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Dieses Thema hat 22 Antworten
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 Filmbewertungen
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DanielL Offline




Beiträge: 3.700

19.12.2016 16:14
#16 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

In der nächsten Mabuse-Akte der Sechziger ist folgender Herrschaftsplan protokolliert: Eine Gangsterbande versucht an "Unternehmen X" und damit im Wesentlichen an den Frequenzkoordinator von Nobelpreisträger Professor Erasmus zu gelangen, der feste Materie unsichtbar machen kann - sprich: Für seinen Besitzer eine moderne Tarnkappe ist. Mit Hilfe des Geräts sollen Anschläge auf streng bewachte Staatsoberhäupter möglich werden. Joe Como (Barker) vermutet hinter der Truppe ein erneutes Wirken von Dr. Mabuse.

Der Einstieg in DIE UNSICHTBAREN KRALLEN DES DR. MABUSE darf einen erst einmal skeptisch machen. Eine ziemlich fantastische Technik, ein wiederholt recht komplexes Figurenkonstrukt, mit dem man den Mabuse-Mythos am Leben erhalten will und zunächst einige fragwürdige Handlungsstränge und Szenen zu Beginn. Dass man sich dabei leicht vergaloppieren kann, zeigt der vernüftig gelungene aber letztlich etwas verworrene Vorgänger.

Sowohl die Gangtertruppe als auch die Ermittlerriege aus Joe Como, Kommissar Brahm (Lowitz) und Assistent Haase (Walo Lüönd) scheinen auf fiktionaler Ebene zunächst mal nicht zu den hellsten Kerzen zu gehören. Joe Como bekommt das Metropol-Theater inklusive Liane Martin (Dor) gleich zu Beginn als Schlüssel serviert, ermittelt sich aber zunächst vom Theater zur Spedition Transas und von dort wieder zurück ans Theater. Vom "Funny Guy" Haase lässt sich Como zu Beginn sogar übertrumpfen und ins Taxi werfen. Dessen Auftritte gelingen im Vergleich zu anderen brauner'schen Arent-Ersatzszenarien im Übrigen zwar recht unterhaltsam, da häufiger mit guten Dialogen bestückt ("Was ein guter Polizist braucht ist ein Kopf zum denken, zwei Beine zum laufen und nen Hintern zum sitzen" - "Schwierig wird’s nur, wenn man die Funktionen verwechselt und mit dem Hintern denkt“; „"Besondere Kennzeichen?" - "Er ist unsichtbar!"). Insgesamt finde ich es aber eher Schade, dass man sich in diesem Punkt dem Wallace-Konzept weiter annährte und Mabuse nicht weiterhin etwas düsterer, ohne Humorpausen, positionierte. Joe Como erkennt auch nicht, dass Spediteur Droste und Clown Bobo ein und dieselbe Person sind, was jedem Zuschauer direkt deutlich wird, da man Werner Peters einfach schlecht hinter einer Clownnase "verstecken" kann. Die Synchro von Bobo durch Harry Wüstenhagen ist daher vertane Liebemüh und wurde ja auch schon in diversen Kommentaren gerügt. Zum Glück ist diese Früherkentniss aber keine tragende Säule für den Spannungsbogen. Auch auf der Seite der Gangster fragt man sich zunächst mal, ob die ganze Truppe nicht "2. Liga" spielt. So lernt man den schattenhaften Boss der Bande mit folgender Szene kennen: Handlanger Max foltert Nick Prado, worauf der Boss verlauten lässt "Aus Toten kann man nichts mehr heraus holen. Du bist zuweit gegangen, Max!" Und was macht der große Unbekannte dann? Zückt die Waffe und erschießt den am Boden liegenden im nächsten Moment. Aber wer wird schon nach Logik bei größenwahnsinnigen Verbrechern suchen? Eine Leiche verschwinden zu lassen, sollte dann auch bei solch ambitionierten Banden möglich erscheinen. Aber sei's drum. Zugegeben ist das natürlich jetzt sehr kleinlich. Die Reihe hat sich ja längst zu "Effekt vor Logik" bekannt.

Fragezeichen gibt's allerdings hier auch im Rahmen des Finales, wobei diese Fragezeichen in dem Fall immerhin nicht dem Gesamteindruck des Films im Wege stehen:

Drahtzieher ist erneut der "neue Mabuse", Wolfgang Preiss. Mabuse agiert im Film als Schatten, Preiss schlüpft dann zeitweise augenscheinlich in die Rolle vom Arzt Dr. Krone (Auch dieses Kostüm ist recht durchschaubar) und Mabuse nimmt schließlich in der Story das Aussehen von Dr. Bardorf ein. Soweit so gut. Warum aber treffen nun im Finale Dr. Krone und der falsche dr. Bardorf aufeinander? Wenn man das logisch erklären will, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Preiss spielt faktisch Krone, Krone ist aber in der Story keine Gestalt von Mabuse. Die Gestalt von Mabuse ist wiederrum Bardorf (zunächst Pieritz), der sich letztlich dann aber als Mabuse (wiederrum gespielt von Preiss) zu erkennen gibt. Das fällt letztlich alles gar nicht so schlimm auf, wie es klingt. Aber wehe man denkt mal darüber nach...


Eine durchgehend aufrecht gehaltene Spannung, hohes Tempo, erneut sehr atmosphärische Innen- und Außenaufnahmen und ein ingesamt gut aufgelegter Cast (Barker kann sich deutlich besser entfalten als im Vorgänger!) lassen einen über einige Irrungen und Wirrungen hinwegsehen. Und wie Ray erwähnte, das Grundkonstrukt ist - vom wissenschaftlichen Aspekt abgesehen - sogar glaubhafter als beim Stahlnetz.
Zwischenstand nach drei 60er-Mabuse-Filmen: 1000 Augen 5/5; Stahlnetz 3,5/5; nun 4/5.

Erneut sind wieder beim Filmportal interessante Bonusmaterialien zu finden, darunter ein frühes Exposée von Autor Ladislas Fodor ("Dr. Mabuse, der Unsichtbare"), wo auch noch eine leicht veränderte Story und andere Rollennamen zu lesen sind.

Zum Schluss noche eine Frage: In der Szene, in der Karin Dor in das Schloßhotel Wallgraben eincheckt, stehen im Hintergrund zwei Männer, die ihr geheimnisvoll hinterhersehen. Könnte es sich bei dem linken Mann um Reinl handeln (DVD-Timecode ca. 46:09)?

Gruß,
Daniel

Ray Offline



Beiträge: 829

19.12.2016 20:04
#17 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Schön, dass du weiter dran bleibst, Daniel. Nach längerer Pause werde ich wahrscheinlich auch diese Woche noch mit dem "Testament" weitermachen können.

Zur Sache mit Krone/Bardorf: wenn man den Produzenten wohlgesonnen ist, kann man sie für diesen "Trick" und den durchaus vorhandenen Überraschungseffekt loben, weil Preiss ja in "1000 Augen" auch einen Arzt spielte, hinter dessen Fassade dann aber stimmigerweise "Mabuse"
steckte. Hier ist es anders. Preiss spielt eine weitere Figur, hinter der letztlich aber nicht Mabuse steckt. Andererseits stiftet dies natürlich ein weiteres Mal Verwirrung.

Was deine bisherigen Wertungen angeht, so entsprechen sie exakt denen, die ich im Vorhinein den Filmen gegeben hätte. Diesmal empfand ich "Krallen" wieder etwas schwächer als "Stahlnetz", daher ging es für Krallen 0,5 Punkte runter. Das kann aber bei der nächsten Sichtung schon wieder genau umgekehrt aussehen.

Danke auch für den nochmaligen Hinweis auf das Filmportal, das hätte ich doch sonst glatt wieder vergessen. Wieder einmal wirklich sehr interessante Materialien.

Habe mir den genannten Ausschnitt (46:09) nochmal angesehen. Ist natürlich ziemlich unscharf (vielleicht würde eine Blu-Ray Abhilfe schaffen, aber die Box erscheint vermutlich erst nach den niemals erscheinenden restlichen Wallace-Kollektionen...), dennoch würde ich eher sagen, dass es nicht Reinl ist. Aufgrund der mangelnden Schärfe bin ich mir allerdings nicht hundertprozentig sicher.

DanielL Offline




Beiträge: 3.700

19.12.2016 20:48
#18 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #17
Schön, dass du weiter dran bleibst, Daniel. Nach längerer Pause werde ich wahrscheinlich auch diese Woche noch mit dem "Testament" weitermachen können.


Heute konnte ich sogar schon den nächsten Mabuse sichten und habe gerade bereits meine Zeilen zum TESTAMENT verfasst - noch als unveröffentlichte Notiz. Darf ich bereits überholen? Sonst kann ich auch durchaus noch warten bis zu deiner Sichtung.

Zitat von Ray im Beitrag #17
Zur Sache mit Krone/Bardorf: wenn man den Produzenten wohlgesonnen ist, kann man sie für diesen "Trick" und den durchaus vorhandenen Überraschungseffekt loben, weil Preiss ja in "1000 Augen" auch einen Arzt spielte, hinter dessen Fassade dann aber stimmigerweise "Mabuse"
steckte. Hier ist es anders. Preiss spielt eine weitere Figur, hinter der letztlich aber nicht Mabuse steckt. Andererseits stiftet dies natürlich ein weiteres Mal Verwirrung.


So kann man es auch sehen. Und das sind dann wahrscheinlich auch die Dinge, die man durchaus mal bei einer früheren oder späteren Sichtung aus einer anderen Stimmung heraus anders bewerten kann. Zumindest ist es aber auf dem recht dünnen Eis der Identitäten bei Mabuse dann ein recht mutiger Schritt vom Zusammenspiel Buch/Besetzung, wenn es denn wirklich bewusst als "Twist" angelegt war.
Zitat von Ray im Beitrag #17

Was deine bisherigen Wertungen angeht, so entsprechen sie exakt denen, die ich im Vorhinein den Filmen gegeben hätte. Diesmal empfand ich "Krallen" wieder etwas schwächer als "Stahlnetz", daher ging es für Krallen 0,5 Punkte runter. Das kann aber bei der nächsten Sichtung schon wieder genau umgekehrt aussehen.

Interessant. Ich denke die Box schaue ich nun zum dritten Mal seit der Veröffentlichung, letzter Durchgang dürfte einige Jahre zurückliegen. Ich glaube Punkte habe ich zuvor nicht vergeben, aber gefühlt ist es bei mir in diesem Detail umgekehrt. "Stahlnetz" ist ein klein wenig in der Gunst gesunken gegenüber der letzten Sichtung.

Gruß,
Daniel

Ray Offline



Beiträge: 829

19.12.2016 21:07
#19 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #18
Zitat von Ray im Beitrag #17
Schön, dass du weiter dran bleibst, Daniel. Nach längerer Pause werde ich wahrscheinlich auch diese Woche noch mit dem "Testament" weitermachen können.


Heute konnte ich sogar schon den nächsten Mabuse sichten und habe gerade bereits meine Zeilen zum TESTAMENT verfasst - noch als unveröffentlichte Notiz. Darf ich bereits überholen? Sonst kann ich auch durchaus noch warten bis zu deiner Sichtung.


Natürlich darfst du bereits überholen, dafür musst du mich auch nicht um meine Erlaubnis fragen. Werde dann in den nächsten Tagen wieder "aufschließen". Bisher haben sich unsere Einschätzungen ja weitgehend gedeckt. Bin gespannt, wie es weitergeht.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.865

30.08.2017 07:50
#20 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Gestern mal wieder angeschaut. Stringenter als der Vorgänger, diesem aber durch Musik, Inszenierung und wiederkehrenden Schauspielern stilistisch ähnlich. Leider fehlt den Krallen etwas, das seine beiden Vorgänger noch maßgeblich geprägt hat. Damit meine ich jetzt nicht explizit Gert Fröbe, sondern allgemein einen gleichwertigen Gegenspieler für den Doktor auf Seiten der Rechts, sowie die Konfrontation zwischen Mabuses Wirken und der/m Polizei(kommissar). Das hat meines Erachtens viel zur Atmosphäre beigetragen. Hier merkt man schon die ersten Folgen/Anzeichen der Agentenfilmwelle, so hat Kommissar Brahm auch schon fast mehr von einem "M" an sich als von einem Ermittler. Während man allerdings in den Todesstrahlen ganz konsequent auf dieses Sujet setzt, wirkt es hier auf mich noch ein wenig wie ein Fremdkörper. Daher ziehe ich von den Reinl-Mabuses nach wie vor das Stahlnetz vor.

Auf der positiven Seite findet man hingegen abseits vom Standard-Sonnyboy Lex Barker mal wieder einige sehr gute schauspielerische Leistungen. Karin Dor spielt eine ihrer besten Leistungen in einem 60er-Krimi ab und darf sich sogar ein wenig wandlungsfähig zeigen. Werner Peters spielt selbst unter Clownschminke prägnant wie eh und je und auch Kurd Pieritz kann überzeugen und zeigen, dass er in der Wallace-Reihe eigentlich fast immer ziemlich unter Wert eingesetzt wurde.

Was den Einsatz von Wolfgang Preiss angeht, sollte man sich nicht wirklich fragen, ob er den Original-Mabuse darstellen soll oder ob er der Dr-Jordan-Mabuse ist oder wie er überhaupt die Explosion im Stahlnetz überlebt hat. Eine einheitliche Fortführung des Charakters gibt es da eigentlich erst ab den Krallen. Stattdessen würde ich das Ganze nun etwas metaphorischer betrachten: So wie Mabuse das namentliche Sinnbild des Bösen ist, ist Preiss sein Gesicht, welches immer gleich ist und daher auch immer von seinen Kontrahenten erkannt wird.

Zum Schluss ist noch etwas schade, dass nun auch der Humor Einzug in die Reihe hält und man somit eines seiner Alleinstellungsmerkmale aufgibt. Allerdings - und das muss man dem Film zugute halten - wirkt er hier weder aufgesetzt noch störend, da er hauptsächlich aus launigen Kommentaren besteht.

patrick Offline




Beiträge: 2.827

30.08.2017 08:29
#21 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Mein absuluter Lieblings-Mabusefilm. Hier stimmt einfach alles. Darsteller, Atmoshpäre und eine sehr phantasievolle Handlung mit gut gemachten SciFi-Elementen machen diesen Streifen zu einem Meisterwerk zum immer wieder gern sehen. Einer von den Top-Epigonen.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.865

30.08.2017 09:23
#22 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" Zitat · antworten

Was ich noch anfügen wollte und was dem Krallen ebenfalls fehlt: Die Präsenz Mabuses. Was in den Augen durch das überwachte Hotel und das "zweite Gesicht" des Hellsehers hintergründig bedrohlich wirkte und im Stahlnetz durch die Helfer illustriert wurde, die wirklich überall waren (Küster als Sprachrohr, der Versehrte, Besslers Rolle, auch der Tod lauerte überall - siehe Prof. Griesinger), rückt in den Krallen etwas in den Hintergrund, da der eigentliche Unsichtbare, also das mystisch-bedrohliche Element, sich letztendlich eben nicht als Mabuse entpuppt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.943

14.09.2017 06:25
#23 RE: Bewertet: "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" (1962, Mabuse 3) Zitat · antworten

„Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 15 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 4,04 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 16 von 17 (15x „gut bekannt“, 1x „länger her“)
Top-10-Tipps: 3 von 8 (höchster Tipp: 3x Platz 10)
Auswahlrunde: vorqualifiziert (Dr.-Mabuse-Film)


mit 4,26 Pkt. Platz 14 in der Kategorie Schauspieler (+ 1)
mit 4,13 Pkt. Platz 14 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (+ 1)
mit 3,50 Pkt. Platz 25 in der Kategorie Drehbuch / Logik (– 10)
mit 4,19 Pkt. Platz 10 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (+ 5)
mit 4,00 Pkt. Platz 12 in der Kategorie Musik (+ 3)
mit 4,21 Pkt. Platz 15 in der Kategorie Epigonenfaktor (~ 0)
mit 4,00 Pkt. Platz 17 in der Kategorie freie Wertung (– 2)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#192) (13)

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