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Dieses Thema hat 35 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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patrick Offline




Beiträge: 2.954

03.12.2018 20:45
#16 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #14
Alf Marholm kommt vor dem Finale etwas zu kurz und fällt bis dahin nur durch seine theatralische "Ich bin ruiniert"-Tirade nach Monkfords Ermordung auf. Bei der allerersten Filmsichtung wusste ich bei seiner "Demaskierung" damals gar nicht, welche Rolle diese Person vorher im Film gespielt hatte.




Meine erste Sichtung der Bande ist locker 35 Jahre her. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass es mir damals genauso ging.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

04.12.2018 14:51
#17 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Kurios. Für mich war Alf Marholm in seinen zwei Auftritten immer einer der markantesten Charakterköpfe. Ich hätte ihn sehr gern in weiteren Wallace-Rollen gesehen, weil ich denke, dass er sowohl bei den "Guten" als auch den "Bösen" gut aufgehoben war, aber gerade Mitte der 60er ist seine Filmografie doch ziemlich spartanisch.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.954

04.12.2018 14:55
#18 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Ich denke auch, dass gerade diese "Ich bin ruiniert"-Tirade ihn im Verlauf relativ erinnerungswürdig macht. Verwirrend ist im Finale doch höchstens sein legerer Aufzug, der ihn dann etwas fremd wirken lassen könnte. Und damit ist die Kleidung gemeint und nicht der leere Schacht.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

04.12.2018 15:15
#19 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Der Aufzug für Little Heartsease ist auch nicht leger, sondern einfach eine ziemlich komische Planung. Mich wundert ja, dass die Logikpolizei noch keine Ermittlungen zur Position des Aufzugschachts angestellt hat, der immerhin mittig durch ein Hotelzimmer gebrochen wird. Das wird dann in Zukunft sicher nicht mehr todgeweihten Bankiers, sondern nur noch rabattierten Pauschalreisenden angeboten.

DanielL Offline




Beiträge: 3.749

04.12.2018 23:47
#20 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Nach ihren beiden ersten Erfolgen stößt der Constantin Filmverleih selbstbewusst weitere Wallace-Projekte an, die Hamburger Phase beginnt.

Und wieder einmal: Wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, Sir! #4

Wie fast jeder große Wallace-Verbrecher hat auch Clay Shelton Identitätsschwindel drauf. Der Mörder, Erpresser und Fälscher ist als Oberst Brodley dabei, falsche Wechsel einlösen, als er enttarnt und verhaftet wird. Zum vierten Mal in Folge spielt dann eine Hinrichtung eine gewichtige Rolle. „Es wird ein ziemliches Gedränge geben, aber es ist Platz genug in der Hölle.“ So kündigt der Verurteilte seine über den Tod hinaus gehende Rache an und legt damit den Grundstein zur geradlinigen Crime-Story. Ein toter Verbrecher scheint weiter zu morden. Eine Liste mit Bedrohten, denen nach dem Leben getrachtet wird. Was der RÄCHER vermasselte, schafft die BANDE DES SCHRECKENS in Perfektion: Man hatte man die Idee, die „Galgenhand“ aus dem Roman auch plakativ on-Screen auftreten zu lassen. Im ersten Akt ist sie nur kurz und aus der Ferne zu sehen, etwas Übernatürliches liegt in der Luft. Aber man folgt ganz den Krimi-Regeln. Später ist klar, dass jemand sein Erbe antritt und mit einer Shelton-Maske die Rache vollzieht. 18 Jahre vor John Carpenters HALLOWEEN ein wenig Michael-Myers-Feeling.

Anders als die anderen Lime oder Lightman agierte der echte Clay Shelton als Einzeltäter oder hielt seine Verbündeten zumindest im Hintergrund. Die Organisation, die „Bande des Schreckens“ kommt hier erst durch Rachegelüste zum Vorschein und offeriert eine „Familienbande des Schreckens“. Clay Shelton muss einen unglaublichen Einfluss auf seinen Clan gehabt haben, dass seine Hinterbliebenen solch eine Theater auf die Beine stellen. Da werden Maskeraden aufgetragen, weitere Scheinidentitäten angenommen, besondere Mordapparate gebaut usw. usf. Auch sonst wusste Clay Shelton wohl zu begeistern. Wie konnte er es schaffen, eine erst seit 6 Wochen frisch und wohl vermögend verheiratete Lady Long „umzudrehen“? Und warum zum Teufel sammelte er so fürchterliche Uhren?

By the way: Hier zeigt sich einmal mehr die Verstrickungen der „guten Häuser“. So findet man auch in der Historie von Godley Long Geheimnisse, über die er lieber den Mantel des Schweigens hüllt. Die Frühphase zeichnet der Prunk aus, den man zu sehen bekommt, wenn die besten Kreise in Abendgarderobe feiern. Und die Verbindungen zwischen Oberklasse und Unterwelt, die es in fast jedem Wallace-Roman gibt. Zwar fährt man ja später noch gerne (einen bestimmten) Rolls Royce aber die Vorweg’sche CCC-Filmbautenkunst transportiert diese Stimmung nicht mehr.

Yard-Chef zu sein ist auch keine Freude. Erst lernten wir zwei alte Hasen kennen, die wollten, aber auf Druck der Öffentlichkeit fast pensioniert wurden. Jetzt hat Sir Archibald einen jungen Inspektor der sich frisch durch die Verhaftung Sheltons ausgezeichnet hat, aber nicht mehr will. Biedere Bankgeschäfte statt Inspektorenjob. Aber verschiebt sich denn ja erstmal bis auf unbestimmte Zeit. Ganz nett ist es, den Held mit einem kleinen Tick auszustatten, wie Wallace das ja gern mal machte. Long ist „Wetter Long“. Dadurch bekommen die sonst ja so schablonenhaften Inspektorentypen wenigstens ein bisschen Kante.

Interessant finde ich es zu beobachten, wie die Bewertungen, was als glaubwürdig akzeptiert wird, auseinandergehen. So empfinde ich die Golfwoche und die damit verbundene örtliche Eingrenzung der handelnden Personen recht elegant gelöst. Revelstoke, Monkford und Henry verkehren ohnehin in einer Gesellschaft. Überhaupt scheint die Golfwoche ein wichtiges Ereignis der Gutbetuchten zu sein, bei dem Gesehen und Gesehen werden das Motto ist. Vieles was unter der „Logikpolizei“-Brille erwähnt wird, finde ich überhaupt nicht relevant für eine letztendliche Bewertung, aber gerade unter der Perspektive, die ich mir im Rahmen dieses Besprechungsformats einräume, immerhin amüsant. So wird ja auch häufig der rote Kreis unterm Teller beim Rialto-Vorgänger erwähnt. Selten bis gar nicht hat jemand erwähnt, wie umständlich das Engagement der „Bande“ resp. „Galgenhand“ ist: Einen Mann Namens Ulanen-Harry als Auftragskiller engagieren, sich dann aber gleich an Ort und Stelle wegen Nichterfüllung selbst die Hände schmutzig machen. Unbemerkt in das Haus des Richters eindringen, dort unbemerkt eine Treppe ansägen, usw. Das könnte man jetzt natürlich ewig weiterführen. Man findet es in jedem Wallace-Film, aber manche Dinge scheinen eher „Aufreger“ zu sein, als Andere.

Das war gut: Reinl und sein Alternativ-Kameramann Benitz funktionieren prächtig. Es kann nur Spaß an der Sache gewesen sein, wie sie Nebendarsteller verdächtige Grimassen schneiden lassen, Schatten an der Gardine vorbeihuschen lassen usw.
Das war schlecht: Eine „Kevin allein zu Haus“-Falle weniger im Finale wäre mehr gewesen.
Bemerkenswert: Immerhin hat man auch erstmalig London-Establisher drehen lassen, die man zu Beginn des Films sieht, statt wieder auf alte Archivbilder zurückzugreifen (In FROSCH und KREIS sah man jeweils den Picadilly Circus mit Außenwerbung für den 1952er-Kinofilm THE THIEF mit Ray Milland).
Moment des Films: An der Wand reflektiert das Themsenwasser, während die Kamera langsam auf die gefesselte Nora Sanders samt ihrer großen Rehaugen zufährt. Ein Beispiel der tollen Bildregie.
Moment zum Vergessen: Long geht mit Monkford ins Leichenschaus. Beide starren auf den toten, absolut identisch ausschauenden Monkford-Zwillingsbruder. Long fragt ernsthaft „Erkennen sie ihn?“.
Bonmot: „Wenn ich dieses Hotel als Leiche verlasse, bekommen sie kein Trinkgeld!“
Krimi-Phrasenschwein: „Der (Tee) schmeckt wirklich merkwürdig“

Gruß,
Daniel

Count Villain Offline



Beiträge: 3.954

05.12.2018 08:34
#21 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von DanielL im Beitrag #20
Interessant finde ich es zu beobachten, wie die Bewertungen, was als glaubwürdig akzeptiert wird, auseinandergehen. So empfinde ich die Golfwoche und die damit verbundene örtliche Eingrenzung der handelnden Personen recht elegant gelöst


Ich auch, wie ich schon in Roman-Besprechungsthread schrieb. Immerhin gehört ein nicht geringer Teil ohnehin zu den Verschwörern. Misstrauen über diesen "Zufall" ist in diesem Fall sogar berechtigt.

Zitat
So wird ja auch häufig der rote Kreis unterm Teller beim Rialto-Vorgänger erwähnt. Selten bis gar nicht hat jemand erwähnt, wie umständlich das Engagement der „Bande“ resp. „Galgenhand“ ist: Einen Mann Namens Ulanen-Harry als Auftragskiller engagieren, sich dann aber gleich an Ort und Stelle wegen Nichterfüllung selbst die Hände schmutzig machen. Unbemerkt in das Haus des Richters eindringen, dort unbemerkt eine Treppe ansägen, usw. Das könnte man jetzt natürlich ewig weiterführen. Man findet es in jedem Wallace-Film, aber manche Dinge scheinen eher „Aufreger“ zu sein, als Andere.



Ich denke, das ist immer auch eine Frage, wie es dem Zuschauer verkauft wird. In einem eher nüchternen Krimi wie dem Kreis, fallen Logikfehler deutlicher auf. In einem Reißer wie der Bande, ist man bereit mehr zu schlucken.

Dass man in der Situation lieber hätte Long erschießen sollen statt Ulanen-Harry, steht natürlich außer Frage. Wobei man hier natürlich noch einen Unterschied zu dem angesprochenen "Fehler" im Kreis sieht. Ob eine bestimmte Handlung wie das Anbringen der Farbe unter dem Teller nahezu unmöglich ist oder ob einfach nur ein Charakter unlogisch, bzw. dumm handelt, ist schon ein Unterschied.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.391

05.12.2018 17:42
#22 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #18
Ich denke auch, dass gerade diese "Ich bin ruiniert"-Tirade ihn im Verlauf relativ erinnerungswürdig macht.


Mittlerweile ja. Aber bei der Erstsichtung im Alter von 12 Jahren war ich in jener Szene noch so von der Art und Weise wie Monkford getötet wurde beeindruckt, dass ich den jammernden Hoteldirektor eher als Klischee, denn als Filmfigur wahrgenommen habe und sich mir dessen Äußeres nicht nachhaltig eingeprägt hat - zumal ich Marholm bis dahin nie in einem anderen Film gesehen hatte (es war ja nicht so, dass ich damals noch keine Schauspieler kannte, aber für die Schwarzwaldklinik war ich ganz einfach zu jung ).

patrick Offline




Beiträge: 2.954

05.12.2018 21:22
#23 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Optisch halte ich Alf Marholm für nicht sonderlich charakteristisch. Allerdings gehören die Szenen im dunklen Hotel genau zu jenen, die sich mir - ich war damals wohl auch ca.12 - als besonders Wallace-typisch und nachhaltig eingeprägt haben. Marholm hat mich mit seinem gestreiften Oberteil an einen Seemann oder Sträfling erinnert. Der Aufzugschacht, das Gadget im Telefon und der gestreifte Marholm gehören für mich zu den nachhaltigsten und schönsten Wallace-Erinnerungen aus der Zeit, als ich das Genre entdeckte und in Ermangelung von SAT-TV, Viedeorecorder, etc. immer lange warten musste, bis endlich wieder mal ein Wallace im Fernsehen kam. Das war dann immer wie Weihnachten und Ostern zugleich.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

06.12.2018 00:29
#24 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Gerade die Blu-Ray im Player gehabt und so "Die Bande des Schreckens" erstmals im Original-Bildformat gesehen.

Im direkten Vergleich zum "Rächer" sind die qualitativen Unterschiede natürlich gewaltig. Zwar kann man anführen, dass dasjenige, was im "Rächer" "zu wenig" war, hier im Übermaß vorhanden ist: Leichen. Doch trotz dieser Fülle an Toten ist der Produktion ein guter Spagat gelungen. Am Anfang reihen sich die Leichen aneinander, womit dem Zuschauer illustriert wird, dass die "Galgenhand" seine Drohungen wahr macht. (Überhaupt, diese Szene, in der dem "Todgeweihten" nochmal eine Plattform geboten wird, eine solche Show abzuziehen, das gibt's wohl auch nur im Film, ist aber ungemein effektiv). Dabei handelt es sich um Figuren aus dem Staatsapparat, die in der Wallace-Welt nicht zwingend näher charakterisiert werden müssen. Das Amt spricht für sich. Mehr Zeit widmet der Film denjenigen Figuren auf der Todesliste, die nicht zur Obrigkeit gehören und daher eher verdächtig erscheinen. Da man für diese Figuren hervorragende Schauspieler auswählte und im Mittelteil wechselnde sowie nett anzuschauende Locations anbietet, lässt man sich als Zuschauer die Temporeduzierung nur zu gerne gefallen, man lechzt sogar danach, nach den vielen Aufregungen zu Anfang! Wenngleich das Metier hier noch nicht in Perfektion beherrscht wird, nimmt man im Sinne der zwischenzeitlichen Entspannung auch die Anflüge von Humor bereitwillig an. Joachim Fuchsberger bekommt als "Wetter" Long wesentlich mehr Präsenz als noch im "Frosch" und gibt die fleischgewordene Integrität. An seiner Seite erstmals Karin Dor, die bei ihrem ersten Auftritt gewiss noch Luft nach oben hat, wobei dies überwiegend dem Skript anzulasten ist, welches ihr Sätze wie "Mr Crayley muss ein guter Mensch sein, weil er Tiere so gerne mag" in den Mund legt. Dennoch kommt gerade in den Szenen im Hotel ihre großartige Ausstrahlung schon sehr gut zur Geltung, weswegen es nicht verwundert, dass sie die von allen Seiten Begehrte ist: Monkford hätte sie gerne adoptiert und setzt sie unverhofft zur Alleinerbin ein. Henry lässt ihr heimlich einen Ehering zukommen, wobei sein Interesse partiell freilich auch fiskalischer Natur ist. Der Dritte im Bunde ist der holde "Blacky", der seiner zukünftigen Angetrauten ebenfalls sehr früh unaufgefordert mitteilt, dass er sich "nicht nur aus beruflichen Gründen" um sie sorgt. Zwischen der naiven Nora und den testosteron-gesteuerten Herren agiert die überlegene Elisabeth Flickenschildt. Wer sie bei wiederholter Sichtung genau beobachtet, bemerkt, wie sie die Beteiligten, vor allem auch Nora, mithilfe ihres kongenialen Partners Henry lenkt. Gegen Ende wird dann wieder mächtig angezogen und Long muss sich den Shelton-Brüdern und ihren heimtückischen Fallen zur Wehr setzen, um Karin Dor zu befreien. Doch nicht nur der actionlastige Showdown an sich sorgt für Spannung, sondern - zumindest bei der Erstsichtung - auch die Auflösung. Durch die geschickt eingefädelten Auftritte der "Galgenhand" wird die Fantasie in Gang gesetzt. Umso überzeugender, dass man statt eines kruden Twists eine inhaltlich doch wenigstens nachvollziehbare Lösung parat hat. Alles in allem gehört "Die Bande des Schreckens" sicher zu den besten Filmen der Reihe. Dafür sorgt zuallererst die einfache, aber absolut packende und wirkungsvoll umgesetzte Story, deren Motive gern wiederverwendet wurden ("Im Banne des Unheimlichen", "Neues vom Wixxer"). Des Weiteren gehört er zu den wenigen Filmen der Früh-Phase, die "echte" Gruselmomente bereithalten (Shelton mit ausgestreckter Galgenhand auf dem Boot). Das absolut stimmige Ensemble, in dem sich keine wirkliche Fehlbesetzung finden lässt (trotz des sehr guten Auftritts Otto Collins habe ich mich allerdings gefragt, ob Fritz Rasp in der Rolle des Clay Shelton vielleicht noch bedrohlicher gewirkt hätte), sowie die gekonnte Regie Harald Reinls machen "Die Bande des Schreckens" immer wieder zum Vergnügen! 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

06.12.2018 00:47
#25 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #24
Gerade die Blu-Ray im Player gehabt und so "Die Bande des Schreckens" erstmals im Original-Bildformat gesehen.

Also hast du noch nie die DVD gesehen?

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.391

06.12.2018 01:51
#26 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #25
Zitat von Ray im Beitrag #24
Gerade die Blu-Ray im Player gehabt und so "Die Bande des Schreckens" erstmals im Original-Bildformat gesehen.

Also hast du noch nie die DVD gesehen?


Richtig. Das 1,66:1 „Original-Kinoformat“ auf der Blu-ray ist insofern eine Mogelpackung, als dass es eine gezoomte Variante des 4:3 Bildes darstellt und dementsprechend Bildinformationen fehlen. Da die 4:3 Version aber ebenfalls enthalten ist, muss man sich darüber nicht aufregen...

Ray Offline



Beiträge: 1.098

06.12.2018 08:49
#27 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Ui, da bin ich der dann zweifelhaften Bezeichnung doch glatt auf den Leim gegangen. Danke für den Hinweis! Mir war zwar aufgefallen, dass bei Beiger in einer Szene oben ein Stück vom Kopf fehlte, aber da hab ich mir in meinem "guten Glauben" nichts bei gedacht.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.954

06.12.2018 10:33
#28 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von patrick im Beitrag #23
Marholm hat mich mit seinem gestreiften Oberteil an einen Seemann oder Sträfling erinnert. Der Aufzugschacht, das Gadget im Telefon und der gestreifte Marholm gehören für mich zu den nachhaltigsten und schönsten Wallace-Erinnerungen (...)


Geht mir genauso! Auch wenn meine Zeit schon in die der Video-Rekorder fällt. Ein prägendes Seh-Ereignis und eines der gelungsten Finale in der Wallace-Reihe. Kann die hohe Messlatte des Rächers diesbezüglich locker halten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

07.12.2018 00:16
#29 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #27
Ui, da bin ich der dann zweifelhaften Bezeichnung doch glatt auf den Leim gegangen. Danke für den Hinweis! Mir war zwar aufgefallen, dass bei Beiger in einer Szene oben ein Stück vom Kopf fehlte, aber da hab ich mir in meinem "guten Glauben" nichts bei gedacht.

Viele Szenen in der "Bande" wirken tatsächlich so, als sei das altbekannte Vollbild eine Open-Matte-Version. Auch der Vorspann spricht dafür, dass die Aufnahmen eigentlich auf Breitbild konzipiert waren. Dennoch weisen alle Quellen darauf hin, dass der Film auch damals im Kino in der 1,37:1-Fassung lief. Insofern ist die Bezeichnung "Original-Kinoformat" für die 1,66:1-Version Etikettenschwindel.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 80

07.12.2018 20:08
#30 RE: Wallace der Woche (04): Die Bande des Schreckens (1960) Zitat · antworten

Die Bande des Schreckens ist sicher in vielen Dingen ein Novum in der sich gerade etablierenden Edgar-Wallace-Reihe. Am auffälligsten sind wohl die absichtlich dosierten Gruselelemente (damals waren es wohl wirklich noch Horror-Elemente) in der Story. „Die Galgenhand“, im Roman eigentlich mehr eine Randbemerkung, wird zumindest in der ersten Hälfte des Filmes sehr effektvoll als tragendes Element eingesetzt.
Besonders schön die Szene, als die schreckliche Rächergestalt im Zwielicht des Waldes dem schreckhaften Fotografen Edwards erscheint, oder wenn sie am Bug des Motorbootes steht, das die arme Karin Dor versenken will (Allerdings hätte sie da wohl beim Zusammenstoß auch Bekanntschaft mit dem Wasser gemacht, aber das fällt wohl in eine andere Kategorie). Im Buch gibt es die Geistergestalt mit der Galgenhand in dieser Form gar nicht, nur eine ominöse Person namens „Der Professor“, allerdings nicht so im Vordergrund stehend. Eine Versammlung aller Todeskandidaten in Sheltons Todeszelle existiert literarisch auch nicht, da droht der Verurteilte nur dem Inspektor Long, dass ihn die Galgenhand an der Gurgel packen wird. Die Staatsdiener, die an Sheltons Tod mitwirkten, sterben im Verlauf einer längeren Zeit an „Unglücksfällen“, was auch nur in der Rückschau betrachtet wird. Ein solches Leichengepurzel wie im Film gibt es nicht. Tatsächlich stirbt auch Monkfords Zwillingsbruder beim Baden, was nur nebenbei erwähnt wird. Diese Todesfälle hat der Film wesentlich reißerischer aufbereitet. Überhaupt- ein paar Tote weniger hätten es auch getan ! Die Morde sind manchmal recht heftig, zumindest das Zu-Tode-Stürzen der Alice Cravel ist fast genauso brutal wie die Erschießung der Lolita beim „Frosch“. Alice Cravel ist im Buch tatsächlich ein Kind von Shelton und kommt glimpflich davon, im Film wollte man ihren Tod offenbar nicht noch als Geschwistermord verschlimmern (einer reicht da schon) und so wurde sie zu Crayleys Geliebter umgedichtet. Die höhnischen Bemerkungen der Mörder dabei auch in Richtung ihrer Gefangenen sind aber auch so noch ziemlich deftig („Schau her, da kannst du noch was lernen!“). Wie ausgerechnet der Evangelische Filmbeobachter das Ganze als „Kriminalkomödie“ titulieren konnte, ist irgendwie schleierhaft.
Gut zu der düsteren Stimmung trägt die Musik von Heinz Funk bei, für die ich generell mal eine Lanze (auch für die folgenden beiden Filme) brechen möchte. Sicher ist die Titelmusik etwas gewöhnungsbedürftig, aber zur Unterstreichung der gruseligen Szenen trägt die musikalische Untermalung doch entscheidend bei. Gefällt mir persönlich besser als manchmal das experimentelle Gedöns von Peter Thomas.

Joachim Fuchsberger und Karin Dor sind für mich wirklich das Traumpaar der 60’er-Jahre-Filmwelt. Blacky hat hier sogar ein paar böse Sprüche auf den Lippen (etwa „halbe Arbeit ist halbes Vergnügen“ beim Henker oder die ironische Bemerkung über das blutige Steak bei Crayley) und ist so ganz männlich. Karin Dor dagegen ist wirklich noch so mädchenhaft unschuldig, dass man sich am liebsten selber unter die Unholde stürzen und sie befreien will, wenn sie mal wieder entführt wurde. Die „Schrecklichen“ wirken um so böser, je mehr die süße reine Karin mit schreckgeweiteten Augen gefesselt unter ihnen sitzt und sich nach ihrem Beschützer sehnt. Nun, ein Vorbild für Feminist*_/Innen ist sie wirklich gerade nicht, aber mir gefällt sie hier viel besser als ein paar Jahre später als im wahrsten Sinne männermordender Vamp bei James Bond. Immerhin rettet sie ja auch zum Schluss „Blacky“ das Leben.
Sehr gut gefallen mir auch die Bootsfahrten und sonstigen Szenen am Wasser, da hat man sich noch nahe an den Roman gehalten. Eddi Arents Rolle ist schon wesentlich alberner als bei den Vorgängern, wo ich seinen Humor sehr bereichernd empfand. Aber es ist noch erträglich.
Natürlich stellt sich auch hier wieder die Frage nach der eigentlichen Polizeiarbeit. Im Grunde erschöpft sich diese, die übrig gebliebenen Todeskandidaten nicht sonderlich erfolgreich zu überwachen und die Beteiligten in ihren Zimmern zu belauschen. Im Prinzip recht dürftig...

Aber auch gegen die „Schreckensbande“ wird nicht nur von Scotland Yard, sondern auch von der berüchtigten „Logikpolizei“ ermittelt…
Diesbezügliche Gründe für Anklagen gegen Shelton & Co. gibt es auch wieder ausreichend, sie wurden ja auch schon zur Genüge erwähnt:
Der Sträfling Ulanen-Harry, der auf den Inspektor schießt und dann selber gleich erschossen wird, macht eigentlich wenig Sinn. Allerdings liefert das Buch da eine Erklärung, da der Mörder schlechte Augen hat und so weit nicht zielen kann, bediente man sich bei den Mordanschlägen entlassener Soldaten, die dann anschließend aus der Nähe erschossen wurden. Allerdings hatten diese das Gewehr logischerweise noch „im Todeskampf umklammert“ (oder so ähnlich) und nicht vor ihrer eigenen Ermordung fein säuberlich ausgerichtet an den Baum gelehnt wie im Film der Ulanen-Harry.
Der Richter, der die einstürzende Treppe hinunterfällt und sich das Genick bricht, ist sicher gar nicht so unwahrscheinlich (es gibt Menschen, die in einer Pfütze ertrinken), aber tatsächlich ist es schwer vorstellbar, wie sich jemand in ein bewohntes Haus einschleicht, eine massive Treppe soweit ansägt, dass sie fast einstürzt (da braucht man wohl auch gutes Augenmaß) und dabei nicht entdeckt wird.
Besonders sinnwidrig finde ich auch jedes Mal die erste Einstellung beim verunglückten Staatsanwalt, der so malerisch aus dem kaputten Auto heraushängt, während rings um ihn herum schon alle mögliche Polizeitechnik aufgebaut ist, und dann kommt ein Bobby ins Bild gehuscht und untersucht ihn noch einmal mit ein bisschen Kopfgewackel, ob er nun wirklich tot ist. Auch das sehr schnelle Ableben des Henkers ist schon kurios, kaum hat man ihm die Schlinge um den Hals gelegt, ist er schon verschieden, offenbar ein Reflextod… Das nächste Opfer ist ja dann der namenlose Totengräber, der sich durch sein seltsames Verhalten erst verdächtig macht (wofür eigentlich ?) und mitten unter einem Haufen Polizisten mit einem Messerwurf aus nächster Nähe zum Schweigen gebracht wird. Warum verfolgt man den Täter nicht? Die Chancen, ihn zu erwischen, wären wohl recht hoch gewesen. Warum hat der Mörder (Crayley ?) nicht gleich den Inspektor umgebracht, der neben dem Totengräber stand und wohl die wichtigere Zielperson war ? Offenbar ist der „Wetter“ über diesen Mord nicht im mindesten beunruhigt, denn in der nächsten Einstellung sieht man ihn mit seinem Assistenten zusammen seelenruhig nach Hause kommen und seinen Mantel an den Garderobenständer hängen und ein bisschen Konversation treiben, so als wäre gar nichts geschehen.
Sicher ist er grade in Gedanken mit der ominösen Todesliste beschäftigt, die wirklich unter übernatürlichen Einflüssen stehen muss, denn die darauf gezeichnete „Galgenhand“ hat zwischen den beiden gezeigten Szenen ihr Aussehen auf mysteriöse Weise verändert…
Wirklich sehr schön auch die Szene, wo der Inspektor im Leichenschauhaus mit Monkford vor dessen totem Zwillingsbruder steht und fragt, ob er ihn erkennt. Das ist echt unfreiwillige Komik.
Und dann der „Herr Holder“ – endlich weiß ich, was mich die ganze Zeit über so daran gestört hat zwischen den ganzen „Mrs. Revelstoke“ und „Mr. Henry“. Das muss einem erst mal richtig bewusst werden.
Sonst gibt es die üblichen Dinge, überall, wo der Inspektor auftaucht, steht praktischerweise ein klingelndes Telefon herum, mit dem er gerade angerufen wird, dann gibt es noch einen auffälligen Ring, den der Haupttäter bzw. -täterin über ihre schwarzen Handschuhe zieht, wahrscheinlich um besser identifiziert zu werden, weiterhin existieren knallkörperwerfende „Geister“, die das Zimmer mit der einen Tür verlassen und gleich darauf als reale Person mit der anderen Tür wieder betreten, auch der fein beobachtete Fahrstuhl, der mitten im Zimmer und im Prinzip direkt vor der Eingangstür eingebaut werden soll, fällt wohl unter Logischwächen usw usw… Aber das sind ja nun wirklich Peanuts, eigentlich ist die Bande des Schreckens logischer aufgebaut als andere Wallace-Filme.
Entscheidende Mankos gibt es meines Erachtens nach zwei: Einmal, dass alle Beteiligten, Opfer wie Täter, nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft zusammenwohnen, sondern auch noch im gleichen Golfhotel Urlaub machen, und niemand scheint etwas daran zu finden. Obwohl das ja der Autor des Romans schon im Großen und Ganzen so verbockt hat. Und dann das Finale… Sicher könnte man viel über die James-Bond-mäßigen Eskapaden schreiben, doch wieso eigentlich bedarf es nur des Anrufes von Godley Long, um das Überfallkommando zu informieren (Anruf ist ja zu viel gesagt, er krächzt nur ein paar Worte in die Leitung, die wohl kaum einen Polizeieinsatz gerechtfertigt hätten). Denn der Scotland-Yard-Chef Sir Archibald weiß doch die ganze Zeit, dass dem Inspektor in dem leerstehenden Golfhotel der Garaus gemacht werden soll. Das ist nun wirklich ein unverständlicher Drehbuchfehler, sicher der Hast geschuldet, mit der die Filme generell heruntergekurbelt wurden. So, nun aber genug gemeckert !

Interessant ist auch in diesem Film, wie der unerschrockene jugendliche Held allen Angriffen auf seine Moral standhaft trotzt. Sei es die leichtlebige „Hotelangestellte“, die dem feschen Smokingträger Avancen macht, sei es die unzweifelhaft noch weniger anständige „Person“, die sich an Noras Stelle wollüstig im Krankenhausbett rekelt – der Hüter von Recht und Ordnung hat stets das Bild seiner adretten Nora vor seinem inneren Auge und ist vor jeglicher Verführung gefeit.
Auch mir ging es bei den ersten Sichtungen so, dass ich am Ende im Hotel den komischen Mann mit dem seltsamen Matrosenpullover nicht recht einordnen konnte und nicht mit dem hysterischen Hotelchef gleichsetzen konnte. Die Herzen der Wallace-Fans schlagen offenbar im ähnlichen Takt…
Beim Sturz in den Fahrstuhlschacht wäre "Blacky" wohl fast wirklich ein Opfer der Galgenhand geworden, da er sich fast an irgendwelchen hervorstehenden Stangen aufgespießt hätte. Steht so jedenfalls als Anekdote im Wallace-Lexikon und kann sich nur auf den besagten Film beziehen. Glück gehabt ! Schlechter Arbeitsschutz.
Und das Ende des Filmes ist wohl in Sachen Kitschfaktor einzigartig. Bei einer Bewertung „Die schwülstigsten Happy-Ends der Wallace-Serie“ würde es von mir den ersten Platz bekommen. Das soll aber nicht heißen, dass es mir nicht gefällt, es ist im Grunde der notwendige Ausgleich zu der vorhergehenden Handlung.

So bleibt die Bande des Schreckens ein sehr guter Beitrag der Serie, recht roman-nah mit geschickten Änderungen zur Spannungssteigerung, guten Schauspielern und düsterer Kameraarbeit. Da mir das Ende im Hotel nicht so gefällt (was aber schon der Schöpfer der Geschichte verursacht hat), gibt’s eine leichten Abzug.

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

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