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Dieses Thema hat 35 Antworten
und wurde 1.470 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

01.12.2018 00:00
Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten



Edgar Wallace: Die Bande des Schreckens

Als Ersatz für einen Wallace-Adventskalender gibt es dieses Jahr unter anderem einen Ausflug ins feudale Golfhotel von Little Heartsease, der leider (oder Gott sei Dank?) von einigen rätselhaften Todesfällen überschattet wird. Nach Amphibien, geometrischen Formen und verrückten (Ex-)Franzosen könnte der Mörder diesmal womöglich aus dem Reich der Toten zurückgekehrt sein und in Form der Galgenhand nach seinen Opfern greifen.

Sind Grusel und Spannung bei dieser Ausgangslage nicht schon vorprogrammiert? Im Filmgrandprix 2014 belegte „Die Bande des Schreckens“ einen sehr vorzeigbaren dritten Podiumsplatz und hat damit im Rahmen der hier folgenden Sezierungen einen guten Ruf zu verlieren – oder eben auch nicht ...

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 3 von 36 (85,68 %)

Uli1972 Offline



Beiträge: 14

01.12.2018 07:57
#2 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

"Die Bande des Schreckens" ist mein Favorit im Rahmen der Wallace-Reihe.
Die Story liefert alles, was ich mir bei einem Krimi wünsche. Der Film bietet Spannung, Gruselelemente, die Chance zum Mitraten und eine durchaus überraschende Auflösung. Die Besetzung ist sehr gut. Vor allem Elisabeth Flickenschildt kann bei ihrer Wallace-Premiere überzeugen.
Kritikpunkte: Die technische Umsetzung der Auto- und Bootsfahrten ist dürftig, war aber damals auch in anderen Filmen mit vermutlich höherem Budget ähnlich gestaltet.
Der Schlussteil ist zumindest
diskussionswürdig. Der Inspektor wird nicht "einfach" umgebracht, wozu es genügend Gelegenheiten gibt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. So kommt "Blacky" letztlich ungeschoren davon. James Bond lässt grüssen.
Ansonsten finde ich die Geschichte und ihre Inszenierung aber richtig gut.
Die "Bandes des Schreckens" erhält von mir 4,5 von 5 Punkten.

patrick Offline




Beiträge: 2.954

01.12.2018 17:07
#3 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Die Bande des Schreckens (1960)



Regie: Harald Reinl

Drehzeit: 18.06.1960 bis 23.07.1960

Mit: Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Elisabeth Flickenschildt, Fritz Rasp, Dieter Eppler, Ulrich Beiger, Karin Kernke, Ernst Fritz Fürbringer, Eddi Arent, Karl Georg Saebisch, Alf Marholm, Günther Hauer, Otto Collin, Josef Dahmen, Klaas Akkermann, Karl-Heinz Peters, Werner Hedmann, Marga Maasberg, Mita von Ahlefeldt, Peter Frank, Siegfried Freese, Ludwig Meybert, Horst Krüger, Rudolf Möller, Marga Meybert, Alfons Seyler, Karl-Heinz Kreienbaum, Wilhelm Walter, Reinhold Nietschmann


Handlung:

Der berüchtigte Scheckfälscher Clay Shelton geht Scotland Yard in's Netz, was einen Beamten das Leben kostet und ihm selbst dafür den Galgen einhandeln sollte. Unmittelbar vor seinem Freitod durch Zyankali verflucht er alle, die irgendwie an seiner Ergreifung und geplanten Hinrichtung beteiligt waren, mit der drohenden Galgenhand. Tatsächlich sollte es nicht lange dauern, bis sich Sheltons Geist immer wieder zeigt und die Verfluchten einer nach dem anderen aus dem Leben scheiden. Inspektor Long, der Shelton gefasst hat, ist nun auf's Äußerste gefordert sowohl sein eigenes Leben als auch das seiner Schicksalsgenossen vor der Galgenhand zu bewahren...

Anmerkungen:

Dem vorliegenden Film ist erfreulicherweise unschwer anzusehen, dass Harald Reinl wieder das Ruder übernommen hat und dabei den Mut für recht vordergründige Grusel-Elemente aufbrachte, die sehr geschickt in die Krimihandlung eingeflochten wurden. "Die Bande des Schreckens" kommt sehr schnell zur Sache und zeichnet sich durch einen beachtlichen Body-Count aus. Zu Beginn wird man glatt an Hammers Grusel-Werkstatt erinnert, aus der das geisterhafte Erscheinen des Toten Verbrechers und die unheimlichen und stürmischen Nächte ohne Weiteres entstammen könnten. In der Mitte hat der Film dann einen leichten Durchhänger, der aber durch ein atmosphärisches und stimmungsvolles Finale wieder wettgemacht wird.

Eddi Arent ist hier wesentlich klamaukafter als bei seinen Aufritten im "Frosch" und "Kreis" angelegt, was aber in der sonst sehr ernsten Geschichte nicht unbedingt als Störfaktur wahrgenommen wird. Erstmals spielt Miss Krimi, Harald Reinls Ehefrau Karin Dor, in einem Wallace-Film mit, nachdem sie beim "Frosch" noch ausgespart wurde. Die Chemie zwischen ihr und dem nun als Inspektor debütierenden Joachim Fuchsberger ist vom Fleck weg sehr natürlich und harmonisch. Begegnet sind die beiden sich, wie ich glaube, schon früher in irgend einer Heimat-Schnulze, die ich in Ermangelung einer Begeisterung für derartige Genres nur dunkel in Erinnerung habe. Schauspielerisch wird sie noch nicht sonderlich gefordert. Jugend und Attraktivität ermöglichten ihr aber einen Sympathie-Vorschuss, den sie auch gleich am Schopfe packte um sich nach und nach weiterzuentwickeln.

Es wurden weitere Akzente gesetzt, die später die typische Wallace-Atmosphäre ausmachen sollten, was das Konkurrenz-Produkt "Der Rächer" aufgrund der viel sorfältigeren und professionelleren Inszenierung sehr rasch auf seine Plätze verwies. Das Reinl-Team zeigte eindrucksvoll vor, wie man die Kamera schwenkt und einen Wallace-Film richtig dreht, was Kurt Ulrich in schmerzvoller Einsicht dann wohl dazu bewogen haben dürfte, das Handtuch zu werfen. Gadgets, Maskierungen, Schauplätze, Grusel, überraschende Auflösung - Die Bande hat alles drin was einen "echten" Wallace ausmacht.

Gewisse Logik-Mängel darf man in dieser liebevoll gepflegten Märchenkrimi-Welt ruhig tolerieren, tun sie dem Unterhaltungswert doch keinen Abbruch. Dass Ulrich Beigers Charakter zur Bande gehört, lässt sich relativ leicht ausmachen ohne dabei zu viel zu verraten, ist er doch durch seine bisherigen Auftritte schon sehr vorbelastet. Die Entlarvung des Shelton-Geistes lässt dann aber immer noch genügend Raum für einen wirkungsvollen Whodunit offen.

Fazit:

Typischer Vorzeige-Wallace, der die liebgewonnene "German-Grusel-Atmosphäre" besonders pflegt und eine spannende Auflösung bietet. Was will man mehr? Selbstverständliche 5 von 5 Punkten .

Count Villain Offline



Beiträge: 3.954

01.12.2018 19:22
#4 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Gestern Abend schon angeschaut. Mal schauen, was ich heute noch so Brauchbares zu dem Film auf die Reihe bekomme.

Fortsetzung folgt

Nach dem durchaus etwas betulichen und stringenteren Rächer, der eher als Literaturverfilmung dahergekommen und mehr als offensichtlich auf die finale Enthüllung inszeniert worden ist, setzt die Bande als dritter Film aus dem Hause Rialto die Marke Wallace als waschechter Kino-Reißer fort. Wir sind zurück bei den dramaturgischen Schlaglichtern, den Verbrechern mit einer Vielzahl von Handlangern und die Morde sind - gerade zu Beginn - wieder eng getaktet.

Doch auch noch weitere Vergleiche bieten sich an. Einen schönen Beweis für die These, dass Stürze immer so gefährlich sind, wie man es gerade braucht, findet man hier. Während Ruth Sanders und Michael Brixan ihre Stürze ohne nennenswerte Verletzungen überstehen, bricht sich hier der Richter aus kaum mehr als einer Mannshöhe gleich das Genick. Aber wahrscheinlich hängt das auch davon ab, ob man alleine oder mit Treppe zu Boden geht.

Ein besonders bemerkenswertes Detail, das wiederum alle vier Filme eint, ist das Sujet des Henkers und der Hinrichtungen. Auch das ist leider später gänzlich verloren gegangen. 1964 wurde die Todesstrafe in England dann auch abgeschafft. Eigentlich ein herber Verlust für die Krimi-Welt. Hier jedoch bekommen wir dankenswerterweise noch einen Henker geliefert. Ein Glück für John Bennett, dass er seinen Beruf an den Nagel gehängt hat, den der französische Scharfrichter, der mutmaßlich kein Longval mehr war, in vorausschauender Weise für ihn eingeschlagen hat. So ging es nur seinem namenlosen Nachfolger an den Kragen.

Und, um noch einmal auf den Rächer zurückzukommen, wer sich dort an den deutschen Namen gestört hat, dem sollte die Inkonsequenz in der Bande eigentlich noch viel saurer aufstoßen. Wir hören zwar "Mrs. Revelstoke", aber auch "Herr Holder". In der Szene gab es wohl eine Raum-Zeit-Verzerrung und Frau Dor hat uns in ihre Zeit der Heimatfilme zurück katapultiert.

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast

Inhaltlich nimmt die Bande den modernen Slasherfilmen bereits einiges vorweg. Hier wie dort meucheln Rächer mitleidlos die Beteiligten eines bestimmten Ereignisses. Und hier wie dort ist die Anzahl der angesammelten Leichen am Ende hoch. Wobei Reinl natürlich alles im Stile eines Kriminalthrillers inszeniert und selbstverständlich nicht als Horrorfilm. Ganz im Gegenteil. Denn - leider, so möchte man fast sagen - gerät das wunderschöne Motiv der Galgenhand ab Little Heartsease doch so ziemlich aus dem Fokus, bzw. verkommt von einem Synonym für Mord und Tod zu einem bloßen Rauchbombenwerfer. Was an sich natürlich wieder passt, ist doch diese Maskerade nichts weiter als eine große Nebelbombe - und ein großartiger Einfall der Drehbuchautoren.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Weniger originell, um nicht zu sagen völlig überflüssig hingegen die Hinzudichtung eines Zwillingsbruders für Mr. Monkford. Diese Nebelbombe erweist sich im Nachhinein als Rohrkrepierer. Die Rolle erfüllt keinen anderen Zweck als für einen Logikfehler zu sorgen. Mr. Henry wusste schließlich ganz genau, welcher Bruder nach Glasgow zurückfahren würde. Ob er das an seine Mitverschwörer falsch kommuniziert hat? Oder gar nicht? Solche Stümperei steht der Galgenhand nicht gut zu Gesicht. Aber im Sinne der strengen Mordtaktung brauchte man wohl zu diesem Zeitpunkt noch schnell eine weitere Leiche. Darüber, dass die Identifikation seines Zwillings(!)bruders durch Bankier Monkford etwas unfreiwillig komisches hat ("Erkennen Sie ihn?", nö, sieht zwar aus wie ich, aber nie im Leben gesehen), breiten wir auch lieber das Leichentuch des Schweigens.

Überhaupt ist die Rolle des Mr. Henry für meinen Geschmack - auch durch die Besetzung mit (mittlerweile schon Bösewicht vom Dienst) Ulrich Beiger - zu plakativ geraten. Das mag den Thriller-Aspekt des Films stärken, die kriminalistische Seite wird jedoch geschwächt. Ich hätte mir die Darstellung lieber ähnlich hintergründig gewünscht wie die große Elisabeth Flickenschildt ihre Miss Revelstoke angelegt hat. Eine dermaßen über den Dingen stehende Performance sollte es erst wieder mit Margot Troogers Cora Anne Milton im Hexer geben. Ein Gutes hat die Filmversion des Mr. Henry allerdings doch. Das Zusammenspiel zwischen Flickenschildt und Beiger in ihren gemeinsamen Szenen mit Karin Dor ist überaus gelungen und hat im Besten Sinne etwas von "Guter Bulle, böser Bulle". Dennoch, meine Wahl für diese Rolle wäre eher ein höflich-zurückhaltender, dafür aber latent psycho(pa)t(h)ischer Hans Clarin gewesen als ein drohend-polternder Beiger.

One Man Show

Die Bande ist der erste Film innerhalb der Rialtos, der nun komplett von einem einzigen, jugendlichen Ermittler getragen wird. Musste Fuchsberger sein Spotlight im Frosch noch mit Siegfrieds Lowitz' Elk teilen, genießt er hier die alleinige Aufmerksamkeit des Publikums. Überdies wird nicht nur der Grundstein für das Krimi-Traumpaar Nr. 1 gelegt, es wird gleichzeitig auch noch fest zementiert. Denn auch hier passt das Zusammenspiel zwischen Fuchsberger und Dor ebenso gut wie jenes zwischen Beiger und Flickenschildt. Fuchsberger beweist hier spielend, dass er auch ganz allein fähig ist, einen Kriminalfilm als Held zu tragen. Und der Wetter ist sicherlich auch eine seiner besten und prägnantesten Wallace-Rollen. Etwas ins Hintertreffen geraten jedoch Fritz Rasp und Eddi Arent. Ersterer hat weniger Entfaltungsmöglichkeiten und prägnante Szenen als in den Filmen zuvor und letzterer deutet hier bereits an, in welche Niederungen der Komik und Unnötigkeit seine Rollen später noch abgleiten werden. Gerettet wird sein Fotograf hier jedoch noch von seiner sympathischen Darstellung und der Tatsache, dass er zwischendurch auch einen Hinweis geben kann (obwohl der nichts wesentliches ändert).

Randnotizen

Mir ist zum ersten Mal bewusst geworden, warum beim Endkampf ein Teil des Raumes mit einem Laken abgesperrt ist: Damit das Clay-Shelton-Double nicht weiß, auf wen es schießen muss! Was für ein Glück für unseren wackeren Chefinspektor Long! Weniger Glück hatte der Henker, der doch erstaunlich schnell an der Strangulation gestorben ist. Oder starb er wie der Richter an einem Genickbruch durch den harten Fenstersims? War es gar ein Herzanfall durch den Schock, begünstigt durch übermäßigen Alkoholkonsum? Ich will auf jeden Fall den Obduktionsbefund sehen! Und die Feuerwaffen der Shelton-Bande. Wenn Wetter Long auf dem Motorboot "Au" schreit, bevor man die Schüsse hört, müssen die wohl Überschallmunition geladen haben.

Fazit
Rialto bleibt dem Pfad des prägnanten Verbrecherbosses treu. Nach dem Frosch und dem Kreis darf nun die Galgenhand morden. Aus einem von Wallace' besten Büchern wurde - wenn auch kinematografisch aufbereitet (besonders und besonders gelungen im Finale) - einer der besten Wallace-Filme. Die aggressiv-bedrohliche Atmosphäre des Films, die in den Vorgängern nicht in dieser Intensität erreicht wurde, ist dabei seine größte Stärke. Die charismatischen Präsenzen von Fuchsberger und Dor erleichtern dabei das Mitfiebern ungemein. Trotz einiger Abweichungen vom Buch einer meiner Lieblinge!

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

01.12.2018 20:18
#5 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #4
Und, um noch einmal auf den Rächer zurückzukommen, wer sich dort an den deutschen Namen gestört hat, dem sollte die Inkonsequenz in der Bande eigentlich noch viel saurer aufstoßen. Wir hören zwar "Mrs. Revelstoke", aber auch "Herr Holder". In der Szene gab es wohl eine Raum-Zeit-Verzerrung und Frau Dor hat uns in ihre Zeit der Heimatfilme zurück katapultiert.

Sehr schön beobachtet. Ist mir heute auch aufgefallen und ich dachte mir noch beim Sehen der Szene, ob alle Kritiker des "Rächers" der "Bande" wohl dafür Punkte abziehen werden ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

01.12.2018 20:45
#6 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten



Edgar Wallace: Die Bande des Schreckens

Kriminalfilm, BRD 1960. Regie: Harald Reinl. Drehbuch: Jochen Joachim Bartsch, Wolfgang Schnitzler (Romanvorlage „The Terrible People“, 1926: Edgar Wallace). Mit: Joachim Fuchsberger (Chefinspektor Arnold Long), Karin Dor (Nora Sanders), Elisabeth Flickenschildt (Mrs. Revelstoke), Fritz Rasp (Sir Godley Long), Karl-Georg Saebisch (Mr. Monkford), Ulrich Beiger (Rechtsanwalt Henry), Dieter Eppler (Mr. Crayley), Alf Marholm (Hotelier Cravel), Karin Kernke (Alice Cravel), Otto Collin (Clay Shelton), Ernst Fritz Fürbringer (Sir Archibald), Eddi Arent (Polizeifotograf Edwards), Günter Hauer (Sergeant Rouch), Josef Dahmen (Henker), Peter Frank (Richter) u.a. Uraufführung: 25. August 1960. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Frankfurt / Main im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Die Bande des Schreckens
Zahlreiche Personen haben einen Anteil an der Verhaftung und Hinrichtung des Fälschers, Erpressers und Mörders Clay Shelton: Inspektor Long, der dafür zum Chefinspektor befördert wird, Richter, Staatsanwalt, Henker, der Bankdirektor Monkford und die zufällig anwesenden Bankkunden Mrs. Revelstoke und Mr. Crayley. Sie alle soll die Rache des Verbrechers treffen – er schwört ihnen einen baldigen Tod, weil sie für sein eigenes Ableben verantwortlich seien. Tatsächlich stirbt bald einer nach dem anderen durch das gut organisierte Eingreifen der „Galgenhand“. Zeugen schwören zudem, den toten Shelton an den Tatorten gesehen zu haben. Bei einer Exhumierung findet man nur Ziegelsteine in seinem Sarg – und eine Liste aller Todeskandidaten. Diese finden sich währenddessen zur Golfwoche im Luxushotel Little Heartsease ein, wo Sheltons Rache trotz aller Bemühungen von „Wetter“ Long, der Wahrheit auf den Grund zu kommen, ihren weiteren Lauf nimmt ...


„Ihr wollt mich töten, aber die ‚Galgenhand‘ wird euch töten!“

Was sonst eher eine Thematik für Mafiafilme ist, begegnet dem geneigten Zuschauer hier im Edgar-Wallace-Universum wieder: Blutrache für einen Gangsterboss. Clay Shelton, der als hochkrimineller Einzelgänger von gefährlichem Temperament gezeigt wird, steht ausgerechnet nach seinem Tode nicht mehr so allein da wie zuvor, sondern kann sich auf die Unterstützung einer ganzen Bande – der „Bande des Schreckens“ – verlassen. Hier fällt ebenso wie beim „Rächer“ die Diskrepanz zwischen Filmtitel und hauptsächlich verwendeter Verbrecherbezeichnung im Film auf, denn den Zuschauern werden statt „Rächer“ und „Bande“ vielmehr „Kopfjäger“ und „Galgenhand“ als gruselige Synonyme verkauft. Die „Bande“ nimmt sich für die Etablierung ihrer einmaligen und sehr stimmigen Ausgangslage eine ganze Menge Zeit, weshalb der Film zusammen mit „Der Fälscher von London“ und „Das Rätsel des silbernen Dreieck“ die längste Prä-Titelsequenz aufweist. Diese stellt mit Sheltons beklemmender Gegenanklage an die „Guten“ in der Gefängniszelle einen frühen Höhepunkt dar und unterscheidet sich von dem im Folgenden aufgenommenen Eiltempo durch eine hochpräzise Inszenierung mit Gespür für Stimmung. Das ist später im Film nicht mehr immer der Fall – gerade für einen Harald-Reinl-Streifen wirken einige Szenen (so zum Beispiel die Morde am Richter, am Totengräber und an Monkfords Bruder oder spätere Avancen gegenüber Nora Sanders) recht ungelenk und teilweise überhetzt inszeniert. So erhalten einerseits weder Protagonisten noch Publikum die geringsten Atempausen; andererseits kündigt sich im Umgang mit Leichen und Dramaturgien eine gewisse Routine und Oberflächlichkeit an, die den bisherigen Wallace-Krimis noch abging.

Einen kleinen Verweis auf einen allzu leichten Umgang mit Mord und Totschlag birgt die reichlich überkandidelte Eddi-Arent-Rolle, die als Polizeifotograf immer genau dann in Ohnmacht fällt, wenn eine Leiche zu fotografieren ist. Sie gibt jedoch durch die Blume auch eine geschickte Analyse der Kinolandschaft zu Beginn der 1960er Jahre zum Besten. Auf seinen Beruf als Fotografen bezogen macht Edwards nämlich eine Feststellung, die sich leicht auch auf die Ablösung des Heimatfilms durch den Krimi seit den späten Fünfzigern ummünzen lässt und dem Unterhaltungsfilm der Rialto einen latenten Hauch von Medienkritik anheimstellt: „Das macht Freude! Da habe ich Kaninchen geknipst und Eichhörnchen und die Rehlein im Walde. Aber das ist ja heute alles gar nicht mehr gefragt. Leichen sind gefragt, Sir. Leichen. Und von irgendetwas muss ich doch leben.“ Vielleicht versucht die „Bande“, diesem Trend eine Spur zu bereitwillig zu folgen und hätte mit zwei, drei zu ermordenden Charakteren weniger die verbliebenen etwas substanzieller ausgestalten können. Staatsanwalt, Richter und Henker bleiben zum Beispiel kaum als memorable Charaktere im Gedächtnis; erst die späteren Opfer können sich angemessen profilieren. Die sehr umfangreiche Romanvorlage hätte entsprechend zusätzliche Kürzungen vertragen.

Dies tut der Qualität der Geschichte jedoch keinen wirklichen Abbruch. „Die Bande des Schreckens“ bleibt trotz kleinerer Schönheitsfehler und unwahrscheinlicher Zufälle ein mustergültiger Mitratekrimi, der gerade von dem Umstand profitiert, dass die bedrohte Personengruppe von Anfang an klar umrissen ist. Sheltons Racheliste befördert Joachim Fuchsberger – nunmehr als Inspektor in Yard-Diensten, aber zugleich auch durch familiäre Involvierung motiviert – zum Verteidiger der Gerechten und Kämpfer gegen das überbordende Unheil seines Gegners. Seine Aufgabe meistert der Darsteller mit Bravour, weil er Zuverlässigkeit, Attraktivität und flotte Sprüche gekonnt unter einen Hut bringt. Seine Filmpartnerin Karin Dor bleibt dagegen noch sehr mädchenhaft und austauschbar; von allen bisherigen Wallace-Hauptdarstellerinnen liefert sie die am wenigsten beeindruckende Leistung ab, was sich jedoch ab dem kommenden Film rasant ändern wird und entsprechend auch eher drehbuch- als talentbedingt ist. Spannendere Schlaglichter lassen Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp in ehrwüdigem Zwielicht erscheinen, was beiden Darstellern hervorragend steht. Sie meistern ihre verhältnismäßig großen Rollen mit sichtbarer Spielfreude. Auch die Schauspieler in der zweiten Reihe können sich sehen lassen: Ulrich Beiger hat als selbstsüchtiger Galan einen Auftritt, der an seine Rolle in „Der rote Kreis“ anknüpft, ihr aber noch zusätzliche Nachdrücklichkeit verleiht; ähnlich wohl fühlt sich Karl-Georg Saebisch in einer dankbaren Doppelrolle. Dieter Eppler darf vergleichbar undurchsichtig auftrumpfen wie im „Frosch“ und wird von Anfang an ganz oben auf der Verdächtigenliste etabliert. Alf Marholm und Karin Kernke agieren kompetent, während Ernst Fritz Fürbringer seinen vorherigen Auftritten als diesmal kaum auftauchender Scotland-Yard-Chef wenig hinzufügen kann.

Sehr attraktiv machen „Die Bande des Schreckens“ die unverbrauchten Schauplätze, die auch später in keinem Wallace-Krimi wiederverwendet wurden und daher einen sofortigen Wiedererkennungsfaktor sowie eine ganz eigenständige Atmosphäre garantieren. Herausragend in dieser Hinsicht präsentieren sich die Aufnahmen am und auf dem Wasser, in der Bank (deren Kassengitter aus Brabazons Bank übernommen worden zu sein scheint), im Golfhotel und in Crayleys Garten. Sie verleihen dem Film eine luftig-sommerliche Atmosphäre, welche die atemberaubenden Vorgänge gut kontrastiert. Spürbar wird die Stimmungsvielfalt besonders zum Ende des Films hin, wenn auch die Innenaufnahmen immer düsterer werden (Hütte am Steg, verlassenes, abgedunkeltes Hotel) – Nuancen, für die mit Albert Benitz ein einmaliger Wallace-Gast hinter der Kamera verantwortlich zeichnete. Zwei weitere Aufträge hingegen erhielt Heinz Funk, was sich letztlich als richtige Entscheidung herausstellte, in Anbetracht seiner eher nervigen als spannungsfördernden Musik zur „Bande“ aber zumindest Wunder nimmt. Sie drängt sich dem Zuschauer förmlich auf, ist laut und platt und hat keinerlei melodisches Potenzial.

Trotz kleinerer Unstimmigkeiten und einer etwas zu straffen Dramaturgie, die manches Geschehnis unglaubwürdig wirken lässt, spielt „Die Bande des Schreckens“ im gehobenen Mittelfeld der Wallace-Reihe. Die hochinteressante Mordserie wird von knackigen Dialogen und markanten Schauspielern getragen, die aus teilweise wenigen Szenen Beachtliches herausholen. Einmal mehr gelang ein beachtliches Finale, das den Zuschauer hochgespannt mitfiebern lässt.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.954

01.12.2018 20:45
#7 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #5
Sehr schön beobachtet.


Ich sollte allerdings nicht nur beobachten, sondern meine Beiträge vorher auch mal Korrekturlesen. Das ist ja teilweise grauenhaft, was für Stilblüten ich da produziert habe.

[ Ist korrigiert. Gubanov, 22:00 Uhr ]

Giacco Offline



Beiträge: 1.638

02.12.2018 11:05
#8 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Ein Auszug aus der Film-Echo-Kritik (August 1960):

"Wie im "Frosch mit der Maske" verzichtet Dr. Harald Reinl auf den - ziemlich hoffnungslosen - Versuch, Logik in die Wallace-Vorlage zu bringen. Abermals verarbeitet er den Stoff zu einem kriminalistischen Bluff-Manöver, das von zünftigen Gruseleien, von der Verwirrung und gut dosiertem Humor lebt. Er nimmt die Story wohltuend auf den Arm und bedient sehr geschickt die Stimmungsorgel, wobei ihm Kameramann Albert Benitz ein vorzüglicher Partner ist. Nicht vergessen seien in diesem Zusammenhang die Bauten von Erik Aaes und die Musik von Heinz Funk.
Komödianten wie Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp, talentierte Filmschurken wie Ulrich Beiger und Alf Marholm, nicht zuletzt auch Eddi Arent mit der von den Autoren erfundenen Anspielung auf einen berühmten englischen Fotografen folgen dem Stil der absichtlich etwas überzogenen Inszenierung. Das fürs Happy-end ausersehene Paar Karin Dor/Joachim Fuchsberger gibt sich vor allem sympathisch, wobei dem männlichen Part der Liebhaber besser zu Gesicht steht als der Chefinspektor. Fazit: Das Publikum kommt - und geht mit."

Film-Echo-Note: 3,1 (68 Meldungen) / Erstnote: 2,4

In Frankreich kam "Die Bande des Schreckens" erst am 10.3.1965 in die Kinos. In Paris wurden in der ersten Woche 9.512 Besucher gezählt. Eine Gesamt-Besucherzahl liegt nicht vor.

greaves Offline




Beiträge: 418

02.12.2018 12:19
#9 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Die Bande des Schreckens


Dieser Film bleibt mir bis heute,seit dem ersten mal sehen vor bald 30 Jahren in guter Erinnerung.

Die Schauspieler wie z.b Eddi Arent,Ulrich Beiger,Dieter Eppler ,Fritz Rasp,kennen wir ja schon vom Frosch mit der Maske.
Karin Dor gibt ihr Wallace Debüt in diesem Film.Die anderen wie Alf Marholm,Karl Georg Saebisch waren im roten Kreis dabei und sind hier das letzte mal in einem Edgar Wallace zu sehen.
Was mir auffällt ist hier Joachim Fuchsberger.Er spielt hier bestimmter,harscher,als im Frosch.Und ab der Bande spielt er in seinen folgenden Filmen so weiter.

Londonaufnahmen stammen wie es aussieht wieder von der Konserve.(gibt aber sicher noch einen Drehort davon ,der man in die Bildergalerie aufnehmen kann).

Die anderen Drehorte sind gut ausgewählt.Was uns sonst noch fehlt in der Bildergalerie ist der Drehort KIRCHE, am Anfang,wo Blacky Fuchsberger mit seinem MG davor gezwungenermassen wegen eines Nagelbretts angehalten wird.

Die Titelmusik passt gut zu dem Film —ist aber sicher nicht der Burner. ..

Mir persönlich gefällt die Bande des Schreckens sehr gut und platziert sich zu meinen Top 5 Wallace s/w Filmen

Darum gebe ich ihm 5 von 5 Punkten

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

02.12.2018 14:31
#10 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von greaves im Beitrag #9
Was uns sonst noch fehlt in der Bildergalerie ist der Drehort KIRCHE, am Anfang,wo Blacky Fuchsberger mit seinem MG davor gezwungenermassen wegen eines Nagelbretts angehalten wird.

Diese Kirche treibt mich in den Wahnsinn! Wo steht die bloß? Sieht ja nicht wirklich nach Stadt Hamburg, sondern eher nach Umland aus, könnte aber sowohl nördlich davon in Schleswig-Holstein als auch südlich davon in Niedersachsen liegen, wenn man die sonstigen Drehorte des Films bedenkt.

Interessant wäre auch, herauszufinden, wo die Wasseraufnahmen entstanden, aber das dürfte (inklusive Sheltons alter Hütte) kaum mehr möglich sein.

Eine Kirche dagegen müsste eigentlich leicht zu finden sein. Eigentlich ...

Elford Offline




Beiträge: 1.010

02.12.2018 17:05
#11 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #10
Zitat von greaves im Beitrag #9
Was uns sonst noch fehlt in der Bildergalerie ist der Drehort KIRCHE, am Anfang,wo Blacky Fuchsberger mit seinem MG davor gezwungenermassen wegen eines Nagelbretts angehalten wird.

Diese Kirche treibt mich in den Wahnsinn! Wo steht die bloß? Sieht ja nicht wirklich nach Stadt Hamburg, sondern eher nach Umland aus, könnte aber sowohl nördlich davon in Schleswig-Holstein als auch südlich davon in Niedersachsen liegen, wenn man die sonstigen Drehorte des Films bedenkt.

Interessant wäre auch, herauszufinden, wo die Wasseraufnahmen entstanden, aber das dürfte (inklusive Sheltons alter Hütte) kaum mehr möglich sein.

Eine Kirche dagegen müsste eigentlich leicht zu finden sein. Eigentlich ...


Anlässlich der Wochensichtungen sollte nun auch dieses Rätsel gelöst werden:

Es handelt sich hierbei um die Christuskirche im Roosensweg in Othmarschen, gar nicht mal so weit von der Elbchaussee entfernt.





https://de.wikipedia.org/wiki/Christuski...urg-Othmarschen)

greaves Offline




Beiträge: 418

02.12.2018 17:34
#12 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

🎉🎉🎉🎉🎉🎉🎉😃👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻toller Fund 😃👌🏻👍🏻DANKE Elford 👌🏻🎉😃

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

02.12.2018 20:54
#13 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

So viel zum Thema Umland. Danke, @Elford, dass mir jetzt weitere Stunden der Suche erspart bleiben. Die Bildvergleiche sind auch gleich in der Bildergalerie gelandet:

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.391

02.12.2018 21:08
#14 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Nicht nur Mrs. Revelstoke steht über den Dingen, sondern auch Elford, was (angeblich) noch unentdeckte Drehorte angeht. Tolle Entdeckung, bzw. Enthüllung - und Gubanov kann wieder beruhigt schlafen.

Zum Film: ein Genuss! Reinl gelang ein grandioser Reißer, der das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Kurt Ullrich locker in den Schatten stellt. Wobei letzterer aus rechtlichen Gründen keine weiteren Wallace-Filme mehr herstellen ließ (@patrick) - gewollt hätte er sicherlich. Besonders die Auftritte der Galgenhand sind unglaublich effektiv inszeniert - da läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Mitverantwortlich dafür ist freilich auch die einnehmende Performance von Otto Collin als Clay Shelton in der Prätitelsequenz.

Meckern kann man natürlich trotzdem - vieles wurde hier schon benannt. Zu Beginn wird die Todesliste reichlich schnell abgehakt, im wahrsten Sinne des Wortes ein Overkill. Einige Dialoge wirken etwas papiern (Crayley: "Das Morden muss endlich aufhören"), furchtbar auch der Staatsanwalt vor der Hinrichtung zum Henker: "So tun sie's doch!" - gespielt wie im Laientheater - das hätte Reinl einfach weglassen müssen. Und warum "Herr Holder" von Nora Sanders (schon wieder eine Sanders) nicht einfach als Sergeant Holder angesprochen wurde, wird für immer ein Geheimnis der Filmemacher bleiben. Auch dass Crayley immer als Tierfreund bezeichnet wird (ist das ein Beruf?), mutet etwas seltsam an, aber gut - es gibt ja auch einen Wetter.

Wenn man den Fall aus der kriminalistischen Perspektive betrachtet, bleiben natürlich noch Fragen offen. Wie lange lebten Sheltons Ehefrau und die gemeinsamen Söhne unter ihren jeweiligen Tarnidentitäten. War der Polizei die Existenz von Sheltons Familie überhaupt bekannt?. Ansonsten hätte man doch in diese Richtung ermitteln müssen. Letztendlich kann Long den Fall ja nur aufklären, weil sein Vater einst mit Mrs. Revelstoke verheiratet war, und der Ring dem Erpresserschreiben an Sir Godley Long beigelegt war - genau genommen erfährt der Wetter alles in jenem Gespräch mit seinem Vater, dass dem Zuschauer aus dramaturgischen Gründen natürlich vorenthalten bleibt ("Das war so." Schnitt)

Das Finale im Golfhotel zählt natürlich zu den dramatischsten und spannendsten der Serie - Karin Kernkes Filmtod erinnert an jenen von Eva Pflug im "Frosch" (an einen Stuhl gefesselt, zudem sagt sie beinahe das gleiche). Die Darsteller spielen ohne Fehl und Tadel - Fuchsberger trägt den Film mühelos, auch wenn man auf den Blacky-Gag besser verzichtet hätte. Auch an Karin Dors Leistung gibt es nicht das geringste auszusetzen - sie spielt die klassische Wallace-Rolle der bedrohten Unschuld überaus sympathisch. Beiger, Eppler, Saebisch, Flickenschildt und Rasp in prägnanten Nebenrollen garantieren die gewohnte schauspielerische Qualität. Alf Marholm kommt vor dem Finale etwas zu kurz und fällt bis dahin nur durch seine theatralische "Ich bin ruiniert"-Tirade nach Monkfords Ermordung auf. Bei der allerersten Filmsichtung wusste ich bei seiner "Demaskierung" damals gar nicht, welche Rolle diese Person vorher im Film gespielt hatte. Fuchsberger und Dor begründen hier ihren Ruf als Krimi-Traumpaar - kurioserweise war dies auch schon der letzte Wallace-Film, der für beide mit einem gemeinsamen Happy-End endete - ansonsten lebten sie ihre Liebe vor der Kamera in der Folge vor allem in Konkurrenzproduktionen aus. Eddi Arent gelingt eine exzellente komödiantische Darstellung und lässt es nicht zu, dass seine potenziell alberne Rolle zur Witzfigur degradiert wird.

Die Musik von Heinz Funk hat zwar kein Ohrwurmpotenzial, wirkt aber durchaus spannungsfördernd und passend, etwa in der Szene, wenn der tote Crayley entdeckt wird (ein wenig fühlte ich mich an Oskar Sala erinnert). Bemerkenswert im Übrigen, dass der dänische Szenenbildner Erik Aaes auch diesen Film ausstatten durfte, obwohl in Bendestorf und nicht in Hellerup gedreht wurde. Offensichtlich war man von seiner Arbeit für "Frosch" und "Kreis" so überzeugt, dass man keinesfalls auf ihn verzichten wollte.

Archibald Finch Offline




Beiträge: 16

03.12.2018 12:42
#15 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Edgar Wallace - Die Bande des Schreckens habe ich das erste mal auf DVD gesehen vor ca. 12-14 Jahren. Ich schenkte damals die Edgar Wallace DVD Edition meinen Eltern zu Weihnachten, noch am Heilig Abend guckten wir dann die Bande des Schreckens. Dieser Film hat mir sofort gefallen. Er ist bis heute, für mich, einer der Hightlights der Serie. Er ist gruselig, greift doch die Galgenhand Shelton's nach Rache nach dessen vollzogener Todesstrafe. Die Liste der zu ermordenen Personen wird doch erst recht schnell abgearbeitet nur muss ich sagen das mich das nicht weiter stört. Was mich einzigst stört ist wie schon angesprochen, der Tod des Richter's. Wenn jemand sicher sein will das einer stirbt, die Treppe ansägen, wohl eher nicht. Da müsste die Galgenhand oder die Bande doch schon drauf hoffen, das der Richter sich das Genick bricht. Es hätte auch weniger passieren können beim Sturz aus nicht mal ganz drei Metern.

Die Besetzung des Filmes ist jedoch astrein ausgewählt. Joachim Fuchsberger als junger Inspektor, Karin Dor noch echt jung in diesem Film passt sehr gut in ihre Rolle. Die Debüt-Rolle von Elisabeth Flickenschild ist auch herrlich undurchsichtig. Später kommt noch ihre Glanzrolle im Gasthaus an der Themse. Fritz Rasp und Ulrich Beiger waren in den ersten Wallace Filmen oft zu sehen. Beiger gewohnt ein ziemlich schmieriger Typ, wenn ich es so sagen darf. Dem man doch schon in Vermutung hat, das er was mit der Bande zu tun hat. Rasp hier eher in einer seiner sympatischten Rolle als Sir Goodley Long. Die Rolle des Eddi Arent als Fotograf der Mordkommission passt nicht direkt zu einem Gruselfilm jedoch lockert er den Film entscheidend auf. Dieter Eppler's Rolle: Da kommt man doch echt im Nachhinein ins Grübeln! Schreckt diese Bande doch vor gar nichts zurück, nicht mal vor der Hinrichtung des eigenen Sohn bzw. Bruders. "Verräter werden getötet".

Die Filmmusik von Heinz Funk muss ich hier leider etwas wiedersprechen. Ich mag sie irgentwie einfach nicht. Für die damalige Zeit um 1960 okay aber aus heutiger Sicht nicht. Ich möchte dieses dem Film jedoch nicht anlasten.
Ansonsten hat der Film viel gruseliges, es lädt ein zum miträtseln. Das Finale im Hotel als die Galgenhand unter der Maske ihr wahres Gesicht zeigt. Ich hätte damit nicht gerechnet das der Film so ausgeht.
Ein Absoluter Höhepunkt der Serie ich würde gerne 5 von 5 Punkten hier zurück lassen.

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