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Dieses Thema hat 40 Antworten
und wurde 4.648 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
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patrick Offline




Beiträge: 3.121

26.12.2014 15:01
#31 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Hab den Film auch seit ein paar Monaten ungesichtet im Regal. Bin gespannt, wie er mir gefallen wird.

greaves Offline




Beiträge: 522

26.12.2014 15:04
#32 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Ich habe lange auf den Film gewartet. Habe ihn gestern von meiner Frau zu Weihnachten geschenkt bekommen.

patrick Offline




Beiträge: 3.121

12.09.2015 10:14
#33 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Habe jüngst zum ersten Mal "Sieben Tage Frist" gesehen. Finde zwar nicht, dass er ein "Wallace-Epigone" ist, bin aber überrascht über den doch recht hohen Unterhaltungswert, den der Streifen besitzt. Die Handlung ist ausgesprochen undurchsichtig und die Auflösung wirklich sehr überraschend. Dem Film gelingt es, den Zuseher zwar sehr zu verwirren, daraus aber auch sehr viel Spannung zu kreieren. Die schauspielerische Leistung ist durch die Bank hervorragend. Besonders Konrad Georg und Horst Tappert holen hier mehr aus sich heraus als bei ihren Wallace-Auftritten. Bei Letzterem stört mich allerdings das übertriebene Herumkauen und Herumspucken an / mit seiner Zigarre, was überzogen cool und lächerlich wirkt. Im Großen und Ganzen aber bietet der Film sehenswerte Unterhaltung.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.101

01.11.2015 13:20
#34 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Mehrere Jahre nach der Erstsichtung hier ein Update, denn der Film hat mir diesmal noch besser gefallen:



Sieben Tage Frist

Kriminalfilm, BRD 1969. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Ernst Flügel (d.i. Manfred Purzer) (Buchvorlage „Sieben Tage Frist für Schramm“: Paul Henricks). Mit: Joachim Fuchsberger (Hendriks), Konrad Georg (Fromm), Horst Tappert (Klevenow), Paul Albert Krumm (Stallmann), Bruno Dallansky (Herr Muhl), Karin Hübner (Frau Muhl), Robert Meyn (Direktor), Petra Schürmann (Fräulein Gabert), Otto Stern (Kurrat senior), Arthur Richelmann (Kurrat junior) u.a. Uraufführung: 3. April 1969. Eine Produktion der Roxy-Film für die Inter-Verleih Film-Gesellschaft.

Zitat von Sieben Tage Frist
Kurz nachdem Lehrer Fromm seinen Schüler Kurrat wegen eines Streichs geschlagen hat, verschwindet dieser spurlos aus der Internatsschule. Auch von seinem Vater fehlt auf einmal jede Spur. Als in der Nähe der Schule eine Wasserleiche mit Schussverletzung gefunden wird, denken alle, es müsse sich bei dem Toten um einen der Kurrats handeln. Doch es ist ein anderer Lehrer. Kollege Hendriks übernimmt gemeinsam mit dem Polizeibeamten Klevenow die Ermittlungen, die Erstaunliches aufdecken ...


Ein Mann mit einem Streichholz tastet sich durch einen dunklen, modrigen Keller. Ihm folgt schleichend ein zweiter Mann, den man nicht erkennt, weil er eine Taschenlampe trägt. – Was sogleich echte Krimistimmung aufkommen lässt und gut und gern schon zum ersten Mord hätte führen können, entpuppt sich als bloßer Schülerstreich, denn die Jungs der Internatsschule machen sich offenbar regelmäßig einen Spaß daraus, Kurzschlüsse zu provozieren oder Sicherungen herauszudrehen. Mit seinem markanten Setting, auf das diese ersten Szenen schon so deutlich hinweisen, eröffnet sich für die Luggi-Waldleitner-Produktion die Möglichkeit, mehrere im Jahr 1969 erfolgreiche Genres zugleich zu bedienen:

  • „Sieben Tage Frist“ ist ein Schulfilm. Allerdings packt er ein ähnliches Thema – die Flausen der Jugendlichen und ihre Absicht, die Lehrer damit zu provozieren – in einer Art und Weise an, die absolut konträr zu Franz Seitz’ „Lümmel von der ersten Bank“-Serie gelagert ist. Nicht nur die räumliche Distanz (ab 1969 drehte Seitz vor Ort in München, „Frist“ entstand im Auftrag der ebenfalls Münchner Roxy-Film im schleswig-holsteinischen Schlossinternat Plön); auch die Auswirkungen der Schülerstreiche sind völlig andere. Wo bei Seitz Lacher produziert werden, zeigt Waldleitner Bösartigkeit, Unkontrollierbarkeit und sinnlose Zerstörungswut auf.
  • „Sieben Tage Frist“ ist ein Sex- und Kolportagefilm. Mit der anfänglichen Strip-Szene, in der sich die „jungen Herren“ nachts davonschleichen, um in zweifelhaften Lokalen ihre adoleszente Männlichkeit unter Beweis zu stellen, stößt sich Vohrer zwar die Hörner ab und kehrt für den Rest des Films zu einem hochinteressanten Beziehungswirrwarr zurück (siehe unten), gleichsam definieren sich diese Beziehungen aber alle eher über körperliche als über seelische Nähe. Seine in Trailer und investigativer Machart suggerierte Seriosität steht zudem der Tendenz gegenüber, regelmäßig mit Schocks und Schauwerten aufzuwarten (Folter eines Schwächlings durch Mitschüler, Homosexualität, Tierquälerei).
  • „Sieben Tage Frist“ ist ein zeitkritischer Film. Er wendet sich sowohl gegen die eigene Vergangenheit (Auflösung) als auch gegen die Zukunft (die Schüler werden als „Elite des Landes“ bezeichnet, ihr Verhalten könnte jedoch nicht weiter von jedweden Gütekriterien oder Benimmcodices entfernt sein).


Neben allem anderen ist „Sieben Tage Frist“ auch noch ein Krimi. Und in dieser Funktion überzeugt er von Anfang bis Ende. Zugegeben recht entschleunigt, aber mit einem stetigen Gefühl von Unbehagen und Gefahr entwickelt sich zunächst das Verschwinden dreier Menschen und dann ihr sukzessives Auffinden als Leichen. In jedem Moment der Handlung schwirren Theorien und Vermutungen durch den Raum, die immer wieder umgeworfen werden. Diese Vielseitigkeit der Möglichkeiten, die Geschichte weiterzuspinnen, verdeutlicht, mit welcher hervorragend ineinandergreifenden und gut gezeichneten Figurenriege der Film ausgestattet ist. Beziehungen, Sym- und Antipathien werden auf dem Silbertablett präsentiert, aber erscheinen gerade deshalb flüchtig und unsicher – perfekt für Verdächtige, die mit gespaltener Zunge reden und in deren Aussagen man das hineininterpretieren kann, was man sich selbst zurechtkonstruiert hat.

Obwohl der Film eher zur harten Schule zählt, zeigt Vohrer mit einiger Empathie drei verschiedene Entwicklungsstadien bzw. Arten fester Bindungen. Einerseits präsentiert er Fuchsberger und Schürmann als junges Liebespaar. Er stellt damit sicher, dass der Film über zwei integre Hauptdarsteller verfügt, die dem Publikum als Messlatte für eine funktionierende und „ordnungsgemäße“ Beziehung dienen, auch wenn diese der Umstände halber dennoch erstmal unter Verschluss gehalten werden muss. Einige Jahr(-zehnt-)e weiter sind die Muhls, die sich durch Routine und verlorenes Interesse am Gegenüber auseinandergelebt haben, im Mief der Hausmeisterwohnung förmlich zu ersticken drohen und Zuneigung und Sex gegen Kleinbürgerlichkeit und die Unattraktivität der sozial Schwachen eingetauscht haben. Drittens legt „Sieben Tage Frist“ (sicher nicht zuletzt aufgrund seines Regisseurs) recht offenkundig den Finger auf eine totale Tabubeziehung, die sich zwischen Kurrat junior und Stallmann entwickelt hat. Es handelt sich um eine Beziehung, die gleich doppelt „nicht sein darf“, weil sie einmal zwischen einem Lehrer und einem Schüler besteht und außerdem zwischen zwei Männern. Interessanterweise wird sie im Film in gar kein schockierendes Licht gerückt, weder als Machtmissbrauch noch als Sodomie gebrandmarkt. Das Kollegium wendet sich zwar peinlich betroffen ab, als die Angelegenheit zur Sprache kommt, wirklich pikiert scheint aber niemand darüber zu sein. Überdies verdeutlicht die Szene im Schulhof, in der der schwächliche Stallmann besser als jeder andere, noch so autoritäre Lehrer den Kurrat dazu bringt, sich bei Muhl zu entschuldigen, dass sich Stallmann und Kurrat tatsächlich nicht auf einer Basis des Zwangs, sondern der Partnerschaftlichkeit miteinander eingelassen haben. Wichtigstes Kriterium des Films jedoch, dass er alle bildlichen Darstellungen auch nur geringster Zuneigung bei dieser Verbindung konsequent vermeidet.

Zu den Schauspielern bleibt nicht viel mehr zu sagen, als dass alle ohne Einschränkungen souverän und überzeugend auftreten. Fuchsberger spielt mit den Erwartungen, die an seine Krimirollen geknüpft werden, indem er als „Privatermittler“ dem scharfen und zynischen Polizeibeamten Horst Tapperts gegenübergestellt wird – eine traumhafte Paarung, die auch einige „Good cop, bad cop“-Szenen hergegeben hätte. Konrad Georg hält seine Rolle geschickt bis zum entscheidenden Stichwort im Bereich eines Nebendarstellers, um dann noch einmal aufzutrumpfen. Krumm, Dallansky, Meyn und Stern spielen jeder auf ihre Art bravourös. Das größte Plus aber sind die Schülerdarsteller, die – kalt und abgeklärt – jede Szene überzeugend meistern, was bei Nachwuchstalenten ja nicht unbedingt der Fall sein muss. Vierock ist wie immer Geschmackssache, aber um der Suppe (noch etwas mehr) Pfeffer zu geben, passt letztlich auch er in das pikante Gemisch hinein.

Düster und pessimistisch erschafft Vohrer wenige Monate nach dem „Mann mit dem Glasauge“ eine zur kitschbunten Wallace-Welt völlig konträre Art der Spannungsmache. Gezielter Plakativität wird mit Andeutungen von Tiefgang aufgewertet; das Ensemble ist ein Hauptgewinn. Schlussendlich muss auch betont werden, welch eine optische Kraft der Film aus seinen rauhen Schauplätzen und Farbkombinationen gewinnt. In der Tat ein Meisterwerk des deutschen Nachkriegskrimis. Ob’s deshalb gleich der beste ist? 5 von 5 Punkten ist er jedenfalls wert.

PS: Ich war von der Qualität der Filmjuwelen-DVD sehr angetan. Eine der besten Arbeiten aus diesem Hause. Gute Bildqualität, Original-Kinotrailer, „richtiges“ Bonusmaterial, fit für Auslandsverkäufe durch zusätzlichen englischen Ton. Klasse, so wünscht man sich das.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.250

05.11.2015 22:12
#35 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Wie ich vermutet hatte, ist Gubanovs Ausführungen nichts mehr hinzuzufügen. Ich habe den Kauf des Films nicht bereut!

Sieben Tage Frist bedient in der Tat mehrere Ebenen (oder auch Genres) und weiß sie durchweg auch alle zu meistern. Ein gelungener Mix unterschiedlicher Sujets, getragen unter anderem auch durch die fabelhaften Darsteller. Wie im Glasauge vermag Karin Hübner auch hier zu brillieren, so dass ich fast schon zu einem Fan von ihr werde. Was mich zuerst irritiert, letztendlich aber doch überzeugt hat, ist die Tatsache, dass sich der Film fast konstant, auf jeden Fall aber konsequent mit szenischen Andeutungen begnügt. Das lässt dem Zuschauer Raum, selbst weiterzudenken.

Schade, dass in diese Richtung nicht auch die späten Wallace-Filme gegangen sind. Letztendlich ist es kaum vorstellbar dass z. B. der Gorilla von demselben Regisseur stammt. Allerdings zeigt das aber auch sehr schön Vohrers Bandbreite.

Fazit: Einer der besten Stilverwandten.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

28.12.2015 18:47
#36 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Sieben Tage Frist (BRD 1969)

Regie: Alfred Vohrer

Darsteller: Joachim Fuchsberger, Horst Tappert, Konrad Georg, Karin Hübner, Petra Schürmann u.a.



Wir schreiben das Jahr 1969. Der allgemeine gesellschaftliche und kulturelle Umbruch macht auch vor der deutschen Kinolandschaft nicht Halt. Die Action-Reihe "Jerry Cotton" wird nach acht Filmen eingestellt, die seit zehn Jahren äußerst erfolgreichen Edgar Wallace-Filme der Rialto/Constantin erleben mit "Das Gesicht im Dunkeln" eine erste Bauchlandung. Von den Wallace-Filmen hatte sich kurz zuvor u.a. auch Alfred Vohrer, in quantitativer Hinsicht deren prägendste Figur hinter der Kamera, losgesagt, um zu Luggi Waldleitners Roxy Film zu wechseln. "Sieben Tage Frist" bildete die erste Zusammenarbeit.

Soweit es Vohrers Intention war, mit dem vorliegenden Film eine neue Welle anzustoßen, so ist dies nicht gelungen.

"Sieben Tage Frist", eine Adaption eines Romans von Paul Henricks, ist zunächst einmal dramaturgisch missglückt. Zwar nicht sieben Tage, aber doch immerhin vierzig Minuten Frist gibt sich der Film, bis er in die Gänge kommt. Bis dahin verschleiert Vohrer - ob beabsichtigt oder nicht - geschickt, dass es sich um einen Kriminalfilm handelt. Insoweit hätte sich aus erzählerischen Gesichtspunkten geradezu aufdrängen müsssen, die dramatischen Geschehnisse nach vorne zu ziehen und (relevante) Vorgeschehnisse in Rückblenden zu schildern. So hätte Vohrer sich und den Zuschauern Einiges erspart. Denn in den ersten Minuten "gelingen" ihm ähnlich wie im "Buckligen" oder dem "Gorilla" Szenen, welche jedem Cineasten die Tränen in die Augen schießen lassen: ob die quälend lange Striptease-Szene, in der er mit schwankender Kamera die lüsternen Blicke der - mit Verlaub - notgeilen Jungspunde einfängt oder die Szene, in der eben jene Sprösslinge vor Karin Hübner blank ziehen. Nichts ist Vohrer zu peinlich, kein Klischee wird ausgespart. Auch die "lustigen Streiche" der "Lümmel" hält der grundsätzlich hochtalentierte Regisseur nicht zurück. Kurz gesagt: man braucht schon einen sehr langen Atem, um diese ersten Minuten zu ertragen.

Dass es dann doch noch drei Leichen inklusive spektakulärer, lange Erklärungen bedürftiger Auflösung gibt, zeigt, dass der Film in der zweiten Hälfte überladen ist und insgesamt völlig unausgewogen wirkt.

Vohrer hat freilich nicht alles verlernt, seine Inszenierung ist noch immer ambitioniert, nur verfehlen seine typischen Zooms und sonstigen Spielereien bei einem "bodenständigen" Kriminalfilm zumeist ihre Wirkung.

Was die Figuren und ihre Darsteller betrifft, kann auch nur Konrad Georg im Gesamtpaket überzeugen. Dass er für diese Rolle auserkoren wurde und darin restlos überzeugt, unterstreicht, dass seine Darstellung des Lehrers in "Der Mönch mit der Peitsche" überwiegend gut angekommen sein muss und er keineswegs eine der größten Fehlbesetzungen war, wie in der Wallace-Literatur vereinzelt behauptet wurde. Joachim Fuchsberger soll Ruhepol und ausgleichendes Gewicht zu den vielen unsympathischen Figuren darstellen, doch für diese Funktion ist er gerade zu Anfang schlichtweg nicht präsent genug. Horst Tappert tritt erst gegen Mitte des Films in das Geschehen ein. Er mimt den "harten Cop". Dies soll durch die Zigarrenstummel, die er abwechselnd im Mundwinkel hat oder frustriert ausspuckt, illustriert werden, verliert sich aber eher in unfreiwilliger Komik. Seine Darstellung wirkt völlig aufgesetzt. Karin Hübner gelingt eine gewohnt differenzierte Darbietung, diese kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Ehe zu Hausmeister Muhl unglaubwürdig erscheint. Warum eine derart attraktive Frau sich zu so einem Leben hinreißen lässt, erschließt sich nicht einmal ansatzweise und bleibt auch im Laufe des Films völlig dunkel. Petra Schürmann schließlich verkommt zum schmückenden Beiwerk und darf im gesamten Film kaum mehr als fünf Sätze von sich geben. Eine vertane Chance, denn ihre Darstellung einer jungen, dynamischen Lehrkraft hätte einen interessanten Kontrast und ein freies Feld für Konflikte mit älteren Lehrkräften geboten.

Zur Ehrenrettung muss man dem Film zumindest im Hinblick auf die Auflösung für die damalige Zeit Mut bescheinigen. Diese hat zudem den netten Nebeneffekt, dass der frustrierte Zuschauer für all das vorher Erduldete ein wenig entschädigt wird. Das ist gleichwohl viel zu wenig, für einen Film, dessen psychedelischer Vorspann ein stimulierendes Filmerlebnis verspricht. Die psychologischen Aspekte, die der Stoff hergeben würde, bleiben völlig oberflächlich. Die Kriminalfilmhandlung wird in einer durchschnittlichen "Schul-Episode" beim "Kommissar" packender erzählt. Insgesamt ein leider missglücktes Experiment.


"Sieben Tage Frist" krankt an einer verunglückten Dramaturgie und einem zu breit angelegten Ensemble, in dem viele Figuren formelhaft und überflüssig bleiben. Die ersten vierzig Minuten sind äußerst zäh und strotzen nur so vor Peinlichkeiten. Danach wird es besser, die Auflösung ist beachtlich, gleichwohl ist der Film unausgegoren und verschenkt die Talente vor und hinter der Kamera sträflich. 2,5 von 5 Punkten.

Giacco Offline



Beiträge: 1.825

28.12.2015 19:21
#37 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Da bin ich aber froh, dass Gubanov den Film verdienterweise als Meisterwerk anerkennt. Dieser Meinung schließe ich mich voll und ganz an. Aber wie man sieht, sind die Geschmäcker verschieden. Jeder hat halt seine eigene Sichtweise.

Havi17 Online




Beiträge: 3.156

28.12.2015 21:49
#38 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #34
Mehrere Jahre nach der Erstsichtung hier ein Update, denn der Film hat mir diesmal noch besser gefallen:

Düster und pessimistisch erschafft Vohrer wenige Monate nach dem „Mann mit dem Glasauge“ eine zur kitschbunten Wallace-Welt völlig konträre Art der Spannungsmache. Gezielter Plakativität wird mit Andeutungen von Tiefgang aufgewertet; das Ensemble ist ein Hauptgewinn. Schlussendlich muss auch betont werden, welch eine optische Kraft der Film aus seinen rauhen Schauplätzen und Farbkombinationen gewinnt. In der Tat ein Meisterwerk des deutschen Nachkriegskrimis. Ob’s deshalb gleich der beste ist? 5 von 5 Punkten ist er jedenfalls wert.

PS: Ich war von der Qualität der Filmjuwelen-DVD sehr angetan. Eine der besten Arbeiten aus diesem Hause. Gute Bildqualität, Original-Kinotrailer, „richtiges“ Bonusmaterial, fit für Auslandsverkäufe durch zusätzlichen englischen Ton. Klasse, so wünscht man sich das.

Das freut mich, daß Du den Wert dieses Films angemessen entdeckt hast

Gruss
Havi17

Jan Offline




Beiträge: 1.428

29.12.2015 11:08
#39 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #36
Soweit es Vohrers Intention war, mit dem vorliegenden Film eine neue Welle anzustoßen, so ist dies nicht gelungen.

Soweit mir bekannt, war es nicht die Intention, hier eine Welle oder eine Serie anzuschieben. Vielmehr war man auf der Suche nach einem zeitgemäßen Stoff bzw. einem Stoff, der sich zeitgemäß verfilmen ließ. Die von Dir bemängelten Zutaten (Strip, Schülerszenen) sind nicht ohne Hintergedanken eingeflochten. In der Romanvorlage gibt es diesen modernen Touch nicht. Allerdings war Alfred Vohrer der Auffassung, dass eine zu drastische (oder auch zu ambitionierte) Darbietung der Handlung um den Altnazi das Publikum verschrecken würde. Das wollten die Leute nicht sehen, war seine Auffassung, die sicher nicht ganz falsch war. 1968/1969 waren die Zuschauer noch in einer Verdrängungshaltung. Die ausgeprägte Darstellung eines untergetauchten Altnazis, der einer von ihnen selbst hätte sein können, hätte vermutlich zu einem Flop an der Kinokasse geführt. Diese Haltung kann man den Machern (neben Vohrer natürlich vor allem Luggi Waldleitner und Autor Manfred Purzer) natürlich aus heutiger Sicht vorwerfen. Versetzt man sich allerdings einmal in die Lage anno 1968, so muss m.E. zugute gehalten werden, dass es sich bei "Sieben Tage Frist" um einen Film aus der damals noch existenten Filmindustrie handelt, der mit Verleihwechseln vorfinanziert wurde und der auf ein ordentliches Ergebnis an der Kinokasse angewiesen war. Das ist kein Abschreibungsfilm aus den 1970er Jahren, dessen Einspielergebnis zweitrangig gewesen wäre und mit dem man Experimente hätte starten können.

Letztlich ist "Sieben Tage Frist" m.E. ein recht typischer Alfred-Vohrer-Film. Er ist streckenweise recht derbe, bewahrt aber stets die Contenance. Gerade die Stripteaseszene ist für meinen Geschmack durchaus so gehalten, dass sich die Darsteller auch danach noch erhobenen Hauptes vom Set weg bewegen konnten, ohne hier lebenslang gebrandmarkt zu sein. Das war in Filmen anderer Regisseure jener Jahre nicht immer der Fall. Außerdem ist "Sieben Tage Frist" natürlich auch eine Art Wegbereiter für "Perrak".

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.306

29.12.2015 12:27
#40 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zunächst einmal vielen Dank für deine ausführliche Auseinandersetzung mit meiner Rezension, Jan.

Die Unterschiede zur Romanvorlage waren mir nicht bekannt, müssen einen auf der anderen Seite ob der Schnelllebigkeit der damaligen Zeit nicht wundern.

Natürlich ist jeder Film auch ein "Kind seiner Zeit" und so sind sowohl der vorsichtige Umgang mit der Aufarbeitung der Nazi-Zeit als auch die Striptease/Schüler-Szenen nachvollziehbar. Zur Zeit seiner Entstehung kam kaum ein deutscher Film ohne eine Szene aus, in der jemand unmotiviert ohne Kleider durchs Bild läuft. Auch die "Lümmel-Filme" erfreuten sich großer Beliebtheit. Dass man insofern sich immer ein wenig am Publikumsgeschmack halten muss, wenn man ohne größeres Risiko ein akzeptables Einspiel erzielen will, leuchtet ein.

Wie du auch richtig sagst, sind das jedoch Punkte, die man einem Film aus der Retrospektive vorwerfen kann. Jemand, der sich nicht näher mit Filmen aus dieser Zeit beschäftigt, wird solche Szenen in der Regel als "abstoßend" empfinden, auch wenn es freilich weit Schlimmeres gab, wie du korrekt anmerkst. Dennoch wollte ich einmal eine Gegenposition präsentieren, die - soweit ich das überblicke - auch dem heutigen "Mainstream" außerhalb dieses Forums entspricht.

Ein letztes Wort zum Thema Vergangenheitsaufarbeitung. Die Szene, in der Horst Tappert Konrad Georgs Figur seine Nazi-Vergangenheit vorhält, entfacht angesichts der Enthüllungen um Tappert heute ebenfalls einen faden Beigeschmack. Man fragt sich unweigerlich, was in dieser Szene wohl in seinem Kopf vorgegangen sein mag.

Giacco Offline



Beiträge: 1.825

29.12.2015 13:51
#41 RE: Bewertet: "Sieben Tage Frist" (1969, Stilverwandte) Zitat · Antworten

Zur Ergänzung mal eine zeitgenössische Kurzkritik:

Der Film erhält von der Spannungssteigerung seine Wirkung. Die Kamera zeichnet Gemälde von düsterer Schönheit und setzt dramaturgische Akzente. Neben den bewährten alten Filmhasen, aus denen Karin Hübner durch ihre Charakterisierungskunst hervortritt, überzeugen junge Schauspielschüler durch ihr natürlich-lebendiges Spiel. Der Regisseur hat die schwierigen Charaktere der Einzelrollen gut herausgearbeitet. Bis ins Detail hinein ist seine führende Hand spürbar. "Sieben Tage Frist" ist ein deutscher Krimi mit psychologischem Tiefgang, logischem Handlungsablauf und ohne jede Langeweile.(Filmblätter, April 1969)

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