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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 932 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
Blacky81 Offline



Beiträge: 36

07.11.2021 19:28
Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Ich hoffe das Thema wurde hier noch nicht endlos diskutiert. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit den Edgar- und Bryan Edgar Wallace - Filmen der Jahre 68 bis 72. Dabei ist mir die Frage ob diese Art von Filmen in den 70er mit leichten Anpassungen nicht auch noch funktioniert hätten. Die letzten klassisch ausgerichteteten Filme wie “ Der Gorilla von London“, „Der Mann mit dem Glasauge“ und „Die Tote aus der Themse“ hatten ja noch ganz ordentliche Zuschauerzahlen vorzuweisen. Auch „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ lief ordentlich.

In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie sich das Wiederauflebenlassen der Bryan Edgar Wallace - Reihe durch Artur Brauner Ende der 60er und die damit verbundenen Experimente auf die Annahme dieser Art von Filmen beim Kinopublikum ausgewirkt haben. War Brauners herumexperimentieren am Gruselkrimikonzept evtl. eher destruktiv?

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.892

02.12.2021 15:17
#2 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von Blacky81 im Beitrag #1
Ich hoffe das Thema wurde hier noch nicht endlos diskutiert. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit den Edgar- und Bryan Edgar Wallace - Filmen der Jahre 68 bis 72. Dabei ist mir die Frage ob diese Art von Filmen in den 70er mit leichten Anpassungen nicht auch noch funktioniert hätten. Die letzten klassisch ausgerichteteten Filme wie “ Der Gorilla von London“, „Der Mann mit dem Glasauge“ und „Die Tote aus der Themse“ hatten ja noch ganz ordentliche Zuschauerzahlen vorzuweisen. Auch „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“ lief ordentlich.

In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie sich das Wiederauflebenlassen der Bryan Edgar Wallace - Reihe durch Artur Brauner Ende der 60er und die damit verbundenen Experimente auf die Annahme dieser Art von Filmen beim Kinopublikum ausgewirkt haben. War Brauners herumexperimentieren am Gruselkrimikonzept evtl. eher destruktiv?


Das Thema wurde in diversen Threads zumindest gestreift - zuletzt ja auch von Dir im Filmbewertungsthread zu "Die Tote aus der Themse", deswegen ziehe ich meinen riesigen Beitrag dazu auch mal hier rüber - siehe unten.
Zu erst einmal: Sind "Der Mann mit dem Glasauge" oder "Die Tote aus der Themse" noch so klassisch ausgerichtet? Die Konflikte (Mädchenhandel, Rache, persönliche Schicksale durch Drogen/familiäre Probleme/...) finden sich weder in den Wallace-Romanen, noch in den früheren Rialto-Filmen in dieser Weise - auch wenn "Der unheimliche Mönch" bereits in diese Richtung ging, aber viel weniger davon explizit zeigte oder wirklich "thematisch ausbeutete".
Kurz gesagt: Das Problem war, dass die Zuschauerzahlen eben nur noch "ordentlich", nicht mehr gut waren und die Kosten zeitgleich wegen der Produktion in Farbe stiegen und es dann zu allem Überfluss auch noch farbige Krimis im TV gab.
Dass Brauner bei Bryan Edgar Wallace "experimentierte" betrifft ja erst die Filme ab 1969 - wo die Rialto-Reihe ohnehin bereits kollabierte. Angeblich soll der Erfolg von "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" sogar überhaupt erst dazu geführt haben, dass die Rialto zwei Jahre nach dem Fiasko mit "Das Gesicht im Dunkeln" nochmals einen Wallace drehte. Dass Brauner da also "destruktiv" unterwegs war, kann man nicht behaupten. Zu den anderen Gründen komme ich in meinem elend langen Beitrag als Antwort auf Deinen Beitrag aus dem "Tote aus der Themse"-Thread.

Zitat von Blacky81 im Beitrag Bewertet: "Die Tote aus der Themse" (1970, 30)
Harry Allen Towers hat in den 70ern auch noch eine mehr als ordentliche Version von Agatha Christies „And then there were Nonne“ abgeliefert und die Hammer-Filme wurde in den 70ern laut Filmografie in der Hauptsache immer noch von Dracula, Frankenstein etc. bevölkert. Meiner Meinung nach hätte man gemeinsam frischen Wind in die Serie zu bringen. In den höheren Budgetanforderungen der letzten Filme auf der einen Seite und der neuentdeckten Liebe zum Filmverlegen durch die Charlie Chaplin - Filme auf der anderen Seite, liegt meiner Vermutung nach auch der Grund für das Ende der Wallace-Filme. Das er um die Wallace-Filme weiterhin auf Erfolgskurs zu halten und nicht an Qualität zu verlieren, mehr hätte investieren müssen und somit auch das finanzielle Risiko eines Flops gestiegen wäre, dürfte Wendlandt als gutem Geschäftsmann klar gewesen sein. Hier setzt meine Idee einer Partnerschaft an. Man hätte sich das höhere Budget teilen können und somit die Qualität der Filme wieder anheben können. Außerdem hätte mit einem britischen Partner auch die Möglichkeit bestanden den Film das nötige britische Flair zu geben. Außerdem wäre es sowohl für Hammer als auch für Harry Alan Towers, die ja bei auch nicht mehr den optimalen Lauf hatten ein lohnendes Geschäft gewesen. Man hätte z.B. einen ganz anderen Pool an Regisseuren und Drehbuchautoren gehabt. Möglich wäre eine Fortführung der Wallace-Filme bestimmt gewesen.

Agatha Christie war aber in Großbritannien (und den USA!) noch immer ein Zugpferd.
Dass es ausgerechnet schon wieder „And then there were none“ sein musste und nicht etwa die Erstverfilmung eines anderen Christie-Romans, sagt auch viel aus.
Noch mehr sagt aus, dass die Finanzierung aus Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien und dem Iran kam – sprich, Towers war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage einen solchen Film mit eigenen Barmitteln oder zumindest nur mit einem Co-Produzenten zu realisieren.

Die „vermeintlich klassischen“ Grusel-Filme der Hammer Film in den 70ern hatten die selben rückläufigen Zuschauerzahlen wie die deutsche Wallace-Reihe zu beklagen und weisen ebenso diverse (meist erfolglose und teils verzweifelte) Anpassungsversuche auf.
So wird Dracula im Hippie-London auf Mini-Röcke losgelassen, man ließ mit den Shaw-Brothers als Co-Produzent goldene Vampire auf fernöstliche Kampfkunst treffen und versuchte mit geringstem Aufwand (angeblich nur 160.000 Pfund Budget) mit „Captain Kronos“ noch eine völlig neue Reihe aufzubauen.
Das hatte Alles maximal noch dem Titel nach mit den Erfolgen der 50er und 60er zu tun – und wird Fans der klassischen Hammer-Filme der Hochphase ebenso enttäuscht haben wie Filme wie „Das Gesicht im Dunkeln“ die Edgar Wallace-Fans.

Ich finde es spannend über Möglichkeiten zu diskutieren- Wunschdenken, Konjunktiv und Co hin oder her.
Aber wenn die Fortführung der Wallace-Reihe möglich gewesen wäre, hätte es sie gegeben - so simpel ist das.
Konsul Barthel kaufte Ende 1970 die 60 Prozent Anteile an der Constantin von Bertelsmann zurück. Hätte er auch nur ansatzweise daran geglaubt, dass "Edgar Wallace" in der Kinokrise noch für Erfolge hätte sorgen können, hätte er Wendlandt bekniet weiter Wallace-Filme zu produzieren oder zumindest eine Einigung angestrebt, weitere Filme durch andere Produzenten realisieren lassen zu können. Ganz im Gegenteil aber wird die Constantin durch die finanzielle Schieflage ihre Beteiligungen an den Wallace-Budgets eher weiter zurückgefahren haben.

Dass Wendlandt zugunsten seiner Verleih-Tätigkeiten und wegen zu hoher Budgets aufhörte Wallace zu produzieren, kann so nicht stimmen.
Der Film-Output der Rialto-Film wurde ja nicht wesentlich geringer, man verlegte sich nur auf andere Genres. Wendlandt (der ein sehr gutes Näschen für Erfolge hatte) sah keine Chance mehr für Wallace und wagte daher den Absprung. Schon bei "Karl May" war es ja (auch wirtschaftlich) absolut richtig die Reihe nach rückläufigen Besucherzahlen und dem allerletzten Versuch "frischen Wind" durch Italo-Western-Elemente in "Old Firehand" zu bringen, zu beenden – dort lagen die Kosten naturgemäß ja weitaus höher als bei Wallace.
Dass der cCc-Nachzügler "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten" dann zumindest nochmals solide Zuschauerzahlen hatte, ist kein Argument gegen diese Entscheidung, sondern nur dem Umstand geschuldet, dass er als bewusst als "Abschluss" vermarktet wurde und dass die Bravo und Co nochmal dafür die Werbetrommel rührten. Bei weiteren Filmen wäre der Abwärtstrend nicht zu stoppen gewesen und anders als bei Wallace gab es keine großartigen Einsparmaßnahmen. Winnetou durch eine Kiesgrube bei Castrop-Rauxel reiten zu lassen, ist eher keine Option, die großes Kino verspricht.

Kurz: Dass die Karl May- und Edgar Wallace-Reihen eingestellt wurden, hat keinen anderen Grund als mangelndes Zuschauerinteresse.
Dass ausgerechnet der Jubiläums-Wallace "Der Hund von Blackwood Castle" nur 1,2 Millionen Zuschauer hatte, war ein deutlicher Warnschuss. Auch die folgenden Filme hatten knapp oder sogar unter 1,5 Millionen Zuschauer. Mit "Das Gesicht im Dunkeln" versuchte man es mit extremer Kostensenkung durch Co-Produktion. Trotz moderner Handlung und Kinski in der Hauptrolle sackten die Zuschauerzahlen auf 600.000 ab. Dass die Rialto fast zwei Jahre mit der nächsten Produktion wartete, ist daher kein Wunder.
"Die Tote aus der Themse" war ein letzter Versuch die Reihe wieder rentabel zu machen. Die Zutaten: dem Publikum zwei Jahre „Wallace-Pause“ geben um neuen Hunger zu wecken, geringes Budget durch Drehs on Location (vor allem solche, die keinerlei oder kaum Kosten verursachten, wie die eigenen Büros) und Schauspieler aus der zweiten Reihe bzw. dem TV. Noch dazu hielt man die Kosten schon beim Drehbuch gering, indem man ein altes Treatment zu "Die blaue Hand" aus der Schublade holte und Wendlandt selbst schrieb. Das Resultat von unter 1,5 Millionen Zuschauern war solide, aber rechtfertigte keine Weiterführung dieser Herstellungsweise. Wenn ein Film schon nach zwei Jahren Pause nicht viel besser läuft, wäre der nächste Film wahrscheinlich wieder bei 1,2 Millionen oder weniger Zuschauern gelandet.
Nochmals "frischen Wind in die Sache zu bringen" hat man ja anschließend mit den italienischen Co-Produktionen versucht - das Kinopublikum nahm Gialli damals ja durchaus an. Nur wird sich ein Großteil der Zuschauer damals schon gedacht haben "wenn ich einen Giallo sehen will, muss man mich nicht mit Edgar Wallace-Etikett reinlocken".

Und die Variante mit britischem Partner, die Dir vorschwebt, gab es ja ein paar Mal in der Reihe und resultierte in den Filmen mit der geringsten Zuschauerzahl – und meiner Meinung nach auch qualitativ eher geringeren Qualität.
"Das Verrätertor" hat so viel echtes, britisches Flair wie kaum ein anderer Wallace-Film und hatte prompt viel weniger Zuschauer. Ähnlich auch 1966 "Das Geheimnis der weißen Nonne" - einem der in meinen Augen größten Tiefpunkte der Reihe. Meine Einschätzung hat zum Großteil eben mit diesem "britischen Flair" zu tun. Das Ganze ist zu ernst, Schauspieler, die eigentlich zum Kern der Wallace-Reihe gehören (Schürenberg und Eddi Arent) werden ungewohnt bis unpassend eingesetzt und auch sonst fällt der Film "aus der Reihe". Da hier mit Cyril Frankel ein "Hammer"-Regisseur inszenierte, bekommt man ein recht gutes Gefühl dafür, wie Co-Produktionen mit Hammer ausgesehen haben könnten – die Reihe wäre vielleicht sogar noch früher mausetot gewesen, wenn man nach der „Nonne“ in diesem Stil weitergemacht hätte. „Die blaue Hand“ oder „Im Banne des Unheimlichen“ waren Filme, die zumindest noch die Grusel+Humor-Formel bedienten, die die Wallace-Reihe groß gemacht haben. Dass sich an solcher Art von Filmen aber britische oder amerikanische Geldgeber beteiligen, halte ich für ausgeschlossen. Gerade „Das Geheimnis der weißen Nonne“ zeigt ja gut auf, welche Zugeständnisse man dort machen müsste, bzw. tatsächlich musste.
"Das Rätsel des silbernen Dreiecks" von Towers produziert ist ein nettes Filmchen, ich hatte nun bei der erneuten Sichtung (in Farbe) auch meinen Spaß, aber Filme dieser Art hätten die Rialto-Reihe auch nicht am Leben gehalten.
Eddi Arent ist hier ein absoluter Fremdkörper (es fällt auf, dass die Briten anscheinend seine auflockernden, komischen Rollen so überflüssig finden, dass sie ihre bloße Existenz in den Filmen immer durch (Mit-)Täterschaft legitimieren müssen), Heinz Drache spielt überraschend seriös und gut angepasst, ist aber weniger Zugpferd als in seinen jovialen Inspektor-Rollen im nebligen Märchen-London – und wenn nicht Wallace draufstehen würde, würde ich den Film nirgendwo in einer Reihe mit Filmen wie „Der Frosch mit der Maske“ oder „Der Hexer“ sehen. Witzigerweise spielte der Name „Edgar Wallace“ bei der Vermarktung in Großbritannien und den USA nicht die geringste Rolle (man kann auf den dortigen Plakaten ja mal nach dem Namen suchen).

Man hätte anstatt der Co-Produktionen mit den Italienern sicherlich auch versuchen können, Towers oder Hammer zu gewinnen, aber wer hätte die Federführung übernommen? Wendlandt hätte ebenso wenig von seinem grundsätzlichen Wallace-Stil (den das deutsche Publikum schließlich auch erwartete) abweichen wollen, wie sich Towers oder Hammer zu bloßen Geldgebern und Lieferanten für „das britische Flair“ hätten degradieren lassen. Towers und Hammer hätten dem britischen und amerikanischen Publikum keine deutschen Schauspieler in führenden Rollen präsentieren können, das deutsche Publikum akzeptierte jedoch ja nicht einmal Stewart Granger als Inspektor. Noch dazu hätten die Verleiher in Großbritannien und den USA ohnehin den Namen „Wallace“ weggelassen und von britischer Seite wäre daher kein Verständnis dafür zu erwarten gewesen, dass bestimmte Stilelemente wegen der Vermarktung als „Wallace“ in Deutschland drin sein müssen.
Was immer gern vergessen wird: für uns war Wallace vielleicht großes Kino, die Briten (und Amerikaner?) kannten Wallace zu diesem Zeitpunkt (wenn überhaupt noch) primär als Namenspaten für eine Fernsehserie namens „Edgar Wallace Mysteries“, die von 1960 bis 1965 produziert wurde. Warum sollte man etwas, was auf dem kleinen Bildschirm zuletzt nur noch leidlich angenommen wurde mit viel Budget für die große Leinwand aufblähen?

Und um noch einmal zurück auf „Die Tote aus der Themse“ zu kommen: Vieles von dem, was der Film gut macht, gab es 1971 bereits im Fernsehen zu sehen. Um Mordkomplotte und ermittelnde Polizisten zu sehen, musste man nicht mehr ins Kino laufen – den täglichen Mord gab es bereits damals in der Flimmerkiste. Das Alleinstellungsmerkmal des Kinos – mehr Sex und Gewalt zeigen zu können als das damalige TV, ist bei Wallace letztendlich etwas fehl am Platze. Ingrid Steeger stört eher als dem Film irgendetwas zu geben und die Schlachthaussequenzen dienen letztlich nur dazu eine ungemütliche, unbehagliche Atmosphäre zu schaffen – „Prime Cut“ mit Gene Hackman und Marvin Lee macht da ein Jahr später mehr draus.

Wenn man so will, sind also „Tatort“ oder „Der Kommissar“ zumindest mitschuldig am Sterben der Wallace-Kinoreihe. Man kann darüber diskutieren, ob eine Möglichkeit bestanden hätte, Wallace ab 1973 quasi nahtlos als TV-Reihe weiterzuführen. Letztlich wäre hier aber wohl so etwas wie „Trimmel oder Haferkamp in London“ dabei herausgekommen und außer dem Einsatz von Nebelmaschinen und britischen Namen hätte es nur zwischendurch die immer selben Konserven-Bilder von London gegeben.

Dieses „Abwandern“ des Krimis ins Fernsehen betrifft ja das weltweite Filmschaffen.
Da sie so gern als Beispiel herangezogen wurde: Agatha Christie fand 1989 das letzte Mal im Kino statt (wieder „Then there were none“, dieses Mal nach Afrika verlegt um die große Leinwand zu rechtfertigen), bevor es 2017 mit „Das krumme Haus“ und „Mord im Orientexpress“ gleich zwei neue Christie-Kinofilme gab.
Im TV und bei Streaming-Diensten sprießen die Verfilmungen seit den 80ern quasi ununterbrochen aus dem Boden.
Sherlock Holmes wurde 2009 nur durch Hinzugabe vieler Action-Elemente kinotauglich gemacht. Und das sind schon die Zugpferde der Krimi-Literatur!
Moviepilot listet für die 2020er-Jahre ganze 74 Kinofilme mit „Kriminalfilm“-Tag – darunter „Fast & Furious 9“ oder „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“.
Die Filme auf der Liste, die noch halbwegs in der Kriminalfilm-Tradition stehen, würde ich eher als Thriller bezeichnen, wie Christian Alvarts „Freies Land“ um auch mal einen deutschen Film zu erwähnen.
„Knives Out“ hat es nur ins Kino geschafft, weil Kenneth Brennagh mit „Mord im Orientexpress“ den Weg geebnet hat, Rian Johnson mit „Looper“ und einem Star Wars-Teil im Rücken diesen Film unbedingt machen wollte und die Besetzung namhaft ist. Die weiteren Teile der Reihe werden Netflix Originals sein…

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.892

02.12.2021 16:28
#3 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Noch ein Gedanke:
Entscheidend bei der ganzen Betrachtung ist wohl auch, welche Hoffnungen und Wünsche wir heute in dieses "Projekt" projizieren.
Findet man es einfach schade, dass nach 1972 das Siegel "Edgar Wallace" auf keinem Kinoplakat mehr zu lesen war?
Hätte (vielleicht mit jungem, unverbrauchten Regisseur) noch ein wirkliches Highlight wie "Die toten Augen von London" in der Reihe entstehen können?
Findet man "Die Tote aus der Themse" so großartig, dass man gern mehr davon gesehen hätte?

Ich schätze "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" sehr und freue mich, dort nochmals Fuchsberger zu sehen. Aber ohne die Rialto als Ko-Produzent wäre der Film wohl dennoch entstanden. Er hätte vermutlich irgendwo in Italien gespielt und die Rollen von Fuchsberger, Baal und Stoll wären anders besetzt worden, aber ansonsten hätte sich - abgesehen von der Vermarktung in Deutschland als Wallace - wenig geändert. Ich persönlich hätte also bei "Gesicht", "Stecknadel" und "Halbmond" auf das Wallace-Siegel verzichten können. 29 Filme sind schließlich auch noch immer eine stattliche Zahl.

Wenn ich mir anschaue, wen es in den 70ern an vielversprechenden Nachwuchsregisseuren gab (Roland Klick, die Schamonis, Wim Wenders, Wolfgang Petersen und Co), kann ich mir keinen davon so richtig bei Wallace vorstellen. Dass sie vielleicht aus Elementen der Film-Reihe spannende, aktuelle Filme hätten machen können (gerade Klick) wäre durchaus möglich, aber nicht im Korsett der Kinoreihe.
Wahrscheinlich wären auch weitere Filme ohnehin "nur" von Regisseuren der selben Liga wie Harald Philipp umgesetzt worden. Im besten Falle wären "nette" Beiträge entstanden, wirkliche Höhepunkte sind uns wohl kaum vorenthalten worden.

Ich muss ganz ehrlich sagen: wenn ich jemandem meine Liebe zu "Wallace" nachvollziehbar machen will, drücke ich ihm sicher nicht die Blu-Ray von "Die Tote aus der Themse" in die Hand. Ich gehe sogar so weit und beantworte die Frage, ob ich Wallace-Fan geworden wäre, bzw. das Verlangen gehabt hätte weitere Filme der Reihe zu sehen, wenn "Die Tote aus der Themse" mein erster Wallace gewesen wäre ganz klar mit "Nein!".
Dem Film kommt sicher in der heutigen Betrachtung sehr zu Gute, dass man nun weiß, dass er der letzte seiner Art war und so geht man mit vielen Defiziten, die der Film zweifellos hat vielleicht etwas gnädiger um. Ein starker Beitrag der Reihe ist er jedoch nicht. Ein "recht brauchbarer Abschluss" oder "besser als erwartet" trifft es wohl ganz gut.
In "Der Mann mit dem Glasauge" gibt es aus meiner Sicht viele interessante Elemente und ich finde diese Verschiebung des Ganzen ins Melancholisch-Tragische zwar unter dem Strich misslungen, aber in seinem Scheitern durchaus spannend, zumal der Film noch genug von dem enthält, was einen überhaupt dazu bewegt den Film zu schauen. Es gibt Serienmorde, maskierte Figuren, Gangsterbanden und die märchenhafte Pseudo-London-Atmosphäre. Allerdings ist auch dies kein Film, den ich sofort in den Player lege, wenn ich "Wallace-Laune" verspüre. Die meisten späten Wallace-Filme leben stark vom wohligen Gefühl, dass die Schüsse im Vorspann und Requisiten, ähnliche Situationen und Schauspieler aus den besseren Reihen-Beiträgen früherer Jahre erzeugen. So als ob eine alternde Rockband in ihren neuen, eher belanglosen Songs kurz irgendwo ihr bekanntestes Riff einstreut.
Auf weitere Beiträge dieser Art kann ich daher durchaus verzichten. Wenn man ehrlich ist: Der letzte wirklich rundum überzeugende Beitrag zur Reihe war "Der unheimliche Mönch" und die Reihe wäre heute sicherlich angesehener, hätte man danach einen Schlussstrich gezogen. "Das Geheimnis der weißen Nonne" ist für mich schwer durchzustehen, glücklicherweise ging es anschließend qualitativ zumindest noch einmal ein wenig aufwärts.
Mir machen "Die blaue Hand", "Der Hund von Blackwood Castle" und vor allem "Im Banne des Unheimlichen" wirklich Spaß, aber sie reichen bei weitem nicht mehr an wirklich gute Beiträge der Reihe heran. Irgendwann stören einen auch die immer wieder gleichen auftauchenden Requisiten und man wartet nur darauf, bis ein und der selbe Rolls Royce im nächsten Film wieder ins Bild fährt.

Der Stil war ausgereizt, man hätte sich neu erfinden müssen - wie sich ja bereits "Der Hexer" eher an James Bond und Fantomas orientierte, als am Wallace-Roman oder man es mit den Italo-Co-Produktionen versuchte. Aber "Neues vom Hexer" überspannte den Bogen, was Selbstironie und bewussten Verzicht auf Logik betraf, deswegen musste Reinl die Reihe mit dem "Mönch" anschließend wieder erden.
Die folgenden Versuche wiederkehrende Figuren zu schaffen (Perkins und Pepper) und das Publikum so zu binden, waren auch nicht von Erfolg gekrönt.
Das ist letztlich wohl auch eines der großen Probleme bei Wallace: es gibt keinen James Bond, keinen Hercule Poirot oder Sherlock Holmes in seinen Romanen. Was die Reihe zusammenhält ist der Handlungsort, die Art der Inszenierung (Grusel+Komik) und bestimmte Handlungsmuster. Ein glaubhaftes London in Hamburg oder Berlin zu erzählen, wurde immer schwieriger, je mehr Locations man bereits abgefilmt hatte, die Grusel+Komik-Formel hatte sich abgenutzt, bzw. war nicht mehr zeitgemäß und die Handlungsmuster wiederholten sich irgendwann zwangsläufig. Dass man das Mönch-Outfit schon recyclen musste und dann Bucklige, Glasaugen und "den Tod mit giftigem Ring" auf die Leinwand schickte, wirkte teilweise schon leicht verzweifelt. Das Gewehr, was sich zwischendurch mal in "Die Tote aus der Themse" ins Bild schickt, ist dann wiederum zu wenig und zu langweilig. Es gingen den Machern die Ideen aus und das Publikum dürstete ganz einfach nicht mehr nach "mehr vom selben".

Jan Offline




Beiträge: 1.753

02.12.2021 17:23
#4 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Ja, Fabi, daran ist vieles richtig. Das, was Du letztlich beschreibst, ist die letzte Phase des Produktlebenszyklus der Marke "Wallace". Der Produktlebenszyklus lässt sich zwar nicht ohne Weiteres in die Filmwelt gänzlich projizieren, beinhaltet aber immerhin Elemente, die bei der Wallace-Welle auch zu finden sind. Man hat ab 1965 herum begonnen, die Reihe nur noch auszumelken. Durch den hohen Anteil an Standardisierungen wird dem heutigen DVD- oder BR-Zuschauer natürlich irgendwann fad, weil er die einzelnen und sich ähnelnden Stilelemente der Farbfilme irgendwann über hat. Seinerzeit im Kino wird das weit weniger aufgefallen sein, weil zwischen den Veröffentlichungen ja immer einige Monate lagen und die Filme insofern dann das befriedigten, was die Zuschauer einfach haben wollten. Experimente in dieser letzten Phase hätten vermutlich eher zu Zuschauerschwund geführt, und man wollte nach Möglichkeit und so lange es ging jeden Zuschauer bei der Stange halten. Die Zuschauerzahlen bei den Italo-Wallace zeigen ja deutlich nach unten, manch' einer wird verärgert gewesen sein, ob des Gebotenen unter falschen Voraussetzungen ins Kino gelockt worden zu sein. Die Mund-zu-Mund-Propaganda dürfte daraufhin nicht die beste gewesen sein.

Man muss einfach attestieren, dass jede Zeit ihre Filme hat - oder andersherum: Jeder Film hat seine Zeit, und die ist einfach irgendwann abgelaufen. Dann wird entweder etwas gänzlich Neues geschaffen oder die Weiterentwicklung führt zu neuem Zuschauerinteresse. Weder das Eine noch das Andere ist zu Beginn der 1970er Jahre geschehen. Die Gründe sind so bekannt wie vielfältig. Weder hatten Horst Wendlandt noch Alfred Vohrer Interesse an weiteren Wallace-Filmen - der eine wollte verleihen der andere ganz andere Filme machen. Das Fernsehen bot immer professionellere Fernsehfilme, der Filmstandort Deutschland wurde kaum gefördert, internationale Produktionen waren immer mächtiger, Kinoschwund und Sexfilmwelle. Überdies starben die alten Regisseure immer mehr weg, wanderten zum Fernsehen ab und echter Nachwuchs für die Unterhaltungsindustrie war in Deutschland kaum in Sicht, da der Unterhaltungsfilm spätestens durch Oberhausen zunichte gemacht wurde. Da hatte Wallace eben keinen Platz mehr. Vielleicht hätten die Deutschen etwas Ähnliches auf die Reihe bekommen können wie die Italiener mit ihren Gialli. Wozu aber das Geld in die Hand nehmen, wenn man diese Filme doch importieren konnte und "Graf Porno bläst zum Zapfenstreich" mit minimalsten Mitteln maximalen Ertrag erwirtschafte, der überdies durch die Fernsehkonkurrenz zu keiner Zeit bedroht war.

Dass Wallace nach 32 (+/-) Filmen am Ende war, ist aus meiner Sicht logisch nachvollziehbar.

Gruß
Jan

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.892

02.12.2021 22:56
#5 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #4
Ja, Fabi, daran ist vieles richtig. Das, was Du letztlich beschreibst, ist die letzte Phase des Produktlebenszyklus der Marke "Wallace". Der Produktlebenszyklus lässt sich zwar nicht ohne Weiteres in die Filmwelt gänzlich projizieren, beinhaltet aber immerhin Elemente, die bei der Wallace-Welle auch zu finden sind. Man hat ab 1965 herum begonnen, die Reihe nur noch auszumelken. Durch den hohen Anteil an Standardisierungen wird dem heutigen DVD- oder BR-Zuschauer natürlich irgendwann fad, weil er die einzelnen und sich ähnelnden Stilelemente der Farbfilme irgendwann über hat. Seinerzeit im Kino wird das weit weniger aufgefallen sein, weil zwischen den Veröffentlichungen ja immer einige Monate lagen und die Filme insofern dann das befriedigten, was die Zuschauer einfach haben wollten. Experimente in dieser letzten Phase hätten vermutlich eher zu Zuschauerschwund geführt, und man wollte nach Möglichkeit und so lange es ging jeden Zuschauer bei der Stange halten. Die Zuschauerzahlen bei den Italo-Wallace zeigen ja deutlich nach unten, manch' einer wird verärgert gewesen sein, ob des Gebotenen unter falschen Voraussetzungen ins Kino gelockt worden zu sein. Die Mund-zu-Mund-Propaganda dürfte daraufhin nicht die beste gewesen sein.

Man muss einfach attestieren, dass jede Zeit ihre Filme hat - oder andersherum: Jeder Film hat seine Zeit, und die ist einfach irgendwann abgelaufen. Dann wird entweder etwas gänzlich Neues geschaffen oder die Weiterentwicklung führt zu neuem Zuschauerinteresse. Weder das Eine noch das Andere ist zu Beginn der 1970er Jahre geschehen. Die Gründe sind so bekannt wie vielfältig. Weder hatten Horst Wendlandt noch Alfred Vohrer Interesse an weiteren Wallace-Filmen - der eine wollte verleihen der andere ganz andere Filme machen. Das Fernsehen bot immer professionellere Fernsehfilme, der Filmstandort Deutschland wurde kaum gefördert, internationale Produktionen waren immer mächtiger, Kinoschwund und Sexfilmwelle. Überdies starben die alten Regisseure immer mehr weg, wanderten zum Fernsehen ab und echter Nachwuchs für die Unterhaltungsindustrie war in Deutschland kaum in Sicht, da der Unterhaltungsfilm spätestens durch Oberhausen zunichte gemacht wurde. Da hatte Wallace eben keinen Platz mehr. Vielleicht hätten die Deutschen etwas Ähnliches auf die Reihe bekommen können wie die Italiener mit ihren Gialli. Wozu aber das Geld in die Hand nehmen, wenn man diese Filme doch importieren konnte und "Graf Porno bläst zum Zapfenstreich" mit minimalsten Mitteln maximalen Ertrag erwirtschafte, der überdies durch die Fernsehkonkurrenz zu keiner Zeit bedroht war.

Dass Wallace nach 32 (+/-) Filmen am Ende war, ist aus meiner Sicht logisch nachvollziehbar.

Gruß
Jan

Das kann ich so unterschreiben.
Aber ich denke schon, dass es schon seinerzeit im Kino aufgefallen ist, dass die Qualitätskurve nach unten ging und sich Vieles wiederholte.
Die Zuschauerzahlen (so ungenau sie auch aufgrund der damaligen Messmethoden sind) zeigen ja deutlich, dass schon von Anfang an die "Experimente" oder schlicht schwächeren Filme weit weniger Zuschauer hatten. Selbst Krimi-Fans werden bei durchwachsenen Kritiken oder entsprechender Mundpropaganda den ein oder anderen Teil ausgelassen haben.
Das steigerte sich nach hinten raus natürlich immer mehr - dazu brauchte es aber nicht erst die italienischen Filme.
"Der Hund von Blackwood Castle" ist ein netter Beitrag der Reihe und sicher weder inhaltlich, noch handwerklich ein Tiefpunkt - im Vergleich zu Filmen wie "Die Tür mit den sieben Schlössern" oder "Der schwarze Abt" waren die Zuschauerzahlen aber nur noch 1/3.
Das Publikum wollte das, was die Wallace-Filme boten nicht mehr sehen, bzw. es genügte ihnen das im TV zu sehen. "Die Bande des Schreckens" lief bereits 1966 in der ARD.
Viele werden lieber dort eingeschaltet haben, als sich die bunten, aber alberneren und schwächeren neuen Beiträge gegen Eintritt im Kino anzuschauen.
1969 lief "Das Gasthaus an der Themse" im Fernsehen - "Das Gesicht im Dunkeln" ist sicher auch deswegen im Kino baden gegangen, weil es dort die Vergleichsmöglichkeit gab.
Und die 70er wurden dann ja eine Hochzeit für Krimis im TV - ob mit qualitativ guten Fernsehspielen oder zig Serien aus dem Ausland.
Ab 1966 lief übrigens auch "Mit Schirm, Charme und Melone" erstmals im deutschen Fernsehen und bediente im weitesten Sinne ja eine ähnliche Nische von wegen "britisches Flair, ein wenig Mystery und Humor".

Ich möchte zuletzt auch darauf hinweisen, dass "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" kein wesentlich schlechteres Einspielergebnis als "Die Gruft mit dem Rätselschloss" oder "Der Hund von Blackwood Castle" hatte - der Anteil der Rialto an den Produktionskosten dürfte aber eher klein gewesen sein. So seltsam es klingt: Der Film war somit wohl ein besseres Geschäft als die selbst produzierten Filme der Jahre zuvor. Dass sich das mit "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" nicht wiederholen ließ, sondern ein Drittel der Zuschauer wegbrach, war vielleicht dann sogar der einzige Grund warum nicht mehr Gialli mit "Wallace"-Siegel vermarktet wurden.

Wenn Du mit "heutigen DVD- oder BR-Zuschauern" die Generation "Binge Watching" meinst, die eine Filmreihe in einer Woche durchschaut, hast du sicherlich recht. Wenn ich aber meinen letzten Sichtungsprozess anschaue (er startete 2015 mit "Der Frosch mit der Maske" und ist noch immer nicht abgeschlossen), habe ich mich teilweise wahrscheinlich stark dem damaligen Veröffentlichungs-Zyklus angenähert und bestimmt zeitweise "nur" zwei Wallace im Jahr gesehen. Zwei Wallace-Filme im Jahr (im Kino!) sind schon eine Menge, finde ich. Anders als beim Einlegen einer DVD oder Blu-Ray muss man sich bewusst für einen Film entscheiden, aufraffen, Geld an der Kasse zahlen und sich vor die Leinwand setzen. Da gab es 1966 mit den Italo-Western und spätestens ab 1968 mit den Filmen des "New Hollywood" durchaus Konkurrenz in der wichtigen Zielgruppe von Jugendlichen. Und die Kinokrise war ja weitreichend. Selbst die Bond-Filme und andere wurden davon nicht verschont (bei Roger Moore gingen die Budgets anfangs erst einmal zurück und statt Cinemascope wurde in 1,66:1 gedreht) bis man dort vollends auf großes Spektakel und Zirkusnummern setzte und so alle zwei Jahre ein Event generierte.
Bei zwei James Bond-Filmen im Jahr (wie bei Wallace) wäre die Reihe wahrscheinlich schon Ende der 60er vorbei gewesen. "Der Frosch mit der Maske" war etwas Neues, "Die toten Augen von London" ein Film, wie es ihn aus Deutschland kaum ein zweites Mal gab und es gibt weitere Meilensteine der Reihe. Ab 1966 spätestens wurden dem Zuschauer, wie Du ganz richtig sagst, mehr oder weniger die selben Versatzstücke immer wieder aufs Auge gedrückt und die Marke zu Tode gemolken. Ein radikaler Rückschnitt auf einen Film im Jahr und entsprechender Aufwand beispielsweise hätte Wallace vielleicht zu einem jährlichen Kino-Event werden lassen und noch ein paar Jahre mehr bewirkt. Aber wenn man ehrlich ist, fehlten schon dafür die Ideen und Möglichkeiten.

Die Idee selbst so etwas zu schaffen, wie die Italiener mit dem Giallo ist charmant (wobei das ja eigentlich schon unsere Gruselkrimis waren - nur eben 10 Jahre zuvor). Es wäre spannend gewesen zu sehen, was beispielsweise Roland Klick mit Schauspielern wie Marquard Bohm aus dem Stoff "Der Engel des Schreckens" gemacht hätte. Da wäre vielleicht ein Psychothriller draus geworden, der sich einerseits nicht zu weit von den literarischen Wurzeln entfernt, zeitgleich aber nicht zu sehr in den Konventionen der Reihe hängt und sich auch nicht an die Gialli-Welle anbiedert. Dass man statt solcher Versuche dann lieber einen Handwerker wie Phillip eine routinierte Mordserie mit dem Gewehr aus "Die Gruft mit dem Rätselschloss" und dem Mordmotiv aus "Der Mann mit dem Glasauge" drehen ließ, ist etwas schade.

DanielL Offline




Beiträge: 4.154

03.12.2021 17:49
#6 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #4
Man muss einfach attestieren, dass jede Zeit ihre Filme hat - oder andersherum: Jeder Film hat seine Zeit, und die ist einfach irgendwann abgelaufen.


Will mich in die hauptsächliche Diskussion gar nicht einklinken, da schon alles gesagt ist, was mir dazu einfiele. Über den Satz bin ich aber ein wenig gestolpert. Ich stimme nur dem ersten Teil zu: Jede Zeit hat ihre Filme. Gerade das Kino ist sehr von Zeitgeist geprägt. Das tolle ist aber: Gute Filme überdauern ja trotzdem irgendwie die Zeit. Deshalb begeistern wir uns ja immer noch für die Wallace-Filme. Und in den 1970er-Jahren sind die Erstausstrahlungen im Fernsehen ja Straßenfeger gewesen, also durchaus noch ein Massenphänomen. Wenngleich es nicht bedeutet, dass junge Leute für neue Filme nach der Art noch Kinokarten gelöst hätten. Ich würde also viel mehr sagen: Jede Zeit hat ihre Filme - aber jeder Film hat die Chance, zum Klassiker zu werden.

Gruß,
Daniel

Archibald Finch Offline




Beiträge: 30

14.12.2021 09:34
#7 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Hallo
Ich habe seit längerem hier Mal wieder vorbei geschaut und fleissig gelesen.
Zu diesem Thema möchte ich mich meinem Vorredner anschliessen, da in den ersten Beiträgen quasi alles gesagt wurde.
Trotzdem kann ich es gerade nicht lassen auch noch meinen Senf dazu zu geben.
Ich habe gestern Abend etwas in Joachim Kramp's Buch geblättert und auch bei Wikipedia gelesen. "Das Gesicht im Dunkeln" muss ein herber Rückschlag für Horst Wendlandt und seine Rialto Film gewesen sein. So sehr das sein Name als Produktionsleiter in dem Film gar nicht im Vorspann auftaucht. Der zweite Film "Der Engel des Schreckens" der wiederum mit Regisseur Riccardo Freda und den Italienern gedreht werden sollte liess man daher fallen und wartete wie bereits oben gesagt bis zu "Die Tote aus der Themse".
Was mir allerdings nicht bekannt war, war das man zwischen "Dem Gesicht" und "dem Engel" eine rein Deutsche Produktion geplant hatte mit dem Titel: "Das Geheimnis der Grünen Stecknadel". Dieser Titel ist uns natürlich bekannt durch den 1971 abgedrehten Film mit italienischer Koproduktion. Jedoch sollte dieser nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker und mit Regie von Harald Reinl produziert werden. Drehbeginn sollte der 1. Oktober 1969 sein. Selbst die Schauspieler hierfür hatte man bereits ausgewählt. Günther Schramm, Karin Hübner, Fritz Wepper, Stefan Behrens und Siegfried Schürenberg sollten hier mitspielen. Und nach zig Alfred Vohrer Filmen wäre wieder etwas Abwechslung da gewesen.
Dieser Film hätte bestimmt mehr Erfolg gehabt als der Vorgänger.
Meine Theorie sagt mir, das man es als zu hohes Risiko einstufte nach dem Misserfolg vom "Gesicht" die kosten der Produktion selbst zu tragen. Vielleicht hätte der Film die Chance gehabt an Besucherzahlen von "Der Mann mit dem Glasauge anzuknüpfen" aber sicherlich rechnete man nicht mit mehr! Vielleicht entschied man auch mit dem Grossen Erfolg der "Lümmel Reihe" sich lieber den Filmen zuzuwenden, da sie doch mehr Einnahmen versprachen. Jedoch hatte man ja für 1969 geplant 3 Wallace Filme in die Kinos zu bringen, das war wohl der letzte grosse Versuch mit der Reihe weiter zu machen. Wallace rechnete sich nicht mehr. Leider.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.760

25.12.2021 19:04
#8 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #6
Zitat von Jan im Beitrag #4
Man muss einfach attestieren, dass jede Zeit ihre Filme hat - oder andersherum: Jeder Film hat seine Zeit, und die ist einfach irgendwann abgelaufen.


Will mich in die hauptsächliche Diskussion gar nicht einklinken, da schon alles gesagt ist, was mir dazu einfiele. Über den Satz bin ich aber ein wenig gestolpert. Ich stimme nur dem ersten Teil zu: Jede Zeit hat ihre Filme. Gerade das Kino ist sehr von Zeitgeist geprägt. Das tolle ist aber: Gute Filme überdauern ja trotzdem irgendwie die Zeit. Deshalb begeistern wir uns ja immer noch für die Wallace-Filme. Und in den 1970er-Jahren sind die Erstausstrahlungen im Fernsehen ja Straßenfeger gewesen, also durchaus noch ein Massenphänomen. Wenngleich es nicht bedeutet, dass junge Leute für neue Filme nach der Art noch Kinokarten gelöst hätten. Ich würde also viel mehr sagen: Jede Zeit hat ihre Filme - aber jeder Film hat die Chance, zum Klassiker zu werden.


Daß wie Jan schrieb ein jeder Film seine Zeit hat, die irgendwann abläuft und entweder etwas gänzlich Neues geschaffen wird,
oder eine Weiterentwicklung zu neuem Zuschauerinteresse führt ist plakativ und eindimensional logisch. Daß Versatzstücke
immer wieder aufs Auge gedrückt wurden und die Marke zu Tode gemolken wurde ist richtig. Genre-Wechsel vom Kriminalfilm,
Grusel (Augen) in Richtung Psychothriller sind ebenfalls eine kurzlebige Lösung. Eine Erklärung ist vielfältiger zu suchen und
beginnt beim Zuschauer.

Daß wie Fabi schrieb Zuschauerzahlen sanken und daß das Publikum, das, was die Wallace-Filme boten nicht mehr sehen
wollten, ist die eine Seite des halbvollen Glases."Binge-Watching", oder Koma-Glotzen ist kein Grund, es ist eine
Sucherkrankung und kein neues Phänomen, das gab es schon zu VHS-Zeiten. Auch klingen "moderne Begriffe" als
Begründungen zwar toll, sind jedoch nicht geeignet wenn diese nicht zutreffen.

Es gibt immer noch Klassiker wie Daniel schrieb. Warum lebt die Figur James Bond noch. Warum ist Bond noch immer
jung und Blacky, Karin Dor alt und inzwischen verstorben. Die Antwort könnt Ihr Euch selbst geben.

Schon in den 50er Jahren gingen ca. 760 Mio Zuschauer in die Kinos, in den 60er Jahren noch ca. 370 Mio Zuschauer,
wobei der Rückwärtstrend ca. 1959 begann und bis Mitte 1960 schon auf ein Niveau von 180 Mio sank.
Genrewechsel in Richtung Psychothriller ist auch keine Lösung für ein Publikum, daß Fuchsberger Krimis mag,
oder doch Psycho ohne Fuchsberger als Wallace-Ersatz?

Kommen wir zunächst zum Zuschauer dann zur "Langeweile".

In den letzten Jahren hat unsere Fähigkeit sich zu konzentrieren eine beunruhigende Entwicklung genommen. Eine Studie von
Microsoft zeigt, dass unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne aktuell bei nur noch 8 Sekunden liegt und sich im
Vergleich zum Jahr 2000 um ca. 33% verschlechtert hat. Das Ergebnis wirkt noch ernüchternder, wenn man beachtet, dass
die Aufmerksamkeitsspanne im Jahr 2000 noch ganze 4 Sekunden länger anhielt.

Nebenbei gesagt, ist selbst die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches höher, als die des aktuellen Menschen. Bei dem Tier
beträgt diese nämlich 9 Sekunden. Doch wie konnte es passieren, dass es mittlerweile sogar der Goldfisch geschafft hat,
die Menschen in der Disziplin Aufmerksamkeit zu schlagen? Sind diese Menschen degeneriert ?Wer oder was ist für diesen
Verlust verantwortlich?
https://www.webcampus.de/blog/104/die-8-...es-sie-wirklich

Betrachtet man das zunächst nur global, nimmt die kollektive Aufmerksamkeit ab. Durch die mediale Informationsflut sinkt die
Aufmerksamkeitsspanne unserer Gesellschaft. Das zeigt eine Studie zur "sozialen Beschleunigung". Im Raum steht seitdem
die These der "sozialen Beschleunigung", wonach ein ständiger Informationsfluss und die Angst, etwas zu verpassen, zu einer
sinkenden Aufmerksamkeitsspanne führen. Die Studie zeigt, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Gesellschaft als Ganzes
sinkt, so die Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.
https://www.forschung-und-lehre.de/forsc...t-nimmt-ab-1689

Kommen wir von den Zuschauern zum Zuschauer
„Information frisst Aufmerksamkeit“, sagte der Sozialwissenschaftler Herbert Simons bereits in den Siebzigerjahren.
Solange wir uns mit einem Inhalt beschäftigen, können wir uns keinem anderen widmen. Schockszenen und Action lenken
ab und befriedigen andererseits das Suchtbedürfnis nach viel Input. Smartphones, Tablets und alle anderen Medien lenken
die Menschen zusätzlich ab. Jeder Mensch schaut über 250 mal am Tag auf sein Smartphone oder Tablet und über die Hälfte
greift zum Handy, wenn es gerade nichts besseres zu tun gibt. Dabei haben diese kleinen Ablenkungen schon große Wirkung,
denn man braucht glatte 10-20 Minuten bis man sich danach wieder konzentrieren kann um in den berühmten Flow-Zustand
zu kommen? Das ist ein Zustand voller Konzentration. Bei einem 90 Minuten Film, dürfte das nicht oft vorkommen??

Die Digitale Demenz : Neben der Aufmerksamkeit scheint sich aber auch das Gedächtnis verschlechtert zu haben.
Telefonnummern sind ja sowieso im Handy gespeichert und Facebook erinnert jeden an die Das scheinen immer mehr
Menschen zu denken. Tatsächlich vergessen mittlerweile sogar einige ihren eigenen Geburtstag.
https://www.forschung-und-lehre.de/forsc...t-nimmt-ab-1689

Umgekehrt:
Kleinkinder konnten nach Übungen Objekte trotz Ablenkungen besser im Blick behalten und leichter Muster erkennen.
Durch das Training sei es den Kindern auch gelungen, die Dauer ihrer Betrachtung besser den Umständen anzupassen,
so die Wissenschaftler. Diese Fähigkeit sei in der realen Welt sehr wichtig ... sagt Sam Wass von der University of London,
der Erstautor der Studie. Bei diesen Kindern sei die Aufmerksamkeitsspanne nach dem Training deutlich flexibler gewesen.
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mens...n-a-783857.html

<Immer häufiger sind Kinder nicht mehr mit der Wirklichkeit in Verbindung», sagt Maria Luisa Nüesch, die über 40 Jahre als
Kindergärtnerin und Leiterin von Eltern-Kind-Gruppen tätig war. Das beginne schon in den ersten Lebensstunden. Bereits bei
der Geburt, oder beim Stillen seien Mütter von Smartphone abgelenkt. «Viele Mütter können nicht bei sich sein», sagt
Nüesch. Ihr fällt auf, dass Kinder ein Manko an Blickkontakt hätten, unzufrieden und unruhig seien. Dann drückten Babys
und Kleinkinder ihr Unbehagen mit Weinen aus. Vor allem aber könnten viele Kinder nicht mehr von sich aus vertieft
spielen. Die Diagnosen lauten: Spieldefizitsyndrom oder intermodale Wahrnehmungsstörung. Diese Menschen haben
Wahrnehmungsstörungen, merken und wissen es nicht und verstehen Andere nicht deren Wahrnehmung und Epathie noch
voll gegeben ist.
https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/klein...hone-ld.1125978

Laut der im „Journal of Experimental Psychology“ veröffentlichten Studie führt permanente Ablenkung zu einer veränderten
Wahrnehmung der Realität, was auch Einfluss auf abgespeicherte Erinnerungen hat. Wir müssen zuerst etwas sehen, um
uns daran erinnern zu können. Es ist daher sehr natürlich, dass eine durch Ablenkung veränderte, fehlerbehaftete
Wahrnehmung auch im Gedächtnis erhalten bleibt“, unterstreicht der leitende Studienautor Jiageng Chen abschließend.
https://computerwelt.at/news/handys-vera...ie-wahrnehmung/

Man wird ungeduldig, man kann schwerer zuhören, Aufmerksamkeitsstörungen werden nachweisbar immer häufiger.
Das sind keine idealen Bedingungen für hirngerechtes lernen oder arbeiten oder gar einen Wallace Kriminalfilm sehen?

Früher war nicht alles besser, eines lässt sich aber sagen: In der analogen, vielfach langsameren Welt war es leichter, Ruhe zu finden.
Die Schlüssel zum Rätsel: Dopamin und Reizüberflutung. Keine Zeit zum Abschalten. Doch je häufiger wir auf der Jagd nach diesen
Glückserfahrungen sind, desto geringer wird die jeweilige Ausschüttung an Dopamin. Um das gleiche Maß Glücklichsein zu empfinden,
fordert unser Körper immer stärkere Reize ein. Diesen Reizen geben wir meist unbewusst nach.

Do's and Dont's
Versuche, Langeweile zu ertragen. Falls du es anfangs gar nicht aushältst, nichts zu tun, taste dich langsam heran:
Du kannst beispielsweise ein wenig Musik hören, einem Hörspiel lauschen, oder lesen.
https://www.goslarsche.de/junge-szene_ar...id,1522118.html

Die Folge: Wir können abstumpfen und reagieren nur noch auf äußere Reize, ohne Dinge tatsächlich zu
durchdenken. „Viele Menschen können heutzutage nicht gut mit Langeweile umgehen“, sagt auch
Suchttherapeut Christian Groß. Damit wir das wieder lernen, sind Pausen von dopaminreichen Phasen wichtig.
https://www.quarks.de/gesellschaft/wisse...asten-wirklich/

Wahrnehmungsveränderung und "Langeweile"
Langeweile entstehe erstens, wenn man verdrüßlich auf einen angenehmeren Zustand als die Gegenwart warte, oder zweitens,
wenn man Zerstreuung von außen wolle. Langeweile als Reaktion auf ein Übermaß. Conz nannte Langeweile deshalb die gefährlichste
Pest der Seele, weil sie unzufrieden mache. Langeweile als Stillstand des Lebensgefühls werde entsprechend als Mangel an Realität empfunden.
https://books.google.de/books?id=n2di7ki...geweile&f=false

Auf einem für damalige Verhältnisse riesigen, für heutige Verhältnisse winzigen Röhrenbildschirm musste die ganze Klasse
«2001 – A Space Odyssey» anschauen. Ein Raumschiff dreht sich im Weltall, dazu läuft der Walzer «An der schönen blauen Donau».
Die Hälfte der Klasse schlief ein. Ich war begeistert.

Für mich gibt es zwei Sorten von Filmen. Die einen haben das Ziel, zum Nachdenken anzuregen. Die anderen wollen genau das
Gegenteil: die Zuschauer vom Nachdenken abhalten. Ich mag Filme, die dem Gehirn etwas Zeit und Raum lassen. Warum reagiert
der Held so? Ah, das könnte der Grund sein. Was will mir der Film mit dieser seltsamen Handlung sagen? Hier gibt es Parallelen,
da laufen die Fäden zusammen. So mitzudenken und mitzufühlen, finde ich spannend.

Denn Mitdenken während des Films ist nur möglich, wenn ich der Handlung ohne Anstrengung folgen kann. Ein typischer
Hollywoodfilm versucht dies mit allen Mitteln zu verhindern. Er ist schnell geschnitten, und lenkt mit lauten, spektakulären
Effekten ab. Die Story ist oft wirr erzählt: Mit Rückblenden, Einbettungen und Vorgriffen, mit Perspektivenwechseln und Träumen.

Kurz gesagt: Es ist die totale Reizüberflutung. Eine Art DoS-Attacke auf unser Gehirn.

Langeweile wird oft mit Langsamkeit verwechselt. Kinobesucher, die das nicht unterscheiden können, tun mir ein bisschen leid.
Ob ich etwas langweilig finde, hängt vor allem von meinem inneren Zustand und von meinen Erwartungen ab, nicht vom Film selbst.

Man kann es auch übertreiben : Im Nord-Süd hat man den Besuchern früher schon durch die Bestuhlung klar gemacht, dass sie
nicht zum Spass hier sind. Die Holzsitze waren genau so schmerzhaft wie die düsteren französischen Liebestragödien, die dort
gezeigt wurden. Im heutigen Marketingsprech würde man das wohl als «immersives Gesamterlebnis» bezeichnen. Ja, irgendwann
wird es auch mir zu alternativ, zu anstrengend und zu artsy-fartsy. Ein guter Freund von mir ist kürzlich «Satantango» im Xenix
schauen gegangen. Er hat sich nicht getraut, mich zu fragen, ob ich mitkomme. Zurecht. Der Film dauert siebeneinhalb Stunden.
Wenn ich das richtig verstanden habe, liegt die Faszination darin, dass nichts passiert.
https://www.galaxus.de/de/page/warum-ich...filme-mag-15826

Ich fasse mal kurz zusammen. Da entwickeln sich Menschen von kleinauf mit Wahrnehmungstörungen, stumpfen ab und halten
sich unter Ihresgleichen für völlig normal, merken nicht, daß ihre Aufmerkamkeit in Langeweile umschwenkt, wenn nicht ein Film
versucht mit allen Mitteln der gewohnten Reizüberflutung ein defizitäres Interesse aufrechtzuerhalten. Auf der andere Seite gibt
es i.d.R. ältere Menschen die mögen Filme mit Empathie zum mitdenken und mitfühlen. Und dann diskutieren solche
unterschiedlichen Menschen in Foren. Über einen Film mit englischen und spanischen Szenen. Der Jüngere der nur Englisch
versteht, erklärt mit seiner Wahrnehmung dem Älteren, der Englisch und Spanisch versteht, wie er diesen Film einzuschätzen hat.
Der Ältere versucht seine Empfindung dazu dem Jüngeren zu vermitteln, der dies nicht verstehen kann, da dessen Wahrnehmung
defizitär anders ist. Wie also macht man heute einen neuen Film der auf der einen Seite keine Langeweile bei den jüngeren
erzeugt und auf der anderen Seite Ältere nicht unnötig mit Reizen überflutet. Und jetzt wird es besonders schwierig eine Story
aus einem Edgar Wallace Roman so mit Action versieht, daß dabei noch eine Geschichte erzählt wird bei der man im Film
mitdenken, mitfühlen kann, ohne daß andere in Langeweile einschlafen. Und das bei sinkenden Zuschauerzahlen im Kino
mit einer alternden oder toten Wallace Crew, ohne Comedy-Figuren. Eine Antwort zu letzterm habt ihr vielleicht schon oben gefunden.

Gruss
Havi17

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

26.12.2021 11:33
#9 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #8
Warum ist Bond noch immer
jung und Blacky, Karin Dor alt und inzwischen verstorben. Die Antwort könnt Ihr Euch selbst geben.


Weil die einen reale Menschen sind und der andere eine fiktive Figur.

DanielL Offline




Beiträge: 4.154

26.12.2021 21:24
#10 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Ironie: Aufmerksamkeitsspanne reichte bei mir nur bis zum fünften Absatz...

Gruß,
Daniel

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

27.12.2021 07:17
#11 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #8
so mit Action versieht, daß dabei noch eine Geschichte erzählt wird bei der man im Film
mitdenken, mitfühlen kann, ohne daß andere in Langeweile einschlafen.


Das Problem müssten dann aber sowieso alle neuen (Kino-)Filme haben.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.892

02.01.2022 23:35
#12 RE: Edgar Wallace in den 70ern - Ein Projekt mit Zukunft Zitat · Antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #10
Ironie: Aufmerksamkeitsspanne reichte bei mir nur bis zum fünften Absatz...

Vor allem, weil das Thema verfehlt wird... ich dachte erst, nach dem Kritisieren der genannten Gründe für das damalige (!) Ende der Wallace-Reihe und die Behauptung, diese Gründe würden nicht einmal zutreffen, käme jetzt die Aufklärung - aber wenn von "digital natives" und Co die Rede ist, kann es kaum um die (ausbleibenden) Kinobesucher der Wallace-Filme Ende der 60er gehen.

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