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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 134 mal aufgerufen
 Romane
Golly Oaks Offline



Beiträge: 5

06.08.2011 08:50
#1 Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

DIE TOTEN AUGEN VON LONDON

Ich kannte bisher nur die Frühachtziger Rote-Krimi-Auflagen von Goldmann. Nachdem ich hier im Forum gelesen habe, dass diese Auflagen meistens gekürzt sind, habe ich mir nun eine alte Heyne-Ausgabe, Sammelband 4 mit Die vier Gerechten, Der grüne Bogenschütze und den toten Augen besorgt.

Allerdings ist die Heyne-Version von den Toten Augen auch an einigen Stellen kürzer als die Goldmann-Gregor-Müller-Version. Zwei Beispiele:

Kurz vor dem zweiten Besuch bei Todds Heim:

Zitat von Heyne Seite 428
Larry Holt schrieb einen Bericht über den gesamten Fall. Anschließend stellte er sich ans Fenster und blickte auf die Themse. Ganz unromantisch kratzte er sich die Nase und drehte sich zu dem Mädchen um, das ihn erwartungsvoll ansah.

Zitat von Goldmann 1982 Seite 80
Endlich war er mit seiner Arbeit fertig und verstaute die vollbeschriebenen Bogen in einer Schublade. Er stand auf, streckte sich, ging ans Fenster und sah hinaus. Es war spät am Nachmittag. Vor ihm lag die Themse. Blaue Brücken spannten sich über den bleifarbenen Strom. Im rosa Dunst der untergehenden Sonne tauchten schlanke Türme auf. "Wenn Sie wirklich noch in Todds Heim wollen ..." Er kratzte sich unromantisch die Nase.


Als Diana in Todds Heim verschwindet:

Zitat von Heyne Seite 432
Larry machte das Fenster auf, und frische Luft strömte in den Raum. "Danke", sagte Mr. Dearborn. "Wenn Sie jetzt vielleicht die junge Dame ...". Niemand hatte Diana gesehen. Larry kommandierte zitternd einen Polizeibeamten ab, um in Scotland Yard anzurufen und in seinem Namen 12 Polizisten an Ort und Stelle zu beordern. "Was ist passiert?" fragte Rev. John Dearborn besorgt.


Im Vergleich: Goldmann 1982 Seiten 83/84: Ich tippe nicht die ganze Passage: Zwischen den beiden zitierten Dialogzeilen von Dearborn gibt es in dieser Version fast eine ganze Seite Text!

Kann jemand sagen, wie diese beiden Passagen bei Weltbild oder Scherz, oder vielleicht sogar im Original lauten? Würde mich interessieren, ob die Heyne-Version auch gekürzt (aber an anderen Stellen) ist, oder ob Goldmann-Übersetze Gregor Müller einige Passagen frei dazu erfunden hat.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.457

01.09.2011 23:44
#2 RE: Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

Hallo @Golly Oaks,

entschuldige bitte, dass ich auf deine Nachfrage erst so spät eingehe, aber erst jetzt liegt mir der Weltbild-Band wieder zum Vergleich vor. Ein merkwürdiges Phänomen beschreibst du da - durchaus erwähnenswert. Ich habe zum Vergleich also einmal in der Erstübersetzung nachgeschlagen:

Dort heißt es zu der ersten von dir zitierten Stelle (sie befindet sich bei Weltbild übrigens im 21. und nicht wie bei Heyne im 22. Kapitel):

Zitat von Weltbild Seite 116
"Er arbeitete über eine Stunde und schien Dianas Anwesenheit völlig vergessen zu haben, schien auch nicht die Blicke zu bemerken, die sie ihm von Zeit zu Zeit zuwarf und die ihn an den geplanten Besuch in Toods (sic!) Heim erinnern sollten.
Bogen nach Bogen schrieb er voll. Er hatte die Gewohnheit, seine verschiedenen Fälle in erzählender Form zu Papier zu bringen und die einzelnen Ergebnisse in abgeschlossenen Absätzen niederzulegen. Diese 'Berichte' waren merkwürdig aussehende Dokumente, die von Randbemerkungen und Korrekturen zwischen den Zeilen überflossen. Endlich war er mit seiner Arbeit zu Ende und legte die Bogen in ein Schubfach. Dann stand er auf, streckte sich, ging an das Fenster und sah hinaus. Es war spät am Nachmittag. Vor seinen Blicken lag das wundervolle Gemälde des Themse Embankment, ein Blick auf blaue Brücken, die den bleifarbenen Strom überspannten, auf schlanke Türme, die im rosenfarbenen Dunst der untergehenden Sonne auftauchten, auf die lange Linie der grünen Bäume, die die breiten Bürgersteige in Schatten hüllten, auf die braunroten Wagen der Straßenbahn, die eilfertig auftauchten und verschwanden - ein Stückchen, ein kleines, köstliches Fragment von London, erkennbar selbst für die, die niemals diese ungeheure Stadt gesehen, niemals ihrem unaufhörlichen Pulsschlag gelauscht hatten.
Larry Holt kratzte in höchst unromantischer Weise seine Nase und blickte das junge Mädchen zweifelnd an.
'Wenn Sie wirklich noch nach Todds Heim wollen, werde ich Sie hinbringen. Die Stunde ist da, für die ich mir selbst das Vergnügen dieses Besuches versprochen habe', sagte er feierlich."


Was für eine mustergültige Wallace-Szene du dir da ausgesucht hast! Das - wohl ungekürzte - Original gibt einen anschaulichen Eindruck von Wallace durchaus ernstzunehmenden literarischen Fähigkeiten, den tollen, lebensnahen und detaillierten Beschreibungen, die noch heute lebendig wie gerade geschrieben wirken und so gar nichts von billiger Trivialliteratur haben. Wallace' Liebe zu seiner Heimatstadt London ist daraus nicht weniger eindeutig zu entnehmen.

Auch für die zweite Stelle kann ich eindeutig die Unvollständigkeit der Heyne-Übersetzung unterschreiben. Die erste Anmerkung Dearborns findet sich bei Weltbild auf Seite 121, die zweite auf Seite 123. Mir scheint, dass das frühere Urteil, die Heyne-Ausgabe gehöre zu den besten deutschen "tote Augen"-Ausgaben, eindeutig revidiert werden muss. Außer den Kapitelnamen scheint nicht mehr sonderlich viel für sie zu sprechen. Goldmann schneidet nur bedingt besser ab. Während die Stellen ausführlicher als bei Heyne zu sein scheinen, ist zumindest die erste nach wie vor ebenfalls gekürzt und beraubt den Leser um einige äußerst atmosphärische Beschreibungen.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.305

02.09.2011 09:25
#3 RE: Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #2
Goldmann schneidet nur bedingt besser ab.

Bedenkt bitte, dass die "Weltbild-Edition" auf den originalen Goldmann-Übersetzungen basieren. Diee hatte man vor einigen Jahren in Fernost abtippen lassen. Das erklärt auch die z.T. vielen Rechtschreibfehler bzw. Buchstabendreher. Aber immerhin handelt es sich hier (meist) um die Erstübersetzungen. Leider blieb auch der Goldmann-Verlag in Leipzig nicht durch die Bomben des zweiten Weltkriegs verschont. Deshalb fielen viele MAnuskripte dem Feuer zum Opfer. Die meisten Wallace-Romane des (neuen) Goldmann-Verlags in München wurden dann ja neu übersetzt. Auch deshalb, weil eben keine Original-ÜBersetzungen mehr vorhanden waren.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.457

02.09.2011 10:35
#4 RE: Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

Diese Argumentation hat allerdings den Haken, dass viele der Original-Übersetzungen für die Weltbild-Reihe dann ja doch plötzlich wieder vorhanden waren. Entweder bedeutet das jahrzehntelange miese Recherche von Nachkriegs-Goldmann oder sogar, dass die Damen und Herren zu faul waren, die Übersetzungen aus ihren eigenen Büchern abzutippen. Stattdessen beauftragte man dann Übersetzer, "zeitgemäßere" Fassungen anzufertigen (niemand hätte sie auch nach dem Krieg daran gehindert, die Schere nicht nach Belieben anzusetzen!) - die letztenendes Wallace' Reputation in Deutschland versauten ...

Wo du aber definitiv Recht hast: Auch die meisten vorbildlichen Erstübersetzungen gehen auf Goldmanns Konto.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.305

02.09.2011 16:07
#5 RE: Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

Für den Weltbild-Verlag wurden einfach Romane abgetippt. Die Manuskripte waren z.T. verloren bzw. verbrannt. Als der Goldmann-Verlag in München in den 50er Jahren die Romane wieder neu auflegte, gab es noch kein Internet usw., d.h. es war damls fast unmöglich an "alte" Vorkriegsausgaben zu kommen. Ich selbst kann da ein Lied von singen, als ich in den 90er Jahren meine Wallace-Buchsammlung endlich komplettieren wollte (zumindest die 82 Goldmann-Ausgaben). Per Zeitungsannoncen habe ich mir die fehlenden Bücher mühsam zusammengesucht. Heute würde ich diese innerhalb einer halben Stunde im Internet kaufen können.

Golly Oaks Offline



Beiträge: 5

02.09.2011 20:40
#6 RE: Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

Hallo @Gubanov,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Gleichgültig, wie man zu Wallace steht: Ich halte es für unverschämt, wie respektlos deutsche Verlage sowohl mit dem Autor als auch mit den Lesern umgegangen sind.

Die Augen-Übersetzung von Heyne ist sicher nicht zu empfehlen. Noch ein Beispiel: Als Larry Holt im Leichenschauhaus Gordon Stuart untersucht (finde jetzt gerade die Seite nicht), erweckt die Übersetzung den Anschein, als ob er alleine im Raum wäre. Nach einigen Absätzen kommt der Satz "Larry sah zu seinem Untergebenen", was ziemlich verwirrend ist. In der Goldmann-Gregor-Müller-Übersetzung ist hingegen bereits am Anfang der Szene klar, dass sich noch ein Polizist im Raum befindet. Das heißt für mich: nicht nur gekürzt, sondern auch noch schlecht gekürzt.

Was die atmosphärischen Stellen anbelangt, sind andere Heyne-Übersetzungen vielleicht auch nicht besser weggekommen. Vergleiche mal den Anfang von Kapitel 2 vom "grünen Bogenschützen" bei Heyne und bei Goldmann. Völlig unterschiedlich, und ich befürchte, dass auch bei Heyne gekürzt wurde. Von der bei Goldmann aufscheinenden Beschreibung der Baustelle gegenüber von Bellamys Hotelzimmer ist bei Heyne gar nichts zu lesen.

Ich für meinen Teil werde von den Heyne-Übersetzungen von nun an die Finger lassen ...

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 68

07.03.2018 21:18
#7 RE: Die toten Augen von London (1924) Zitat · antworten

Da noch niemand eine Rezension für diesen so richtig Wallace-typischen Roman geschrieben hat, werde ich das mal machen. Immerhin einer seiner besten...

Die toten Augen von London

Originaltitel: The Dark Eyes of London
Erscheinungsjahr der Erstveröffentlichung: 1924

Hauptpersonen:

Inspektor Larry Holt - Kriminalbeamter von Scotland Yard
Diana Ward - seine Sekretärin
Stephen Judd - Inhaber einer Versicherungsgesellschaft
„Flimmer“-Fred Grogan - vielseitiger Ganove
Jake Bradford - furchterregender Verbrecher – „der Blinde Jake“
Reverend John Dearborn - Vorsteher eines Blindenheims
Patrick Sunny - Diener von Larry Holt
Gordon Stuart - reicher Kanadier
Fanny Weldon - Gelegenheitsdiebin
Ella Ward - arme Frau mit einem Geheimnis
Sir John Hason - Kommissar bei Scotland Yard


Inhalt:

Kaum ist der Inspektor Larry Holt von einem Auslandseinsatz ins heimische London zurückgekehrt, bekommt er von seinem Chef und Freund Sir John Hason einem neuen Fall übertragen. Ein reicher Kanadier mit Namen Gordon Stuart wurde ertrunken aus der Themse gefischt, in seiner Kleidung befanden sich merkwürdige Zettel mit Blindenschrift. Larry Holts neue Sekretärin, die gutaussehende Diana Ward, kann die Schriftstücke entziffern, in denen von Mord und Verbrechen die Rede ist. Außerdem hat Stuart vor seinem Tod noch sein Testament auf sein eigenes Hemd geschrieben, in welchem er sein Vermögen seiner Tochter vermacht. Zusammen beginnen die beiden die Ermittlungen, die erst mal zur Greenwich-Versicherungsgesellschaft führen, deren Inhaber Dr. Stephen Judd ist. Inspektor Holt kann ihn gerade noch vor den versuchten Erpressungen eines gewissen Fred Grogan, genannt Flimmer-Fred, retten, ein Gauner, der später noch eine große Rolle spielen wird. Weitere Spuren führen in ein Blindenheim, das von dem ebenfalls blinden Reverend Dearborn geführt wird. Bald wird klar, dass hier einiges nicht stimmt. Sind etwa die „toten Augen“ wieder am Werk, eine Bande blinder Hausierer, die früher Verbrechen beging ? Die couragierte Diana Ward wird beinahe von einem Horror- Wesen entführt, einem hünenhaften Blinden, der als „Blinder Jake“ bezeichnet wird und bald noch ähnliche, viel schlimmere Schreckenstaten vollbringen wird. Doch wer sind die Hintermänner dieses gruseligen Wesens, das selbst den tapferen Inspektor Holt überrumpeln konnte ? Bald sehen sich Larry Holt und Diana Ward in eine turbulente und gefährliche Geschichte verwickelt. Es gibt weitere Mordversuche und Entführungen, geheimnisvolle Dinge kommen ans Tageslicht, immer wieder läuft ihnen auch der erfolglose Flimmer-Fred über den Weg, der beinahe selbst zum Opfer wird. Und wer ist die Millionenerbin Clarissa Stuart, die Tochter des ermordeten Kanadiers ? Ist die Greenwich-Versicherung in die Untaten verstrickt ? Was hat es mit dem Macready-Theater auf sich, in dem Stuart zuletzt gesehen wurde und in dem unmögliche Theaterstücke aufgeführt werden ?
Dass sich Larry und Diana auch menschlich näherkommen, ist natürlich bei Edgar Wallace selbstverständlich, aber der Weg zum ebenso unvermeidlichen Happy End ist noch sehr mühsam und gefahrvoll, denn die Bösewichter der Geschichte schrecken vor keinem Verbrechen zurück, um ihre finsteren Ziele zu erreichen …

Bewertung

„Die toten Augen von London“ dürfte ein bekanntes Werk von Edgar Wallace sein, wohl auch durch die gelungene und gruselige gleichnamige Verfilmung aus den Sechzigern. Im Prinzip hat die Geschichte wirklich auch nach heutigen Maßstäben Thriller-Qualitäten. Eine Reihe zwielichtiger, schrecklicher, aber auch humorvoller Gestalten, finstere Handlanger und scheinbar seriöse Hintermänner (wie meist bei E.W.), daneben eine Liebesgeschichte, die manchmal ein wenig kitschig wirkt, aber nie die Handlung dominiert, sowie vornehme Häuser und Geschäftsräume auf der einen und üble Verbrecherschlupfwinkel auf der anderen Seite – das alles sind Zutaten, die einen guten und spannenden Roman versprechen. Es gilt einen großen und maßlosen Betrug aufzuklären, der rücksichtslos durchgeführt wird und einige Opfer fordert. Als Krönung der Geschichte setzt der Autor auch noch die Suche nach der verschwundenen Millionenerbin, was die ganze Sache nun wieder in der Bereich des Märchenhaften verschiebt und aufgrund der Identität der Person, die der Wallace-Kenner sicher schon jetzt erraten kann, auch nicht gerade glaubhafter macht. Ohne diese Erbinnen-Sache wäre das Ganze auch gut gewesen, aber für sowas hatte der Schriftsteller nun mal eine Vorliebe. Es entsprach wohl auch dem Zeitgeschmack.
Die weibliche Heldin ist aber eine bemerkenswert selbständige und kluge Person, die meistens noch vor Inspektor Holt die richtigen Schlüsse zieht und schon mal selber den riesigen Unhold der Geschichte mit einem Stromkabel bekämpft, weil ihr männlicher Beschützer nicht recht aus dem Knick kommt und selber jede Menge Mordanschläge abzuwehren hat. Der arme Inspektor Holt steht wirklich unter Dauerfeuer, Pistolenkugeln, Messerangriffe , sogar abstürzende Fahrstühle, Ertränkungskammern und jede Menge sonstige Attacken gilt es für ihn zu überstehen, da braucht er schon eine taffe Frau an seiner Seite, die nicht auch noch ständig gerettet werden muss.
Im Roman wimmelt es von Geheimgängen, verborgenen Türen und schaurigen Orten, wie zum Beispiel das schon erwähnte Blindenheim oder das Wohnhaus der Hauptverbrecher mit allen möglichen Kammern und technischen Einrichtungen. Wallace pur eben.
Im Buch gibt es viele skurrile Gestalten, wie Larry Holts komischer Diener Sunny (der aber trotzdem zum Lebensretter wird) oder eine mysteriöse Frau namens Ella Ward, die von den Gangstern verschleppt wird. Daneben tummeln sich einige Kleinkriminelle, die Hochstaplerin Fanny Weldon etwa oder der schon erwähnte Flimmer-Fred, ein Heiratsschwindler, Dieb und Erpresser und eigentlich eine verdammenswerte Figur, doch sein Schöpfer stattete ihn auch mit sympathischen Zügen aus. Notgedrungen muss er Inspektor Holt bei seinen Ermittlungen sogar helfen, wobei der über einige von Freds Verfehlungen schon mal ein Auge zudrückt. Die eigentlichen Verbrecher des Romans sind aber nicht Flimmer-Fred oder seine Zunftgenossen, ja nicht einmal der schreckliche und doch irgendwie bedauernswerte blinde Jake, sondern (wieder einmal) angesehene Männer der Gesellschaft, maßlos, gierig und fast schon psychopatisch.
Zum Schluss kommt Larry Holt noch einmal richtig in Bedrängnis und darf dann nicht nur sich, sondern auch seine Diana vor einem schrecklichen Schicksal retten. Wieder ist die Welt vorübergehend ein bisschen mehr in Ordnung gebracht wurden, die Täter bekommen ihre gerechte Strafe, die damals selbstverständlich beim Henker endete, und zwei Menschen haben sich wieder fürs Leben gefunden. Schön, oder ?

„Die toten Augen von London“ ist einer von Wallace‘ richtig guten Kriminalthrillern !

Buch:
Gelesen habe ich von diesem Roman die erheblich gekürzte Goldmann-Version, dann eine Neuübersetzung von Heyne und eine Sammler-Edition von Weltbild (zusammen mit dem Roman „Der Unheimliche“). Da hat der Roman knapp 250 Seiten. Es sollte unbedingt die ungekürzte Weltbildversion gelesen werden, besonders in der Goldmann-Übersetzung fehlen viele Einzelheiten, z.B. der Mordanschlag mit dem kaputten Fahrstuhl auf den Inspektor, die Entführung der seltsamen Ella Ward oder die Hinrichtungsszene am Ende des Romans. Persönlich finde ich auch hier die Übersetzung am gelungensten.

Verfilmung:
Nachdem die Geschichte in den Dreißigern schon in England mit dem damals sehr bekannten Horrorfilmdarsteller Bela Lugosi als Hauptbösewicht verfilmt worden war, setzte der deutsche Regisseur Alfred Vohrer im Jahre 1961 noch eins drauf. Für viele gilt der fünfte offizielle Edgar-Wallace-Film als bester Beitrag der Reihe, und ich selber schließe mich dieser Meinung vorbehaltlos an. Der Film ist ein Schwarz-Weiss-Alptraum aus Nebel, Morden, geheimnisvollen gesichtslosen Verbrechern und blinden Augen. Ady Berber als „Blinder Jake“ ist alles andere als ein alberner Kinderschreck, wie es die Mörder in späteren, meist farbigen Wallace-Filmen waren. „Blacky“ Fuchsberger als Inspektor Holt und Eddi Arent als sein Assistent Sunny Harvey (hier wurden zwei Personen des Romans zu einer zusammengefasst) sind ein Kriminalisten-„Traumpaar“, und die Dame vom Dienst, Nora Ward, wird von Karin Baal gespielt. Klaus Kinski gibt seinen (offiziellen) Wallace-Einstand als Edgar Strauss, dem Sekretär Stephen Judds, der von Wolfgang Lukschy verkörpert wird. Die Rolle von Strauss wurde hier zum Roman hin stark aufgewertet, er spielt einen ähnlich kriminellen Typen wie Flimmer-Fred, der sehr gut von Harry Wüstenhagen dargestellt wird. Unbedingt erwähnenswert ist Dieter Borsche in seiner Rolle als diabolischer Reverend Dearborn. Die schöne Schaupielerin Ann Savo spielt schließlich noch die Fanny Weldon, allerdings nicht sehr lange, da sie schon recht bald hinweggemeuchelt wird. Dieses Schicksal teilen übrigens viele der Darsteller, es gibt mehr Opfer als im Roman. Schrecklich das Ende von Flimmer Fred, der in einen Fahrstuhlschacht stürzt, nachdem ihm vorher noch die Finger verbrannt wurden sind. Auch der blinde Jake erleidet einen schlimmen Abgang und wird in einer wirklich schön gruseligen Szene auf einer Müllhalde entsorgt. Es gibt noch weitere recht drastische Stellen im Film, er ist eigentlich eine Abfolge von Brutalitäten, die zwischendurch ein wenig durch den trockenen Humor von Eddi Arent aufgelockert werden. Die Handlung orientiert sich trotz einiger weiterer Abweichungen noch recht stark an der Romanvorlage. Vielfach wird die Filmmusik von Heinz Funk kritisiert, aber mir persönlich gefällt sie ganz gut und unterstreicht die spannungsgeladene Atmosphäre gelungen. Die Kameraarbeit arbeitet viel mit Szenensprüngen von einem Zoom auf den nächsten, das Licht-Schatten-Spiel ist sehr ausgefeilt und der Kunstnebel wabert reichlich durch die Straßen Hamburg-Londons.
Der Film hat mich damals in meiner Kinder- und Jugendzeit wegen seiner zumindest für die damalige Zeit ungewohnten Gewaltdarstellungen wirklich richtig schockiert, die Fratze des „Blinden Jake“ hat mich bis in meine Träume verfolgt. (Naja, heute funktioniert das nicht mehr so ganz). Daneben hat diese Verfilmung des englischen Autors wirklich Atmosphäre und ist Maßstab für die anderen Filme der Serie. Für Wallace-Freunde gilt: Unbedingt anschauen !

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