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Dieses Thema hat 13 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 3.085

30.10.2015 21:19
Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Ich darf hier mal (in nicht ganz unpatriotischer Absicht :-)) einen Thread eröffnen, der ein Thema zum Inhalt hat, über das man gesammelt im Internet eigentlich wenig findet:

DER ÖSTERREICHISCHE KRIMINALFILM

In der Alpenrepublik wurde nämlich im für uns interessanten Zeitraum gar nicht so wenig aus dem Krimigenre produziert. Beispiele wären etwa (bitte ergänzen, diese Filmtitel fielen mir spontan ein):

1948: Arlberg Express
Regie: Eduard von Borsody, mit Paul Hubschmid, Elfie Gerhart

1949: Schuß durchs Fenster
Regie: Siegfried Breuer, mit Curd Jürgens, Siegfried Breuer, Gunther Philipp, Fritz Eckhardt

1959: Der Schatz im Toplitzsee
Regie: Franz Antel, mit Joachim Hansen, Sabina Sesselmann

1961: Mann im Schatten
Regie: Artur Maria Rabenalt, mit Helmut Qualtinger, Ellen Schwiers

1961: Bridge mit Onkel Tom (TV)
Regie: Erich Neuberg, mit Ernst Stankovski, Paul Henckels, P. Walter Jacob

1962: Der rote Rausch
Regie: Wolfgang Schleif, mit Klaus Kinski, Brigitte Grothum

1963: Ein Alibi zerbricht
Regie: Alfred Vohrer, mit Ruth Leuwerik, Peter van Eyck

1963: Die schwarze Kobra
Regie: Rudolf Zehetgruber, mit Adrian Hoven, Ann Smyrner

1964: Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X
Regie: Ernst Hofbauer, mit Adrian Hoven, Corny Collins

1965: Der Mörder mit dem Seidenschal
Regie: Adrian Hoven, mit Carl Möhner, Susanne Uhlen, Harald Juhnke

1965: Geißel des Fleisches
Regie: Eddy Saller, mit Herbert Fux, Hermann Laforet

1965: Schüsse im Dreivierteltakt
Regie: Alfred Weidenmann, mit Heinz Drache, Pierre Brice, Daliah Lavi

1966: Maigret und sein größter Fall
Regie: Alfred Weidenmann, mit Heinz Rühmann, Günther Stoll, Eddi Arent, Günter Strack

1966: Gern hab‘ ich die Frauen gekillt
Regie: Sheldon Reynolds, Alberto Cardone, Robert Lynn, mit Stewart Granger, Karin Dor

1966: Wie tötet man eine Dame?
Regie: Manfred R. Köhler, mit Stewart Granger, Karin Dor, Curd Jürgens

1966: Alibi für James (TV)
Regie: Rudolph Cartier, mit Peter Vogel, Heinz Ehrenfreund, Jochen Brockmann

1966: In Frankfurt sind die Nächte heiß
Regie: Rolf Olsen, mit Vera Tschechowa, Erik Schumann, Konrad Georg

1966: Mohn ist auch eine Blume
Regie: Terence Young, mit Senta Berger, Stephen Boyd, Yul Brunner

1967: Kurzer Prozess
Regie: Michael Kehlmann, mit Helmut Qualtinger, Gudrun Thielemann, Alexander Kerst, Kurt Sowinetz

1968: Schamlos
Regie: Eddy Saller, mit Udo Kier, Rolf Eden


Ich darf mal beginnen, zwei davon vorzustellen (übrigens: beide sind auch aktuell bei Youtube zu finden!) :



Schuß durchs Fenster
Ein österreichischer Kriminalfilm (1949)

Mit Curd Jürgens, Siegfried Breuer, Gunther Philipp, Fritz Eckhardt, Hans Putz, Leopold Rudolf, Edith Mill, Hans Dreßler, Eva Leiter, Franz Blauberger

Buch: Siegfried Breuer, Rolf Olsen
Kamera: Helmuth Ashley (als Helmuth Fischer-Ashley)
Musik: Willy Schmidt-Gentner
Regie: Siegfried Breuer

In einer Chemiefabrik kommt es zu einem Diebstahl. Ein junger Kriminalanwärter wird von seinem Vorgesetzten beauftragt, der Sache nachzugehen. Er stellt Nachforschungen an. Als er eine Zeugin verhört, wird diese während des Gesprächs vom anderen Gebäude aus plötzlich und unerwartet durch das Fenster erschossen. Es soll nicht der einzige Mord bleiben, denn der unbekannte Täter schlägt wenig später wieder zu …

Dieser am 17.1.1950 in Deutschland und am 5.5.1950 in Österreich uraufgeführte Kriminalfilm ist ein Whodunit mit einigen Stärken aber auch kein absolutes Meisterwerk des Genres. Siegfried Breuer, der in „Der dritte Mann“ als Rumäne Popescu wohl seine bekannteste Rolle spielte, fungiert hier als Darsteller, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion. Erzählt wird eine Geschichte, die harmlos anfängt und dann doch mit zwei Morden endet, die - das muss man zugeben - nicht unoriginell inszeniert werden. Das Motiv wird anfangs auch ganz gut verschleiert, jedoch wirkt der Film über weite Strecken doch etwas altbacken und bieder. Einige gut inszenierte Szenen, das Ende, die Entlarvung des Täters und natürlich die Schauspieler entschädigen dafür.
Curd Jürgens führt im sehr originellen Vorspann die Besetzungsliste zwar an, jedoch ist seine Rolle wie auch sein Spiel eher durchschnittlich. Die eigentliche Hauptrolle spielt Gunther Philipp als Kriminalanwärter, dem der Fall weggenommen wird und der dann doch entscheidend zu dessen Aufklärung beiträgt und doch noch zum Kriminalassistenten befördert wird. Philipp soll zwar für (etwas) Humor sorgen (sein Spiel in diesem seinen dritten Spielfilm ist allerdings weit entfernt von den Albernheiten in späteren Produktionen und ganz fein dosiert!), der Funke springt aber für mich nicht ganz über. Siegfried Breuer als Hauptermittler ist sympathisch, der Auftritt von Hans Putz (später in manchem Fernsehkrimi in sehr sehenswerten Rollen mit dabei) ist nett und auch Charaktermime Leopold Rudolf überzeugt. Für mich persönlich hatte jedoch der großartige Fritz Eckhardt, später schlechthin Österreichs Parade-Inspektor in 30 Marek-Krimis, die beste Rolle in dieser Produktion, auch weil er einmal den Verdächtigen spielen darf.
Die Auflösung, wer denn der große Unbekannte ist, der die geheime Formel haben will und deshalb auch in Kauf nimmt, Menschen zu töten, kommt etwas zu früh: 15 Minuten vor Filmende. Hier hätte man im Drehbuch geschickter sein können. Bleibt die doch gelungene schwarz/weiß-Photographie zu erwähnen, für die ein gewisser Helmuth Fischer-Ashley verantwortlich war, der uns später verkürzt unter dem Namen Helmuth Ashley viele viele schöne Krimistunden geschenkt hat.

Summa summarum: ein nicht unsympathisches, aber doch etwas altbackenes Filmchen, das aufgrund der Darsteller sicher nicht ganz enttäuscht und Freunde des Whodunit-Musters immerhin Gelegenheit gibt, mitzuraten, wer’s denn war. Für Sprachwissenschafter ist er außerdem ein interessantes Zeitdokument: 1949 sprach man doch wirklich noch von „Frauenzimmern“ und „Fernsprechern“ …




Geißel des Fleisches
Ein österreichischer Kriminalfilm (1965)

Mit Herbert Fux, Hermann Laforet, Peter Janisch, Josef Loibl, Rudi Schippl, Walter Lehr, Hanns Obonya, Edith Leyrer

Buch: Eddy Saller
Kamera: Edgar Osterberger, Hanns König
Musik: Gerhard Heinz
Regie: Eddy Saller

In Wien geht ein gefährlicher Sexualtäter um, der es auf junge Mädchen abgesehen hat. Nachdem er seine Opfer vergewaltigt hat, tötet er sie. Die Kriminalpolizei kann ihm eine Falle stellen und so wird der Pianist Alexander Jablonski festgenommen und vor Gericht gestellt. In einem aufwendigen Prozess wird rekonstruiert, wie es zu den Taten kam und weshalb Jablonski die Morde begangen hat.

Von seiner Zeit verkannt und 1965 eher ein Flop, wurde der Film erst in den 1990ern wiederentdeckt und zu einer der österreichischen Ausnahmekinoproduktionen erklärt. Die Bezeichnung „Trash“, die vielfach im Internet dafür zu finden ist, tut dem Film und seinem Regisseur wie auch dem Hauptdarsteller aber absolut unrecht. Eddy Saller, ein Schüler von Franz Antel und Wolfgang Liebeneiner, beweist in seinem Debütspielfilm, dass er sich auf originelle Kameraeinstellungen und gute Regieeinfälle versteht. Wer einmal einen einschlägigen Film von Jess Franco gesehen hat, der wird verstehen, dass „Geißel des Fleisches“ viele hunderttausend Meilen davon entfernt ist. Auch die wenigen Szenen, in denen ein paar Damen unbekleidet zu sehen sind, sind weitaus weniger gewagt, als eine durchschnittliche heutige Zahnpastawerbung, in der man wahrscheinlich mehr Erotik sieht.
Der Film, der auf mehreren Zeitebenen spielt, bemüht sich teils pseudodokumentarisch zu sein, was schon durch die Einleitung klar wird. Ein langer Text, informiert darüber, dass Sexualdelikte in der letzten Zeit zugenommen haben und dass zuwenig Liebe in der Kindheit bei Männern einen gestörten, gefährlichen Sexualtrieb auslösen kann. Auch das Ende, in dem unterschwellig den Frauen, den eigentlichen Opfern, die Schuld in die Schuhe geschoben wird (Botschaft: „Warum ziehen sie sich denn auch Miniröcke an!“), ist teil dieser Dokuschiene, die über Strecken des Films aber dann gar nicht vorkommt.
Inszenatorisch gibt es einige wirklich starke Szenen, wie beispielsweise jene am Anfang, in der nur ein Schatten minutenlang das Geschehen in der Staatsoper und dann den Damen unter die Dusche folgt, bis der Täter – bis dato nicht zu sehen – zuschlägt. Der Regisseur beweist hier eindeutig, dass er sich darauf versteht, Spannung zu erzeugen. Das ihrige tut der wirklich coole Soundtrack von Gerhard Heinz dazu, der in den entscheidenden Szenen dem Film wirklich Tempo verleiht.
Kommen wir zum Hauptdarsteller: Herbert Fux ist hier wahrscheinlich in seiner besten Rolle zu sehen. Gerade weil er den ganzen Film über keine zehn Sätze spricht, konzentriert sich sein Spiel auf Mimik und Körper. Kein anderer hätte den Triebtäter Jablonski so gut darstellen können. Leider sah man Fux selten in so großen Rollen.
Negativ: Der Film, der übrigens vom Constantin Filmverleih herausgebracht wurde, wurde leider vollkommen synchronisiert. Ein wahres Manko des Films, denn sämtliche Sprecher (darunter Friedrich Schoenfelder und Walter Bluhm) sprechen deutsches Deutsch, was dem in Österreich spielenden Film etwas an Flair nimmt.
Kultig mutet der Vorspann an, der mit seinen tanzenden Mädchen etwas an James-Bond-Filme erinnert.
Natürlich hat der Film auch einige Längen, ein paar schwächere Szenen und ein paar Holprigkeiten im Drehbuch und wartet mit einigen Klischees auf. Die Besetzung des Inspektors mit einem Darsteller, der an Helmut Qualtinger denken lässt und der mit seinem Bart eher an einen „Schauspieler“ des horizontalen Gewerbes erinnert, ist eine falsche Wahl gewesen.

Insgesamt ist der etwas kolportagehafte Krimi „Geißel des Fleisches“ sicherlich eine Entdeckung wert, über Strecken kurzweilig und wartet mit einem sehr guten Hauptdarsteller auf. Ein klassischer Fall von „Von seiner Zeit verkannt“. Ein Film, der zeigt, dass österreichischer Film der 50er und 60er nicht immer mit Sissi-Kitsch und Heimatromanze zu tun haben muss. Aber natürlich auch kein ganz großes Meisterwerk.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.329

30.10.2015 21:42
#2 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Eine gute Idee! Dieser Thread könnte mich dazu bringen, irgendwann zu "Mann im Schatten" zu greifen, der schon ewig ungesehen hier im Regal steht. Aus der "Edition Der Standard" kennt meine Wunschliste darüber hinaus noch zwei weitere Krimis:

1952: Abenteuer in Wien
Regie: Emil E. Reinert, mit Gustav Fröhlich, Cornell Borchers, Franz Lederer

1953: Flucht ins Schilf
Regie: Kurt Steinwendner, mit Heinz Altringen, Kurt Jaggberg, Ilka Windisch

Und auch "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" ist eine österreichische Produktion.

Giacco Offline



Beiträge: 1.907

31.10.2015 15:08
#3 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

"Michael Kehlmanns "Kurzer Prozess" gehört zu den wenigen wirklich sehenswerten österreichischen Filme der 60er Jahre" (Alexander Horwath, österreichischer Filmkritiker)

1967 Kurzer Prozess
Regie: Michael Kehlmann, mit Helmut Qualtinger, Gundrun Thielemann, Walter Kohut, Kurt Sowinetz, Elisabeth Orth, Fritz Eckhardt, Alexander Kerst, Bruni Löbel, Edwin Noel

Dieser Kriminalfilm wurde zwar von der Münchener UFP produziert, wird aber dem österreichischen Film zugeordnet, da Regisseur, Drehbuchautoren und ein Großteil der Darsteller aus Österreich stammen und auch die Handlung dort spielt.
"Kurzer Prozess" lief 1967 zunächst im Kino und wurde 1969 im ARD-Programm gezeigt.

Georg Offline




Beiträge: 3.085

31.10.2015 15:15
#4 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

"Kurzer Prozess" wurde oben von mir schon genannt, das ist auch ein sehr starker Film, basierend auf einem engl. Kriminalroman, der in die österr. Provinz verlegt wurde.

"Mann im Schatten" ist kein schlechter Krimi, da schrieb ja sogar Wolfgang Menge das Drehbuch.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.236

01.11.2015 03:11
#5 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

1966: Wie tötet man eine Dame? Das Geheimnis der gelben Mönche
Regie: Manfred R. Köhler, mit Stewart Granger, Karin Dor, Curd Jürgens

Einer der besten Wallace Epigonen!
Bewertet: "Das Geheimnis der gelben Mönche" (1966, Stilverwandte)

Gruss
Havi17

Georg Offline




Beiträge: 3.085

05.11.2015 20:15
#6 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Schamlos
Ein österreichischer Kriminalfilm (1968)

Mit Udo Kier, Rolf Eden, Thomas Astan, Edgar Wenzel, Rudi Schippel, Vladimir Medar, Herbert Kersten, Marina Paal

Buch: Karl Hans Koizar, Theodor Ottawa
Drehbuch: E. Neumayr, Eddy Saller
Kamera: Walter Partsch
Musik: Gerhard Heinz
Regie: Eddy Saller


Alexander Pohlmann war Messerwerfer in einer Zirkusfamilie, ist aber mit 15 abgehauen. Nun ist er 20 und leitet bereits in einer deutschen Großstadt (offensichtlich Frankfurt) eine Gruppe von Schutzgelderpressern. Wer nicht gleich zahlt, der bekommt Gewalt zu spüren. Wer die Zahlungen überhaupt verweigert, auf den wird geschossen. Der skrupellose Alexander möchte auch im Rotlichtmilieu mitmischen und macht Annabell, seine Geliebte, zur Prosituierten, was der Halbweltkonkurrenz nicht gefällt. Wenig später wird Annabell ermordet. Ihr italienischer Vater bezahlt Alex dafür, dass er den Schuldigen überführt. Dabei wendet der Gangster seine eigenen Methoden an...

Schutzgeld, Erpressung, Prostitution, Mord. Zwischen Nachtclubs und Straßenzügen, in obskuren Kellern und Hinterzimmern spielt sich die Handlung dieses Films ab, die in Grundzügen doch an so manchen (späteren) St. Pauli-Film erinnert.
Eddy Sallers Zweitwerk beginnt wie sein Erstling "Geißel des Fleisches" mit dem Hinweis, dass die Handlung auf einem realen Fall beruhe und dass "echte" Mitglieder aus der Unterwelt mitspielen. Er präsentiert uns damit einen Film, der teilweise arg in menschliche Abgründe blickt (etwa in jener Szene, in der eine Reihe von Menschen perverse aber auch skurille sexuelle Phantasien in Gruppen ausleben) und für die damalige Zeit recht brutal ist. Die Nacktszenen sind dabei noch das Harmloseste. Enfant terrible Udo Kier spielt den jungen Kriminellen glaubwürdig, auch Rolf Edens Part überzeugt.
Der Film kommt gänzlich ohne Kommissar aus, was ja auch nicht notwendig ist, da Kier selbst ein Gericht in einem Keller zusammenstellt, das auf seine Weise die Ermittlungen und Verhöre durchführt. Wer die junge Italienerin wirklich umgebracht hat (ja, der Film ist auch noch ein Whodunit!) überrascht am Ende dann doch.
Positiv ist Gerhard Heinz' cooler Soundtrack hervorzuheben!
Ein recht gewalttätiger, blutiger, teils provozierender "Schundfilm" mit Whodunitmuster, ein Kiezfilm ohne Hamburg, ein stilistisch und handwerklich einwandfrei inszenierter Film. Das Werbeplakat versuchte mit dem Text "Ein gefährlich erotisches Spiel brutaler Zuhälter und leichter Mädchen" die Zuseher in die Kinos zu locken. AZ meinte: "Eine skurrile Exkursion in die fremde, seltsame Welt des österreichischen Russ Meyer."
Sehenswert? Da bin ich ehrlich gesagt überfragt. Auf jeden Fall fällt der Film von Eddy Saller (dem "Virtuosen des deutschsprachigen Schundfilms" (so die renommierte österreichische Tageszeitung "Der Standard")) aus der Reihe... Das Urteil der mir eher unbekannten Filmseite mannbeisstfilm.de lautet jedenfalls: "Schamlos ist typisches Exploitationkino - dafür aber vom Feinsten - ein Schundfilm, der für Genre-Fans unbedingt empfehlenswert ist".

Georg Offline




Beiträge: 3.085

16.06.2016 15:19
#7 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Frauen in Teufels Hand
Ein österreichischer Spionagefilm (1960)

Mit Maria Sebaldt, Helmut Schmid, Gerlinde Locker, Mady Rahl, Erik Frey, Wolf Albach-Retty, MIchael Janisch, Guido WIeland, Boy Gobert

Buch: Hellmut Andics, August Rieger, Harvey T. Rowe nach einer Idee von Harvey T. Rowe
Drehbuch: E. Neumayr, Eddy Saller
Kamera: Walter Partsch
Musik: Peter Kreuder
Regie: Hermann Leitner

Deutschland, im 2. Weltkrieg: der sowjetische Agent Petrow reist nach Berlin, um nach dem Pakt zwischen Hitler und Stalin herauszufinden, welche Ziele die Nazis wirklich verfolgen. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS bekommt davon Wind und schlägt bereits während der Zugreise zu. Petrow wird eliminiert. Doch dann überzeugt man den deutschen Abwehrmann Berg davon, die Rolle Petrows zu übernehmen, da er ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Tatsächlich wird Berg in Berlin von Mitarbeitern der sowjetischen Botschaft mit einem Auftrag betraut. Es geht um einen Geheimcode. Alle Spuren führen in den Nachtclub "Villa Parisi", wo im Keller sämtliche Räume abgehört werden ...

Regisseur Hermann Leitner, für Tempo, gute Schauspielerführung und präzise Inszenierung bekannt (man denke an seine 52teilige Krimiserie "Polizeifunk ruft") liefert hier einen Spionagefilm ab, der immerhin eine gute Besetzung aufweist: Maria Sebaldt, Helmut Schmidt, nebenbei Mady Rahl, Gerlinde Locker und Boy Gobert, in kleineren Rollen Michael Janisch (späterer österreichischer "Tatort"-Ermittler) und Guido Wieland (der Inspektor aus der 1. "Pater Brown"-Staffel).
Das Drehbuch schrieb Hellmut Andics, der in den 60ern für zahlreiche gute Dokumentarfernsehspiele verantwortlich zeichnete und gerne "authentische" Stoffe verarbeitete. Der Film selbst hinterlässt bei mir einen eher mittelmäßigen Eindruck. Er hat natürlich starke Momente, aber viele Gesangseinlagen und teilweise langatmige Dialoge sorgen für ein eher durchwachsenes Gesamtbild. Immerhin, das Hamburger Abendblatt (14.05.1960) stellte der Produktion, dessen reißerischer Titel nicht wirklich etwas mit der Handlung gemein hat, ein gutes Zeugnis aus: "Hinter schwülstigem Filmtitel verborgen ein spannender und nahtloser Spionagefilm aus dem Berlin vor dem Rußlandfeldzug. Schauplatz der Handlung vorwiegend die vielen Zimmer eines intimen Vergnügungsetablissements für allerhöchste Regierungsgäste und andere prominente Zerstreuungssucher. Unten im Keller aber hört die Gestapo das Zimmergeflüster ab. Hier begegnen sich Major Berg (Helmut Schmid), ein deutscher Abwehroffizier in der Rolle eines sowjetischen Spions, und die Sängerin Marina (Maria Sebaldt), eine russische Agentin. Statt sie zu verhaften, versucht Berg jedoch, sie entkommen zu lassen. Hier verzichtet der zeitweilig frivole Streifen auf das Happy-End, das sich schon anzubahnen drohte. Sieger bleibt der stiernakkige Obersturmführer Schmielke, von Emmerich S c h r e n k mit verbohrter NS-Zackigkeit glänzend dargestellt. Bester Darsteller jedoch: Boy Gobert, als fahrig, glatter Taschendieb und Kellner, der für Führers Endsieg dezent die Brieftaschen der Gäste "sortiert"."

Giacco Offline



Beiträge: 1.907

16.06.2016 18:37
#8 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten



FILM-ECHO-KRITIK / Mai 1960

"Wie im Vorspann ausdrücklich versichert wird, sind Personen und Handlung des Films frei erfunden. Es hätte des Hinweises kaum bedurft, denn man merkt auch so gleich, dass den Autoren die Phantasie stark durchgegangen ist. Hier geht es um den sogenannten "Salon Parisi" in Berlin, ein von der Gestapo für hohe Herren der Politik eingerichtetes Vergnügungs-Etablissement, in dessen Keller eine Abhöranlage die intimsten Gespräche in den Separées belauscht. Dabei ist wenig glaubhaft, dass es derartige Bespitzelungen in so naiver und verniedlichter Form wie in diesem Film gegeben hat.
Anscheinen für die Auffassungsgabe des kleinen Moritz bestimmt sind die Personen: der zackige Schweinehund von der Gestapo, den Emmerich Schrenk nahe an die Grenze der Karikatur bringt, oder der Legationsrat vom Auswärtigen Amt (Erik Frey). Natürlich fehlt auch nicht die Liebesgeschichte zwischen der zur Spionage erpressten Baltin (Maria Sebaldt) und dem Abwehroffizier (Helmut Schmid), der seinem Gewissen, d.h. seiner Liebe folgend dafür sorgt, dass es kein Happy-end gibt. Trockenen Witz steuert Boy Gobert in bewährter und gekonnter Manier bei. Unverständlich, warum Hermann Leitners müde Regie die spärlichen Spannungsmomente so umständlich in Szene setzte."


Der Film erschien im NF-Verleih. Premiere war am 12.5.1960 im Thalia-Theater in Wiesbaden. Von den Darstellern waren Maria Sebaldt, Mady Rahl, Helmut Schmid, Erik Frey und Emmerich Schrenk anwesend. In den meisten Kinos lief der Film zwar gut, in einigen aber teilweise auch mäßig bis schlecht. Das führte zu einer Erstnote von 3,7. Der Verleih war offensichtlich nicht so ganz zufrieden und titelte "Frauen in Teufels Hand" um in "Treffpunkt: Salon Parisi". Das änderte aber nichts daran, dass als Endnote eine schwache 4,2 herauskam. In Frankreich startete der Film im Januar 1962 unter dem Titel "Double Agent" und hatte 276.125 Besucher, davon 61.609 in Paris.

Georg Offline




Beiträge: 3.085

16.06.2016 22:05
#9 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Danke für diese Ergänzung. Ein Film, der ja eher in Vergessenheit geraten ist, ich wusste bis vor wenigen Wochen auch nichts davon. Nette Story, mäßig erzählt - trotz starker Momente.

Giacco Offline



Beiträge: 1.907

25.05.2017 18:37
#10 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

DAS HAUS AUF DEM HÜGEL

In Österreich gehörten die "Allan-Wilton-Krimis" zu den beliebtesten Romanserien. Sie erschienen unter dem Titel "Kommissar Wiltons Kriminalberichte". Die Wiener Produktionsgesellschaft "Hoela", die in den 50er Jahren eine Handvoll Filme hergestellt hattte (darunter den weiter oben kurz erwähnten "Flucht ins Schilf") sicherte sich 1963 die Filmrechte. Da die Fälle des Interpol-Kommissars überwiegend in Frankreich angesiedelt waren, suchte man sich einen französischen Produktionspartner. Im Dezember 1963 meldete das "Film-Echo":

"Die Hoela-Filmproduktion in Wien wird in Zusammenarbeit mit der Disci-France (Paris) im kommenden Jahr mit der Verfilmung einer neuen Kriminalserie beginnen. Man hofft, mit den "Allan-Wilton"-Filmen an die großen Erfolge von Edgar Wallace und anderen Kriminalfilmserien anschließen zu können."

Angedacht war eine europaweite Vermarktung mit gleichzeitigen Premieren in den jeweiligen Hauptstädten.

Das Haus auf dem Hügel
Regie: Werner Klingler - Produktion: Hoela (Wien)/ Dis-ci France (Paris) - FSK: 12 - Verleih: Nora
Darsteller: Ron Randell, Bum Krüger, Paul Esser, Pinkas Braun, Virginie Rodin, Roger Hanin, Christiane Maybach, Laya Raki, Barbara Frey, Demeter Bitenc, Slavo Svajer

In Marseille treibt eine Bande von Bank- und Juwelenräubern ihr Unwesen. Hauptquartier der Gangster ist das Nachtlokal "Eule", dessen Chef der aalglatte Charnot ist. Die Bar, in der auch der angesehene Antiquitätenhändler Marton verkehrt, wird zwar von der Polizei observiert, doch man hat nichts in der Hand, um die Bande dingfest zu machen. Als Interpol-Kommissar Wilton der "Eule" einen Besuch abstattet, gelingt es ihm, der blonden Bardame Marion einige Informationen zu entlocken. Allmählich werden die Gangster nervös und unvorsichtig.

Am 4. Mai 1964 gegannen die Dreharbeiten, jedoch nicht wie geplant an französischen Originalschauplätzen, sondern im jugoslawischen Ljubljana. Kurz vorher waren noch 2 französische Darsteller ausgewechselt worden. Für Philippe Lemaire kam Roger Hanin und Virginie Rodin übernahm den Part, für den ursprünglich Magalie Noel vorgesehen war. Für die Rolle des Allan Wilton hatte man Ron Randell verpflichtet, einen Australier, der in Hollywood Karriere gemacht hatte. Seit 1958 war er mit der deutschen Schauspielerin Laya Raki verheiratet. Paul Esser als Inspektor Creux und Bum Krüger als Chefinspektor ermitteln gemeinsam mit Wilton. Pinkas Braun ist der undurchsichtige Antiquitätenhändler, Roger Hanin der zwielichtige Barbesitzer. Christiane Maybach und Laya Raki arbeiten als Bardamen in der "Eule", während Barbara Frey in einer kleineren Rolle als Bankangestellte zu sehen ist.

Die Film-Echo-Kritik kam zu dem Ergebnis:

" ... dass die Macher nicht versucht haben, den Rahmen des Herkömmlichen zu sprengen. Lediglich ein paar prägnante Leistungen der Schauspieler - allen voran Pinkas Braun - verhelfen der Allerweltsstory zu einigen Höhepunkten."

NORA brachten den Film am 2.10.1964 ohne besondere Werbung in die Kinos. Die Urteile der Kinobesitzer reichten von gut bis mäßig und führten zu der Erstnote 4,3. Am Ende stand eine wenig erfreuliche 4,9 (bei 30 Meldungen). In Frankreich kam der Film mit dem Titel "Le hibou chasse la nuit" am 30.6.1965 in die Lichtspielhäuser. Beim Start in 3 Pariser Kinos wurden 12.688 Zuschauer erfasst. Die Gesamtbesucherzahl liegt bei 452.531.

Giacco Offline



Beiträge: 1.907

05.06.2017 19:40
#11 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

MANN IM SCHATTEN

Regie: Arthur-Maria Rabenalt - Prod.:ÖFA - EA:25.8.1961 - FSK 16 - Verleih: Ufa-Filmhansa
Darsteller: Helmut Qualtinger, Ellen Schwiers, Helmut Lohner, Barbara Frey, Fritz Tillmann, Peter Neusser, Katharina Mayberg, Gerd Frickhöfer, Herbert Fux, Raoul Retzer, Erik Frey

Die Inhaberin eines Modesalons wird ermordet in ihrer Badewanne aufgefunden. In Verdacht gerät ihr Ex-Liebhaber, der auch als Angestellter für sie arbeitete. Der eigenwillige Polizeirat Radosch wird bei seinen Ermittlungen von einem Kollegen aus Düsseldorf, wo ein ähnliches Verbrechen begangen wurde, unterstützt.

Wolfgang Menge schrieb das Buch für Helmut Qualtinger, mit dem er befreundet war. Dieser galt eigentlich als Kabarettist und war in Deutschland kaum bekannt. Der Film, der unter dem Titel "Mordkommission" gedreht wurde, zeichnet sich durch die für Menge typische dokumentarische Erzählweise aus. Zusätzlich sorgen eingeblendete Zeitungsschlagzeilen für einen authentischen Anstrich. Auch die Zeichnung des Wiener Milieus ist durchaus gelungen. Es geht zwar um die Aufklärung eines Mordes, doch im Vordergrund steht vor allem die Person des Polizeirats. Seine Ermittlungen wirken oft ein wenig improvisiert, sind aber letztlich erfolgreich.
Wer Qualtiger nicht mag, wird allerdings wenig Freude an dem Film haben, der als Krimi doch eher spannungsarm und unspektakulär daher kommt. Selbst die Entlarvung des Täters erweist sich nicht als besonderer Höhepunkt und dürfte wohl die Erwartungen des Publikums ein wenig enttäuschen. Handwerklich weist der von Altmeister Rabenalt sorgfältig inszenierte Film keine Mängel auf. Der jazzige Score stammt vom Österreicher Friedrich Gulda. Bei "Mann im Schatten" handelt es sich übrigens um die letzte Produktion der ÖFA.

Die Kritik schrieb damals:
"...Leider bringt die Handlung - besonders im zweiten Teil - nicht die von einem solchen Film erwartete Spannung. Das Ganze erscheint eher als eine interessante Lektion über die Arbeitsweise der Kriminalpolizei. Helmut Qualtinger bietet eine überzeugende Leistung. Auch Peter Neusser als junger Inspektor und vor allem Fritz Tillmann als Düsseldorfer Kollege erreichen szenenweise diesen Eindruck. Ellen Schwiers als erfolgreiche Geschäftsfrau füllt ihre wenigen Auftritte mit Vitalität und Helmut Lohner hält seine Figur zwischen verdächtig und sympathisch ..."

Im August 1961 brachte die Ufa-Filmhansa "Mann im Schatten" in die Kinos. Der Film lief eher schwerfällig an und die Erstnote 4,1 bot auch keinen Anlass zum Jubeln. Im Februar 1962 ging der Verleih in Liquidation. Unter den 16 Filmen der letzten Staffel waren nur zwei, die Gewinne erzielten. Drei blieben erfolgsneutral, der Rest brachte mehr oder weniger große Einbußen. Die weitere Auswertung übernahm dann die "Constantin". Dabei heraus kam am Ende die Durchschnittsnote 4,3 (bei 31 Meldungen). Darüber, wie der Film in Österreich aufgenommen wurde, liegen leider keine Informationen vor.

Der Film beginnt damit, dass ein Musiker (Herbert Fux) in schnellem Tempo durch die nächtliche Wiener City läuft und verspätet zu seinem Auftritt in einem Nachtlokal eintrifft. Auf Nachfrage eines Kollegen gesteht er, dass er gerade einen Mord begangen habe. Die Geschehnisse werden dann in einer Rückblende erzählt, bis man schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Nun aber weiß der Zuschauer, dass das Ganze eine völlig andere Bedeutung hat und somit eine falsche Spur gelegt wurde.

Lord Low Offline




Beiträge: 659

28.11.2017 00:32
#12 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Weiß hier jemand mehr über den geheimnisvollen Mister Tu, der in "Schüsse im Dreivierteltakt" Dr. Schang verkörperte?

Georg Offline




Beiträge: 3.085

06.02.2018 16:54
#13 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Es ist mir ein Bedürfnis, diesen österr. Film Noir hier vorzustellen, da er vielleicht auch auf das Interesse der Forengemeinde stoßen dürfte:

ABENTEUER IN WIEN aka GEFÄHRLICHES ABENTEUER
Österreich/ USA 1952

Mit Gustav Fröhlich, Cornell Borchers, Francis Lederer, Inge Konradi, Manfred Inger, Fritz Eckhardt, Karl Farkas, Michael Kehlmann, Franz Marischka, Wolfgang Glück u. v. a.

Buch: Michael Kehlmann, Franz Tassié
nach dem Roman Ich war Jack Mortimer von Alexander Lernet-Holenia
Musik: Richard Hagemann, Hans Hagen
Kamera: Helmuth Ashley
Produktionsleitung: Carl Szokoll
Produktion: Ernest Müller
Regie: Emile Edwin Reinert

Sponer ist ein Taxichauffeur, der als Kriegsheimkehrer ohne Papiere in Wien lebt und stets seine Verhaftung befürchten muss. Als in seinem Taxi unbemerkt ein Amerikaner erschossen wird, beschließt er, die Leiche verschwinden zu lassen und deren Identität anzunehmen. Ein gefährliches Abenteuer beginnt, das mit der Suche nach dem Mörder verbunden ist.

Gefährliches Abenteuer aka Abenteuer in Wien ist ein grandioser österreichischer Film Noir, der nicht nur spannend inszeniert, sondern ausgesprochen ansprechend fotografiert ist (Kamera: Helmuth Ashley).
Der österreichische „Standard“ urteilte:
„Ein kleines, heute fast vergessenes Meisterwerk des Film noir: Ungewohnt düster präsentiert es den Schauplatz Wien – ungemütlich, mit schrägen Treppenhäusern, Durchgängen und vom Verkehr überrollten Gassen.(...) Die von Kameramann Helmuth Ashley eingefangenen Bilder von bezwingend dichter Atmosphäre, das hohe Tempo und die guten schauspielerischen Leistungen machen Abenteuer in Wien, die erste österreichisch-amerikanische Koproduktion seit Beginn des Tonfilms in Österreich, zu einem der herausragendsten deutschsprachigen Kriminalfilme überhaupt.“

Das Filmarchiv Austria meinte:
„Ein kleines, lang kritisch vernachlässigtes Meisterwerk des österreichischen Nachkriegskinos.“

Für das perfekte Drehbuch zeichnet einer der herausragendsten deutschsprachigen Fernsehregisseur verantwortlich, der grandiose Michael Kehlmann, der es im Alter von nur 25 Jahren verfasste. Kehlmann spielt selbst auch als Passfälscher mit und seine späteren Regiekollegen Franz Marischka und Wolfgang Glück sind auch mit von der Partie. Die Besetzung ist zudem überaus gelungen, bis in kleinere Nebenrollen, wo sich u. a. der spätere „Oberinspektor Marek“ Fritz Eckhardt und die österreichische Kaberettlegende Karl Farkas tummeln.

Interessant ist, das nach der österreichischen Version auch eine amerikanische mit fast gleichem Drehstab unter dem Titel Stolen Identity gedreht wurde (die ich allerdings nicht kenne). In jedem Falle ist Gefährliches Abenteuer (so der Titel im DVD-Vorspann) mit Sicherheit ein zu Unrecht vergessenes und unbekanntes Juwel der deutschsprachigen Krimigeschichte. Sehr empfehlenswert!

Editiert von Gubanov am 06.02.2018, 22:55 Uhr - Beitrag und Antwort in bestehendes Thema integriert

Giacco Offline



Beiträge: 1.907

06.02.2018 21:21
#14 RE: Rot-weiß-rote Spannung: Der österreichische Kriminalfilm der 50er und 60er Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #13
In jedem Falle ist Gefährliches Abenteuer (so der Titel im DVD-Vorspann) mit Sicherheit ein zu Unrecht vergessenes und unbekanntes Juwel der deutschsprachigen Krimigeschichte.

"Gefährliches Abenteuer" war der Kinotitel in der BRD. Man sollte vielleicht auch die Fernseh-Inszenierung (WDR, 1961) des Stoffs erwähnen. Sie hatte den Titel "Jack Mortimer" und Regie führte Michael Kehlmann. Darsteller: Gunther Malzacher, Horst Niendorf, Ingrid van Bergen, Bum Krüger, Karl Lieffen, Manfred Inger.

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