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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 795 mal aufgerufen
 Giallo Forum
eastmancolor Offline



Beiträge: 2.366

16.09.2009 20:38
Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Der Film ist in England vom Label Shameless als "Footprints on the Moon" erschienen. Habe bisher nicht den ganzen Film ansehen können, aber er macht einen ganz klasse ersten Eindruck! Sobald ich den kompletten Film gesichtet habe, melde ich mich wieder.

"Spuren auf dem Mond" bei der IMDb

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

17.09.2009 16:23
#2 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Ja, mach das! Sag mir bitte, ob es sich lohnt, das Ding zu importieren. Der Film interessiert mich schon lange!

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.366

19.09.2009 13:21
#3 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

FOOTPRINTS a.k.a. SPUREN AUF DEM MOND / Italien 1975 / Regie: Luigi Bazzoni

Ein sehr hochwertiger Giallo, der auch heute noch in seiner Inszenierung ziemlich modern wirkt. Man könnte den Film heute ganz genauso inszenieren und er würde sicherlich sein Publikum finden. Die Story ist exzellent umgesetzt und durchgängig spannend erzählt. Der ganze Film wird in erster Linie von Florinda Bolkan getragen, die hier wirklich beweist, was sie kann.

FOOTPRINTS hat eine geheimnisvolle Atmosphäre und ist wunderschön fotografiert von Oscar-Preisträger Vittorio Storraro. Die Musik der internationalen Version ist etwas minimalistischer als die Musiken der üblichen Komponisten des Italo-Cinema dieser Zeit, trägt aber neben der Kamera viel zur Atmosphäre bei.

An diesem Film gibt es nichts zu bemängeln und das Ende stellt eigentlich nur die logische Konsequenz der Filmhandlung dar. Jedes andere Ende würde konstruiert wirken und den Film in seiner Glaubwürdigkeit runterreißen. An FOOTPRINTS gibt es wirklich nichts zu meckern, selbst wenn man das Ende kennt, kann man ihn immer wieder sehen.

10 von 10 Punkten

Der Film muss unbedingt auf eine deutsche DVD! Die englische DVD gibt's sehr günstig, schnell und unkompliziert bei Amazon.co.uk zu bestellen.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

20.09.2009 21:39
#4 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Zitat von eastmancolor im Beitrag #3
Die englische DVD gibt's sehr günstig, schnell und unkompliziert bei Amazon.co.uk zu bestellen.

Kannst du etwas zur Qualität der englischen DVD sagen? Der Preis ist OK, wobei halt 13 Pund - soviel kostet es mit Versand - nur für eine gute Veröffentlichung in Ordnung sind.

Und sicher - ein deutsches Release wäre schön, aber nach dem ganzen Eyecatcher-Durcheinander glaub ich nicht, dass da in nächster Zeit noch etwas kommt.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.366

21.09.2009 10:24
#5 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Laut Camera Obscura ist derzeit kein Rankommen an die deutschen Rechte. Die Bildqualität der englischen DVD ist gut. Es gibt ein paar eingefügte Szenen in schlechterer Qualität aber die stören gar nicht. Die Shameless ist eine hochwertige Veröffentlichung. Kauftipp!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.366

20.10.2009 10:32
#6 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Ich kenne nur die englische Sprachversion und kann mir zumindest im Moment keine passendere Musik zum Film vorstellen. Die deutsche Fassung soll ja einen anderen Soundtrack beinhalten. Außerdem bin ich der Meinung, wenn ich die englische Synchro mit der italienischen vergleiche, dass Florinda Bolkan sich in beiden Versionen selbst sprechen dürfte. Ihr Schauspiel kommt "original" ungeheuer gut in "beiden" Versionen rüber.

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die den Eurokult-Filmstars zu viel an schauspielerischen Leistungen zuerkennen. Trotzdem würde ich sagen, wenn FOOTPRINTS heute von einem Hollywood-Studio (mit Bolkan in der Hauptrolle) verfilmt würde, würde Florinda Bolkan dafür eine Oscar-Nominierung bekommen oder sogar gewinnen. Das Thema passt einfach zu gut zur Academy und die Bolkan schafft es ganz alleine, den Film zu tragen und das Thema wirklich fesselnd und glaubhaft zu machen. Ich denke, dies wird nur in der italienischen und englischen Sprachversion rüberkommen, weil es ihre echte Stimme sein dürfte.

Einer der allerbesten italienischen Thriller! Weil den Film keiner kennt, hat auch noch kein US-Studio die remakegeilen Finger danach ausgestreckt. Kauft die Shameless-DVD! Ein schöner, edler und melancholischer Thriller! Sowas gibt's nicht so oft!

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

20.10.2009 10:37
#7 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Zitat von eastmancolor im Beitrag #6
Kauft die Shameless-DVD!

Habe ich - nur zum Ansehen bin ich bisher nicht gekommen ...

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.366

20.10.2009 17:16
#8 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Dann aber mal schnell ansehen. Am besten alleine und spät am Abend. Der Film kommt nachts noch besser.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

08.01.2010 07:13
#9 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

So - gestern Abend war's soweit! Wirklich außergewöhnlicher Film! Die Atmosphäre ist klasse, der Soundtrack passend und die Bilder einfach genial. Durch das langsame Erzähltempo entseht eine fast traumartige Stimmung. Florinda Bolkan spielt umwerfend (hätte auch gesagt, dass das im Englischen ihre Originalstimme ist) und Nicoletta Elmi ist die Besetzung für eigenartige Kinder, was sie hier mal wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt ...

Die Story an sich ist etwas "eigen". Man muss sich darauf einlassen, sonst wird man am Film scheitern. Mir hat sie recht gut gefallen.

Insgesammt bin ich mit dem Film und der DVD sehr zufrieden - klare Empfehlung an Thriller-Freunde. Man sollte allerdings nichts erwarten, was man normalerweise mit dem Wort Giallo in Verbindung bringt. Von den italienischen Thrillern, die ich bisher gesehen habe, ist dies wohl der, der am meisten vom üblichen Muster abweicht!

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.366

08.03.2010 21:53
#10 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Einer der besten Eurocult-Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Ray Offline



Beiträge: 1.003

03.04.2016 22:52
#11 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten

Spuren auf dem Mond (Footprints On The Moon) (I 1975)

Regie: Luigi Bazzoni
Darsteller: Florinda Bolkan, Nicoletta Elmi, Peter McEnery, Klaus Kinski u.a.


Alice wird von aus ihrer Kindheit herrührenden Alpträumen geplagt, wird abhängig von Tabletten, verpasst so ihre Arbeit und wird gefeuert. Sie findet eine zerrissene Postkarte von dem Ort „Garma“ und macht sich zu diesem auf. Schnell deutet sich an, dass sie schon einmal in Garma war. Sie lernt verschiedene, z.T. mysteriöse Menschen an diesem recht einsamen Ort kennen. Wird es ihr gelingen, ihr Trauma zu überwinden?

Objektiv hat der Film sicherlich seine Qualitäten. Bolkan spielt exzellent, Kameramann Vittorio Storaro leistet ausgezeichnete Arbeit und trägt dazu bei, dass der Film wahrhaft wie ein Traum erscheint, indem er das Geschehen in sterile Bilder taucht. Durch die geringe Anzahl an Personen in Garma entsteht eine beklemmende Atmosphäre. Einen insgesamt nur wenige Sekunden dauernden Auftritt hat Klaus Kinski, der eine zentrale Figur im Alptraum von Alice spielt. Inhaltlich ist das Ganze Geschmackssache, einen typischen Giallo sollte man nicht erwarten. Ob der Film einem subjektiv zusagt, hängt auch davon ab, inwiefern man das Höchstmaß Geduld und Konzentration, welche der Film erfordert, aufbringen kann oder will. Das war bei mir nicht durchgängig der Fall.

Hochambitionierter Mystery-Thriller, der dem Zuschauer einiges abverlangt, inhaltlich gleichwohl nicht jedermanns Sache sein dürfte. 3/5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.392

21.05.2018 19:30
#12 RE: Spuren auf dem Mond (1975) Zitat · antworten



Spuren auf dem Mond (Le orme)

Thriller, IT 1975. Regie und Drehbuch: Luigi Bazzoni, Mario Fanelli (Romanvorlage „Las Huellas“: Mario Fanelli). Mit: Florinda Bolkan (Alice Campos), Peter McEnery (Henry), Klaus Kinski (Professor Blackmann), Lila Kedrova (Mrs. Heim), Nicoletta Elmi (Paola Bersel), Caterina Boratto (Boutiquebesitzerin), John Karlsen (Alfredo Laurenti), Ida Galli (Mary), Miriam Acevedo (Vorgesetzte von Alice), Rosita Torosh (Marie Leblanche) u.a. Uraufführung (IT): 1. Februar 1975. Uraufführung (BRD): 4. Juni 1993.

Zitat von Spuren auf dem Mond
Hat die Übersetzerin Alice tatsächlich die letzten drei Tage verschlafen? Sie kann sich nur mehr an einen Alptraum erinnern, in dem ein Astronaut von seiner Raumfähre absichtlich allein auf dem Mond zurückgelassen wird. Als Alice wegen ihrer unerklärlichen Abwesenheit entlassen wird, folgt sie einer Spur auf die türkische Insel Garma. Bald stellt sich heraus, dass sie sich in den verlorenen Tagen dort aufgehalten, aber einen anderen Namen benutzt hat. Was wollte sie in Garma und warum kann sie sich nicht daran erinnern? Ein fantasievolles Mädchen, ein hilfsbereiter Mann und eine mysteriöse Dame helfen Alice, die Puzzlestücke zusammenzusetzen – mit fatalen Folgen ...


Luigi Bazzoni und Mario Fanellis „Le orme“ ist ein kunstvoll gestalteter Thriller, der die in „Der Mann ohne Gedächtnis“ beschrittenen Pfade weiterspinnt und sich dabei noch weiter von den herkömmlichen Konventionen des Genres entfernt als Duccio Tessaris bereits hauptsächlich auf psychologischer Ebene funktionierender Film. Kein Mordrätsel wird in „Le orme“ untersucht – die Verwirrung, Furcht und Einsamkeit einer zweifelnden Frau sind alleiniger Antrieb der fragmenthaft wirkenden Handlung, die die Regisseure in ruhige, traumähnliche Bilder und elliptische Szenen gossen. Eher ein Kunstfilm als ein Gruselschocker, gewinnt „Le orme“ seine interessante Wirkung aus einer inhaltlich-perspektivischen Schere: Einerseits verfolgt der Zuschauer den gesamten Plot durch die Augen der Hauptfigur Alice; andererseits deutet eine zunehmende Anzahl von Anzeichen darauf hin, dass man Alices Erzählhaltung nicht ganz trauen kann, dass sie lückenhaft und sogar geheimnisbehaftet ist. Diesen Zwiespalt nutzt der Film in einer sich langsam steigernden Spirale ideal aus, was in einer immer düsterer werdenden Stimmung und einem niederschlagenden Finale von hoher Symbolkraft resultiert.

Bei den immer wieder die aktuellen Ereignisse um Alice konterkarierenden Astronauten-Szenen handelt es sich nämlich mitnichten um verkappte Science Fiction-Einsprengsel und auch nicht, wie man zunächst vermuten mag, um das menschenverachtende Experiment eines wahnsinnigen Wissenschaftlers. Ein gestörter Geist enthüllt sich nach und nach an ganz anderer Stelle, was Alice Campos in einen zunehmenden Konflikt mit sich, ihren Helfern und ihren womöglichen Feinden bringt. Florinda Bolkan verleiht der Frau auf der Suche nach den vergessenen Tagen eine drängende Qualität, die ihre Darstellung verletzlich und hochsensibel macht. Anders als in anderen Filmen tritt sie mit modischer Kurzhaarfrisur auf, die sie herber und unnahbarer wirken lässt, was ihr in der Rolle sehr gut steht, zumal ihr Alter ego Nicole, das die Leute kurz zuvor in Garma gesehen haben wollen, mit wallender roter Mähne und weichem Make-up in eine sehr viel femininere Kerbe schlägt. Auch hinter diesem Hinweis verbirgt sich ein ganzes Universum an Implikationen – Bazzoni und Fanelli gelang eine wirklich absolut vielseitige und tiefsinnige Handlung, die das oberflächliche Blutvergießen anderer Italo-Krimis gekonnt in den Schatten stellt.



Da Bolkan den gesamten Film gewissermaßen allein trägt, dominiert sie auch die allermeisten Kameraeinstellungen, wobei Vittorio Storaro („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) sie in perfektem Zusammenklang mit den Settings einfing – zunächst inmitten einer abweisenden Urbanität und später vor der melancholischen Weitläufigkeit einer Urlaubsinsel außerhalb der Touristensaison. Bolkan wird dabei häufig von übermenschlich großen Gebäuden oder Naturpanoramen förmlich erdrückt; unwirtliche Weiten verdeutlichen Unwirklichkeit, die Hemmung ihres Charakters sowie die zum Scheitern verurteilten Näherungsversuche von Nicoletta Elmi, Peter McEnery und Lila Kedrova. Elmis Kinderrolle gehört zu ihren besten Giallo-Auftritten und stellt erneut ihre natürliche Begabung für hintergründige, anspruchsvolle Parts unter Beweis. Während sich McEnery betont harmlos gibt, was gen Ende des Films für ein böses Erwachen sorgt, erinnert Kedrovas Darstellung einer geheimnisumwitterten Alleswisserin an ihren Part in „The Night Child“, wo sie ebenfalls in einem Film mit, aber weitgehend unabhängig von Elmi spielte.

Der für deutsche Zuschauer interessante Klaus Kinski beschränkt sich gewissermaßen auf eine Gastrolle, die nur in wenigen kurzen Szenen in der Fantasie von Alice auftaucht, aber deren Bedrohlichkeit durch sein markantes Äußeres untermauert wird. Kinski passt gut in die „Traum-Rolle“ des bitterbösen Professors, der den Willen seiner Versuchsobjekte, welche er als Meerschweinchen bezeichnet, zu kontrollieren trachtet. Obgleich Alice darauf verweist, es handele sich um die Erinnerung an einen alten Film, wird mehr und mehr klar, dass diese Wahnvorstellungen ihrem eigenen Unterbewusstsein entspringen und Schlüssel zur Klimax von „Le orme“ sind. Würde der Film zu Anfang etwas weniger gestreckt wirken, hätte dieses faszinierende Konstrukt – zumal auch mit einer entsprechend wirkungsvollen Musik von Nicola Piovani ausgestattet – einen makellosen Psychothriller erlaubt.

In Rom und Istanbul gedreht, verströmt „Le orme“ ein ganz eigenständig-eigenartiges Flair, das sich der Gewalt und Spannungsmache seiner Kollegen verweigert und gerade deshalb auf besondere Weise die Fantasie des Zuschauers anregt. Florinda Bolkans Alice erweckt Mitgefühl und Misstrauen zugleich und erweist sich als tragische Anti-Heldin, deren aufwühlendes Geheimnis sich jeder in Anbetracht des (halb-)offenen Endes selbst zusammenreimen kann. 4,5 von 5 Punkten.

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