fall hat ein guter Schauspieler eine akzeptable Rolle bekommen - was ich auch von Louis Jourdan behaupten möchte.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.267

15.02.2016 07:21
#20 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von Tremor im Beitrag #19
Sein (sorry) tuntiges, selbstmitleidiges Gehabe (nicht alles davon stand im Drehbuch) sabotiert diesen Film für mich ebenso wie sein lächerlicher "Plan".
Ein überkonstruierter Schurke in einem überkonstruierten Film.

Meine volle Zustimmung! Einfach auf den Punkt gebracht!

Tremor Offline



Beiträge: 105

15.02.2016 18:10
#21 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

@ Edgar007: Dankeschön.

patrick Offline




Beiträge: 2.681

15.02.2016 21:22
#22 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Also Bonds Aufenthalt in der Gesundheitsklinik finde ich sehr unterhaltsam, und auch die Ausführung des Bombenraubs. Die Unterwasserszenen können bei mir gar nicht lange genug sein. Ich liebe das. Ich hab auch schon in Bezug auf Feuerball Kritiken gelesen, die das ankreiden, bin aber selber genau entgegengesetzer Meinung und sehe im Sub-Aqua-Element eben den besonderen Reiz des Films.

Mr.Wint und Mr.Kidd?- Hab ich da vorher nicht etwas von tuntigem Gehabe gelesen. Mann hat sich mit diesem nicht ganz konventionellen Pärchen zumindest was neues einfallen lassen. Aber als allzu große Bereicherung erscheinen sie mir nun doch nicht.

Brandauer ist kein knurrender, zähnefletschender, finster dreinblickender Schurke. Sein Largo ist nett, charmant und hat immer ein Lächeln im Gesicht. Er ist der Wolf im Schafspelz, ein Verführer, kein Soziopath, hat aber, wie ich finde, wesentlich mehr Charisma als der mir einfach zu langweilige Christopher Walken.

Für mich spielt die Location eine wichtige Rolle. Und ein Finale unter Wasser, bzw. in einer unterirdischen Höhle ist mir viel lieber als in einem Zirkus, wo Bond als Clown daherkommt. Klar verursacht die Bombenentschärfung eine gewisse Spannung. Aber Hand auf's Herz: Ist jene ähnliche Szene bei Goldfinger in Fort Knox nicht viel reizvoller?

Bezüglich Telly Savalas muss ich dir insofern Recht geben, dass sein Blofeld wirklich nicht so ganz zu seinen gesichtslosen Vorgängern in "Liebesgrüsse aus Moskau" und "Feuerball" passt. Da wäre wohl Christoph Walz in "Spectre" passender. Ich finde aber Savallas' Darstellung trotzt der fehlenden Konformität sehr gelungen, wesentlich besser als jene von Donald Pleasance, der zwar fehlende Empathie ausstrahlt, sonst aber zu mickrig rüberkommt. Charles Gray kriegt von mir die rote Karte. Er hat rein gar nichts, was ihn eines Blofelds würdig macht. Ein stechender Blick ist mir da zu wenig. Den hatte meine Großmutter auch (Scherz).

Ich habe seit 1985 (Im Angesicht des Todes) jeden Bond bei der Premiere oder kurz danach geschaut. In Puncto schwache farblose Schurken bin ich gerade in jüngerer Zeit anderer Meinung. Mads Mikkelsen, Isaach de Bankole, Christoph Waltz, Dave Batista waren ganz passabel. Und Javier Bardem - Er war entstellt, zynisch und eindeutig verrückt, passt doch für einen Bond- Schurken. Irgendwie erinnert er mich an den Joker. Überkonstruiert mag der Film wohl sein. Das ist wohl auch das Problem der heutigen Zeit. Mir sind auch die Bonds der 60er lieber. Trotzdem fühle ich mich von Craigs Filmen (abgesehen von Quantum) gut unterhalten, besser als von den meisten Moore-Bonds. Letzterer hatte eigentlich nur zwei herausragende Filme ("Der Spion, der mich liebte" und "In tödlicher Mission"), zwei passable ("Leben und Sterben lassen" und "Der Mann mit dem goldenen Colt") und der Rest- na ja...

Bereits im alten Hollywood gab es Schauspieler, die auf Heldenrollen festgelegt waren und trotzdem jeden Typ anders spielten. Man kann nicht immer alles auf's Drehbuch schieben. Viele gute Schauspieler nehmen sich die Freiheit, eine gewisse Variation einzubringen. Bei Roger Moore ist mir das nicht aufgefallen. Er war immer irgendwie gleich und scheint sich nicht sonderlich um mehr Kreativität bemüht zu haben. Sein gutes Recht- Erfolgreich war er ja trotzdem. Ganz anders war's bei Sean Connery. Natürlich spielte er meist starke Charaktere, aber doch irgendwie anders. Oder was hat sein James Bond wohl mit seinem William of Baskerville (Im Namen der Rose) oder seinem Paul Armstrong (Sumpf des Verbrechens) gemeinsam?

Auf dem Podest meiner Bond-Bösewichter stehen Robert Shaw, Gerd Fröbe und Harold Sakata. Sakata war sicher kein richtiger Schauspieler. Aber sein Odd-Jobb hätte besser nicht ausfallen können. Da stimmt einfach alles. Aussehen, Bewegungen, Gesichtsausdruck. Über Fröbe muss man nicht mehr viel sagen und Robert Shaw vereint eindrucksvolle physische Vorzüge mit einem interessanten Gesicht und sehr glaubhafter Schauspielkunst, was ich mir bei dem ausdruckslosen Ronald Rich auch bei mehr Screen time wirklich nicht vorstellen kann. Ich wage zu behaupten, er wäre mit Shaws Rolle hoffnungslos überfordert gewesen.

Jan Offline




Beiträge: 1.178

16.02.2016 12:31
#23 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #22
Ich hab auch schon in Bezug auf Feuerball Kritiken gelesen, die das ankreiden, bin aber selber genau entgegengesetzer Meinung und sehe im Sub-Aqua-Element eben den besonderen Reiz des Films


Das ist für jemanden, der sich für Sub-Aqua-Elemente begeistert, letztlich auch nicht ungewöhnlich. Ich selbst hege da weniger Ambitionen und empfand die Unterwasseraufnahmen daher stets als zu langwierig. "Feuerball" ist deswegen auch nicht wirklich mein sonderlicher Favorit. Wobei man ja hier sowohl hinsichtlich "Octopussy" als auch hinsichtlich "Feuerball" eines klar sagen muss: Es ist ein Jammern auf hohem (vielleicht sogar auf höchstem) Niveau, wenn Kritik an den Filmen aufkommt. Auch "Feuerball" ist ungeachtet individuell gehegter Vorlieben oder auch Antipathien ein Film, an dem sich in jenen Jahre viele messen wollten und mit dem wohl nur wenige mithalten konnten. Am ehesten fällt mir Saltzmans Harry-Palmer-Trilogie ein, die etwas Vergleichbares darstellt. Den sonstigen mir bekannten Eurospy-Varianten merkte man nicht selten den erheblich eingeschränkteren finanziellen Rahmen an.

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 2.681

16.02.2016 20:53
#24 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #23
Zitat von patrick im Beitrag #22
Ich hab auch schon in Bezug auf Feuerball Kritiken gelesen, die das ankreiden, bin aber selber genau entgegengesetzer Meinung und sehe im Sub-Aqua-Element eben den besonderen Reiz des Films


Das ist für jemanden, der sich für Sub-Aqua-Elemente begeistert, letztlich auch nicht ungewöhnlich. Ich selbst hege da weniger Ambitionen und empfand die Unterwasseraufnahmen daher stets als zu langwierig. "Feuerball" ist deswegen auch nicht wirklich mein sonderlicher Favorit. Wobei man ja hier sowohl hinsichtlich "Octopussy" als auch hinsichtlich "Feuerball" eines klar sagen muss: Es ist ein Jammern auf hohem (vielleicht sogar auf höchstem) Niveau, wenn Kritik an den Filmen aufkommt. Auch "Feuerball" ist ungeachtet individuell gehegter Vorlieben oder auch Antipathien ein Film, an dem sich in jenen Jahre viele messen wollten und mit dem wohl nur wenige mithalten konnten. Am ehesten fällt mir Saltzmans Harry-Palmer-Trilogie ein, die etwas Vergleichbares darstellt. Den sonstigen mir bekannten Eurospy-Varianten merkte man nicht selten den erheblich eingeschränkteren finanziellen Rahmen an.

Gruß
Jan



Tja, wer Unterwasser nicht mag wird wohl Feuerball auch nicht mögen. Für die anderen ist`s ein Kultfilm. Tatsächlich kenne ich keine Eurospys die an Bond herankommen. Es gibt bessere und schlechtere, aber so richtig hingerissen war ich von der Konkurrenz noch nie. Das Bond-Budget hatte wohl kaum ein Produzent zur Verfügung und ein toller Agentenfilm ist auf Sparflamme nur schwer machbar. Ich habe Harry Palmer als Junge mal gesehen und fand ihn damals eher langweilig, kann mich heute aber so gut wie gar nicht mehr an die Story erinnern. Hab mir grade auf Youtube die Trailer reingezogen, die mich auch nicht wirklich überzeugen. Irgendwie bin ich aber neugierig drauf und hab's mir mal im Hinterköpfchen vorgemerkt.

Jan Offline




Beiträge: 1.178

17.02.2016 11:06
#25 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #24

Irgendwie bin ich aber neugierig drauf und hab's mir mal im Hinterköpfchen vorgemerkt.


Dann darf ich Dir die Empfehlung geben, nicht gerade mit dem dritten Palmer "Das Milliarden-Dollar-Gehirn" anzufangen. Der Film dürfte da eine etwas verstörende Wirkung haben. Der ist von Regie-Neurotiker Ken Russel. Am nächsten an Bond ist Guy Hamiltons "Finale in Berlin", der neben schönen Berlin-Aufnahmen auch zahlreiche deutsche bzw. deutschsprachige Schauspieler aufweist (neben Hubschmid und Renzi vor allem Rainer Brandt, Günter Meissner, Herbert Fux, Wolfgang Völz und Heinz Schubert). Der Erstling - "Ipcress - streng geheim" - ist mein persönlicher Favorit. Die Optik von Kameramann Otto Heller sucht ihresgleichen. Leider ist die deutsche Synchro nicht so dolle (Peer Schmidt für Michael Caine). Letztlich ist Palmer halt ein Antiheld, den Harry Saltzman bewusst als Anti-Bond verstanden wissen wollte. Die Filme sind weniger actionreich und es gibt auch keine Luxushotels oder Jet-Set-Atmosphäre. Palmer ist ein stinkfauler Zyniker, den der Geheimdienst aufgrund einiger krummer Geschichten aus dessen Vergangenheit in der Hand hat und der nur widerwillig den Dienst am Vaterland ableistet. Einige Parallelen gibt es zu der Figur des Eddie Chapman, den Christopher Plummer in Terence Youngs Spionagefilm "Spion zwischen zwei Fronten" darstellte.

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 2.681

17.02.2016 20:47
#26 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Zitat von Jan im Beitrag #25
Zitat von patrick im Beitrag #24

Irgendwie bin ich aber neugierig drauf und hab's mir mal im Hinterköpfchen vorgemerkt.


Dann darf ich Dir die Empfehlung geben, nicht gerade mit dem dritten Palmer "Das Milliarden-Dollar-Gehirn" anzufangen. Der Film dürfte da eine etwas verstörende Wirkung haben. Der ist von Regie-Neurotiker Ken Russel. Am nächsten an Bond ist Guy Hamiltons "Finale in Berlin", der neben schönen Berlin-Aufnahmen auch zahlreiche deutsche bzw. deutschsprachige Schauspieler aufweist (neben Hubschmid und Renzi vor allem Rainer Brandt, Günter Meissner, Herbert Fux, Wolfgang Völz und Heinz Schubert). Der Erstling - "Ipcress - streng geheim" - ist mein persönlicher Favorit. Die Optik von Kameramann Otto Heller sucht ihresgleichen. Leider ist die deutsche Synchro nicht so dolle (Peer Schmidt für Michael Caine). Letztlich ist Palmer halt ein Antiheld, den Harry Saltzman bewusst als Anti-Bond verstanden wissen wollte. Die Filme sind weniger actionreich und es gibt auch keine Luxushotels oder Jet-Set-Atmosphäre. Palmer ist ein stinkfauler Zyniker, den der Geheimdienst aufgrund einiger krummer Geschichten aus dessen Vergangenheit in der Hand hat und der nur widerwillig den Dienst am Vaterland ableistet. Einige Parallelen gibt es zu der Figur des Eddie Chapman, den Christopher Plummer in Terence Youngs Spionagefilm "Spion zwischen zwei Fronten" darstellte.

Gruß
Jan



Wenn ich mir die Palmer-Reihe vornehme, würde ich auf jeden Fall chronologisch vorgehen. Beim schauen der Trailer kam mir "Das Milliarden Dollar Gehirn" auch etwas schräg vor, so irgendwie an Austin Powers erinnernd. Als Original-Tonspur-Liebhaber stört mich eine unpassende Synchro kein bisschen. Nach dem flüchtigen Überfliegen einiger Rezensionen scheinen nur die ersten beiden Teile wirklich hoch im Kurs zu liegen. Auffallend ist, dass die letzten Teile erst Jahrzehnte später entstanden sind. Die Trailer zeigen tatsächlich wenig Action und keine exotischen Schauplätze. Das mit dem stinkfaulen Zyniker gefällt mir allerdings irgendwie.

Jan Offline




Beiträge: 1.178

18.02.2016 11:21
#27 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Ich mag alle drei Saltzman-Palmer, obwohl sie in der Tat alle drei recht unterschiedlich sind. Die späteren, von Harry Allan Towers produzierten Palmer-Files kenne ich nicht. Die ersten drei jedoch sind in sich sehr unterschiedlich. Ipcress besticht durch eine fantastische Optik und wirklich exzellente Darsteller. Das Berlin-Finale (im Original heißt der Film passenderweise "Funeral in Berlin") ist da eher herkömmlicher, bietet aber natürlich für uns Deutsche einen gewissen Reiz durch Darsteller und Schauplätze. Beide Filme sind sehr spannend und temporeich, auch wenn echte Action à la Bond fehlt. Das Milliarden-Gehirn dann ist in der Tat ein Ausreißer, den ich aber trotzdem mag. Man muss sich halt auf Ken Russel etwas einlassen. Dessen Stil würde ich irgendwo zwischen Quentin Tarantino, Zbynek Brynych und Lars Becker verorten!

Gruß
Jan

patrick Offline




Beiträge: 2.681

18.02.2016 21:12
#28 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Interessant wäre die Gesamt-Collection. Nur bin ich nicht bereit solche unverfrohrenen Wucher-Preise zu zahlen.
http://www.amazon.co.uk/The-Harry-Palmer...D/dp/B008XH1NKS

Einzeln sind die Kosten aber zum Glück vertretbar.

Tremor Offline



Beiträge: 105

21.02.2016 21:26
#29 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Also gegen den Schauplatz "Unter Wasser" hab ich überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Was sich dort unten abspielt, halte ich gemeinhin für durchaus faszinierend (und es ärgert mich sehr, dass man sich diesbezüglich mit Blu-ray-Veröffentlichungen entsprechender Filme so schwer tut - auf "The Abyss", "Deepstar Six" und eine qualitativ angemessene Veröffentlichung von "Leviathan" muss man nach wie vor warten).
Doch finde ich, dass "Feuerball" dort auch tempomäßig zum Wassertreter wird und es mit viel zu ausgedehnten Unterwasserszenen übertreibt (die grandiose Endschlacht natürlich nicht mitgerechnet).

Was das tuntige Gehabe betrifft: Erwischt!
Doch ernsthaft: Die Haupthandlanger (von Bondfilme-Buchautor Michael Scheingraber dereinst "Unterbösewichte" genannt) spielen ja eh in einer ganz anderen Liga als ihre Bosse. Daher kann ich Wint & Kidd derartiges Verhalten (das seinerzeit in einem Bondfilm zumindest noch originell war und ihren Zynismus großartig unterstrich) viel eher nachsehen als Muttersöhnchen Silva (dem die für einen Bondschurken notwendige Durchsetzungsfähigkeit auch deshalb völlig abging). Ein Oddjobb oder Beißer hätte ja auch nicht zum Oberschurken getaugt.

"Spectre" werde ich mir erst ansehen, wenn die Blu-ray irgendwo für unter 15 € zu haben ist. Daher kann ich bez. Christoph Waltz (dessen Physis mich aber leider durchaus an Donald Pleasence erinnert) nicht mitreden. Und auch wenn man mich nun für einen Österreicher-Hasser hält (was aber auch nicht ganz unfair wäre, schließlich hält Waltz die Deutschen für humorlos):
Er erscheint mir leider wie auch Brandauer als viel zu harmlos dreinschauend.
Und eben DAS kreide ich letztgenanntem auch an:
Wo Du eine latente Psychopathie und eine unterschwellige Bedrohlichkeit ausmachst, sehe ich nur einen freundlich lächelnden bzw. verschmitzt grinsenden K.M. Brandauer, der sich nie auch nur die geringste Mühe macht, irgendeine Form von Bösartigkeit auszustrahlen. Er schlendert amüsiert durch die Gegend, freut sich bestimmt auch schon sehr auf seinen Gehaltscheck, wirkt aber (zumindest auf mich) leider nie irgendwie böse, hassens- oder verachtenswert (und erinnert mich diesbezüglich sehr an den "Fälscher von London", der im Hauptfilm ein freundlicher, älterer Herr war und im Finale ein verwirrter, älterer Herr aber leider selbst da kein bischen gemein wirkte). Klar: Der Dolch im Gewande ist eine ziemlich effektive Waffe. Doch wenn er niemals aufblitzt, hat meiner Meinung nach irgendwer irgendwas ziemlich Wichtiges weggelassen.
Doch fairerweise muss man einräumen, dass Brandauer auch vom Drehbuch ziemlich im Stich gelassen wurde:
Während Celi (um als Gert-Fröbe-Nachfolger auch ja zu überzeugen) vielerlei böse Taten vollbringen durfte, besteht Brandauers Part darin, den bösen Plan irgendwie zu organisieren und seine Ex an einen kariösen Beduinen und dessen Reiterkumpel zu verschenken (eBay gab es '83 halt noch nicht). Das finale Die-Harpune-auf-Bond-richten kann man hingegen unter Notwehr verbuchen.

Was ich mit dem erneuten Hinweis auf das Zirkus-Finale in "Octopussy" eigentlich ausdrücken bzw. bekräftigen wollte:
Dieser (weitaus einfallsreichere) Film baut einen Spannungsbogen auf, der sich am Ende prima in Anspannung und Erleichterung entlädt.
"Sag niemals nie" schafft das nicht. Hier wurde meiner Meinung nach eher Malen nach Zahlen betrieben:
Die Endschlacht könnte einfallsloser nicht sein und weder die Tötung Largos noch das Entschärfen der Bombe (offenbar hat Bond diesbezüglich seit "Goldfinger" dazugelernt) führen beim Publikum zu irgendwelchen nennenswerten, emotionalen Reaktionen.
Ich nehme "Octopussy" seinen übermütigen Humor nicht sonderlich übel, denn diesbezüglich schießt dieser Film einfach mal aus reiner Spielfreude über's Ziel hinaus, ist darüber hinaus aber charmant, abwechslungsreich, interessant (u. a. da der Plot seine Karten nicht gleich auf den Tisch legt) und voller origineller Einfälle.
Beim Konkurrenzfilm habe ich viel eher den Eindruck, dass man zwar darüber nachgedacht hat, was in einem Bondstreifen vorkommen sollte, nicht aber darüber, ob man das Publikum auch emotional irgendwie erreicht.
Und dadurch wirkt das fertige Produkt viel schematischer, fast seelenlos und ist in der vielleicht wichtigsten Disziplin, welche die Vor-Craig-Bonds von 08/15-Actionfilmen unterschied, im Hintertreffen:
Der Verspieltheit.

patrick Offline




Beiträge: 2.681

22.02.2016 22:32
#30 RE: Bewertet „Octopussy“ (13) Zitat · antworten

Ich kann nur erneut betonen, dass mir die Unterwasser-Sequenzen in Feuerball keine Sekunde zu lang sind, sondern eher jene in "Sag niemals nie", "In tödlicher Mission" oder "Lizenz um Töten" viel zu kurz. Dort hätte ich gern mehr davon gesehen.

Silva war ein durchaus gefährlicher und zynischer Verrückter und dazu noch ein Genie. Ich finde die Interpretation OK. An seinen, wie du schreibst, Muttersöhnchen-Tendenzen stoße ich mich nicht besonders, da er auch eine andere Seite zum Besten gibt, die man u.a bei der kaltblütigen Erschießung seiner Geliebten zu spüren bekommt.

Ich nehme Brandauer grundsätzlich anders wahr, als du. Bei dem schmerzhaften Computer-Spiel gegen Bond oder in der Szene, wo er Domino gegenüber zu verstehen gibt, was passiert, wenn sie in verlässt, wird angedeutet, dass man es eben mit dem "Wolf im Schafspelz" zu tun hat und dass sich hinter seinem ansprechendem Äußeren eben doch etwas anderes verbirgt. Er ist ein selbstsicherer, sehr von sich eingenommener Strahlemann, der nach außen die Formen wahrt und Zähnefletschen und Säbelrasseln nicht nötig hat. Warum nicht? Derartige Charaktere gibt's ja im realen Leben auch. Ich stelle als Letzter in Abrede, dass es viel bessere Bond-Bösewichter gibt, muss aber im gleichen Atemzug einräumen, dass ich genügend schlechtere kenne. Der Vergleich zum "Fälscher von London" hinkt dabei für mich allerdings.

Christoph Walz hat mir in seinen bisherigen Rollen, ich denke da besonders an "Inglorious Bastards", "Django Unchained" und eben "Spectre" immer gut gefallen. Freue mich auch schon auf seinen Auftritt in der Tarzan-Neuverfilmung. Sein Blofeld kann nie und nimmer mit Donald Pleasance verglichen werden. Waltz mag rein optisch auf den allerersten Blick nicht allzu sehr zu beeindrucken, aber darstellerisch ist er vielseitig und glaubwürdig. Sein Blofeld ist durchaus sadistisch und böse, aber ich denke wir reden besser dann darüber, wenn du ihn gesehen hast.

Für mich ist Octopussy nicht übermäßig einfallsreich, sondern bedient sich vielmehr bei Einfällen, die man früher schon hatte und reichert es mit einem zu viel an Albernheiten und Geisterbahn-Elementen an, was mir den Gesamteindruck eines Agentenabenteuers aufdrängt, das ich nicht wirklich ernst nehmen kann. Im Gegensatz dazu bietet "Sag niemals Nie" ein sehr gutes Drehbuch, dass, wie schon erwähnt inszenatorisch nicht an's Original, heranreicht, aber kurzweilige Unterhaltung über und unter Wasser bietet und immerhin, was mir wichtig ist, den notwendigen Ernst bewahrt. Rein emotional hat mich Octopussy bei keiner der, zugegebenermaßen sehr wenigen, Sichtungen erreicht. Wenn ich "emotional" lese leuchte vor meinem geistigen Auge vielmehr der hervorragende "Im Geheimdienst ihrer Majestät" auf, der diesbezüglich am meisten in mir erweckt hat.

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