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Dieses Thema hat 40 Antworten
und wurde 4.575 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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fritz k Offline



Beiträge: 243

27.01.2006 15:29
Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

"Sieben Tage Frist" ist weniger stilverwandt als ähnlich in Stab und Besetzung. Regie: Vohrer, Kamera: Kalinke, mit Joachim Fuchsberger, Konrad Georg, Horst Tappert, Otto Stern. Erstklassige Kamera, tolle Bilder, hervorragende Farben (sehr viele Zooms, ist natürlich Geschmackssache). Erstklassige Musik von Hans-Martin Majewski. Tolle schauspielerische Leistungen, sehr gut sind vor allem Konrad Georg, Paul Albert Krumm und Horst Tappert. Sein Inspektor ist viel ausgereifter als bei Wallace. Verhältnismäßig blass bleibt angesichts vieler hervorragender Darsteller Joachim Fuchsberger, was auch an seiner Rolle liegt. Beeindruckende Story, sehr spannend, verwirrend und misteriös mit dramatischer Auflösung. Dieser Stil hätte ein deutsches Pendant zu den italienischen Giallos in Sachen Krimi werden können. Schade, daß die "seriöse" Kritik so hart ablehnend war.

Joachim Kramp schrieb einmal: "Der beste deutsche Krimi" nach dem Krieg, abgesehen von Wallace. Dem schließe ich mich voll und ganz an. 5 von 5 Pkt.

florian Offline




Beiträge: 348

27.01.2006 19:02
#2 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen - volle, satte 5 Punkte. Dieser Film rangiert bei mir unter den besten 3 Filmen der 60er Jahre. Einfach Klasse!

PS: Dieser Thread hat mich inspiriert; die Wochenarbeit liegt hinter mir, das Weekend werde ich nun mit diesem Film einläuten ...

bye bye
Florian

Der Hexer Offline



Beiträge: 373

24.07.2006 20:38
#3 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Großartiger Krimi von Alfred Vohrer. Tolle Story, spannende Inszenierung und gute Besetzung. Ein Meisterwerk! 5/5

Adrian Stoll ( Gast )
Beiträge:

24.07.2006 21:28
#4 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Dem stimme ich zu. Ein spannender Krimi mit überzeugenden Darstellern, toller Musik und einer interessanten Handlung. 5/5 Punkten.

Joe Walker Offline




Beiträge: 743

01.09.2006 19:06
#5 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Sieben Tage Frist

Nachdem Alfred Vohrer als Regisseur 18 Edgar-Wallace-Filme betreut hatte und 1968 sein Vetrag bei der Rialto-Film auslief, ging er mitsamt seiner Assistentin Eva Ebner zu Luggi Waldleitners Roxy-Film - und weil Vohrer augenscheinlich Kriminalfilme am Besten lagen, war Luggis erster Auftrag die Verfilmung des Paul-Henricks-Romans "Sieben Tage Frist für Schramm", damals gerade hoch im Kurs. Zum Jahreswechsel 68/69 versammelte man sich im hohen Norden - St. Peter-Ording, Schloss Plön - um mit einer hochkarätigen Besetzung einen der besten Kriminalfilme des Jahres zu verfertigen.

Hendriks bezieht sich in seinem Buch auf wahre Ereignisse. Dass Vohrer den Stoff visuell noch reichlich aufpeppte und den Zeitvorstellungen anpasste, braucht man wohl nicht weiter zu erwähnen. Die Story um mehrere unaufgeklärte Todesfälle an einem norddeutschen Privatinternat ruft nicht nur die Lehrer- und Schülerschaft, sondern auch die Polizei auf den Plan. Nach verschiedenen Ver- und Entwicklungen offenbart sich schließlich eine Auflösung, die man in dieser Form wohl überhaupt nicht erwartet hätte.

Die Hauptrolle des Studienrates Henricks ging an Joachim Fuchsberger, der eine gewohnt gute Leistung abliefert. Der 2. Main Part des von allen hochgeschätzten Lehrers Fromm wurde indes übernommen von Konrad Georg, der neben Paul Albert Krumm die schauspielerischen Glanzpunkte setzt. Krumm spielt mit seiner zerbrechlichen Stimme Mitleid erregende Szenen. Den ermittelnden Kriminaler legt Horst Tappert als zigarrespuckenden Sarkasten an, während die erst kürzlich verstorbene "Berliner My Fair Lady" Karin Hübner als vom Leben enttäuschte Hausmeistersgattin eine beeindruckende Charakterstudie vorlegt. Petra Schürmann hat mit "Blacky" als dessen Love Interest einige hübsche Auftrittte, während Robert Meyn und Otto Stern in ihren Rollen ebenfalls aufgehen. Unter den Schülern stechen Frithjof Vierock (als pseudo-moralistischer Faxenmacher), Arthur Richelmann (als nachdenklicher Kurrat) und Gunther Beth (als hintertriebener Aufschneider) hervor.

Auch der Cast hinter der Kamera weiß zu gefallen: Fürs rechte Bild sorgt Harald Reinls Stammkameramann Ernst W. Kalinke, dessen an der schneebedeckten Küste einfangene Aufnahmen den Film zu einem echten "Wintermovie" machen - und sein Herumgeschwenke (in Zusammenspiel mit Lichttechnik und Musik) während der Striptease-Szene von Hilde Brand sucht wahrhaft seinesgleichen. Das Drehbuch schrieb der spätere "Simmelautor" Manfred Purzer unter seinem Pseudonym Ernst Flügel, welches er noch einige andere Male bemühte. Die wundervolle musikalische Untermalung stammte von Hans-Martin Majewski, damals eine der lebenden Legenden der deutschen Filmmusik. Majewski versah den Streifen mit teilweise atonalen Bläserfetzen, mengte knackige Gitarrenriffs, sonore Klavier- und Cembaloakzente sowie feuriges Schlagzeug dazu und gab somit Atmosphäre en gros. Ein schönes Stück aus dem Score findet sich übrigens auf der genialen "Deutsche Filmkomponisten Vol. 10 - Hans-Martin Majewski" aus dem Hause Bear Family.

"Deutschlands Krimispürnasen auf einen Blick" - so schrieb einst eine Fernsehzeitung zu diesem Film. Doch es wäre eine Verkennung von Qualitäten, würde man diesen Film rein als Krimi sehen. Vohrer gibt der stringent ablaufenden Handlung zusätzlichen Pfiff durch einige Halbseidigkeiten und viel sozialem Flor - und die Auflösung sogar mit einer "Vergesst nie das Vergangene"-Attitüde zu versehen, hat großen Stil (Noch dazu weil einem dieses Ende wirklich nahegeht).

Zusammengefasst - Ein prächtig agierendes Ensemble mit einem grandiosen Zusammenspiel von Fuchsberger und Georg, eine fesselnde Story, die meisterhaft triste Stimmung und der geniale Soundtrack von Majewski ergaben eine gekonnte Zeitstudie und einen der ruhigsten, gleichzeitig aber auch besten Kriminalfilme des ausklingenden Jahrzehnts. Es besteht Ansichtspflicht.

Bewertung: 5/5 Punkten

Ja, ja da haben Sie recht - Wo Sie recht haben, haben Sie recht (Harry Palmer in "Finale in Berlin" - Paramount)

fritz k Offline



Beiträge: 243

03.09.2006 00:02
#6 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Das sehe alles ganz identisch so.

rainbow Offline




Beiträge: 1.597

04.09.2006 21:18
#7 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Da kann man nicht mehr viel hinzufügen.

"Sieben Tage Frist" ist ein Film mit einer außergewöhnlichen Story, die Spannung wird wirklich gut aufgebaut und auch die Schauspieler wirken sehr überzeugend. Die Musik und die (teilweise) hektischen Schnitte unterstreichen die Stimmung des Films. Horst Tappert gefällt mir hier bedeutend besser als zum Beispiel beim Gorilla, hier kann er sich in seiner Rolle wesentlich besser entfalten. Besonders gut ist auch das Zusammenspiel von Fuchsberger und Konrad Georg, das noch einmal besonders hervorgehoben werden sollte. Und für die Detail-Fanatiker ist es natürlich auch noch schön zu sehen, dass zum Schluss Hendriks noch einmal zurückkommt, um den Hund zu holen.

Keine Frage, klare 5/5.

Reinhard Offline



Beiträge: 1.373

03.10.2006 12:19
#8 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Ich habe auch nichts mehr anzufügen. Ein ganz, ganz großer, bewegender wie spannender Film. Meiner Meinung nach neben "Die toten Augen von London" Vohrers bester Kriminalfilm (wenn dies hier auch eher ein Kriminaldrama ist). Ich bin begeistert!

ewok2003 Offline




Beiträge: 1.290

03.10.2006 17:43
#9 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Mir hat der Film ehrlich gesagt nicht so gut gefallen, als ich ihn mir vor Monaten mal angeschaut habe. Allerdings hatte ich mir im Vorfeld auch eher einen typischeren Kriminalfilm "à la Wallace" vorgestellt. Vielleicht schaue ich ihn mir demnächst noch mal an und hinterlasse eine neue Kritik.

Gruß, Ewok

Havi17 Offline




Beiträge: 3.082

04.10.2006 06:41
#10 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Vor dem Hintergrund Kriminalfilm volle 5 Punkte.

Nachdem ich die ersten Wallace-Filme im TV sah und mir Regisseur Alfred Vohrer gut in Erinnerung blieb, bestätigte dieser Film sein Multitalent. Kein Problem mit dem Wechsel von den 60ern zu den 70ern von Wallace hin zum Kriminalreißer. Wieder Spannung vom Anfang bis zum Schluß.

Gruss
Havi17

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.579

07.01.2007 14:13
#11 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Ich habe mir den Film nicht an einem Stück, sondern in zwei Teilen angesehen und mir gefällt die zweite Hälfte wesentlich besser. Der Film braucht einige Zeit, bis man sich für ihn erwärmen kann. Im Gegensatz zu anderen Produktionen gibt es hier keine Figur, mit der man sich identifizieren kann, am ehesten noch mit Hendriks, aber nur, da er von Joachim Fuchsberger gespielt wird, der ein sympathischer Mann ist, den man immer für rechtschaffen und ehrlich hält.

Die Einführung mit dem nächtlichen Ausflug der flegelhaften Studenten, die in einem Privatinternat fehl am Platz wirken (elitär ist an dieser Schule nichts), lenkt die Fährte auf eine falsche Spur und deshalb ist man umso überraschter, als man die Klärung des Falles am Ende sieht. Mir persönlich gefallen die Schulszenen beim "Kommissar" besser, aber wahrscheinlich auch, da die Schüler bei "Sieben Tage Frist" alle unsympathisch sind und es schwer fällt, dem Geschehen länger zu folgen, wenn alle Charaktere mies, schwach und abstoßend sind.

Der Lehrerstab wird von Charakterdarstellern gespielt, die ihre Sache überzeugend machen, vor allem der weinerliche Krumm (genauso beeindruckend wie als Panowsky in "Die Tote im Dornbusch"), der listige Georg und der sarkastische Tappert, der hier geradezu brutal wirkt.

Die Mordszenen sind sehr originell, besonders die Duschsequenz, und sorgen für Spannung.

Reinhard Offline



Beiträge: 1.373

08.01.2007 18:23
#12 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #11
Mir persönlich gefallen die Schulszenen beim "Kommissar" besser, aber wahrscheinlich auch, da die Schüler bei "Sieben Tage Frist" alle unsympathisch sind und es schwer fällt, dem Geschehen länger zu folgen, wenn alle Charaktere mies, schwach und abstoßend sind.

Meiner Meinung nach hat "Sieben Tage Frist" etwas von einem Film noir, wo dieses "Antihelden"-Schema ja zum guten Ton gehört; ich fand den Film sehr bewegend, da er um einiges realistischer und menschlich nachvollziehbarer ist als die Wallace-Filme und schon fast ein wenig ins "Autorenfilm"-Sujet hineinschwappt, weil er keine klassischen Sympthieträger entwirft. Ich finde das nämlich grandios. Hier einmal ein Zitat von mir aus einem meiner Reviews:

"... die klassische Identifikationsfigur muss Gemeinsamkeiten mit dem Publikum aufweisen, muss Probleme und alltägliche Momente erfahren, die sie mit der Audienz teilt. Deswegen entwerfen Filme, die für sich ein Höchstmaß an Realismus beanspruchen (also meist unkommerzielle Werke, ein solches ist "Sieben Tage Frist" natürlich nicht), auch beinahe nie massenkompatible Sympathieträger. Sie sind nicht realistisch, sind zu allgemeingültig und nicht individuell genug um glaubwürdig zu sein."

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.579

10.01.2007 20:44
#13 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Das hast Du sehr treffend formuliert! Man sucht sich auch jeweils eine Person im Film aus, der man Sympathie schenkt oder mit der man sich identifizieren kann. Fällt dieser Aspekt weg, so taumelt man orientierungslos durch das Geschehen. Film Noir ... das passt! Habe mir den Film nämlich in s/w angesehen (ein altes Laster von mir).

Reinhard Offline



Beiträge: 1.373

11.01.2007 21:58
#14 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Ts, ts! Das tut man doch nicht!

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

02.01.2008 15:57
#15 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · antworten

Ein guter Krimi mit leiser Melanchonie. Die Grundgeschichte des Films ist gut durchdacht und mal was anderes. Die Täterauflösung überzeugt und der Schluss endet mit einer gewissen Tragik.

Konrad Georg zeigt hier besonders, was er auf dem Kasten hat. Daran, dass der Film gelingt, trägt er großen Anteil. Ein großartiger Darsteller. Joachim Fuchsberger spielt sehr ruhig und abgeklärt. In anderen Rollen überzeugen auch besonders Otto Stern, Paul Albert Krumm und Karin Hübner. Petra Schürmann hat leider zu kurze Auftritte. Vohrer ist hier ein sehr guter und anspruchsvoller Krimi gelungen,der sehr triste,kühl und traurig wirkt. Horst Tappert heitert für mich das Ganze etwas auf.

Kamera von Kalinke mal wieder sehr gut. Die Musik ebenfalls. Diesen Film muss' man gesehen haben.

Frage: Ich suche das Musikstück, wo Kurrat die Platte auflegt und die Stripperin sich vor den Schülern entblößt. An wen könnte ich mich da wenden?

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