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Dieses Thema hat 48 Antworten
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DanielL Offline




Beiträge: 3.693

22.12.2016 22:02
#46 RE: Bewertet Mabuse. "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #45
Peter van Eyck tut die Konstellation mit "Mamachen" Windeck nicht sonderlich gut, weil seine Figur so jedwede Glaubwürdigkeit verliert.


Ja, das ist auch so ne +/- Sache. Ich stimme dir absolut zu, was die Wirkung auf van Eyck angeht. Andererseits sind die Szenen mit Windeck immerhin für sich genommen doch m.M. nach recht amüsant.

Zitat von Ray im Beitrag #45
Dies merkten die Verantwortlichen während der Produktion, schrieben May deswegen mehrmals offenbar vergeblich an und ließen schließlich die Szenen rund um den Postzugüberfall von Werner Klingler drehen, der sich für den vorangegangenen Film verantwortlich gezeigt hatte.


Interessant. Kann man dazu irgendwo genaueres lesen?

Gruß,
Daniel

Ray Offline



Beiträge: 584

22.12.2016 22:40
#47 RE: Bewertet Mabuse. "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #46
Zitat von Ray im Beitrag #45
Dies merkten die Verantwortlichen während der Produktion, schrieben May deswegen mehrmals offenbar vergeblich an und ließen schließlich die Szenen rund um den Postzugüberfall von Werner Klingler drehen, der sich für den vorangegangenen Film verantwortlich gezeigt hatte.


Interessant. Kann man dazu irgendwo genaueres lesen?




Im Buch "Dr. Mabuse im Film" von Solveig Wrage (Hg.) sind zwei Briefe von CCC an Paul May abgedruckt, in denen ihm nachdrücklich empfohlen wird, keine eigenmächtigen kurzfristigen Drehbuchänderungen vorzunehmen, das Tempo anzuziehen, den Materialverbrauch zu minimieren und die Verwendung mit dem Transfokator auf die dramaturgisch unumgänglichen Einstellungen zu beschränken. Dazu findet sich eine Notiz der CCC, in der vermerkt ist, dass Klingler die Auszahlung einer Gage von 2000 DM für die von ihm angefertigten Zusatzaufnahmen "Postzugüberfall" für den Film "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" anmahnt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.354

23.04.2017 14:31
#48 RE: Bewertet Mabuse. "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" Zitat · antworten

BEWERTET: "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" (Deutschland 1963)
mit: Peter van Eyck, Walter Rilla, Dieter Borsche, Sabine Bethmann, Werner Peters, Wolfgang Lukschy, Klaus Kinski, Agnes Windeck, Hans Nielsen, Ruth Wilbert, Albrecht Schoenhals, Jürgen Draeger, Alfred Braun, Albert Bessler, Ady Berber u.a. | Drehbuch: Ladislas Fodor nach dem Roman "The Device" von Bryan Edgar Wallace | Regie: Paul May

Nachdem Dr. Mabuse in der Klinik von Professor Pohland gestorben ist, weilt dieser an einem unbekannten Ort, um die Pläne aus dem Nachlass Mabuses umzusetzen und seinen Wirkungsbereich nach England zu verlegen. Mithilfe des vorbestraften George Cockstone erschleicht er sich die Erfindung eines Hamburger Wissenschaftlers, dem es gelungen ist, ein Gerät zu entwickeln, das fremden Menschen seinen Willen aufzwingt. Major Bill Tern wittert bald den Erben Dr. Mabuses hinter der einsetzenden Mord- und Entführungsserie und arbeitet eng mit seinen Kollegen Inspektor Vulpius und Inspektor Rank zusammen. Doch bald geraten auch sie unter den Einfluss der unheimlichen Macht....



Rasant läuft die Handlung ab und ebenso hurtig wurde offensichtlich das Drehbuch umgeschrieben, denn wie ließe es sich sonst erklären, dass der legendäre englische Postraub, der in der Nacht auf den 8. August 1963 stattfand, filmisch ausgewertet wird, obwohl die Dreharbeiten vom 19. Juni bis zum 15. August 1963 dauerten? Jedenfalls merkt man der Produktion an, dass viele gute Einfälle integriert wurden - erfolgreich, wie man dem Film zugestehen muss. Der eindrucksvolle, minimalistische Vorspann ist kaum vorbei, da beginnt eine Reihe von Verbrechen abzulaufen, die in ihrer knappen Präzision beeindrucken und Fragen nach der Logik schnell zerstreuen. Es macht zu viel Spaß, der Umsetzung einer neuen Idee zur Weltherrschaft zu folgen und die eiskalte Skrupellosigkeit der Bande in schockierenden Momentaufnahmen sozusagen in der ersten Reihe mitzuerleben. Das Spiel mit den Identitäten wird diesmal auf die Spitze getrieben und manifestiert sich auch in der Besetzungsliste. So finden sich auf Seiten der Guten viele Namen wieder, die sonst gern als Bösewichte verpflichtet werden. Umso effektvoller gelingen die raschen Wechsel, die unter dem Einfluss der diabolischen Gedanken- und Willensübertragung stattfinden. Die einzige Person, deren Integrität untadelig erscheint, ist die männliche Hauptfigur. Alle anderen können gekauft oder beeinflusst werden und machen die Welt unsicher und gefährlich. Das Gesellschaftsgefüge muss mit allen Mitteln zum Einsturz gebracht werden, um Mabuses Schreckensherrschaft errichten zu können. Dabei spielen die Schauplätze, das hanseatisch korrekte Hamburg und das traditionsbewusste britische Empire, der Geschichte in die Hände. Wenn die Unterminierung der Ordnung an diesen Orten gelingt, dauert es nicht mehr lange und Dr. Mabuse wird alles beherrschen. Mittlerweile hat Artur Brauners CCC das Publikum schon so weit, dass ihm bei dem Gedanken an Mabuse wohlige Schauer über den Rücken laufen - ganz ohne Hypnotisiermaschine. Das Schurkentrio Rilla-Borsche-Lukschy hat seinen Anteil am Gelingen dieser schaurigen Behaglichkeit und gibt sich alle Mühe, noch rabiater, unbarmherziger und raffgieriger als der selige Wolfgang Preiss zu wirken.

Die Interaktion der einzelnen Charaktere ist stimmig und die oft gehörten Vorwürfe, Figuren wären überzeichnet (Gwendolyn Tern) oder unterfordert (Nancy Masterson), lassen sich widerlegen. Die rührige Agnes Windeck erweist sich als Sparringspartner ihres Sohnes, den Peter van Eyck mit lässiger Nonchalance spielt, während er Sabine Bethmann den Umständen entsprechend zurückhaltend begegnet. Bereits das erste Aufeinandertreffen des Paares wird vom Tod ihres Vaters überschattet, sodass Bethmann wenig Möglichkeiten hat, ihren Charme auszuspielen und wegen ihrer Gefangenschaft bei Mabuse auch später physisch und psychisch eingeengt ist. Dieter Borsche gibt den glatten Assistenten des Willens zur Macht mit eisiger Entschlossenheit, während Walter Rilla ganz hinter sein Werk zurücktritt und seine Mission konsequent vorantreibt. Er wirkt unheimlich und weitaus gefährlicher als es sein Vorgänger in seinen letzten Auftritten sein durfte. Trotz der finsteren Machenschaften der Bande strahlt der Film streckenweise eine fast heitere Atmosphäre aus, was der Drehzeit und vielen ländlichen Schauplätzen geschuldet ist. So bewegt sich der Superverbrecher nicht im Moloch der Großstadt, sondern hat sich auf sein Landgut zurückgezogen; die Mutter von Major Tern verbringt ihren Tag im Garten und Professor Mastersons Haus liegt ebenfalls im Grünen. Die Recherchen in muffigen Polizeilabors und die Konferenzen mit dem Chef von Scotland Yard werden immer wieder durch Ausflüge in die Natur aufgebrochen, wo Geld- und Vermögensaneignungen stattfinden oder wichtige Persönlichkeiten in den Einflussbereich des geheimnisvollen Gangsters gebracht werden. Die sprühenden Einfälle, mit denen das Drehbuch in den anderthalb Stunden aufwartet, machen den Film zu einem kurzweiligen Vergnügen, wobei man Mabuse mehr Zielstrebigkeit und Stringenz bei der Umsetzung seiner Ideen wünscht. Kaum im Besitz der bahnbrechenden Erfindung, nutzt er sie nur im Kleinen, zaudert und zögert zu lange und ermöglicht der Polizei deshalb zunehmende Erfolge. Die guten Ansätze der vielen Eisen, die Mabuse im Feuer hat, bleiben oft ungenutzt und erweisen sich als Schwachstellen in seiner Organisation.

Prominent besetzter Country-Mabuse der alten Schule, in der sich der legendäre Verbrecher ein letztes Mal aufbäumt und sich dabei genialer und brachialer Methoden bedient. 4,5 von 5 Punkten

Count Villain Offline



Beiträge: 3.766

23.04.2017 16:10
#49 RE: Bewertet Mabuse. "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Sehr schönes Review, Percy Lister. Danke dafür! Spiegelt beinahe 1 zu 1 meine Meinung wider.

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