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Dieses Thema hat 28 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.635

12.01.2019 15:50
Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten



Edgar Wallace: Das Rätsel der roten Orchidee

Der Originaltitel des Romans („When the Gangs Came to London“ / „Gangster in London“) ist hier Programm: Rüde Wild-West-Methoden mit Maschinengewehren und Erpresserschreiben rütteln das sonst so beschauliche London wach. Was uns dieser Wallace-Film auftischt, erinnert an amerikanische Klassiker und entfernt sich daher etwas weiter vom wohligen Krimifach, das sonst unter dem Banner echter Wallace-Filme bedient wurde.

Auch in der Besetzung der Hauptrollen sowie in der Regisseursfrage und der Dosierung des Humors geht „Das Rätsel der roten Orchidee“ recht eigene Wege. Wie sagt euch diese Exkursion zu? Ist der Film eine erfrischende Abwechslung oder doch eher ein Fehlgriff?

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 25 von 36 (68,36 %)

Gubanov Offline




Beiträge: 15.635

12.01.2019 21:00
#2 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten



Edgar Wallace: Das Rätsel der roten Orchidee

Kriminalfilm, BRD 1961/62. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Trygve Larsen (d.i. Egon Eis) (Romanvorlage „When the Gangs Came to London“, 1932: Edgar Wallace). Mit: Adrian Hoven (Inspektor Weston), Marisa Mell (Lilian Ranger), Christopher Lee (Captain Allerman), Pinkas Braun (Edwin Tanner), Eric Pohlmann (Kerkie Minelli), Christiane Nielsen (Cora Minelli), Klaus Kinski (der „schöne Steve“), Eddi Arent (Todesbutler Parker), Fritz Rasp (Mr. Tanner), Wolfgang Büttner (Chefinspektor Tetley), Edgar Wenzel (Babyface), Herbert A.E. Böhme (Oberst Drood), Günther Jerschke (Mr. Shelby), Sigrid von Richthofen (Mrs. Moore), Hans Paetsch (Lord Arlington) u.a. Uraufführung: 1. März 1962. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Hamburg im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Das Rätsel der roten Orchidee
Zur gleichen Zeit versuchen zwei amerikanische Gangsterbanden ihr Glück in London: Beide operieren nach dem Schutzgeldprinzip, erpressen Geld von ihren Opfern und drohen ihnen bei Nichtbezahlung mit dem Tode. Da derlei Sitten in London noch nicht etabliert sind und die Banden sich erst einmal Respekt verschaffen müssen, fallen mehrere Mitglieder der High Society den Drohungen der Gangster zum Opfer. Einer der Männer hinter dem Spuk ist der geborene Italiener Kerkie Minelli; sein großer Konkurrent, der Gaunerboss O’Connor, starb aber angeblich ein Jahr zuvor in Chicago einen brutalen Kugeltod. Wer also macht Minelli das neue Territorium streitig? Scotland Yard zieht FBI-Captain Allerman hinzu und findet heraus, dass alle Spuren in die Dorris-Bank führen, bei der die ebenfalls bereits erpresste Lilian Ranger angestellt ist ...


„In Amerika, da mag so etwas möglich sein. Das ist ein wildes Land. Aber bei uns in London?“

Bekanntermaßen pflegte Edgar Wallace eine Vorliebe für wilde Ganovenstories und auch für die mafiösen Herren, die in auffälligen Nadelstreifenanzügen und hinter solch organisiertem Verbrechen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten steckten. Im Jahr 1929 hatte er Al Capone kennengelernt und auf Grundlage dieses Treffens das Theaterstück „On the Spot“ verfasst. Seit Beginn des Tonfilmzeitalters erfreuten sich zudem in Hollywood schonungslose Filme über Bandenkriminalität großer Beliebtheit. Die Hauptverbrecher Minelli und O’Connor in diesem Streifen ähneln sowohl Capone als auch den typischen Rollenklischees damaliger Gangsterfilme in hohem Maße. Dennoch ist es schade, dass Helmuth Ashley und Egon Eis mit „Das Rätsel der roten Orchidee“ keinen Film zuwege brachten, der an Klassiker wie „Der kleine Caesar“, „Der öffentliche Feind“ oder „Narbengesicht“ anknüpft, womit er durchaus eine ernstzunehmende Bereicherung für die Vielfalt der Rialto-Reihe gewesen wäre. Stattdessen tappten Autor und Regisseur, die hier offenbar einen Kontrapunkt zu den klassischen Vehikeln „Fälscher“ und „Gräfin“ setzen wollten, in die Falle starker humoristischer Überspitzung, welche die aus den USA importierten Verbrechen lächerlich wirken lässt.

Es ist keinesfalls so, als verfüge der mit nur 81 Minuten ohnehin sehr kurze Film nicht über ein hohes Tempo und eine dichte Abfolge an Morden und Einschüchterungen. Die Härten, die gezeigt werden, verlieren sich aber in einem generell eher albernen, teilweise gar slapstick-haften Duktus – und ähnlich wie bei „Der grüne Bogenschütze“ wirkt sich die Ironisierung des Geschehens auch hier eindeutig negativ auf den Gesamteindruck aus. So erreichen fast alle Handlanger der beiden Hauptschurken nur karikatives Niveau, die Erpressungen leiden unter der unwahrscheinlichen Figur des bei allen Opfern angestellten „Todesbutlers“ und auch der Zweikampf zwischen den Banden wirkt eher amüsant als dramatisch. Hauptanteil am Umstand, dass man das Geschehen eher grinsend als mitfiebernd verfolgt, trägt auch die allzu leichtherzige musikalische Untermalung von Peter Thomas, während Franz Xaver Lederle mit seiner Kameraarbeit das Wallace-Universum um einige ikonische Momente (Auftaktszene in Chicago, Überfall auf den falschen Bankier Dorris im Zug, Spiegelung des Angreifers in der Wohnung von Babyface, Lilian Rangers nächtlicher Ausflug in den Tresorraum der Bank) bereicherte. Die spezielle Natur einiger Morde (Einsatz von Maschinengewehren und Rasiermessern) sowie die anfängliche Einblendung von Textinserts zu den Schauplätzen knüpfen zudem durchaus authentisch an us-amerikanische Stilistiken an.

Nicht nur thematisch, auch darstellerisch schlug man neue Wege ein. Als gefährliches Unterfangen stellt sich einmal mehr der Verzicht auf Joachim Fuchsberger in der Ermittlerrolle heraus; Adrian Hoven erscheint im Vergleich als eher unbefriedigender Ersatz, der ebenso wie Filmpartnerin Marisa Mell zwar „nett und adrett“ auftritt, aber die Frage aufwirft, warum man hier nicht wie üblich prominente und zugkräftige Schauspieler aus der ersten Garde wählte. Diese treten eher in kleineren Rollen auf und bereichern in dieser Funktion ausgewählte Szenen, so zum Beispiel die erprobten Charakterdarsteller Hans Paetsch, Fritz Rasp oder Klaus Kinski. Pinkas Brauns erster Edgar-Wallace-Auftritt gerät noch nicht so ikonisch wie seine späteren Rollen; auch bei Eddi Arent und Christopher Lee fand Ashley es offenbar schwer, die richtige Dosierung zu finden. Weniger aufdringliche Juxereien des Erstgenannten und zugleich ein präsenteres Auftreten des Zweiten wären dem Film gut zupass gekommen. Lee, dem man den Amerikaner vielleicht noch weniger abnimmt als den Chinesen, stellt trotz einiger gekünstelter Momente (Abschießen eines nächtlichen Verfolgers mit zwei Revolvern) seine Co-Ermittler im Handumdrehen in den Schatten, wirkt aber ein wenig wie ein teuer eingekaufter Special Guest, mit dessen Drehtagen man wegen des Budgets eng haushalten musste. Sehr präzise gelang die Besetzung der Minelli-Rolle, denn obwohl man seinen österreichischen Akzent deutlich durchhört, wirkt der stattliche Eric Pohlmann – stellenweise gemütlich leutselig, dann wieder gefährlich unnahbar – wie der ideale Obergangster.

„Das Rätsel der roten Orchidee“ bewegt sich in großen Schritten (und nicht nur wegen des signifikanten Humoranteils) weg von den ernstzunehmenden Krimithrillern der Wallace-Frühphase und hin zu den leichtherzigen Fantasiegeschichten späterer Phasen. Neben größeren Freiheiten in Bezug auf die Romanvorlage schlägt sich dies vor allem in dem Umstand nieder, dass der Film zu keiner Zeit gruselig oder bedrohlich wirkt; seine komplettes Augenmerk setzte Ashley stattdessen auf Unterhaltsamkeit und Kurzweil, der sich Logik und Glaubwürdigkeit häufiger als sonst beugen müssen. Als problematisch erweist sich vor diesem Hintergrund allerdings das Spielen mit offenen Karten, das es dem Publikum mangels Nachsynchronisation erlaubt, die Identität von O’Connor sofort zu enttarnen, und damit den voll auf Whodunit gebürsteten Showdown enttäuschend verpuffen lässt. Unterm Strich wirkt „Das Rätsel der roten Orchidee“ deshalb wie ein unkonventioneller und durchaus einfallsreicher Serienbestandteil, der aber formal und in Bezug auf Spannung und Identifikation nicht auf dem Niveau der meisten anderen Filme spielt.

Als die Gangster nach London kamen, drehten sie so manche Prinzipien bisheriger Wallace-Filme auf den Kopf. Da in den meisten Punkten jedoch Verschlimmbesserungen der üblichen Formel dabei herauskamen, blieb „Das Rätsel der roten Orchidee“ verständlicherweise ein Unikum, dessen Stil, Hauptdarsteller und Regisseur fürs Erste nicht mehr zur Wallace-Reihe zurückkehrten. Der Film ist dynamisch, schön anzusehen und bietet vor allem Lee, Kinski, Pohlmann und Wenzel dankbare Rollen, wäre aber besser in ernsthafter, harter und international vorzeigbarer Façon umgesetzt worden.

Uli1972 Offline



Beiträge: 25

12.01.2019 21:35
#3 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Mit "Das Rätsel der roten Orchdidee" wird innerhalb der Wallace-Reihe erneut Neuland betreten. Das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, wenn es denn vernünftig umgesetzt wird. Leider ist dies nicht der Fall. Statt eines Gangsterfilms im Stile amerikanischer Vorbilder, wurde eine wenig gelungene Parodie präsentiert. Nicht ganz so klamaukig wie "Der grüne Bogenschütze", aber eben doch eher lächerlich. Die Tatsache, dass die Identität O'Connors gleich zu Beginn durch seine Stimme aufgedeckt wird, verdirbt zudem jeglichen Rätselspass.
Mir gefällt "Orchidee" zwar insgesant etwas besser als "Bogenschütze", aber der Film ist wahrlich kein Ruhmesblatt. Hier wäre mit einer ernsthafteren Inszenierung viel mehr drin gewesen. Schade.
2 von 5 Punkten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.013

12.01.2019 22:26
#4 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Kann man die Stimme in der Anfangsszene nicht zur Blu-Ray-Veröffentlichung nachsynchronisieren? Das würden viele Wallace-Fans sicher mit 0,5 Bonuspunkten goutieren!

greaves Offline




Beiträge: 437

13.01.2019 02:01
#5 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Das Rätsel der roten Orchidee ..

Ist mir schon damals aufgefallen,als ich den Film das erste mal auf Sat 1 gesehen habe,der doch anders ist als alle anderen Filme der Reihe...

Schauspieler wie Fritz Rasp,Eddi Arent,Klaus Kinski sind ja hier schon bekannt.Leider ist das Fritz Rasp s letzte Darbietung in einem Edgar Wallace Film.In die S/W Filme hätte er noch weiter gepasst ,aber in die Farbfilme könnte ich ihn mir höchstens noch im Hund von Blackwood Castle oder in der blauen Hand vorstellen..Ganz grosse Freude bereitet mir der erste Wallace Beitrag von Pinkas Braun!!!Er ist immer (bei Wallace sicher)top.👌🏻In diesem Film zeigt er sein dämonisches ,teuflisches Spiel noch nicht so wie in seinen „folgenden“Wallace Auftritten.Ihn hätte ich gerne noch in 2-3 Wallace mehr gesehen. ..
Adrian Hoven passt hier nicht so ins geschehen des Films.Aber ich glaube das man hier wieder ausprobiert hat,was die Inspektoren Rolle angeht.
Kürzlich habe ich ein interessantes Interview von seinem Sohn (der auch Schauspieler ist) gesehen,in dem er einwenig von Adrian Hovens leben und seinen Arbeiten als Schauspieler und auch Regie (glaube ich)erzählt.Leider ist er früh von uns gegangen,da er schon länger mit dem Herz Probleme hatte.
Marisa Mell geht in diesem Streifen völlig unter.

Drehorte hat man aus diesem Film schon mehrere gefunden und doch noch nicht alle. Als ich letztes Jahr in Hamburg war,habe ich diese schon gefundenen aufgesucht.
In der Milchstrasse hätte man noch ein paar gut London passende Ecken nutzen können ( vielleicht hat man die doch genutzt und man hat das noch nicht richtig gecheckt ..

Die Musik von Peter Thomas ist ein Ohrwurm und gefällt mir gut.
Die Story ist wie schon gemerkt,nicht so ganz der gewohnte Wallace „like“. Ist aber eine gute Abwechslung.
„Gangster in London „hätte besser als Titel für den Film gepasst ...

Ich gebe dem Film 3 von 5 Punkten.

Ab dem nächsten Film kommt man (finde ich ) dem typischen Wallace Flair richtig näher

patrick Offline




Beiträge: 2.980

13.01.2019 11:50
#6 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Das Rätsel der roten Orchidee (1961/1962)




Regie: Hellmuth Ashley

Drehzeit: 05.12.1961 - 15.01.1962

Mit: Christopher Lee, Adrian Hoven, Marisa Mell, Pinkas Braun, Christiane Nielsen, Eric Pohlmann, Klaus Kinski, Eddi Arent, Fritz Rasp, Wolfgang Büttner, Herbert A. E. Böhme, Günther Jerschke, Sigrid von Richthofen, Hans Paetsch, Edgar Wenzel, Hans Zesch-Ballot, Friedrich Georg Beckhaus, Horst Breitkreuz, Kurt A. Jung, Benno Gellenbeck, Charles Palent, Helmuth Ashley, Konrad Mayerhoff, Florent Antony, Lutz Schwiers, H. M. Crayon, Peter Frank, Wilhelm Fricke, Joachim Rolfs, Frank Straass, Xaver v. Dombrowski, Bert Segatz


Handlung:

Zwei Gangsterbanden aus dem fernen Chicago haben sich ausgerechnet in London niedergelassen und fordern beträchtliche Schutzgeldbeträge von wohlhabenden Personen ein. Wer nicht zahlt, wird nach amerikanischer Lesart gnadenlos in's Jenseits befördert. Der englische Inspektor Weston und der amerikanische FBI-Mann Captain Allerman ermitteln gegen die beiden Banden, die sich inzwischen aufgrund von Revierstreitigkeiten in den Haaren liegen. Auch die junge Lilian Ranger wird mit einer Schutzgeldforderung konfrontiert, nachdem sie völlig überraschend eines der Mordopfer beerben sollte...

Anmerkungen:

Zum ersten und (Gott sei Dank) letzten Mal hat Helmuth Ashley die Regie eines Wallace-Films übernommen, was leider keinen Gewinn für die Serie darstellen sollte, denn hier wurde praktisch alles außen vor gelassen, was den besonderen Reiz der Reihe ausmacht. Fairerweise muss ich jedoch einräumen, dass die Hauptschuld dem Drehbuch anzulasten ist. Es handelt sich bei der "Orchidee" nämlich um einen reinen Gangsterfilm - und nicht einmal um einen besonders guten, da man solche Elemente in anderen Filmen sehr viel besser bediente. Man hätte das Drehbuch lieber vorläufig schubladisieren und für den 1965 in Aktion tretenden Jerry Cotton aufheben sollen, wobei auch dessen Filme besser waren. Von der inzwischen liebgewonnenen Grusel-Atmosphäre und den exzentrisch maskierten Hauptbösewichtern fehlt in diesem Streifen jede Spur, was ihn, abgesehen von einigen Darstellern, jeglichen Wiedererkennungswerts beraubt. Klaus Kinski, Pinkas Braun und Christopher Lee geben zwar wirklich ihr Bestes um ihre interessanten Rollen angemessen mit Leben zu füllen, scheitern aber bei dem Versuch, gegen das laue Drehbuch anzukämpfen.

Der im Heimatfilm, Lustspiel, deutschem Kostümfilm und/oder Revuefilm, etc. deutlich besser aufgehobene Adrian Hoven kommt als Inspektor ohne jegliches Charisma daher und hält dem Vergleich mit keinem einzigen seiner Vorgängern in irgend einer Weise stand, sondern drängt sich viel mehr als gar peinliche Fehlbesetzung auf. Marisa Mell ist sicherlich Geschmackssache, ich persönlich konnte leider nie viel mit ihr anfangen. Klaus Kinski hat zumindest die Möglichkeit, als "Schöner Steve" einmal nicht als Geisteskranken, sondern als gerissener und nicht auf den Mund gefallener Gangsterboss aufzutrumpfen und dadurch etwas andere Facetten seines Könnens unter Beweis zu stellen, was durchaus erfrischend wirkt. Etwas Leid tut es mir um den von mir sehr geschätzten Christopher Lee, da er niemals in einem wirklich guten Wallace in Erscheinung treten durfte. Pinkas Braun ist ein interessanter Zuwachs im Wallace-Universum. Seine arrogante, überhebliche und sehr selbstsichere Darstellung sollte zu seinem Markenzeichen werden. Peter Thomas Musik ist ein sehr angenehmer Ohrwurm, würde aber wesentlich besser in eine britische Krimikomödie im Stile von Miss Marple passen.

Ansonsten fällt mir auf der Habenseite leider nicht mehr allzu viel ein, da diesen Krimi heute vielmehr die Aura eines aus der Klamottenkiste hervorgeholten, reizlosen Epigonen umgibt, als die einer waschechten Rialto-Produktion. Neben dem bereits erwähnten Ausbleiben typischer Wallace-Elemente fehlen die Höhepunkte und echte Spannung kommt auch an keiner Stelle auf. Bei der Sichtung wurde ich mehrfach von Müdigkeit übermannt und ertappte mich immer wieder dabei, auf die Uhr zu blicken - ein Phänomen, das ein guter Wallace niemals zulässt. Irgendwie scheint der Film nicht zu wissen, ob er nun Krimi, Gangsterfilm oder gar Parodie sein sollte. Letzteres wird durch einen unrunden und eher hölzernen Humor angedeutet.

Fazit:

Belangloser Gangster-Film, der hinter seine amerikanischen Vorbilder meilenweit zurückfällt und es an keiner Stelle schafft nennenswerte Akzente zu setzen, geschweige denn eine mitreissende Dramaturgie anzukurbeln. "Die Orchidee" disqualifiziert sich durch ein Sakrileg, dass einem Krimi praktisch das Rückgrat brechen muss - er langweilt. Damit ist der Versuch, das Wallace-Genre auf neue Pfade zu lenken, ordentlich in die Binsen gegangen. Mit sehr viel Wohlwollen und unter Berücksichtigung einiger guter Darstellerleistungen sind 2 von 5 Punkten hier leider das höchste der Gefühle. Damit handelt es sich eindeutig um einen der Anwärter auf die Rote Laterne unter den Schwarzweiß-Wallace.



P.S: Analog zu @Gubanov und den Kutten scheine ich ein gestörtes Verhältnis zu Blumen bei Wallace und den Epigonen zu haben. "Narzissen", "Orchidee", "Nelke"....wollen bei mir alle nicht blühen.

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 24

13.01.2019 13:02
#7 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Auch dieser Film wurde früher im Fernsehen längst nicht so häufig gezeigt, wie Hexer, Zinker & Co. Deshalb bin ich sehr spät zu diesem Beitrag zur Serie gekommen.
Immerhin ist er schon auf Bluray erschienen - das Bild ist also schon mal gut, allerdings rauscht der Ton mitunter stark, was man wohl nicht beheben konnte.

Laut Christos Tses' Buch bekam Ashley vom Constantin-Chef persönlich den Auftrag, eine Persiflage zu drehen, was ihn etwas entlastet. Es wirkt aber, als ob er dies nicht allen mitgeteilt hätte - für eine Parodie wirken das Spiel von Adrian Hoven und Pinkas Braun einfach zu ernst. Generell finde ich Hoven etwas schwierig hier. Er harmoniert zwar gut mit Marisa Mell, aber es scheint so, als ob sie schon ewig befreundet wären - und dadurch wird dem Ganzen das Neue, Spannende genommen.

Marisa Mell ist überhaupt ein Traum. Natürlich attraktiv und elegant wie immer - aber auch erfreulich ironisch und selbstbewusst, was mir an vielen Frauenrollen bei EW-Filmen oft etwas gefehlt hat. Vielleicht geht da meine persönliche Vorliebe mit mir durch, aber ich hätte sie gerne häufiger gesehen - nicht nur kurz im Halbmond als Opfer der Bohrmaschine...

Wirklich ärgerlich ist Eddi Arrent, der hier auf einem Niveau agiert, das an Hans Terofal als trotteliger Pedell in den unsäglichen Pauker-Filmen erinnert.

Der Fauxpas mit der Stimme wurde ja nun schon häufig erwähnt - es gibt auch Vermutungen, dass es gar keiner war, sondern eher ähnlich wie bei Columbo darum gehen sollte, wie der nun früh bekannte Verbrecher dingfest gemacht wurde.
Wenn dies so sein sollte, dann hat das schon mal nicht funktioniert, weil man davon gar nichts mitbekommt bis zum eher zufällig erscheinenden Showdown.

Zitat
Kann man die Stimme in der Anfangsszene nicht zur Blu-Ray-Veröffentlichung nachsynchronisieren? Das würden viele Wallace-Fans sicher mit 0,5 Bonuspunkten goutieren!


Es ist ja nicht nur die Stimme - in der Szene, in der Kinski mit Braun im Nebenzimmer des Tabakladens spricht, erkennt man den Schauspieler ganz deutlich, obwohl der den Rücken abgewandt hat.
Aber auch ohne Stimme - wer sollte es denn sonst sein? Und wenn sich zwei Männer um eine Frau streiten, dann gilt das eherne Krimi-Gesetz: einer von beiden muss ein Schurke sein!

Die kurze Szene, in der Marisa Mell im Tresorraum ist - mit der bedrohlichen Musikuntermalung (naja, eigentlich nur Bassnoten), ist für mich auch die einzige, bei der echtes Wallace-Gefühl und - Atmosphäre aufkommt.

Was sonst noch auffällt:
- das Hotel in Chicago in der Eingangsszene sieht so wenig nach Hochhaus in Chicago aus, wie nur irgendwas. Selbst damals bei einer preisbewussten EW-Verfilmung hätte man das anders regeln können.
- Die Dorris-Bank wurde für 300.000 GBP verkauft? Selbst für damals wohl ein bisschen wenig, oder?
- Der "Heiratsantrag" von Fritz Rasp ist wohl der ungewöhnlichste und unromantischste ever (wenn man mal von Erpressungen wie in den toten Augen von London absieht). Sein Gesicht und wie er das "Heiraten" geradezu herausschreit - köstlich

Insgesamt für mich eher enttäuschend mit 1,5 von 5

Giacco Offline



Beiträge: 1.673

13.01.2019 13:27
#8 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

"Regisseur Helmut Ashley hat dieses Krimi-Puzzle spannungsreich inszeniert, die banale Chronik der Gewalttaten wird mit grotesken Gags aufgemöbelt. Die komischste Figur in der Sammlung der üblichen Standardtypen gibt Eddi Arent als eigenwilliger Butler, in Dämonie macht Klaus Kinski, Marisa Mell liefert Charme. Die weitere Besetzung mit Pinkas Braun, Adrian Hoven, Christopher Lee und Wolfgang Büttner vervollständigt das Ensemble kontrastreich. - Das Werk findet beim Kriminalfilmpublikum lebhaften Anklang."
(Film-Echo, März 1962)

Giacco Offline



Beiträge: 1.673

13.01.2019 13:36
#9 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Film-Echo-Note: 3,2 (54) / Erstnote: 2,4

Ein weiterer Wallace-Film, der in Frankreich nicht landesweit ausgewertet wurde. Er lief nur im Elsass.
Wie zuvor schon der "Bogenschütze" erhielt auch die "Orchidee" eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren.



Diese Szene ist auf dem Filmplakat, der DVD-Hülle, dem NFP-Programm und in alten Filmzeitschriften abgebildet. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, sie im Film gesehen zu haben. Trägt Marisa Mell ihr Haar überhaupt mal offen?

Count Villain Offline




Beiträge: 4.013

13.01.2019 17:33
#10 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Gangster-Posse meets Wallace-Mystery

Ich schließe mich den Vorrednern an: Der bisher schwächste Schwarz-Weiß-Wallace.

Ich habe dunkel in Erinnerung, diesen Film als Heranwachsender noch einigermaßen interessant und kurzweilig gefunden zu haben, aber bei der heutigen Sichtung hat er mich einfach nur gelangweilt. Vor allem auch im Vergleich mit den vier wirklich starken Vorgängern Gräfin, Fälscher, Narzissen und Augen.

Wer auch immer letztendlich die Anweisung dazu gab, aber Schuld daran ist eindeutig die Inszenierung. Einzig als die Bankschließfächer ins Spiel kommen, kommt zum ersten und einzigen Mal Spannung und Atmosphäre auf. Dieser Umstand ist umso bedauerlicher, da ansonsten alles passt: Schauspieler, Buch (obwohl man aus dem Oberst-Strang mehr hätte machen können - was hätte man für Suspense herausholen können, wenn er trotz der Verbarrikadierung ermordet worden wäre? Vergiftet zum Beispiel), vor allem aber auch die hochwertige und detailreiche Ausstattung. Letztere war für mich das Highlight des Films, gerade auch in Blu-Ray-Qualität. Wäre die nicht gewesen, könnte die Orchidee auch leicht als österreichischer Zehetgruber-Epigone durchgehen (Pohlmann, Hoven und Mell unterstreichen diesen Eindruck).

Was O'Connor angeht, erkennt man ihn bereits in der Eröffnungsszene auch schon optisch. Entweder zeigt man ihn ganz oder versteckt ihn besser (optisch und akustisch), aber vermutlich war genau dieses Zwischending daraus das persiflierende Element daran. Ich weiß es nicht. Warum alle felsenfest von seinem Tod ausgehen, weiß ich auch nicht. Man hat "seinen" Leichnam wohl kaum eindeutig identifizieren können. Auch hier hätte aus der Frage "lebt er oder nicht?" sicher auch noch einigen Suspense ziehen können. Dass Weston es für unmöglich hält, dass der Name unter dem Scheck, mit dem die Bank gekauft worden ist, O'Connor lautet, ist dahingegen eher niedlich-naiv zu nennen. Als gäbe es in Chicago nur einen Mann diesen Namens! Auf die vielen anderen Logik- und Inszenierungsschwächen will ich gar nicht erst eingehen. Das können andere machen (schönen Gruß an @Dr. Oberzohn ).

Nur eine Sache finde ich noch erwähnenswert: Das Abliefern von Babyface bei sich zuhause durch die Polizei. Dass das einem Todesurteil gleichkommt, haben die Beamten sicher gewusst. Das macht Scotland Yard in diesem Film für mich in etwa genauso sympathisch wie Featherstone im Bogenschützen, der die befreite Elaine schon oft besucht hat, aber Bellamy dennoch als Zielscheibe für den Bogenschützen laufen lässt und somit zu dessen Komplizen wird (es hat sich ja noch nicht mal um eine aufgestellte Falle für den Bogenschützen gehandelt). Dennoch ist die wahre Entdeckung eine andere: Adrian Hoven wird in der Szene im Auto von Heinz Drache synchronisiert, wenn ich mich nicht verhört habe!

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #7
- Die Dorris-Bank wurde für 300.000 GBP verkauft? Selbst für damals wohl ein bisschen wenig, oder?


Mit einem Faktor von 15 bis 20 kannst du in den letzten 55 Jahren durchaus ausgehen. Das wären heutzutage also Minimum 4,5 Millionen Pfund. Ich hatte das selbst mal für eines meiner Hörspielprojekte recherchiert.

tilomagnet Offline



Beiträge: 516

13.01.2019 17:49
#11 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Der frühen Wallace Reihe muss man zugute halten, dass oft neue Wege gesucht wurden, um das Publikum nicht mit Wiederholung schnell zu sättigen. Das ist der eine Pluspunkt dieses Films, auch die Musik ist gelungen und die Besetzung passend. Marisa Mell ist bezaubernd, Adrian Hoven zwar etwas langweilig aber dafür akzeptabel. Dafür hat Eddi Arent zum ersten Mal eine richtig nervige Rolle, hier hätte man ihn besser eingebremst.

Dass Pinkas Braun gleich zu Beginn an der Stimme erkennbar ist, will ich auch nicht als Negativpunkt anführen. Mir ist es beim ersten Sehen nicht aufgefallen. Eher seltsam dass dies hier als Kritik aufgeführt wird; ich erinnere mich an den NARZISSEN Thread, wo bemängelt wurde, dass Kinski eindeutig nicht der Mörder unter der Maske ist! Wie man es macht, ist es nicht recht!

Trotzdem fehlt hier vor allem eines: Höhepunkte! Insgesamt ist der Film einfach zu spannungsarm und belanglos und der who dunnit wird erst im letzten Drittel des Films zaghaft aufgebaut und trägt eher wenig zum Spannungsaufbau bei. Daher finden sich die ORCHIDEEN mit VERRÄTERTOR und GRUFT auf den hinteren Plätzen der s/w Filme wieder. 2,5/5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.980

13.01.2019 20:13
#12 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Auch mir ist das mit Conners Stimme bei der ersten Sichtung nie und nimmer aufgefallen, drum würde ich das auch nicht als Kritikpunkt anführen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es diesbezüglich den allermeisten herkömmlichen Kinobesuchern wohl ähnlich gegangen ist.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.635

14.01.2019 07:12
#13 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Dass man O'Connor so leicht erkennt, ist natürlich ein klarer Minuspunkt, denn durch diese Inszenierung verrät der Film völlig unnötigerweise ein Geheimnis, welches das Drehbuch, das wiederum klar auf einen Whodunit angelegt ist, eigentlich zu hüten versucht. Offenbar wollte Ashley im Gegensatz zu den anderen Wallace-Filmen in der Orchidee "Fairplay" gegenüber dem Zuschauer betreiben, was aber übel nach hinten losging. Wenn man den Haupttäter trotz Whodunit offen zeigt, muss man es geschickter und weniger platt angehen, sodass dem Zuschauer z.B. gar nicht bewusst ist, dass er ihn gesehen hat (vgl. etwa "Profondo Rosso"). Nachsynchronisationen hatten sich darüber hinaus im Rahmen der Wallace-Reihe eigentlich bereits als probates Mittel erwiesen, auf das man zur Verschleierung der Täteridentität zurückgreifen konnte, ohne das Publikum zu verärgern.

Bei den "Narzissen" ist es wieder ein anderer Fall, weil dort nicht nur die Stimme nicht passt, was akzeptabel oder eben sogar wünschenwert ist, sondern auch das Gesicht offenkundig nicht dem echten Täter gehört. Das ist dann einfach Betrug am Zuschauer, aber in meinen Augen nicht gar so schwerwiegend wie der Fehlgriff mit der übertriebenen Offenheit in "Das Rätsel der roten Orchidee".

Counts Vorschlag mit der nachträglichen Nachsynchronisation ist zwar lieb und nett (und wahrscheinlich nicht ganz ernst gemeint), aber kommt knapp 60 Jahre zu spät. Jetzt, wo der Film ohnehin schon den größten Teil seines Publikums gefunden hat, braucht man die verschüttete Milch auch nicht mehr aufzuwischen versuchen.

Giacco Offline



Beiträge: 1.673

14.01.2019 12:04
#14 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #13
Offenbar wollte Ashley im Gegensatz zu den anderen Wallace-Filmen in der Orchidee "Fairplay" gegenüber dem Zuschauer betreiben, was aber übel nach hinten losging.

Dann spekuliere ich auch mal:
Pinkas Braun besaß damals bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad, den er als mehrfacher Wallace-Darsteller hier im Forum hat und man konnte davon ausgehen, dass ihn die überwiegende Mehrheit der Zuschauer weder von hinten noch an der Stimme erkennen würde.

Stephan Offline



Beiträge: 92

14.01.2019 12:47
#15 RE: Wallace der Woche (10): Das Rätsel der roten Orchidee (1961/62) Zitat · antworten

Gong:
*1/2 (mäßig): „Die gewohnte Mixtur aus Nonsens, Grusel, ungeschickter Regie und unterhaltsamer Spannung; für Fans, die sich an der Wallace-Masche nicht sattsehen können.“

Pauer:
„Helmut Ashley inszenierte diesen Reißer mit viel Tempo und Action und hatte eine Reihe kompetenter, wenngleich für die Wallace-Serie untypische Darsteller (…) zur Verfügung.“

Kramp:
„Der Film wurde als gelungen eingestuft, ein temporeiches, spannendes und humorvolles Gangsterstück. Das einzige Manko bestand darin, dass man bei der Eröffnungssequenz in Chicago den Gangster O Connor an seiner Stimme erkennt. (…)
Regisseur Helmut Ashley lieferte zwar einen akzeptablen Film ab, aber nach Aussage einiger Beteiligter (…) hatte er sich während der Dreharbeiten mehr um seine Doggen gekümmert als um die Schauspieler.
Innerhalb der Serie jedoch hat dieser Film seinen Platz als Qualität-haltendes und mitbestimmendes Werk.“

Tses:
„Wenn die Edgar-Wallace-Filme eine Persiflage die gesamte Krimigattung sind, so ist „das Rätsel der roten Orchidee“ eine Persiflage auf die Edgar-Wallace-Filme. Wenn man den Täter bereits von der ersten Minute an an seiner Stimme erkennt, wenn alle Gangster in schwarzen Anzügen herumlaufen, sodass der Zuschauer sie sofort erkennt, wenn sich herausstellt, dass der Butler mit den Morden nichts zu tun hatte, sondern per Zufall der Diener aller Opfer wurde, und so vieles mehr, dann kann hier die Rede nur von der Absicht eines komischen Geniestreich des Regisseurs Helmuth Ashley sein. Obwohl beim Publikum nicht angekommen verstanden die Rezensenten Ashley und überhäuft den Film mit Wohlwollen Lob.
„Ich bekam einen Anruf von Konstantin-Chef Waldfried Barthel,“ so Helmut Ashley, „der mir sagte, dass es der Wunsch des Verleihs der Rialto sei, den Film als Persiflage zu drehen und das habe ich getan.“ “

Hohmann:
„Inhaltlich wie optisch eher Gangster- statt Kriminalfilm, recht reißerisch mit hohem Tempo inszeniert, verzichtete Ashley nahezu gänzlich auf die üblichen Mechanismen deutschen Gruselkrimis. (…) Der Streifen ist doch wesentlich schneller und bedeutend witziger als die bisherigen Produktionen. (…) Auf seine eigene Art und Weise hielt Ashley mit seinem fast schon neckischen, frischen und temporeichen Inszenierungsstil das - bis auf einige Ausrutscher nach oben und unten - konstant hohe Niveau der bisherigen Rialto-Produktionen, bereicherte es eventuell sogar um eine interessante Note - doch entweder war das Publikum für so etwas auch nicht bereit, oder es war noch deprimiert von „die seltsame Gräfin“.
So oder so: der Erfolg blieb aus, sodass Ashley kein weiteres Mal als Regisseur für die Wallace-Reihe hinter die Kamera zurückkehrte. Rückblickend betrachtet äußerst bedauerlich, denn handwerklich ist ihm aus heutiger Sicht wenig vorzuwerfen, sein eigener Stil unterschied sich dann doch von der Handschrift der Serientäter Harald Reinl oder Alfred Vohrer. So ist das Rätsel der roten Orchidee aber immer noch eine interessante thematische Variation und hat alleine schon deswegen seinen wohlverdienten Platz innerhalb der Rialto-Reihe inne - trotz des durchwachsen Erfolgs an den Kassen..“

Meine Meinung:
Wie schon in den einschlägigen Büchern angeklungen, ist „Das Rätsel der roten Orchidee“ weniger ein ernst gemeinter Wallace-Film sondern eine Persiflage. Wobei ich ihn als Wallace-Persiflage misslungen finde, nimmt er doch vom Grundsatz her keine oder zu wenige wirklichen Wallace-Stilelemente aufs Korn, als Gangster-Film-Persiflage ist das Ganze aber absolut unterhaltsam – auch dank zahlreicher quasi Gastauftritte.
Da er aber innerhalb der Wallace-Serie nicht so recht passen will und kein wirkliches Wallace-Flair aufkommt, müssen knappe 3 von 5 Punkten genügen…

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