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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Giallo Forum
Gubanov Offline




Beiträge: 14.587

10.08.2017 15:15
Woher die kaltblütigen Killer kamen: Drehorte der Giallo-Filme Zitat · antworten

Giallo-Drehorte

Wir haben hier im Forum schon eine ganze Menge Arbeit in das Aufspüren und Dokumentieren von Krimidrehorten gesteckt. Insbesondere in Berlin, Hamburg und London ist die Community diesbezüglich aktiv. Vom geografischen Standpunkt aus ist es also kein wirkliches Wunder, dass die Gialli – seien sie nun Bestandteile der Edgar- oder Bryan-Edgar-Wallace-Filmreihen oder eigenständige Produktionen – bisher diesbezüglich ziemlich unterrepräsentiert waren, obwohl sie einen wichtigen Teil des Wallace-Kosmos bilden. Der einzige Vergleich zu den italienischen Koproduktionen, der in der Bildergalerie des Forums zu finden ist, betrifft „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“, für das die Szenen vor der Wohnung der Rossenis in der Londoner Straße Evelyn Gardens gedreht wurden.





In diesem Thread möchte ich zunächst einige Vergleichsbilder teilen, die ich Ende Juli / Anfang August in Rom aufgenommen habe. Darüber hinaus bin ich natürlich auch gespannt auf die Bilder oder Hinweise anderer Drehortsucher.


Zur Einführung sei noch ergänzt: Dass bei einigen Filmen des Genres, insbesondere bei den frühen Argentos, so viele Schauplätze bekannt sind, ist nicht auf mich selbst zurückzuführen, sondern Verdienst der Website Davinotti.com, wo eifrige Drehortsucher so ziemlich jede einzelne Filmszene bereits ihrem Entstehungsort zugeordnet haben. Auch ich habe mich für meine ersten Italo-Schauplatztouren auf die Davinotti-Hinweise gestützt und möchte die tolle Arbeit der Verantwortlichen ausdrücklich loben! Wie schon im Thema Eure Filmbücher (13) geschrieben, ist zu den Argento-Filmen vom Davinotti-Gründer Mauro d’Avino mit „Dario Argento, si gira!“ bereits ein sehr empfehlenswertes Buch erschienen, in dem viele der folgenden Drehorte ebenfalls abgedruckt sind.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.587

13.08.2017 21:20
#2 RE: Woher die kaltblütigen Killer kamen: Drehorte der Giallo-Filme Zitat · antworten

Rom im Sommer 2017 (Teil I)

Den ersten Teil der Drehortberichte möchte ich Dario Argentos Erstling „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ widmen. Der Film ist nicht nur ein unglaublich gelungener Thriller, sondern auch eine wahre Ode an das Rom der späten 1960er Jahre. Im Gegensatz zu späteren Filmen, für die Argento immer wieder nach Turin auswich, wurden für die „Handschuhe“ tatsächlich (fast?) alle Außenaufnahmen in Rom gedreht (als einzige Location noch unbekannt dürfte das abgelegene Künstlerhaus von Mario Adorf sein).

Der Film öffnet damit, wie der unbekannte Killer eines seiner Opfer, gespielt von Annamaria Spogli, unbemerkt verfolgt und fotografiert. Diese Szenen entstanden im Süden von Rom, in der E.U.R.-Stadt, die Mussolini ab 1938 für die geplante Weltausstellung 1942 errichten ließ, welche dann aufgrund des Krieges nicht stattfand. Das E.U.R.-Quartier beeindruckt durch monumentale Bauten, breite Straßen und weitläufige Plätze und beherbergt heute zahlreiche Wohnungen, Ministerien und Museen. Die Einstellungen für den Film wurden an der Piazzale dell’Agricoltura und an der Einmündung der Viale Beethoven in die Viale della Civiltà del Lavoro (man beachte den Springbrunnen) gedreht.



Sam Dalmas befindet sich in Rom, weil er gerade als Auftragsarbeit ein Buch über Zoologie schreibt. Er bekommt den Scheck für seine Arbeit im Museo Civico di Zoologia ausgestellt, das sich direkt neben dem Zoo, der heute als Bioparco firmiert, befindet. Später im Film sind auch tatsächlich einige Szenen im Bioparco gedreht worden, von denen hier stellvertretend ein Vergleich vom Tigerfelsen gezeigt werden kann:



Als eine besonders gut wiederzuerkennende Ecke erweist sich die Via Donatello nördlich der Innenstadt (am besten vom U-Bahnhof Flaminio mit der Straßenbahnlinie 2 anreisen). Dort befindet sich nicht nur die charakteristische Mauer, die Sam Dalmas auf seinem Abendspaziergang in der Nähe der Galerie Ranieri passiert, bei welcher es sich leider übrigens um ein Studioset handelte. Auch die Wohnung der Ranieris befindet sich dort. Somit kann die Einstellung, in der der Käfig des Vogels mit dem silbergrauen Gefieder direkt vor der Ranieri-Wohnung zu sehen ist, als Filmtrick entlarvt werden: In Wahrheit befindet sich der Schauplatz gar nicht direkt neben dem Zoo!



Kaum ist der arme Sam in die Geschehnisse verwickelt worden, wird auch prompt ein Anschlag mit einem Beil auf ihn verübt. Diese Szene entstand zwischen Palatin und Aventin in der Via Santa Melania, wo man vor allem die Tore, die zu den Grundstücken führen, leicht identifizieren kann:



Das vierte Opfer des schwarz behandschuhten Mörders lebt in einem villenähnlichen Gebäude, das sich am Largo di Villa Paganini befindet. Nicht-Italienischsprechern sei verraten, dass das Wort „Villa“ auch für einen Stadtpark stehen kann (der berühmteste dürfte „Villa Borghese“ sein). Der im Film ebenfalls zu sehende vor dem Mordhaus liegende Park sieht bei Tageslicht nicht mehr so gefährlich aus wie im Argento-Streifen und wurde außerdem mit einem schicken Zaun eingefriedet, um Killer draußen (oder drinnen?) zu halten.



Auch Sam und Giulia schweben weiterhin in Gefahr. Eines Abends werden sie plötzlich von einem Mordbuben in gelber Jacke verfolgt, nachdem der Polizist, der sie eigentlich observieren sollte, von einem Unbekannten überfahren wurde. Für diese Verfolgungsszenen nutzte Argento die stimmungsvollen Gassen und Plätze des Stadtviertels Trastevere, das heute den Touristen als Geheimtipp für lauschige Nächte und urige Lokale empfohlen wird. Wie reizend! Konkret zu sehen sind die Via della Madonna dell’Orto, die Via Anicia, die Via dell’Arco de’Tolomei und die Piazza in Piscinula.




Die Verfolgungsjagd endet, nachdem Sam Giulia in einem sicheren Versteck zurückgelassen hat, am anderen Ende der Innenstadt (typische Filmlogik), nämlich in der Nähe der berühmten Via Veneto. Die Nebenstraße Salita di San Nicola da Tolentino zeichnet sich durch ihre schnurgerade Führung in hügeligem Terrain aus, in der Via Barberini (nahe dem gleichnamigen U-Bahnhof) hat das TWA-Reisebüro einem Café Platz gemacht. Das Hotel, in dem der (beinah) todbringende Gelbjacken-Boxer untertaucht, ist hingegen heute immer noch ein solches und befindet sich tatsächlich in der Via Vittorio Veneto, gegenüber der Einmündung der Via Leonida Bissolati. Es trägt den noblen Namen „Hotel Majestic“ und sollte nicht mit dem gleichnamigen Maigret-Schauplatz verwechselt werden.



Das Finale von „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ spielt in der Galerie Ranieri und somit wieder im Studio. Vor dem großen Showdown findet Sam aber einen überraschenden Weg über Hintertüren und -treppen in die Galerie. Dieser führt ihn über die Via Pietra da Cortona und die Via del Ghirlandaio. In letzterer erkennt man die Mauerecke noch sehr gut, doch die Tür, durch die der Killer, Giulia und schließlich auch Sam verschwinden, gibt es nicht mehr. Als kuriose Besonderheit darf auch gelten, dass diese Tür zum Innenhof einer Polizeistation und nicht zum Schlupfwinkel des Handschuhkillers führte. Das ist wohl Argentos zynischem Sinn für Humor zuzuschreiben.

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